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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 27.1902"

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St. Petersburger 


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HEDICimMHE WOCIESSCIRIFT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Rjj?a. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


XXVII. JAHRGANG. 

(NEUE FOLGE XIX. JAHRGANG). 


ST. PETERSBURG. 

Buchdruckerei von A. Wienecke Katharinenhofer Prosp., Ni 15. 

1902 . 


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St. Petersburger 




UEDICINISCIE WOCHENSCHRIFT 

unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Rij?a. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


XXVII. JAHRGANG. 

(NEUE FOLGE XIX. JAHRGANG). 


ST. PETERSBURG. 

Buchdruckerei von A. Wienecke Katharinenhofer Prosp., JÄ 15. 

1902 . 


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INH ALTS-VERZEICHNISS. 

Die mit * bezeichneten Zahlen beziehen sieh anf Original-Arbeiten, die eingeklammerten aaf die rassische Literatur-Beilage. 


Aba8tuman, topogr. n. klin. Verb. 
-8 ( 6 ). 

Abdomen, Laparotomie weg. Contu- 
sion d. —s. 164. 

—, Beitr. z. Chirurgie d. — s. 487. 
—. penetr. Wanden d. —s. (43), 
(63). 

—, z. Chirurg. Path. d. —s. (61). 
Abort, Extr. fluidi Viburni prunif. 
b. - (71), (74). 

Abscess, F. v. sobdiaphragm. —en. 
(25). 

—, F. v. intraabdominal, snbphren.— 
(36). 

Acarns, — follicul. b. Lidranderkrank. 
294. 

Accomodation, d. — Aphakischer. 
(16). 

Adipositas, — dolorosa. (34). 

Aerzte, Normaistatut f. Kirchspiels — 
219. 

—, d. — Kurlands. 360. 
Agglutination, d. — als Diagn. b. 
Rotz (13). 

Agoraphobie, F. v. — (80). 

Airol, d. Bruns’sche —paste 397*. 

—, Wirk, d — «Roche» (5). 

Akne, F. v. schwer. — 21. 

—, Beh. d. — m. Ichthyol (9). 
Akromegalie, F. v. — 6. 
Aktinomykose, üb. — (25), (26). 
Aibargin, —beh. d. ac. Gonorrhoe 
(81). 

Alkoholismus, modern. Beh. d. — 
13. 

—, aerztl. Gesellsch. z. Erforsch, d. 

— 175, 186, 196. 

—, d. klin. Form. d. — etc. 243. 

—, Heredität, d. — (37). 

—, Beh. d. — ra. Hypnose (46). 

—, gegenw. Beh. d. — (57). 

Alopecia areata, — (4), (14). 

—, Phosphor b. — (53). 

Alter, Beh. d. —sveränder. 436. 

—, Kampf, d. Wissensch. ra. d. — 
(29). 


Sach-Register. 

\ 

Altersschwäche, Pljuschkin e. Typus 
v. - (52). 

Amaurosis, F. v. — hyst. (30). 
Ammen, Ber. üb. d. Marien—asyl. 
458. 

Amputationen, Statistik d. — (68). 
—, Fuss—n. Wladimirow—Mikulicz 
(70). 

Anaemie, Beh. d. — b. Kind. (36). 
—, Netzhautblut. b. perniciös. — 

(3ö). 

Anaesthesie, üb. Rückenmark— 33. 
—, üb. Operat. b. region. Cocain— 
75*. 

Anatomie, — d. Frosches 20. 

—, Atlas d. Hist. u. mikr. — 131. 
—, z. path. — d. kindl. Alters 253. 
—, Grundr. d. — f. Künstler 274. 
—, Lehrb. d. spec. path. — 387. 

—, Einf. i. d. physik. — 470. 
Aneurysma, z. Aet. d. Aorten— 
(33). 

—, — arter. venos.u. Schussverletz. 
(81). 

Angina, Serotherapie d. — lacun. 

streptokok. (2). 

—, F. ulcer. — (33). 

—, Carbolinject. b. Scharlach — 
(54). 

Angina Ludowici, F. v. — (58). 
Angina Vincents, F. v. — (76). 
Angiom, elektrolyt. Beh. v. —en 

144. 

—, art. — d. Rectum (2i). 

—, —a cavern. retrobulbäre (38). 

—, Wirk. d. Lichtbeh. a. —a simpl. 
(62). 

Ankylose, F. v. — boid. Hüftgelenke 

(24) . 

Anihrax, z. Cas. d. — b. Mensch. 

(25) . 

—. d. span. Fliege b. experiment. — 

(26) . 

—, z. Beh. d. — (28). 

—, prim. Erkrank, d. Lungen b. — 
(79). 

Antithyreoidin, — b. Morb. Base- 
dowii 32. 


Anuria, z. Ther. d. — calcul. 514, 
—, F. v. — b. Scharlach (47). 
Anus, F. v. — praeternatural. n. 
Trauma (50). 

—, F. v. — vestibularis (60). 

—, vagin. Atresie d. — (74). 

Aorta, temp. Insuf. d. Serailunarklapp. 

d. - 443*, 451*, 465„ (54). 

—, z. Aet. d. —aneurysm. (33). 

—, Commuuicat. zw. — u. Art. pnlm. 
(42). 

Aphasie, üb. — (57). 

Apotheke, d. Reinlichk. in —n (26). 
Apparat, — f. Gelähmte (23). 
Appendicitis, s. Perityphlitis. 
Apperception, Stör. i. d. — b. Geis¬ 
teskrank. (57). 

Arbeitsfähigkeit, üb. d. — Einäugig. 
(38), (43). 

Arbeitszeit, üb. d. Norm. d. — b. 

schädl. Gewerben 27*, (23). 
Argentum colloid. Credö, — b. Bu¬ 
bonen (6) 

Arm, F. v. verkrüp. — 400. 

—, Amputat. d. —es weg. Osteo¬ 
sarkom. (70). 

Arsen, üb. Hautveränd. d. — 171*. 

—, — beh. d. Chorea (77). 

Arteria carotis, Ruptur d. — b. 

Mittelohrerkrank. (36), (60). 
Arteria hyaloidea, — persist. et catar. 
pol. post. (10). 

Arteria radialis, Fehl. d. Puls. d. 
recht. — (46). 

Arterien, klin. Best. d. — Druckes 
(13). 

Arteriosklerose, Sehnerv u. — 242. 
Arthritis, Sidonal b. — (34). 
Arzeneimittel, Lehrb. d. — lehre 41. 
—, Compend. d. —Verordnung 162. 
—, d. neu. — 429. 

Arzt, d. — 61. 

—, prakt. — n. Specialist 255. 
Ascites, Operat. d. — b. atroph. 

Lebercirrhose (10), (67). 

Asepsis, üb. — u. Antisepsis. (62). 
Aspirin, — b. exsud. Pleuritis (36). 
Asthma, üb. — oardiale (59). 


140847 


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IV 


Astigmatismus, 11b. Linsen— (17). 
Asyl, — f. Brustk. n. Ammen 458. 
Ataxie, ac. cerebr. — (10), (56). 
Athetose, F. doppelseit. — (48). 
Athmen, method. — (9). 

Atlas, — d. Geisteskranke 331. 
Atropin, Wirk. d. —s b. Undurch- 
gäng. d. Darms (26), (69), (76). 
(32). 

—. Hallucinat. b. —vergift. (56), 
Auge, d. —nsyphilis i. d. dritt. Ge¬ 
neration 205. 

—, üb. Enucleat. n. Eviscerat. d. —s 
206. 

—, Bell. d. scrophul. —nentzünd. 
281. 

—, wann soll ein — enucleirt wer¬ 
den 281. 

—, perfor. Verletz, d. — 360. 

—, —unters, an Gymnasiast. (16). 

—, angeh. Anomal, d. —s. (17). 

—, üb. d. — nreflex (27). 

—, Wirk. d. Tropococalns a. d. — 
(30). 

—, Wirk. d. Dionins a. d. — (30). 
—, Bezieh, d. Gangl. supr. n. sym- 
path. z. — (37), (58). 

—, Magnetextract. v. Eisen a. d. — 
(38). 

—, Beh. v. Eiterung, i. — (38). 

—, Veränd. d. Dispersion i. — (38). 
—, Arbeitsfähigkeit Einäugiger nach 
Verletz, d. —n (38), (43). 
Augenärzte, fliegende Kolonnen v. —n 
(18), (30), (48). 

—, Statistik üb. d. — i. Russl. (38). 
Augenambulanz, Ber. d. — z. Libau, 
133. 

Augenheilkunde, — u. Ophthalmosko¬ 
pie 388. 

—, Einfuhr, in d. — 456. 

—, Encykl. d. — 470. 
Augenkainmer, spät. Herstell, d. — 
post. Extract. (30). 

Augenklinik, Mittheil. a. d. — zu 
Stockholm 33. 

Augenkrankheiten, Atlas d. äuss. — 
206. 

—, Berichte üb. — (16), (17), (18), 
(38), (58). 

—, Anwend. d. Sozojodol b. — (82). 
Augenlid, Acarus d. —er 294. 

—, üb. Cornu cutan. d. —es (17). 

—, syphii. Initialsklerose a. — (30). 
Autointoxication, d. — als Ursache 
v. Nervenkrankh. (56). 

13 . 

Badstube, Bedeut, d. russ. — b. 

Bekämpf, d. Hautkrankheiten (40). 
Baeder, Studienreise i. d. Nordsee. 
149*. 

—, —behandl. b. Pneumonie 193, 
— 21, (19). 

—, Schwefel— b. Syphilis 317. 

—, Schlamm— b. Rückenmarksyphi¬ 
lis (3). 

—, Liman— b. Herzkrank. (34). 

—, Nauheimer — b. Herzkrank. (34). 
—, locale Schlamm— (61). 


Baeder, Bedeut, d. Reinigungs— f. 
Kreissende (79). 

—, heisse — b. Chirurg. Krankheit. 
(81). 

Bakterien, — 51. 

—, Wirk. d. Lichtbeh. a. — (62). 
Bakteriurie, — d. Kinder (4). 
Balantidium coli, F. v. — (37). 

—, Infect. m. — (43). 

Becken, z. Aetiol. d. eng —s 381. 
—, ac. Osteomyelitis d. —s (67). 

—, 10 F. v. —fractur (69). 

Biceps, Zerreiss. d. — 132. 

Blut, —unters b. Neurasthen. 33. 

—, Leitf. z. klin. Unters, d. —es 

132. 

—, Veränder. d. —es i. Hochgebirge 

273. 

—, biolog. React. a. — (3). 

—, Einfl. leukotox. Seruminject. a. d. 
- (25). 

—, Veränder. d. —es b. Leprösen 
(39). 

—, Bestim. d. Alexine i. —serum (41). 
—, — veränder. b. Syphii. (57). 

—, d. — b. Gonorrhoe (82). 
Bluterbrechen, —b. Appendicitis (32). 
Blutgefässe, d. — d. lang. Sehnen a. 
Arm etc. (68). 

—, z. Aet. d. Erkrank, d. — (69). 
Blutkörperchen, Herkunft d. weiss. — 

274. 

—, Bestim. d. Stabil, d. roth. — (26). 
Blutung, F. v. spät. — i. Wochenbett 

133. 

—, —en d. Neugebor. a. d. Genital. 
(79). 

Bradykardie, F. v. — 42. 

Brillen, Grösse d. — gläser (30). 
Bromocoll, — geg. Hautjucken (36). 
Bronchien, z. Cas. d. Fremdkörper i. 
d. — (68). 

Brusthöhle, Stich- u. Schnittwund, 
d. — (59). 

Brustorgane, Atlas d. Radiographie 
d. — 162. 

o 

Caisson, Verhütung, d. —Krank¬ 
heit. (6). 

Calciuraperoxyd, ther. Anwend. d. —s 
(14). 

Calorael, — b. Grippe (8). 

—, —inject, b. Elephantiasis (63). 
Cancroin, Beh. d. Krebses m. — 
Adamkiewicz 191*. 

Carbolsäure, Vergift, m. — (9). (29), 
(56). 

—, —inject, b. Scharlachangina (54). 
Carcinora, Beh. d. —s m. Cancroin 
Adamk. 191*. 

—, Resect. d. Pars pylor. b. — 3. 
—, üb. Oesophagus — 4, (19). 

—. Ber. üb. d. Comit6 f. —forschung. 
411. 

—, F. v. Bronc hial u. Lungen — 524. 
—, d. Gas - StoffWechsel b. —krank. 
(13). 

—, Exstirp. d. Kehlkopf, weg. — 
(19). 

—, Magenresect. weg. — (19). 


Carcinom, gleichzeit. —u. Tuberkni. d. 
Rectum (22). 

—, d. — d. Pankreas (34). 

—, üb. Pleura —e (36). 

—, — d. äuss. Genital. (61). 

—, üb. Rectum —e (69). 

—, d. —mortalität i. Petersburger 
Hosp. (65). 

Cerebrin, Beh. d. Epilepsie m. — 
(33). 

Chemie, neu. Method. d. physik. — 
u. Balneologie 117*, (43). 

—, Vortr. f. Aerzte üb. physik. — 
272. 

Chinin, Nutzen d. —s b. Typh. abd. 

u. and. Krankheiten 193, 263, (44). 
—, — b. Malaria (37). 

Chirurgie, spec. — 470. 

—, Pincetten ä demeure i. d. — (8). 
—, allgem. — (69). 

Chloral, üb. —vergift. 32. 
Chloroform, üb. — (5). 

Cholecystitis, — ac. purul. (62). 
Cholesteatoms, d. — d. Mittelohres 
(53). 

Chorea, Arsenbeh. d. — (77). 
Circulationsapparat, Erkrank, d. —es 
446. 

Circuracision, Gefahr, d — (10). 

—, d. rituelle — (57). 

Clavicula, F. v. Luxation d. — (81). 
Cocain, üb. Operat. b. region. — 
Anästhesie 75*. 

Coecum, Operat. d. Tuberkul. d. —s. 
(7), (32). 

Coeliotomie, d. Ventroskopie b. vagin. 

- Ul). 

—, s. a. Kolpocoeliotomie. 

Coffein, Anwend. d. — (öl). 
C-ongress, XX — f. inn. Med. z. 

Wiesbaden 194, 232, 264. 

—, IV nord — f. inner. Med. i. 
Helsingfors 3y2. 

—, nord. Naturf.- u. Aerzte— i. 
Helsingfors 535. 

—, XI — russ. Naturforscher u. 
Aerzte (41). 

—, — d. franz. Therap. in Toulouse 
(73). 

Conjunctiva, F. v. Tuberkulose d. — 
78, (38), (81). 

Conjunctivitis, 2 F. v. Malaria — 
(68). 

Conserven, Ernährung m. Fleisch- 

(5), (6). 

Conservirung, üb. — v. Leichen u. 
Präparat. 42. 

Contractur, F. v. Dupuytren— 77. 
—, Sehnenplastik b. — d. Füsse 334. 
Cornea, üb. Fremdkörper d. — 281. 
—, Eserin b. Erkr. d. — (17). 

—, Ichthyol b. Erkr. d. — (58). 

—, Beh. eitr. —erkr. m. chem. Son¬ 
nenstrahlen (58). 

Corset, neu Iranzös. — 295. 
Creosotal, — b. chron. Lungener- 
krank. (9). 

Croup, d. Intubation b. — (79). 
Cysticercus, —blasen i. Glaskörper 
(38). 

—, üb. — subretinal. (38). 


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XVII 


Weinberger 162. Wiehert, L. f 283. Wjetrow f 23. Woloschin (10). Zalenski, R. f 177. 

Welitschko, V. t 45. Widraark 33. Wladimirow, GL (3). Worobjew (8), (10). Zeidler (22), (62). 

Weljaminow, (23). Wietz, M. t 382. Wladimirow, W. (68). Woroschilski (71). Zeissl 272, 467. 

Weljamowitsch (10), Wigdortschik (10),(29), Wnukow (29). Woskressenski, G. (7). Zeitlin (80). 

(36), (36), (54), (71). (50). Weinitsch - Sjanoshezki Woskressenski, K. (56). Zeller, M. f 382. 

Wellraann, B., j 447. Wigura (73), (74). (26). Woskressenski, M. 190. Zesarewski (10). 

Welp, s. Kehr t». — Wille 486. Woinow, E. f 71. Woskressenski, N.(36). Zibulski (80). 

Wenglowski (67), (70). Windelband (66). Wolff, F. f 80. Wreden (65). Ziechanski (73). 

Wermel (78). Winogradow (60). Wolff, J. f 80. Wroblewski, T. t 418. Ziegler 387. 

Wershbitzki (6). Winokurow (1). Wolfram 2*, 102, 283. Wnlffert, F. f 447. Ziemssen, H. y. f 23 , 

Wesselobsorow (26). Wlnternitz 198. Wolfsohn (15). Wygodski (18), (30). 36. 

Wesselowski, S. f 15. Wirsaladse (27). Wolk (38). Wyrubow (10), (56). Zitowitsch (60). 

Westenryk (48). Wirschillo (66). Wolkowitsch, E. (69). Wystawkin (67). Zitrin (57). 

Westpbalen 60, 186, Wirschobski (36). Wolkowitsch, N. (11), Zoege 273,(67). 

213*, 225*. Witkowski, R. f 527 (oO), (69). Zwetajew (71). 

Weyert, (30). Wittkowski. J. t 7. Wolkowski (76). Zaayer, f 639. Zwirko (9). 

Weygandt 331. Witkowski, T. f 274. Wollberg, A. f 197. Zabludowski (41). Zypkin (32). 


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ilt si Bpark 1896 r. k 2) hs neacxjiiapoAHOft BUCTasah at Jlogxoit 1902 ro*a. 


nPOTPAMMA: 

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cTam ea oTgkiain, Hayxb B8b oßaacTa MexnasHH, xsaia ■ ecTecTBosHauia. 2) OGsopb 
oTeuecTBesHofi ■ sBOCTpaBHofl JisTepaTypu no rbxb ae npeaiieTaMb ■ HSBaeqeHia H8b 
Hea- 3) Hobuh Bpaq^ßana cpeAcraa, axb cßoöcTBa h npmrfeHeeie. llaTeBTOBaBBua h 
ceKpeTHua cpeacTBa. 4) CTaTba no BScxtAOPaBiio npoxoBOAbCTBeBHuxb a hbuxb jkhs- 
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Eopbßa ci <J)axbCH$BKanie8 bo Bctxb ea npoaHaeBiaxi- 5) raßoTH asb oßxacTH cy- 
xeßHol a caasTapHofi xbub- JJesaaibeKitia 6) HscjrbxoBaBia xaxaqecKia a mbkpocko- 
nanecxia bi> oßaacTa (^apBapia a tpai-MaKorHosia a mbtoah onpegbaeBia a oßpoRaqe- 
cTBeBHocTH Bpaqeßeuxb cpeACTBb- 7) OrA&rb npaKTanecaofl (papiiaaia. 8) Baßaiorpa^ia. 

EutoboH oTAtav 9) O^aniaabBaa qacib: npaBBTeabCTBeBHua pacnopaseaia- cTa- 
TacTBvecKie K6ABi(BBCKie orqeTH, paspbmeHie sa oTapuTie anivKb, onpexkaeaie a ne* 
peirfentenie <JmpTaiteBTOBT> no BbAOMCTBam>: BoeaaoMy a aopcaoMy. 10) Cooßnteaia a 
OTueTW ({lapMaiteBTaqecKBXi, oßmecTBb. 11) XpoBsaa anTeqaoft sbsbb. 12) Biorpa<J>ia 
a Bexpojrora HSB-fecrHuxb xkaTexefi aa nonpautt <J>apnani«. xairia, MeAauaau a ecre- 
cTBeaBiixb sayab. 13) Cnp&Boqaid OTAtab. 14) OrKpuTaa KoppecnoaAeania. 15) Oßb* 
BBAema- 16) Pacyaxa, qepreza a noptpeTU, oTHocamieca Kb TexcTy- 


yCJIOBIH nOAQHCKH: 

n,taa xypaana ci AocTaBxofi a nepectuiRofl bt, Poccia: Ha roAb 6 p. aa 6 MtcaneBb 
3 p. 50 a aa 3 Mtcaita 2 p. Käsend M 25 r. roAOBHMb noAnacaaRaiii AonycxaeTca 
pascpoqxa no Tpermib roga, npa qem>, Bb cjyqat aenocTynaeaia naaTU bi> cpoRb, 
xypaaab BucbuaeTcn aaaoxeHHuin, naaTexoMb. Jtaa csyxantaxb Bb anTexaxb 
qacTHüib, KaaeaBuxb a oßmecTBeHauxb nocjrfe nepBbixb xnyxb B8HocoBb no xBa pyßxa 
AonycaaeTca murra sa cabiymmie Ana xtcan;a no oahomv pyßaio. — 3a Haaoate- 
aie oxaTexa a sa nepeiritay axpeca BsaaaeTca no 20 son. HpoßHun ayuepa Bucuaa- 
lOTca no TpeßoBaai» ßesnaaTBO. Hpa BunacRi BHarb qepesb Hamy pexaxniio nox- 
nacqaaB noAbsytorca ycTynaoio 10 h . 

üoAnacKa npaaaifaeTca: 1) Bb peAaRitia (KpacBun BopoTa, a- BopacoBcaoft); 2) n 
xoHTopb^TanorpadN’a ToBapamecTBa H H. KymaepeBb a K° (IIBMeaoBCBaa yx., coß. 
AOMb) b Bb MarasBfffe (HaKOAbCKaa, a- ßp- HaxoBim,). 

OßbflBjeaia npBHBMamTca so gilt: 

IlepeAb TeacToirb cTposa neTHta 25 roq. Hocxb TeRCTa: sa 1 /i erpauaay 30 p. sa V* 
CTpaHHpu 15 k-, sa cTposy neTHTa (Bb CTpaHanb 3 cToxßita) 15 r. 

PeAaRTopu MaracTpu (bapaaiva: | 


HMI 1 EPATOPCKOE KgBKa 8 CKoe MejtHUHecKoe OömecxBö H 3 Aaen> Bb 
reqesie ro^a flpoTOROAAU cbouxi sactjtaHift (on> AByxb äo Tpext HoaepoBi, 
bi nicaiTb) h 2—3 khhtb MeANUNHCKaro CÖopHNMa. Utea o 6 ohmi Hs^aHiaMi 
Biricrt 5 p. ci nepecbUKoft. OTAtjbHO n,tHa flpOTOKOAAOBi 3 pyöja, a 
xaaytoft RHara Cßopamta 1 pyö. 50 roo. 

IIoAnHCKa aa 1903 iw» npaaHMaeTca bi Ta^Jacct y ceEpeTapa OömecTBa. 



Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Schwester Oonat. Schmidt, IleTepß. er- 
MaTBheBCRaa yx. x- 9, kb. 20. 
Oxira OrtTxoaa. 'JepriABCK.. a- 17, rb.19. 
Fran Elvine Juokam (Hebamme) Bac, 
ocTp. 15 ABHia, ä- 28, kb.7. 


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544 


Dr. Hammel s Haematogen 

Gereinigtes ooncentrirtes Haemoglobin (D. B. Fat. JA 81,391) 70.0, ohemisoh reines Glycerin 20,0, Aromatische und 

Geichmackszusätze 10,0 (Alkohol 2°/®). 

Als blutbildendes, organeisenhaltiges, diätetisches Nähr- nnd Kräftigungsmittel für Kinder und Erwachsene bei 

Schwächezuständen irgend welcher Art unerreicht, 

-*4 besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. 

Haemategen Hommel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobin (Sterilisirt, d. i. frei von den im Blute 
kreisenden Bacterien) noch sämmtliche Salze des frischen Blutes, insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalze 
(Natrium und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweisssloffe des Serums iu concentrirter und gereinigter 
untersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch Säure-Pepsin oder Hitzegrade er¬ 
zeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen und peptonisirte Präparate werden, wie Volt* 
München, N e u m e i 8 t e r-Jena und C a h n -Strassbnrg nachgewiesen haben, überhaupt nicht direkt resorbirt; ihre 
Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche Verdauung weiden 
zweifellos Stoffe zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wichtigkeit sind. 
Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fällen von Rbachi- 
tis, Scroplrulose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte, Präparate sowie Leberthran 
Jodeisen n. s. w. angewandt wurden. 

Haepiatogen Hommel kann als diätetisches, die tägliche Nahrung ergänzendes Mittel jahrans, jahrein ohne Un¬ 
terbrechung genommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenprftraraten unvermeidliche Orgasmus. 


Waimmiw was» PBlo/VKnnWir warnen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, Ins* 
ff ar II Uli 5 vur J? UiicL/U 11110 • besondere vor solchen n.it Aether-Zusatz. Sie repräsentiren nnr gewöhn¬ 
liche Mischungen, ln solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretionsstoffeu (Hip¬ 
pursäure, Harnstoff, flüchtige Fettsänren, Gase etc. etc.) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original Präparat Hft0(natOQ6fl HoiWTlül zu ordiniren. 


TJrtheil Russischer Aerzte über Haematogen Dr. «Hommel». 


«Ich habe Dr. Homroel's Haematogen in 6 Fällen 
essentieller Anaemle angewandt nnd meine Beobachtungen 
an diesen Fällen sind dadurch interessant, dass ich im 
verflossenen Jahre verschiedene Eisenpräparate angewandt 
hatte mit äusserat geringem Erfolg. Nach Anwendung 
von «Dr. Hommers Haematogen» hingegen stellte sich 
ein sehr guter Erfolg ein, der sich auch nach 17» Mo¬ 
nat nach Schloss der Behandlung nicht nnr nicht ver¬ 
ringert bat, sondern sogar noch weiter fortschreitet. 

Eine der auffallendsten Folge des Gebrauchs von 
«Dr. HommePs Haematogen“ Ist die erhebliche Anregung 
des Appetits». 

Dr’. med. Scholz. Oberarzt a. Kadettenkorps 1- Wladlkawkas. 


«Ich habe Dr. Hotnmel’s Haematogen in einem 
Fälle schwerer Anaeraie bei einem 37-jährigen Manne 
•and bei einem 15 jährigen Jungen, der sich nach einer 
Uippenresection infolge Pyothorax nnr langsam erholte, 
angewandt. Das Haematogen hat hervorragendes geleistet, 
namentlich im ersten Falle, wo die übrigen Eisenpräparate 
und Arsen fruchtlos blieben». 

Dr. 8elinsky, Ordinator am Kraokenbans zu Praga 
in Warschau. 


verschwinden, kurz, Dr. HommePs Haematogen erweist 
sich in der Kinderpraxis httnflg als mächtiges and un¬ 
ersetzliches Mittel. 

Dr. Kranshaar, polyklinischer Arzt am jüdischen 
Kinderbospital in Warschau. 


«Dr. Hommel’s Haematogen» hat mir in zwei 
Fällen von Neurasthenie mit Anorexie and allgemeine 
Schwäche ln kürzester Zelt ansgezeichnete Besaitete ge¬ 
bracht Ich möchte hervorheben, dass ich in beiden Fällen 
vorher 2 Monate hindurch die verschiedensten Mittel 
ohne jeden Erfolg angewandt habe. Es ist daher be¬ 
greiflich, dass ich nach fernerhin meine Beobachtungen 
an «Dr. Hommers Haematogen fortsetzen will». 

Wlrkl. Staatsrath Dr. med. M. N. Popow 1. St Petersburg. 


«Dr- Hommel’s Haematogen» hat sich mir als ausge¬ 
zeichnetes Präparat erwiesen Eine anaemlsche Patientin, 
die lange Zeit hindurch an Dysmenorrhoe» nnd Anor¬ 
exie, verbunden mit Schwindel und Kopfschmerz litt, 
konnte nach 4 wöchentlichem Gebrauch Ihres Mittels, als 
geheilt angesehen werden». 

Geheimrath Dr. med. Wiljamowsky. Korpsarzt in Wilna. 


«Je häufiger ich meinen kleinen Patienten «Dr. Horn- «Ich habe «Dr. Hommel's Haeinatogen» wiederholt 

mel’s Haematogen» verordne, um so mehr gelange ich in Fällen von schwerer Anaemie nach starken Blnt- 
’.zar, Ueberzengung, dass wir im «Hommerschen Haema- verlosten post partum und bei Aborten, mit grossem Er 
togen» ein In vielen Fällen unersetzliches Mittel besi- folg verordnet und jedes Mal eine Besserung der Kräfte 
tsen. Die besten Erfolge erzielt man’ damit bei Ernäh- nnd das Allgemeinbefindens wahraehmen können», 
-rungsstörnngen, Schwächezuständen, bei Anaemie, Sero- Dr. Jarowoi, Ordinator am Kiewscben- Kirillschen 

phulose, Rachitis, in der Reconvaleszens n. s. w. Das Hospital in Kiew. 

' Aussehen der Patienten, bessert sich, die Hautfarbe fri- __ 

scher, die Symptome der Rachitis und der Scrophulose 

Versnehsqnanto stellen wir den Herren Aerzten, die sich durch Eigenproben ein Urtbeil bilden wollen, gerne grqtis 
und franko zur Verfügung und bitten wir Solche von unserem Versandt-Döpot: Apotheke auf Gross- 
Ochta iu St. Petersburg zu verlangen. 

Tages-Dosen: Säuglinge 1—2 Theelöffel mit der Milcb gemischt (Trinktemperatur!), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rein!!), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigentümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Appthekeu in Original-Flaschen. (87* Unz.) zu 1 Rnb. 60 Kop. 

NICOLAY & Co. Zürich. ( 45j 26-22. 


Xö«B- nein. Cn6., .3 flHBapa 1903r. Herausgeber Dr.Rndolf W »nach. Pucbdrnckeiet v. A. W irnecke.Katharinenbofer Pr.M 1K 


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bisherig— BrivaJdoo—ten Prot. Dr. Page l {ffir Geschieht« 
der Medirin), Prof. Dr. &. Wassermann (Bacterioloee) and 
Dl*. Roblsnck (Gynäketog) xa ausserordentlichen 
Pf 4 1 • s s o r * i er n a « n t. Anseerd-m wurde den Prtvatdo- 
centen Dr. L. Katz (Otolog) und Dr Georg Joachims- 
th-alf O rt h op ftd w ) der PT«f e ss-ortttei rerliehen. 

— V er s to r be n: 1) Am 17. December in der Festung 
ftegves der jün gere Arm de« i. Feeiaegsreg i— t» Dr. S «-• 
g<e n B i k k e r t. 2) ln St. Petersburg der Amt Alexander 
Ualjajew an Apoplexie. Der Verstorbene, welcher ein tbä- 
tfces Mitglied dar medldnischen Gesellschaften und nament¬ 
lich der Geselltchaft mr Wahl unr der Volksg^seniheit war, 
fingirte ia dar letzten Zeit als Inseector (CMOTpaieib) des 
Otmchowiiespitals, wo er viel zur Verbesserung dar Lage der 
Kranken, wie auch des niederen HespitalpersnnaU thut. 3) In 
Kiew Dr. Pa.nl G le bi n, welcher hier jüngerer >m an 
dar MniiIr-Ingeaieur*Aaadeiaie war. Die ä> ztiiche Praxis 
hat er seit 1890 ansgefibt. 4) In Zarskoje Swlo der ältere 
Arzt des il. Bataillons der Gardescbüizeu-Briga-ie Dr. Ale¬ 
xander Lawrowski, welcher als Arzt seit 1881 thfttig 
gewesen ist. 5) In Amsterdam der Prefessor der Anatomie an 
der Universität Leiden Dr. Zaayer im Alter von 65 Jahren 
ah Apoplexie. Der Hingeschiedene, welcher ein Schüler V i r - 
chow s, Lange n beck’e und Brücke’s (Wien) war, 
bekleidete seit mehr als 30 Jahren »eine Professur in Leiden. 
% ist anch mehrfach literarisch thätig gewesen. 6) Io Lyon 
d«r Director der gynäkologischen Klinik der dortigeu Öniver* 
siät, Prof. Dr. Laroyenne 

— An der Univerniiät Jena ist der neu errichtete Lehme hl 
f|r Pharmacte und Nahruugsinitrel-Ohemie dem dortigen Pri- 
vntdocenten Dr. Herma n u Hatthes übertragen worden. 

— ln Moskau tagte vom 18 —21. December der III. Con- 
g res »russischer Chirurgen, an weicnem gegen 80 
As-rzte theilnahmen. Der Congress wnrde eröffnet durch eine 
Bede de« Präsidenten des Organisatiouscomitäs Prof. Dr. Dja- 
ksnow. Zum Präsidenten des Congresses wnrde' Prof. Dr. 
Vf. Besninowski (Kasan) und zum Vicepräiddemen der 
Landschaftsarzt des Moitkausohen Gouvernements Dr. F. Or • 
l«w gewählt Den Hauptverhandlangsgegenstaud bildete die 
Bedang der chirurgischen Tubercnlose. über welche Prof. 
Bo brow (Moskau) refeiirte. Der näcnste Congress wird im 
Jahre 1904 iö St Petersburg stanflnde». Für die Herausgabe 
dis Journals «Pocciücxtü XzpyprnqecKlü BtQTHHKi.» (Russi¬ 
scher chirurgischer Bote) wurden vom Cougtess 3000 Rbl. 
avsgesbrzt * 

— Der erste Congress der deutschen G e 8 e ll- 
s c h a fVz n fr Bekämpfung der Geschlechts- 
krankheiten findet in B«-ilin vom 8.—10. März statt. 

Di? «Craig-Colony» für Eptieptiker in New-York hatte 
eine internationale Preisbewdrbang aasgeschrie- 
bin für eine Originalarbeit, welche die Pathologie und Thera- 

S ie der Epilepsie behandelt. Die Preisrichter haben nun 
ln Preis einstimmig dem Docenten der Budapester Universi¬ 
tät and Ordinarius dir Nervenabtheilung des dortigen St. 
Stephan-Spitals, Dr. J alias Donath, für seine Arbeit «Die 
Bedeutung das Cholins in der Epilepsie» anerkannt. 

(Allg. m. C.-Ztg.) 

— Auf dem VIII. Congress russischer Aerzte zum Anden¬ 
ken an P i r o g o w wurde die Einführung des Unterrichts 
inderSomatoiogie und Hygiene in den Cnrsus 
der allgemeinen und Special-Lehranstalten in Anregung ge¬ 
bracht and die Commission für Ausbreitang hygienischer 
Kenntnisse mit der vorbereitenden Ausarbeitung dieser Frage 
beiraub. Die genannt? Commission bat nun ihre Berathungen 
beendet and sich für die Einführung dieses Un- 
tqrrichtszweiges ausgesprochen. 

— Dem Jahresbericht derUniversitätJ urjew 
lDorpat>'ffir das Jahr 1902 entnehmen wir, dass gegen¬ 
wärtig (von den 8 vacauten Lehrstühlen) in der medicini- 
sehsn Facnltät 2 Lehrstühle neu an. besetzen sind, näinliöh 
der für Gebnrtshülfe und der für Pharmakologie.—Iin Laufe 
dos Jahre« 1902 wurden in der inedicinischen Faeultät g e • 
lehrte Grade und Würden im Ganzen 524 Personen 
zjrtefrkannt, und zwar: die Würde eines Medicinafinspectors 1, 
die eines Kreisarztes 10, der Doctorgrad 6, der Arztgrad -144, 
der Grad " eines Mag. pharm. 4, der Grad einet-Provisors 45, 
di«, Würde. eineB Zahnarztes 60, der Grad eines Dentisten 77, 
der Grad eines Apothekergehülfen 88, die Wirde einer Heb- 
amme 89 Personen. — In den Universitätskliniken 
sind theUs klinisch, theils ambulatorisch und .poUkliuisob Im 
Garizen 21433 Kranke behandelt wpftien. Für die Bearbei- 
tnDgen.der Pr ei s a uf gab e n wurden in diesem Jahre 
im Ganzen 18 A n s zei c h n u ng e n zuerkannt, darunter 
13 goldene Medaillen. Von diesen-Anszeichnnugen er¬ 
hielten in der medicinischen F a c u 11 ä t für Bearbei¬ 
tung der Preisaufgabe «Die Wirkung der Dioxyphenole auf 
den SaWerStoftwenbsel»stud. Alex. Nikolski aus Tambow 
eine lilbsrne Medaille and stad. Leo K&nping aus 
Livland eine ehrenvolle Erwähnung. Für Bearbei¬ 


tung der Preisaufgabe: «Differential-Diagnostik zwischen dom 
Bacillus Typhi abdominalis und dem Bacillus coli communis» 
erhielten stud. Arnold Oldekop aus Estland und «t«d. 
Ejrust Krupp aus Estland goldene Medaille»; 
«Die Histogeuese des experimentellen Amyloids» stud. J. 
'Sprrmnzki aus dem Gouv. Jaroehm und stud. N. K««* 
ty 1 ew aus St. Petersburg gleichfalls goldene Medail¬ 
lon. Jfttr «Untersuchungen über- Katapher» wurde dem Pro¬ 
visor K. Lomid se aus Kutais die goldene Kregläw- 
ski Medaille zuerkannt- 

— Dia Qeaammt za hl der Studirendei ander 

Kiewer Universität betrug zum l. December 1908— 
2441; Daztt kommen noch 21 freie Zuhörer und 53 Apothe- 
kergehUfem. Zur mediciuischea Faeultät gebörtea 6|7 Stu- 
direndeu . ..... . > 

— Zur Bekämpfung der Tubercnlose wird in 
der Argentinischen Republik eine originelle Me¬ 
thode angewandt. Ein Zündhölzchenfabrikant bat 37* Millio- 
oop Schachteln in Umlauf gesetzt, auf welchen Instruc¬ 
tionen gegen die Weitervei breltnug der Tu* 
bereu lose mit den Bildern der Aerzte, welche sich in dem 
Studium dieser Krankheit hervorgethan haben, aufgedruckt 
sind. (Jouru. med. de Bruxelles — Allg. m. C.-Ztg) 

— Der Moskauer Universität sind 50,000 Rbl. zugegangen, 
die der frühere Moskauer Professor der Chirurgie Nowazki 
zum Bau eines Internats vermacht hat» 

— Zum Unterhalt der städtischen Hospitäler 
bat die 8t Petersburger Stadtduma für das Jahr 1903 — 
2326,776 Rbl. aasgesetzt. 

— Dr. Cahnheim in Dresden and Prof. Ehlers in 
Kopenhagen erhielten den französischen Mo nbinne -Preis 
im Betrage von 1600 Free, für ihre gemeinsame Arbeit Über 
den «A ussatz auf Kre t a». 

— Di« «Allgemeine m edicinisehe Central- 

Zeitung», welche in Berlin unter der Redaction der DDr. 
H. und Th. Lohn8tein im Verlage von 0. Coblenz 
erscheint wird vom Beginn des Jahres 1903 abnnr 
einmal wöchentlich ausgegeben werden. Eis 
ist diese Aendernng geschehen, um die Originalabhandlnngen 
Inder Regel nngetbeilt in einer Nummer zum Abdruck 
bringen zu können. Die Einzelnummer wird dafür im Allgemei¬ 
nen die doppelte Stärke wie bisher erhalten, so dass der Ge- 
saramtumfaug des Jähresbandes im Wesentlichen der alte 
bleibt. Dementsprechend weist die erst* Nummer des netten 
Jahres, welche uns bereits zugegangen ist, einen Umfang von 
nicht weniger als 22 Quartaelten auf. Bf. 

— Die lyaaainuiizaiii derKr ankenin denCiril- 
bospitHlern St. Petersburgs betrug am 7. Dec. 
d. J. 8708 (150 wen. als in d. Vorw.), daranter 340 Typhus — 
(27 weu.j,841 Syphilis —(14 wen.). 209 Scharlach —(10 wen.), 
102 Diphtherie —(12 wen.), 78 Masern — (5 wen.) and 68 
Pockenkranke — (16 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 
Für die Woche vom 1. bis zum 7. December 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht ind Alter: 


Im Ganzen: 

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348 289 

637 

153 43 

87 

12 

7 

24 

53 

55 

78 

47 34 

31 

12 1 


2) nach den Todesursachen. 

Typh. exanth. 0, Typh. abd. 12. Febria recurrens 1, Typhös 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 2, Masern 18, Scharlach 8, 
Diphtherie 15, Cronp 1, Keuchhusten 5, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 30. Erysipelas 3, Grippe 4, Cholera asiatica 
0, Rohr 1, Epidemische Meningitis Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0. Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0. 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 2, Pyftmie und Septicaemle 4, 
Tuberoulose der Lungen 98, Tuberculose anderer Organe 20. 
Alkoholismus und Delirium tremens 4. Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 52. Marasmus senilis 28, Krankheiten der 
Verdanungsorgane 65. Todtgeborene 48. 


Nächste Sitzung des Vereins St.. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag d. 7. Januar 1903. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Mentag den 13. Jan. 1903. 


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* ANNONCEN JEDER ART werden in der Buohhandiung von K, L. RICKER in 
St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in- and ausländ. Annoncen-Comptoireil angenommen. 


CASCARINE LE P RINCE 


rGMS ARiN u 

ir^^fftörh Leprince * 


PILLEN ELIXIß 

0,10 der wirk- 0,01 in einem 
namen Substanz. Esslöffel 


CASCARINE int ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc. (Gomptes rendus 
de l'Acad/.mie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. Laifont, Bulletin de VAcadtmie de Me- 
decine , 14 Juni 1892) uud klinisch er¬ 
probt (Soci6t6 de Th6rape»tiqne: Constan- 
tln Paul; Dujardin-Beaumetz, Mtdications 
nouvelles, 2. s6rie; Bibliothöque Charcot- 
Deb'ove, Purgatifs, p. 104; Prof. Lemoine, 

Lille, Thtirapeutique clinique, p. 305; TIson, 
höpital St. Joseph el Congas pour l’avan- 
■ement des Sciences, Bordeaux. 1895, , 
rheil I p- 963; Prof. Charles, de Ltege, 

Cours d'accouchements etc., etc.) ' 

Seine WiiKuug ist coustanr, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist “ 

das Mittel zn vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stuhlverätopfung, ^erleiden, 

Fettleibigkeit. Das einzige Abfiihrmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wuchernng bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. iudicirt ist. . e 

n K . M n . f PILLEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. . 

Gewöhnliche Dosis ^ ßLlXIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Snppenlöffel, je nach d. Alter (tu verringern od. tu steigern je nach d. Wirkung) 

r\ a tk DIOnkirC Unter diesem Namen fabriciren wir kleine SUPPOSITORIEN, welche die Wirkung des 
UMoUMnlbUrillO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stnnde zn beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermeiden, die unter ähnlichen Namea verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: 62, Rue de la Tour, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aerzten zur Verfügung. 

Ddnots: in allen grösseren Apotheken und Drogueuhandlungen Russlands. 

Dorcb Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascanne Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. L ' 





ACETOPYRIN. 

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Bin neues Antipyreticum und Antineuralgicura gegen Migräne, Neuralgien und 
Erkältungen, Specificam gegen Iuflaenza, Gelenkrheumatismus und Gicht. 

D o a i r u n g: Täglich 6 Pulver ä 0,5 bis l G. am besten in Oblaten. Aach in 

Tabletten zn 0,5 and I G. 

Siehe wissenschaftliche Abhandlangen von: 

1. Dr. Winterberg, Wien («Wiener klinische Wochenschrift» Nr. 39 vom J. 1900). 

2. Dr. Frieser, Wien («Medicin.-chirurg. Centralblatt» Nr. 15 vom Jahre 1901). 

3 Dr. Bolognesi, Paris («Bulletin G6n6ral Thörapeutiqne» vom 30. März 1901). 

4. Dr. Laumonier, Paris («Presse M6dical» vom April 1901). 

5. Dr. Goldmann, Wien («Allgem. Wiener Medicin. Zeitung» Nr. 14 u. 15 vom J. 1901). 

6. Dr. Josef Reichelt, Wien («Wiener med. Presse» Nr. 34 vom Jahre 1901). 

7. Dr. Carl Fuchs, Wien aus der Klinik des Herrn Hofrath Dräsche («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 39 vom Jahre 1901). 

8. Dr. Spoiler aus der medic. Abtheiiuug von Prof. Dr. Ortner («Wiener klin. 

Rundschau» Nr. 6 vom Jahre 1901). 

9. Dissertationsarbeit Dr. de Moraes Miranda aa der medicin. Facaltät in Paris. 

Alle Apotheken führen oder besorgen unser Acetopyrin, auf das sich alle 
oben angeführten Arbeiten ausschliesslich beziehen. 

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Frau Haaenfuss Hu. norba^ees. *. J\ 

»». 16. 

Luitgart Heimberger, Bac. Ocrp. 6. 
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Prtl. Br. Kniet Fischer (ßtraeeburg): 

Die Wirkung des JPertwsin“ war ebie überraschende; weftngelich ich 
nicht gerade sagen kann, dass der Rencbhaaten sich in einigen Tagen in eiaenl 
einfachen Katarrh verwandelte, so worden die Anfälle so milde, der Schleim so| 
locker, dass das Ei s*-hr«*ekende des Keuchhustens, das Blanwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. I 

Kr. Model, kgl. Bezirksamt a., i>. (Wcisaenburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertnssin war es mir beim Erwachen plötzlich 
als athroete wir die freie herrliche Loft aot einem Alpen-Gipfol. Diese Leicht* 
'«Innigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Broncbialkutarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

| Kr. Alfred Müller (Neukmeen): 

Kein Urtheil geht dahin, dass das Pertnssin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
| und fast unmerkbaren Bi-oncliialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des clebhen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich E. von Matzner (Birkfeld, Steten*.): 

Die drai mit Pertnssin behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zti den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
'•♦nsgezeichneter Wirknng; der starke Hastenreiz nahm in wenigen Ständen bereits 
'Ab nnd die Secretion begann si»-h bald za verringern, die Temperatur fiel ab. 

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Cystoskopie, üb. — 42. 

—, Bedeut, d. — als Diagnostic. 

(54) . 

r>. 

Dacryocystitis, Bakter. d. angebor. — 
(30). 

—, üb. — neonat. (38). 

Darm, F. v. —occlusion 5. 

—, z. Diagn. d. —occlusion 89. 

—, üb. —resect. 109, 165. 

—, Demonstr. e. —Stücks ra. einge- 
kaps. Kugel 305. 

—, F. v. —invaginat. 334. 

—, d. —resect. im Rigaer Stadt¬ 
krankenhaus 339*, 349*. 

—, Incarcerat. d. —s etc. (4). 

—, —nabt b. gangr. Hernien (21). 
—, Atropin b. Occlusion d. —s 
(26), (69), (76), (82). 

—, Syphilis d. Magen —tract. (61). 

—, tuberk. Verenger, d. Dünn—s 

(55) , (56). 

—, F. v. Undurchg. d. —s (58). 

—, experim. Operat. a. Colon, desc. 
d. —s (60). 

—, —blut. b. incarcer. Hernien (60). 
—, F. v. inn —incarcer. (61). 

—, Beh. d. Mast—Vorfalls (67). 

—, Undurchgäng. d. —s b. Axen- 
drehung (69). 

-, üb. —vereinig, n. Länderer (71). 
—, üb. tuberkul. —Stenosen (78). 

—, Tumor, d. —s b. Kind. (78). 

—, Verletz, d. —s b. unverletz. 
Bauchwänd. (81). 

—, s. a. Anus, Coecum, Duodenum, 
Ileus, Koprolithiasis, Rectum, Vol- 
vulus. 

Darmbein, üb. —exstirp. HO. 
Dermoid, F. v. — d. Harnblase (35). i 
—, üb —e d. vord. Bauchwand (70). 
Desinfection, Beitr. z. — d. Hände 
86, (67). 

—, — d. Briefe u. Bücher (28). 
Diagnostik, spec. — inner. Krank¬ 
heit 332. 

Diarrhoe, üb. Infusorien — 242. 
Diathese, harnsaure — b. Kind. (47). 
—, Wirk. d. —n a. d. Wundheil. 
(62). 

Diazo-Reaction, üb. d. — 96*, 109. 
—, diagn. Bedeut, d. — (26). 

Dionin, Wirk. d. —s a. d. Auge 
(30). 

Diphtherie, üb. d. — 52. 

—, Schnelldiagn. d. — 109. 

—, Demonstrat. e. — Membran 342. 
—, bakteriosc. Diagn. d. — (28). 

—, Verb. d. menschl. —bacill. z. 

Vogel — (43). 

—, z. Bakter. d. — (44). 

—, Zubereit, stark. Anti—serums (48). 
—, Combinat. v. Scharlach u. —(58), 
(66). 

i F. V. — d. Nase u. d. Geschlechts¬ 
teile (76). 

Divertikel, Einklein, d. Meckelschen 
- (26). 

Dormiol, Wirk. d. — (29). 


Dorpat, z. Jahrhundertfeier d. Uni¬ 
versität — 509*. 

Drillingsgeburt, F. v. — (52). 
Druesen, inn. Secret. ein. — (59). 
Duodenum, F. v. Sarkom d. —s 2* 
103. ’ 

—, F. v. Compress. d. —s u. Para¬ 
plegie 334. 

—, Geschwüre d. —s (7), (26). 
Dysenterie, Beh. d. — (6). 

—, d. — in Kwantun (82). 
Dystrophia, F. v. — pap. et pigm. (3). 

E. 

Echinococcotomie, transpleur. — (68). 
Echinococcus, — d. Orbita (17). 

—, Operat. d. — (20). 

F. v. — d. Leber (31). 

—, Verbreit, d. — i. Astrachan (45). 
—, 6 F. v. —(54). 

—, — d. Eierstocks (60). 

—, F. v. — d. Dammes (81). 
Eklampsie, Pathogen, d. — 437. 
Ekzem, Naftalan b. — (73). 
Elektricität, Wirk, statisch. — (11). 
—, Heil. v. Mastodynie d. — (11). 
—, künstl. Unterbrech, d. Schwan- 
gersch. m. — (28). 

Elektrolyse, Beh. v. Angiomen m. — 
144. 

—, — d. Urethrastrict. (23). 
Elektrotherapie, hochgespannte Ströme 
i. d. — 96*. 

—. — ra. Teslaströmen 393. 
Elephantiasis, F. v. vermeintl. — 
317. 

—, Calomelinject, b. — (53). 

—, F. v. — d. Labia majora (70). 
—, Syphilis u. — vulvae (77). 

—, F. v. — nostr. n. Erysipel (79). 
Endokarditis, Streptococceninfect. b. 

— ulc. verruc. (37). 

Enteritis, z. path. Anat. d. Streptoc. 

- (59). 

Epilepsie, üb. geheilt. — 33. 

—, z. Entsteh, d. — 278*. 

—, Trepanat. b. — (7). 

—, Operat. b. choreat. — (11), (29), 
(62). 7 
—, neue Beh. d. — (23). 

—, spat, hyster. Anf. b. — (27). 

—, Beh. d. — m. Cerebrin (33). 

—, d. — u. Dipsomanie (34). 

—, Einfl. d. Druckschwank, i. Schä¬ 
del a. d. — (67). 

Erbrechen, Magenspül. b. unstillb. — 
(82). 

Ernaehrung, Kranken— m. Fleisch- 
conserven (5). 

Erysipel, Beh. d. —s m. Serum 33. 
—, ^Streptococ. - Serumtherapie b. — 

—, — b. Angina scarlat. infect. (1). 
—, z Aetiol. d. —s (6). 

—, Jodtinct. b. — (36). 

—, Diphtherieserum b. — (71) (73). 
—, —as neonat. (76). 

—, gleichzeit. Erkr. an — u. Scarlat. 
(7 öj. 

Eseriu, — b. Hornhautkrkh. (17). 
Essentuki, d. Curort — (53). 


Euchiniu, — u. Influenza (29). 
Eugallol, — b. Ekzemen 61. 
Exanthem, F. v. ungewöhnl. — 2T. 
Exarticulation, üb. —en d. Ober¬ 
schenkels 110. 

Exophthalmos, pulsir. — (18). 

—, zeitweil. — (37). 

Expertise, psychiatr. — 342, 500. 
Extrauterinschwangerschaft, üb. früh- 
zeit. unterbr. — 42. 

—, Präparate v. - en 436. 

—, Tuboovarialtumor b. — (12) 

—, 3 F. v. — (12). 

—, 60 F. v. unterbr. — (12). 

—, z. Cas. d. — (49). 

—, z. Diagn. — d. (60). 

—, nicht operat. Beh. d. — (69). 

—, 21 operat. F. v. — (78). 
Extremität, Entfern, d. unt. — (68). 

Faeces, üb. diagn. Unters, d. — 60. 
—, d. — d. Mensch. 253. 

Favus, Beh. d. — m. RÖntgenstr. 

(59) . 

Fermente, Meth. z. Unters, d — 
(26). 

—, üb. oxyd. — (42). 

Fibrom, F. v. mult. weich. —en 
(15). 

—, —e d. Hodens (19). 

—, Wiederherstell, d. Stimme n. 

Entfern, e. —s (70). 

Filis mas, Delirium durch — (29). 
Fistel, Operat. d. Blasenscheiden —n 
(11). 

—, F. v. angebor. Hais— (43). 

—, F. v. Kiemengang— am Halse 

(60) . 

—, Operat. d. d. rectourethral. —n 
(68). 

—, Urinrecipient f. suprasymphys. 
Blasen— (68). 

Foetus, Unregelmäss. i. d. Entwick. 

d. — (45). 

Formalm, d. — 51. 

—, Wohnungsdesinfect. m. — 411. 
—. d. —desinfect. (6), (26). 

—, Beh. d. Intertrigo etc. m. - 
derivat. (54). 

—, Apparat z. —desinfect. (80). 
Fractur, F. v. — d. os navicul. 5. 

—, F. v. Schädel— 429. 

—, F. v. Schulter— (10). 

—, F. v. Wirbelsäule— (37). 

—, Beh. d. Knochen—en (60). 

—, 10 F. v. Becken — (69). 

Frauen, Zulass. v. — a. d. Univer¬ 
sität. (24). 

Frauenkrankheiten, s. Gynaekologie. 
Fremdkörper, F. v. — i. Kniegelenk 
19*. 

—, eingeheilte — 165. 

—, üb. — d. Hornhaut 281. 

—, — L d. Blase (7). 

—, — i. Ohr (10). 

—, Durchfühlen v. —n (Nadeln) 
(50). 

—, — i. d. Trachea (51). 

—, Extract. e. —s a. d. Speiseröhre 

(61). 


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VI 


Fremdkörper, lang. Verweil, v. —n i. d. 
Luftweg. (65). 

—, z. Cas. d. — i. d Bronchen (68). 
—, — i. äuss. Gehörgang. (71). 

—, — i. d. Urelha (71). 

—, — i. d. Nasenhöhle (80). 

Fuesse, Beh. paralyt. Contract. d. — 
tn. Sehnenplastik 334. 

—, Hygiene d. — (6). 

Or. 

Galaktometer, (5z). 

Gallenkolik, z. Cas. d. —en b. d. 
Geburt (28). 

Ganglion Gasseri, Exstirp. d. — 109. 
Gangraen, F. v. — b. Kind. 293. 
Gastritis, F. phlegmon. — (82). 
Gastroenterostomie, Gallenrückfluss n. 
— 42. 

—, Methode d. — (7). 

—, Technik d. — (62). 

—, Casuist. z. — u. Pyloroplast. 
(68). 

Gastrostomie, — b. Oesophagusste- 
nosen (37). 

—, üb. — (60) 

Gaumen, Geschwür d. —s 400. 
Geburt, F. v. Gallenkolik, b. d. — 
(28). 

—, F. v. Kopfverletz, b. d. — (47). 
—, b. Gesichtslage (49). 

—, plötzl. Tod n. d. — (68). 

— F. v. — nach Uterusruptur (71). 
—, schwache —swehen (74). 
Geburtshilfe, Lehrb. d. — öl. 

—, Diätet. u. Ther. d. — 99. 

—, Grundr. d. — 370. 

—, Leitf. d. — 380. 

—, cas. Beitr. z. — (46). 

Gehirn, F. v —Tumor 122. 

—. F. v. vermeintl. —abscess 173, 
323. 

—, d. otitisch. Erkrank, d. —s 330. 
—, psych. Störung, b. —tumor. 500. 
—, Schlafenlappenabsces.se d. —s (6). 
—, üb. —erkrank (8). 

—, d. vord. Zweihügel d. —s (11). 
—, Einfl. d. —rindenreiz. a. d. 

Gallensecret. (27), 

—, F. v. Klein—tumor (32 1 , (41). 
—, Verletz, d. Schädels u. —s (36). 
—, tlb. —abscesse (48), (49). 

—, Veränder. i. — etc. b. polyneu- 
rit. Psychose (56). 

—, angeb. Hernien d. —s (59). 

—, inoper. —geschwulst (6l). 

—, träum. Hernie d. —s (75). 
Gehörgang, oper. Heil. e. Atresie d. 

äuss. —es 1*, 102. 

—, malign. Tumor im — (63). 

—, Knochensequester i. äuss. — 
(71). 

Geisteskranke, zellenlose Beh. d. —n 
13. 

—, Verschluck, v. Gegenständ, b. e. 
—n 372. 

—, Unterbring, verbrech. —r 499. 
—, Anomal, d. Circul. Willisii b. —n 
(10). 

—, Lage d. —n L Ptsbg. (22). 

—, d. Haarezupfen b. —n (56). 


Geisteskranke, Störung, i. d. Apper- 
cept. b. —n (57). 

—, s. a. Irrenanstalt, Irrenfürsorge. 
Geisteskrankheiten, Atlas u Grundr. 
d. — 331. 

Gelenk, Fremdkörper i. Knie — 19*. 
—, intermit. —Wassersucht 342. 

—, syphilit. —affect. (5). 

—, Neubild. e. —s (19). 

—, F. v. Ankylose beid. Hüft—e 
(24). 

—, anorm. beiders. Hyothyreoid— 

(65) . 

—, Blutversorg, d. Hüft—s (68). 

—, Lichtbeh. b. tuberk. —leiden 
(73). 

—, s. a. Luxation, Resection, Exar- 
ticulation. 

Gelenkrheumatismus, Aetiol. d. — 
352, (72). 

Genu recurvatum, — congen. (62). 
Geschlechtskrankheiten, d. — i. warm. 
Land. 436. 

—, Lehrb. d. — 467. 

—, Verbreit, d. — unt. Student. 
(41). 

Geschlechtsorgane, funct. Störung, d. 

männl. — 272. 

—, Fehlen d. weibl. — (9). 

—, Anomalie d. weibl. — (10). 

—, Erkrank, d. weibl. — (49). 

—, Krebs d. äuss. — (61). 

Geschoss, d. russ. Mantel— (60), 
(61). 

Gift, Wirk. v. —en a. Infusorien 

(66) . 

Glaskörper, Cysticercusblasen i. — 
(38). 

Glaukom. Operat. d. Gangl. cervic. 

supr. b. — 372, (18). 

—, Neurektomia opt. eil. b. abs. — 
(17). 

—, —a simpl. u. Retinit. pigra. (30). 
—, z. Cas. d. —a fulmin. (72). 
Gonorrhoe, lieh. d. — d. Weib. 122, 
249*, 259*. 

—, Beh. d. männl. — 272, 282. 

—. prophyl. Massreg. geg. d — (23). 
—, Heil. d. — (28). 

—, Simulat. d. — (37). 

—, Verwachs, d. Urethra b. chron. 
- 00). 

—, Erkrank, d. Prostata b. — (40), 
(82). 

—, z. Prophyl. d. — (49). 

—, Erkrank, d. Nervensyst. b. — 
(49). 

—, Beh. d. — (66). 

—, Albargin b. ac. — (81). 

—, d. Blut b. — (82). 

Gumma, F. v. — penis (16). 
Gynaekologie, Atlas d. operat. — 
120. 

—, Massagebeh. i. d. — 380. 

— , d. — i. d. Schweiz 388. 

—, Bedeut, d. funct. Nervenkrankh. 
f. d. — 399. 

—, Nervenleiden u. — 436. 

—, Ber. a. d. Klinik f. — i. Wien 
446. 

—, Anwend. v. Pincetten ä demeure 
i. d. — (8). 


Gynaekologie, d. geburtshilfl. - (22), 
(27), (35). 

—, Ber. üb. d. — i. Hosp. zu Kiew 
(49). 

—, Ueberblick üb. d. — u. Geburts¬ 
hilfe i. J. 1901 (79). 

Irl- 

Haematogen, d. Bakterien d. —8 
313*. 

Haematurie, F. v. — (59). 
Haemoglobinometer, neu. — 393. 
Haemophilie, F. v. — 109. 
Haemorrhoiden, üb. — (8). 

—, — b. Kind. (20). 

—, circul. Exstirp. d. — (69). 

Harn, cortic. Centr. d. —secret. 
(27). 

—, gaUertart — (65). 

Harnblase, Fremdkörper i. d. — (7), 
(21). 

—, Operat. d. - nektopie (19). 

—, Tuberkul. d. — (34). •. 

—, Dermoid, d. — (35). 

—, d. - nnaht (68), 

—, Ulcus d. — .(71). 

—, s. a. Sectio alta. 
Harnkrankheiten, Diagn. d. — 20. 
Harnsäure, —bild. b. Vögeln (13). 
Harnwege, Chirurgie d. — (79). 
Haut, Veränder. d. — d. Arsen 
171*. 

—, Sarkom d. — d. Ferse (40). 

—, F. v. Atrophie d. — (53). 

—, Wirk. d. Finsen-Lichtes a. d. ge¬ 
sunde — (62). 

—, neue —naht (67). 
Hautkrankheiten, Handb. d — 34. 

—, Ther. d. — 242. 

—, Repetitor, d. Geschlechts- u. — 
242. 

—, Lehrb. d. — 446. 

—, d. russ. Badstube b. — (40). 

—, — verursacht d. Primula olcon. 
(64). 

Hedonal, Wirk. d. —s a. d. thier. 
Organ. (43) 

—, z. Pharmakol. d. —s (57). 
Heraicephalie, — u. heredit. Syphilis 
(öl)- 

Heredität, — d. Krankheit. (10). 
Heruie, Radicaloperat. d. —n (7), 
(36). 

—, Erblichkeit v. —n (8). 

—, Darmnaht b. gangr. —n (21). 

—, F. v. — incarcer. (26). £ 

—, Darmblut. b. incarcer. —n (60). 
—, üb. küostl Leisten—n (81). 

—, Chirurg. Beh. d. —n (82). 
Herniotomien, 80 — (67). 

—, 22 — n. Roux (70). 

Herpes laryngis, üb. — (67). 

Herpes tonsurans, F. v. — 429. 

—, Beh. d. — m. Röntgenstr. (69). 
—, Heil. d. — d. Wasserstoffsuper¬ 
oxyd (76). 

Herz, angebor. —fehler 273. 

—, syphilit. —affect 392. 

—, anorgan. —geräusche (6). 

—, Verletz, d. —ens (6). 

—, plötzl. Tod b. —Syphilis (8). 


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VII 


Herz, Syphilis d. —ens (29). 

—. auscult. Phfinom. d. Mitralstenose 
d. —ens (35). 

—, Bedeut, d. experiment. Med. f. d. 

Studium d. --ens (51). 

—, Coffein als —mittel (51). 

—, Fragment, d. — musk. (58). 

—, sponl. —ruptur (6»). 
Herzkrankheiten 514. 

Limanbeh. b. — (34). 

—, Naukeimer Bader b. — (34). 
Hetol. Beh. d. Tuberkulose ra. — 
22.' 

Hinken, d. intermittir. — 32. 

—, d. intermittir. — u. d. Ray- 
naud’sche Krkkt. (82). 

Histologie, Atlas d. — u. mikr. 
Auat. 131. 

Hoden, Neubildungen d. —s (19). 

—. Operat. am — (62). 

Hodensack, Meth d. Exstirp. d. —es 
(9). 

Hospital. Grtlnd. e. evangel. —s i. 
Dwinsk 381. 

—, Beköstig, i. Marine— (10). 

—, d. Gebärabt. d. Landsch.—s z. 
Bogorodsk (44). 

Hydrargyrum, vererbte Idionsynkra- 
sie geg. —präparte (48). 

Hydrocele, F. v. kolossal. — 400. 
Hydrocephalus, Operat. d. — intern, 
(bl). 

Hymen, Atresie d. —s (72). 
Hypermetropie, hochgr. — b. Militär 
'(35). 

Hyperpyrexie, F. v. — 4. 

Hypnose, ambul. Anwend. d. — (10). 
—, Beh. d. Trunksucht m. — (46). 
Hypnotismus, d. — 77, 499. 
Hypospadie, F. angeb. — (46), (79). 
Hvsterektomia, üb. —tot. abdom. 
‘(77). 

Hysterie, Beh. d. Neurasthenie n. 
— 331. 

—, übersinnl. Ersch. b. — (58). 

—, F. heredit. — (-2). 

X. 

Ichthargan, — beh. d. Trachoms 
(81). 

Ichthyol, Beh. d. Trachoms ra. — 
(6), (37), (81). 

—, Beh. d. Furunkel m. — (9). 

—, — b. Lungentuberk. (10). 

—, — b. Exkr. d. Cornea (68). 
Ichthyosis, F. v. — (5). 

Icterus, Ulcus pept. duod. b. — (26). 
—, Hämoglobinbest. b. — (69). 

—, z. Urologie d. — (80). 

I|eus, z. Cas. d. — (7), (8). 

—, — verursacht d. mesent. Chylus- 
cyste (21). 

—, üb. — (70). 

—, üb. — n. Laparot. (70). 

—, Appendicitis, Ursache d. — (82). 
Immunität, Einfl. d. Opiums a. d. — 
(13). 

lmpotentia virilis, F. v. — (15). 
Incontinenz, F. v. traumat. — (7). 
Infectionskrankheiten, z. Cas. ac. — 
(2). 


Infectionskrankheiten, Morbid, a. — 
unt. Soldat (6). 

—, z. Pathogen, d. — (25). 

—, Veränder. i. Ovarium b. — (27). 
—, Kocksalzinject. b. — (46). 

—, Beh. d. — (55). 

—, bakteriol. Diagn. d. — (60). 
Influenza, Calomel b. — (8). 

—, d. —epidemie 1900 (10). 

—, Euchinin u. — (29). 

—, F. myasthen, Paral. n. — (32). 
—, Chirurg. Complicat. d. — (70) 

—, Entzünd, d. Highmorshöhle n. — 
(72). 

Instrumente, analyt. — ( 10 ). 
Intubation, d. — sgeschwüre 45. 

—, schwer. Complicat. b. d. — (32). 
—, d. — b. Croup. (79). 
lonentheorie, Bedeut, d. — f. d. klin. 
Med. 279. 

Iridektomie, neue Art. d. — (38) 
Iris congen. Defect d. — (17), 
( 18 ). 

—, Fehlen d. — (30). 

Irrenanstalt, üb. d. Frey’sche — 
163. 

—, d. Chirurgie i. —n (56). 

Irrenlursorge, — u. Irrenhilfsvereine 
59. 

—, Her. d. Commiss. f. bäuerl. — 
207. 


X 

Japan, Heilanstalt, i. — (5). 

Jod, Einfl. d. —tinct. a. d. Immuni¬ 
tät (13). 

—, —tinct. b. Erysipel. (36). 

—, Beh. d. Malaria m. —tinct. (82). 

Jodolenum, ther. Effect d. — (32). 

-b:. 

Kaffee, ther. Eigensch. d. —s (29). 

Kali jodat., Idiosynkrasie geg. — 
(<>) 

Katarakt, 200 —extract. (3). 

—, üb. Blutung, n. —extract. (17). 

—, — b. Tetanie (18). 

—, Glaskörpervorfall n. —extract. 
(29). 

—, —a centr. congen. heredit. (30). 

—, F. v. Natthalin — (37), (38). 

Kephalum, üb. —a orbitae (17). 

Keratoconus, operat. Heil. d. — 
(38). 

Keuchhusten, Beh. d. —s (50). 

Kiefergelenk, Neubild. d. —s b. An¬ 
kylose (19). 

Kieferhöhle, Diagn. d. —nempyems 
(53). 

Kieferklemme, Operat. v. narb. — 
(61). 

Kinderheilkunde, Grundr. d. — 59. 

Kinderkrankheiten, Lehrb. d. — 232. 

Kisslowodsk, d. Curort — (57). 

Klima, einiges üb. d. — v. Libau 
531. 

Knochenerkrankung, —en i. Röntgen¬ 
bilde 13. 

Knochenstumpf, Versorg, d. —es b. 
Amputat. 436. 


Kochsalz, —inject, b. Infections- 
krankh. (46). 

Kolpocoeliotomie, Indicat. d. — (2). 
Kopfschmerz, üb d. — 331, (79). 
Kopndithiasis, F. v. — (55). 
Kosmetik, prakt.*— 457. 

Krampf, Lach— m. — d. Hand (26). 
Kraniektomie. F. v. — (67). 

Krebs, Krebsforschung, s. Carcinora. 
Kreuzbein, Geschwülste d. —gegend" 
(12), (62), (69). 

Kriminalität, klin. Unters, d. — 
(27). 

Kryptophthalmos. z. path. Anat. d. — 
(17). 

- , F. v. — traumat. (30). 

Kugel, Extract. subrauscu). —n (68). 
Kumyss, Bedeut, d. — (52). 
Kurpfuscherei, üb. — 254. 

Kwass, chem. Unters, d. — (48). 
Kyphose, s. Wirbelsäule. 

X-,. 

Laehmung, s. Paralyse. 

Laparotomie, dreimal. — (68). 

—, — b. Schwang. (77). 

—, einige —n (80). 

—, 8. a. Coeliotomie. 

Laryngologie, Nebennierenextract i. 
d. — (33). 

Larynx, Progn. u. Ther. d. —tuber¬ 
kulöse 83*, 89. 

—, Exstirp. d. — weg. Krebs. (19). 
—, Beh. d. chron. — stenos. (69). 
Laune, d. — 513. 

Lebensversicherungen, Statistik aus 
— 524. 

Leber, üb. d. Leukocytose b. hy- 
pertr. iktor. —cirrhose 289*, 301*. 
—, Magenverd. b. d. hypertr. ikter. 

—cirrhose 357* 367*. 

—, F. v. —erkrank. 400. • 

—, Operat. b. atroph. —cirrhose 
(10), (67). 

—, üb. kardiale —cirrhose (21). 

—, F. v. Kugelverletz, d. — (29). 
—, F. v. —echinococ. (31). 

—, F. v. ac. gelb. —atrophie (45). 
—, F. v. atroph. —cirrhose (60). 

—, F. v. —cirrhose b. Kind. (75). 

—z. Cas. d. —abscesse (77). 

—, z. Cas. d. ac. gelb —atrophie 
(81). 

Lenigallol, — b. Ekzemen 61, 166. 
Lepra, F. v. (Syringomyelie vortäu¬ 
schend) 14. 22. 

—, F. v. — 42. 

—, Photogr. v. —kranken 194. 

—, Ber. d. Thät. d. Ges. z. Be¬ 
kämpf. d. — 207. 

—■, F. v — macul. 293, 306. 

—, F. v. — (25). 

—, Infectiosität d. — (37). 

— Veränder. d. Blutes b. —kranken 
(39). 

—, F. v. — (50). 

—, d. — i. Krassny Jar (66). 

—, Beh. d. — m. 01 chaulmograe 
(73). 

Leprosorium, d. Alexandersche — 
(37). 


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VIII 


Leukaemie, F. v. — 109. 

—, Einfl. d. Syphilis a. d. Pseudo- 
- (66). 

Leukocytose, üb. d. —d. hypertr. ikter 
Lebercirrhose 289* 301*. 

—, d. Verdauungs— (26). 

Libau, eine Ges. üb. Klima v. — 531*. 
Lichen ruber, F. v. — 133, 307, 317. 
—, llb. — plan. d. Schleimhäute (78). 
Lichtbehandlung, Fortschr. d. Fin- 
sen’schen — d. Lupus 11* 274, 
(64). 

—, d. — n. Finsen 22,78, (23), (62). 
—, F. v. — d. Orientbeule 49*. 

—, d. Variolaepideraie u. d. — n. 
Finsen 166. 

—, Verwend. d. — 232. 

—, d. — d. Lupus 433*. 

—, Blau — d. Netzhautblut. (30). 

—, — eitr. Cornealerkr. (68). 

—, Wirk. d. — auf: d. gesunde 
Haut, Bakterien, Lupus, Ulcus rod., 
Naevus vasc., Angioma simpl. (62). 
—, — b. tuberk. Gelenkleiden 

(73). 

Linse, üb. d. Bau d. — (14). 

—, üb. —nastigmatism. (17). 

—, z. Cas. d. träum. —nluxat. (37). 
Lithopaedion, F. v. — 274, 281. 
Luft, Bestim. d. Kohlensäuregehalt, 
d. — (62). 

—, heisse —beh. b. Nasen- u. Ra- 
chenkrkhtu. (77). 

Luftwege, lang. Verweil, v. Fremdk. 
i. d. —n. (65). 

—, Erkrank, d. ober. — (78). 
Lunge, Demonstr. e. anorra. — 437. 
—, F. v. Bronchial — u. —n krebs 
524. 

—, Abscess d. — n. Nadelverletz. 
(6). 

—, Anektasie d. —n (20). 

—, perfor. Brustwunde m. Vorfall 
d. — (28). 

—, —Syphilis (H6). 

—, Pupillenerweiter. b. —nentzünd. 
(46). 

—, träum. Prolaps d. — (58), 
Lungentuberkulose, Hetolbehandl. b. 
— 22. 

—, Wahl d. Klimas u. Curortes f. 
— 43, 165. 

—, Frühdiagn. u. Beh. d. — 389. 

—, — u. progr. Paralyse (6). 

—, Ichthyol b. — (10). 

—, — üb. (46). 

Lupe, bioocnl. — (17). 

Lupus, Fortschr. der Finsen’schen 
—behandl. 11*, 274. 

—, F. v. — 42, 52, 59. 

—, d. Lichtbehandl. d. — 433* 

(62), (64). 

Luxation, F. v. Schulter — 108*. 

—, oper. Beh. veralt. Ellenbogen 
—en 243, (63). 

—, Einrenk. d. vord. Schulter — 
387*. 

—, üb. — d. humer. anter. (23). 

—, F. v. — d. Linse (37.) 

—, F. v. — d. Clavicula (81). 
Lymphangiom, F.v. — a. cystic. (1). 
—, angeb. — d. Niere (33). 


Lymphdrüsen, Beh. d. scrophul —d. 
Hals m. loc. heiss. Salzwasserdou- 
chen 321*. 

—, Behandl. tuberk. — (41), (82). 
—, Erkrank, d. retroperiton. —(68). 
Lymphe, Haffkin’sche — b. d. Pest 
(74). 

Lymphom, F. v. —a raalign. (32). 
Lyssa, spät. Ausbr. v. — b. Mensch. 
(46). 

im:. 

Magen, Resect. d. Pars pylor. d. 

—s weg. Carcinom 3. 

—, üb. Ulcus rotund. d. —s. 60, 
186, 213* 226*. 

—, Chirurg. Beh. d. Ulcus rotund. 
d. —s. 77. 

—, F. v. Operat. d. —s 102. 

—, Funct. d. kindl. —s. b. Ver- 
dauungskrkhtn. 163. 

—, Verhalt, d. —saftes b. chron. 
Obstipation 164. 

—, z. Ther. d. Achylie d. —s. 203*. 
—, Atrophie d. —Schleimhaut 273. 
—, üb. —Spülung, bei Kind. 307. 

—, Hypersecret. d. —s. 342. 

—, Enteroanastomose b. Ulc. d. —s 
371. 

—, Chirurg. Ther. d. Ulcus d. —s 
417*, 426*. 

—, —resect. weg. Krebs (19). 

—, Stenose d. Pylorus d. —s. (20). 
—, z. Path. d. —blut. (44). 

—, Durchtasten d. Pars pylor. d. 
—s. (52). 

—, Einfl. d. Pilocarpins a. d. —se- 
cret (60). 

—, z. —Chirurgie (61). 

—, F. v. Ulc. rotund. d. —s. u. Ul¬ 
cus d. Blase (71). 

—, üb. d. Beweglichk. d. —s. (80). 
—, —Spülung, b. unstillb. Erbrechen 
(82). 

Magnetextractionen, — v. Eisen a. 
d. Auge (38) 

Malaria, Panophthalmitis u. — (30). 
—, z. path. Anat. d. — (32). 

—, üb. comatüse — (37). 

—, Färb. ö. —plasmod. (33). 

—, Prophyl. d. — d. Chinin (37). 

—, ein Jahr i. e. —orte (50). 

—, bösartige Form d. — (58). 

—, 2 F.v. —conjunctiv. 58). 

—, d. —, i. Turkestan (66). 

—, F. v. — Epilepsie vortäusch. 
(76). 

—, Erkrank, d. ober. Luftwege b.— 
(78) 

—, Beh. d. — m. Jodtinct. (82). 
Malleus, d. Agglutinat. als Diagn. 
b. - (13). 

—, — b. Mensch. (26), (37). 

Manie, üb. d. — (78). 

Masern, üb. — i. Hosp. z. Irkutsk 

( 1 ). 

—, Frühsymptom d. — (20). 
Massage, Grundz. d. gynäkol. —beh. 
380. 

—, elektr. Luft— b. Ohrenkrkhtn. 
(29). 


Masseur, Blinde als —e (41). 

Mastodynie, Heil, beiders. — d. Frank- 
linisat. (il). 

Mediastinum, Cysten d. — (48). 

Medicin, Handbuch d. Gesch. d. — 13. 

—, Führer d. d.gesammte — 381. 

—, Gesch. d. indisch. — (25). 

Medicinische, russische — Rundschau 
535. 

Medulla obiongata, vasomot. Centr. 
d. - (2;). 

Melancholie, F. compl. ac. — (3). 

Meningismus, F. v. — (9). 

Meningitis, üb. cerebr. — (11). 

Messer, neu. — (67). 

Metall, Meth. z. Iraprägn.d. Gewebe 
ra. —en (14). 

Metreuryse, üb. — (74). 

Mikroraastie, Beh. d. — (41). 

Mikroorganismen, Fortsch. i. d. Lehre 
d. pathog. — 51. 

Milch, d. Pasteurisat. d. — (32), 
(44), (47). 

—, Apparat z. Pasteurisat. d. — 
(72). 

Milz, famil. chron. —tumor 109. 

—, Exstirpat. d. — (3). 

Mineralwasser, d. — Griechenlands 
(10). 

Missgeburt, griechische Götter u. 
menschl. —en 62. 

—, F.v. selten. — 121, 133. 

—. F. v. — 293. 

— üb. —en (49). 

Molluscum atheromatosum, F. v. uni- 
vers. — (16). 

Morbus Bantii, F. v. — (41). 

Morbus Basedowii, Antithyreoidin b. 
— 32. 

—, üb. — 70. 

—, Operat. b. — (70). 

Morbus Littlei, Operat. d. angeb. 
spast. — 332. 

Morbus Parkinsonii, z. Cas. d. —(81). 

Morbus Weilii, 3 F. v.. — (29). 

Morbus Werlhofii, F. v. — (9), (20). 

Morphin, Beh. ac. —vergift. (36). 

—, Wirk. d. —s etc. auf d. Ath- 
mung (42). 

Morphinismus, d. — 51. 

Mundhöhle, d. Krkhtn. d. —, d. 
Rachens u. d. Nase 51. 

Muskel, subcut. —zerreissung (4). 

—, Betheil einz. —n b. Lähmung. 
(26). 

—, unvollst. Entwick. d. gr. Brust 
—s (57). 

Muskelatrophie, F. v. — d. Schulter 
120. 

Myasthenia, F. v. — pseudoparalyt, 
100, 296. 

—, Beitr. z. Kenntniss d. — 523. 

—, F. v. — paralyt. u. Influenza 
(32). 

Myelitis, F. v. —tubersul. (26). 

Myom, Beh. d. Uterus—e 110, 283. 

—, z. —frage (vagin. Operat.) 283. 
(294). 

—, d. Indicationsstell. i. d. —thera- 
pie 283. 

—, z. Operat. d. —e d. Uterus (12), 
(27), (28). 


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Myom, chir. Beh. d. Fibro—e 74. 
Myopie, Operat. d. — (17). 
Myxoedem, F. v. — 13, 132, (25). 

IST. 

Naevus, F. v.—papili. pigm. progred. 
329*. 

—, Wirk. d. Licl»tbeh. a. — vasc. 

(Ü2). 

Naftahm, — b. Kczein (7 3). 

Naftalin, F. v. —katarakt (37), (38). 
Naftawerke, Unglücksfälle i. d. —n 
(79). 

Nagel, orthopäd. Bell, d eingewachs. ; 

-s (o). j 

Nahrungsmittel, Unters, uns. — 34. 
—, d. animal. -- 470. 

—. künstl. — i. d. Chirurg. Praxis 
(70- 

Narkolepsie, F. v. — (57). 

Narkose, Morphin-Scopolamin —450. 
—, d. — b. Entfern, d. dritt. Man¬ 
del (52). 

—, üb. d. Nerven— (56). 

—, gemischte Bruinaethyl-Chloroform 

- (70). 

Nase, träum. Verletz, d. — (46). 

—, Bild. d. — a. e. Finger (65). 

—, partielle —nplastik (68). 

—. F. v. Diphtherie d. — u d. Ge¬ 
nital. (76) 

—, Fremdkörper i. d. — nhöiile (80). 
Nasenblutung. Terpentin b. —en (6). 
Nasenkrankheiten, d. — etc. 51. 
—„Atlas d. — 109. 

—, Abhandl. üb. — etc. 411. 

—, klin. Vortr. üb. — 469. 

—, heisse Luftbeh. b. — (77). 

—, d. Nebennierenextract b. — (77). ! 
Nasenrachenraum, adenoide Vegetat. 
i. — 296. 

Nebennieren, —extract i. d. Laryn- 
gologie u. Rhinologie (33), (77). j 
Nephritis, Diät b. — 392. 

—. üb. Scharlach— (46). 

—, häraorrh. — u. Typh. abd. (48). 
Nephropexie, üb. — (61). 

Nephrotomie, F. complic. — (52). 
Nerven, Grenzfrag. d. — u. Seelen- j 
lebens 352. 513. 

—, üb. Kälte- u. Wärme— (11). 
Nervenkrankheiten, postluet. conjug. 

— 295. | 

—, Bedeut, d. funct. — f. d. Gy 

naekoj. 399. 

—, — u. Frauenkrkhtn. 436. 

—, Chirurg. Beh. d. — (11). 

—, Beh. d. — i. Liman (33). , 

—, Verkrüm. d. Wirbelsäule b. — 
(60). 

Nervensystem, Syphilis u. — 100. 

—, a. d. allgem. Path. d. —s 330. 

—, Veränder. i. centr. — b. De- ; 

ment, paralyt. (27). 

— Veränder. i. — b. Tetania gastr. 
(33). 

—, Erkrank, d. —s b. Gonorrhoe 
(49). 

Nervenzellen,.; Anastoraoseu zw. — 
(43). . - i 


Nervus facialis, F. v. träum.—lähm. 
400. 

Nervus opticus, — u. Arterioskle¬ 
rose 242. 

—, Operat. v. —tumor. (18). 

—, Coloboma d. — (18), (38). 

-, Erkrank, d. — (18). 

Strychnininject. b. —atrophie 
(49). 

Nervus sympathicus, z. Path d. — 
393. 

—, Störung d. — (11). 

—, Operat. d. Gangl. cervic. d. — 
(10. 

—, Bezieh, d. — z. Auge (37), (58). 
Nervus trigeminus, Resect. d. — b. 
Neuralgin (67). 

Neurasthenie, Blutuntersuch, b. — 33. 
—, Beh. d. — u. Hysterie 331. 
Neurektomia, üb. — opt. eil. b. abs. 

Glauk- m (17). 

Neuritis, —retrobulb. (18). 

—, z. Path. tox. — (30). 

Neurose, allgem. träum. — 296. 

—, Progn. u. Ther. schwer. —n 500. 
—, nasale Reflex—en (35). 

Niere, z. Gas. d. — ncysten 20. 

—, üb. —nexstirp. 109. 

—, Demonstr. exstirp. —n (25). 

—, Lymphangiom d, — (33). 

—, subcutane —nlaesion (33). 

—,46 — noperat. (56). 

—, Folgen d. - nexstirp. (59). 

—, Diagn. d. -nerkr. (62). 

—, üb. Chirurg, —nerkr. (69). 

—, z. Cas. d. —ntuberk. (75). 

—, Affect d. —n b. croup. Pneu¬ 
monie (77). 

—, s. a. Nephritis, Nephrotomie etc. 
Nierensteine, z. Diagn. d. — (63). 

—, üb. Wanderniere u. — (67). 

o 

Oberkiefer, Resect. d. —s (69). 
Oberschenkel, Exarticul. d. —s 110. 
—, üb. d. — reflex (27). 

—, F. v. Sarkom d. —s (68). 
Obstipation, d. chron. — 3. 

—, Verhalt, d. Magensaft, b. chron. 

— 164. 

Oedem, —e ohne Albumin. (20). 
Oesophagotomie, F. v. — 102. 

—, 2 F. v. äuss. — (51). 
Oesophagus, üb. —carciuom 4, (19). 
—, Diagn. u. Ther. d. —erkrank. 
(24). 

—, Gastrostomie b. —Stenosen (37). 
—, Extract. e. Löffels a d. — ( 61 ). 
Ohr, z. Radicaloperat. d. —es 100. 
—, d. Hammer - Ambos - Extract. b. 

chron. —eneiterung 133. 

—, Fremdkörper i — (10). 

—. Gehirncomplicat. b. Mittel—er¬ 
krank. 330. 

—, Ruptur d. Art. carotis b. Mittel- 
— erkrank. (36', (60). 

—. Fibrome i. d. —läppchen (46). 
—, d. Cholesteatom d. Mittel—es,(53). 
Ohrenheilkunde, Verhandl. d. deutsch. 
Gesellsch. f. — 59. 

- , Lehrb. d. — 360, 


Ohrenkrankheiten, Berufs— u. d. 

Krkhtn. d. ober. Luftwege 279. 

—, d, — u. der. Behandl. 330. 

—, klir.. Vortr. üb. — 469. 

—, elektr. Luftmassage b. — (29). 
Ohrenspritze, vereinf. — (64). 

Oleum chaulmograe, — b. Lepra 

(73) . 

Operation, Technik dringl. —en 457. 
Ophthalmoskop, — Thorner (18). 523. 
Ophthalmoskopie, Augenheilkunde u. 
— 388. 

Orbita, Osteom d. — (17). 

—, Echinococc. d. — (17). 

—, Cephaloma d. — (17). 

—, z. Chir. d. — (3b). 

Orientbeule, F. v. Licbtbehandl. d. 
•— 49*. 

Osteom, — d. Orbita (17). 
Osteomyelitis, über ac. — d. Wir¬ 
belsäule 60. 

—, 2 F. v. - 362. 

—, typhöse — (63). 

—, ac. — d. Beckens (67). 

—, Resect. d. Röhrenknoch. b. — 
(69). 

Otitis, s. Process. mast., Ohr. 
Ovarium, üb. Tumoren d. —s 110. 

—, 53 F. v. Cysten d. —s 316. 

—, z. Path. d. Cysten d. —s 377*. 
—, Tumor, d. —s. b. Extrauterin¬ 
schwang; (12) 

—, Veränder. i. — b. Infectionskhtn. 
(27). 

' —, Echinococcus d. — s (60). 

—, Erkr. d. -—s b. Parotitis (64). 

—, Entsteh, d. Cystoadenome d. —s 
(65). 

—, Schwangerschaft b. Cysten im — 

(74) . 

Ozon, Sterilisat. d. Wassers ra. — 
(54). 

IE 3 . 

Pankreas, Carcinom di — 34. 

—, Bezieh, d. —saftes z. Eiweissfer¬ 
ment (64). 

Pannus, Heil. d. — m. d. Paquelin 
33. 

Panophthalmitis — u. Malaria (30). 
i Paraldehyd, z. Cas. d. —delirien etc. 
127*, 352. 

| Paralyse, F. v. Druck— 133. 
j —, F. v. — d. Unterarms 144. 
i —, Lungentuberkul. b. progr. — (6). 
I —, Veränder. i. centrl. Nervensyst. 
b. - (27). 

i —, Betheil. d. einz. Muskeln b. —en 
| (26) 

' —, Erkrank. (L Gelenke b. progr. 
i — (46). 

—, d. progr. — d. Irren (56). 

—, F. v. ac. aufsteig. — (77). 

—, F. v. träum. — (77) 
Pararaetritis, Operat. d. narb. — 
(12). 

Pararayoclonus, — multiplex (26), 
(57). 

Parapbimosis, Complicat b. — (81). 
I Paraplegie, F. v. unter. — etc. 57* 


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X' 

Paraplegie, Chirurg. Beh. schwer. 

Form. d. angeb. spast. — 332. 
—, F. v. Compression d. Duode- ' 
nuras u. — 334. 

Paroti9, vTumor d. — 133. 

Parotitis, Erkr. d. Ovarien b. — 
epidem. (64). 

Pathologie, allgera. u. experiment. — 
34. 

Pathogenese, z. — d. Typh. abd. 536. 
Pemphigus, F. v. — vulgär. 306, (71). 
—, F. v. — syph. (4), (46). 

—, ac. — d. Neugebor. (9). 

—, F. v. Symbleph. u. — (17). 

—, d. Gruppe d. — (62). 

—, Epidemie v. — ac. (66). 

Penis, F. v. Gumma — (16). 

—, F. v. Ulcus d. — b. Kinde (16). 
—, F. v. —incarcer. (29), (80). 

—, Einwachs, e. Kupferriugs i. d. — 
(81). 

—, Anheil. d. abgeschnitt — (44). 

—, Einklera. d. Vorhaut d. — d. 

e. Messingring (46). 

Perikarditis, F. v. eitr. — (70) 
Peritonitis, F. v. Pneumokokken— 
(20). 

—, F. v. typh. perforat. — (31). 

—, perforat. — b. Neugebor. (32). 

—, experiment. Mikroben— (42). 

—, üb. Pleuro-tubercnl. (46). 

—, Spirituscorapr. b. chron. — (49). 
Perityphlitis, — (19). 

—, Bemerk, üb. — (21). 

—, Indicat. z. Operat. b. — (22). 

—, Bluterbrechen b. — (32). 

—, d. — i. d. Schwangersch. (63). 

—, experim. — (62). 

—, Operat. d. — i. Jekaterinodar 
(62). 

—, üb. - b. Frauen (66). 

—, Beh. d. — (67). 

—, Operat. d. — (68). 

—, üb. — b. entfernt, proc. vermif. 
(69). 

—, F. v. — b. Säugl. (76). 

—, F. v. Ileus u. — (82). 

Pes valgus, Bestim. d. — (23). 

Pes varus, Beh. d. — (6). 

Pest, Impfung, geg. — (6). 

—, Prophyl. u. Ther. d. — (22). 

—, d. — u. d. medicin. Metereol. 
(26). 

—, neu. Arbeit, üb. d. — (35). 

—, Abkonimand. i d. — i. Astra- 
chansch. Gouv. (43). 

—, üb. d. Bubonen — (73), (74). 
Phagocyten, d. —theorie (9). 
Pharmakologie, d. — 332. 

—, Grundr. d. — 411. 

Pharynx, d Krkhtn. d. — etc. (51). 

— , F. v. Tumor d. — 1.2. 

Phenol, —lösung b. Trachom, (81). j 
Phlegmone, Serumtherapie e. Kehl- i 
kupf,— (78). 

—, F. v. hart. — (82). 

Physiologie, Lebrb. d. — d. Mensch. 
254, 388. 

Pilocarpin, Einö. d. —s’a. d. Secret. 

d. Magendrüsen (60). 

Pincetten, Anwend. d. — ä demeure 

( 8 ). 


Pitkäjftrwi, Bcr. üb. d. Sanatorium 
in — 477*. 

Pityriaris rubra, — (4), (14). 
Plasmazellen, (39). 

Plessimeter, neu. — (73). 

Pleura, malign. Tumor, d. — (77). 
Pleuritis, F. v. tuberkul. — 306. 

—, F. v. puls. eitr. — (9). 

—, F. v. serös. — diaphr. (20). 

—, üb. — carcinomat. (36). 

—, Aspirin b. —exsudat (36). 
Pneumokokken, F. v. —peritnnitis 
3, (20). 

—, Chirurg. —-infect. (68). 

—, experiment. Grundlagen f. kliu. 
Versuche e. Serumtherapie d. Ul¬ 
cus corneae serpensu. Untersuchg. 
üb. —immunität 636. 

Pneumonie, — u. Hydiotherapie 193, 
(19). 

—, Schwind, d. Patellarreflexes b. 

croup. — 466. 

—, recidiv. croup. — (6). 

—, Creosotal b. chron. — (9). 

—, F. v. interstitiel. — (31). 

—, Nierenaffect. b. croup. — (77). 
—, Beh. d — b. Säugl. (80). 
Pneumothorax, F. v Sero— 293. 

—, F. v. — b. Emphysem (80). 
Poliomyelitis, 2 F. v. — 77. 
Preisselbeere, d. — 1. d. Medicin (62). 
Priapismus, F. v. — 42. 

Processus mastoideus, Trepanat. d. 

— b. ac. Entzünd. (6). 

Prostata, Bezieh, d. —erkrank, z. 

Gesammtkörp. 283. 

—, Bottini’sche Operat. b. —hyper- 
trophie 342 (61). 

—, Erkrank, d. — b. Gonorrhoe 
(40), (82). 

—, Resect. d. Vasa defer. b. — hy- 
pertr. (69). 

Prostituirte. bakteriol. Unters, b. — 
(14). 

Protokolle d. deutsch, ärztl. Vereins 
zu St. Petersburg 3, 78, 185, 193, 
263, 305, 316, 316, 623. 

—, — d. Vereins St. Petersburger 
Aerzte 41, 42, 62, 69, 60, 77, 

120, 144, 163, 163, 164, 206, 
242,279, 332, 411,429,436,514. 
—, — d. Gesellsch. pract. Aerzte zu 
Riga 4, 13, 20, 43, 164, 173, 323, 
334, 342, 352, 3G0, 370, 389. 

—, — d. XIII. Aerztetages d. Ge¬ 
sellsch. Üvl. Aerzte in Riga 70, 
86, 100, 109, 207, 218, 243,254, 
273,281 294, 307. 

—, — d. XIV. Aerztetages d. Ge¬ 
sellsch. Üvl. Aerzte i. Fellin 353. 
—, — d Jahresversamml. d. livl. 

ärztl. Vereins z. gegenseit. Hilfe 501. 
—, d. Gesellsch. pract. Aerzte zu 
Libau 14, 21, 122, 132.133,293, 
306, 317, 400, 401. 

—, d. Ost-Kurland. Aerztevereins 
381. 

Pseudohydronephrosis, — träum. (36). 
Psoriasis, F. v. — 59. 

— F. v. — atypica (78). 

Psychiatrie, Beitr. z. — 352. 

—, Leitf. d. — 600. 


Psychologie, psychopath. Metli. 1. d. 

- (57). 

Psychose, — durch Operat. geheilt 33. 
— Veränder i. Gehirn b. polyneurit. 

- (56). 

Puerperalfieder, Serother. d. —s(46). 
Puls, Eiuwirk. v. Farbenempfind. a. 
d. —welle (23). 

—, Fehl. d. —es d. recht. Radial¬ 
arterie (46) 

Pupille, üb. Ungleichheit d. —n 393. 
—, —nerweiter. b. LungenentznnJ. 
(4*>). 

Purgatin, üb. — 363. 

Pyaemie, F. v. — 370, (26). 

Pylorns, s. Magen. 

Pyorrhoe, d. alveoi. — (33). 
Pyraraidon, z. Pharmakol. d.—s (64). 

:r. 

Radiographie, — d. Knochenerkrank. 
13. 

—, — d. Knochensyphiüs (40). 
Radiotherapie, Beh. d. Herp. tons. 

u. Favns m. — (59). 

—, Anwend. d.—i. d. Medicin (32). 
Reaction, neue — a. reduc. Subst. d. 
Körp. (23). 

Rectum, art. Angiom d. — (21). 

—, gleichzeit. Carcinom u. Tuberk. 
d. - (22). 

—, — operat. per vaginam (36), (61). 
—, 28 F. v. — carcin. (69). 

—, s. a. Fistel. 

Reflex, Schw.n» d. Patellar—es b. 

kindl. croup. Pneumonie 456. 

—, üb. Gesichts- n. Kopf—e (11). 

—, üb. d. Oberschenkel - (27). 

—, üb. —nenrosen (35). 

—, d. Acroraial— (56). 

Resection, üo. Darm—en 109, 165, 
339*, 349*. 

—, üb. —en a. Unterschenkel 110. 

—, üb. Kniegelenk—en (2), (63), 

—, Magen— b. Krebs (19). 

—, totale — d. Oberkiefers (69). 
Respirationsapparat, Erkrank, d. —es 
etc. 446. 

Retina, Farbenempfind. b. Atrophie 
d. - (18). 

—, Resorpt. v. —Iblut. d. blaues 
| Licht (30). 

! —, üb. —Iblut. b. perniciös. Anaeraie 
(38). 

—, F. v. Ablös. d. — (46). 

Retinitis, F. v. —prolif. (18). 

| —. F. v. —circin. (18), (33). 
j —, — pigm. u. Glauk. simpl. (30). 

I —, F. v. —pigm. sine pigm, ( 82 ). 
i Rhachitis, Weiche Knoch. b. — (46), 
(48). 

—, d. Polypnoe als Symptom d. —(78). 
Rheumatismus, — d. Wirbel (32). 

—, z. path. Anat. d. kuot. — (82). 
—, s. a. Gelenkrheumat. 

Rhinophyma (20). 

Riesenwuchs, F. v. — (1). 

—, part. — d. Extremität. (63). 
Russische medicin. Rundschau 535. 
Rückenmark, üb. Operat. d. —s 33, 
—, üb. —anästhesie 33. 


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Rückenmark, F. v. —sverletz. 122. 
—, F. v. träum. Totalquerläsion d. 
—s 162*. 

—, Diagn, d. Caudalaffection d. —s 
(27). 

—, F. v. —sschwindsucht (,79). 

s. 

Salzwasser, Beh. d. scroph. Lymph- 
drüsen d. Halses m. heiss. —dou- 
chen 321*. 

Sanatorium, Volksheilstfttte od. Hans* 

— 269*. 

—, III. Ber. üb. d. — in Pitkäjärwi 
477*. 

—, Bedeut, d. Strand — (61). 

—, Auswahl d. Schwindsücht. f. d. 

- (80). 

Sapolentum bydrargyri, Beh. d. Sy¬ 
philis m. — 132. 

Sarkom, F. v. — d. Duodenum 2 # , 
103. 

—, F. y. — d. Ferse (40). 

—, z. Cas. d. mult. —e (67). 

—, F. v. — d. Oberschenkels (68). 
—, F. v. prim. Rippen-Melano—(70). 
—, Amputat. weg. Osteo—d. Ober¬ 
armes (70). 

Schaedel, Diagn. n. Ther. d. —ver¬ 
letz. 36. 

—, F. v. — fractur 429. 

—, Verletz, d — s u. Gehirns (36). 
—, z. Cas. d —verletz. (67). 

—, Geschwülste d. — basis (60). 
Scharlach, z. Prophylaxe d. sept. 
—s 141*. 

—, Infection d. entlass. —patient. 
392. 

—, F. v. Scorbut u. — (20). 

—, d. — i. Odessa (25). 

—, üb —rötheln (46). 

—, üb. —nepbritis (46). 

—, F. v. Anurie b. — (47). 

—, —rötheln als besond. Krankh. 
(51). 

—, üb. —diphteroid (58). 

—, Combinat. v. — u. Diphtherie 
(65). 

—, gleichzeit. — u. Erysipeler¬ 
krank. (78). 

Schule, phys. Entwick. d. Kind. i. d. 
— 393. 

Schwangerschaft, — b. Uterusdu¬ 
plex (12). 

—, d. elast. Gewebe i. Uterus währ, 
d. — (27). 

—, künstl. Unterbrech, d.— m. Elek- 
tricität (28). 

— d. Perityphlitis i. d. — (63). 

—, — b. Ovarialcysten (74). 

—, Laparotomie b. — (77). 

—, s. a. Extrauterinschwangersch. 
Schwefel, Anwend. d. —s b. Typh. 

abdora. (71). 

Schwindel 600. 

Sectio alta, z. Cas. d. — (5), (66). 
Sectio caesarea, üb. — b. complic. 

Sehwangersch., 4 F. v. — (27). 
Sehcentrnm, üb. d. cortic. — (11). 
Sehnenplastik, Beh. paralyt. Contract. 
d. Fusses m. — 334. 


Sensibilität, sugger. —Störung (56). 
Sepsis, — b. Neugebor. (9). 
Serotherapie, — d. Ervsipel. gangr. 
58. 

—, — d. Angina lacun. (2). 

—, üb. Streptokokken — 58, (12), 
(37), (45). 

—, — d. Tetanus (44). 

—, — d. Puerperalfiebers (46). 

—, Diphtherie— b. Erysipel (71), 
(73). 

—, — e. prim. Kehlkopfphlegmone 
(78). 

—, üb. — «Marmorek» (79). 

—, experiment. Grundlagen f. klin. 
Versuche e. — des Ulcus corneae 
serpens nach Untersuchg. üb. Pneu¬ 
mokokkenimmunität 535. 

Sexualpathologie, z. — (66). 

Sidonal, — b. Gicht (34). 
Sinu8thrombose, s. Thrombose. 

Situs inversus, F. v. — total. (81). 
Skorbut, F. v. — 15, 109. 

—, F. v. — n. Scharlach (20). 
Smegmabacillen, kultivirbare — 305. 
—, different. Färb. d. Tuberkel- u. 
- (82). 

Soldaten. Wirk. d. Lagerlebens a. d. 

- (6). 

—, Infectionskrkhtu. unt. d. — (6). 
—, plötzl. Todesfälle b. — (6). 
Somatose, Wirk. d. — (26). 

Soor, Beh. d, — u.d. Stomakake (3). 
Sozojodol, Anwend. d. —verbind, b. 

Augenkraukheiten (32). 
Sperraatorrhoe, idiopath. — (4). 
Spina bifida, F. v. — 317. 

—, Operat. e. — lumb. (31). 
Spinnen, z. Kenntn. d. Gift— 77. 
Spiritus, — compre8S. b. chron. Peri¬ 
tonitis (49). 

Spitzbergen, d. —Expedition (10). 
Spondylitis, Frühsyrapt. u. Beh. d. 

— tu berkul. 102. 

—, d. tuberkul. — etc. 107*. 
Sterblichkeit, Kinder— i. Russland 
(10). 

—, Bekämpf, d. — in Russl. (26). 
Stillen, d. — d. Mütter (3 t). 
Stimmband,F. v.—lähmung 279,400. 
Stimme, d. Krankheiten d. — 263. 
Stoffwechsel, vererb, cellul. —krauk- 
heiten 254. 

—, d. Gas— b. Carcinomatös. (13). 
Stomatitis, Ursache d. ulcer. — (29). 
Stottern, Beh. d. —s 174. 
Streptokokken, —serum therapie 58, 
(12), (37), (45). 

—, — infect b. Endokard, nie. verruc. 
(37). 

—, z. path. Anat. d. —Enterit. (59). 
Strychnin, —inject, b. part. Opti¬ 
cusatrophie (49). 

Studienreise, erste arztl. — i. d. 

Nordseebäder 21, 149*. 

Suggestion, üb. —stherapie 370. 
Symblepharon, F. v. — n. Pemphi¬ 
gus (17). 

Syphilis, — n. Nervensystem 100. 
—, F. v. vermeintl. — 122, 132. 

—, Beh. d. —m. Sapolent. hydrarg. 
132. 


XI 


Syphilis, d. Augen — i. d. dritt. 
Generation 205. 

—, conjug. Nervenkrankheiten u.— 
296. 

—, Beh. d. — m. Schwefelbädern 
317. 

-, d. — d. Herzens 392. 

—, Beh. d. Rückenmark — i. Schlamm- 
bäd. (3). 

—, üb. — d. Gelenke (5). 

—, prim, multipl. — (6). 

—, plötzl. Tod b. Herz— (8). 

—, extragenitale —infect. (10), (15). 
(45), (82). 

—, Sectionsprotokoll e. prim — (14). 
—, F. schwer. — (15). 

—, Descendenz, u. Heredit. d. — 
(15), (34), (39). 

—, Verenger, d. Conus pulm. b. — 
(26). 

—, — d. Herzens (29). 

—, — a. Lide u. d. Conjunct. (30). 
—, Hausepideraien v. — (31). 

—, Lungen— (36). 

—, d. Radiographie b. Knochen— 
(40). 

—, heredit. — m. haemor Pemphig. 

(45) . 

—, prim. — i. Limb, conjunct. bulbi 

(46) . 

—, — d. Magendarmtract. (61). 

—, Hemicepbalie n. heredit. — (51). 
—, üb. kryptogene — (65). 

—, Infect. d. Neugeb. m. — d. Zu- 
füttern fremd. Neugeb. (65). 

—, Blutverftnd. b. — (67). 

—, Einfl. d. — a. d. Pseudoleukämie 
(66) 

—, „opportunistische“ Beh. d. — 
(71). 

—, — u. Elephant. vulvae (77). 

—, Beh. d. — b. gleichzeit. Tuber¬ 
kulose (78). 

Syringomyelie, F. v. — (10). 

—, Knochenerkrank, b. — (27). 

—, üb. — (56). 

T. 

Tabak, Unters, d. —s (52). 

Tabes dorsalis, d. compensat. Uebungs- 
ther. bei init. — 65*. 

—, Beh. d. —Ataxie (44). 

—, Beh. d. — (63). 

Taubstumme, Unters, an 55 —n d. 

Instituts in Warschau 610* 521. 

—, Unters, d. Gehörs, d. Nase' etc. 
b. —n (45). 

Tenotoraie, üb. — m. Dehnung d. 
Musk. (17). 

Terpentin, Wirk. d. —s auf Mikro¬ 
ben (5). 

—, — b. Nasenblut. (6). 

Tetanie, z. Genese d. — 206. 

—, 59 F. v. Kinder— 316. 

—, d. — d. Kind 411. 

— Katarakt b. — (18). 

—, Veränder. i. Nervensyst. b. — 
(33). 

—, neu. —Symptom (Phrenicus- 
PhäuomeD) (65). 


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XII 


Tetanus, F. v. — 30*, 174, (•„»). 

—, Serotherapie d. — (44). 
Therapie, Leitf d. — inner Krank¬ 
heiten (3). 

—, Haudb. d. — inner. Krankh. 253. 
—, d. — a. d. Berliner Klinik 380. 
—, Handb. d. physikal. — 383. 
Thiol, Wirk. d. —s (5). • 

Thränensack, F. v. angebor. Erweit. 
d. —es (17). 

—, Exstirpat. d. —es (18). 
Thrombose, — d. Sinus cavern. 77. 
—, Operat. weg. Sinus — 323 
Thyreotoxine, üb. — (24). 

Tonsille, d. Narkose b. Entfern, d. 
dritt. — (52). 

—, bösart. Geschwülste d —n (61). 
Tonsillitis, — streptothricia (8). 
Trachea, Fremdk. i. d. — (51). 
Trachom, Beitrag z. —Statistik i. 

Kurland 239*, 282. 

—, Beh. d. —s m. Ichthyol (6). 

(37) , (81). 

—, Registrir. d. —erkrank. (18), 

(38) . 

—, Verbreit, u. Behandl. d. — i. 
Russl. (38), (82). 

—, Beaufsicht. d. —krank, in den 
Schulen (38). 

—, Chirurg Beh. d. —s (69). 

—, Ichtharganbehandl. d —s (81). 
—, Beh. d. —s m. Phenollösung 
( 81 ). 

Transvaal, Abcommand. n. — (6). 
Trichiasis, — u. Entropium 401. 
Trichotillomanie, üb. — (11). 
Trinkerasyle, üb. — 243, 254, 307. 
Trional, —vergift, b. läng. Gebrauch, 
(26). 

Tropococaln, Wirk. d. —a a. d.Auge 
(30). 

Trophoneurose,üb.—n d. Extremität. 
(54). 

Tubenschwangerschaft, s. Extraute¬ 
rinschwangerschaft. 
Tuberkelbacillen, d. neu. Forsch, üb 
d. Pseudo— 142*, (72). 
d. — u. ähnl. Mikrob. (82). 

—, different. Färb. d. Smegma- u. — 
(82). 

Tuberkulose, üb. d. «Gesellsch. f. 
Bekämpf, d. —» i. d. Ostseepro¬ 
vinz. 43. 218. 

—, F. v. — d. Conjunctiva 78, (38), 
(81). 

—, Progn. u. Ther. d. Kehlkopf— 
83*, 89. 

— , Bekämpf, d. — als Volkskrankh. 
132. 

—, Frühsympt. u. Beh. d. Wirbel— 
102. 

—, z. —behandl. 183*. 

—, F. v. prim. Pleura— 306. 

—, z. —frage 335. 

—, d. —frage z. Zeit d. —conferenz 
i. Berlin 493*. 

—, Serodiagn. d. — (3), (22). 

—, d. — i. d. Garde (ft). 

—, Operat. d. Cöcum weg. — (7). 
(32). 

—, gleicbzeit. Carcinora u. — d. 
Rectum (22). 


Tuberkulose, Kampf geg. d. — (22). | 
—, — d. Harnblase, (34). 

—, Symptome d. — (36). 

—, Beh. d. Lymphdrüsen—(41),(82). ' 
—, üb. Pleuroperitoo. — (45). 

—, Beh. d. lokal. — (50. 

—, Verenger, d. Dünndarms b. — j 
(55), (56). 

—, z. Cas. d. Nieren— (75). | 

—, Darmstenosen d. — (78). 

—, Sanatorienbehandl.d.— u. Früh- 
diagn. d. — (80). 

Tumor, F. v. gutart. — m. Ascites 
110. 

—, raikrosk. Diagn. d. bösart. —en 
331. 

—, psych. Störung, b. Gehirn—en 5<>0. 
—, angebor. —en d. Kreuzbeingeg. 
(12), (62), (69). 

—, malign. — i. Gehörgang (53). 

—, bösart. —en d. Mandeln (61). 

—, F. v. intrascrotal. — (82). 

Typhus abdominalis, d. — i. Riga 14. 
—. z. Pathogenese d. — 535. 

—, F. v. complic. — 42. 

—, d. —Epidemie i. Zarskoje Selo. 
161*. 

—. Nutzen d. Chinins b. — 193, 
(44), 263. 

—, mult. Recid. d. — (25). 

—, Verbreitung d — (26). 

—, Ther. d.— i.d. Kinderpraxis (28). 
—, Perforationsperiton. b. — (31). 

—, hämorrh. Nephritis n. — (48). 

—, Widal’sche React. b. —Eite¬ 
rung (64). 

Isolat v. —bacillen a. d. Wasser 
(65) 

—, Sulfur, depurat. b. — (71). 

—, Recidive d. — (79). 

—, d. — i. Taschkent (82). 

Typh. exanthematicus. üb. — (79). 

ü. 

(Jasen, — als Curort (10). 

Ulcus, F. v. gangrän. — am Sternum 
(22). 

—, F. v. — d. Blase u. — rotund. 
d. Magens (71). 

Ulcus corneae serpeus, experiment. i 
Grnndlagen f. klin. Vers.e. Serum- | 
therapied. — n. Untersnchg. üb. | 
Pneumokokkenimmunität 535. 

Ulcus durum, F. v. —penis b. Kinde ■ 
(15). I 

—, F. v. — palpebr. (82). 

Ulcus molle, Immun, d. Tbiere geg. 

Bac. d. — (4). 

Ulcus rodens, F. v. — 42. 

—, Wirk. d. Lichtbeh. a. — (62). 
Ulcus rotundum, s. Duodenum Magen. 
Unglücksfälle, üb. — i. d Naftawer¬ 
ken (79). 

Unterschenkel, Resect a. — 110. 

—, Beh. d. Verkürz, b. —brüch. (21). 
Ureteren, mult. Cysten d. — (26). 

—, Catheterismus d. — (68). 

Urethra, Exstirp. d. Narbenstrict, d. j 
- (2»). 

—, Elektrolyse d. —strict. (23). 

—, Verwachs, d. — b. Gonorrhoe (40). | 


Urethra, Infiltrat in d. Pars cavern 

-e (41). 

—, z Cas. d. —ruptur (70). 

—, Fremdk. i. d. — (71). 

—, Missbild d. — in. angeb. 11y- 
posp. (79). 

—, s. a. Fistel. 

Urethrotomie, änss. u. inn. — b. 
Strict. (68). 

Urologie, Beobacht, a. d. — (42). 

—, z. — d. Icterus (80). 

Uterus üb. —polypen 15. 

—, üb. —inversion 22. 

—, üb. —myome 110. 283, 294. 

—, abnorm. — 352. 

—, z. Cas. d. Vaginaefixat. d. — 
407*. 

—, —ruptur b. d. Geburt (12). 

—, Schwangersch. b. —duplex (12). 
—. Operat. d. Fibromyome d. — (12), 
(27), (28), (43). 

—, d. eJast. Gewebe i. — währ. d. 

Schwangersch. (27). 

—, Operat. m. — ruptur (33). 

Entwickelungsfehler d. — (36). 
—, Beh. d. Adnexerkrank, d. — m. 

Inject, i. d. — (48). 

—, üb. Vaporisat. d. —höhle (49). 
—, totale Prolapse d. — (50). 

—, Lipofibrom d. — (50). 

—, F. v. Geburt ra. —ruptur. (71). 
—, Einfl. d. Unterbind, d. —gefässe 
a. d. Gewebe d. — (71). 

—, F. v. — duplex cnm vagina septa 
(79). 

—, Schwangersch. u. Geburt b. — 
bicorn etc. (79). 

—, —ruptur b d. Geburt (80). 

—, s. a. Hysterektomie, Metreuryse, 
Myom. 

V. 

Vaccination, Gesch. d. — 387. 
Vaporisation, üb. — (49). 

Variola, 4 F. v. — vera 109. 

—, d. — epidemie i. Riga u. d. Fin- 
sentherapie 166. 

—, F. v. — vera u. Varicellen d. 
Vaccinat. (62). 

Venektasie, üb. — u. Varixhild. a 
d. unt. Extremität. 101. 
Ventroskopie, d. — b. vagin. Cöli- 
otomie — (II). 

Verätrin, Vergift, m. — (8). 
Verbandmaterial, Apparat z. Be¬ 
stimm. d. Resorbirbark. d. —s 
(82). 

Verbandräume, üb. — (48). 
Verbrecher, Unterbring, geisteskrank. 
— 499. 

—, d. Lehre v. — thnm (11). 
Verdauung, Ausscheid, v. Ammoniak 
b d Eiweiss— ( 3). 

—, Altersveränd. d. —stractus (48). 
Verdauungskrankheiten, Funct. d. 

kindl. Magens b. — 163. 
Vergiftung, üb. (’hloral— 32. 

—, — m. Veralrin (8). 

—. — in. Carbolsäure (9). (29), 
(55). 

—, Trional— b. läng. Gebrauch (26). 


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XIII 


—, Beh. ac. Morphium-u. Opium —en | 
(36). ' i 

—, Hallucinat. b, Atropin — (66). j 
—, Selbstvertheid. d. Körpers b. ! 
— en (79). 


Verletzung, 
(36), (57) 
F. v. 


üb. Schädel—en 33, j 
Rückenmarks— 122*, j 


162*. 

—, F. v. — d. Sklera 133. 

—, üb. Schuss—en i. d. Mand¬ 
schurei (69). 

—, —en d. Herzens (6). 

—, F. v. Kugel— d. Leber (29). 

—, Arbeitsfähigkeit n. —en d. Au¬ 
ges (38). 

—, Stich u. Schnitt— d. Brusthöhle 
(59). 

—, Beh. d. Schuss —en i. Kriege 
(63). 

—, Stich- u. Schnitt—en d. Abdo¬ 
mens (63). 


—. Beh. d. Schuss -en d. paren- 
chym. Org. (81). 

—, Aneurysma art. venös, u. Schuss- 
- (31). 

Verwundete, Verpflegung d. —n im 
chines. Krieg (10). 

Viburnum prunifol., Boh. d. Aborts 
m. —extract (71), (74). 

Vierlingsgeburt, F. v. — (80). 

Volvulus, F. v. — d. Flexur 370. 

Vulva, (’yste d. — (58). 

Vulvo-Vaginitis, gonorrh.— b. Kind. 
(75). 


W 

VVaerme, — u. Strahlenleitung (6). 
Wasser, Auwendung d. heiss. —beh. 
(4). 

—, ehern. —reinigung (48). 

—, Sterilisat. d. —s m. Ozon (54). 
Wasserstoffsuperoxyd, Heil. v. Her¬ 
pes tons. d. — (76). 


—, ther. Anwend. d. — (82). 

Willen, d. Freiheit d. —s 513. 
Wirbelsäule, ac. Osteomyelitis d. — 
60. 

—, Rheumat. d. — (32). 

—, Redress. d. kyphot. - (36). 

—, üb. —fractur. (37). 

—, Verkrüm. d. — b. Muskel- u. 

Nervenleiden (60). 

—, F. v. steif. — (80). 

—, s. a. Spondylitis. 


IX. 

Xerophtbalmos, F. v. — bei Ektro- 
pium (17). 


Z. 

Zange, Anleg. d. b. Gesichtslane 

(28). 

—, Verbess. d. gebnrstli. — (29). 


Namen-Register. 


Aaser 392. 

Ablow (81). 

Abramow (77). 
Abraschkewitsch-Für- 
ster, S. t 515. 
Abrashauow (10), (20), 


(67), (68). 
Abrikossow (32). 
Abuladse (12). 
Achmetjew (2), 
(48). 

Achwlediani (9). 
Aisenberg (80). 
Albanus 41. 

Alber 331. 
Alelekow (82). 
Alexandrow (70). 
Alexejew (45), 
(82). 

Al perin (12). 


|Bandalin, J. (29), 
(51). 

IBankowski, .T. f 515 
|Bartb, A. t 53. 

|Bary 163. 

Bashenow (34). 


Batalow (30). 
Bataschow, J. -j- 7 
Batujew (43), (65). 
(32),' Bauer (8), (67). 

Ißaumgarten und Tangl 
! 51. 

Bechterew (10), (11), 
t (26), (27), (56). 
Bechterew u. Narbult 
: (56). 

iBeely, F. f 177. 
(73),|Behr 127*, 207, 352. 
Beier 34. 


Beketow, A. f 283. 
Andrejew, W. f 235. Beklemischew, D. f 209. 
Anfimow (27), (58). ;Belinki (29). 


Annin (10), (30). 
Anufrijew (12). 
Arapow (21», (26), 

(64), (67). 
Archangelski (79). 
Archarow (5). 

Arie (49). 

Arustanow, M. f 53. 
Atlas (79). 

Awerbach, D. (73). 
Awerbach, M. (17). 
Awgustowski (48). 

Bachtin (38). 

Bagiosky 232, (46). 
Bairaschewski (6). 
Baklanow (57). 
Balinski, J. f 103, 
(56). 


Beljakow (23). 
[Beljawin, S. f 308. 
'Beljawin (15). 
ißellarminow (30),(38). 
Bellewitsch (82). 
jBellin, E. f 298. 
'Beloussow, A. (2), (20), 
(48), (76). 

; Beiski () 7), (18). 

Beiski u. Kaplan (77). 
IBenderski (cO). 
;Beuissowitsch. N. t 
I 487. 

Benois, L. f 145. 
ßentowin (55). 
Berdjajew (6). 
Berestnew (48). 

Berg, E. f 154. 

Berg 132. 


Bergengruen 83*, 89. 
Berger (49). 

Berger, s. Kehr u. — 
Bergmann, A. 109, 
164. 334, 373. 
Bergmann, J. (8). 
Bergson, J. t 374. 
Berkenheim (76). 
Berkholz 109, 166, 

342 . 

ßernatzik, W. f 515. 
Bernstein n. Bogdanow 
(34). 

Bersowski (19). 
Berthenson 27*, (23). 
Beuttner 388. 

Bidder, E f 459, 470. 
Bierstein (20). 

Bilik (4»)- 
Bjalubschesski (53). 
Bjelawenetz 293. 
Björksten 387. 
Blagoweschtschenski 
(17). 

Blau, s. Jacobson u. 
- 360. 

Blessig 78, 2()6, 523, 
(30). 

Blnmenau (56). 
blumenthal, F. 132. 
Bobrow (49). 
Bockendahl, J. f 420. 
ßoehm, C. v. 220. 
‘Böthling, N. 274. 
Boettcher. T. t 85. 
Bogajewski (35), (56). 

I (60). 

Bogdanow (27). 
'ßogorad (68). 
[Boiko-Rodsewicz (57). 
IBolochowski (29). 


Bolschessolski, P. f 
235. 

Bondarew (7), (69). 
Bornhaupt 109, 110, 

370, 371, 372. 

Bosse, 389. 
Botschkowski (82). 
Brackei 101. 

Brandt (48). 

Braunstein (38). 

Brehin 5. 

Breimann (8). 
Breitmann, (51) 
Brennsuhn 102, 360. 
iBresgen 411. 

Ißroailbent 514. 

Brock 121. 

lhoes van Doert, f 
303. 

Browne, L. t 460. 
Brustein (27). 

Brutzer 110, 165. 
Büchner. H. f 134. 
Bnlatnikow (81). 

Buram 370. 

Bunge, A. (10). 

Bunge 3, 254. 

Buning 52. 

Burchard 5, 342. 
Burger, C. f 472. | 

Burow, (9), (36), (45). 
Bursteiu. D. f 274. 
Burzew, P. f 274. 
Butschinski (60). 
Byduwski (69). i 

Cahen 272. 

Carlino, N. de t 220 
Castex 263. 

Chantemesse und Pod i 
wyssotsky 34. j 


Charass (25). 

Cheilez (46), (58). 
Chlupin, N. f 23. 
Chmelewski (3), (33). 
Cholmogorow (49). 
Cholostow, A. f 438. 
Cholzow (23), (59). 
Chorwat (61). 

Chrobak 446. 
Chudshinski, S. f 53. 
Chundadse (29), (58). 
Colla 13. 

Cosh 33. 

Gramer. E. f 45. 
Oroner 380. 

Crouzat f 145. 
Curuow, S. t 303. 
Czaplewski 411. 

Dalinger, (3), (20), (45). 
Daragan (16). 

Dai kschewitsoh (63). 
Dedow (8). 

Dehio 43, 207. 
Üelacnur t 413. 
Delekturski (76). 
Demant, B. f lü. 
Dementjew (46). 
Demidow (5), (36). 
Dempel (53), (70). 
Derjashinski (19). 
De.ströe f 15. 

Deubnpr 109. 

Deutsch 51. 

Dheilly f 274. 
Diatroptow (22). 
Dibailow (9), (29), 

(46). 

Dieterich, J. v. f 373. 
Dihrik 254. 

Diwawia (70). 


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XIV 


Djakonow (69). 
Djatlowski (57). 
Djatschenko (69), (60). 
Dmitrijew, W. f 111. 
Dobbert 42. 281, 816, 
377*. (12), 
Dobrosmyslow (60), 
(62). 

Dobrotworski (62), 

( 68 ). 

Dobrow, S. f 4i *8. 
Dodin (46). 

Dolgopolow (15), (25) 
Dolmatow, A. (5), 
(82). 

Dolmatow, M. (5). 
Dombrowski, L. (29). 
Dombrowski, N. (46), 
(72), (81). 

Dornblüth, F. f 472. 
Dowinski (4). 

DrentelD (12). 
Druempelmann, VV. f 
71. 

Dsirne (7), (71). 
Dubintschik (74). 
Dukeiski (78). 

Dunin 331. 

Dünn 33. 

Doval 279. 

Dworjanski, J. f 187. 
Dworjaschin, N. t 196. 
Dysski C. f 515 

Eastmann, J. f 308. 
Eberhardt (6). 

Eberlin (77), (78). 
Ebermann, A. f 234. 
Ebermann 42. 

Ebstein 3, 254. 

Egis (20), (78). 
Eichhoff 457. 

Einenberg (28). 
Ellenbogen (10), (48). 
Eliasberg 281, 360. 
Engel 132. 

Engelhardt, A. v. f 
123. 

Engelmann, G. 282. 
Erichsen, A. f 145. 
Erlizki, A. + 460. 
Eulenberg, H. t 402. 
Ewans (79). 

Fadejew (10). 
Fajerstein 523. 

Falk 132, 133. 

Falk (11). 

Favre (41). 

Faworski, M. f 345. 
Federolf (6). 

Fedorow, B. (60). 
Fedorow, J. (>8). 
Fedorow, N. f 256. 
Fedorow, P. (9). 
Fedorow, S, (24), (62), 
(67), (6-). 

Fedorow (12)., 
Fedortschenko (37). 
Feldt 162. 

Fenger, C. t 134. 
Feuer, N. f 487. 


Fick 42, 77, 417*, 
425*. 

Filatow, N. f 45. 
Filippow (1), (55), 

(75). 

Finck 107*. 

Finkeistein, B. (43). 
(59), (63). 

Finkeistein, L. (75), 
(82). 

Fleischer, A. f 154. 
Flerow (78). 

Fomiliant (61). 

Forel 499. 

Forestier 14, 133,400. 
Fowelin, Carl f 538 
Frank, 122, 400. 
Fratkin, B. (8), (54). 
(61). 

Freudenberg 34 2, (51) 
Friedberg 21,133,293. 
Friedländer und Gise 
(25). 

Friedmann 436. 
Frobeen 108*. 

Fromme, E. f 297. 
Fuerbringer 272. 

Fuhr, F. f 439. 
Fuhrmann 42. 

Gabrilowitsch, (52). 
Gabritschewski (23). 
Galatti 456. 

Galin (6). 

Ganoschkin u. Ssucha- 
now (78). 

Gauderer 1*, 102. 
Gaupp, Ecker u. Wie¬ 
derheim 20. 

Gedroiz (70). 

Geinaz (50). 

Geltmann, L. f 209. 
Gerassimow (20). 
Gerber 109. 

Gerhardt, C. f 297. 
Gerlach, S. f 430. 
Gerschun (9). 

Gerschuny (62). 

Gickel (63). 

Giltschenko (5). 

Gindes (79). 

Gladin (26). 

Glasstein (7). 

Gleason, C. f 303. 
Glebowski (62). 

Globin, P f 539. 
Glueckmann (9), (29), 
(82). 

Goemoerry 33. 
Goetschel, E. v. f 134, 
370. 

(Gold, L. f 145. 

Gold, W. (47). 
Goldberg. S. (60). 
Goldberg 15, 122, 133, 
162*, 306, 400. 
Goldenberg (55). 
Goldscheider u. Jacob 
388, 

Golowanow (4). 
Golowin (17), (18), 

(38). 


Goltz, F. f 167. 
Golubinin (77). 
Golubnitschenko (37). 
Gontscharow (54). 
Gopadse (6). 

Gordon, B. f 283. 
SGorden-Kljatschko (68), 
(70). 

Gorjatschkin, G. f 62. 
Gorochow,(2), (8), (44), 
(68), (70), (80). 
Gorodnowski, W. f 
177. 

Gorodzew (6). 
Gouguenheim f 15. 
Graefe, A. f 363 
Grätsch, N. f 394. 
Graudan 400. 

Grebner 65*, (44). 
Greidenberg (56). 

Greife (49). 

Grekow (24), (37). 
Gretschinski (29). 
Grinenko (26). 
Grinewitsch (46). 
Gruening 174. 
Gruenwald 51. 
'Grusdew, S. (41). 
Grusdew, W. (22). 
Grusinski, W. f 308. 
Gubarew (10), (35). 

(43). 

Guenzburg (16). 
Guljajew, A. f 539. 
Gnndobin (35), (50), 

(80). 

Gurewitsch, A (18). 
Gurewitsch. N. (60). 
Gussakow (74). 

Gussew, G. (41). 
Gutmann (28). 

Haab 206. 

Hagen-Toru (21), (54), 
(60). 

Hagen-Torn und She- 
browski (63). 

Hahn, E. f 439. 
Halberstamm, M. t 
167. 

Haller, A. f 274. 
Haller, P. (78). 
Hamalei (45). 

Hamburg (57). 
Hamburger 33. 
Hammer 387*. 

Hampeln 4, 5. 

Hanike (2b). 

Hanke, C. v. f 487. 
Hansemann 33'. 
Hanutina (41). 

Hartze 203*. 

Hartraann 59, 330. 
Harvey, R. t 7. 

Hasse, C. f 394. 
jHaug 469. 

Hauser 59. 

Hausner (3). 

Hebra, H. v. j 154 
Hecker 163. 

Hellat 279, (8), (45). 
Hermann, A. (6). 


Hermann, J. (27). 
Hermann, J. f 420. 
Hess, F. f 516. 

Hess 51. 

Henking 77, 120, 144, 
332, 334 

Heymann, E f 62. 
Hildebrand 165. 
Himmel (4). (39). 
Hippius (32), (47), 
(72). 

Hirsch 5 23. 

Hirschberg, J. 456. 
Hirschberg, M. 283. 
His 279. 

Hoche 500. 513. 
jHoerschelmann 458. 
jHoesslin 363. 

Holowko 381. 

Holub, E. f 71. 

(Horn 77, 144. 

IHornstein (14). 
Huebbenet (36). (61). 
Huebert (37). 
Hundegger 42. 

Idelsohn 295. 
Ignatowitsch (68). 
Ignatowitsch Sawilen- 
ski, A. f 3 7 4. 
lljinski (34). 

Iljisch (52). 

Isatschik (6). 

Ischreyt 281. 

Israelson 75*. 

Issupow (17). 

Iwanow, A. (3), (77), 
(78). 

Iwanow, N. (27), (82). 
Iwanow, N t 315. 
Iwanow, S. (5). 

Jacob, s. Goldscheider 
u. — 

Jacobson u. Blau 360. 
Jagdhold 15, 22, 293, 
400. 

Jacobsohn, L. (23), 
(50). 

Jacobsohn, W. (72). 
Jakowenko (66). 
Jakowlew (15). 
Jakubowski, F. f 103. 
Jalan de la Croix, N. 

t 153. 

Janischewski (57). 
Janpolski (45). 
Jantschenko, J. f 438. 
Jarcho (47). 

Jarisch, A. f 111. 
Jarotzki (13). 
Jegiasarjanz (11), (26). 
Jentsch 513. 

Jewetzki (17), (38). 
Jez 33. 

Jocheless (77). 

Johnson 95*, 109. 
Johnston, W. + 308. 
Jordan, 171*, (32). 
Joss 58. 

Jockelsohn (69). 


Juergens 510*, 521*. 

(36), (60). 
Juergensohn 381. 
Jormann (6), (11). 
Jussnpow (68). 

Juzewitsch (70). 
Juzkewitsch, J. + 123. 

Kablokow (3), (32). 
Kaefer (21). 

Kahane 446. 
Ksknschkin (12), (25), 
(-7), (28). 

Kalabin (49). 
Kalaschnikow (38). 
Kaljapin (79). 
Kallistratow. N. (4). 
Kallistratow, P. (81). 
Kallmeyer 77, 196. 
Kalmus 13. 

Karanew, M. (51). 
Kanewski (38). 

Kanger (52). 
Kannegiesser (74). 
Kanzel (67). 

Kaonew (58). 

Kaplan (33), (56). 
Kaplan und Fedotow 
(34). 

Kaposi. M. f 90. 
Kaptschewsk? (5). 
Karpioski (27), (56). 
Karschin (29), (45), 
Kasanzew, L f 472. 
Kasarinow (22). 

Kasaoli (5). 
Kaschkadamnw (22), 
(25), (45), (62). 
Katschkatschew (29). 
Katschkowski (69). 
Kattenbracker 11*. 

Katz (17), (50). 
Katznelson (50). 
Kawetzki (71). 

Kehr, Berger u. Welp 
4S7. 

Keilraann 110. 283, 

352. 

Keiler’, M. f 111. 
Kernig 4, 193, 524, 

(44). 

Kersnowski (9), (45), 
(58). 

Kessler 274. 

Kezmarsky, T. v. f 220. 
Kieseritzky 313*. 
Kijanowski, B. f 324. 
Kikuth 43, 165. 
Kirikow 357*, 367*. 
Kirikow n. Korobkow 
289*, 301*. 

Kirsner (10). 

Kissel (20), (48). 
Kisselbach, W. f 274. 
Kitermann (9). 

Kiwitzky 22. 

Kiwull 89. 

Knapp 99. 

Kleinmann (15). 
Klimowitsch (30), (38). 
Klokow, W. + 447. 
Kmitto, A. f 430. 


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XV 


Knapp 380. Kutscherski (54). Lotin (18). Moeller f 177. ! Palasow, B. f 413. 

Knorre 283. Kowitschinski W. (51), Lneckerath 32. Moissejew (69). Panse 50Ö. 

Robert 77. (71). Lugowoi (41). Molotilow, P. f 363. j Passower (4), (57). 

Koch. E. 164, 242. Kuwtschinski, P. f 187.iLuilhlen 166, 242. Monet; (79). Pasternazki, P. f 336. 

Koch, M. (46). ILukin (17). Morkowitin (50). j Pawlow, T. (3). 

Kocher 70. Lahs, H. f 71. ILukomski, W. f 103. Moskalew (66). j Pawlow (11). 

Koehler 13. Lamprakow (43), 'Lunin 429. Moskowin, S. f 355. j Penzoldt u. Stintzing 

Koenig, D. t 123. Landenbach, G. f 324.|Lnri (5). Mostkow (10), ; 253. 

Koepke 279. Laodois, L. f 460. Lutkewitsch (17). Mott 330. Perkal, S. f 62. 

Koerner 330. Lang 446. - ,Lwow (49). Mracek 34. Perminow, W. f 123. 

Koester 392. Langowri (78). Mrongowius (81). Pernice, H. -f- 7. 

Kohan (9), (57). Lapin (82). Maier, A. v. + 235. Muehlen 100. Peskow (49). 

Kohn (34). Lapiner (1). Maizner, 1. f 308. Mueller (2). Peters 315, 411, 429. 

Kolberg (48). Lapinski (59). Makarenko, S. t 487. Mueller, E. f 336. Pelersen 42, 49*, 52, 

Kologriwow, V. f 430. Laroyenne f 539. Makarski, J. f 472. Mund6, P. j- 104. | 59, 78, 194, 274, 

Kolokolowa, M. f 382. Lasarew (68). Maklakow (38), (43). Murawjew u. Tuturin; 3ü6, 433*, (40). 

Koltschewski (81). Lasarewiisch, J -j- 80. Maksutow (43). (77). i Petrow, N. (60). 

Kordobowski (10). Landenbach (69). Maldutis (6). Murphy 33. 

Korentschewski (66). Lavdovski (43). Malejew (5), (6), (81). Mysch (61). 

Korff 456. Lawrentjew, A. (82). Malien, P. f 394. 

Korn 51. Lawrentjew (38). Manassein, z. Erinner. Naecke 499. 

Korobkow, s. Kirikow Lawrowski, A. } 539. an — (41). Napalkow (19), (70). 

Korolenko (48). Lebedow (4). Mankowski, A. (22), Narbutt, s. Bechterew 

Korulenko, N. f 145. Lehmann, E. f 196. (24). u. — 

Korolkow (25). Lejars 467. Mankowski, L. (31), Nasarewski, M. f 382. 

Korsch (26), (60). Lenewitsch (34). (<b). Nasarow (6). 

Korschun (44). Lersch, B. t 80. Manuilow (65). Natanson (17), (18), 

Kosanow (26). Leser 470. Mapiantschik (52). (38), 

Koshewnikow, A. f 23, Leube 332. Margulies (63), (68), Nawrocki, T. f 220. 

(5i ). L6vai 41. (09)- Nearonow, W. f 90. 

Koslowski (35), (41), Lewaschow (21). Mark (66). Nefedow (66). 

(44), (61), (67), (69). Lewenson (8). Markowitin (60), (b9). Nejelow (»9). 

Kowalew, N. f 420. Lewin, L. f 365. Markowski (49). Nemtschenkow (81). 

Kraewski (42). Lewin (34). Marvand f 487. Nesterowski (82). 

Kraiski (30). Lewkowski (11). Marykowski (20). Neuburger u. Pagel 

Krannhals 109. Leyden, Kirchner,Wutz-Masing 624. i3. 

Krasnikow, S. f 324. dorf, Hansemann u. Massini, R. f 627. Neustab (28), (58). 

Krasnobajew (31), (7 6). Meyer 411. Masslennikow (45), Newsorow (35). 

Krasnow (6). Lezenius (37), (38). Matussowski (48). Nicoladoni, C. f 505. 

Krawkow (65). Libow (45), (51), (79). Man 132. Nikolajew (81) 

Krawtschenko (6). Liebendörfer, E. t 4*7. Maurach, E. f 283, 336. Nikitin (35). 

Kreps 42, 514, (42). Liebrecht 242. Mauring 133, 293,317,^0])^ (17). Popelski (6), (64). 

Kretscbunesko (10). Liebreich n. Langgard 400, 401. Nikolski, A. (66), (78). (®)- 

Kretzmer 191*. 152. Mawrogfeni Pascha 153. Nikolsk,, D. (79). Bopow, A. (37). 

Kriwski (12). Lifschütz (10), (79). Medowikow (b). Nikolski, I. (31). Popow, D. (65). 

Krjukow (18). Lingen 407 *, 436. 437. Medwedjew f 394. Nikolski, N. (7), (30). Popow L. 443 , 451*, 

Krjukow u.Ssergiewski Lipliawsky, S. und S. Mehuert, E. f 457, 460. Nikolski, P. (52). 465 » ( 59 )* 

(18). Weissbein 535. Mejerowitsch(62). Noischewski (18). Popow, S. (56). 

Kroenig 399. Lipowski 3. Mendel 500. Nonne 100. Popow (10). 

Kromeyer 242. Lissitzin (17), (18). Mendelsohn (22). Nothes, I. f 382. Popper (81), (82). 

Krotow (6). Lissjanski (7). Mentow (51), Nowazki, I. f 283. Porro, E. f 318. 

Kruedener 281, 372. Litruski (52). Menzer 352. Nowikow, N. (82). Portugalow (11), (27). 

Krupkin, M. f 460. Liwanow (44). Mergel (46). Nowikow (J2), (46). Poschariski (4). 

Krupski 58. Ljachnizki, E. f 111. Metschnikow (21). Nowkunski (18). Posuer 20, (71). 

Kruwitinski (80). Ljanz (35), (64), (78). Mey 21, 149 *, 273. Nukolski (10). Pospelow (40), (57). 

Krylow, A. (82). Ljuba (6). Meyer, C. f 61. Prager 15. 

Krylow, D. (37). Ljubomudrow (6), (37). Meyer, E. f 402. Obraszow (52). Praksin (68). 

Krymow (68), (81). Ljubnschin (27). Meyer,H. 175,243,307.!omeltschenko(l4),(25). Prawdoljubow (21). 

Kudinzew. (68). Lobanow (16). Meyer, T. t 71. Oppel (13), (42). Predtetschinski (72). 

Kudisch (25), (40). Lobedank 370. Michailow (ß), (7), Oppenheim 500. Prissmann 22, 133, 

Kuebler, P. f 297. Lodor 33. (2b), (44), (51), (54), Orleanski (56). 307, 317, 329*. 

Kupffer 219. Loewenfeld 77. (68), (79). Orlow (19). Prissmann, Reinhard u. 

KupfFer, C. v. f 504. Loewenfeld n. Kurelia Michailowski, B. t 154. Orlowski, A. (68), (70). — 122. 

Kurrjew (6). 362, 613. Michelson 22, 122, 317, Orlowski, W. (42). Prissmaun, S. 531*. 

Knrella, s. Loewenfeld Loimann, G. f 308, 324. 401. Oscherowski (82). Prshewalski (67). 

u. — Loktew (58). Michin (74), (80). Ossendowski (57). Prussian 117*, 194, 

Kuritschinski (34). Lominskl (14). Michnow (43). Ossipow (11), (26). 232, 264, (43). 

Kuschew (80). Lordkipanidse (79). Middleton, W. f 187. Ostankow (56). Przeslawski, W. + 308. 

Kuschleiko, J. f 90. Lorenz 381. Minin (19), (61). ott (11), (12). Puschkin, S. t 345. 

Knsminski (80). Loschtschilow (9). Mironow (28). Pussep (11), (46), (56). 

Knsmizki (6). Loshetschnikow (38). Mironowitsch (29). Pachorukow, D. f 283. Pnstoschkin (17). 

Kassmaul, A. t 209. Losinski (67). Moebius 32, 331. ^acht 273. Putjata (38). 


Petrnw, W. (25), (74). 
Petter, V. f 430. 
Pezold, Al. v. 477*. 
Pezold, Aug. v. 487. 
Pfacmdler 456. 

Pfister 342. 

Pielnow (64). 

Pilzer 39* 174, 362. 
Pines (79). 

Pipping 393. 
Piroschkow (58). 
Pissmenny (53). 
Pjassetzki, A. (29). 
Pjassetzki, W. (59). 
Ploss, P. t 338. 
Pokrowski (33), (37). 
Pokschischewski (13). 
Polaillon f 256. 
Polenow (62). 
Poliektow (19), (64). 
Ponjatowski (48). 
Pontag (52). 

Puor 61. 


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xn 


Quensel 392. Rchech 51. 

Scheffer (5). 

Scheiofain (30).’ 
Scheinis (73). 
iSchelechow (68). 
Schenk, A. (62). 
Schenk, L. + 336. 
Scherschewski (79). 
Raszwetow, A. t 167. Scheube 436. 

Rauch (81). iSchider, E. t 298. 

Rechtsamer, M. t 90. Schilowzew (25). 

Reich (38). ;Schimauowski(37),(66). 

Reicbtraann, G. f 472.;Schkljajew, N. f 53 


Rabino witsch (38). 
Radecki, R. f 34. 
Radin (07). 

Radkewitsch (53). 
Rad zieh (33). 
Rasumuwski (62). 


Skrzeczka, C. f 209. jStern (9), (29), (46), 


Skworzow (57). 
Smirjagin (39). 
Smirnow, A. (17). 
Smirnow, G. (33). 
jSnamenski (33). 
Snegirew (17), (52). 
Sobotla 131. 

Sohn 141*. 

Solkower (69). 
Solotilow, S. f 145. 
Sommer, F. f 206. 
Sommer, R. 352. 
Soupart, F. + 15. 


(80). 

Stintzing, s. Penzoldt 
I °* — 

Stokvis. J. t 394. 
Stoll, A. f 460. 
Strachow (17), (18). 
Stradomski, W. t 235. 
Strashesko (14). 
iStrassburger, s. Schmidt 

, u - — 

Strauch, H. f 80. 
Stiebei 232. 

Streicher (28). 


Reimer (71). iSehkljarewitsch (26). 

Reinhard 132, 133. Schijachtin, A. f 308 [spakowski, 13. f 402. Strezeminski 205. 

239*, 282, 294. 401.jScliloess (h 2). 'Spanbok (81). Slroemberg (14). 

Reinhard n. PrissmamiiSchmacbmann 306, 317,jSp„ jdonow (37). jStroganow (28). (71), 

400, 401. Spisharny (32). J ( 74 ). 

Schmiedeberg 411. ;Ssabanejew (61). 1 Strshelbizki (34). 

Schmidt 19*. Ssadknwski (64). jSlruck, J. f 527. 

SchmiJt-Riropler 38s. | Ssakowitsd , M t 62 . Stschepinoki (82). 
Schmidt n-Strassburgpr; Spa | askin „ Me jg ow . Stnmeisen (10). 

ski (13). l !3Ubow 07). 


122 . 

Reinwaldt (49). 
Reiss, K. t 298. 
Remmert, A. f 317. 
Repper (82). 
Resnikow (23). 
Resser (53). 

Rex. I. t 71. 

Rikkert E. 539. 
Rieder 14. 

Rikkert, E. t 637. 
Rimscha 296. 

Robert, R. j a55 - 
Rodoski, K. f l 34 - 
Rodsewitsch (69). 
Römer, P. 535. 
Roempler, T. f 167. 
Romm (61). 

Rose (20). 
Rosenbaum (79). 
Ruseiiberg (30). 


253. 

Schmidt u. Weis 51. 
Sehmorl 34. 
Schneidemühl 470. 
Schneider, R. f 196. 
Schoebl, J. f 134. 
Schoenfeldt 13, 296 

323. 

Schottmüller, H. 535. 
Scholz 59. 

Schtscbegolew, M. (33). 


Ssalaskin u. Kowalew-,^ urow 

skaja (13). Swenson (13) 


Sweuzizki (21). 
Swershewski (77), (78). 
|Sykow (7), 63). 
jSyssin (81). 


Ssamochotzki (2). 

Ssarylschew (33) 

Ssashiq (37). 

Ssawaitow (25). 

Ssaweljew (29) 

Ssawin (68). 

Sspgalow (33). 

. , m /tl v iSsemenowitsch (70). . . lT 

Schuchegolew, T. 0>). SsPmi iliwsk | ^ +220 . lappeiner H. 41. 

(26). | . * , CIX ’ ' 'Tarassow (6). 

Schulgio (82). ;8serapin (bl), (62) |Ta rnowski (15), (34). 


Tallquist, 393. 
Tanfiljew (36). 
Tappeiner, F. f 345. 


Scbultz 122, 249*,259*. 
Schummer (38). 


Rostowzow (53), (65). Schuster 6 0. 


Rubez (5). 
Rubinstein 274. 
Rubio, F. f 355. 
Rudin (38). 

Rulle 335. 


Schwartz, S. (35). . .... /ft * 

Schwarz, E. 110, 296.!S sered,nskl ( 9 )- 
jSchwarz, 0. 470. iSsergiewski (33). 

[Schweizer (32). 

Schwendt f 430. 


Sserebrennikow (40), i 

c (81 )' .. rr Taruffi, C. f 318. 

Sserebrennikowtt-Glms | Tatarinow (70) 

ka J a ( 79 )- ITauber (37). 

iTazio f 134. 

>- ...v Tv i Teliatnik (11), (27). 

bsibilew. I) f 17 7. Xer-Assaturianz, G. f 


Ssobulew, L. (26), (51). 


Rumjanzew (1), (20), Sehwoger-Lettezki (65). 


(50). 

Runeberg 392. 

Runge 51. 

Ruth 110. 

Rybakow (46), (57). 

Sacher (57). 

Saenger 32. 
Saksaganski (21). 
Salesski u. Libow (6). 
Saraurawkin (18). 


Secretan, L. t l 97 - 
iSeeland, N. f 363. 
jSeget, T. f 145. 
Selenkin (7). 
Selenkowski (30). 
Selenkowski u. Rosea- 
berg (18). 

Selenski (72). 

Selinski, W. f 123. 
jSemazki (36). 
jSengbusch 21. 


(59). 

Ssobolew, S. (44). 
Ssobolewski (82). 
Ssokolow, D. (59). 
Ssokolow, W. (53). 


187. 

Ter-Grigorjanz (4), (14). 
l’eufer (46). 

Thomas 183*. 

Thomas, W. t 355. 
iTichanow (26). 
Ssokolew, W. f 402. 'Xichomirow, M. f 209. 
Ssok dow u. Greben-xichoinirow (30). 

schtschikow (25). jXiclmnow (63). 
Ssokolski (46). jXichonowitsch(19),(68). 

Ssolowjew, A. (26),!xichow, J. (61). 

(27), (58), (65). Xichow, P. (66). 


Sass (81). jSerenin (54). 

Satwornicki, A. t 373. Serrano, N. f 318. 
Saussailow (28), (52), Seyler. F. f 274. 


Ssolowjew, N. (43). 
Ssolowjew, P. (82), 
iSsolowow (60). 
Ssorokin (66). 


Xiederaann, W. f 336. 
Tiele, (61), (63). 
Xiemer 109, 339*, 349*.; 
Tigerstedt 388. 


(80). Shbankow (24), (41). Ssorotschinski (37),(82). Xikanadse (15). 

Schabad (28),(58),(65).;shukowski, A. (20). Ssnchanow u. Tschel-Tiling, G. 436. 


Schabert 20, 109, 334. Shukowski, W. (20). ZO w (3). 


Schaeffer, 0. 120 
Schaeffer, R. 86. 
Scliaefir (73). 
Scliapiro, B. 332. 
Schapiro, G. (74).^ 
Scharbe, E. t 515 - 
Schatz 52. 

Schatzki (11). 
Schauraann 393. 
Schebajew (79). 


(32), (45), (47), (51), Ssuchow, N. f 394. 

| (59), (76), (79), Ssudalew, D. f 382. 

Siber-Schumowa (42). iSsusl ;w (36). 

Sigrist u. Tschebcholt Ssyrkin (28). 

! (öl). Ssyrkin-Shklowski(79). Xjumjanzew (82). 

Simnizki (26). Starkow (19). 'Toepfer (9). 

Simnizki u. Rodosla iStefanowski (*8). 


Tiling 243. 
Timaschow (77). 
Tipzow (53). 

Titow, J. (58) 

Titow, i\. (36), (55). 


wow (80). 
Sitschew (17). 
jSkrobagski (27). 


Steffen 253. 
iStembo 57*, 96*. 
jStenbeck 393. 


Toerock, G. v. t 235. 
Tomaschewski (62). 
Trautmann, F. f 187. 
Treu 218. 


Treymann 295. 

Triepel 470. 

Trinkler (55), (61). 
Trofimow (70). 

Troitzki (64). 

Tropin, M. f 111. 
Tscharnomskaja (62). 
Tschazkio, J. f 167. 
Tschemolossow (38). 
(48). 

Tschernjachowski , E. 
(69). 

Tschernjachowski, M. 
(69). 

Tschernomordik (36). 
Tscherno-Schwarz (76). 
Tschernow (40), (41), 
(66), (82). 

Tschernyschew (32). 
(33). 

Tschetschott, s. Sigrist 
u. — 

Tschirkin (6). 

Tschish (52) 
Tschistjakow (55), (82). 
Tschistowitsch (26). 
Tschlenow (4), (14), 

(71) , (77), (78). 
Tscholowski, W. f 53. 
Tulinow (31). 

Turim (73). 

Turner (23), (57). 
Turnowsky 33. 

Tyrmos (68). 
Tyschnenko (37), (81), 
(82). 

Ucke 305, 437. 

Umnow, M. t Al3. 
Unter berger 142*, 161, 
269*, 321*, 498*, 

(72) . 

Untiedt, W., f 505. 
Uspenski (33). 

Uszynski + 420. 

Varnek (77). 

Vetlesen 393. 

Vierhuff 273, 342. 
Violin (82). 

Virchow, R. f 349, 
354. 

Vogel 380. 

Voss, G. 206, 277*. 
Voss, 173, 323. 

Waeber, 21, 22, 265, 
307, 400. 

Waiostain (38). 
Walitzkaja (23). 
Walter, A f 283. 
Walter, H. f 103. 
Walter, K. (26). 
Wanach 3, 397*, 249. 
Warawin, W. f 460. 
Wassiljew (31). 

Weber 60, 243, 514, 
(63). 

Wedenski (56). 

Weil (26). 

Weissbein, S., Lipliaw- 
sky, S. u. — 535. 


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XXVI. JAHRGANG ST. PETKRSBVR6EK Neue Folge XVIII. Jalirg. 

IlDIGIIISGIE WDCEEISC1RIFT 


outer der Kedactiou vul 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr, Johannes Krannhals ) 

Jurjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 




Oie «8t. Petersburger MedieiaiBehe Wocheusehrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnementspreli ist ia Bauland8 Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postiustellnng; in deu anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertioniprela 
fürdie 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25SeparatabzügeihrerOriginalartikel zngesandt.— 
Reterate werden nach dem «Satze von 16 Rbl. pro Bogen houorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate "W 

bittet mau auascliliesslich au die Buchhaudluug von K. L. Bicker in 
St.Petersburg,Newsky-ProspeetM 14, zu richten.—Kanusoripte 
sowie alle aul’die Redaction bezüglichen Mittheilnngen bittet man an 
den geschäftsführendeuRedacteur Dr.Budolf Wanaob In St.Pe- 
tersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhosoital zu richten Sprech- 
stuuden Montag, Mittwoch und Freitag vou 2—3 Uhr. 


N 1 


St. Petersburg, 5. (18.) Januar 


1902 


Inhalt: Dr. L. Gauderer: Operative Heilung einer fast völligen Atresie dos äusseren Gehörganges. — Dr. Wolf¬ 
ram: Ein Fall von Sarcoma duodeni, eine Ovarialcyste vortäuschend. — Bticheranzeigen und Besprechungen: Lipow- 
8ki: Leitfaden der Therapie innerer Krankheiten mit besond. Berücksichtigung der therapeut. Begründung und Technik. — 
W. Ebstein: Die chronische Stuhlverstopfung in der Theorie und Praxis. — Bange: Lehrbuch der Physiologie des «Men¬ 
schen. — Protokolle aus dem deutschen ärztl. Verein zu St. Petersburg. — Mittheilungen aus der Gesell¬ 
schaft praktischer Aerzte zu Riga. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Operative Heilung einer fast völligen Atresie des 
äusseren Gehörganges. 

Demonstration und Vortrag auf dem XIII. Livländischen 
Aerztetage zu Riga am 19. Juni 1901 
von 

Dr. L. G a n d e r e r. 

Meine Herren! 

ln Rücksicht auf das recht selten vorkommende ope¬ 
rative Eingreifen bei hochgradigen Verengerungen oder 
Verwachsungen des äusseren Gehörganges erlaube ich 
mir Ihnen hier eine Patientin vorzustellen, bei der ich 
in Folge einer fast völligen Atresie des linken äusseren 
Gehörganges die hyperostotischen Auflagerungen operativ 
entfernt und dadurch den äusseren Gehörgang wieder 
hergestellt habe. 

Frl. J. S. aus Friedrichstadt, 18 Jahre alt, giebt an, so¬ 
weit 6ie sich bis ins früheste Kindesalter hinein entsinnen 
kann, stets auf dem linken Ohr gesund gewesen zu sein. Zu 
Ende des Jalnes 1899 traten zuerst Schmerzen im linken 
Ohr auf uud bald darauf habe sich auch Sausen und Gehörs¬ 
herabsetzung eingestellt. Otorrhoe habe damals nicht be¬ 
standen. Das Sausen und die Schwerhörigkeit habe allmäh¬ 
lich derartig an Intensität zugenommen, ^iass Patientin im 
Juni 1900 gezwungen war. sich mir vorzuatcllcn. 

Die Untersuchung des linken Ohres ergab im knöchernen 
Theil des äusseren Gehörganges eine derartig hochgradige 
Verengerung, dass nur eine ganz dünne Sonde durch die an 
der vorderen Gehörgangswand sich befindende Oeffnung hiu- 
durcbgeflihrt werden konnte. Eine Eiterung oder übler Ge¬ 
ruch war aus dem Ohr nicht bemerkbar und konnte inan 
keinen Ueb^rbliek über das Verhalten des Mittelolues er¬ 
langen. 

Beim Sondiren fühlt man deutlich die von der hinteren 
Gehörgangswand entspringenden Knochenauflagerungen, die 
sich medianwärts fast bis zum Annulus tyrapanicus hinein 
verfolgen lassen. 

Patientin klagt über fast vollständige Herabsetzung des 
Gehöi8 auf dem lenken Ohr, sowie über starkes Sausen und 
linksseitigen Kopfschmerz. 

Die Gehörprüfutig ergiebt eine Herabsetzung des Gehörs 
fiir die Finstersprache auf kaum 25 Cm., während die laute 
Sprache auf etwa 1,5 Meter noch gehört wird. Die Stimm¬ 
gabel A wird auf osteotympanalem Wege länger percipirt 
als auf aerotympanalem. 


Da au eine medicaraentöse Behandlung oder Besichtigung 
des Trommelfelles bei der fast völligen Atresie des äusseren 
Gehörgange 1 ’ nicht zu denken war, Patientin ausserdem über 
Kopfschmerzen, Sausen und hin und wieder auftretende 
Schmerzen i... linken Ohr klagte, so proponirte ich ihr die 
Abtragung der Hyperostose und Wegbarmachung des äusse¬ 
ren Gehörkanales wobei ich die Geliörfähigkeit zu verbessern 
hoffte. Zugleich machte ich Patientin auf die Gefahren der 
Eiterretention aufmerksam, bei einer eventuell einmal auf¬ 
tretenden Mittelohreiterung. 

Am 13 Juli 1909 vollzog ich die Operation. Durch einen 
direct hinter der Ohrmuschel verlaufenden bogenförmigen 
Schnitt wird die Muschel und nachher, so weit eben möglich 
der häutige Gehörgang abgelöst. 

Die Haut über der Hyperostose war durch Druck stellen¬ 
weise so dünn geworden, dass sie bei der Ablösung mehrfach 
einris8. Dann wurde die von- der unteren und hinteren Ge- 
liörgaiigsw'iind ausgeiiende Hyperostose iu kleinen dünnen 
Lamel^n vorsichtig abgemeisselt, wobei die neugebildete 
Knocliemna8se sich als sehr hart erwies. Da sich die Kno¬ 
chenauflagerungen sehr tief medianwärts liineinzogen. fast 
bis an den Annulus tympanicus, so liess sich eine Verletzung 
des Trommelfelles im hinteren und unteren Theil nicht ver¬ 
meiden. Auch stellte sich durch die Erschütterung beim Ab- 
meisseln eine leicht« Facialisparese ein, die jedoch iu einigen 
Tagen völlig schwand 

Der häutige Gehörgang wurde nun gespalten uud an die 
Wandungen des neugebildeten knöchernen Kantles antam - 
ponirt und darauf zum Schluss die Ohrmuschel wieder ange¬ 
näht. 

Im äusseren Gehörgange heilte der an den Knochen an- 
tamponirte häutige Gehörgang nicht per primara an, sondern 
es mussten mehrfach Granulationen ausgekratzt, mit Lapis 
und Acidum tricliloraceticum geätzt werden, bis sich ‘der 
nengebildete Gehörgang völlig epidermisirt hatte. 

Auch stellte sich nach der Operation eine recht hartnäckige 
Mittelohreiterung eiu, bei der aus der nach hinten und unten 
sichtbaren Perforation Granulationsinassen hervorwucherten, 
so dass ich auch diese mit Acidum tricliloraceticum und Bor- 
spiritus bekämpfen musste und endlich am 18. August waren 
beide Processe, im Mittelolir und im äusseren Gehörgang 
als geheilt zu betrachten. 

Das Gehörvermögen war nach dem Ablaufen des Mittel- 
ohrprocesses für die Flüstersprache auf U/s—2 Meter gestie¬ 
gen und besserte es sich allmählich mit dem .Abblassen der 
Myringitis nach Einträufelungen von Resorcin-Cocainlösnug, 
sowie durch Luftdouchen für die Flüstersprache bis aut 7 -3 
Meter. 


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2 




Päiientin klagte nicht mehr über Kopfschmerzen, sondern 
bloss über linksseitiges Ohrensausen. 

Seit dem 5. September 1900 war Patientin ganz fortgeblie¬ 
ben und erst in diesen Tagen habe ich sie wieder untersuchen 
können und ist der Status präsens folgender: 

Der linke äussere Gehörgang hat durchweg eine Weite 
von 6-8 Mm. im Durchmesser und sieht man die Narbe an 
der hinteren und unteren Gehörgangswand sich fast bis zum 
Trommelfellfalz erstrecken. Eine exostotische Neubildung ist 
im Gehörgange nirgends sichtbar. Das Trommelfell ist etwas 
verdickt und sieht man unten die verdünnte Narbe. Der 
obere Theil des Trommelfells ist leicht geröthet und geht 
hier scheinbar ohne Abgrenzung auf die von Wall bezeich¬ 
nte Pars ossea des Trommelfelles über. Dadurch erscheint 
der Hammer etwas tiefer stehend nnd ist er weuig sichtbar 
abgegrenzt. 

Die Gehörprüfung ergiebt, dass das Gehörvermögen seit 
dem 5. September etwas zu rück gegangen ist. Während da¬ 
mals Patientin die Flüstersprache auf 7—8 Meter hört**, so 
wird jetzt die Flüstersprache auf 5 Meter Entfernung gehört 
und bessert, sich das Gehör durch die Lnftdouch« und Mas¬ 
sage des Trommelfelles nur sehr wenig. Die Stimmgabel 
wird, auf dem Scheitel aufgesetzt, nach links gehört und ist 
die Perceptionsfäbigkeit auf dem osteotympanalen Wege für 
die Stimmgabel eine längere als auf dem aerotympanalen. 

Eine Gehörverbesserung bis auf das nach der Operation 
erzielte Resultat lässt sich durch Luftdouchen, Massage des 
Trommelfelles und der Knöchelchen mit der Lucaeschen 
elastischen Drucksonde als wahrscheinlich voraussetzen. 

• Bei der Frage nach der Aetiologie einer so hochgra¬ 
digen hyperostotischen Verengerung des änsseren Gehör¬ 
ganges müssen wir entzündliche Processe ira äusseren 
Gehörgange resp. im Mittelohr als Ursache anoehmen. 
Dieser Annahme entspricht auch die von der Patientin 
angegebene Schmerzhaftigkeit und die damit zusammen 
hängende Gehörherabsetznng. Leider sind die Angaben 
der Patientin recht ungenaue; so negirt sie anfangs 
jedes vorherige Erkranktsein des Ohres, nachher giebt 
sie die Möglichkeit einer früheren Erkrankung zu, mit 
der Bemerkung, dass sie keine genaueren Daten ans 
frühester Kindheit geben könne, da die Mutter früh ge¬ 
storben. Jedenfalls haben wir es hier mit einer erwor¬ 
benen und nicht hereditären Atresie zu thun, da sämmt- 
liche Angehörigen der Patientin gesund sind und 
Patientin selbst annäherud einen Zeitpunkt angeben 
kann, wann die Beschwerden im Ohr aufgetreten sind. 

Auffallend ist nur das relativ schnelle Wachsen der 
Hyperostose, da solche Neubildungen meist eine sehr 
langsame Entwickelung zeigen und bei jugendlichen In¬ 
dividuen seltener als bei älteren Personen anftreten. 

In seinem Lehrbuch der chirurgischen Erkrankungen 
des Ohres betont Prof. H. Schwartze, dass der 
äussere Gehörgang eine Prädilectionsstelle für die Ent¬ 
wickelung von Exostosen sei, die meist, wie hier, von 
der hinteren Wand aasgehen und sich breitbasig bis 
dicht vor das Trommelfell entwickeln. 

Kleinere Exostosen, gestielt oder rundlich, sind eine 
recht häufige Erscheiuung im äusseren Gehörgange und 
häufiger bei überseeischen Völkern, den Ureinwohnern 
Amerikas, von Welcker, Seligraann, v'irchow 
nnd Blake beschrieben worden. Bei den Amerikanern 
ist nach Ansicht Selig man n’s und W elc k er’s die 
künstliche Formung langgestreckter Schädel die Ursache 
der häufiger vorkommenden Exostosenbildangen. 

Entzündliche Processe im Mittelohr resp. im äusse¬ 
ren Gehörgange sind hier als das ursächliche Moment 
anzusehen, an welches sich dann periostitische Reizun¬ 
gen mit nachfolgenden Ex- und HyperostosenbilJungen 
angeschlossen haben. 

Zum Schluss möchte ich noch die Frage erörtern, 
war der operative Eingriff berechtigt oder nicht, da 
keine dringende Indication zur Operation vorlag. 

Nach Prof. H. Schwartze ist die Exotosen-Opera¬ 
tion dann indicirt: 

1) Wenn die Exostose den Gehörgang fast verschliesst, 
mit Mittelohreiterung complicirt ist und bereits Anzei¬ 
chen von Eiterretention aufweist. 


2) Wenn beide Gehörgänge dnrch Exostosen völlig 
oder fast völlig verlegt sind nnd dadurch hochgradige 
Schwerhörigkeit herbergefiihrt ist. 

3) Wen» es bei einseitiger Exostosenbildung zur Ul- 
ceration der Haut oder znr Granulalionsbildung gekom¬ 
men ist. 

4) Wenn bei einseitiger Exostosenbildung nnd dadurch 
bedingter hochgradiger* Schwerhörigkeit das zweite Ohr 
ans anderen Ursachen unheilbar taub Ist. 

Bei stricter Befolgung dieser Indicationen hätte ich. 
gewiss nicht operiren sollen da weder Eiterung noch 
Eiterreteution ; weder doppelseitige ExostosenbilJung, 
noch Taubheit des anderen, nicht verengten, Ohres vor¬ 
lag. Da Patientin jedoch über zeitweilige Schmerzen 
im linken Ohr klagte, die angebliche Ursache dieses 
Schmerzen jedoch wegen der hochgradigen Stenose der 
Gehörcanales nicht nachgewiesen resp. übersehen werden 
konnten, so nahm ich als Ursache der so relativ schnei] 
fortschreitenden Hyperostosenbilduug nur entzündliche 
Processe im äusseren Gehörgange oder Mittelohr an. 
Ferner befürchtete ich bei einer etwaigen auftretendeu 
Eiterung eine Eiterretention, obgleich znr Zeit keine 
Otorrhoe bestand. 

Das gravirendste Moment, welches mich znr Opera¬ 
tion veranlasste, war die Hoffnnug auf Gehörverbesse* 
rnng, welche Annahme sich auch nach der Operation 
bewahrheitete. Bei dem relativ schnellen Fortschreiten 
der Verengerung des äusseren Gehörkanales wäre es 
wohl recht bald zu einem totalen Verschluss desselben 
gekommen und s<-mit wohl auch zur fast völligen Taub¬ 
heit auf dem linken Ohr, welchem Uebelstand ich durch 
die Operation Vorbeugen wollte. 

Es lag somit nicht die Dringlichkeit der Operation 
vor, wohl aber hielt ich sie au? den soeben angeführten 
Gründen für nothwendig und somit anch für berochtigt. 


Ein Fall von Sarcoma duodeni, eine Ovarialcyste 
vortäuschend. 

Mit günstigem Erfolg operirt, and demonstrirt aut dem XfIL 
livl. Aerztetage za Riga. 

Von 

Dr. Wolfram, 

Riga. 

Mit welchen Zufälligkeiten der Gynäcologe manchmal 
zu rechnen hat, möge folgender Fall darlegen. 

Am 9. März a. c. suchte mich Frau D. in meiner Sprech¬ 
stunde anf; die Untersuchung der in ihrer Ernährung stark 
zurückgegangenen Frau ergiebt eine prall elastischeGeschwalst, 
bis handbreit über den Nabel reichend, den Uterus in Retro- 
flexions8tellung, tief von der Geschwulst noch unten gedrückt, 
weder Salpinx nach Ovarien nachweisbar. Uterus nnd Ge¬ 
schwulst eine scheinbar innig verwachsene und unbewegliche 
Masse. 

Nach Eröffnung der Bauchhöhle in der linea alba gestalten 
sich die Verhältnisse recht schwierig; erst nachdem das Netz 
ansgiebig unterbunden und abgetragen, war es möglich in die 
Tiefe zu gelangen und langsam die Adhäsionen zu lösen, doch 
nicht weit, denn oben und hinten scheint der Tumor mit der 
Wirbelsäule verwachsen, erst nach Spaltung und Entleerung 
einer Menge dickflüssiger dunkeliother Flüssigkeit lässt sich 
der dickwandige Sack leicht aus dein Becken heransschälen, 
indem er nirgends mit den Genitalien innig verbunden ist. 
nur an der hinteren Partie in der Höhe des Pancreas siösst 
man auf bedeutenden Widerstand. 

Nach Lösung der lezten Adhäsionen haben wir folgendes 
Bild : die Cyste geht in einen etwa 5 Finger dicken Stiel über, 
auf welchem das Mesocolon breit reitend inserirt; da ich nun 
einen Pancreastnmor vei muthete, glaubte ich weiter nicht vor 
dringen zu brauchen, sondern entschloss mich, wie es Prof. 
A. M a r t i n (Vortrag und Demonstration Berlin 1890), in einem 
Falle von Pancreascyste gethan. den Stiel in seiner ganzen 
Peripherie zu umstechen und zu unterbinden (Formalincatgut) 
und den wenig blutenden Stumpf durch Herüberziehen von 
Peritoneum mit fortlaufender Catgutnaht fest gegen die 
Bauchöhle abzuschliesseu. 


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3 


Patientin hat den Eingriff gut fiberstanden and erlaube ich 
mir hier die blühende Frau vorznstellen. 

Ans der Reconvalescenz ist anzuführen, dass die Urinprobe 
sofort tisch der Operation 2’/»°/o Zocker ergab, welcher im 
Laufe von 6 Wochen allmählich verscliwsnd. 

Die vom Herrn Collagen Schabert vorgenommene 
microscopische Untersuchung ergab eine grosse Ueber- 
raschung. Anstatt des erwarteten Pancreasturrwr ergab 
sie einen Darratumor, welcher nach seinen anatomischen 
Verhältnissen nichts anderes sein konnte als ein Duode- 
nnnitnmor; ausser einem etwa Thalergrossen Stück 
normaler Dnodenumschleimhaut, besteht der ganze übrige 
Tnmor aus der collossal hypertrophirten nnd sarcoraatös 
entarteten Muscularis, mit einer dünnen Schicht Serosa 
überz« gen. 

Die cystische Form des ursprünglich soliden Tumors 
erklärt sich leicht, wenn min sich vorstellt, dass der 
schnell wachsende Tnmor in Folge mangelhafter Ernäh¬ 
rung central zerfallen nnd eiuschmelzen musste, zumal 
bei der schwer arbeitenden Frau mechanische Insulte und 
centrale Haeraorrhagien den Process beschleunigen dürf¬ 
ten (Sc h a b e r t). 

Chirurgisch interessant ist in unserem Falle, dass hier 
ein tbal • rgrosser Defect im Duodenum nicht nach den 
Regeln der modernen Darmnaht versorgt worden ist und 
dennoch der Darm zur vollkommensten Zufriedenheit 
functiomrt, Stenosenerscheinungen sind nicht vor¬ 
handen. 

Wie wäre dieser Fall wohl verlaufen, wenn der Zu¬ 
fall ihn einem principiell vaginal vorgehenden Collegen 
zngeführt hätte? 


BQcheranzegien und Besprechungen. 

Lipowski. Leitfaden der Therapie innerer Krankhei¬ 
ten mit besond. Berücksichtigung der therapeut. 
Begründung und Technik. Springer. 

«Die Therapie ist Endzweck der Medicin». Von diesem Ge- 
sichtspnnct ans, mit grösst möglicher Ontralisirnng and 
nnter Betrachtung aller Sonderdisciplinen der Praxis und 
Therapie vom einheitlichen Standpnnct des pract. Arztes ist 
vorliegendes Bach entstanden. Von allen Thedgebieten der 
Therapie ist iu demselben daher anch das enthalten, was dem 
pract. Arzt geläufig sein muss. Das rein practische Princip 
ist auch für die Eintheilung des Stoffes massgebend gewesen; 
zunächst werden die Infectionskrankheiten i Masern, Scharlach, 
Diuhtherie, Typhus und Gelenkrheumatismus) abgehandelt, 
soaann Erkrankungen des Herzeus, der Nieren und Verdau¬ 
ungskrankheiten. Darauf folgt eine leider etwas kuize 
Diätotherapie, dann Stoffwechselkrankheiten und Erkrankun¬ 
gen des Blutes. 

Es ist natürlich, dass anf einem Gebiet, das in ausschliess¬ 
lichem Maasse Sache feinfühliger Subjectivität und Tactes ist, 
wie die Therapie, sich detailirte Vorschriften nie werden geben 
lassen können — nur die Encheiresen, das rein Aeusserliche 
kann beschrieben werden — nnd nur gewisse allgemeine lei¬ 
tende Gesichtspnncte sind zu betonen. Das vorliegende Buch 
wird daher mit grossem Nutzen von jüngeren Collegen ge¬ 
lesen werden, unter diesen noch ganz besonders von denen, 
die nicht das Glück haben beständig an einem Hospital thätig 
zu sein. 

Wiehert. 

W. Ebstein: Die chronische Stuhlverstopfung in der 
Theorie und Praxis. Verlag von Ferdinand Enke. 1901. 
Stuttgart. 

Es Ist ja eine allbekannte Thatsache. dass die habituelle 
Stublträgheit und ihre Folge, die chronische Stahlverstopfung 
mit zu den allerhänfigsten Leiden der Menschheit gehören. 
Wie wichtig es nnn für jeden practischen Arzt ist mit ge¬ 
nannten Krankheitserscheinnngen nnd den dnreh dieselben her- 
yorgerufenen Nah- nnd Fern Wirkungen vertraut zu sein, ist 
ja ohne weiteres klar. 


Ans der Feder des bekannten Göttinger Professors stammt 
r.nn die vorliegende Monographie, welche nns in ganz vorzüg¬ 
licher Weise belehrt über die existirenden Theorien der Ent- 
stehungsweise dieser menschlichen Plage, über die grosse 
Anfgabe, welche eine rationell wissenschaftliche Behandlung 
hier ei füllen kann. In genauer, ausführlicher Weise versneht 
es Ebstein namentlich den Zusammenhang zwischen den 
verschiedensten Krankheitssymptomen in ganz entlegenen 
Organeu mit dem primären Leiden, einer bestehenden Stuhl¬ 
trägheit oder der chronischen Constipation zu eruiren, indem 
er durch zahlreiche der Arbeit am Schlüsse beigefügte Kran¬ 
kengeschichten nns eine derartige Zusammengehörigkeit vorde- 
monstrirt. Der Frage über die Behandlnng dieser Zustände 
ist eine ausführliche Besprechung zu Theil geworden, wobei 
unter anderem Verf. sehr warm für den Gebrauch von Oel- 
klysmen eint ritt 

Im Uebrigen verweisen wir auf die Arbeit selbst, welche 
jeder Praktiker mit dem allergrössten Interesse lesen wird. 

Hecker. 

Bunge: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 

I. Band. Vogel. 

Währeud Jedermann die gewöhnlichen «Lehrb. d. Physiol.» 
kaum als Lectüre, sondern nur als Nachschlagehücher be¬ 
nutzen wird, kann man von dem vorliegenden Werke mit 
Sicherheit behaupten, dass es mit Vergnügen duich- 
gelesen nnd mit dem Gefühl hohen Genusses und grosser 
Anregung aus der Hand gelegt werden wird. Nicht nur der 
dem Verf. eigene glänzende, leichte Stil, sondern auch die 
Anordnung des Materials und die grosse Fülle des Gebotenen, 
nicht in enge herkömmliche Form gepresst, fesseln den Leser. 
Veif. beginnt, die 28 Capitel, ans denen der I. Band besteht, 
mit der Physiologie der Sinnesorgane (10 Cap.), sodann folgt 
die Physiologie des Gehirns in 6 Cap., sodann Schlaf, Hypno¬ 
tismus, Winterschlaf. Sympathicus, ailg. Mnskel- nnd Nerven- 
physiologie, thierische Eieetricität, Stimme and Sprache, Fort¬ 
pflanzung, Vererbung und Regeneration. 

Staunenerregend geradezu ist die Belesenheit des Verf. 
Dabei verliert er sich aber nie in Kleinigkeiten, sondern be¬ 
hält stets den höheren, allgemeinen Standpunct bei, von dein 
aus er die Einzelheiten betrachtet; nnd gerade dieses Her- 
vortreteu einer abgeklärten philo«ophi9chen Denkweise, der 
ein stark individuelles Gepräge anhaftet, lässt das Buch als 
so anziehend und fesselnd erscheinen. 

Das Werk sei wärmstens empfohlen! 

Wiehert. 


Protokolle 

des deutsohen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1303 Sitzung am 24. September 1901. 

1. Wan ach stellt einen 52 J. a. Mann vor, dem er die 
Pars pylorica des Magens wegen Carciuom 
resecirt hat — Pat. ist bis vor 2 Monaten ganz gesund 
gewesen. Damals traten Schmerzen im Epigastrium, beson¬ 
ders nach den Mahlzeiten, anf, Pat. wurde schwach und ma¬ 
gerte rapide ab. Erbrechen ist kein Mal aufgetreten. Vor 
1 Monat wurde ein Tumor im Epigastrinm constatirt. Pat. 
trat am 13. August 1901 in das Peter-Paulhospital ein. Hoch¬ 
gradige Schwäche und Anämie, Knöchelödem. Anämisches 
systol. Geräusch an der Herzspitze. Rechts von der Mittel¬ 
linie im Epigastrium ein hühnereigrosser, harter, höckeriger 
unempfindlicher Tnmor, der sich nach allen Richtungen frei 
verschieben lässt. Motilität des Magens fast normal, im Ma¬ 
gensaft Spuren von HCl, keine Milchsäure. — Am 18. August 
Laparotomie in der Mittellinie. Das Carcinom nimmt die 
hintere Wand des Pars pylorica und einen Theil der kleiuen 
Curvatur ein, ohne auf den Pylorus selbst überzugreifen. 
Keine Verwachsungen mit der Umgebung. Die Resections- 
8chnitte werden, weit ab von der Neubildung, einerseits durch 
das Duodenum, andererseits etwa an der Grenze des mittleren 
und rechten (pylorischen) Drittels d^s Magens geführt. Die 
Lumina des Duodenum und des Magens werden vernäht; 
Gastrojejunostomia retrocolica posteriol nach Hacker, 
Enteroaiiastomose zwischen der. beiden Schenkeln der an den 
Magen gehefteten Dünndarmsehlinge. Bauchwunde vernäht. 
Erbrecheu trat nnr einmal, am 3 Tage nach der Operation, 
auf, sonst ganz glatter Verlauf. Am 26. September reist Pat. 
in seine Heimath (Südrnssland) zurück. 

W. hat den Kranken deshalb vorgeführt, weil er nnge- 
wöhnlich günstige Chancen für eiue Radicalheilung bietet: die 
Krankheit hat erst vor 2 Monaten begonnen, der Tumor war 
streng localisirt, die Reseetion Hess sich in ganz gesundem 
Gewebe ausführen, es bestanden weder Verwachsungen noch 
Drüsengeschwülste. Solche Bedingungen findet man nur selten 
und dementsprechend sind die Resultate der Radicaloperation beim 


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Magencarcinom noch recht schlecht. Die dauernd geheilten 
Fälle lassen sich an den Fingern herzählen. Die Operations¬ 
technik ist jetzt soweit aasgebildet, dass nur verhältnissmäs- 
sig wenige Kranke an der Operation sterben, die Mehrzahl 
geht aber an Recidiven za Grande. Die Indiuatioasstellung 
variirt innerhalb weiter Grenzen. 

Während einerseits die Ansicht vertreten wird, dass jeder 
Tumor, der sich dentlich palpiren lässt, schon zu weit vorge¬ 
schritten ist um radical entfernt werden za können, operiren 
Andere sogar noch bei Verwachsungen mit den Colon trans- 
versnro! Diesen Operationen möchte W. nicht das Wort re¬ 
den, andrerseits aber die Grenzen für die Operation auch nicht 
gar za eng gezogen wissen. Die Entscheidung, ob man pallia¬ 
tiv (Gastroenterostomie) oder radical operiren soll, kann nur 
nacii Eröffnung der Bauchhöhle und genauer Untersuchung 
der Beziehungen desTnmors zur Nachbarschaft gefällt werden. 
Zum Schluss betont W. noch einmal, dass bei uns zu Larde 
die Kranken sehr selten in solchem Zustande in chirurgische 
Hände gelangen, dass sie für die Radicaloperation geeignet 
erscheinen. ; 

(Autoreferat). 

Discus8ion: 

Westphalen bestätigt, dass nur wenige Fälle sich zur 
Resection eignen und die Frage der Resec.tionsmöglichkeit nur 
nach Eröffnung der Bauchhöhle mit Sicherheit entschieden 
werden könne. W. erinnert sich nur 4 derartige Fälle gese¬ 
hen zu haben. Der erste derselben wurde resecirt, starb aber 
an Aetherpneumonie, der zweite starb im Collaps; im 3 wurde 
wegen gleichzeitigem über das Peritoneum verbreiteten Echi¬ 
nococcus die Bauchhöhle gleich nach Eröffnung derselben 
wieder geschlossen. Der 4. entzog sich der Behandlung. Im 
allgemeinen sind es die Tumoren von bindegewebiger, scirrho- 
tischer Beschaffenheit, welche am Pylorusthell sitzen, welche 
sich für die Resection eignen. Metastasen sind bei dieser 
Form des Krebses weniger zu erwarten. S t r a u s s berichtet 
über Fälle von Resection, welche über 3 Jahre recidivfrei ge¬ 
blieben waren; offenbar handelte es sich auch in den 
Straus s’schen Fällen um analoge gutartige Krebsformen. 

, T i 1 i n g hat noch kein Mal zu reseciren Gelegenheit ge¬ 
habt. Eine Radicaloperation auszuführen ist nicht rathsam, 
wenn die Lymphdrüsen schon infiltrirt gefunden werden. 
Giebt doch das Mammacarcinom, bei welchem eine Entfernung 
sämtlicher inficirten Drüsen noch verhältnissmässig leicht aus¬ 
führbar immer noch 70 pCt. Recidive. T. ist daher der An¬ 
sicht, dass wenn der Tumor nicht ganz beweglich und die 
Drüsen nicht vollständig frei sind, die Gastroenterostomie der 
Resection vorzuziehen ist. Eine Gastrostomie allein macht 
Pat. zu viel Beschwerden. Zu bedenkeu ist in noch resec- 
lionsfähigen Fällen wie dem W a n a c h’schen, dass die Noth- 
wendigkeit, an verschiedenen Stellen des Darmtractus sorg¬ 
fältige doppelseitige Nähte anzulegen, eine bedeutende Zeit 
beansprucht; die Operation wird dadurch sehr in die Länge 
gezogen und dürften die Kräfte des geschwächten Pat. für 
einen derartigen Eingriff häufig nicht ausreichende sein. 

' Kernig erinnert sich eines Falles in welchem beider 
noch jungen Frau eine Gastroenterostomie ausgeführt wurde. 
Pat. besserte sich nach der Operation zusehends und wurde 
sogar schwanger. Die Geburt verlief normal; Pat. ging aber 
nicht an ihrem Krebsleideu, sondern an einer Puerperaler- 
krankung, einem Pueumothorax nach einer Lungenembolie zu 
Grunde. 

Schmitz erkundigt sich, wie lange die Operation im 
W a u a c h’schen Falle gedauert bat. 

Wan ach: etwas über 2 Stunden. Hier scheint, wie 
schon erwähnt, die Resection selten ausgeführt zu werden, 
ln Deutschland werden die Indicationen offenbar weiter ge¬ 
stellt, womit sich W. jedoch nicht einverstanden erklären 
kann. Jahrelang beobachtete Fälle ohne Recidiv bilden auch 
heute noch eine Seltenheit. Zöge in Dorpat hat auch in- 
operabele Fälle resecirt um bessere functioneile Resultate zu 
erzielen. 

Westphalen: Zur Präcisirung der sich noch zur Re* 
section eignenden Fälle wäre hinzuzufügen, dass folgende 
Bedingungen erfüllt sein müssen. 1) Tiefstand des Magens 
meist in Folge 2) Entwickelung eines harten, wenig zu Zer¬ 
fall neigenden Tumors der Regio pylori, 3) grosse Beweg¬ 
lichkeit desselben, 4) muthraasslich geringer Zerfall, wofür 
meist Abwesenheit von Blut im Mageninhalt und Fortdauer 
des Appetites soweit dieser nicht etwa durch die Staguatiou 
des Ingestes verursacht wird, sprechen dürften. 

2. Kernig referirt über einen Fall von Hyperpy- 
rexie. Fälle excessiver Steigerung der Körpertemperatur 
sind fast ausschliesslich bei Rheumatismus ac. zur Beobach¬ 
tung gelangt. Vor Jahren hat K- auch in einigen Pneumonie¬ 
fällen im Beginne der Erkrankung eine Hyperpyrexie zu 
beobachten Gelegenheit gehabt. Pribram führt an, dass 
in einigen Jahren sich solche Fälle häufen um dann für einige 
Zeit wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Im Ker¬ 


n i g 'scheu Falle handelte es sich um eine Pat., welche am 
8. JuM 1901 ins Obuchowhospital eintrat and an ac. Rheamfc- 
»Ismus der Fuss- und Handgelenke litt In den ersten Tagen 
zeigte sie gewöhnliche Temperaturen zwischen 38 und 39° C. 
Am Abend des 9. Tages stieg die Temperatur auf 39,7. Am 
17. Juli (10. Tag) stieg die Temperatur am Morgen bis 
40,6° C. bei einem Pnlse von 120. Um 12 Uhr Mittags wurde 
in der Achselhöhle 42,3, im Rectum 42,4° gemessen. Am 
Abend war es geluugen, die Temperatur auf 39,5° herabzu¬ 
drücken ; dieselbe schwankte in der Nacht zwischen 39,8 bis 
40,2 und erreichte in den nächsten Tagen nicht mehr eine so 
excessive Höhe. Bemerkenswerth ist, dass während des Pa- 
roxysmus die Schmerzen nachliessen; es bestand leichte Be¬ 
nommenheit, Somnolenz und geringe Cyanose. Eine Miliaria 
rubra war reichlich ausgesprochen- 

Die Behandlung des Anfalls bestand in Bädern (2 von 25° 
3 von 22® R.), grosse Gaben Chinin (1,5 grm.). Wie der weitere 
Verlauf zeigte, bandelte es sich um einen langwierigen Fall 
Rheumatismus ohne Complicationen; typhöses Fieber ist mit 
Sicherheit auszuschliessen. Eudocarditis ist nicht eingetreten. 
ln einem Fall von Pribram starb die Pat. im Anfalle bei 
einer Temp. voo 43° C. 

Sphraitz erkundigt sich, ob nicht weitere Gelenke rheu¬ 
matisch befallen wurden. 

Kernig: der Process lokalisirte sich hauptsächlich in 
den Handgelenken in welchen es zu bedeutender Verdickung 
der Kapsel und dadurch bedingter Ankylose kam- Pat. litt 
ausserdem an einem Tripper. 

Petersen: wurden Gonococcen nachgewiesen? 

Kernig: Die Diagnose ist nicht bakteriologisch nachge¬ 
prüft worden. 

Petersen: Die Verdickung der Bäuder und Syno vialis, 
welche Bich nach gonorrhoischen Afiectionen der Gelenke aas¬ 
bilden, lasseu sich sehr schön im Röntgenbilde beobacliteu. 
Die lange Dauer der Erkrankung in diesem Falle, so wie 
auch die Torpidität sprechen wohl für einen gonorrhoischen 
Ursprung des Leidens. 

Director: Dr. W. K e r u i g. 
Secretär: Th. Dobber t. 


Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerste 
su Riga. 

Sitzung vom 3. Oct. 1901. 

1. Der Präses (Dr. Bernsdorff) gedenkt des am 29. Sept. 
verstorbenen ordentlichen Mitgliedes: Dr. Eugen v. Bock - 
mann. 35 Jahre lang sei derselbe Mitglied gewesen und 
etwa die Hälfte dieser Zeit habe er in unserem Verein Aem- 
ter bekleidet. 5 Jahre lang sei er Secretär gewesen, 2 Jahre 
Präses u ud über 10 Jahre Bibliothekar. Als Letzterer habe 
er den Katalog angefertigt, welcher es uns erst ermögliche 
uns unsere Bibliothek recht zu Nutze zu machen und welcher 
von keinem Geringeren, als Rudolf V i r c b o w in anerken¬ 
nendster Weise benrtlieilt worden sei. In den letzten Jahren 
hätten Kränklichkeit und Berufsgeschäfte den nun Verstor¬ 
benen verhindert, die Vereinssitzungen regelmässig zu be¬ 
suchen, so dass er der jüngeren Generation in unserer Ge¬ 
sellschaft wenig bekannt gewesen, doch hätten die Ereignisse 
des vorigen Semesters gezeigt, dass, wenn es galt in gefähr¬ 
deter Zeit dem Verein beizuspringen, er sich durch diese Hin¬ 
dernisse nicht habe abhalten lassen. Auf Auflorderuug des 
Präses erheben sich die Anwesendeu, um das Andenken des 
Verstorbenen zu ehren, von ihren Sitzen. 

2. Dr. Hampeln berichtet über die letzte Krankhei t 
Dr. v. B o c h m a n n’s , ein Oesophaguscarcinom mit termi 
naler Lungengangrän. 

Die ersten Erscheiuungen. welche im Frühjahr dieses Jahres 
anftraten, bestanden in heftigen epigastrischen Schmerzen, — 
welche soust eher ein Oesophaguscarcinom ausschliessen — 
uud in Thoracalschnierzen. Auch das anfängliche Fehlen von 
Schlingbeschwerden sprach gegen Oesophaguscarcinom, so 
dass man ohne instrnmentelle Untersuchung im Hinblick auf 
den Allgemeinzustand und die von jeher bestehende Anaci¬ 
dität zur Diagnose eines Magencarcinoins gedrängt wurde, 
mit der Localisation an der kleinen Cnrvatnr oder am Kundus. 

U/s Wochen vor dem Tode stellte sich linksseitige Pleuritis 
und Verdichtung des linken unteren Lungenlappens eiu, bald 
Uebergang in Lnngengangrän, welche raschen Verfall der 
Kräfte zur Folge hatte und in IV» Tagen den Tod herbei¬ 
führte. 

Die Section ergab ein Neoplasma im Oesophagus in der 
Höhe der Bifurcation der Trachea; ob Cardnom oder Sarcom 
vorlag, lasse sich nicht entscheiden, da die mikroskop- Unter- 


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suchnng noch nicht beendet sei. In der Gegend der Cardia 
fand aich eine wallnussgrosse Metastase, die Cardia von aussen 
her comprimirend, offenbar eine inficirte Drüse. Ferner zahl* 
reiche Metastasen in der Leber, den Nieren, im Herzfleisch. 
Ausserdem alte Aortensklerose, keiue Tuberculose. 

3. Dr. Hampeln berichtet über den in der DiRCussion 
auf der vorigen Sitzung von ihm erwähnten Fall von Darm* 
occlnsion, in welchem sich bei der Section keine 
Strangulatio nsf urclie fand. 

Es handelte sich um einen jnngen Mann, der früher immer 
gesund gewesen war. Am Abend vor seiner Erkrankung 
hatte er Hefepfannkuchen gegessen, 3 Stunden später, um 12 
Uhr Nachts, stellten sich die Erscheinungen des Miserere ein. 
Um 2 Uhr Nachts UeberfÜhrung ins Krankenhaus- Die vor¬ 
geschlagene Operation wird von Patienten zurückgewiesen, 
ClyBmate bleiben ohne Et folg, es gehen nur Winde ab. Die 
Auftreibung des Leibes ist nicht hochgradig, Pat. collabirt 
mehr and mehr, um 2 Uhr Nachm, erfolgt der Tod. 

Die Obduction ergab keine Achsendrebung, keiue Abschnü¬ 
rung, kurz keine der gewöhnlichen Ursachen einer Occlnsion ; 
die letztere war vielmehr dadurch bedingt, dass ein grosses 
Convolut Dünndarm8chlingen — im Ganzen ca. 5 m. Dünn¬ 
darm sich über die flexura sigmoidea hinübergelagert hatte, 
gewissermassen lnxirt- war, so dass anf diese Weise gleich¬ 
zeitig eine Occlusion des Dünndarms n. der Flexur zu Stande 
gekommen war. Der Dünndarm war durch die radix niesen - 
terii der starkgeblähteu Flexur wie von einem Ring um- 
schnürt. 

In der neueren Literatur seien derartige Fälle nicht er¬ 
wähnt, wohl aber beschreibe Leie h tenste r n ähnliche, 
die sich indessen von dem in Bede stehenden Falle Dr. Ham¬ 
pel n’s dadurch unterscheiden, dass erstere sämmtlich mit 
einer Achsendrehnng combinirt waren. Ausserdem erwähnt 
Leichten Stern fremde Beobachtungen ohne diese Com- 
bination — die also nach der Beschreibung mit dem Falle 
Dr. H’s fiberemstimmen müssten, — bezweifelt jedoch die 
Richtigkeit derselben. Von bekannteren Occlusionsformen 
komme Treves’ «Incareeration über dem Strang» dem sei- 
nigen am nächsten. 

Aehnlicbe Verhältnisse, wie bei dem eben beschriebenen 
setzt Vortragender auch bei dem Fall «Tidrik» voraus. Das 
cöcale Ende des Ileum müsse durch eine Colonschlinge com- 
rimirt gewesen und diese bei der Operation, während des 
uchen9 nach der Occlusionsstelle, zurückgeschlüpft sein. 

Dr. v. Bergmann meint, nach der hernmgereiebten 
Skizze zn urtbellen, den von Dr. Hampeln heute beschrie¬ 
benen Fall für eine jener Occlusionsformen halten zu müssen, 
bei welchen der durch abnorme Gasspannung geblähte Dünn¬ 
darm sich um den Dickdarm geschlangen habe. Die Verän¬ 
derungen seien allerdings in diesem Falle wenig ausgesprochen 
und es brauche sieb daher hier nicht um eine absolute Occlu¬ 
sion gehandelt zu haben; die ausgebildeten Formen dieser 
Vei Schlüsse gäben eine absolut infauste Prognose. 

Nothwendig für das Zustandekommen solcher Compressionen 
durch eine Darmschliuge sei also eine abnorme Gasspannung 
in der comprimirenden'Schlinge, ohne dieselbe halte Redner 
eine Compression für unmöglich. Redner habe schon dar¬ 
auf hingewiesen, dass man z. B. nicht selten die Flexura 
sigmoidea nach rechts über das Coecum geschlagen finde, bei 
Abwesenheit jeglicher Occlusiouserscbeinungen. 

Was speciell den Fall Tidrik aulange, so fehle hier auch 
der Nachweis einer abnormen Beweglichkeit des Colon ascen- 
dens, wie sie für das Zustandekommen der vou Dr. Ham¬ 
peln angenommenen Verhältnisse gefordert werden müsse. 

Dr. Scbabert spricht sich dahin aus, dass das Wesent¬ 
liche in Dr. Hampel n’s Fall die Incareeration des Dünn¬ 
darms sein müsse; der schnelle Tod spreche dafür. 

Dr. H a m p e 1 n : Es sei richtig, dass im Falle Tidrik 
eine abnorme Beweglichkeit des Colon ascendens im Sections- 
protokoll nicht vermerkt sei, aber ebensowenig sei in dem¬ 
selben gesagt, dass dasselbe normal gewesen. Man werde in 
Zukunft bei der Section diesem Punkte mehr. Aufmerksam¬ 
keit zuwenden und auch negative Befunde aufzeichnen 
müssen. 

4. Dr. 0. Brehm (als Gast) stellt 3 Fälle von Fractur 
des 08 naviculare der Hand nebst den dazugehörigen 
Röntgenphotographien vor (die begleitenden Ausführungen 
erscheinen im Druck). 

5. Dr. 0. Burchard stellt einen Fall von Akrome- 
alie vor, mit gleichzeitiger Demonstration auf den Fall 
ezüglicher Röntgenaufnahmen. (Ein genauer Bericht er¬ 
scheint im Druck), 

Dr. Behr: Der Fall, welchen Herr College Burchard 
soeben vorstellte, ist in mehrfacher Beziehung vom grössten 
Interesse und verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Einmal 
sind die Fälle von reiner Akromegalie äusserst selten und 


gehören zu den grössten casuistischen Raritäten, zwelteus 
ist aber der besprochene Fall mehr als geeignet die grossen 
Schwierigkeiten erkennen zu lassen, welche nnter Umständen 
der Diagnose Akromegalie anhaften. Schlesinger meint, 
die Akromegalie wäre viel häufiger za beobachten, als man 
schlechthin annehme. Jedenfalls ist bei uns zu Lande die 
Akromegalie so wenig bekannt, dass meines Wissens hier in 
unserer Gesellschaft nur ein Fall, ich glaube vor ca. 12 oder 
13 Jahren von Herrn Collegen Eduard Schwarz demon- 
slriri wurde. 

Was die Diagnose «Akromegalie» betrifft, so ist dieselbe 
einfach, wenn man sich nur an die Vergrösserung der Extre? 
mitöten und des Kopfes hält, diese auffallenden Verändernn- 
gen sieht ein Jeder, — bemüht man sich aber der Sache anf 
den Grund zu gehen uud die Akromegalie, im Sinne von 
Pierre Marie, von anderen Krankheiten abzugrenzen, so 
steht man bisweilen vor den allergrössten Schwierigkeiten. 
Man vergleiche beispielsweise die Monographie von Stern¬ 
berg (Sammlung von Nothnagel) und lese daselbst das 
Kapitel «Diagnose und Differentialdiaguose» um das Gesagte 
zu begreifen. Da werden, wenn ich nicht irre ca. 30 oder 
mehr Krankheiten aufgoführt, die bei der Differentialdiagnose 
in Betracht kommen. Herr College Burchard hat sich 
daher bei der Besprechung seines Falles die grösste Mühe 
gegeben denselben differentialdiaguostisch abzugrenzen nnd 
versuchte ausführlich zu beweisen, aus welchen Gründen der 
vorgestellte Fall als «Akromegalie» im strengen Sinne des 
Wortes anfzofa88en ist. Wenn ich den Herrn Collegen B. 
recht verstand, so fasste er die Akromegalie als Krankheits- 
einheit, als öntitö morbide und führte seine ganze Deduction 
von diesem Gesichtspunkte aus. leb weiss nicht, ob ein sol¬ 
cher Standpunkt sich vollkommen behaupten lässt. Wir 
müssen bei der Schilderung der Akromegalie drei Gruppen 
auseinanderbalten. Die eine Gruppe bilden ]ene Erkrankungen, 
welche gleichsam acut einsetzen, als wirkliche Krankheiten 
den Menschen befallen and unter bestimmten Erscheinungen 
in längerem oder kürzerem Verlante zum Tode führen. In 
der zweiten Gruppe handelt es sich um constitutioneile Er¬ 
krankungen, welche als Wachsthumsanomalien aafznfassen 
sind. Sie beginnen zur Zeit der Zahnung, erreichen während 
der Pubertät ihre grösste Entwickelung nnd verharren dann 
in diesem Stadium. — Eudlich drittens muss man akro ine¬ 
gale Symptome berücksichtigen, welche zu den verschie¬ 
densten Krankheiten binzutreten und sich mit denselben as- 
sociiren. (Myxödem. Morbus Basedowi). Es ist mir nun in vor¬ 
liegendem Falle nicht ganz klar geworden, wie der Herr 
College B. sich die Sache denkt, da er die Akromegalie als 
Krankheitseinbeit auffnsst, während man doch vor allen 
Dingen sich darüber einigen müsste, in welche Gruppe der 
Akromegalie die Patientin gehört. Handelt es sich beispiels¬ 
weise um eine Constitutionsunoiiialie oder nm akromegale 
Symptome bei einer nicht völlig aufgeklärten Erkrankung? 
Dieser letzte Punkt scheint mir deswegen vou Bedeutung, 
weil bei der soeben vorgestellten Kranken viele Symptome 
zu fehlen scheinen, welche der Akiouiegalie als öntite morbide 
unbedingt zukommen. Vor allen Dingen fehlt die Vergrösse- 
rnng der distalen Knochenenden. Aus den hier vorliegenden 
Röntgenbildern kann ich eine Vergrössernng der distalen 
Knochen nicht erkennen. Man sieht auf dem Bilde eine Ver- 
grösserung der Weichtheile, das aber, was die Akromegalie 
im Sinne von Pierre Marie charakterisirt, die Vergrösse- 
rung der Knochen, ist nicht wahrzunehmen. Ich erlaube mir 
dagegen ein Radiogramm zu demonstriren, welches im Gegen¬ 
sätze zu der hier vorgostellten Kranken, alle Kuochenver- 
änderungen aufweist, welche der echten Akromegalie zn- 
kommen (Demonstr. des Radiogrammes). Die Veränderungen 
sind so ansgesprochen, dass eine weitere Beschreibung unnütz 
erscheint. Sie sehen hier die fächerförmige Ausbreitung der 
Phalangen, welche Herr College B. in seinem Falle und auch 
bei den Röotgenbildern der S ter nberg’schen Monographie 
vermisst. Wenn man das vorliegende Röntgenbild betrachtet, 
so hat man den Eindruck als würde die Hand zn einem viel 
grösseren Individuum gehören, als ihr Träger thatsächlich 
ist. Die Eudphalangen fehlen bei dem Patienten oder sind 
stark verkrüppelt, in der Weise, wie man es bei der Lepra, 
der Syringomyelie etc. beobachtet. Ich habe daher lange 
geschwankt diesen Fall als echte Akromegalie anzusprechen, 
bis jedoch eine fortgesetzte Beobachtung nnd zahlreiche 
Sensibilitätsprüfungen mich überzeugten, dass die erwähnten 
Erkrankungen auszuscbliessen and die symetrische Vergrös- 
serung aller distalen Knocbenenden doch nur der Akrome¬ 
galie zukommen. Ich habe in der Literatur einen analogen 
Fall gefunden und erlaube mir das Bild desselben hier vor¬ 
zuweisen. (cf. «Ein Fall von Akromegalie von Dr. C. B u z e r, 
ärztliche Rundschau 1892 Nr. 40). Selbstredend kommt es bei 
der Differentialdiagnose darauf an, die Sensibilitätsprüfung 
auf alle Qualitäten auszudehnen und eine Prüfung der dis- 
socirten Empfindungen nicht zu versäumen. Herr College B. 
hat leider bei seiner Untersuchung diesen Punkt ausser Acht 


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elassen, sodass nach der Richtung hin der vorgestellte Fall 
nnkel bleibt. 

Gestatten Sie mir noch in einigen Worten auf den von mir 
beobachteten Fall znrückzukommen. (Demonstr. einer Photo¬ 
graphie). Der Kranke litt ansser der Vergrösst-rung der 
Extremitäten, an Albuminurie (keine Formelemente!), an Ny- 
stagiuu« mtatorlus, an einer Behinderung der associrten Au¬ 
gen beweg uu gen nach links, an einer Subluxation des linken 
Schultergel-nkes, (Demonstration eines entsprechenden Röut- 
genbildes), an einer Atrophie des linken Schnltergürtels, an 
einer eigentümlichen Verdickung der Gesichtshaut und an 
der Vergrösserung, eines Aryknorpels. (Herr College Voss 
war so freundlich diesen Befund zu erheben). Da bei allen 
Grnppen der Akromegalie eine Vergrösserung des Kehlkopfes 
beobachtet wird, so wäre doch wohl eine laryngologisrhe Un¬ 
tersuchung in dem Falle des Herrn Collegen B. nothwendig 
gewesen, um auch diese Seite der Frage zu lösen, was aber, 
soweit ich verstand, nuterblieb. 

ln Betreff der Aetiologie möch'e ich daranf hin weisen, dass 
mein Pat ein Trauma anschuldigte. 

Was die Therapie betrifft, so verordnete ich Mercksche 
Tbyreoidintabletten.fbis zn 3 Tabletten tägl.) und gleichzeitig 
Solni. Fowleri. (cf. Ewald: Therapie der Gegenwart 1899). 

Während dieser Medicatfon erholte sich der Patient sicht¬ 
lich, nahm an Körpergewicht zn nnd zeigte keinerlei Pnls- 
anomalien oder anderweitige Symptome des Tbyreoidismus. 

Fasse ich das Gesagte zusammen, so kann ich den vorge- 
stellieu Fall des Herrn Collegen B. nicht als echte Akrome¬ 
galie im Sinne von Pierre Marie anerkennen. 

Es fehlten, wie gesagt, die Hauptkennzeichen dieser Er¬ 
krankung, die Vergrösserung der distalen Knochen. Die Ver- 
grössetung der WeichtLeile allein gestattet m. E. nicht die 
Diagnose einer wahren Akromogalie! 

(Autoreferat). 

Ich behalte mir vor noch einmal auf diese Frage zurückzu- 
kommen. 

D r. V o 8 s beantwortet D r. Bebrs Frage dahin, dass, so¬ 
weit er sieh erinnere, in dem von ihm untersuchten Fall der 
Aryknorpel vergrössert und ankylosirt war; doch konnte man 
bei der Phonation Bewegungsintentionen an ihm wahrnehmen. 
Das gesunde Stimm band überschritt bei der Phonation die 
Mittellinie. 

Dr. Burchard: Dass der Unterkiefer nicht vergrössert 
sei, spreche nicht gegen die Diagnose «Akromegalie», es sei 
bekannt, dass es derartige formes frustes gebe. 

Mau Ande selten einen Fall von Akromegalie, bei welchem 
alle Symptome vorhanden seien. — Aus dem Fehlen der 
Unterkiefervergrösserung erkläre sich auch das Nichtvorhan¬ 
densein der Kyphose. Das Zustandekommen der letzteren sei 
nämlich darauf zurückzuftihren, dass der vergrösserle Unter¬ 
kiefer stärkerer Widerlager bedürfe. — es resaltire also eine 
Vergrösserung der Kopfknochen und das vermehrte Gesammt- 
gewicht des Kopfes bringe dann die Kyphose zu Stande. 

Der vorgestellte Fall sei ein solcher, bei welchem vorwie¬ 
gend die Weichtheile ergriffen seien ; es sei eine allgemein 
anerkannte Thatsache, dass es solche Fälle gebe; es seien 
hier so viele akromegalische Symptome vorhanden, dass man 
wohl berechtigt sei, die Diagnose «Akromegalie» zu stelleu. 
Freilich liege eine Kombination mit Mvxödem vor. jedoch 
seien die myxödematösen Symptome auf aen linken Fuss be¬ 
schränkt. Wären die übrigen Symptome auch auf Myxödem zu 
beziehen, so müssten, bei der anerkannt sicheren Wirkitug 
von Thyreoidealpräparaten auf alle myxödematösen Erschei¬ 
nungen, unter dem Gebrauch der Thyroeideatabletten uicht 
nur um linken Fass, sondern auch an anderen Stellen die 
wohltbätigen Wirkungen derselben zu Tage getreten sein. 

Die Stimme der Patientin habe Vortragender nicht als hei¬ 
ser bezeichnet, er habe vielmehr gesagt, sie sei mit dem Ein¬ 
setzen der Krankheit tiefer geworden; dieses könne wohl 
nur auf einer Vergrösserung des Kehlkopfes beruhen, was 
sich aoer laryngoskopisch kaum nachweisen lasse. Aus diesem 
Grunde habe er auf die Ausführung einer lai yugoskopischen 
Untersuchung keinen Werth gelegt. 

Dr. M. Schönfeldt: Bei dem heutigen Stande der 
Akromegaliefrage scheine ihm eine subtile Bearbeitung dieses 
Gegenstandes wenig lohnend. Mehr köune man nicht sagen, 
als dass es sich um Störungen in der Hypophysis nnd Thy¬ 
reoidea als Ursache der Krankheit handle. — Im vorliegen¬ 
den Fall liege nach Redners Meiunug eine Kombination von 
Akromegalie mit Myxödem vor. Ein Symptom Ande er noch 
bei der vorgestellten Patientin, auf das Dr. Burchard 
nicht biugewiesen habe, das sei eine Vergrösserung der 
rechten Gesichtshälfte. Die Lidspalte sei rechts enger, als 
links; die beginnende Opticusatrophie rechterseits scheine 
darauf hinzudeuten, dass auch die Knochensubstauz in der 
rechten Gesichtshälfte vermehrt sei und eine Compression auf 
den Opticus ausübe. 

Das von D r. B e h r erwähnte Vorkommen von chronischen 
und acnten akromegalischen Zuständen sei leicht verständlich. 


In den Fällen der ersten Kategorie handle es sich offenbar 
um eine chronische InsnfAcienz der in Betracht kommenden 
Organe, bei den acnten Fällen um tumorartige Zustände oder 
andere ,mehr oder weniger plötzlich einsetzende Erkrankungen. 
Ganz ähnlich lägen die Verhältnisse bei der Basedowschen 
Krankheit. Anch hier gebe es Fälle, die viele Jahre lang: 
einzelne Basedowsymptome zeigten, während andere Patienten 
in l 1 /* —2 Jahren an acnter Basedowscher Krankheit zn 
Grunde gingen. 

Den Optimismus Dr. Burchard’s betreffend die Thy¬ 
reoideatherapie beim Myxödem kann Reder nicht theilen. 
Auf die Dauer seien die Resultate derselben uicht glänzend. 
Der Myxödemkranke, den Redner vor einiger Zeit hier im 
Verein vorgestellt habe, sei trotz wiederholten Tbyreoideage- 
brattchs jetzt erblindet 

Dr. Sokolowsk i meint, dass man zwar an der Diagnose 
«Akromegalie» im vorliegenden Fall nicht rütteln könne, 
doch schlie8se er sich Dr. Bebrs Meinung an, dass darunter 
nur ein Svmptomencomplex zu verstehen sei, welcher eine 
Begleiterscheinung der verschiedensten Nervenkrankheiten 
sein könne. Die Thyreoidea Andet Redner im vorgestellten 
Fall verkleinert Veränderungen der Thymusdrüse sind nach 
seiner Ansicht als Krankheitsursache nicht nnbedingt auszn- 
schlie8sen. Aus dem Nichtvorhaudensein einer schweren psy¬ 
chischen Alteration Myxödem auszuschiiessen, wie Dr. Bur¬ 
chard es will, hält Redner nicht für angängig. 

Dr. B e h r bemerkt gegenüber Dr. Burchard, dass 
nicht nnr die Vergrösserung des Unterkiefers in dessen Fall 
fehle, sondern überhaupt die Vergrösserung der distalen 
Knochen; aus Weichtheilveränderungen allein könn9 mau die 
Diagnose der Akromegalie nicht stellen. 

Dr. Burchard beruft sich demgegenüber anf Dr. v. 
Sengbu sch’s Urtheil, welcher nach dem Radiograrom die 
Knochen als zu gross für eine Frauenhaud erklärt habe; na¬ 
mentlich falle die Grundphalanx des kleinen Fingers der 
linken Hand als zu gross anf. 

Was die von Dr. Schönfeldt behauptete Hypertrophie der 
rechten Gesichtshälfte anlange, so sei der Eindruck, deuman 
hiervon erhalte, ein sehr wechselnder. Vor 14 Tagen habe 
die Patientin selbst gemeint, ihre linke Gesichtshälfte sei 
grösser. In Bezug auf die günstigen Erfolge der Myxödem- 
behandlung mit Schllddrüsenpräparaten habe Oodnpr nnr die 
von Ewald im Nothnagel’Bcheu Handbuch ausgesprochenen 
Ansichten wiedergegeben. Danach sei es zuzugeben, dass 
nach Aussetzen der Behandlung auch die erzielte Besserung 
wieder schwinde, bei erneuter Behandlung sich aber doch 
immer wieder einstelle. 

In dem einen Falle Dr. B e h r’s meint Redner Akromegalie 
ausschlifsseu zu köunen, da auf dem von Dr. Behr vorge- 
zeigteu Radiogramm sich Verkrüppelungen der Endphalangen 
der Finger Anden, was nach Sternberg’s Meinung direct 
gegen Akromegalie zu verwerthen sei. 

Dr. v. Sengbusch weist auf die grosse Schwierigkeit 
hin, geringe Vergrösserungen der Knochen als pathologische 
zu erkennen, well auch unter normalen Verhältnissen die 
Giösse derselben beträchtlichen individuellen Schwankungen 
unterworfen sei. Im Falle Dr. Hehr’s allerdings sei die 
Vergrösserung sehr auffallend nnd unbedingt als krankhaft 
aufzufassen. 

d. Z. Secretär: Dr. B e r t e 1 s. 


Vermischtes. 


— Ordensverleihungen: Der St. Wladimir- 
Orden II. C 1 as s e — dem Director des Medicinaldeparte- 
ments, Geheimrath Dr. R a g o s i n. Der St. Wladimir- 
Orden III. C 1 a s s e — dem Director der hiesigen Entbin¬ 
dungsanstalt, wirkl. Staatsrath Prof. Dr. Fenomenow 
und dem Oberarzt der St. Petersburger Gefängnisse, wirkl. 
»Staatsrath Dr. S t r o h m. Der St. Wladimir-Orden 
IV. CJasse — dem älteren Arzt des hiesigen Nikolai-Kin- 
derbospiials, wirkl. Siaatsrath Dr. E. H ö r s c h a 1 m a n n ; 
dem älreien Arzt des Marienhospitals hierselbst, Staatsrath 
Dr. W Knoch nnd dem älteren Ordinator des hiesigen 
Elisabeth-Kinderliospitals, Staatsrath Dr. Th. Haase. Der 
Stanislaus-Orden II- C lasse — dem Director des 
G u bo n i n ’schen Kinderasyls, Staatsrath Dr. Heinrich 
Taube; dem jüngeren Ordinator des hiesigen Elisabeth- 
Kiuderbospitals Dr. M. Abel mann nnd dem Stellv. Kreis¬ 
arzt in Pleskau, Dr. P y c h 1 a u. 

— Am 30. December v. J. beging der Professor der Hy¬ 
giene der militär-mediciuischen Academie Dr. S. Schia- 
lowski das 30-jährige Jnbiläum seiner wissen- 
schaftlich-medicimschen Thätigkeit. Der Jubilar, welcher 
nach Absolvirung des Cursus an der medico-chirnrgischen 


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7 


Academie anfangs Landsrhaftsarzt und dann Militärarzt war, 
bekleidet seit dem Tode Prof. Dobroslavin’s den Lehr¬ 
stuhl der Hygiene an der Akademie. 

— Aid 30. December v. J. vollendeten sich 30 Jahre der 
Ärztlichen Thätigkeit des Geholfen des Oberarztes 
des Obuchowbospltals, Dv. Al. Trojanow’s. T. hat seine 
medicinische Ansbildnng an der Kasanseben Universität ond 
der medico-chirurgischen Akademie erhalten. 

— Der unsserordentliche Professor der Kinderheilkunde 
an der militär-medicinischen Akademie Dr. G u n d o b i n ist 
zum ordentlichen Professor ernannt worden. 

— Der Ordinator des Sophien-Kinderhospitals in Moskau, 
Dr. W. Thomas, ist zum älteren Arzt dieses Hospi¬ 
tals ernannt worden, an welchem er bereits Über 30 Jahre 
als Aizt thätig gewesen ist. 

— Die Sagorski-Prämie für anatomische Arbeiten, 
welche alle 4 Jahre bei der militär-medicinischen Academie 
zur Vertheilung gelangt, ist diesmal im Betrage von 3000 
Rbl. dem Privatdooenten der Moskauer Universität Dr. Mel- 
nikow-Easwedenkow zugesprochcu worden. 

— Zum Vicedirector des Stadtkrankenhau¬ 
se s i n E i g a ist vom Stadtamt der Prosector der Anstalt 
Dr. Arthur Schabert und zum dirigirenden Arzt der 
II. therapeutischen Abtheilung des Krankenhauses Dr. G u - 
s t a v K i e 8 e r i t z k y gewählt worden. 

— Zur Besetzung des durch den Rücktritt Prof. E a t i - 
m o w s erledigten Lehrstuhls der chirurgischen Hospital¬ 
klinik an der militär-medicinischen Academie ist ein C o n - 
c'urs ausgeschrieben worden. Bis zur definitiven Wahl des 
Nachfolgers hat die Conferenz der militär-medicinischen Aca¬ 
demie den Privatdocenten Dr- E. Wreden mit der Abhal¬ 
tung der Vorlesungen und der Leitung der I. chirurgischen 
Abtheilnng des klinischen Militärbospitals betraut. 

— Verstorben: 1) Am 25. December in Wenden der 
dortige freiprakticirende Arzt Dr. Jakob Alex. Witt- 
kowsky im Alter von nahezu 86 Jahren. Der Hingeschie¬ 
dene stammte aus Livland und hatte seine med. Ausbildung 
an der Dorpater Universität erhalten, an welcher er von 1834 
bis 1839 studirte. Nach Absolvirung des Cnrsus liess er sich 
1852 als Landarzt in dem Flecken Rujen (Livland) nieder, 
wo er auch als Arzt der Retcbsdomänen fungirte, bis eri. J. 
1869 nach Wenden nbersiedelte. Der Verstorbene erfreute 
sich naiuM»tt«rh fii seiner Landpraxis einer grossen Beliebtheit 
als Arzt wie als Mensch. 2) In Jalta der Tulascbe Arzt 
Johann Batascbow, welcher bei der ihm gehörigen 
Theen»a8chinenfabrik ein Krankenhaus unterhielt, in welchem 
er zahlreiche grössere Operationen anstülirte, die ihm den 
Enf eines geschickten Chirurgen auch in weiteren Kreisen 
verschafften. Die ärztliche Thätigkeit hat er seit 1886 ans- 
gettbt. 3) ln Greifswald der frühere Professor der Gynäko¬ 
logie an der dortigen Universität Dr. Hngo Pernice, 
welcher seit zwei Jahren im Ruhestande lebte, im 73. Le¬ 
bensjahre. Dem Lehrjpersonal der Greifswalder Universität 
hat er 40 Jahre als Ordinarius angehört. Von seinen lite- 
raribchen Arbeiten wollen wir hier nur seine Schrift «Ueber 
den Scheintod Neugeborener und dessen Behandlung mit 
Elektricitäi» erwähnen. 4) ln Calcutta der Generaidirector 
des Medicinalwesens von Britisch indien, Dr. E. Harvey. 

— Zum ansserord. Professor der Chirurgie 
ander Universität Erlangen ist der bisherige 
Privatdocent Dr. Max v. Kryger, eister Assistent an der 
Chirurg. Klinik des verst. Professors v. H e i n i k e, ernannt 
worden. 

— In Berlin ist am Schlosse des Jahres, wie wir der «Allg. 
m. C.-Ztg» entnehmen, der Professortitel einer Anzahl her¬ 
vorragender Aerzte verliehen worden, von denen die Mehr¬ 
zahl der Universität nicht angehöreu. Es sind: 1) Dr. Th eo- 
dor Sommmerfeld, praktischer Arzt in Berlin, der sich 
grosse Verdienste um die Tnberculosenfrage durch seine 
Schlitten über die Bekämpfung der Lungenschwindsucht in 
Lungenheilstätten, sowie auch durch sein treffliches «Hand¬ 
buch der Gewerbekrankheilen ei worben hat. 2) Dr. Georg 
Meyer, ebenfalls praktischer Arzt in Berlin, bekannt durch 
seine thatkräftige Förderung des Samariter- und Eettung- 
wesens in Deutschland und Mitgriinder der Berliner Kettungs- 

J eseHsehaft deren Director er ist. Er giebt auch mit Dr. 

acobsohn und Dr. Liebe das «Handbuch der Krank- 
keuversorgung und Krankenpflege» heraus und ist Schrift¬ 
führer des Comites zur Sammelforschung über den Krebs. 3) 
Dr. Julius Schwalbe, Mitredacteur der «Deutschen 
med. Wochenschrift», welcher seit Dr. S. G u 11 m a n u ’s 
Tode gemeinsam mit Prof. A. En len borg die genannte 
Zeitung leitet und auch als Mitherausgeber von wissenschaft¬ 
lichen Sammelwerken sich verdient gemaiht hat. 

— Gegen den bekannten Professor der Physiologie an der 
Wiener Universität Dr. Sigmund E x n e r fandeu in letzter 
Zeit wiederholt Demonstrationen der Medicin- 
stndir enden statt, weil die Studenten Prof. Einer 
für den Urheber der neuen rigorosen Prüfungsordnung halten. 


— Die Moskauer Stadtverwaltung hat dem gegenwärtig 
in Moskau tagenden Congress russischer Aerzte 
zum Andenken an Pirogow eine S u b s i d i e im 
Betrage von 6000 E b 1. bewilligt, ond zwar 4000 Rbl. zur 
Herausgabe der Verhandlungen des Congresses und 10^0 Ebl. 
zur Aufnahme der Gästo. 

— Io den letzten Tagen des December-Monats tagte in 
Moskau der II. Congress der russischen Chirur¬ 
gen, zu dem sich gegen 200 Aerzte aus allen Gegenden des 
Reichs eingefunden hatten- Nach Eröffnung des Coneresses 
durch den Präses des Organisationscomit^s Prof. Dr. Bo- 
b r o w (Moskau) wurde zum Präsidenten des Congresses der 
Professor der Kasanschen Universität Dr. W. E a s n m o w s k i 
uni zu m Vicepräsidenten Dr. B. Koslowski, Arzt an dem 
Kranken hause der Grafen Bobrinski in Smjela (Gouv. 
Kiew), gewählt. 

— Am 30 December fand hier die dritte Plenarver¬ 
sammlung nnd damit der Schluss des XI. Con¬ 
gresses russischer Naturforscher und Aerzte 
statt. Znm nächsten. Versammlungsort wurde 
Odessa gewählt, wo der XII. Congress in der ersten Sep¬ 
temberwoche des Jahres 1904 tagen wird. — In dieser 
Schlusssitzung überbrachte Prof. Dr. Pos n er aus Berlin 
den rassischen Aerzten und Naturforschern den Dank Prof. 
Dr. Rudolph Virchow’s für ihre Theilnahme an der 
Feier seines 80. Geburtstages. Von hier hat sich Prof. Pos- 
n e r nach Moskau begeben um auch dort dem Congress rus¬ 
sischer Chirurgen nnd dem Congress rassischer Aerzte zum 
Andenken an Pirogow den Gross und Dank Prof. Vir¬ 
chow’s persönlich za übermitteln. 

— Der 14. internationale medicinische Con¬ 
gress wird im April 1903 in Madrid unter dem Pro- 
tectorat der Königin-Eegentin und des Königs von Spanien 
abgeb&lten werden. 

— Pestnachrichten, ln Smyrna ist zu Ende des 

Decembermonats ein neuer Pes tfall constatirt worden. 
In Aegypten ist seit dem 7. Peiember kein nener Pest¬ 
fall zur Anzeige gelangt, ln Indien herrscht die Pest fast 
ungeschwächt fort und erobert sich noch immer neue Gebiete. 
— InRassl&ud sind, auf Vorschlag der Allerhöchst ein¬ 
gesetzten Commission zur Verhütung der Pest, die für die 
Pilgerfahrten der Mnbamedaner nach Hedjas erlassenen tem¬ 
porären Bestimmungen auch für das Jahr 1902 weiter in 
Kraft belassen worden. Bf. 

— Die Gesamiutz&hl derKranken in den civil- 
hoapitälern .St. Petersburgs betrug’ am 22. Dec. 
d. J- 8569 (198 wen. als in d. Vorw.), darunter 676 Typhns — 
(30 wen.), 724 Syphilis —(91 wen.), 321 Scharlach — (58 mehr). 
115 Diphtherie — (1 mehr), 62 Masern — (16 wen ) und 15 
Pockenkranke — (5 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 16. bis zum 22. December 1901. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im 

Ganzen: 

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54 

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39 

16 

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2) nach den Todesursachen: 


Typh. exanth. 1, Typh. abd. 19. Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 0. Masern 13, Scharlach 28, 
Diphtherie 34, Croup 4, Keuchhusten 3. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 36, Erysipelas 9, Grippe 8, Cholera asiatica 
0, Ruhr 1. Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyämie und Septicaemie 9, 
Tuberculose der Lungen 115, Tuberculose anderer Organe 17, 
Alkoholismus und Delirium tremens 3. Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 44, Marasmus senilis 26, Krankheiten der 
Verdanungsorgane 63, Todtgeborene 26. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 8. Januar 1902. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. Januar 1902 


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WASSERHEILANSTALT 


llluBtr. Prosp. durch Dr. ßallmann. 
_(132) 20-13. 


pyCCElfl BPm, 

nran, oGHCBfiüBiJfl bi naim B. A. MAHACCEBHA, 

no.Tb penaKiiieio 

npoiji. B. B. IIoABUCoiQc&ro h ,vpa C. B. BjraAHCjraBJieBa. 

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nPOTPAMMA: 

1) CTaTi.ii oparHHajii.Bi.ifl h nepeBOAnufl no Beim. OTpacjiaMT, TeöpeTHuecKofi 
h KJiHHHiecKoö MejiHflHHij, a TaKJKc oßinecTBeHHoö h hacthoB rariaHu, ci> pacyHKaMH 
H TaÖJiHUailH. 

2) CTaTBH no Bonpocam. BpaueÖHaro ßuTa. 

3) Ped)epaTU0 8arpaHHqHuxT, h pyccRHxi paßoTaxi no Beim. OTpacAam» neAmauu. 

4) OrqeTH o saciAaniaxt yueHuxi oömecTBi, o aortopcrhxt. AHcnyTan. h 
B ooöme o Bcfexi. coöuTiflxx. KacaioinHxcfl ppauefl. 

5) ÜHCBMa Hat rjiaBHtfimHxi BanaAHo-eBponeftcKHxi. Ryjii.TypHuxi neHTpoBi o 
cocTOflHiH MCAHn,H&cHixi> h BpaqeÖHuxt BonpocoBi bi HHocTpaHBuxi rocyAapcTBaxi. 

ß) PeneH8iH h ÖHÖJiiorpadjifl pyccKHXi n HnocTpasBuxi ehhit, no neAHUHHi 
a rHriaat. 

7) KoppecnoHAeHu,iH,uHctMaBipeAaKuiio,KacrtiomiHca BonpocoBi Bpaqe6naro6uTa. 

8) MejKia HSBicTia, hobocth, (Jiyxa h. t. ä-, Eacaromieca BpaueßHuxi BonpocoBi. 

9) IKgaHeonHcaHia n Henpoflora ci nopTpeTana BuxaionxHxcH Asm na nonpami 

MPAHUHHU. 

10) Cbhcoki 8au;HineHHbixi AHccepTanift bi pyccRaxi neAHUHHCBHxi. (paicyjii»- 
TeTaxi. 

11) CflyaeßHua HasHauenifl h nepenimeHia ßpa^efi no BoeeHOMy h no rpaac- 
AaHCKOMy BtAOMCTBaMl. 

12) npHAowaHie: KpaTKoe coAepacaHie TeRymeö AHTepaTypu sa HCTeKinie HeAiJiH 
b Miesau. 

( pOKi. BLixo^a >Kypna.ia bt> CB'fen» eiKeHeA’k.'ibHbift. 

nonnHCHaH utHa, ci> AocTaBKOio h nepecbi/iKOK), Ha roAT» 9 pyÖJieft. 

PyRonscR cTaTefl h nacem» bi peAaRpiio, a T;iR«e OTAiJiBHua ottrcrh h RBHrH, 
npeAHaÄHa^aeMua jtna «Pyct-Karo Bpaua», npocan. npHcuaaTb OAHOMy hsi peiaR- 
TopoBi» cro npotj). B. B. noABucousony (ÜAecca, y HHBepcHTen.) hjih A-py C. B. Babar- 
cABBjioBy (C.-IleTepßypn., HßaHOBCRafl, Ns 4). 

lloAnncKa npHHHMACTcs bi khhhchomt. MarasHHi K. A PnKHepa bi C.-üeTep- 
Pypri (HeBcxift, 14) a TaRate bo Bcixi khhhhhxi MaraBHaaxi. 


im Ma e n dlhof (Obermais) 
für Nerven* und Chronisch kranke, 
phys. diät. Behandl., Mastkuren. 
TUBERCULOSE ausgeschlossen. 


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Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertbeilt über zur Zeit die-nst 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 





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A-pa A. T. BoraeBCKaro (KpeMeaqyn), npotj). H. A. BaTyeßa (OAecca). A-pa 
M. H. BeHHCOBHqa (OAecca), npo(fc. 0. K. BoperaynTa (Kießi), A-pa P. B 
B y t U a (C.-IIeTepöypn), A-pa II. H. ß y x m a h a (C.-IIeTepöypn), A-pa K. A. B a ji t 
t e p a (C.-DeTepöypn), npo(J). M. A. B a c h ji b e b a (BapmaBa), npo<J>. A. A. B b e a e h 
CR aro (Tomcri■, npo(t>. K. H. ßiHorpaiOBa (C-IIeTepöypn), a pa C. B. Bia- 
AHcaaBJieBa (C.-IIeTepöypn), npBB.-Aon. H. M. Boikobhu (Kießi), A-pa H. 3 
TareHi-TopHa (C.-ÜeTepÖypn). A-pa A. A. 1'jitöoBCRaro (C.-IIeTepöypn), 
A-pa B. B. TioßßeHeTa (C.-HeTepöypn), npo(J). C. H. ÄenauHHa (XapbROBi) 
A-pa K. II. ,H.oM6poBCRaro (C.-üeTepöypri), npo<t>. I. G>. 3evai(Karo (C.-IIeTepöypn) 
A-pa B. H. BeseHRO (C-DeTepÖypn), A-pa H. H HßaHOBa (C.-IIeTepöypn) 
ao«. A. A. KaAtaHa (C.-IIeTepöypn), a pa B. C. KosaoBCRaro (Ciffexa), aou 
M. M. Ky8HeuoBa (XapbROBi), A-pa A. I\ Ky Bi6RO-Ropei(Karo (JlaneiiRi) 
npo<t>. A. H. JIe6eA6Ba (C.-IIeTepöypn), npo<J). JI. JI. JleBinHHa (MocKBa), npo<J> 
B. B. MaKCHMoea (BapmaBa), xon. M. II- MaHacceHHa (C.-DeTepöypn), A-pa 
H. A. MefiHrapAa (C.UeTepöypn), A-pa A. B. MiHiHa (C.-IIeTepöypn), npo<J>. 
B. M. Mbima (Tomcbi), A-pa I\ T. HaiexsiRa (PaTqHHa), npo<l>. fl. 0- OTTa 
(C.-IIeTepÖypn), A-pa M. <D. raöiROBiq a (HoBropoxi), npo<J>. B. A. P a t a m o b a 
(C.-IIeTepöypn), npo<J). I\ E. Peftaa (C.-DeTepöypn), A-pa I. I 1 . PoAseBHqa 
(HajEHift-HoBiopoAi), A-pa I\ fl. Poma (Bajibaa), npo$. H. K. CnHsapHaro 
JtocKBa). A-pa H. B. Coioikh (Kießi), npotf). A. M. TapaHeitRaro (C. DeTep- 
öypn), npotp. A. C. Tayöepa (C.-IIeTepöypn), npo<J>. I\ <I>. THjiHHra (C.-üeTep- 
flypn), aoh;. fl. H. T h x o b a (KocTpoMa), A-pa K). K). Tpeflöcpra (C.-IleTepöypn), 
A-pa A. A. T p o a h o b a (C.-IIeTepöypn), A-pa H. II. TpHHRJiepa (XapiROBi), 
npo(J). T. H. TypHepa (C.-ÜeTepÖypn), A-pa B. M. d> aöpHRaeTa (XapbROBi), 
A-pa B. A. OpaTRHHa (C.-IIeTejpöypn), A-pa E. A. Opinepa (OAecca). A-pa B. 
B. XopBaia (C.-fleTepÖypn), 0. H. flapHOMCKOö (C.-ITeTepöypn), npo$. H. 
0. DIaBJOBCKaro (C.-IIeTepöypn). 

nporPAMMA acypHAJiA cjrBflyiomAfl: 

I. OpHrHH&AlBUfl CTBTbH 00 BC^Ml OTAtflüMl XHpypriH H pOACTHeHHbJXl efl 

cneniajibHor.TeB. 

II. KpHTHRa h ÖHÖAiorpa^ifl. 

DI. Fe^epaTH. 

V. OrqeTH o AfcflTejibHocTH pyccKexi h HirocTpäHHMXi xnpyprHqecRHxi OÖ- 
meCTBl H CltBAOBl. 

V. KoppecnoHAeHuiH. 

VI. OöiflBAeHifl. 

PyROOHCH (Bl 8aRa8HblXl ÖaHACpOJIflXl H HanHCaBHUfl, no BO8M0JKHOCTH. qeTRO 
b ea OAHoft cropoBfe ahctr) npocaTi HanpaBJiflTb ua bma K. II. C e p a n a h a (Dlna- 
xepHaa, 30, rb 1). CTaTtH, ia^ jxböo ywe oTaeqaTaHHbia, ee npHHHMaHyrca PeaaKiOa 
ocTaanaerb aa coöo» npaBO, bi cayqat HaAoöaocTH, A^aaTb coRpameHia h otROTopua 
H8irfeneHifl bi TeKcrt neqaTaeubixi cTaneft. PyRonncH BeHaneqaTaHBbixi caMocToa- 
TejibHbixi paöon xpaaaTca bi peÄ;«Ri;iH, am B08BpameBia aBTopaai, no hxi TpeÖo- 
Baaiio (noqTofi—sa hxi cqen), bi TeqeHie 2 atn; B08BpameHie HeBaneqaTaBHuxi 
pe(J>epaTOBi, peReHsifl. RoppecnoHieHRiö b np. neoöasaTeaLHo. IIxaTa aa pe4»epaTbi b 
pei;eH8iB--30 pyöa. ci aacra. Jlaa neperoßopoßi peiaRTopi npotj). H. A. BeabaMH- 
hobi (KapoBHaa, 1H) npHHHxaeTi no cpeAaMi oti 10 ao 11 qac. yTpa. 

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Tepöyprt, HeBCRiö np.. 14. 

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Aiiressen von Krankenpflegerinnen; 

Frau Adelheid von Fersen Catha- 
rinencanal 81. Q. 2(». 

Elise Blau, JlHroBCRaa 58, rb. 15. 


Ä08B. neH8.CnÖ., 8 Baßapa 1902r. HerausgeberDr. Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. JÄ 15. 


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XXVII Jahrgang. 


n 18 lb(z 


ST. PETIHSBIIll(iEli Foi ge m. um. 

IEBICIIISCIE WOCHENSCHRIFT 

anter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dio «St. Petersburger Mediciuische Wochenschrift* erscheint jeden lUT* Abonnement •* Aufträge sowie alle Inserate 
Sonnabend. — Der Abonnementspreis ist in Russland 8 Rbl. für das | bittet man ausschliesslich au die Buchhandlung von K. L. Sioker in 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr inel. Postzustellnng; in den anderen'St. Petersburg, Newsky-Proepect-M 14, zu riehten.—Kanuioripte 
Lindem 20 Mark jKhrlieh, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilnngen bittet man an 
fürdie 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Danielen gesehäftsführe nden Redactenr Dr. Rudolf Wan aoh tn St.Pe- 
Antoren werden 25SeparatabsügeihrorOriginalartikel zugesandt.— tersburg, Petersburger Seite, Peter-Panlhospital za richten Sprach. 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt.| standen Montag, Mittwoch and Freitag von 2—3 Uhr. 

N 2 St. Petersburg, 12. (25.) Januar 1902 


Inhalt: Dr. med. Kattenbracker: Fortschriite auf dem Gebiete der Finsen’sclien Lnpusbehandlung. — Bücheran¬ 
zeigen und Besprechungen: Die Praxis der zellenlosen Behandlung der Geisteskranken. Von Dr. B. Kalmus. — 
Knochenerkrauknngen im Böntgenbilde, von Dr. Alban Köhler — Handbuch der Geschichte der Medlein begründet von 
Dr. Puschmann, heransgegeben von Neuburger und Pagel. — Voraussetzungen und Grundsätze der modernen Trinker- 
behandlung von Dr. E. Colla. — Mit iheilnngen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Auszug 
aus den Protokollen der Gesellschaft pract. Aerzte zu Libau. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin 
St Petersburgs. — Anzeigen. 


Fortschritte auf dem Gebiete der Finsen’schen 
Lupusbehandlung. 

Von 

Dr. med. Kattenbracker, 
prakt. Arzt in Spandau. 


Vor wenigen Jahren erst trat Finsen in Kopen¬ 
hagen mit seiner epochemachenden Entdeckung hervor, 
dass wir in den chemischen Lichtstrahlen ein Heilmittel 
gegen eine der schwersten, hartnäckigsten und zu den 
schlimmsten Entstellungen führenden Krankheiten, den 
Lupns, besitzen, gegen welches alle sonst versuchten 
Methoden, wie operative Eingriffe, Aetzungen, Canteri- 
sationen der verschiedensten Art u. s. w., sowohl was 
die Sicherheit der Wirkung als auch das kosmetische 
Endresultat betrifft, weit in den Schatten treten. 

Bei der Unzulänglichkeit aller genannten, bisher be¬ 
kannten Mittel war es begreiflich, dass man in Aerzte- 
kreisen im Allgemeinen der neuen Therapie anfangs eine 
gewisse Skepsis entgegeubrachte, bis die mit Hilfe der 
F in s e n ’sclien Lupusbehandlung geheilten zahlreichen 
Patienten mit den schwersten Formen des Lupus die 
Erkenntnis zum Allgemeingut der Aerzte gemacht ha¬ 
ben, dass es thatsächlich möglich ist, die schon langer 
bekannte bactericide Wirkung der chemischen Licht¬ 
strahlen therapeutisch zu verwerthen bei einer bisher 
so ziemlich allen bekannten Mitteln trotzenden Affection, 
wie der Lnpus sie darstellt. 

Die Anwendung der chemischen Lichtstrahlen, wie sie 
jetzt allgemein und in Deutschland auch in Universitäts¬ 
instituten geübt wird, geschieht bekanntlich in der 
Weise, dass man das Sonnenlicht oder elektrisches Bo- 
geulicht durch starke Sammellinsen concentrirt und durch 
Wasserkühler auf die kranke Stelle leitet, welche gleich¬ 
zeitig durch Gläser von Bergkrystall möglichst blutleer 
gemacht werden, um ein tieferes Eindringen der Licht¬ 
strahlen in die Gewebe zu ermöglichen. Die Behand¬ 
lung ist völlig schmerzlos, da die im Licht enthaltenen 
Wärmestrablen durch die Wasser- oder Kupfervitriol¬ 


schicht fast gatiz absorbirt werden. Es dürfte wohl 
allgemein bekannt seih, dass uur den chemischen (blauen, 
violetten und nltraviolelteo) Strahlen eine bactericide 
Wirkung zukommt. So wunderbar die Erfolge waren, 
welche inan mit der Finsen’schen Methode bisher er¬ 
zielt hatte, so standen doch bisher der allgemeinen Ein¬ 
führung des Verfahrens noch zahlreiche Schwierigkeiten 
entgegen. Zuuächst erforderten die hohen Kosten 
(3—4U00 Mark) einer solchen Einrichtung Specialiusti- 
tute, welche zugleich Uber ein grosses Personal verfü¬ 
gen, da die eiuzelne Sitzung jedesmal mindestens eine 
Stunde dauert, während welcher zur Handhabung des 
Druckglases ständig für jeden Kranken eine besondere 
Person erforderlich ist. (In dem Finsen’schen Insti¬ 
tut unterziehen sich zahlreiche Damen der besseren 
Kreise freiwillig diesem Dienst.) — Abgesehen vom 
Sonnenlichte, welches immer nur zu gewissen Jahres¬ 
und Tageszeiten zur therapeutischen Verwendung in 
Betracht kommt, benutzt man starke Bogenlampen (ca. 
80 Ampere) zu diesem Zwecke. Dabei ist die Menge 
der erzielteu chemischen, allein verwendbaren Strahlen 
eine verhältnissraässig geringe, indem das Spectrum der 
gebräuchlichen elektrischen Bogenlampe über zur Hälfte 
Wärmestrablen enthält, welche eben durch die schon 
beschriebenen Wasserfilter u. s. w. eliminirt werden 
müssen. 

Es kam also darauf an, eine Lichtquelle zu finden, 
welche im Gegensätze zum üblichen Kohlen-Bogenlichte 
eine möglichst überwiegende Anzahl chemischer Licht¬ 
strahlen bei möglichst wenig Wärmestrahlen aufweist. 

Die Versuche, die nun im Finsen’schen Institut 
seitens des Ingenieurs Kjeldsen mit den verschiedensten 
Metallen als Elektroden an Stelle der Kohlenstifte in 
dieser Richtung hin angestellt wurden, führten zu dem 
überraschenden Resultate, dass gerade das Spectrum 
des Eisens reich an chemischen Strahlen ist, während 
es nur sehr wenig Wärmestrahlen enthält. Auf Grund 
dieser Entdeckung hat nun Kjeld sen eine Lampe zur 
Finsenbehandlung construirt, bei der er hohle im In- 


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12 


Hern mit fressendem Wasser gekühlte Eisenelectroden 
verwendet. Wie Bang anf der letzten Natnrforscber- 
versammlnng in Hamborg hervorhob, hatten die zuerst 
im F i n s e n’schen Institute angestellten Versuche ein 
in therapeutischer Beziehung alle Erwartungen über- 
treffendes Resultat. Man erhält ein äusserst intensives 
Licht, mit welchem innerhalb 3 Minuten derselbe thera¬ 
peutische bezw. bactericide Effect erzielt wird, wie mit 
der alten Einrichtung innerhalb einer Stunde. Die ge¬ 
nannten Mittheilungen waren die Veranlassung zu ein¬ 
gehenden Versuchen, welche hier in Berlin im Auf- 
r echt'sehen Institut über die Wirkung der Eisenelek¬ 
trodenlampe auf Bacterien angestellt wurden und über 
welche ich im Folgenden berichten möchte. 

Die Versuchsanordnung war folgende: Lichtquelle 
6 Ampbre-GJeichstrom, Lichtquelle von Eisenelektroden 
mit Wasserkühlung ausgehend; Lampenspannung 40 
Volt. 10 Ctm. von der Lichtquelle, Licht nicht con- 
centrirt. 

Als Nährsubstrate wurden 15 pCt. Nöhrgelatine, 
für Gonococcen und Tuberkelbacillen, 2 pCt. mit ste¬ 
rilem B-lut gleichmässig überzogener Gly¬ 
cerin-Agar; als Test-Objecte: Typhus abdoin., Cho¬ 
lera asiat., Streptococc. pyog., Bact. coli c., Gonococcen 
und Tuberkelbacillen benutzt. 

Die Aussaat der betreffenden Baoterien wurde durch 
zartes Ueberstreichen der in sterilem Blutserum aufge¬ 
schwemmten Oberflächen-Culturen auf den Platten mit¬ 
tels Federfahne bewerkstelligt. Sämmtliche Cultur- 
platten, auch die behufs Controlle mit gewöhnlichem 
Lichte behandelten, in gleicher Weise inficirten Platten, 
wurden bei 22 0 C., bez. bei 37 0 C. gehalten. 


Mikroorganismus 

Versuchsdaner' 

Wirkung 

Typhös abdom. 

1 Sekunde 

+ 


3 

» 

X 

» » 

30 

» 

X 

» » 

60 

» 

— 

Kontrolle 

60 

» 

X 

Cholera asiat 

5 

» 

X 

» » 

30 

» 

X 

Kontrolle 

60 

» 

+ 

Bac. Tuberkulös. 

6 


X 

» » 

45 

» 

X 

» » 

60 

» 

X 

Kontrolle 

45 

» 

+ 

Mikrok. gonocc. 

1 

» 

X 

» » 

5 

» 

X 

» » 

30 

» 

'X 

Kontrolle 

30 


+ 

Streptokokk. pyog. 

2 

» 

X 

» » 

15 

» 

X 

» » 

60 

» 

X 

Kontrolle i 

60 


+ 

Bakt coli. comm. 

1 


+ 

» » * 

5 


X 

» > ^ 

60 

» 

X 

Kontrolle 

5 


+ 

ßak. anthrac. (Mllzbr.) 

1 

» 

+ 

* » » 

5 

» 

X 

» » » 

30 


— 

Kontrolle 

30 


X 


Nach 48 Stunden wurden die beleuchteten Stellen auf 
Glycerin-Agar abgeimpft und 2 Tage bei 37° C. gehal¬ 
ten. Es zeigte sich dann an den gewachsenen Colonien 
bez. an dem Sterilbleiben der Röhren, ob die Bacterien 
noch lebensfähig gewesen waren oder nicht. 

Ich führe in der Tabelle die einzelnen in dieser Weise 
mit den verschiedenen Reinculturen ausgeführten Ver¬ 
suche, sowie die Resultate, die sie ergeben, an. 

Der Einfachheit halber bediente ich mich der folgen¬ 
den Bezeichnungen: 

-f Wachsthum, 

X deutliche Entwickelungsheramung, 

— Abtödtung. 

Wenn ich auch durchaus nicht auf dem Standpunkte 
stehe, Versuche au Bacterien-Plattenkulturen ohne Wei¬ 
teres nun auch für den menschlichen Organismus als 
beweisend anzusehen, so liegt doch hier die Nutzanwen¬ 
dung so, dass die bactericide Kraft der chemischen 
Strahlen und ihre Heilwirkung bei der Hauttuberkulose 
in der Praxis an zahllosen Patienten erwiesen ist und 
wir es hier mit einem Apparat zu thun haben, welcher 
dieselben Resultate in erheblich kürzerer Zeit und mit 
wesentlich geringerem Aufwaude elektrischer Kraft lie¬ 
fert; während, wie schon erwähnt, zu der alten Fin- 
seneinrichtung eine Strommenge von 80—100 Ampöre 
benöthigt wurde, braucht die neue Lampe, welche unter 
dem Namen «Dermo» von der Elektricitätsgesellschaf- 
Sanitas zu Berlin in sehr handlicher Form in den Haut 
del gebracht wird, nur 5 Ampbre, um dieselbe Wirkung 
lu 3 Minuten, wie jene in einer Stunde hervorzubrin¬ 
gen. Da nicht nur sehr viel Zeit gespart wird, son¬ 
dern auch die Anschaffungskosten nur etwa Vi 0 der al¬ 
ten Einrichtung betragen und Hilfspersonal völlig ent¬ 
behrlich ist, ist jeder praktische Arzt in die Lage ver¬ 
setzt, in seiner Sprechstunde die Finsenbehandlung 
selbst auszuüben. Das Druckglas wird durch eine die 
Lichtaustrittsöffnung der Lampe verschliessende Berg- 
krystallscheibe ersetzt, welche direkt der betreffenden 
Hautpartie aufgelegt wird. Eine Wärmeempflndung 
tritt überhaupt nicht auf, in einer Entfernung von 10 
Ctm. vom Lichtbogen beträgt die Durchschnittstempera¬ 
tur 22° C. Die stark irritirende Wirkung der chemi¬ 
schen Lichtstrahlen, auf welche u. A. Finsen schon 
vor Jahren aufmerksam gemacht hat 1 ), tritt auch bei 
diesem neuen Apparat sehr augenfällig in die Erschei¬ 
nung, indem schon nach wenigen Minuten der Einwir¬ 
kung ein völlig schmerzloses, und wie die Beobachtun¬ 
gen im Finsen sehen Institute gezeigt haben, monate¬ 
lang bestehendes Erythem auftritt. Sehr anschaulich 
durfte diese irritirende Wirkung die nebenstehende Ab¬ 
bildung illustriren, welche von dem Arm eines gesunden 
Mannes stammt. Ich habe den Versuch in der Weise 



') Fingen: «Das Licht als Iucitament», 









13 


angestellt, dass auf die Haut schwarze (auf der 
Abbildung den weissen entsprechende) Papierbuchstaben 
aufgeklebt wurden, worauf ich das Licht der Lampe 3 
Minuten einwirken liess. Es bildete sich auf der gan¬ 
zen Hautpartie, ca 2 Stunden nach der Bestrahlung, 
ein intensives Erythem, welches nur die unter den Pa¬ 
pierbuchstaben liegenden, von den Lichtstrahlen nicht 
getroffenen Hautpartien frei liess, so dass sich nach 
Abnahme des Papiers das Wort «Dermo* in weissen 
Buchstaben innerhalb des Erythems abhob. — Wenn 
ich auch hier in erster Linie die Anwendung der Fin- 
s e n sehen Methode bei Lupus hervorgehoben habe, so 
liegt doch auf der Hand, dass sieb die neue Lampe in 
gleicher Weise bei den übrigen der Finsenbehandlung 
zugänglichen Hautkrankheiten verwenden lässt. Bezüg¬ 
lich derselben möchte ich auf die letzten Veröffent- 
lichungen^Lesser’s aus dem Berliner Universitäts- 
Fi usen institute in der Zeitschrift ftlr diätetisch physi¬ 
kalische Therapie verweisen. 


SOcheranzeigen und Besprechungen. 


Die Praxis der zellenlosen Behandlung der Geisteskranken. 
Von Dr. E. Kalmus. (Halle a./S. 1901, Marbold). 

Eine knrze überzeugeude Predlst von der Ueberflüssigkeit 
und Schädlichkeit der Isolirzelle! Trotz allem wird es in 
praxi noch nicht jedem Anstaltsarzt, wie Wattenberg in 
Lübeck, vergönnt sein von 500 Kranken keinen einzigen iso- 
liren za müssen. 

V o 8 s. 

Knochenerkrankungea im Röntgenbilde, von Dr. Alban 
Köhler. Wj e8 b a( j en> Verlag V on J. F. Bergmann, 1901, 

Die Tafeln bringen Abbildungen von Knochenerkrankangen 
in Badiogramraen von seltener Klarheit und Deutlichkeit. Die 
practische Bedentnng solcher Photographien braucht wohl 
nicht besonders hervorgehoben zu werden. Mit Hilfe der 
X-Strahlen sind wir imStande auch leichtere Knochenaffectio- 
nen, die nie zum Tode oder zum ebirnrg. Eingriffe führen, der 
Beobachtung zugänglich zu machen. Von den practisch wich¬ 
tigsten Erkrankungen sind mehrere Abbildungen wiedergeben. 
Wir sehen, dass die X-Strahlen Thatsachen zur Anschauung 
bringen, die sonst auf dem Secirtische demonstrirt werden, 
wie bei einfacher Atrophie der Knochen durchgängiger, der 
Schatten im copirten Bilde weniger tief wird. 

Wenn wir eine tubercnlöse Knochenerkrankung im aller¬ 
ersten Anfänge erkennen nnd localisiren, können wir durch 
einen entsprechend frühen Eingriff oft genug nützen. K unter¬ 
scheidet hiebei 3 Typen. 

1. Die Bilder zeigen nnr eine diffuse Knochenatrophie höch¬ 
sten Grades. 

2. Diffuse Atrophie verschiedenen Grades, an einzelnen 
Knochenpartien unregelmässige Fleckung und Tupfelang. 

3. Fehlen jeder Atrophie, an einer Stelle des Knochens cir- 
cnmscripte leicht durchlässige Partie mit zackigem Rande. 

Nicht minder instrnctiv sind die Abbildungen bei: Osteomye¬ 
litis. Lues, Arthritis deformans. Sarcom, Echondrom. 

Die ganze Ausstattung des Buches ist eine musterhafte nnd 
sollte es in einer grösseren med. Bibliothek nicht fehlen. 

Butz. 

Handbuch der Geschichte der Medicin begründet von 
Dr. P u 8 c h m a n n, herausgegeben von Neubur¬ 
ger und Pagel. Lief. 1. (Fischer). 

Es sei hierdurch die Aufmerksamkeit der Collegen auf die¬ 
ses in 10 Lieferungen zum Preise von 4 M. erscheinende 
interessante Sammelwerk gelenkt, dessen ausführliche Be¬ 
sprechung Bef. sich nach Erscheinen sämmtlicher Lieferungen 
vorbehält. Die vorliegende erste Lieferung enthält nach einer 
fesselnd geschriebenen allgemeinen Einleitung von Pusch - 
m a n n’Abhandlungen von Bartels (Ueber d. medic. Können 
der Naturvölker), Schenbe (D. Gesch. d. Medicin bei den 
ostasiat. Völkern), v. Oefele (Vorhipp. Medicin Westasiens, 
Aegyptens und'd. mediterranen Vorarier). Prenss (Medicin 
d.*Juden),^Bl o c h (Indische^Medicin) und Fuchs (Gesch. d. 
Heilkunde d. Griechen — der Anfang). Bei jedem Artikel 
finden sich reiche Literatnrangaben, 

Wiehert. 


Voraussetzungen und Grundsätze der modernen Trinker¬ 
behandlung von Dr. E. Colla. (Halle a/S., 1901, 
Marhold). 

Im vorliegenden Vortrage bespricht C. in eingehender nnd 
überzeugender Weise das wichtige Thema. Wenn auch Neues 
nicht geboten wird und stellenweise der Bekehrungseifer zu 
einiger Uebertreibnng führt, («der Trinker verliert schon durch 
kleine Gaben Alkohol, die gewohnheitsmässig genossen wer¬ 
den das feinere Empfinden für Pflicht, die Arbeitslust und den 
Sinn für das Hobe» — hierzu möchte Referent bemerken, dass 
unter Trinker demnach derjenige zu verstehen wäre, der «g e- 
wohn heitsraässig» Alkohol geniesst, auf das Quantum 
käme es also nicht an; wäre es nicht vielleicht richtiger unter 
Trinkern solche zu verstehn, denen Alkobolgennss eiu Bedürf- 
niss geworden, wie dem Morphinisten das Morphium?) so 
kann die kleine Arbeit zur Lectüre doch Jedem empfohlen 
werden. Auf einige wichtigere Paukte soll noch hingewiesen 
werden. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Auffassung des 
Begriffs Intoleranz als Mangel an Widerstandskraft der 
Nervencentren, fasst C. diesen Begriff weiter nnd dehnt ihn 
anch auf die körperliche Schädigung aas, der die Menschen 
auch in sehr verschiedenem Masse unterworfen sind. Unter 
Alkoholepilepsie ist eine schlammernde epileptische An¬ 
lage zn verstehn, die darch Alkoholintoxication wach gerufen 
and offenbar wird. Als einzige rationelle Behandlungsme¬ 
thode der Trinker ist totale Abstinenz in geeigneten 
Anstalten zu bezeichnen, deren ganzes Personal unbedingt 
abstinent sein muss. Abstinenzerscheinungen bei plötzlicher 
Alkoholentziehung giebt es nicht, geringgradige motorische 
Unruhe wird durch Trional nnd Bäder bekämpft; da Affectionen 
des Herzens bei Trinkern die Regel sind, mass die Thfitigkeit 
desselben genau überwacht werden. Auch im Delirium tremens 
gebe man keinen Alkohol. Wichtiger als die Therapie ist die 
Prophylaxe, es ist Pflicht der Aerzte sich der grossen socialen 
Reformbeweguug gegen den Alkohol ganz anzuschliessen. 

V 0 8 8. 

Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 17.0 c t o b e r 1901. 

1. Dr. M. Schönfeldt stellt einen Fall von M y x ö d e m 
vor, welcher nnter dem Gebrauch von Thyreoideatabletten 
in 3 Wochen eine ganz ungewöhnlich grosse Besserung er¬ 
fahren hat. 

Patientin, 40 Jahre alt, erkrankte vor 4—5 Jahren unter 
allmählicher Schwellung der Haut, welche trocken nnd ab¬ 
schelfernd wurde; Ausfall der Haare, der Zähne, Blutungen 
ans der Mundschleimhaut. Es stellte sich eiu Zustand kör¬ 
perlicher und geistiger Hilflosigkeit ein, in den letzten l 1 /* 
Jahten konnte Patientin wegen Steifigkeit und Schwere der 
Beine nicht mehr nmhargehen. 

Seit 3 Wochen nnn brancht Patientin Thyreoideatabletten 
nnd zwar vom englischen Präparat täglich eine Tablette 
ä 0,3 auf drei Gaben vertheilt. Der Erfolg dieser Medicatiou 
ist ein unerwartet günstiger gewesen. Die Kleider, die ihr 
vor Beginn der Cnr gut passten, hängen ihr jetzt am l^ibe. 
Zur ersten Coosultation musste Patientin von ihrer Schwester 
in das Sprechzimmer geschoben werden, heate ist sie zu 
Fub8 hierher gekommen. Die damals vorhandene Stupidität, 
die psychischen Hemmungen sind geschwunden, die gesammte 
Anamnese musste damals von der Schwester erhoben werden, 
heute ist Patientin selbst im Stande Rede und Antwort zu 
stehen. Als Rest der myxödematösen Veränderung sind noch 
am linken Arm brettharte Partien zu palpiren. 

Das vom Vortragenden demonstrirte, vor Beginn der Cur 
angefertigte photographische Porträt der Patientin zeigt 
deutlich den grossen Unterschied zwischen ihrem damaligen 
nnd heutigen Znstand. 

Die Prognose anlangend spricht sich Dr. Schönfeldt 
nach Entfern mg der Patientin dahin ans, dass die erreichte 
Besserung nach Aussetzen der Schilddrüsenpräparate wohl 
nicht läneer als 4—5 Monate anhalten werde. Wenn es sich 
uur um functioneile Störungen in den Drüsen handele, so sei 
allerdings ein bleibeuder Erfolg möglich. 

Anf Dr. Mandelstamm's Frage nach dem ophthalmo¬ 
skopischen Befand giebt Dr. Schönfeldt an, dass die 
temporalen Papillenhälften ein wenig abgeblasst seien, im 
Uebrigen sei der Befund normal. 

Dr. ßnrehard erkundigt sich danach, ob Patientin Stö¬ 
rungen in der Menstruation dargeboten habe und ob diesel¬ 
ben durch die Schilddrüsentherapie beeinflusst worden seien. 


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14 


Dr. Schö n fei d t: Die Menstruation sei früher unregel¬ 
mässig gewesen. Um einen Erfolg der Thyreoideatabletten 
nach dieser Richtung zu constatiren, sei die Behandlnnge- 
daner za kurz. 

2. Dr. W. v. Bieder hält seinen angekündigten Vortrag: 
Der Abdominaltyp h ns in Riga im Jahre 1900. 
(Der Vortrag giebt in verkürzter Form den Inhalt eines in 
«Vierteljahrsscbrift für öffentliche Gesundheitspflege» 1901 
erschienenen Arbeit wieder.) 

Dr. Denbner erkundigt sich beim Vortragenden danach, 
ob auch in diesem Sommer eine Typhusepideraie in Riga be¬ 
standen habe; nach der Zahl der Typhnsanfnahmen im Stadt- 
krankenhanse müsse man dies wohl für wahrscheinlich 
halten. 

Dr. v. Rieder: Die Zahl der gemeldeten Fälle sei aller¬ 
dings grösser a’s sonst, doch könne Redner darüber keine 
genaueren Angaben machen. 

Dr. Deubner schliesst sich der Meinung des Vortragen¬ 
den in Bezug auf den Modns der Infection von Person zu 
Person vollständig an. Im Anfang der Epidemie des vorigen 
Jahres, als viele schwere Typhnskranke ins Krankenhaus 
einkaraen und die Zahl der Todesfälle gross war, habe offen¬ 
bar das Pflegepersonal unter dem Eindruck der über ihm 
schwebenden grossen Gefahr die ihm eingeschärften Vor- 
slchtsma8sregeln gewissenhaft befolgt, denn es sei in dieser 
ersten Zeit keine einzige Typhnserkrankung unter ihnen 
vorgekommen, dahingegen seien später, als die Heftigkeit der 
Epidemie und mit ihr wohl auch die Vorsicht des Personals 
nachliess, mehrfach Infectionen erfolgt. Redner zieht hieraus 
den Schloss, dass man durch Beobachtung der nöthigen Vor¬ 
sich tsmassrcgeln sich mit Sicherheit vor Ansteckung von 
Seitea der Abdomioaltyphuskranken schützen könne. 

Dr. v. Rieder stimmt dem bei und weist namentlich auf 
die Gefahr hin, die der Umgebung des Kranken von Seiten 
der Wäsche und der Stühle der Letzteren drohen — ein 
Punkt, der oft selbst in den besten Schichten des Publikums 
nicht genügend berücksichtigt werde. 

Dr. Hampeln: Beim Abdominaltyphus müsse man im 
Gegensatz zu fast allen anderen lufectionskrankheiten an 
dem Unterschied zwischen Entstehungsort und Verbreitungs- 
wegen des Infectionserregers festhalteu. Sei in letzterer 
Hinsicht die Bedeutung des Trinkwassers allgemein aner¬ 
kannt, so spiele andererseits auch die Beschaffenheit deB 
Grundes und Bodens bei der Entstehung von Epidemien eine 
hervorragende Rolle. So nur sei die vielfältig gemachte Be¬ 
obachtung zu erklären, dass die Typhusmorbidität nach Ein¬ 
führung einer zweckmässigen Canalisation sinke. In einem 
Theile Münchens habe der Typhus trotz Versorgung mit 
gutem Trinkwasser fortgewüthet und erst nach Einführung 
der Canalisation aufgehört. 

Dr. M ey : Das explosionsartige Auftreten des vorigjährigen 
Typhus sei von Dr. v. Rieder mit guter Begründung auf 
eine Verunreinigung des Trinkwassers znrückgeführt wor¬ 
den ; doch nicht in allen Epidemien liegen die Verhältnisse 
so klar. In einem kürzlich vom Medicinalcollegium Ham¬ 
burgs hei ausgegebenen Buche, das die Gesundheitsverhält- 
nisse Hamburgs zum Gegenstand habe, werden einige dor¬ 
tige Epidemien dein von den Sielen aus verunreinigten Lei¬ 
tungswasser zur Last gelegt, doch werde ausdrücklich zuge¬ 
geben, dass diese Erklärung nicht für alle Fälle passe. Es 
müssen also noch andere uns vorläufig unbekannte Factoren 
dabei eine Rolle spielen, wobei man zunächst an die wech¬ 
selnde Virulenz der Krankheitserreger, dann aber auch an 
die wechselnde Disposition der Menschen denken müsse. Für 
eine Betheilignng der Grundwasserverhältnisse lasse sich 
dagegen aus den Hamburger Beobachtungen keine Stütze 
beibringen. 

Dr. Hampeln: Natürlich spiele Virulenz und Disposi¬ 
tion eine Rolle, es stehe aber andererseits fest und sei prak¬ 
tisch wichtig, dass allein durch Herstellung guter Trink¬ 
wasser- und Canalisationsverliältnisse die Typhnsepidemien 
verschwinden; in Berlin z. B. sei der Abdoininaltyphns eine 
Rarität geworden. Auch Riga werde ihn voraussichtlich, 
nach Redners fester Ueberzeugung, verlieren, sobald in die¬ 
sen beiden Punkten Abhilfe geschafft weide. 

Der Präses ( Dr. B e r n sd o r f f) giebt der Hoffnung 
Ausdruck, dass die vorigjährige Typhusepidemie und der von 
Dr. v. Rieder geführte Nachweis von der wichtigen Rolle 
des Trinkwassers für die Entstehung derselben den Anstoss 
zur endlichen Regelung der Trinkwasser , nicht minder aber 
auch der Canalisations Frage geben möge. 

Dr. 0- Klemm hat nach persönlichen Erfahrungen den 
Eindruck gewonnen, als ob es in unserer Stadt eine Reihe 
von Häusern gebe, welche als dauernde Typhusherde zu be¬ 
trachten seien. So habe er z. B. in einem Hause in 7 Jahren 
3 Typhuskranke gehabt, in einem zweiten Hanse eine ganze 
Reihe derselben. 

Dr. v. Rieder: Derartige Häuser scheine es in der That 
zu geben, doch sei es schwierig, im Einzelfall einen vollgül¬ 


tigen Beweis dafür zu liefern, ln vielen Fällen gehäuften 
Vorkommens von Typhus im selben Hanse könne man im 
Gegentheil nachweiseo, dass die einzelnen InfectioDen auf 
verschiedene Quellen zuröckznführen seien. 

Dr- W o 1 o s h i n s k y: Es sei ja zazngeben, dass die 
Typhuskeime sich itn Boden erhalten und vermehren können, 
es sei auch möglich, dass z. H. unser Lei tu ngs wasser im vo¬ 
rigen Jahre vom Boden aus verunreinigt worden sei, da man 
schwer verstehen könne, wie ein so mächtiger Strom wie un¬ 
sere Düna durch die Excreinente einiger Fiossarbelter in so 
hohem Masse inficirt werden könne. Trotzdem müsse maa 
an der giossen Wichtigkeit, die gerade da9 Trinkwasser in 
erster Reihe für die Kraukheitsübertragung habe, festhalten, 
deun ohne dessen Vermittelung können die Tvphnskeime 
nicht ans dem Boden in den menschlichen Organismus ge¬ 
langen. Sowohl in der Epidemie des vorigen Jahres als 
auch in den letzten Monaten habe sich bei fast allen Typhus- 
kranken feststellen lassen, das9 sie ungekochtes Düoawasser 
etrnnken hätten. Was die Hamburger Statistiken vor dem 
ahre 1893 betreffe, so könne man bei ihnen eine Mitwirkung 
des Trinkwassers für das Zustandekommen der Epidemie je¬ 
denfalls nicht ausschliessen, da bis znm genannten Jahre 
Hamburg mit unfiltrirtem Elbwasser von sehr schlechter 
Qualität versorgt und erst im genannten Jahre ein vorzüg¬ 
liches Filtrationssystem eingeführt worden sei. 

Dr. Thilo: Einer der besten Kenuer des Hamburger 
Wassers habe ihm gesagt, dass dasselbe noch immer beträcht¬ 
lich verunreinigt sei. 

Dr. Treym&nn: Die englische Literatur sei reich an 
Belegen für die Trinkwassertheorie, ferner aber auch für die 
Verbreitung des Typhus durch Milch. So z. B. habe sicli 
bei einer Localepidemie in London, wo das Trinkwasser als 
tadellos befunden wurde, herausgestellt, dass säramtliche 
Familien, in denen Typhnserkrankungen vorgekommen waren, 
ihre Milch von derselben Stelle bezogen hätten und bei der 
näheren Untersuchung fand sieb an der betreffenden Liefe¬ 
rungsstelle als Aufbewahrnngsgefäss für die Milch ein gros¬ 
ser schadhafter Bottich. So möge auch die Existenz man¬ 
chen anderen kleinen Herdes auf eiue gemeinsame Nahrungs¬ 
mittelbezugsquelle zurückzuführeu sein. 

Dr. Mey bemerkt in Bezug auf die Hamburger Wasser¬ 
verhältnisse, dass daselbst seit Einführung der centralen 
Filtration keine Typhusepidemie mehr beobachtet worden sei. 

Dr. v- Rieder: Die bei'en Hamburger Hygieniker D un- 
bar und R e i n e k e seien Anhänger der Trinkwassertheo¬ 
rie, wa3 nm so mehr ins Gewicht falle, als der Letztere frü¬ 
her ein Gegner derselben gewesen sei. 

d. Z. Secretär: Dr. Bertels. 


Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft pract. Aerzte zu Libau. 

Sitzung vom B. October 1900. 

Vorsitzender: A. de F o r e s t i e r. Schriftführer: 8. P r i s ■- 
mann. 

1. Dr Forestier stellt eine Frau von 55 Jahren mit 
einem fleckigen Exanthem und nervösen Erscheinungen vor. 
Aus dem von einem ausserhalb des Vereins stehenden Collegen 
mitgegebenen Geleitschreiben ist zu ersehen, das der betref¬ 
fende Arzt an die Raynaudsche Krankheit gedacht habe. Der 
Vorsit/.ende fordert die Anwesenden auf, sich Uber den Fall 
zu äussern. 

Dr. Prissmauu lässt sich in extenso über den interes¬ 
santen Krankheitsfall aus. Auf Grand der Atrophie der Mm. 
int^ross-, der Klein- und Grossfingerballen, der krallenförmieen 
Stellung der Finger, der mehrfach vorhandenen pemphigoiden 
Blasen und der aus denselben an einzelnen Stellen entstande¬ 
nen, zum Theil gangränöseu Geschwüre und last, not least 
auf Grund der auf Ober- und Unterextremitäten, auf den 
Glutäeu und dem Rücken vorhandenen, in der Sensibilität 
staik herabgesetzten, central blassen, mitunter atrophischen, 
peripher mit einem etwas erhabeneu, erythematösen Rande 
versehenen Flecken, — auf Grund all’ der genanuten Momente 
nimmt Pr. mit aller Bestimmtheit Lepra inaculo-anaesthetica 
an. Differentialdiagnostisch kommt eher Syringomyelie, als 
Raynaudsche Krankheit in Frage, wenngleich an beiden Hand¬ 
gelenken fast genau symmetrisch oberflächliche Gangraen 
vorhanden ist. Alles Andere spricht jedoch gegen die Ray- 
nand8che Krankheit. Gegen Syringomyelie sprechen vor Allem 
die Hauterscheinungen, diese für Lppra so überaus typischen 
Fleckeu; die bei Syringomyelie beobachteten Hautsymptome 
sind mehr von vorübergehender Dauer, urticariaähnliche 
Exantheme und kleinere Erytheme, niemals kommen Flecken 
von diesem typischen Aussehn vor. Es fehlen ferner die für 
Syringomyelie so überaus chaialuei istischen Atrophien der 
ßiickenmuskeln, welche für gewöhnlich Verkrümmungen der 


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Wirbelsäule iiu (befolge haben, auch die für Syringomyelie 
pathognomonische Alteration der Schweisssecretion wird bei 
der Patientin vermisst. Nur vereinzelte Erscheinungen von 
Seiten des Nervensystems könnten dafür sprechen, doch über- 
wiegen unbedingt die Symptome der Lepra die der Syringo¬ 
myelie. 

Dr. Jagd hold macht auf die Augen der Kranken auf¬ 
merksam, an denen ausgesprochener Lagophthalmns und Ec¬ 
tropium zu coii8tatiren sind, Patientin kann die Lider nicht 
ganz schliessen. 

D r. G o 1 d b e r g meint, zur definitiven Feststellung der 
Diagnose sei eine mikroskopische Untersuchung auf specifische 
Bacillen nothwendig. 

Dr. Piissmaun spricht sich in sofern dagegen aus, als 
er blos einen positiven, nicht aber einen negativen Befund an¬ 
erkennen würde, da gerade bei der maculösen Lepraform ein 
Bacillennachweis selten gelingt; mitunter sind Bacillen aller¬ 
dings in Haut- und Nervenstückchen zu finden, doch ist ein 
negativer Befund in einem solchen Falle nie anschlaggebend. 

2. Dr. Goldberg demonstrirt einen 22 Jahre alten Hann 
mit einem fast universellen Molluscum atheromatosnm- Am 
meisten befallen Bind Brust, Bücken und Oberextremitäten, 
ganz frei sind blos die Unterextremitäten. Die Haut ist an 
genannten Stellen von Stecknadelkopf- bis erbsengrossen, 
rnndlicheD, weiss schimmernden, leicht transparenten, etwas 
erhabenen Gebilden mit glatter Oberfläche wie besät. Bei 
einzelnen lässt sich auf Druck eine beinahe breiig blätterige 
Masse heransdrücken. Ausserdem weist Patient zahlreiche 
Acuepusteln, Comedonen und einzelne Furunkel auf. 

3- D r. Prager stellt einen 35-jahrigen Mann mit zahl¬ 
reichen Petechien vor; Zahnfleisch und Zunge weisen blutigeu 
Belag auf. Urin und Stuhl enthalten seit Tagen viel Blut. 
Dr. Prager nimmt Scorbnt an. 

Dr. J'rissmann hält den Fall für Morbus macul. 
Werlhofii. Bei Scorbnt sei man gewöhnt Auflockerung des 
Zahnfleisches, foetiden Geruch aus dem Hunde und stärkere 
Blutergüsse, die auch Musculatur und Faacien betreffen, zu 
finden. Bemerkenswerth sei in diesem Falle nur die Intensität, 
mit der die einzelnen Symptome, speciell die Blutungen aus 
den innern Organen und das Fieber, anftreten 

4. Dr. Jagdhold spricht an der Hand von Präparaten 
«über Uteruspolypen». 

In der Discnssion hebt Dr. Michelson hervor, dass in 
der Aetiologie der Polypen nicht selten Pessarien eine grosse 
Bolle spielen. 

Dr. Fried ber g: Man kann nur in den Fällen von 
Pessarien als aetiologischem Moment sprechen, wenn man sich 
vor Einlegen derselben sicher davon überzeugt hat, dass kein 
Polyp vorliege, sonst verfällt man leicht in den Fehler des 
post hoc, propter hoc. 


Vermischtes. 


— Ordensverleihungen: Der St. Stanislaus- 
Orden 1. Classe — dem Rector der Tomsker Universität, 
Professor der Hygiene, wirkl. Staatsrath Dr. Ssudakow 
und dem Professor der Gynäkologie an der Charkower Uni¬ 
versität, wirkl. Staatsrath Dr. T o 1 o t s c h i n o w. — Der 
St. Wladimir- Orden 3 Classe — dem Oberarzt des 
Moskauer Sophien Kinderhospitals, Dr. J a b I o k o w ; den 
Professoren der medicinischen Facul täten: Dr. A. Vogt und 
Dr. A. Pospelo w in Moskau: Dr. J. S k wo r zo w und 
Dr. S. Popow in Charkow : Dr. A. Chodin in Kiew. — 
Der St. Wladimir- Orden 4. Classe — den Professo¬ 
ren der Medicin, wirkl. Staatsräthen: Dr. Tschish In 
Jurjew (Dorpat); Dr. B as n m o w s k i in Kasan, Dr. Jas- 
tre bo w in Warschau und Dr. K u 11 s ch i t zki in Char¬ 
kow. — Der St. Annen-Orden 2. Classe — dem 
Director des Elisabeth- und Marien-Kinderasyls, Dr. P. 
S i e m. — Der St. Stanislaus-Orden 2. Classe — 
dem Professor der Physiologie in Tomsk Dr. F. Krüger, 
dem aus8eretatm. Consultanten des Odessaer Nikolai-Insti¬ 
tuts Dr. Carl Schmidt und dem Arzt der Wolinarschen 
Stadtschule Dr. v. Lutz au. 

— Befördert: Zu wirklichen Staatsräthen: 
der Oberarzt des Moskauer Golizyn-Hospitals Dr. Dem- 
8 h j n 8 k i und die Professoren der Kiewer Universität Dr. 
Tichomirow (Anatom) und Dr. Tschernow (Pädiater). 

— Verstorben: 1) Am 1. Januar in Riga Dr. B. 
Demant. — 2) In Odessa am 31. December der Ordinator 
am dortigen Stadthospital Dr. S. M. WesBelowski, wel¬ 
cher auch als Director des von seinem Grossvater errichteten 
Pawlowschen Gebäudes mit billigen Wohnungen fungirte. — 


*) Patient ist nach einigen Tagen unter Nachlass der Blu¬ 
tungen in hochfebrilem Zustande verschieden. 


3) In Geut der frühere Professor der Chirurgie an der dorti- 

f en Universität Dr. F. Soupart im Alter von 91 Jahren. 
>er Verstorbene, welcher belgischer vSenator and wiederholt 
Rector der Universität Gent war, ist von 1835 — 1893, also ca. 
58 Jahre als Arzt und Universitätslehrer thätig gewesen. — 
4) In Brüssel der Director der dortigen 2. medicinischen 
Klinik Prof. Dr. Destr6e im 44. Lebensjahre. — 5) In 
Paris der bekannte Laryngologe Prof. Gouguenheim, 
Herausgeber der «Aunales des maladies de l’oreille et du la* 
ryux». 

— Am 31. December v. J. beging der Professor der Zoolo¬ 
gie und vergleichenden Anatomie an der Charkower Univer¬ 
sität Dr. med. et zool. A. Brandt das 35jährige Jubi¬ 
läum seiner pädagogischen und Literarischen 
Thatigkeit. 

— Der aasserordentliche Professor der Chirurgie an der 
Universität Jurjew (Dorpat) Dr. Drushinin ist zum 
ordentlichen Professor ernannt worden. 

— Dem gegenwärtig in Jurjew (Dorpat) lebenden verab¬ 
schiedeten Gehilfen des Militär-Medicinalinspectors des sibi¬ 
rischen Militärbezirks wirkl. Staatsrath Dr. Nikoloi von 
Böhlendorff ist der St. Stanislaus-Orden 1. 
Classe verliehen worden. 

— Dem Privatdocenten der Odessaer Universität Dr. A. 
Manko wBki sind die Vorlesungen über Histo¬ 
logiein der medicinischen Facnltät mit einer 
Remuneration von 1200 Rbl. jährlich übertragen worden. 

— Der Arzt Nagibin ist mit Allerhöchster Genehmigung 
als stellvertretender Prosector beim Lehr¬ 
stuhl der Anatomie an der Odessaer Univer¬ 
sität angestellt worden. 

— Die Berliner Medicinische Gesellschaft 
hat in ihrer am 8. Januar n. St. stattgehabten Generalver¬ 
sammlung ihren langjährigen Vorsitzenden Prof. Rudolph 
Virchow mit überwältigender Majorität wiedergewählt und 
demselben auf sein Krankenlager ein ßegrüssuugstelegramm 
gesandt. (A. m. C.-Ztg.) 

— Zum ausserordentlichen Professor der 
Ohrenheilknnde der Universität Giessen 
ist der Privatdoceut Dr. Lentert in Königsberg ernannt 
worden. 

— Dem Privatdocenten und dirigirenden Arzt des Pani 
Gerhardt - Stiftes in Berlin. Dr. Gustav de Ruyter, 
der viele Jahre Assistent Prof. v. Berg mann’8 war, ist 
der Professortitel verliehen worden. 

— Die Privatdocenten der Münchener Universität Dr. 
Martin Halt n (für Hygiene) und Dr. A d o 1 f S c h m it t 
(für Chirurgie) sind zu ausserordentlichen Pro¬ 
fessoren ernannt worden. 

— Dr. Wilhelm Ruppel, Abtheilungvorsteher beim 
Institut für Hygiene und experimentelle Therapie au de!* 
Universität Marburg, hat den Professortitel erhalten. 

— Am 1. Januar n. St. beging die Leopoldinisch- 
Carolinische deutsche Akademie der Natur¬ 
forscher in Halle, welche 1652 in Schweinfnrt- von 
dem dortigen Arzt Dr. Bausch gegründet wurde, ihr 
250j ä h r i g e s Jubiläum. Kaiser Leopold I. und spä¬ 
ter Kaiser Karl VII. statteten sie mit ausserordentlichen 
Vorrechten ans: ihre Präsidenten erhielten den erblichen 
Reichsadel, worden zu Ffalzgrafen erhoben und hatten das 
Privilegium uneheliche Kinder als ehelich zu legitimiren, un¬ 
ehrliche Leute ehrlich zu machen und Doctoren, Licentiaten, 
Magister und Bnccalanrei zu ernennen. Die Akademie« welche 
stets die bedeutendsten Gelehrten auf naturwissenschaftlichem 
Gebiet, darunter auch viele hervorragende Aerzte, zu ihren 
Mitgliedern gezählt hat, steht in hoher Achtung im In- und 
Anslande. 

— Der VIII. Congress der Gesellschaft russi¬ 
scher Aerzte zum Andenken an N. I. Pirogow 
wurde am 3. Januar im neneti Conservatoriumssaale in Mos¬ 
kau durch den Vorsitzenden des Organisationscomit6s Prof. 
Dr. B o b r o w (Moskau) eröffnet. Zum Ehrenpräsiden¬ 
ten des Oongresscs. an welchem ca. 2000 Aerzte und 
Universitätslehrer ans allen Gegenden des Reiches theilnah- 
men, wurde der Professor der Hygiene in Kasan Dr. Ka- 
p n e t i n , zum Vizepräsidenten der Chef des Sanitäts¬ 
wesens im Gouv. Tarabow Dr. Molle so n and zu Sekre¬ 
tären der Sanitätsavzt in Woronesh Dr. Tesjakow und 
der Landscliaftaarzt Dr. Begajewski, Präses der Gesell¬ 
schaft der Aerzte in Krementsciiug, gewählt. Es folgten so¬ 
dann die programmmässigen Vorträge von Prof. Ras u- 
m o w s k i (Kasan): «Ueber die Fortschritte der Medicin und 
Chirurgie im 19. Jahrhundert», nnd von Dr. Dolshenkow 
(Landschaftsarzt in Kursk): «Ueber die landschaftlichen und 
communalen Sanitätseinrichtnngen in Rnssland». In dieser 
Sitzung wurde durch Prof. Pos n er (Berlin) ein Grass von 
Prof. Virchow überbracht und unter den zahlreich einge- 
laufenen Telegrammen auch ein Begrtissungstelegramm von 
dem früheren Moskauer Professor Dr. Eris mann aus Zü- 


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16 


rieh verlesen. Beiden wurde seitens des Congresscs der 
Dank auf telegraphischem Wege übermittelt. Za Ehren 
Prof. Posoer’g wurde von den Congressmitgliedern ein 
Dejeuner veranstaltet. Am 4. Januar begannen die Verhand¬ 
lungen in den zahlreichen Sectionen des Congresses. 

— ln der letzten Sitzung des II. allrussischen C h i - 
rurgen-Coogresses (am 31. December v. J.) wurde, 
nachdem für Moskau und Petersburg als nächsten Versamm¬ 
lungsort die gleiche Stimmenzahl (70) abgegeben worden war, 
der Beschluss gefasst, Moskau zum Sitz des III. C o n - 
grosses zu wählen, da die Chirurgen-Congresse daselbst 
ins Leben gerufen sind. Ausserdem wurde bestimmt, dass die 
auf dem Chirurgen-Congress wegen Kürze der Zeit zurück- 
gestellten Referate in der chirurgischen Section des Pirogow- 
Congresses zur Verlesung gelangen sollen. 

— Die «Oesterreiehische Aerztliche Vereins¬ 
zeitung», welche von Dr. Carl Kolm herausgegeben 
wird, beging vor Kurzem das 25jährige Jubiläam 
ihres Beste hens- 

— Betreffs der 1 ilerarischen Zeitung8feh- 
den bat die Freie Vereinigung der medicini- 
sehen Fachpresse auf Antrag des Prof. Ewald 
(Berlin) folgende Thesen einstimmig angenommen: 1) Jede 
literarische Fehde ist mit der Replik des ersten Autors zn j 
schliessen; nur in Ausnahmefällen wäre dem B das Recht j 
einer zweiten Replik (Dnplik) zuzugestehen, immer aber j 
würde A. das Schlusswort haben. 2) Entgegnungen (Replik, 
Dnplik etc.) können in Petit und in der zweiten Hälfte des 
Blattes gedruckt werden, auch wenn der erste Aufsatz unter 
den Originalton mit grösserem Schriftsatz stand. 3) Die 
freie Vereinigung der medicinischen Fachpresse erkennt an , 
dass die Redactionen ermächtigt sind, eingehende Erwiderun¬ 
gen und dergleichen vor der definitiven Drucklegung dem 
angegriffenen Autor zuznstellen. 

(Prag. nied. Woch.) 

— In der medicinischen Facultät der Univer¬ 
sität Jurjew (Dorpat) wurden im Jahre 1901 97 medi- 
cinische gelehrte Grade nnd Würden verliehen, 
und zwar: der Grad eines Acooucheurs 11 Personen, die 
Würde eines Kreisarztes 8, der Doctorgrad 7 und der Arzt¬ 
grad 71 Personen. 

— Ein russisch erCongress für Wissenschaft' 
liehe Pharmacie wird anlässlich der Feier des 20Qjüb¬ 
rigen Bestehens der Apotheken in Russland vom 6. bis 9. 
März d. J. in St. Petersburg stattfinden. Das Organi- 
sationscomito besteht aus dem Prof. Dr. Al. P ö h 1 als Prä¬ 
sidenten, dem Privatdocenten A. Günsberg als Schrift¬ 
führer, dem Apotheker J. Lämmerhirt als Cassirer und 
dem Apotheker N. Russow und Mag. J. Parfenow als 
Mitgliedern. Der Mitgliedsbeitrag ist auf 15 Rbl. 
festgesetzt. 

— Der 23. deutsche Balneologen-Congress 
wird vom 7.—11. März 1902 (n. St.) in Stuttgart unter dem 
Vorsitz Prof. Liebreich’s tagen. 

— Bei der Militär-Medicinischen Akademie ist eine Ge¬ 
sellschaft -für normale und pathologische 
Psychologie gegründet worden. 

— Die vom Medicinaldeparteraent aus Anlass der drohen¬ 
den Pestgefahr in die Krim abcommandirten Aerzte sind zu- 


i rückberufen worden ; ebenso sind die sanitären Besichtigungen 
der zwischen den krimschen und kaukasischen Häfen des 
Schwarzen Meeres cursirenden Schiffe aufgehoben worden. 

Bf 

— Die Gesammtzahl der Kranken in den civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 29. Dec. 
d. J 8304 <266 wen. als in d. Vorw.). darunter 622 Typhus — 
(54 wen.), 608 Syphilis —(16 wen.), 301 Scharlaeh — (20 wen.). 
123 Diphtherie — (8 mehr). 44 Masern — (8 wen.) nnd 15 
Pockenkranke — (8 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 16. bis zum 22. December 1901. 


Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 

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138 51 103 22 

16 

19 60 

64 

61 

51 

61 

42 

13 

2 


2) nach den Todesursachen: 

Typh. exanth. 0, Typh. abd. 20. Febris recurrens 0, Tjphus 
ohneBestiinmungder Form 0. Pocken 1. Masern 13. Scharlach 16, 
Diphtherie 33, Croup 1, Keuchhusten 6 Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 25. Erysipelas 4, Grippe 7, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0. Rotzkrankheit 0. Anthrax 0, 
i Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0. Pyämie und Septicaemie 5, 
Tuberculose der Lungen 105. Tubercnlose anderer Organe 19, 
Alkoholismaa und Delirium tremens 11. 1/ebensschwäChe nnd 
Atrophia infantum 44. Marasmus senilis 24. Krankheiten der 
j Verdannngsorgane 57, Todtgeborene 29. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters- 
| burger Aerzte: Dienstag den 22. Januar 1902. 

Tagesordnung: 1) Schultz: Welche Fingerzeige für 
die Behandlung der Gonorrhoe des 
Weibes geben uns einige Thatsachen 
aus des Biologie des Gönococcus nud 
das Verhalten gonorrhoisch ioficir- 
ter Gewebe? 

2) Bary: Altes und Neues über die 
vormals Trey’sche Anstalt. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 14. Januar 1902 



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Dieser Jfs liegt ein Prospect über «Purgatin» bei. - 


Äobb. neHB.CnÖ., 12 ÜHuapa 1902r. Feranegeber Dr. Rudolf Wanach. Buclidruckerei v. A. Wienecke. KathariDenhofer Pr.M 15. 



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XXVl! JAHRGANGS. 


ST. P ETI RS Bll lUll II Neue Folge XIX. Jatrg. 

ISDICIIISGEE WOGEEISGIRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

J nrjew (Dorpat). Riga. 

Or. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Oie «St. Petersburger Medieiuisehe Wochenschrift» erscheint jede nlf* Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 
Sruuabend. — Der Abonnementspreis ist Id Russland 8 Rbl. für des j bittet man aasseh liesslieh an dieBuchhandlung von K. L. Bioker In 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postsnstellnng; in den an&eren St.Petersbnrg.Newsky-Prospeet M 14, su riehten.—Hanusoripte 
Ländern 20 Mark jahrlieh, 10 Mark halbjahrlieh. Der Insertionspreis sowie alle anf die Redaetion besiigliehen Mittheilangen bittet man an 
ffir die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16Kop. oder 35 Pfenn.—Den Iden gesehäf ts führenden Redaetear Dr. Bndolf Wanach in St.Pe* 
Autoren werden 25SeparatabsügeihrerOriginalartikel sugesandt—tersburg, Petersburger Seite, Peter-Panlhoapital au riehten Sprech- 
Referate werden naeh dem Satie von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. stunden Montag, Mittwoeh und Freitag von 2—3 Uhr. 

3 st Petersburg, 19. Januar (1. Februar) 1902 


Inhalt: Dr. med Engen Schmidt: Ueber einen Fall von Fremdkörper im Kniegelenk. — Bächeranzeigen nnd 
Besprech n ngen: Posner: Diagnostik der Harnkrankheiten. -- Ernst Gaupp, A. Ecker’s und B. Wiederheim’s: 
Anatomie des Frosches. — Mittheilungen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte zn Riga. — Anszug 
aus den Protokollen der Gesellschaft pract. Aerzte zu Libau. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin 
St. Petersburgs. — Anzeigen. 


lieber einen Fall von Fremdkörper im Kniegelenk. 

Von 

Dr. med. Eugen Schmidt. 

Am 16. März 1900 wurde zu mir iu die chirurgische Am¬ 
bulanz des Nikolai-Kinder-Hospitals §iu 3V*iähriger Knabe, 
Nikolai P — w, gebracht. Derselbe war 8 Wochea varda», 
am 24. Februar, auf einen Stuhl, auf dem eine Serviette mit 
einer in ihr verborgenen Nähnadel Nr. 7 lag, geklettert, wo¬ 
bei letztere ihm io das gebeugte linke Knie eindrang nnd 
abbrach. Die mit dein Oehr versehene krommgebogene Hälfte 
der Nadel wurde gefunden. Unterhalb der linken Kniescheibe 
bemerkten die Eltern eine kaum sichtbare punktförmige 
Wunde. Da der Knabe uach dem Geschehenen äber nichts 
klagte, gehen und laufen konnte, so schrieben die Eltern 
der Verletzung keine grössere Bedeutung zu. Nach einer 
Woche aber fing der Knabe über Schmerzen im linken Knie 
zu klagen an, welches mehr and mehr anschwoll, so dass 
Patient, da er nicht mehr stehen und gehen konnte, bett¬ 
lägerig wurde. 

Der Status praesens am 16. März war folgender. Seinem 
Alter nach gut entwickelter Knabe von befriedigendem Er¬ 
nährungszustände, blutarm, rhachitisch. Linkes Knie stark 
geschwollen, unter einem Winkel von circa 45 Grad gebeugt, 
Patella ballotirt. Das kranke Knie kann activ und passiv 
nur unter heftigen Schmerzen bewegt werden. Körpertem¬ 
peratur 38,0. Die seitlich aufgenommene Röntgenphotogra- 
pbie, welche leider wegen der durch Angst und Schmerzen 
hervorgerufeuen Unruhe des Knaben schlecht gelang, zeigte 
im vorderen Kniegelenkabscliniit hinter der Patella den un¬ 
deutlichen Schatten der anderen Nadelhälfte in senkrechter 
Richtung verlaufen. 

Dank Iminobilisirung, erhöhter Lagerung des kranken Glie¬ 
des and Eisapplic&tion auf das linke Knie lassen die Schmer¬ 
zen nnd Schwellung bald nach. Am 29. März sind die krank¬ 
haften Erscheinungen geschwnnden nnd schmerzlose aciive 
und passive Beweglichkeit des kranken Knies beginnt sich 
wieder einzustellen. 

Die am 1. April 1900 vorgenoinmene frontale Röntgen¬ 
durchleuchtung des linken Knies giebt folgendes Bild : Im 
Bereiche des Gelenkes sehen wir 3 verschieden grosse Br ach¬ 
theile der Nadel. Das stärkste und grösste Stück sitzt 
senkt echt im vorderen mittleren Abschnitt des Condylus 
tibiae und ragt ein wenig ins Geleuk hinein. Nach aussen 
vom unteren Ende dieses Stückes bemerkt man deutlicher 
ein etwas kleineres nnd dünneres horizontal gelegenes Bruch¬ 
stück. Ferner sieht man gegenüber dem in der Tibia stecken¬ 


den Nadeltbeile einen kleinen undeutlicheren senkrecht in die 
Femurepiphyse hineinragenden Schatten. 

In Anbetracht dessen, dass der ins Gelenk prominirende 
Nadelabschnitt der Tibia ein Gehhinderniss und Ursache 
einer sich wiederholenden Entzündung werden könnte, zaraal 
die Körpertemperatur am 13. April Morgens 38.0, Abends 
37.8, am 14. 36,9 ist. so wird von mir nnter freundlicher Bei¬ 
hilfe vop Dr. med. A. A. Eber mann am 14. April im Ni- 
kolai-Kinderhospiial die Gonarthiotomia zwecks Entfernung 
der Nadelt heile vorgenommen. 

In Clorotorninarkose und unter E s m a r c h'scher Blut¬ 
leere wild durch einen 7 Ctm. langen nach anssen von der 
Patella gelegenen fast senkrechten Schnitt das linke Kniege¬ 
lenk schichtweise eröffnet und die Gelenkflächen des Femur 
und der Tibia freigelegt. Die Knorpelfläche der Tibia vor 
den Ligamenta crnciata nnd auch zum Theil die innere Kap- 
selwand sind mit bindegewebigen dunkelrothen Granulationen 
bedeckt. Nach einigem Suchen Relingt es in der Mitte der 
pathologisch veränderten Knorpeloberfläche der Tibia eine 
pnnktföimige Oeffnnng zn erblicken, aus der das kaum sicht¬ 
bare Ende des in der Epiphyse der Tibia steckenden Nadcl- 
stflekes hervorragte. Beim Versuch mittelst einer Pincette 
die fest im Rnochen haftende Nadel zu entfernen, brach von 
letzterer das ros Gelenk bineinr&geude 3 Mm. lange Stück 
ab und ich war genöthigt den zurückgebliebenen 7V* Um. 
grossen Nadelrest ans dem Knochen herauszmneisseln. Die 
2 anderen Brnchtheile der Nadel konnten nicht gefunden 
werden. Die Gelenkwunde wurde darauf mit steriler Marly 
trocken ausgetupft, dralnirt and 2 tiefe Nähte, welche die 
Kapsel nud 4 oberflächliche, welche die Haut fassten, ange¬ 
legt. Die Operation wurde unter strenger Asepsis ausge- 
fünrt, dauerte circa eine Stunde, die Narkose 55 Minuten, 
Chloroform wurde 9,0 Gramm verbraucht, Compltcatlonen 
während nnd nach der Narkose waren keine gewesen. Abends 
nach der Operation stieg die Körpertemperatur wieder anf 
38,5, sank aber schon am nächsten Morgen danernd auf die 
Norm. Subjectives Befinden um Tage nach dem chirurgischen 
Eingriff gut, Schmerzen im Bein bei Ruhelage unbedeutend. 
Am 17. April: Die Schmerzen im Bein haben aufgehört. Am 
22. April: Beim Verbandwechsel ist die Wnnde tiocken, 
der Tampon vpn Serum durebträukt. Kein Eiter. Die Wund¬ 
ränder und deren Umgebung von normalem Aussehen. Es 
werden die 2 oberen Nähte entfernt. Prima intentio. Anstatt 
der Drainage wird ein lockerer Marlytampon eingetührt. 
Kleisterverband. Am 25. April: Die Wunde bi trocken, 
keine Eiterung. Anstatt des Kleisterverbaudes wird ein ein¬ 
racher Verband ohne Schiene angelegt. Entfernung der übri¬ 
gen Nähte. Am 1. Mai: Die Wunde hat sich mit Granula¬ 
tionen gefüllt, ist trocken. Active nnd passive Bewegungen 


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20 


des Beines sind möglich und schmerzlos. Am 4. Mai: Die 
Wunde hat sich bis auf die Hautdecken geschlossen. Der 
Kranke wird aus dem Hospital entlassen und ambulatorisch 
weiter behaudelt. Nach einer Woche ist die Wunde ver¬ 
heilt und der Knabe kann ohne Schmerzen gehen und laufen. 

Auf einer Röntgenpbotographie vom 20. Mai sieht man 
nicht mehr das früher in der Tibia gelegene Nadelstück, an 
dessen Stelle im Knochen ein heller Schatten wahrnehmbar 
ist, welcher das herausgemeisselte Knochenstück andeutet. 
Das horizontale Nadelbruchstück und das in der Femurepi- 
physe steckende Bind noch deutlich erkennbar. 

Ende Mai 1900 behandelte ich den Knaben an Masern, 
welche mit einer doppelseitigen catarrhalischen Pneumonie 
complicirt waren und gut abliefen. 

Den verflossenen Sommer verbrachte der Knabe auf dem 
Lande und soll daselbst nach Aussage der Eltern schneller 
gelaufen und höher gesprungen sein als seine Altersgenossen. 

Um mich von dem weiteren Schicksal der im Knie zurtick- 
ebliebenen Nadeltheile zu überzeugen, wurde am 19. Octo- 
er vorigen Jahres noch eine frontale Röntgenaufnahme ge¬ 
macht. Wir sehen auf dieser Photographie das horizontale 
Stück in unveränderter Lage und Gestalt- Der Schatten im 
Condylus femoris jedoch erscheint in Folge anderer Pro- 
jection kleiner, intensiver und mehr in die Tiefe gerückt. 

Epikrise. Die Nähnadel Nr. 7 war in das gebeugte 
linke Knie unterhalb der Kniescheibe eingedrungen und 
die mit der Spitze versehene Hälfte war im Gelenk ge 
blieben. In der ersten Woche rief der Fremdkörper 
scheinbar keine Reaction hervor. Erst durch das Wan¬ 
dern stellte sich die Nadel im vorderen Gelenkabschnitt 
senkrecht und zerbrach, indem die Spitze in die Epi¬ 
physe des Femur und das andere Ende in den Condylus 
tibiae hineingestossen wurden. Bei dieser Gelegenheit 
zerbrach die Nadel in 3 Stücke, von denen das stärkste 
10 V 2 Mm. lang in der Tibia, 8 Mm. aus dem Knochen 
ins Gelenk prominirend, stecken blieb; der zweite klei¬ 
nere Bruchtheil der Nadel legte sich im Gelenk hori¬ 
zontal; die Spitze der Nadel blieb in der Tiefe der 
Femurepiphyse zurück. In Folge dieser Gewebsver¬ 
letzung und des Reizes, der durch das frei ins Gelenk 
hineinragende Nadelstück hervorgerufen wurde, ent¬ 
wickelte sich eine heftige seröse Gelenkentzündung, die 
bei entsprechender Behandlung in kurzer Zeit ausheilte 
und nur bindegewebige Veränderungen im Gelenk zu- 
rückliess. Dank dem Umstande, dass die Nadel beim 
Durchdringen weicher Gewebsschichten und straffer 
Bandapparate durch Abstreifung aller Krankheitserreger, 
oder schon Yon vornherein, steril das Gelenk erreichte, 
ist es nicht zu einer Infection des letzteren gekommen. 
Als ein die secundäre Infection verhütendes Moment 
kann eventuell noch der Umstand betrachtet werden, 
dass die Nadel in das gebeugte Knie eindrang und bei 
gestreckter Lage des Beines der ins Gelenk führende 
Wundkanal sich schloss. 

Durch die Röntgendurchstrahlung ist es uns erstens 
gelungen, die Anwesenheit und die Lage der Nadel¬ 
bruckstücke im Kniegelenk sicher zu constatiren und 
zweitens die Entfernung des grössten und schädlichsten 
Stückes durch eine Arthrotomie zu erleichtern. 

Die im Gelenk zurückgebliebenen 2 Bruchstücke der 
Nadel haben im Verlaufe von über l a /a Jahren keiner¬ 
lei Störungen verursacht, obwohl das linke Knie oft 
mancherlei Insulten ausgesetzt gewesen war. Durch 
die Operation ist eine vollkommene Gebrauchsfähigkeit 
des linken Beines erzielt worden. 


BQcheranzegien und Besprechungen. 

P 0 s n e r: Diagnostik der Harnkrankheiten. III. Aufl. 

(Hirschwald). 

Entsprechend den in der Urologie seit dem Erscheinen der 
früheren Aufl. dieses kleinen Buches gemachten Fortschritten 
ist der Inhalt desselben auch einigen Aenderungen unter¬ 
worfen worden. Anordnung und Behandlung des Stoffes sind 
dieselben geblieben. Die sympathische, im Tone der klinischen 
Vorlesung gehaltene, Besprechung der einzelnen Capitel, die 


sich vortheilhaft von dem in manchen medicinischen Öompöü- 
dien sich findenden «telegraphischen» Stiel unterscheidet, ver¬ 
dient durchaus hervorgehoben zu werden, und wird dem 
Werkchen gewiss noch neue Anhänger, namentlich nnter den 
Stndirenden nnd angehenden Specialcoilegen zu seinen bis¬ 
herigen Freunden binzngewinnen. Wiehert. 

Ernst Gaupp, A. Ecker’s und R. Wiederheim’s: 
Anatomie des Frosches, auf Grund eigener Unter¬ 
suchungen durchaus neu bearbeitet. (Braunscbwdg. 

1981. Verl. v. Friedr. Vieweg & Sohn). 

Die vor Kurzem erschienene neue Lieferung bildet die erste 
Hälfte der dritten Abtheilung des Gesammtwerkes and be¬ 
handelt die Lehre von den Eingeweldeu des Frosches. Wie 
die voraasgegangeneu Abschnitte, Knochen, Muskeln, Nerven¬ 
system und Gefä8ssy8tem, stellt auch des vorliegende ein ganz 
neues, in sich abgeschlossenes Werk dar, welches weit mehr 
als den Anforderungen eines gewöhnlichen anatomischen 
Nachschlagebuches gerecht wird. Verf- hat sich keineswega 
anf die rein descriptive Darstellung seines Gegenstandes be¬ 
schränkt, sondern denselben in aller sorgfältigster Weise 
auch vom histologischen, vergleichend anatomischen, embry¬ 
ologischen und sogar physiologischen Standpunkte aus be¬ 
leuchtet. Hierdurch ist die neue Ausgabe des Werkes, das 
schon in seiner früheren relativ unvollkommenen Form znm 
unentbehrlichen Inventar jedes biologischen Laboratoriums 
gehörte, in seinem Werthe noch bedeutend gesteigert worden. 
Wir müssen noch hinzufügen, dass trotz der Vielseitigkeit 
des Materials die Uebersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig 
lässt, dass an die Hundert Illastrationen mit der grössten 
Schärfe nnd Feinheit ansgeführt and reprodacirt sind, dass 
endlich auch dieser Lieferung eine umfassende Literatursamm- 
lung beigefügt ist. Das Werk bedaif kaum einer Empfehlung; 
es ist selbstverständlich, dass Jeder, der bei seinen Arbeiten 
mit Fröschen za thnn hat, dasselbe mit Freuden begrüsst 
und mit Spannung dem Erscheinen des Schiassbandes ent¬ 
gegensieht. A. W. 


Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 7. Nov. 1901. 

1. Dr. Sch aber t hält seinen angekündigten Vortrag: 
«Zur CasuUtik der Nierencysten». 

Nach einem kurzen Ueberblick über die der Niere über¬ 
haupt angehörenden Cysteuformen, wendet Vortragender sich 
den multiplen und solitären Cysten bei interstitieller Nephri¬ 
tis und seniler Atrophie zu. Seiner Erfahrung nach neigen 
die Cysten bei seniler nnd arteriosclerotischer Atrophie mehr 
dazu grösser zn werden, als die bei interstitieller Nephritis. 
Gänseeigrosse und grössere Cysten können bei seniler Atro¬ 
phie Vorkommen. Zweitens stehe die Grösse dieser Cysten im 
umgekehrten Veihältniss zn ihrer Zahl, so dass die grössten 
fast solitär auttreten. Dieser Typus, der mehr einzeln auf¬ 
tretenden, dafür aber zu einer gewissen Grösse anwachsenden 
Cysten sei mehr der senilen Atrophie, als der interstitiellen 
Nephritis eigen. Vortragender demonstrirt eine solitäre Cyste 
von 450 ccm. Inhalt einer, ihrem makroskopischen und histo¬ 
logischen Charakter nach, der senilen Atrophie angehörenden 
Niere und knüpft daran die Frage, ob solche Cysten, die ge¬ 
genüber den übrigen Formen der Nierencysten (polycystische 
Degeneration uud pararenale Cysten, Echinococcen etc.) 
immerhin als «kleine» Cysten angesehen werden können, kli¬ 
nische Bedeutung haben oder doch wenigstens als Tumoren 
imponirten, deren Nachweis durch Palpation möglich sei ? 
Diese Frage müsse er bejahen, selbst für Cysten, die viel 
kleiner seien, als die demonstrii te. — Im Febr. 1900 wurde 
Vortragender von einem älteren Herrn consnltirt, dessen Be¬ 
schwerden auf ein Blasencarcinom hinwiesen. Nach 3 Monaten 
klagte der Pat. über Schmerzen in der rechten Seite und ge¬ 
lang es durch Palpation einen wallnussgrossen Tumor am 
unteren Pol der rechten Niere nachzuweisen. Bei der hoff¬ 
nungslosen Lage des Patienten erschien eine explorative 
Freilegung der Niere statthaft und fand sich bei der von Dr. 
A. v. Bergmann ausgefülirten Operation eine dem Palpa- 
tionsbefnnde entsprechende Cyste der Nierensubstanz. Tod 
mehrere Tage nach der Operation. Section : Normale Niere, 
senil atrophisch, orangengrosse solitäre Cyste der r. Niere, 
Blasenfunduscarcinom. — Casuistische Beläge für diagnosti- 
cirte resp. erst bei der Operation gefundene Cysten enthalte 
die Literatur — abgesehen von den Fällen polycystischer De¬ 
generation (cf. Israel. Klinik der Niereokrankheiten, Berlin 
1901) — nur sehr spärlich. Ihm seien nur 2 Publicatlonen 
bekannt geworden: Sljainer (Wiener klin. Wochenschr. 1890 
Nr. 35) uud Tuffier (Comptes-Rendus du VII. Congres inter¬ 
national Vol. V, pag. 281); da nun gerade diese Cysten bei 


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seniler and arterioscl. Atrophie an sich keine Seltenheiten 
seien, so müsste auf sie besonders bingewiesen werden, denn 
zweifelsohne werden sie häufiger als bisher eine diagnostische 
resp. klinische Bedeutung erlangen, wenn man erst mit dem 
Vorurtheil gebrochen har, dass dieselben nur anatomisches 
Interesse haben. Sie haben in soweit anch ein klinisches 
Interesse, als sie gelegentlich dem Nachweis durch Palpation 
zugänglich sind, wobei sie als vieldeatige Tumoren imponiren. 

(Autoreferat). 

2. Dr. M e y hält seinen angeköndigten Vortrag : Ueber die 
«Erste ärztliche Studienreise in die deut¬ 
schen Nordseebäder». (Erscheint im Druck). 

Dr. En Ile wendet gegen Dr. M e y s Behauptung, das 
Wasser, als schlechter Wärmeleiter, behalte die ihm zuge- 
itthrte Wärmemenge länger zurück, als der Erdboden, ein, 
duBs nicht das schlechte Leitangsvermögen, sondern die 
grosse Wärmecapacität des Wassers hierbei in Betracht 
komme. 

Dr. Bertels bemerkt dazu, dass Dr. Meys Ausdrucks¬ 
weise insofern berechtigt sei, als grosse Wärmecapacität mit 
schlechtem Leitungsvennögen Zusammenfalle. 

Dr. Wolferz Ir Es liege nahe, bei Erörterung der für 
die Nordseebäder geltenden Indicationen zn fragen, wie weit 
sich dieselben auf unsere ßigaschen Strandorte übertragen 
lassen. Redner glaube, dass man hier bedeutende Einschrän¬ 
kungen werde machen müssen. Trotzdem wir einen in man¬ 
cher Beziehung idealen Strand besitzen, dessen hohe Dünen 
einen Schatz vor den Seewinden gewähre, so dass zur Aahin 
nahezu reines Landklima zu finden sei, — so sei es doch 
sicher, dass nicht Jedermann den Straudaufenthalt gut ver¬ 
trage. Auf erethische Constitutionen z. B. wirke er i m 
Sommer entschieden schlecht ein, was vielleicht auf dem 
im Sommer sehr hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft, beruhen 
könne: teuchte Luft sei ein besserer Wärmeleiter, als trockene 
und in Folge dessen werde dem Körper bei fenchter Luft viel 
Wärme entzogen. - Im Winter dagegen könne man J e - 
dem den Strandaufenihalt empfehlen. Die Luft sei eine 
ungemein reine, wie die schöuen Fernsichten, die man dann 
oft habe, zeigen. Diese Reinheit beruhe wohl, abgesehen von 
der Staubfreiheit, auf der im Winter geringen Anzahl von 
Feuer8tellen. Für gute Verpflegung sei jetzt auch im Winter 
ausreichend gesorgt. 

Dr. Denbner wendet sich gegen die weitverbreitete An¬ 
sicht, dass anämische Zustände eine Contraindication gegen 
unsere Strandorte bilden. Die Insassen der A s se r n’schen 
Feriencolonle seien fast alle mehr oder weniger anämisch uud 
doch zeigen die Gewichtsverhältnisse und die Besserung der 
Gesichtsfarbe den guten Erfolg des Strandaufenthaltes. 

Dr. W o 1 f e r z I weist darauf hin, dass sämmtliche Kinder 
der Feriencolonie armen Familien entstammen, zu Hause in 
durchaus nnhygienischen Verhältnissen leben und, dass die 
auskömmliche Ernährung allein schon hinreichend sei, um die 
Erfolge der Feriencolonie zn erklären. Dagegen müsse Redner 
daran festhalten, dass man meist Misserfolge habe, wenn man 
anämische Kinder aus gut situirten Kreisen, bei weichender 
Unterschied in der Art der Ernährung fortfällt, im Sommer 
an den Strand schickt. 

Dr. Rulle hat im Sommer und Winter bei den verschie¬ 
densten Constitutionen gute Erfahrungen gemacht, es komme 
nur darauf an, dass die Patienten ihren Wohnort in einer 
Nadelholzumgebnng wählen. Thun sie dies, so ist der Erfolg 
immer ein guter, während man dicht daneben, wo Laubholz 
vorherrsche und die freie Lnftbewegung verhindert, Misser¬ 
folge zu verzeichnen hat. 

Dr. v. Rim sc ha bat auch die Erfahrung gemacht, dass 
anämische Kinder aus gut situirten Kreisen am Strande blass 
und elend werden, doch höre man hierüber von Seiten ver¬ 
schiedener Collegen sehr widersprechende Urtheile. 

Dr. Hach kann nicht zugeben, dass unser Strand für 
anämische Kinder überhaupt nicht passe; sei der Appetit bei 
ihnen gut, oder hebe er sich am Strande, so erholen sie sich 
oft gut. — Mit den Nordseebädern habe unser Strand wenig 
Gemeinsames. Waldungen existiren dort garnicht, — die 
von Dr. M e y erwähnten Anlagen in Norderney beschränken 
sich auf einige Teppicbbeete, von Bäumen seien dort nur 
spärliche Weiden vorhanden. Der Salzgehalt der Luft sei so 
enorm, dass man schon nach kurzem Anfenthalt einen inten¬ 
siven Salzgeschmack auf den Lippen spüre. — Sehr ent¬ 
wickelt sei in Helgoland und Norderney das Leben am 
Strande, beinahe den ganzen Tag halte man sich in der Nähe 
des Meeres auf, in Hütten, welche nach der einen Seite hin 
offen seien und je nach dem Winde gekehrt werden. 

Dr. M e y schliesst sich in Bezug auf die Erfolge in der 
Feriencolonie Dr. Wolferz an. 

In Bezug auf scheinbare Erfolge bei Kindern, welche am 
Strande sonst unter gleichen Verhältnissen leben, wie in der 
Stadt, erinnert Redner daran, dass man nicht selten Gelegen¬ 
heit habe. Kinder zu beobachten, welche jahrelang, allen 
therapeutischen Bestrebungen zum Trotz, schwächlich uud 


elend bleiben und dann plötzlich, ohne jede Therapie, an- 
fangen aufznblüben. 

Dr. Wolferz I: Es müsse wohl individuelle Reactions- 
arten geben, welche es erklären, dass man in zwei schein¬ 
bar ganz gleichen Fällen von derselben therapeutischen Mass¬ 
nahme das eine Mal einen Erfolg sehe, das andere Mal nicht. 

ln Bezug auf die differente Wirkung unseres Strandes auf 
anätnische Kinder bemerkt Redner noch, dass letztere daselbst 
nach seinen Erfahrungen, in einem heissen Sommer recht gut 
gedeihen können; anch sei es nicht gleichgültig, ob sie an 
einer trockenen oder feuchten Stelle wohnen. 

Auf eine dahinzielende Anfrage Dr. Bosse’s giebt Dr. 
M e y an, dass man in Cuxhaven und Borkum auch im Winter 
Unterkommen finde, in den übrigen Nordseebädern dagegen 
nur im Sommer. 

Dr. M. Scbönfeldt: Wenn Dr. M e y ganz allgemein 
die Nenrasthenie als geeignet für die Behandlung in den 
Nordseebädern hingestellt habe, so müsse Redner hiergegen 
Einsprache erheben. Auch abgesehen vom «labilen Herzen», 
gebe es zahlreiche Fälle von Neurasthenie, oder allgemeiner 
ausgedrfickt von Neurose, die sich an der See verschlechtern 
wo Hartnäckige Schlaflosigkeit sich steigert, sich Kopfschmerz 
und Appetitlosigkeit einstelle, auch ohne gleichzeitige Anämie- 
Redner habe wiederholt die Beobachtung gemacht, dass bei 
hochgradigen Neurasthenikern, welche gegen seinen Rath 
kalte Seebäder genommen hätten, eine Verschlimmerung ein¬ 
getreten sei: habe er sie dann aufs Land geschickt, so seien 
alle ihre Beschwerden geschwunden. — Dass so viele anä¬ 
mische Kinder den Strand nicht vertragen, möge vielleicht 
daran liegen, dass sich unter ihnen viel nervöse befinden. 

Dr. v. E n ge 1 h a r d t: Es sei klar, dass das Inselklima 
der nordfriesischen Inseln ein ganz anderer therapeutischer 
Factor sein müsse, als unser Küstenklima. Dort sei kaum 
ein Unterschied zwischen Tages- und Abendtemperatnr wahr- 
znuehmen, bei nns seien die Gegensätze in dieser Beziehung 
sehr grell. Der reine Sandboden der nordtriesischen Inseln 
sauge den Regen schnell auf, die Strassen unserer Strand¬ 
orte gleichen dagegen in regnerischer Zeit einem Sumpf, in 
trockenen dagegen werde man vom Stäube belästigt. 

Was unseren Strand anlange, so vertragen nach Redners 
Erfahrungen torpide Constitutionen denselben besser, als 
erethische; speciell sei noch hervorzuheben, dass skrophnlöse 
Kinder mit Darmkatarrh entschieden nicht an den Strand 
gehören- 

Dr. Mey hebt noch den Einfluss der Erhaltung des psychi¬ 
schen Gleichgewichtes auf den Erfolg der Cur hervor. Fs sei 
von grosser Wichtigkeit, dass ein Kind sich in geeigneter 
Gesellschaft befinde, zu Spielen im Freien angeregt werde etc. 

Der stellv. Präses. Dr. V. v. H o 1 s t constatiert das Wider¬ 
sprechende der Anschauungen Uber die Indicationen für un¬ 
seren Strand und spricht den Wunsch aus, dass eines der 
Mitglieder dieses Thema zum Gegenstand einer gründlichen 
Bearbeitung und eines Vortrages in unserer Gesellschaft 
machen möge’ 

3. Dr- v. Sengbusch thrilt mit dass er einmedico- 
mechanisches Institut (System Zander) eröffnet hat 
und fordert die Collegen zur Besichtigung desselben auf. 

d. Z. Secretär: Dr. Bertels. 


Auszug aus den Protokollen 

der Gesellschaft pract. Aerzte zu Libau. 

Sitzung vom 2. November. 

1. D r. Waeber stellt eine Frau von 48 Jahren mit einem 
stark narbigen, an überstandene Variola erinnernden Gesicht 
vor. Nach Angabe der Patientin, die seit 10 Jahren an dieser 
sie sehr belästigenden und entstellenden Krankheit leidet, 
treten einzelnstehende Knötchen oder Pusteln auf, die sehr 
schnell zu einem kleinen branngelben Schorf eintrockneu, der 
nach einiger Zeit abfällt und eine stark vettiefte Narbe zu- 
rücklässt. Dr. W. dachte Anfangs an Lupus vulgaris, nimmt 
aber nachträglich eine schwere Acneform an. 

Dr. Goldberg spricht sich für Lupus vulgaris ans. 

Dr. Prissmann hält das Krankheitsbild für einen typi¬ 
schen Fall von der nicht geiade übeimässig häufig vorkora- 
menden Acne varioliformis. Auch der relativ günstige Erfolg 
des Arsens spricht für die Diagnose. 

2. Dr, Friedberg demonstrirt eine Frau von 35 Jahren 
mit einem ungewöhnlichen Exanthem; auf dem beliaaiten 
Kopf, den Oberextremitäten, der Brust, speciell den Brustwar¬ 
zen und dem Rücken, in der Lokalisation entfernt an eine 
Gürtelrose erinnernd, finden sich vereinzelt stehende Knötchen. 
Vor einigen Monaten hat Patientin an einer sehr heftigen 
Trigeininnsneuralgie gelitten, worauf nach etwa 14 Tagen das 
erste Knötchen oberhalb der rechten Anrc .braue zum Vor- 


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schein kam. Die Knötchen, die Anfangs stecknadelkopfgross 
sind und bis zur Nussgrösse heran wachsen, flachen sich bald 
ab, wobei es zur oberflächlichen Abschuppung kommt. Diesel¬ 
ben jucken nicht, sind jedoch bei Berührung Intensiv schmerz¬ 
haft. Patientin ist in den letzten Wochen stark ergraut. 
Der behaarte Kopf und die Brustwarzen weisen zur Zeit die 
grössten Efllorescenzen auf. Die der Untersuchung leicht zu¬ 
gänglichen Nerven sind auf Druck sehr schmerzhaft. 

Bis anf 3 Aborte kein Verdacht auf Lues. Mässige Dosen 
Jodkali blieben erfolglos. Dr. Friedberg lässt die Diag¬ 
nose offen. 

Dr. Prissmann nimmt mit grösster Reserve ein auf 
nervöser Basis entstandenes Hautleideu an: er meint, es 
könnte sich vielleicht um eine Abart einer Herpesform han¬ 
deln, wie sie nach schweren Neuralgien nicht selten vorzu¬ 
kommen pflegen, weun auch das Aussehen des Exanthems 
etwas ungewöhnlich ist. In Anbetracht der 3 Aborte und der 
speciell anf dem behaarten Kopfe immerhin verdächtigen 
Knötchen will Pr. Lues nicht mit absoluter Sicherheit ans- 
schliessen und empfiehlt eine energische Probecur mit grossen 
Dosen Jodkali. 

3. Dr. Kiwitzky hält seinen angekündigten Vortrag 
«über die Lichtbehandlung nach Finsen». (Ein Antoreferat war 
nicht zu erlangen). 

Sitzung vom 6. Decomber. 

1. Dr. Jagdhold demonstrirt einen 40 Jahre alten Mau¬ 
rer mit einem kreisrunden, über silberrubelgrossen gangrae- 
nösen Geschwür am untern Drittel des Sternnms. Aetiologie 
nicht zn eruiren, es sei denn Jahrzehnte alte Lues. 

Dr. Michelson nimmt, gestützt auf die Anamnese, ein 
dnrcb Vernachlässigung gangraenös gewordenes gummöses 
Geschwür an. 

Dr. Mauring: dieses Geschwür ist wie ein vulgäres 
Panaritium einfach durch Unsauberkett entstanden, das kleine 
Kratzwundchen ist mit Staphylococcen geimpft worden, durch 
weitere Vernachlässigung trat Gangraene hinzu. Therapeutisch 
empfiehlt Dr. M. 3 pOt. Wasserstoffsuperoxyd. 

Dr. Goldberg schlägt eine orientirende Sondirung vor, 
da er Verdacht auf eine Knochenaffection hat. 

2. Dr. Michelson referirt über einen ihm freundlichst 
von Dr. Graudan überwiesenen Fall von Inversio Uteri. 

• Patientin, Erstgebärende, 22 Jahre alt, hat am 17. Juli 
ohne Kunsthilfe geboren. Die Nachgeburt folgte erst nach 
mehrfachen Manipulationen von Seiten der Hebamme. Als 
Patientin am 6. Tage des Wochenbetts aufstand, bemerkte sie 
das Hervortreten eines Stückes aus der Scheide, dabei trat 
eine recht beträchtliche Blutung ein, so dass Patientin bei¬ 
nahe ohnmächtig wurde. Die Hebamme versuchte das Stück 
zurückznbringen, was ihr auch theilweise gelang. Die consul- 
tirten Aerzte leiteten die Behandlung mit dem Kolpeurynter, 
dann mit Jodoformgaze-Tampouade ein, jedoch ohne merklichen 
Erfolg. Die Blutungen sistirten zwar, die Inversio blieb 
jedoch bestehen. 

Bei der vom Referenten und Dr. Graudan Ende Novem¬ 
ber vorgenommenen Untersuchung der höchst anämischen, 
sehr elend aussehenden Frau kam beim Auseinanderfalten der 
Labien ein apfelgrosser, dunkelrother Tumor mit leicht bluten¬ 
der Schleimhaut zum Vorschein. Derselbe geht in die Mntter- 
mnndslippen über, ans denen er quasi hindurchgeschlüpft ist. 
Die äassere Hand fühlt deutlich die Delle an Stelle des feh¬ 
lenden Corpus uteri. Diagnose: Inversio uteri chronica, 
II. Grades. Therapeutisch war nach Möglichkeit jeder blutige 
Eingriff bei der fast ganz ausgebluteten Patienten zu ver¬ 
meiden. Der erste manneile Repositionsversuch blieb resul¬ 
tatlos, die monatelangen Circnlatiousstörungen hatten durch 
Bindegewebsbildungen zu starke Veiänderungen geschaffen. 
Bei dem in tiefer Narcose der Frau vorgenommenen zweiten 
Repositionsversnch wurden an den Lippen des Uterus Haken¬ 
zangen, 2—4, je nach der Gewalt, die angewandt werden 
musste, angesetzt. Während die Zaugen vom assistirenden 
Collegen stark angezogen wurden, suchte Referent an der 
Stelle des stärksten Zuges das Corpus nach oben zu drängen. 
Allmählich gelang es, den Trichter zu erweitern und zu ent¬ 
spannen, immer wieder Hess sich ein Stückchen des Tumors 
hinanfschieben und nach langer Anstrengung gelang es dann 
auf diese Weise, mit Hilfe der stets an Stelle des Druckes 
angelegten Hakenzangen, die Inversion zu beseitigen. Der 
Erfolg war ein vollständiger: die Frau erholte sich vortreff¬ 
lich, Blutungen kamen nicht mehr vor, der Uterus war 
bei später vorgenommenen Coutrolluntersuchungen in nor¬ 
maler Lage. 

3. Auf Wunsch der Anwesenden theilt D r. P riss mann 
das Untersuchungsresultat der durch den Fall Arris verur¬ 
sachten officiellen «Lepracommission» mit (conf. Sitzung vom 
5. October Punct 1., p.). Dieselbe tagte auf Veranlassung des 
örtlichen Polizeimeisters unter dem Präsidium von Prof. 
Zoege-Manteuffell —Dorpat im ambulatorischen Kranken¬ 
hanse des «Rothen Kreuzes». Nach eingehender Untersuchung 
stellte Prof. Zoege fest, dass es sich zweifellos um einen Fall 


von Lepra maculo-anaesthetica bandle: weder Syringomyelie 
noch weniger die Raynandsche Krankheit kämen ernstlich in 
Frage. Die immerhin entfernte Aehnlichkeit. mit dem Krank¬ 
heitsbilde der Syringomyelie erklärt Prof. Zoege durch den 
Sitz einzelner Lepraknoten im Rückenmarke. 

4. Dr. 0. Waeber referirt über ein°n Fall von Heilbe¬ 
handlung. Patient, ein 32-iähriger den bessern Ständon an- 
gehöriger Mann war vom Referenten wegen Lnngentnberculose 
(Iuitialstadium post pleuritidem, sehr reichhaltiger Bacillenbe¬ 
befand, erhöhte Abendtemperaturen, bedeutende Gewichtsab¬ 
nahme, klein- und grosblassige Rasselgeräusche über einer 
fast handgrossen Fläche am obern Winkel der linken Scapnla) 
im Herbst 1899 nach Davos zur Cur geschickt worden. Im 
April 1900 kehrte Patient sehr wesentlich gebessert oder viel¬ 
mehr scheinbar ganz gesund in die Heimath zurück. Bacillen 
geschwunden, normale Temperaturen, 9 Kilo Gewichtszunahme, 
kein Husten, kein Auswurf, ganz leichte catarrhalische Ge¬ 
räusche an der oben angegebenen Stelle Im October dessel¬ 
ben Jahres trat in Folge einer Erkältung eine wesentliche 
Verschlechterung ein. Subjectiv und objectiv stellten sich die 
früheren Symptome, wenn auch in etwas geringerem Grade 
ein. Da eine abermalige Reise nach Davos ausgeschlossen 
war, so schritt Referent bei gleichzeitiger Berücksichtigung 
aller sonstigen hygienischen Vorschriften zu der in Davos mit 
so gutem Erfolge vorgenommenen Heilbehandlung nach 
Länderer. Die Anwendung geschah in Dosirnng und 
Methode genau nach Länderers Vorschrift. («Die Heilbe¬ 
handlung der Tuberculose»). Patient erhielt im Laufe der 
Behandlung mit einer 4wöchentllichen Pause 62 intravenöse 
injectionen in die Venen der linken Ellenbogenbeuge, begin¬ 
nend mit einer Dosis von 0,001 ansteigend bis auf 0.025, 
3 Mal wöchentlich eine Einspritzung, anfänglich nm je 0,001. 
späterhin um je 0,002 pro dosi steigernd, so dass die von 
Länderer angegebene Maximaldosis von 0,025 bereits bei 
der lB.Injection erreicht war and alsdann41 Mal applicirt wurde. 
Weder local, noch allgemein traten die geringsten unliebsamen 
Reactionserscheinungen auf, trotzdem Patient während der 
ganzen Zeit seinem Berufe nachging. Die InjectionsflÜsslg- 
keit wurde jedes Mal sterilisirt und warm injicirt, die Glas¬ 
spritze, in Alcohol aufbewahrt, wurde vor dem Gebrauch aus- 

f ekocht. die Ellenbogenbeuge mit Aether abgerieben und 
ann eine Gummibinde um den Oberarm gelegt. Technisch 
bieten die Injectionen keiue besoudere Schwierigkeiten dar. 
Vor dem Injiciren muss man sich nach Möglichkeit davon 
überzeugen, ob man auch mit der Spitze der Spritze im Lu¬ 
men der Vene drin ist oder nicht; gelangt die Flüssigkeit 
irrthümlich in das subcutane Gewebe, so ist das einzig Un¬ 
bequeme für den Patienten dabei ein mehrere Stunden an¬ 
haltender Schmerz. Nach 4—6 Standen kann Patient die 
zum Verbände gebrauchten sterilisirten Marlybinden und 
Watte sich selbst entfernen. Der Erfolg der Cur war ein 
durchaus befriedigender: die Temperaturerhöhungen fielen 
sehr bald ab, Appetit und Allgemeinbefinden wurden gut, die 
Anaemie verlor sieb. Husten und sehr spärlicher Auswurf 
hielten sich am längsten und verloren sich erst gegen Ende 
der Cur. Ebenso verhielt es sich mit den Tuberkelbacillen : 
Anfangs schwanden sie ziemlich langsam, um erst am Schluss 
der Cur rasch und stetig abzunehmen. Später vorgenommene 
zaklieiche mikroskopische Untersuchungen ergaben stets ein 
negatives Resultat. Sogar die objectiven Lungensymptoine 
verloren sich allmählich, im April 1901 wurde Patient als ge¬ 
heilt aus der Behandlung entlassen, nachdem er ein paar 
Monate vorher einen Influenza Anfall glücklich Überstunden 
hatte, ohne die geringste Verschlimmerung oder Schädigung 
davonzutragen Nach den Erfahrungen, die man sonst mit 
Influenza bei der Tuberculose macht, dürfte der Schluss voll 
gestattet sein, dass der Erfolg der Cur ein wirklich befriedi¬ 
gender und nachhaltiger ist. Soweit ein einzelner Fall 
überhaupt die Empfehlung einer Behandlungsmethode 
rechtfertigt, glaubt Referent, die Heilbehandlung bei Tnber- 
culose den Libaner Collegen zur weiteren Nachprüfung bestens 
empfehlen zu können. 

D r. M a u r i n g: in jüngster Zeit ist im Pasteur sehen 
Institut in Paris diese Behandlungsmethode experimentell ge¬ 
prüft worden, das Resultat ist fast durchweg negativ ausge¬ 
fallen. 

Dr. Goldberg: sowohl auf dem Berliner Congress für 
Tuberculose, als auch auf dem internationalen Congress in 
Moskau hat man von Länderers Methode ganz abgesehen. 
Besserungen und Verschlimmerungen im Verlaufe der Phthise 
kommen häufig genug ohne Beeinflussung irgend einer Be¬ 
handlungsmethode vor. 

Dr. Jagdhold will in 4 einschlägigen Fällen mit Hetol 
besten Erfolg gehabt haben, in einem Falle sollen sogar die 
Bacillen in kurzer Zeit nachweisbar geschwunden sein. 

z. Z. Secretär D r. 8. P r i s s m a n n. 


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Vermischtes. 


— Am 9. Januar fand io Gegenwart Ihrer Majestäten des 
K a i s e r 8 und der Kaiserinnen Maria Feodorow- 
n a und A-Jexandra Feodorowna die Einweihuug 
des neuen Gebäudes der Klinik für Nasen-, 
Ohren- und Kehlkopf-Kran kl» eiten statt. Nach 
dem Gottesdienste gab der Leiter dieser Klinik Prof. Dr. 
S s i ra a n o w s k i eine Skizze von der ^Entstehung und der 
Ausführung des Neubaues der Klinik, welche alleu Anforde¬ 
rungen der Neuzeit entspricht und mit den neuesten Appa¬ 
raten und Vorrichtungen versehen ist. Im ersten Stockwerk 
befinden sich die Hörsäie und die Ambnlanzzimmer und im 
oberen Stock die Krankenräume für Officiere und Unter¬ 
militärs. 

— Am Schlüsse des vorigen Jahres beging der ältere Or- 
dinator des^Obuchow-Hospitals Dr. E. Dreypölcher das 
30 j ähr i g ej J u b i 1-ä u m seiner ärztlichen Thä- 
t i g k e i t. 

— Die Omsker, Medicinische Gesellschaft hat 
den Kriessminister General Kuropatkin und den Gehilfen 
des Ober-Militär-Medicinalinspectors Geheimraih Dr._Spe> 
r a n 8 k i ü Ehrenmitgliedern gewählt. 

— Der Professor der Physiologie an der Militär-Medicini- 
scheu Akademie Dr. I. P. Pawlow ist znm correspon- 
direnden Mitglied der Akademie der Wissen¬ 
schaften gewählt worden. 

— Der Prosector beim Lehrstuhl der operativen'Chirurgie 
an der. Militär-Medicinischen Akademie, Privatdocent Dr. S. 
Kalantarianz, ist nach Ausdienung der ^gesetzlichen 
Frist auf weitere 5.Jahre im Amte deV.Prosec- 
t o r s b e l'a.s sje n"worden. 

— Zum Stadthaupt von Tomsk ist "der Jdortige Arzt 
Dr. Alexander Makuschin gewählt worden. 

— An der Kiewer Universität haben sich die DDr. 
N. T r o f i m’o w und JW. Sselezki als Privatd oce n - 
ten habi 1 i t i r t,* ersterer fiir Nasen-," Ohren- und Kehl¬ 
kopfkrankheiten, letzterer für Nerven- iund Geisteskrank¬ 
heiten. 

— Znm Präsidenten der Gesellschaft zur'Fürsorge’’ für 'die 
öffentliche Gesundheit in Helsingfors ist t)r. 0- H^eickjel 
und zum Vicepräsidenten Prof. W. S u k s d o r f 'gewählt 
worden. 

(Finl. Gaseta. — ß. Wr.) 

— Verstorben: 1) Am 10. Januar in Moskau Tn ach 
längerer schwerer Krankheit der Professor der Psychiatrie 
und Neurologie, wirkl. Staatsrath Dr. A. Koshewnikow 
im 66. Lebensjahre. Der Hingeschieiene hatte seine medici- 
nische Ausbildung au der Moskauer Universität erhalten, 
welche er 1858 mit dem Arztgrade absolvirte. Nach Erlan¬ 
gung der Doctorwürde im Jahre 1860 war K. 2 Jahre Assis¬ 
tent der tlierapentischen^Hospitalklinik und wurde dann zur 
weiteren Vervollkommnung ins Ausland abcommandirt. 1869 
erhielt er den neucreirten’Lehrstuhl fiir Nerven und Geistes¬ 
krankheiten und wurde mit der Leitung der Abtheilung für 
Nervenkrankheiten am Neuen Katharinen-Hospital betrant. 
1890 giiindete er in Moskau die Gesellschaft der Laryngo- 
logen und Psychiater, deren Präsident er bis zu seinem Le¬ 
bensende war. — 2) In Odessa an 11. Januar 1 der kältere Or- 
dinator am Militärbospital Dr. Nikolai C h l.o p i n am 
Flecktyphus im 40. Lebensjahre. Der Verstorbene war eiu 
Schüler der Militär-Medicinischen Akademie und gehörte zu 
den populärsten Aerzten Odessas. — 3) In Kiew am 11. Ja¬ 
nuar der in Konotop ansässige Arzt der Woronesh-Kiewer 
Eisenbahn Dr. VV j e t r o w im 52. Lebensjahre. Er war wäh¬ 
rend seines zufälligen Aufenthalts in Kiew von einem vor 
seinen Verfolgern sich flüchtenden Diebe überrannt worden 
und dabei so unglücklich zu Falle gekommen, dass er be¬ 
wusstlos in sein Hotel gebracht werden musste, wo er auch 
nacli 3 Tagen starb, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu 
haben. Die ärztliche Praxis hat W. seit 1876 ausgeübt. — 
4) In München am 22. Januar n. St. der berühmte Kliniker 
und huchangesehene medicinische Schriftsteller Geheimratb 
Dr. Hugo v. Ziemssen, Director des Münchener Allge¬ 
meinen Krankenhauses und Vorstand der med. Klinik, im vor 
Kurzem vollendeten 72 Lebensjahre. Einen ausführlicheren 
Nekrolog bringen wir in der nächsten Nummer. 

— Zum Oberarzt^ des Odessa sehen Militär- 
Hospitals ist der Consnitant des Militärhospitals in Nowo- 
georgiewsk, Staatsrath Dr. VVosnessenski ernannt 
worden. 

—*Dor \.Gonvernements*Medicinalinspector von Siedlce, 
wirkl. Staatsrath Dr. Maljuscbizki. ist auf sein Gesuch 
wegen Krankheit verabschiedet worden. 


— Zum stellv. Oberarzt des Gouveroemeots- 
Landschaftshospitals in Petrosawodsk ist der 
dim. Staatsrath Dr. Rjasanzew ernannt wordeu. 

— Der Arzt A. E. N a u in a n n ist als e t a t m ä s s i g e r 
Ordinator an der Klinik für Nerven - und Gei¬ 
steskrankheiten der Warschauer Univer¬ 
sität. angestellt worden. 

— Wie verlautet, müssen, einer neuerdings erlassenen Ver¬ 
fügung zufolge, alle Studenten der Militär-Medi- 
ciuischen Akademie beim Uebergange aus dem 1. in 
den 2. Cursus eine Lagerübung bei den Truppen 
mit machen, um sich mit dem Dienst beim Heere vertraut zu 
machen. Diese Verfügung soll von diesem Jahre ab versuchs¬ 
weise 5 Jahre in Geltung bleiben- 

— Bekanntlich haben die ausser etatmässigea 
Aerzte bei den Hospitälern dieselben Dienstpflich- 
ren und die gleiche Arbeit wie die etatmässigen Aerzte, ohne 
jedoch eine Remuneration für ihre Arbeit zu erhalten. Diese 
unentgeltliche Arbeit müssen sie meist 5—10 Jahre leisten, 
bis sie in eine etatmässige Stellung gelangen. Ja, es hat 
Fälle gegeben, ln denen Aerzte bei täglicher schwerer Ar¬ 
beit bei solchen ungagirten Stellen bis 20 Jahre geblieben 
sind, — also fast bis zur Ansdienung der halben Pension, die 
sie aber nicht erhielten, da sie bei den Hospitälern ohne Ge¬ 
halt angestellt waren. Es ist daher erfreulich, dass der 
Medicinalinspector des Ressorts der Anstalten der Kaiserin 
Maria, Leibchirnrg Dr. E. Pawlow die Initiative er¬ 
griffen hat, um diese unhaltbaren Verhältnisse in seinem 
Ressort abzuschaffen. Auf seine Verwendung ist denn auch 
für die ausseretatmässigen Aerzte der Moskauer Krankenan¬ 
stalten des Ressorts der Kaiserin Maria ein Jahresgehalt 
von 700 Rbl. bewilligt worden. 

— Als C a n d i d a t e n für den erledigten Lehr¬ 
stuhl der pathologischen Anatomie an der 
Militär-Medicinischen Akademie haben sich ge¬ 
meldet: der Professor der Universität Jurjew W. A. Afa- 
nasjew.der Professor des hiesigen Klinischen Instituts 
der Grossfürstin Helene Pawlowna N. W. Petrow, 
die Privatdocenten der Militär-Medicinischen Akademie A. I. 
Moissejew und F I. Tschistowitscb, sowie die 
DDr. I. P. K o r o w i u und A. A. M a x i m o w. 

(Rossija. — R. Wr.) 

— Am 10. Januar fand die Schlusssitzung des 
VIII. Congresses russischer Aerzte zum An¬ 
denken an Pirogow in Moskau statt, in welcher der 
Ehrenpräsident Prof. Dr. K a p u s ti n (Kasan) einen Vortrag 
«Ueber die hygienischen Bedingnngen des russischen Dorfes» 
hielt und Prof S 8 o 1 owj e w den Einfluss «Ueber die Fort¬ 
schritte der medicinischen Kenntnisse auf die Verringerung 
der Mortalität bei den Geburten. Auf diesem Oongress sind 
von den 25 Sectionen 75 Sitzungen abgehalten worden, in 
denen 310 Referate verlesen und discutirt wurden. Die Zahl 
der Mitglieder betrug 1985. Der nächste Oongress 
wird im Januar 1904 in St. Petersburg stattfinden. In die 
Verwaltung der Pirogow-Gesellschaft sind, 
an Stelle der ansgeschiedenen Mitglieder, die Professoren 
Bobrow, Djakonow und Scherwinski, der Pri- 
vat docent A 1 ex a n d r o w und die Aerzte Ja ko wen ko 
und Ossipow und in die Re visionscoramissioa 
Professor S s 1 n i z y n und die Aerzte Lashetschn ikow , 
Michailow.Kurlcin und W erewkin gewählt wor¬ 
den. Das Organisation s-Co mit 6 des IX. Con¬ 
gresses besteht gemäss der Wahl aus den Professoren 
Schidlowski, Ssirotinin und Lnkianow, Dr. 
Troja now nnd Dr. Dmitrijew. Zu Candidatenderselben 
wurden Prof. Bechterew, Pawlow und Fenome- 
n o w gewählt. 

Auf dem in Rede stehenden Oongress ist unter Anderem 
beschlossen worden, gehörigen Ortes zu petitioniren: nm die 
Einrichtung von periodischen Repititionsc ursen an 
allen med. Facultäten für praktische Aerzte: um die Ein¬ 
richtung eines höheren Instituts für öffent¬ 
liche Hygiene in Moskau; um Anfnahme des U n - 
terrichts über Hygiene in das Lehrprogramm 
der Sch ulen: um Errichtung einer «Volks-Knroysheilan- 
stalt» im Samaraschen oder Ufaschen Gouvernement für 
lungenkranke Arbeiter; um Aufhebung des das Recht der 
Aerzte zur Anwendung der Hypnose einschränkenden Circu- 
lärs des Medicinaldepartements und a. m. Ein Antrag des 
Prof. Ott, alle Aerzte slavischer Nationalität 
als vollberechtigte Mitglieder an den Con- 
gre88en russischer Aerzte theilnehmen zu 
lassen, ist im Executivcomite auf starken Widerspruch 
ge8tossen und daher nicht angenommen worden; dagegen hat 
die Majorität beantragt, dass nicht nur Slaven, sondern auch 
alle anderen ausländischen Aerzte zu den Verhandlnngen auf 
diese Congresse als Gäste zu gelassen werden sollen und dieser 


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Antrag znm nächsten Congress durch die Verwaltung ge- 
naner ansgearbeitet werde. 

— Am 18 Januar n. St. beging der Curort Fran¬ 
zens b a d in Böhmen das 50jährige J u bilä um sei¬ 
ner Selbstständigkeit. Der Curort war nämlich von 
seiner Gründung durch Kaiser Franz 1. i. J. 1793 an bis zu 
seiner Trennung von der Stadt Eger i. J. 1852 nur eine Co- 
lonie der letztgenannten Stadt. 

— Pestnachrichten. Wie die Allerhöchst ein¬ 

gesetzte Commission zur Verhütung der Pest 
mittheilt, ist die Stadt Smyrna seit dem 6. Januar und die 
Stadt Bagdad seit dem 11. Januar für von der Pest 
i n f i c i r t erklärt wordeu. Bf. 

— Die Gesammtzahi derKranken in den civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrng am 5. Jan. 
d. J 8584 (280 mehr als in d. Vovw.). darunter 580 Typhus — 
(42wen.), 674 Syphilis —(66 mehr), 312 Scharlach — (11 mehr), 
140 Diphtherie — (11 mehr), 41 Masern — (3 wen ) nnd 17 
Pockenkranke — (2 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 30. Dec. 1901. bis 5. Jan. 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 

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68 

73 

80 

52 

46 

38 

16 

3 


2) nach den Todesursachen: 

Typh. exantli. 0, Typh. abd. 27, Febris recurrens 0, Typhös 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 2, Masern 22, Scharlach 15, 
Diphtherie 31, Croup 2, Kenchhnsten 1, Cronpöae Lungen¬ 
entzündung 34, Erysipelas 9, Grippe 6, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrhen* 
mati8mus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0, Pyämie und Septicaemie 9, 
Tuberculose der Lungen 91, Tubercnlose anderer Organe 14, 
Alkoholisraus und Delirium tremens 8. Lebensschwäche and 
Atrophia infantum 49, Marasmus senilis 28, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 51, Todtgeborene 43. 

Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 22. Januar 1902. 

Tagesordnung: 1) Schultz: Welche Fingerzeige für 
die Behandlung der Gonorrhoe des 
Weibes geben uns einige Thatsachen 
aus des Biologie des Gonococcus und 
das Verhalten gonorrhoisch inficir- 
ter Gewebe? 

2) B a r y : Altes und Neues über die 
vormals Fre y’eche Anstalt. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. Februar 1902. 


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TaKHM-b o6pa3om nporpaMMa ra3eTbi B-b 1902 r. ÖyAerb 3aKXK>qaTb bt, ceö-fe cx-fexyiomie oTA-fe-iu: 

I. OprHHaxbHua CTaTbH no BctMi oTpacxBrn, TeopeTHMecKoh h npaKTHqecKoii mcahuhhu h conpHKaeajouiHXCH ct> Heii Haym.. 

II. BoJbHunHoo h oöinecTBOHHO-caHHTapHoe a*.io bt, Poccin ii 3a rpaHHiieft. 

III. CHCTeMaTH3iipoBaHHbie pe$epaTbi n oöosptuiiji rxaBHtimmx-b npon3BexeHiii pyccKoii h nHocTpaHHoii mcaiiuhhckoh 
xHTepaTypu. 

IV. KoppecnoHAeniUH. 

V. OmeTbi o öojibHHMHbix"b coBtiuaHinx-b no HayqHOMy OTA-fexy, o aac-feAaHinxi. MeaHmiHCKiixr oömecTB-b, o MeAumiH- 
cKHXb c-b-fe3xax-b, o AHcnyTax-b BoeHHO-MeAHUHHCKoh AnaxeMiH h MeAHUHHCKHXT. (JiaKyxbTeTOB-b HanepiH. I’aaeTa ne- 
q a t a e t t> o^ijiH uia jibHtie npoTOKOxbi aactaaHifi OßmecTBa P y c c k im, Bpaqeii, OömecTBa Boxb- 
h ii m h bi x ii Bpaqeft h OömecTBa /ttTCKHXT. Bpaqeii bt> C. - neTepöypr-fe. 

VI. KpHTRKa h ÖHÖxlorpaflilfl. 

VII. OÖoapkBie TeRymux-b coÖbiTiii MeAHiuiHCKoft >kii3hh; nexKiH cooömeHia; cnpaBOHHu» cn-hx+iniH; AamibiB o .iBimeHin 
öoxbHbix-b B-b C.-rieTepövprcKHX-b öoxbHHuax-b, cooöinaeMbi« Cnö. CTaTncTHqecKHu-b öiopo. 

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HeBCKÜ iipocn., 90— 92, Texe(})OH-b N*s 1323) h bo BC-fex-b KHHHtHux-b Mara3iiHaxT.. 

/Ijjb osHaKOMxeHia ct. ra3eToft oTA'fexbHhie jYsNs mojkho npioÖp-feTaTb no 20 K. bt, KHiDKHou-b nara3HH-fe H. H. Mopeiia. 


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Dieser As liegt ein Prospect über «Triferin» bei. 




ÄosB- neH8.Cn6., 19 flHBapa 1902 r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. JA 15. 


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xxvn Jahrgang. $ | p E f ß H s ß U H (i E ß Neue Mge x,x Jahrg 

MEDICINISCHE WOCEEBSGIRIFI 

anter der Redactlon von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). TU ff». 

Or. Rudolf Wanach. ' 

St. Petersburg. 


Oie «81. Petersburger Medieinische-Wochenschrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnamentaprfii ist In BoasUnd 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr inel. Postxustellung; in den anderen 
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für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit UtlSKop. oder 35 Pfean.—Den 
Autoren werden 25 Separatabaügeihrsr Originalartikel sugesandt.— 
R ela rate werden nach deaa äatxe voul6 Rbl. pro Bogen honorirt. 


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bittet man ansschliesslich an die Buchhandlung von E.L. Biokerin 
St.Petersburg,Newsky-Prospeet J4 14, «n richten.—Xa nmorlpte 
sowie alle anf die Redaetion bezüglichen Mittheilungon bittet man an 
den geseh&ftsfUhreuden Redacteur Dr.Budolf wanaoh In 8 (.Pe¬ 
tersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhoepital an richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch nnd Freitag von 2—3 Uhr. 


X 4 


St. Petersburg, (8. Februar) 26. Januar 


1902- 


Inhalt: Dr. L. Berthenson: Zar Frage über die Normirnug der Arbeitszeit in Bezog auf besonders schädliche Ge¬ 
werbe. — Refersite: Einige Referate ans der fetzten Jonrnalliterator. — Bücheraozeigen nnd Besprechnngen: Mit' 
theilnngen aus der Augenklinik des Caroliniscben medico-chirurgischeu Instituis zu Stockholm; herausgeg- von Prof. Dr. J. 
Widmark. — Prof. Franz Mracek (Wien): Handbuch der Hautkrankheiten. — C. Cbantemesse et W. W. Podwys- 
sotsky: Pathologie gän^rale et experimentale. — C. Beier: Die Untersuchung unserer wichtigsten Nahrungs- und Genuss- 
mittel. — U. öchuiorl: Die pathologisch-histologischen Untersuchungsraethoden. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulle¬ 
tin St. Peter8bnrgs. — Anzeigen- 


Dieser Ad liegt «Ns 1 der Revue der Russischen Medicinischen Zeitschriften » bei. 


Zur Frage Ober die Normirung der Arbeitszeit in 
Bezug auf besonders schädliche Gewerbe. 

Vortrag, gehalten in der vereinigten Sitaeng der Sectionen 
für Hygiene and wissenschaftliche Medicin des XI. Con- 
gresses russischer Naturforscher and Aerzte zu St. Peters¬ 
burg den 28. December 1901. 

Von 

Dr. L. Berthenson, 
ständigem Mitglied des Medicinalrathes. 


M. H.! Die auf den Schutz der Arbeiter vor den 
schädlichen Einflüssen der Arbeit gerichtete europäische 
Gesetzgebung zeigt in ihrer allmählichen Vervollkomm¬ 
nung und Entwickelung gewissermassen die Tendenz 
zur Specialisirung, d. h. zum Erlass von speziellen Ge¬ 
setzesbestimmungen, die den Bedingungen der einzelnen 
Gewerbe entsprechen. Nachdem in allen Cnltnrstaaten 
die Grundsteine des Arbeiterschutzgesetzes, nämlich die 
Artikel, betreffend die Nachtarbeit der Frauen und 
Minderjährigen sowie die Normen der Arbeitszeit fest¬ 
gestellt waren, begann die Schaffung von Gesetzesbe¬ 
stimmungen für die einzelnen Gewerbe. Zuerst richtete 
di« westeuropäische Gesetzgebung ihr Augenmerk auf 
die Bergwerkindustrie und das Eisenbahnwesen als die¬ 
jenigen Beschäftigungen, welche die grössten, soznsagen 
in die Augen springenden Gefahren für das Leben nnd 
die Gesundheit der Arbeiter bieten, später fing sie an, 
allmählich die anderen mehr oder weniger schädlichen 
Gewerbe in ihren Kreis zu ziehen. Unter dem Druck 
von Sozialpolitiken), die auf Grund von ärztlichen Gut¬ 
achten und Berichten von Fabrik9inspectoren ohne Un¬ 
terlass überzeugende Daten über den schädlichen Ein¬ 
fluss gewisser Gewerbe (Phosphorvergiftung bei der 
Zündhölzchenfabrication, Quecksilbervergiftnng bei der 
Spiegelfabrication, Bleivergiftung bei verschiedenen Ge¬ 
werben etc.) veröffentlichten, wurden zuerst in der 
Schweiz, darauf in England, später in Frankreich nnd 
Deutschland specielle Gesetzesbestimmungen zum Schutze 
der Arbeiter erlassen. 


Unter den speciellen Gesetzen, welche die Arbeit bei 
verschiedenen schädlichen Gewerben regeln, nimmt das 
Schweizer Gesetz (vom 25. Juni J881) eine besondere 
and hervorragende Stelle ein, indem es bisher in Eu¬ 
ropa das einzige ist, welches bestimmt, dass bei beson¬ 
ders schädlichen Gewerben, welche zur Entstehung von 
schweren Erkrankungen führen können, das Princip der 
Verantwortlichkeit der Arbeitgeber bei Unfällen ange¬ 
wandt werden muss. In allen Fällen von Erkrankung, 
wo bewiesen werden kann, dass dieselbe unter dem 
Einfluss des schädlichen Gewerbes entstanden ist, ist der 
Arbeitgeber civil rechtlich für die Gesuudheitssohädigung 
verantwortlich und muss für den materiellen Nachtheil 
und Verlast des Arbeiters aufkommen. 

Als unbedingt schädlich und als solche, welche be¬ 
stimmte und gefährliche Erkrankungen veranlassen kön¬ 
nen, gelten nach Bestimmung des Schweizer Bundes- 
rathes (vom 19. December 1887) diejenigen Gewerbe, 
bei weichen folgende Substanzen fabricirt oder ange¬ 
wandt werden : Blei und dessen Verbindungen — Blei¬ 
glätte, Bleiweiss, Mennige, Bleizucker und andere — 
sowie Legierungen (Letternmetall), Quecksilber und 
dessen Verbindungen (Sublimat u. a.), Arsen und dessen 
Verbindungen (Arsensäure, arsenige Säure u. a.), Phos¬ 
phor (gelber); Gase, die für die Respiration schädlich 
sind (schweflige, salpetrige Säure und Untersalpeter¬ 
säure, Salzsäure, Chlor, Brom, Jod, Fluorwasserstoff¬ 
säure ; Acrolein (Acrylaldehyd). Giftige Gase: Schwe¬ 
felwasserstoff, Schwefelkohlenstoff, Kohlenoxyd, Kohlen¬ 
säure. Cyan und dessen Verbindungen. Benzin. Ani¬ 
lin. Nitroglycerin. Gifte: Pocken-, Milzbrand- und 
Rotzgift. 

Als ein wichtiges Gesetz der letzten Zeit znm Schutze 
der Arbeiter gegenüber schädlichen Gewerben ist das 
neue englische Gesetz (Factory-Act) zu nennen, weiches 
am 1. Januar (n. St.) dieses Jahres in Kraft getreten 
ist Nach diesem Gesetz steht dem Verweser des Ge¬ 
werbedepartements das Recht zu, besondere obligatori¬ 
sche Verfügungen znm Schutze der Arbeiter bei Ge- 


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Werben, die als gefährlich anerkannt sind (dangerons 
trades), zu erlassen. Unter den gefährlichen Gewerben 
stehen anderster Stelle solche, bei welchen Gifte ange* 
wandt werden. Obgleich das englische Gesetz gegen¬ 
wärtig nnr die Basis znr Regelung der Prophylaxis bei 
besonders schädlichen Gewerben giebt und obgleich es 
bei der langen Reihe gefährlicher Gewerbe einstweilen 
noch keine Reglementirnng der Arbeit schafft, so kann 
man doch im Einblick auf die in England herrschenden 
Zustände zuversichtlich erwarten, dass eine solche Re- 
glemetftirung nicht lange anf sich warten lassen wird. 
Die Fabrikinspection, in deren Mitte es nur in England 
Aerzte giebt, die mit specieller die Besserung der sani¬ 
tären Verhältnisse bezweckenderjVollmacht ausgestattet 
sind, gewährleistet^ eine ausgedehnte und zweckmässige 
Anwendung des neuen Gesetzes. In der beneidenswer- 
then Thätigkeit des Fabrikarztes in England, dem das 
Recht zusteht, schwächliche oder solche Arbeiter, an 
denen schon Spuren des schädlichen Einflusses eines 
Gewerbes zu bemerken sind, von der Arbeit zu befreien, 
häufigere Ablösung bei der Arbeit festzosetzen, ver¬ 
schiedene sanitär - prophylaktische Massnahmen vorzu¬ 
schreiben, kann man auch die Gewähr für eine frucht¬ 
bringende Reglementirnng der Arbeit bei besonders ge¬ 
fährlichen Gewerben erblicken. 

In Deutschland und Frankreich sind zu verschiedenen 
Zeiten besondere Gesetzesbestimmungen zum Schutze 
der Arbeiter gegentther dem schädlichen Einflüsse ge¬ 
wisser Gewerbe erlassen worden, jedoch sind sie nur 
gegen einzelne Gewerbezweige gerichtet und stellen kein 
einheitliches, in sich abgeschlossenes Gesetz dar. 

In Russland ist als erster Schritt zur Reglementirnng 
der Arbeit das Gesetz vom 2. Juni 1897 zu nennen, 
betreffend die Normirung der Arbeitszeit, durch welches 
— Artikel 9, Punkt 3 — den betreffenden Ministern 
im Einvernehmen mit dem Minister des Innern das 
Recht zuerkannt wird. Regeln über di« Dauer und Ein- 
theilung der Arbeitszeit bei besonders gesundheitsschäd¬ 
lichen Gewerben und Arbeiten herauszugeben, mit der 
Berechtigung, die durch Artikel 4 und 5 festgesetzte 
längste Arbeitszeit entsprechend der Schädlichkeit der 
betreffenden Arbeiten und Gewerbe und den zur Herab¬ 
setzung dieser Schädlichkeit ergriffenen Voraichtsmass- 
regeln zu verkürzen. 

Bevor ich zur Frage der Normirung der Arbeitszeit 
bei besonders schädlichen Gewerben übergehe, muss ich 
darauf hinweisen, welche Gewerbe in Russland als schäd¬ 
lich gelten und in wie weit die Arbeiter durch die vor¬ 
handenen Gesetzesbestimmungen vor den gesundheits¬ 
schädlichen Einflüssen derselben behütet werden. Auf 
gesetzlichem Wege ist ein Register derjenigen « Ge werbe 
und einzelnen Operationen» geschaffen worden, welche 
sich als «schädlich oder erschöpfend» erweisen, doch 
gilt das nur in Bezug auf die Gesundheit der Minder¬ 
jährigen, die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht 
haben; für Erwachsene hat dieses Register keine Gel¬ 
tung und somit kann es auch keine prophylaktische 
Bedeutung haben. Ausserdem hält dieses Register, ob¬ 
gleich es vollständiger als das analoge französische ist, 
einer strengen Kritik insofern nicht Stand, als es nicht 
vollständig und nicht abgeschlossen ist. 

Massregeln zur Verhütung gesundheitsschädlicher Ein¬ 
flüsse der Arbeit giebt es in Russland so gut wie gar 
nicht. Ausser den elementarsten Schutzmassregeln, die 
auch nur ausnahmsweise bei den allerschädlichsten Ge¬ 
werben beobachtet werden, geschieht auf unseren Fa¬ 
briken fast nichts zur Assanirung gefährlicher Gewerbe. 

Diesem traurigen Zustande, der sich duroh die Indo¬ 
lenz und Ignoranz der Fabrikanten, durch ihr indiffe¬ 
rentes Verhalten gegenüber den Bedürfnissen der Ar¬ 
beiter, ferner durch das Fehlen specieller obligatorischer 


Verfügungen erklärt, kann das Gesetz vpm 2. Juni 1897 
ein Ende machen. Dieses Gesetz kann, wie ich schon 
oben erwähnte, nicht nur insofern wohlthuend wirken, 
als es die Arbeitszeit normirt, sondern auch insofern 
als es dieselbe bei besonders gesnndheitsschädlichen Ge¬ 
werben abkürzt. 

Die Abkürzung der Arbeitsdäuer bei besonders schäd¬ 
lichen Gewerben wird durch das Gesetz vom 2. Juni 
1897 von den' Vorsichtsmassregeln abhängig, gemacht, 
die zur Verminderung der Schädlichkeit dieser Gewerbe 
getroffen werden. Durch diese wichtige Bemerkung 
wird vollkommen bestimmt auf die Bedeutung der Vor¬ 
sichtsmassregeln hingewiesen und auf diese Mass¬ 
regeln möchte ich, meine Herren, Ihre Aufmerksamkeit 
vor allen Dingen lenken, bevor ich zur Frage über die 
Abkürzung der Normen der Arbeitszeit übergehe. 

Welche Vorsichtsmassregeln werden nun gegenwärtig 
anf unseren Fabriken und Werkstätten getroffen, was 
machen die Eigentümer gewerblicher Unternehmen iu 
dieser Beziehung aus eigenem Antriebe und was ge¬ 
schieht anf Grand von Gesetzesbestimmungen? 

Ich habe schon oben erwähnt, dass bei gewerblichen 
Unternehmen überhaupt Vorsichtsmassregeln fast gar 
nicht getroffen werden, aber anch wenn dies geschieht, 
so gehen diese Massregeln, mit seltenen Ausnahmen, 
aus dem Rahmen einer so za sagen grob-technischen 
und elementaren Prophylaxe (Schntzsohilde, Verzäunun¬ 
gen an Maschinen, Schürzen, Handschuhe, Schutzbrillen 
n. s. w.) nicht hinaas; aber anch bei den gefährlich¬ 
sten Gewerben glänzen sie oft durch ihre Abwesen¬ 
heit oder frappiren durch ihre Mangelhaftigkeit and 
Unzulänglichkeit. Nicht nnr bei weniger schädlichen 
Gewerben wird fast nichts zum Schutze der Arbeiter 
vor Gewerbekrankheiten gethan, sondern anch bei den 
schädlichsten and gefährlichsten Gewerben unternehmen 
die Eigentümer von Fabriken und Werkstätten gar 
nichts zur Verminderung, der schädlichen Einflüsse der 
Arbeit. Eine beredte Bestätigung des Gesagten finden 
wir in dem Werke von E. M. De m e n tje w: «Die 
Fabrik, was sie der Bevölkerung giebt und was sie 
von ihr nimmt», Moskau 1897 (rassisch), in welchem 
die Arbeitsbedingungen sowohl in kleinen Fabriken als 
anch in grossen Manufacturen genau erörtert werden. 
Indem Dr. Dementjew erklärt, dass «in grossen 
Fabriken die Arbeiter ohne -Ausnahme immer 
verdorbene Luft einathmen» (Cnrsiv des Verfassers) und 
dass «der Vorzog der grossen Manufacturen — wie z. 
B. der Baumwollspinnereien, Webereien. Tuchfabriken 
u. a. — der sich in relativ grösserer Reinlichkeit der 
nicht überfüllten Arbeiterräome äussert, vollkommen 
seiue Bedeutung verliert und die kleinen Fabriken hin¬ 
sichtlich der Gesandheitsschädigang der Arbeiter durch 
verdorbene Luft, wenn auch nicht besser, so jedenfalls 
nicht schlechter als die grossen Manufacturen sind, be¬ 
merkt er, dass scheinbar anf unseren Fabriken der 
Verunreinigung der Luft durch specielle durch die Art 
des Gewerbes bedingte Ursachen, d. h. Staub (von 
Baumwolle, Wolle u. s. w.), Wasserdampf und ver¬ 
schiedene Gase mehr Aufmerksamkeit zugewaodt wird. 
Aber eben nnr scheinbar, jedoch nicht thatsächlich, denn 
es geschieht nur in dem Falle, wenn die betref¬ 
fenden Vorrichtungen dem Gewerbe zum 
Vortheil gereichen. Man vermeidet oder sacht 
es wenigstens zu vermeiden, dass der grobe Baumwoll¬ 
staub auseinander fliege, weil er gesammelt wieder ver¬ 
arbeitet werden kann; der Mehlstaub repräsentirt einen 
gewissen Werth und deswegen sucht man seiner An¬ 
sammlung vorzubeugen n. s. w. Gleichzeitig lässt man 
dabei den feinen and deshalb werthlosen Baumwolle- 
staub frei in allen Arbeitsräumen der Baumwollspinne¬ 
reien herumfliegen, ebenso wie es mit dem Staube von 


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schmutziger Wolle, von schmutzigen Lumpen auf Papier¬ 
fabriken, von üineralstaub auf Cementfabrlken n. s. w. 
geschieht. In allen diesen Fällen werden entweder gar 
keine Vorkehrungen znr Vermeidung von Staubproduc- 
tien getroffen, oder nur insofern, um einer übermässigen 
Ansammlnog desselben, wodurch die Arbeit an und ftlr 
sieb gebindert werden könnte, vorzubeugen. «Wir kön¬ 
nen keine 10 Fabriken aufzählen», fährt Dementjew 
fort, «wo man bei der Einrichtung der erwähnten Vor¬ 
kehrungen wirklioh das Interesse der Arbeiter — ihre 
Gesundheit — im Auge gehabt hätte». 

Nicht besser verhält es sich nach der Schilderung 
Dementjew’s bei der Herstellung gefährlicher Pro¬ 
ducts. «Schädliche Ausdünstungen {Phosphor, Arsen, 
Quecksilber u. a.) und verschiedene Gase», Bagt der 
Verfasser, «repräsentiren natürlich gar keinen Werth, 
und deswegen schenken die Fabrikanten nur denjenigen 
unter ihnen Beachtung, deren übermässige Ansammlung 
die Arbeit behindert; in denjenigen Fällen aber, wo 
ihre schädliche Wirkung sich nicht unmittelbar äussert, 
findet man keinerlei Vorkehrungen znr ^Verhütung ihrer 
Ausscheidung in die Atmosphäre der Arbeitsräume oder 
zu ihrer schleunigen Entfernung, damit sie nicht in die 
Lungen der Arbeiter gelangen. Hierbei kann man nicht 
umhin zu bemerken, dass in der überwältigenden Mehr¬ 
zahl der Fälle alle diese Vorkehrungen zur Verhütung 
der Verunreinigung der Luft durch die speciellen Ur¬ 
sachen des Gewerbes ohne die nötbige Sachkenntnis 
und zuweilen geradezu unzweckmässig getroffen werden, 
und dies gilt nicht nur für kleine Fabriken, die Leuten 
ohue jegliche Bildung — von ihrer mangelhaften theo¬ 
retischen, technischen Renntniss des Gewerbes schon 
gar nicht zu reden — gehören, sondern auch für grosse 
Fabriken, die ihre eigenen Techniker besitzen. Endlich 
ist in gewissen Fällen die Verunreinigung der Luft 
durch specielle Ursachen wirklich schwer zu vermeiden, 
weil sie durch die rohen und irtationellen Herstelluugs- 
methoden (z. ß. bei der fabrikmässigen Darstellung von 
Blefweiss) und die Unkenntniss praktischerer und ver- 
vollkommneterer Herstellungsmetholen bedingt wird». 

Auf unseren Bergwerken ist es mit dem Schutze der 
Arbeiter vor den schädlichen Einflüssen der Arbeit 
ebenso bestellt wie auf den Fabriken, die Dr. De¬ 
mentjew zum Gegenstand seiner Studien gemacht hat. 
In meinen Berichten über den sanitären Zustand der 
Bergwerke und Industrien in verschiedenen Gebieten 
unseres weiten Vaterlandes habe ich wiederholt auf die 
äusserste Unzulänglichkeit der hygienischen Massnahmen 
in Bezug auf Luft, Temperatur und Licht hingewiesen; 
ich habe des öfteren betont, dass von Seiten der Ar¬ 
beitgeber und Beschützer der Gesundheit der Arbeiter 
nicht nur hinsichtlich dieser wichtigsten Factoren des 
menschlichen Daseins die gewöhnlichsten Forderungen 
entweder unvollkoramed oder gar nicht erfüllt werden, 
sondern auch hinsichtlich der Anwendung technischer 
Vervollkommnungen bei den Gewerben, sofern dieselben 
zur Verhütung von Verletzungen und Unginoksfällen 
dienen, so gut wie gar nichts geleistet wird. Bei be¬ 
sonders schädlichen Betrieben wird in den Bergwerken 
in prophylaktischer Beziehung nicht viel mehr gethan 
als bei den übrigen Betrieben überhaupt. 

Ich will nicht von den Arbeitsbedingungen auf den 
Bergwerksfabriken reden, z. B. von den Feuerarbeiten, 
wo die Arbeiter dem Einfluss einer unglaublich hohen 
Temperatur ausgesetzt sind, ich will nur auf die ent¬ 
setzlichen Arbeitsbedingungen bei der Goldgewinnung 
u. dergl. hinweisen, ich will nur beispielsweise die Ar¬ 
beit auf Zinkfabriken und bei der Naphtagewinnung 
und in Steinkohlenbergwerken erwähnen. Die Zinkpro- 
duction, bei der die Arbeiter einer acuten und chroni¬ 
schen Vergiftung mit diesem Metall aasgesetzt sind, 


wobei nach Bernoulli und Tracinsky die Arbeits¬ 
fähigkeit mit dem 45. Lebensjahre aufhört, befindet ^ 
sieh auf 2 Fabriken des Königreichs Polen in sanitärer 
Beziehung in einem traurigen Zustande: abgesehen da¬ 
von, dass es. gar keine speciellen Vorkehrungen zur 
Verminderung der Schädlichkeit giebt, werden sogar 
die elementarsten Forderungen der Hygiene nur un¬ 
vollkommen erfüllt. Wenn auch die an Stelle der von 
mir im Jahre 1893 gesehenen neu erbauten Hütten¬ 
werke weit besser als die früheren sind, so halten sie 
doch entsprechend den Bedingungen dieses Fabrikzwei¬ 
ges in prophylaktischer Beziehung auch einer nachsich¬ 
tigen Kritik nicht Stand. 

Bei der Naphthagewinnung, die man wegen der viel¬ 
fach ungünstigen Arbeitsbedingungen ohne Bedenken zu 
den besonders schädlichen zählen kann, geschieht eben¬ 
falls fast nichts in Bezug auf Vorsichtsmassregeln. Es 
fehlen nicht nur bei den Arbeiten an den Naphthabrun¬ 
nen die wichtigsten sanitär-prophylaktischen Massregeln 
(die Möglichkeit für die Arbeiter, den Körper von dem 
Haut und Augen ätzenden Erdöl abzuwaschen), sondern 
sogar bei einem so entsetzlich schädlichen Betriebe wie 
die Regeneration der Schwefelsäure aus Naphtharück¬ 
ständen (wobei sich schwere Erkrankungen der Athmungs- 
organe entwickeln und die Zähne zerstört werden) ge¬ 
schieht nichts zur Verhütung der Gesuudheiisschädigung. 

Massnahmen zur Verhütung der schädlichen Einflüsse 
der Gewerbe bilden bei uns eine seltene Ausnahme und 
da diese Ausnahmen eigentlich nur auf eine Verkür¬ 
zung der Arbeitszeit hinauslaufen, so werde ich weiter 
unten davon reden, wenn ich zur Grundfrage dieses 
Vortrages übergehe. 

Vorher möchte ich bei der Bestimmung des Begriffes 
«schädliche Gewerbe» etwas stehen bleiben. Dieser 
Begriff ist weit und dehnbar und wenn es uns Aerzten 
frei stände larga manu ein Verzeichniss solcher Ge^ 
werbe zusammenzugtellen, so wären wir aus leicht ver¬ 
ständlichen Gründen gezwungen, bei den gegenwärtig 
bestehenden Arbeitsbedingungen in Fabriken und Werk¬ 
stätten, wo, abgesehen von allem Anderen, schon die 
Luft allein an und für sich gesundheitsschädlich ist, in 
diese Liste beinahe alle Gewerbezweige aufzunebmen. 

Jedoch auch ohne unsere strengen (sic!) Forderungen 
enthält die Rubrik der schädlichen Gewerbe auch jetzt 
schon, vom Standpunkte der Techniker, eine nicht ge¬ 
ringe Anzahl von Industriezweigen. Allein die Zahl 
der giftigen Gewerbe, die im Vergleich mit anderen, 
caeteris paribus, als besonders gefährlich im Hinblick 
auf die rasche deletäre Wirkung auf die Gesundheit der 
Arbeiter gelten, beträgt mehrere Hunderte. Die Auf¬ 
zählung der Gewerbegifte (Blei, Kupfer, Quecksilber, 
Zink, Benzin, Nitrobenzin, Anilin, Naphta, Terpentin, 
Vanille, Tabak, Pikrinsäure, Kohlenoxyd, Kohlensäure, 
thierische Gifte und viele andere) giebt auch keine an¬ 
nähernde Vorstellung der grossen Menge der damit 
verbundenen Gewerbe, von der Zahl der damit beschäf¬ 
tigten Arbeiter und von den schädlichen Einflüssen der¬ 
selben auf die Gesundheit der letzteren. In dem un¬ 
längst von dem französischen Ministerium für Handel 
und Gewerbe veröffentlichten Bericht über Gewerbe¬ 
gifte («Pomona industriels* Office du travail. *Paris 
1901) werden allein 111 Gewerbe anfgeführt, bei denen 
Blei zur Verwendung kommt; Quecksilber wird bei 24 
angewandt; der Arsenvergiftung werden die Arbeiter 
bei 27 Gewerbearten ausgesetzt u. s. w. 

Somit ist die Zahl der Gewerbegifte sehr gross. Aber 
wenn einerseits der Begriff «Gewerbegifte» ein vollkom¬ 
men bestimmter ist, so ist andererseits der Begriff der 
durch die Beschäftigung mit diesen Giften bedingten 
Erkrankungen \ ein relativer. Die äusseren Arbeitsbe¬ 
dingungen in Werkstätten und Fabriken sind einstweilen 


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in der Mehrzahl der Fälle mehr oder weniger in allen 
gleich (d. h. gleich ungenügend) und deshalb ist mit 
dem Begriff von den Gewerben überhaupt der Begriff 
der Schädlichkeit eng verbanden, and mit dem Begriff 
von den Gewerbegiften — der Begriff von speciellen 
Schädlichkeiten. 

Obgleich aof den ersten Blick zwischen den verschie¬ 
denen Gewerben, je nach ihrem Einfluss auf die Gesund¬ 
heit der Arbeiter, ein strenger Unterschied zu bestehen 
scheint, obgleich man unschädliche, schädliche und be¬ 
sonders schädliche Gewerbe zu unterscheiden pflegt, so 
besteht doch dieser Unterschied ohne Zweifel ansschliess- 
lich in den Bedingungen-der Arbeit. Es bedarf 
wohl kaum eines Beweises, dass viele Arbeitszweige, die 
an und ftlr sich unschädlich sind, unbedingt schädlich 
und gefährlich in dem Falle werden, wenn die Arbeit 
unter gesundheitsschädlichen Bedingungen geschieht und 
dass, umgekehrt, gefährliche Beschäftigungen weniger 
schädlich oder sogar unschädlich werden, wenn sie un¬ 
ter rationellen hygienischen Bedingungen verlaufen. Eine 
allzulange andauernde Beschäftigung kann schon an und 
für sich das allerunschädlichste Gewerbe zu einem schäd¬ 
lichen und gefährlichen machen, während eine Verkür¬ 
zung der Arbeitsdauer ein schädliches Gewerbe in ein 
unschädliches Gewerbe umwandeln kann. Und welch 
eine grosse Rolle spielt die verständige Neutralisirung 
' eines schädlichen Ge werbe prodnctes und die Assanirung 
des Gewerbes selbst durch Ersatz eines schädlicheren 
Stoffes durch einen weniger schädlichen oder vollkom¬ 
men unschädlichen! . . . Anf wohleingerichteten Fa¬ 
briken werden die stärksten Gifte und die schädlichsten 
Gewerbeproducte ungefährlich und der durch sie hervor¬ 
gerufene Schaden wird auf ein Minimum reducirt. Wir 
brauchen nicht weit nach Beispielen zu suchen. Es ge¬ 
nügt, auf die Zündhölzerfabrication hinzu weisen, bei der 
. nach Ersatz des weissen Phosphors durch den amorphen, 
rothen (schwedische Zündhölzer) eine auffallende Besse¬ 
rung dieses Gewerbezweiges in gesundheitlicher Bezie¬ 
hung erfolgte 1 ). Als ein weiteres Beispiel kann fol¬ 
gendes dienen: seitdem in Fürth (Bayern) in einigen 
Fabriken bei der Spiegelfabrication statt des Quecksil¬ 
bers Silber angewandt wird, ist die Erkrankung an 
Mercuralismus im Laufe von 6 Jahren auf 0 gesunken. 
Dieses günstige Resultat erklärt sich jedoch nicht allein 
durch den erwähnten Ersatz, sondern auch durch ratio¬ 
nelle prophylaktische Massregeln, die unter Anderem 
darin bestehen, dass zn den Arbeiten mit Quecksilber 
nur gesunde, gut genährte, kräftige Männer zngelassen 
werden nnd die Arbeiten verhältnissmä9sig nur kurze 
Zeit dauern. Auch die Verdrängung des Bleiweisses 
aus einigen Gewerbszweigen (auf vielen sächsischen Fa¬ 
briken wird jetzt gusseisernes Geschirr mit einer Emaille 
überzogen, die frei von Blei ist) und der Ersatz des¬ 
selben durch Zink (Frankreich) ergiebt günstige Re¬ 
sultate 2 ) und ähnliche Beispiele könnte man aus ande¬ 
ren Gewerbszweigen anführen. 

Ohne mich weiter bei den verschiedenartigen Mass¬ 
nahmen und Einrichtungen aufzuhalten, die eine Assa¬ 
nirung der Gewerbe bezwecken — • die Entfernung von 


M ln Preussen, wo der (reibe Phosphor vollkommen ausser 
Gebrauch gekommen ist, ist in den letzten Jahren kein ein¬ 
ziger Fall von Phosphornekrose verzeichnet worden ; dagegen 
sind in Oesterreich ond in der Schweiz, wo noch immer der 
gelbe Phosphor angewandt wird, Fälle von Phosphornekrose 
recht häutig. In Frankreich und bei uns sind die sogenann¬ 
ten Schwefelhölzchen, gegen die Prof. Eris manu schon 
längst ankämpfte, noch immer in Gebrauch. 

*) Ein gutes Beispiel gab in dieser Beziehung die franzö¬ 
sische Regierung, Indem sieb der Minister des Innern auf 
die Untersuchungsergebnisse einer besonderen Commission 
berief, verbot er die Anwendung von Bleiweiss bei Bestel- 
lnngen für den Staat. In dem Ministerbefehl heisst es: Es 
ist bewiesen, dass der Ersatz des Bleiweisses durch Zink im 


Staub, von schädlichen Dämpfen und giftigen Gasen u. 

8. w. — bei Massnahmen, die ein Gewerbe weniger 
schädlich oder sogar vollkommen unschädlich machen 
können’) gehe ich zur N ormirung der Arbeits - 
zeit über. Diese wichtigste prophylaktische Massretgel 
orhält eine besondere Bedeutung bei den gesundheits¬ 
schädliche u Gewerben! . Je schädlicher ein Gewerbe, mit 
anderen Worten je schlechter die Arbeitsbedingungen, 
desto mehr Bedeutung gewinnt die Einschränknng der 
Arbeitszeit and nicht umsonst werden in allen civilisir- 
ten Staaten besondere' Normen fürsohädlicdie 
Gewerbe festgestellt. 

Auch durch unser Gesetz, zu dem ich endlich zurück- 
kehre, ist die Notbwendigkeit einer speciellen Noemi- 
rung der Arbeitszeit für besonders schädliche Gewerbe 
und die Festsetzung verkürzter Arbeitszeiten für diesel¬ 
ben vorgesehen. 

Noch vor Herausgabe des Gesetzes vom 3. Juni 1897 gab 
es bei ans Beispiele von Verkürzung der Arbeitszeit. Ich 
will nur au die bekannte 8 ständige Arbeitsnorm erin¬ 
nern, die seinerzeit soviel Lärm hervorrief and die von 
einigen Fabrikanten in Lodz, eingeführt wurde 
ferner ans eigenem Antriebe in der Papierfabrik 
zu Uglitsch (Gouvernement Jaroslaw), dann von 
der Firma Benkendorf <fe Co. auf den Naph¬ 
thabohrwerken in Baku für die Arbeit der Hei¬ 
zer und der mit dem Löffeln der Naphtha beschäf¬ 
tigten Arbeiter 4 ) und endlich in den Quecksilberwerken 
von Auerbach & Co. in Nikitowka, wo auf Grund 
eines Beschlusses des Medicinalrathes vom Gelehrten 
Bergcomitä für besonders schädliche Arbeiten eine Ar¬ 
beitsdauer von «nicht über 6 Stunden täglich» festge¬ 
stellt ist. Es werden wahrscheinlich auch noch andere 
gewerbliche Unternehmen in Russland zu Huden sein, 
wo der Arbeitstag keine 8 Stunden überschreitet, doch 
sind das alles glückliche Ausnahmen und natürlich ist 
nicht ihretwegen eine Regiementirung der Arbeit bei 
schädlichen Fabricationen erforderlich. 

Die Frage über die Einschränkung der Arbeitszeit bei 
schädlichen Gewerben wurde wiederholt in unserer spe¬ 
ciellen wie allgemeinen Presse behandelt, sowie in der 
Gesellschaft zur Wahrung der Volksgesundheit. Der VI. 
Congress russischer Aerzte zum Andenken an Piro- 
g o f f, der in Kiew stattfand, hatte beschlossen, um eine 
Verkürzung der Arbeitszeit bei besonders schädlichen 
und gefährlichen Gewerben auf 8 Stunden täglich, zu 
petitioniren. Es war dieser Petition nicht vergönnt in 
Erfüllung zu gehen. Bekanntlich enthält das Gesetz, 

welches die Arbeitszeit normirt und ll'/a Standen als 
Norm für alle Gewerbezweige festsetzt, keine stricten 

Interesse der Gesundheit durchaus nothwendig ist, und dass 
ein solcher Ersatz mit keinen technischen Schwierigkeiten 
verknüpft ist. Deshalb verlange ich, dass bei allen Arbeiten, 
die auf Kosten des Staates ausgeföhrt werden, die Anwen¬ 
dung voü bleiweisshaltigen Farben und Firniss verboten 

wird. Der schriftliche Contract bei der Uebernahme von Ar¬ 
beiten muss dieses Verbot enthalten. 

3 ) Wie sehr man allein durch hygienische Massregeln die 

Zahl der Gewerbekrankheiten herabsetzen kann, ist aus fol¬ 
gender Statistik einer österreichischen Mennige-Fabrik zu er¬ 
sehen. Im Jahre 1879 wurden 55,2 pCt. Bleivergiftungen ver¬ 
zeichnet, 1880 — 47,1 pCt. Nach Einführung einer zweck¬ 
mässigen Ventilation in den Werkstätten «nd Einrichtung j 
von Exhaustoren und anderen Vorrichtungen zor Entfernung 
von Staub fiel jedoch im Jahre 1883 die Zahl der Erkran¬ 
kungen auf 23,8 pCt. und im Jahre 1889 bis auf 16,2 pCt. 

(L. Freund: Die Berufskrankheiten und ihre Verhütung. 
1901.) 

4 ) Die Beschäftigung des Naphtha-Löffel ns (s. L. Ber¬ 
the ns o n. Die Naphthaindustrie in sanitärer Beziehung. 
Deutsche Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege. 

Bd. XXX. H. 2. 1898) deren Schwere und Schaden haupt¬ 
sächlich in ihrer Eintönigkeit besteht, die zur Erschöpfung 
des Nervensystems, zu Apathie und Stumpfsinn führt, kann 
als eclatanter Beweis datür dienen, dass eine Arbeit auch 
ohne Gift verderblich für die Gesundheit werden kann. 



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Bestimmungen inbetreff der besonders gesundheitsschäd¬ 
lichen Gewerbezweige* indem nur ein Artikel desselben, 
wie bereits oben erwähnt, dahin lautet, dass dem Pi- 
nanzminister und dem Minister der Landwirtschaft und 
der Reichsdoraänen das Recht zukommt, im Einverneh¬ 
men mit dem Minister des Inneren Regeln inbezug auf 
die Dauer und Eintheilung der Arbeitszeit herausZugeben 
und die festgesetzte Maximalnorm in Abhängigkeit von 
der Schädlichkeit des Gewerbes und der Zur Herab¬ 
setzung derselben getroffenen Vorsichtsmassregeln zu 
verkürzen. 

Auf diesen Artikel wollte ich eben die Aufmerksam¬ 
keit lenken und der Zweck meines Vortrages ist, mit 
Ihrer Hilfe, m. m. II. H. diese brennende Präge, wenn 
auch nur ein wenig der Lösung näher zu bringen. 

Die bei uns gesetzlich bestimmte Arbeitsdauer von 
11'/* Stunden täglich, die für alle. Gewerbezweige über¬ 
mässig lang ist, ist ganz unzulässig bei besonders schäd¬ 
lichen und gefährlichen Gewerben und der Schaden, der 
der Gesundheit durch so lang andauernde Arbeit er¬ 
wächst, ist direct proportional den schädlichen Einflüssen 
des Gewerbes und den ungenügenden hygienischen Zu¬ 
ständen in Fabriken und Werkstätten. 

. Niemand wird behaupten wollen, dass in der Fest¬ 
setzung eines kürzeren Arbeitstages die Lösung der 
Frage inbetreff der Assanirung der Gewerbe liegt, es 
wird aber auch Niemand leugnen, dass die Verkürzung 
der Arbeitszeit ein sicheres Mittel zur Herabsetzung des 
durch die Gewerbe der Gesundheit zugefUgten Schadens 
ist. Nach dem neuen russ. Gesetz wird die Abkürzung 
der Arbeitszeit mit den getroffenen Vorsichtsmassregeln 
in Zusammenhang gebracht und in diesem Zusammen¬ 
hang ist wohl der Grund dafür zu suchen, dass bis jetzt 
noch nichts entsprechend Punkt 3 des Artikels 9 ge¬ 
schehen ist 5 ). 

In der That kann man besondere Normen für die ein¬ 
zelnen Gewerbezweige nur dann feststellen, wenn wir 
wissen, welchen Einfluss die betreffende Beschädigung 
auf die Gesundheit hat, d. h. mit anderen Worten, 
wenn wir wissen, unter welchen hygienisch-prophylakti¬ 
schen Bedingungen sich der Arbeiter bei den verschie¬ 
denen Betrieben befindet. Daher ist der Hinweis im Ge¬ 
setze auf den «Zusammenhang mit der Schädlichkeit des 
Gewerbes und mit den Vorsichtsmassregeln, die zur 
Herabsetzung derselben getroffen werden», vollkommen 
begreiflich. Aber besitzen wir nicht schon jetzt die er¬ 
wähnten Daten und siud dieselben zur Festsetzung ab¬ 
gekürzter Normen bei besonders schädlichen Gewerben 
genügend? 

Ich denke, diese Frage kann im bejahenden Sinne 
beantwortet werden. Daten hinsichtlich der Schädlichkeit 
der Gewerbe giebt es geuug und wenn sie sich auch bei 
dem Fehlen einer Registrirung der Gewerbekrankheiten 
bei uns nicht auf genaue statistische Zahlen stützen, so 
finden sie doch eine genügende Bestätigung in der Ue- 
berzeugung Derjenigen, welchen die Obhut der Gesund¬ 
heit und des Lebens der Arbeiter anvertraut ist — 


*) Ans offlciellen Quellen ist mir bekannt, dass von dem 
Industriereichsamt gegenwärtig das erforderliche Material 
betreffend die Frage hinsichtlich der Einschränkong der 
Arbeitszeit bei besonders schädlichen Gewerben gesammelt 
wird. In demselben Zustand befindet sich diese Angelegenheit 
im Bergressort, wo übrigens, auf Gruod des neuen Gesetzes, 
in einem Fall die Frage inbetreff der Verkürzung der Ar¬ 
beitszeit aufgeworfen wurde; es wird nämlich für die Maschi¬ 
nisten in Steinkohlengruben, die an den Schachtpnmpen, den 
unterirdischen elektrischen Maschinen und an den Brems¬ 
bergen beschäftigt sind, eine 8-stündige Ablösung projectirt. 
Gegen diese Norm, die von dem Bergamt der Westlichen 
Bergverwaltung festgesetzt war, haben 6 grosse Gesellschaf¬ 
ten der Steinkohlenindusirie im Königreich Polen appellirt, 
und jetzt wird diese Angelegenheit der Hauptbehörde für 
Angelegenheiten des Fabrik- und Hüttenwesens zur Begut¬ 
achtung vorgelegt. 


nämlich der Fabrikinspectoren, der Bezirks-Berginge¬ 
nieure, der Fabrikärzte, und natürlich der Hygieniker 
und Aerzte überhaupt, die auch fern von def Fabrik- 
thätigkeit über die schädlichen Eiitflüsse der einzelnen 
Gewerbezweige urtheilen . können, ln der That, bedarf 
es specieller Untersuchungen* um sich Von der Noth- 
wenaigkeit der Abkürzung der Arbeitszeit bei solchen 
positiv schädlichen Industriezweigen zu überzeugen, wie 
die Spiegel-, Zündhölzchen-, Bleiweis8fabricatiori die Vul- 
Ciinisirung des Kautschuks, die Gewinnung von Queck¬ 
silber, £ink und viele andere Gewerbe? Bedarf es neuer 
Daten zur Lösung der Frage über die Abkürzung der 
Arbeitszeit der Maschinisten in Steinkohlenbergwerken 
(die mit beständig gespannter Aufmerksamkeit den Be¬ 
trieb der Schachtpumpen und der Förderungsmaschinen 
überwachen), sowie der Arbeiter bei den Naphthaquellen 
und anderer übermässig belasteter Arbeiter? 

Aber selbst wenn man zugiebt, dass formell die Un¬ 
vollständigkeit und, einstweilen, mangelhafte Bearbeitung 
der vorhandenen Daten Uber die schädlichen Gewerbe 
als ein Hindernis zur ungesäumten Einführung verkürz¬ 
ter Arbeitsnormen dienen könnte, so kann man doch 
nicht dasselbe hinsichtlich der «Vorsichtsmassregeln, die 
zur Herabsetzung der Schädlichkeit der Gewerbe ge¬ 
troffen werden», sagen! 

Der Zweck des Gesetzesartikels, welcher auf die Ab¬ 
hängigkeit der Abkürzung der Arbeitszeit von den Vor¬ 
sichtsmassregeln hinweist, ist — die Forderungen hin¬ 
sichtlich der Abkürzung der Arbeitszeit mit den vorhan¬ 
denen Massregeln zum Schutze der Arbeiter vor schäd¬ 
lichen Einflüssen der Gewerbe in Einklang zu bringen. 
Aber in dieser Beziehung giebt es bei uns fast gar 
keine Vorsichtsmassregeln. Eine so traurige Lücke kann 
jedoch in keinem Falle als ein Hindernis zur Lösung 
der von mir berührten Frage dienen. Im Gegentheil, 
diese Lücke selbst muss dazu anspornen, verkürzte Ar¬ 
beitsnormen bei besonders schädlichen Gewerben einzu¬ 
führen, denn gleichzeitig mit der Ausarbeitung dieser 
Normen können und müssen auch Vorsichtsmass¬ 
regeln für schädliche und gefährliche Gewerbe ausge¬ 
arbeitet werden. 

Oben hatte ich schon gesagt, dass durch die Einfüh¬ 
rung verkürzter Arbeitsnormen die wichtige Frage hin¬ 
sichtlich der Prophylaxis der schädlichen Gewerbe noch 
lange nicht gelöst wird und dass durch Verrainderang 
der Arbeit nur eine gewisse quantitative Verminderung 
der Schädlichkeiten erzielt wird. Für eine umfassende 
Prophylaxis jedoch genügt das noch lange nicht; hierzu 
bedarf es der Erfüllung vieler Bedingungen, so dass 
durch die blosse Reglementirung der Arbeit, wie streng 
dieselbe auch durchgeführt werden mag, noch nichts er¬ 
reicht wird. Ich will mich nicht in eine Analyse dieser 
mannigfachen Bedingungen einlassen,— ich müsste dann 
allbekannte Wahrheiten wiederholen! .... Ich möchte 
nur sagen, dass bei den gegenwärtigen Arbeitsbedingun¬ 
gen, mir als beste Lösung der Frage über die Assani¬ 
rung der schädlichen Gewerbe diejenige erscheint, die 
durch das Schweizer-Gesetz vom Jahre 1881 gegeben 
wird, welches, wie bereits oben erwähnt, bestimmt, dass 
bei besonders schädlichen Gewerben, wel¬ 
che schwere Erkrankungen hervorrufen 
können, das Princip der ci vilrechtlichen 
Verantwortlichkeit der Arbeitgeber für 
Unglücks fälle anzuwenden ist. Bei Vorhanden¬ 
sein eines solchen Gesetzes, kann man auch ohne 
Zwangsmassregeln von seiten der Regierung und ohne 
jedes Anspornen von seiten der Fabrikinspectoren auf 
eine factische Unschädlichmachung der Gewerbe, auf 
Durchführung umfassender Vorsichtsmassregeln und dar¬ 
unter auch auf eine bedeutendere Abkürzung der Ar¬ 
beitsnormen rechnen. So lange es kein solches giebt und 


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32 


wenn es nicht erlassen werden kann ist es nothwendig 
die Ge werbe unschädlich zu machen und die Arbeits¬ 
dauer durch besondere auf legislativem Wege erlassene 
Regeln einzuschränken. Wir haben einstweilen noch 
keine solche Regeln, aber unser Gesetz enthält einen 
Artikel, welcher den betreffenden Ministern das Recht 
einräumt solche Regeln herauszugeben. Es kommt nur 
darauf an, sich dieses Rechtes zu bedienen und den 
wohlthätigen Artikel in der Praxis unserer Fabriken 
und Werkstätten anzuwenden. Dies muss unbedingt 
gethan werden und zwar ungesäumt und aus voller 
Hand! .... 

Indem ich meinen Vortrag mit den folgenden Thesen 
schliesse, muss ioh unwillkürlich an Prof. Eris man 
denken. Dieser eifrige Kämpfer für die Reglementirung 
der Fabrikarbeit misst der Normirung der Arbeitszeit 
eine hygienische, wirtschaftliche und ethische Bedeutung 
tei und sieht in ihr eine der wichtigsten Bedingungen 
des Wohles der Arbeiter. Eine solche Ansicht wird ein 
jeder unterschreiben, der nicht nur das Wohl der Ar¬ 
beiter, sondern auch das der Industrie im Auge hat. 


Thesen: 

1) Die bei uns gesetzlich festgesetzte 11‘/a-stündige 
Arbeitszeit, die für jede beliebige Fabrikarbeit über¬ 
mässig lang ist, ist bei besonders schädlichen Gewerben 
gauz unzulässig und deshalb ist es nothwendig, auf 
Grund von Art. 9 P. 3 des Gesetzes vom 2. Juni 1897 
ungesäumt zur Einführung abgekürzter Arbeitsnormen 
für schädliche und gefährliche Gewerbe zu schreiten. 

2) Zur Einführung abgekürzter Arbeitsnormen bedarf 
es, trotz aller Abhängigkeit der Arbeitädauer von der 
Schädlichkeit der Gewerbe und der dagegen getroffenen 
Massregeln, keiner detaillirten, concreten Erforschung 
der Arbeitsbedingungen in unseren Fabriken und Werk¬ 
stätten. Zur vorläufigen Einführung abgekürzter Arbeits¬ 
normen, wenn auch nur auf einigen Fabriken und Werk¬ 
stätten genügen auch die allgemeinen Daten, die wir 
schon jetzt inbetreff der besonders schädlichen Gewerbe 
besitzen. 

3) Als erster Schritt zur gesetzmässigen Einführung 
abgekürzter Arbeitsnormen hätte die ungesäumte Zu¬ 
sammenstellung einer Liste der besonders schäd¬ 
lichen Gewerbe zu geschehen, wobei diejenigen 
unter ihnen, zu deren Beschäftigung wegen ihrer beson¬ 
deren Schädlichkeit keine Kinder und Frauen zugelassen 
werden dürfen, in eine besondere Gruppe ausgeschieden 
werden müssen. 

4) Die vorläufige Einführung abgekürzter Arbeitsnor¬ 
men entsprechend der Liste der besonders schädlichen 
Gewerbe kann auf Grund der Indicationen der Gewerbe¬ 
hygiene und der schon jetzt den Fabriks- und Hütten- 
inspectoren zur Verfügung stehenden Daten geschehen. 

5) In Anbetracht des fast vollständigen Fehlens in 
unseren Fabriken und Werkstätten von Vorsichtsmass- 
regeln zur Verhütung von Gewerbekrankheiten, könnten 
vorläufig abgekürzte Arbeitsnormen auch unabhängig 
von den Vorsichtsmassregeln, die zur Herabsetzung der 
Schädlichkeit der Gewerbe getroffen werden, nur ent¬ 
sprechend ihren Eigenschaften (Giftigkeit) eingeführt 
werden. 

6) Die weitere und nicht anfzuschiebende Aufgabe bei 
der Normirung der Arbeitszeit ist eine genaue Erfor¬ 
schung der Technik der besonders schädlichen Gewerbe 
vom sanitären Standpunkt, Erforschung der Bedingungen, 
unter denen die Arbeit geschieht und ferner Ausarbei¬ 
tung und Einführung von Vorsichtsmassregeln und Vor¬ 
kehrungen zur Unschädlichmachung der Gewerbe auf 
legislativem Wege. 

7) Die Vorsichtsmassregeln dürfen nicht innerhalb des 
engen Rahmens eines palliativen Schutzes der Arbeiter 


verbleibön, sondern sie müssen auf eine ausgiebige tech¬ 
nische Unschädlichmachung der Gewerbe gerichtet sein. 
Mit der Umwandlung der schädlichen oder gefährlichen 
Gewerbe in weniger schädliche oder unschädliche, kön¬ 
nen die Forderungen inbetreff der Abkürzung der Ar¬ 
beitszeit eingeschränkt werden oder ganz fortfallen. 

8) Eine richtige und zweckmässige Normirung der 
Arbeitszeit im Interesse der Arbeiter und. der Industrie 
ist besonders bei den schädlichen Gewerben undenkbar 
ohne Beistand der Hygiene und der medicinischen Wis¬ 
senschaft; daher müssen an der Ausarbeitung von Ge¬ 
setzesbestimmungen inbetreff der Normirung der Arbeits¬ 
zeit und ebenso an der Aufsicht über das Einhalten der 
festgesetzten Normen ausser Technikern und Industri¬ 
ellen in ausgedehntem Masse Aerzte theilnehmen. 

9) Ein Hemmniss zur Regelung der Arbeit in Fabri¬ 
ken und Werkstätten und zur Verbesserung der Lebeus- 
bedingungen unserer Arbeiter liegt unter anderem in 
der untergeordneten Stellung und Machtlosigkeit der 
Fabrikärzte, deren Thätigkeit, weit entfernt, der Assa- 
nirung zu dienen, fast ausschliesslich auf eine ärztliche 
Behandlung der Arbeiter und der Arbeitgeber hinaus¬ 
läuft. Wenn in einer Fabrik ein behandelnder Arzt un¬ 
bedingt nothwendig ist, so ist ein Sanitätsarzt zur Ver¬ 
hütung von Gewerbekrankheiten und zur schöpferischen 
Ausarbeitung der Prophylaxe noch mehr nothwendig. 
Zur Assanirung der Gewerbe und zur Hebung der sani¬ 
tären Wohlfahrt der Arbeiterbevölkerung ist kein «Arzt 
an der Fabrik» nothwendig, der seine Gage von dem 
Unternehmer bezieht, sondern ein «Fabrikarzt», wie sie 
England besitzt — unabhängig, mit Initiative und weit¬ 
gehender Vollmacht und mit der Bedeutung eines ein¬ 
flussreichen vollberechtigten Mitgliedes der Fabrikin- 
spection. 

10) Erst nach Schaffung des Instituts der Fabrik¬ 
ärzte, das bei uns bis jetzt fehlt, kann eine weitgehende 
Assanirung der Gewerbe und eine wesentliche Besserung 
der Lebensbedingungen der Arbeiter erfolgen. 


Referate. 

Einige Referate aus der letzten Journalliteratur. 

Psychiatrische Wochenschrift 1901: 

Nr. 34. In den «Mittheilungen aus der VII. Versammlung 
mitteldeutscher Psychiater und Neurologen»: Sänger sprach 
über das «intermitirende Hinken», wobei er 3 Fälle 
erwähnte, in denen vermittelst der ßöntgenstrahlen Kalkab- 
lagernngen in den Gefässen nachgewiesen werden konnten. 
Hierbei hebt S. den Unterschied zwischen Arterioselerose, die 
eine Erkraukung der Intima darstellt, und der Verkalkung 
hervor, bei der die Media erkrankt ist. Das iuterinittirende 
Hinken soll meist nicht auf Scleroae sondern auf Verkalkung 
beruhen, als aetiologisch wichtig muss Ueberanstrengung be¬ 
trachtet werden. 

Eine neue Therapie der Basedowschen Krankheit hat P. J. 
Moebins empfohlen. Er hat von Merck in Darmstadt ein 
Antithyreoidin (Serum von schilddrüsenlosen Hammeln) berei¬ 
ten lassen und damit io 3 Fällen Besserung erzielt. Es wurde 
zu je 5 gr. in Wein gegeben. Theoretisch ist die Wirkung 
nicht recht einleuchtend, doch werden uns hoffentlich bald 
praktische Erfolge überzeugen! 

Nr. 35 enthält eine Mittheilung von Lückerath über 
Chloralvergiftung, deren Inhalt dnrchaus beberzigens- 
werth ist. In den ersten der 2 geschilderten Fälle trat nach 
dem Gebrauch von 13,0 Chloralhydrat innerhalb von 12 Tagen 
ein fieberhaftes scharlachähnliches Exanthem mit Conjunctivi¬ 
tis und Parotisschwellung auf; nach Aussetzen des Mittels 
Genesung. Im zweiten Fall trat nach 4,0 (innerhalb 3 Tage) 
ein ähnliches Exanthem aber mit schwerer Störung des Allge¬ 
meinzustandes auf, der Pat. starb nach kurzer Zeit. Verf. 
hält das Chi, für heimtückisch und gefährlich und mahnt zu 
Vorsicht beim Gebrauch, ßef. möchte sich ihm anschliessen 
und die Vermeidung des Chi. empfehlen, wir besitzen glück¬ 
licherweise Ersatzmittel im Paraldehyd, Trional und a. m- 


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Wiener medicinische Wochenschrift 1901: 

Nr. 35. Je* — Ueber die Behandlung des Ery- 
sipels mit Serum von an Erysipel erkrankten 
Individuen. 

Das aus einigen eben». Blut eines Erysipelatösen gewonnene 
Serum wild demselben Pat. subcutan injicirt Statt durch 
Venaesection gewann Verf. späterhin direct Serum durch ein 
Blasenpflaster (bis zu 20 gr.). Es wurden so 10 Pat. behan¬ 
delt; zunächst erfolgt Ansteigen der Temp., dann allmfthliger 
Abfall mit Schwinden der Hauterscheinnngen. Verf- empfiehlt 
sein Verfahren zur Nachprüfung. 

Tnrnowsky - 3 Fälle von vollständig ge¬ 
heilter Epilepsie. 

Drei an acuten InfectionsklUnkheiten (2 mal croupöse 
Pneumonie, 1 mal Scharlach) erkrankte Epileptiker hatten 
nach UeberBteben der Infection keine Anfälle mehr. Leider 
sind die Krankheilsgeschichten ungenau wiedergegeben und 
die Heilungsdauer so lang (bis über 10 Jahre!), dass der Verf. 
die Anfälle gewiss nicht beobachtet hat, so bleibt der leise 
Zweifel bestehen, ob es sich nicht um «Hysterie» gehandelt 
bat?! A priori ist der heilende Einfluss acnter Krankheiten 
ja garnicht unwahrscheinlich, bei anderen Krankheiten (Chorea, 
Tetanie) sicher uachgewiesen, ja selbst Psychosen sollen durch 
Erysipel geheilt worden sein. (Erysipelitation ln Amerika!). 

Nr. 37 und 38. Gömörry — Uebhr einen durch 
Scbeinoperation gebeiltenF&ll von traumati¬ 
scher operativer Psychose. 

In der guten alten Zeit hat man oft verbucht die hypochon¬ 
drischen Wahnideen Verrückter zu corftfiren, indem man 
eine Operation inscenirte und den verttntheten «grünen 
Frosch» dem aus der Narkose erwachten Pat. vor Augen 
führte- Leider sass am nächsten Tage eine «rothe Schlange» 
im Bauche des Kranken und der Misserfolg war complet. 
Die Erklärung des glänzenden Erfolg’s im G.’schen Palle isl 
nun nicht etwa in der Vervollkommnung der chirurgischen 
Technik zu suchen, sondern in der (sehr wahrscheinlichen) 
Thatsache, dass es sich wohl um eine schwere Neurose, nicht 
aber um eine Psychose gehandelt hat; die Neurose ist aber 
durch die ausdrücklich betonte starke Suggestion überwunden 
worden. 

Nr. 42. Hamburger — Heilung desPannusmit 
demP&quelin. 

H. hat 5 Fälle mit Erfolg behandelt (Pannus eczemätosus 
und trachomatosus); erst caaterisirt, dann Jodoform binge- 
stäubt und atropinisirt. Das Resultat war Aufhellung be¬ 
stehender Trübungen und Heilung etwaiger Geschwüre. Das 
genauere Verfahren ist im Original nachzulesen. 

The Journal of the American Medical Associ¬ 
ation 1901; 

September 7. Andrew J. Mc. Cosb. — Remarks oft 
spinal surgery with illustrative Cases. 

Schlussfolgerungen des Verf.: 1) Die Laminektomie ist eine 
relativ ungefährliche Operation. 2) Man soll frühzeitig ope- 
riren ehe degenerative Veränderungen im Rückenmark ein¬ 
getreten sind (Fracturen der Wirbelsäule!) 3) Bei Tumoren 
soll keine Zeit mit antiluetischer Behandlung verloren werden. 
4) Die Operation selbst muss nach Möglichkeit schnell ausge¬ 
führt werden, nicht viel Zeit mit Gefässligaturen etc. verloren 
werden. 

Mai 11. James H. Dünn — The diagnosis and 
treatment ofinjuries of the head. 

Verf. giebt eine gute Schilderung der Indicationen und sei¬ 
ner Methode, er benutzt als Instrument zur Schädeleröffnnng 
Hammer und Meissei, ist sich aber dor Mängel dieser Art des 
Operirens (sehr heftige Erchütterung für den Operirten, 
grosse physische Anstrengung für den Operateur) sehr wohl 
bewusst. 

April 20. Lodor —a study in the heinatology of 
N e u r a s t he n ia. Bei Anwendung sorgfältiger Unter- 
suchnngsmethoden lassen sich bei fast allen Neurasthenikern 
Blutveränderungen nachweisen. Zn den nothwendigen Me¬ 
thoden rechnet der Verf. folgende: 1) Bestimmung des spec. 
Gewichts, 2) der chemischen Zusammensetzung 3) de« Verhält¬ 
nisses der rotben zu den weissen Blutkörperchen, 4) Mengeder 
corpusculären Elemente im Haematokrit, 5) Haemoglobin- 
gehalt, 6) die biochemische Activität i. e. die Fähigkeit 
Farbstoffe anzunehmen und die Geschwindigkeit mit der das 
geschieht, ausserdem noch andere Methodeu- Dass derartige 
Untersuchungen viel interessante Ergebnisse haben könnten, 
bezweifelt Ref. nieht, doch steht die aufgewandte Mühe wobl 
schwerlich im Verhältnis zu den erzielten Resultaten, auch 
sind die genannten Methoden theils wenig, theils noch unge¬ 
nügend physiologisch erprobt, können daher schwerlich für 
pathologische Zustände io Anwendung gebracht werden. 

Ueber Rückenmarksanästhesie durch Einführung 
von Cocain in den Wirbelcanal findet sich eine statistisch¬ 


kritische Arbeit von Murphy in dem Februarheft, des 
Journ. of American- Med- Associat Nach einem kurzen hi¬ 
storischen Oeberblick bespricht Verf. 1) den physiologischen 
Effect, der durch Wirkung auf die hinteren Wurzeln und 
Ganglienzellen (Spinal — ? Ref.) zu Stande kommt, sich in 
Analgesie (uicht Anästhesie) verschiedenen Grades und 
verschiedener Ausdehuung äussert, die Reflexe sind manchmal 
gesteigert, meist herabgesetzt; Mulkelsinn und Coordination 
siud beeinträchtigt, die Pat. zeigen Ataxie. Peristaltik and 
Urinentleerung sind beeinflusst, erstere durch Sphincterläh- 
mung oft unwillkürlich auftretend, letztere durch Detrusor- 
lähmung angehalten, manchmal kommt es durch Sphincter- 
läbmung auch zu unwillkürlichem Harnabgang. 2) Gebraucht 
werden 1—2 pCt. sterile Lösungen; als Maximum ist yon 
Tuffier 0,04 ohne üble Folge injicirt worden. Als beste In- 
jectionsstelle ist der Raum zwischen 4. und 5. Verf. lnmbalis 
zu nennen, etwa l 1 ,* cm. seitlich von der Mittellinie. Der 
Pat. soll stark vornübergebeugt sitzen. Die nöthige Flüs¬ 
sigkeitsmenge wird langsam etwa im Laufe 1 Minute injicirt. 
3) Die durch die Injection hervorgerufenen Symptome sind 
zuerst ein Hitzegefünl über den ganzen Körper; zwischen 3 
nnd 15 Minuten post injectionera tritt Nausea, mitunter Wür¬ 
gen auf, gleichzeitig Blässe, Pulsbeschleunigung r rSchwei8s- 
ansbruch. Diese Nebenerscheinungen dauern meist pur we¬ 
nige Minuten; einigemal ist Collaps vorgekommen; wobei die 
Athmung auf 60—80 in der Minute stieg. 4) Die Anal¬ 
gesie tritt meist nach 3—10 Minuten, mitunter erst nach 
20—30, auf; sie beginut meist an den Füssen, selten baud¬ 
förmig um den Rumpf, noch seltener steigt sie von der ln- 
jectionsstelle hinauf zum Thorax, Hals und Kopf. Die Anal¬ 
gesie kann total sein, doch ist die Schmerzempfindnng manch¬ 
mal nn> herabgesetzt oder (selten) erhalten. Die Analgesie 
erstreckt sich auf die Bauch- nnd Beckeneingeweide, sogar 
Mammaamputationen sind schmerzlos ausgeführt worden. 5) 
Nach der Operation wird häufig über Kopfweh, seltener über 
Uebelkeit geklagt; die Ataxie kann 5-6 Tage andauern, 
was besonders störend ist, wenn dieselbe sich auch auf die 
oberen Extremitäten erstreckt. — Von 631 Fällen, die Verf. 
gesammelt, wurde ln 596 ein befriedigender Erfolg erreicht, 
in 14 war derselbe unvollständig und in 21 fehlte er ganz. 
Die Misserfolge will M. auf Fehler in der Dosirung und 
Technik zurückführen. Statt des Cocain sind Encain B, Anti- 
pyrin, Nirvanin gebraucht worden, doch sind diese Mittel 
nicht zu empfehlen. Todesfälle sind in M. Statistik nicht 
verzeichnet, die wenigen in-der Literatur genannten, scheinen 
ihm nicht auf Cocainwirkung zu beruhen. Ganz im Gegen¬ 
satz zu diesem günstigen Bericht äusserte sich der Erfinder 
der Rückenmarksanästhesie Bier (Greifswald) auf dem XXX. 
Chirnrgencongre8s in Berlin (April 1901) über seine Operation. 
Die von ihm gesammelten Fälle erreichen die stattliche Zahl 
von 1200. Trotz der sicher erreichbaren Analgesie die sich 
bis oben an den Thorax erstrecken kann, ist Bier zn dem 
Schluss gekommen, dass wegen der häufig vorkommenden 
üblen Folgen (sogar unzweifelhafte Todesfälle!) seine bisherige 
Methode für die Praxis unbrauchbar sei, doch ist es nicht 
ausgeschlossen, dass durch Modificatfonen, an denen er soeben 
arbeite, sich Gefahrlosigkeit erzielen lasse. 

Voss. 


Blteheranzeigen und Besprechungen. 

Mittheilungen ans der Augenklinik des Carolinischen 
raedico-chirurgischen Instituts zu Stockholm; heraus- 
geg. von Prof. Dr. J. Widmark. Fischer. Jena. 
Heft 3. 1901. 

Die «Mittheilungen», deren drittes Heft bereits vorliegt 
(das eiste erschien 1898, das zweite 1899), seien hiermit den 
Facbgenossen empfohlen. Sie enthalten sehr beachtenswerte 
ophthalmolog. Arbeiten des Herausgebers nnd einiger seiner 
Schüler; manche von ihnen sind bereits in skandinavischen 
Zeitschriften («Hygieia» u. a.) erschienen nnd werden hier in 
Uebersetzung auch deutschen l^eser-Vereinen zugänglich ge¬ 
macht. Das vorliegende Heft enthält Beiträge von D a 1 6 n , 
Helleberg, Key nnd dem Heraasgeber selbst, der in 
einem derselben wiederum ein Gebiet betritt, das er schon 
früher ausgiebig und iu massgebender Weise bearbeitet bat« 
Einfluss des Uchtes auf das Auge (hier speciell auf die Linse). 
Dadurch, dass er soust wenig zugängliche schwedische Ar¬ 
beiten auch dem deutschen Sprachgebiet übermittelt, erwirbt 
der Herausgeber sich gewiss ein anerkennenswertes Ver¬ 
dienst so wohl um seine vaterländische, wie auch um die deut¬ 
sche ophthalmolog. Literatur. Wir wünschen daher seinen 
«Mittheilnogen» eine weitere Folge. 


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34 


Prof. Fraaz Mracek (Wien). Handbuch der Haut¬ 
krankheiten. Abtheilung I—III. Verlag von Alfred 
Hölder. Wien 1901. Preis pro ./btheilung 5 Mark. 
Nachdem in den letzten Jahren, parallel mit dem Krossen 
Aufschwung:, welchen die gesammte medicinische Wissen¬ 
schaft erlebt, auch die Dermatologie zu einer grossen Höhe 
gelangt ist, hat sich das Bedtirfniss fühlbar gemacht nach einem 
Werke, welches das grosse wissenschaftliche Material der letz¬ 
ten Jahrzehnte sachlich sichtend, uns eine umfassende Darstel¬ 
lung des modernen Standes dieser Specialdisciplin bringen 
würde- Der Wunsch diese fühlbare Lücke aus zu füllen, be¬ 
wog Prof. M r ac e k unter Beihilfe vieler namhafter Fach - 
genossen ein Handbach der Hautkrankheiten herauszugeben, 
deren drei erste Abtheilungen bereits zur Besprechung vor¬ 
liegen. Das ganze Werk soll ungefähr 15 Abtheilangen um¬ 
fassen. 

Dass wir es hier mit einem erstklassigen Werke zu thun 
haben, belehrt uns bereits eine flüchtige Duichinusterung des 
selben nnd beim näheren Einblick in die einzelnen Capltel 
ersehen wir, wie übersichtlich, wie eingehend alle Fragen 
einer Besprechung unterzogen werden und wie wertbvoll 
dieses Handbuch durch seine in möglichst grosser Vollstän¬ 
digkeit den einzelnen Capiteln beigefügte Literatnrübersicht 
für den Fachmann werden wird. Zahlreiche Abbildungen von 
ganz vorzüglicher Ansführung, welche die anatomischen und 
klinischen Feinheiten des abgehandelten Stoffes bildlich Wie¬ 
deraufleben bestrebt sind, finden sich im Texte zerstreut vor 
und der dritten Abtheilung sind ausserdem zwei recht gute 
Farben tafeln beigefügt. 

In den bisher beschriebenen Abtheilangen finden sich fol¬ 
gende Capitel: Rabl: Histologie der not malen Haut des 
Menschen ; K r e i d 1: Physiologie der Haut; S p i e g 1 e r 
und Grosz: Allgemeine Aetiologie der Hautkrankheiten ; 
Dieselben: Allgemeine Therapie der Hautkrankheiten; Ehr- 
mann: Hyperämie, Anämie der Haut, Derinatitiden; Török 
Krankheiten der Scltweissdrtisen und E h r m a n n : Func¬ 
tionsanomalien der Talgdrüsen, Erkrankungen derselben und 
ihrer Umgebung. 

Wenn hier zum Schlüsse hinzugefügt wird, dass ausser deu 
genannten Autoren an der Fortsetzung dieses Werkes noch: 
unter Anderen Unna, Winlwarter, Pal tauf, Ja- 
dassohn, Mracek nnd andere mitarbeiten weiden, so 
bedarf ja selbstredend dieses Handbuch keinerlei weiteren 
Empfehlung und sehen wir mit dem grössten Interesse dem 
Erscheinen der nächsten Lieferungen entgegen. 

Hecker. 

A. Chanteme8se et W. W. Podwryssotsky. Pa¬ 
thologie g6n6rale et experimentale. Les Processus 
g6n£raux I. Histoire naturelle de la maladie. — 
H6ridit6-Atrophies.—D6g6n6rescences.—Conoritions. 
— GangVenes. Paris. C. Naud. 1901. 

Zwei hervorragende Pathologen verschiedener Nation haben 
sich verbunden ein Handbuch der allgemeinen nnd experimen¬ 
tellen Pathologie herauszugeben und ihre jeweiligen speciellen 
Kenntnisse der vaterländischen Literatur zu einem gemein¬ 
samen Bau zusammen zu tragen. So ist der Einfluss der 
zum Theii eigenartigen Richtung der russischen Forschung 
mit originellen Anschauungen in manchen Capiteln zu be¬ 
merken, Anschauungen welche der westeuropäischen Literatur 
theilweise fremd geblieben sind. 

Auch sonst finden wir zahlreiche Detailforscb ungen zusam¬ 
mengetragen, berücksichtigt und zum Theii kritisch behandelt. 

Zahlreiche Abbildungen, grösstentheils Originale, illustrireu 
das Gesagte, sowie die Ausstattung eine durchans elegante 
genannt werden muss. 

Mit Spannung sehen wir dem Erscheinen des zweiten Bandes 
entgegen. U c k e. 

C. Beier: Die Untersuchung unserer wichtigsten Nah¬ 
rungs- nnd Genussmittel. Medicinische Bibliothek 
für praktische Aerzte. (Leipzig. Drnck und Verlag von 
C. G. Naumann. Preis 1 Mk- 50). 

Das kleine Buch giebt in gedrängter Form dein practischeu 
Arzt eine Anleitung auch weit von grösseren Centren, in 
denen Untersuchungsstationeri und Laboratorien existireu, 
gelegentlich sich über die Güte der Nahrungs- nnd Genuss¬ 
mittel zu informiren und so die einfachsten Prüfungen vor¬ 
zunehmen. Täglich treten an den Arzt Fragen aus diesem 
Gebiet heran, doch sind ihm die grossen Handbücher meist 
nicht zur Hand, wohl auch nicht zugänglich. Da dürfte dies 
Btichelchen von Nutzen sein. Ucke. 

G. Schmorl. Die pathologisch-histologischen Unter- 
suchungsraethoden. Zweite neubearbeitete Auflage. 
Leipzig F. C. W. Vogel. 1901. (6 Mk.) 

Das 2V» hundert Seiten starke Buch, das schon aus erster 
Auflage vielfach sich viele Freunde erworben haben dürfte, 
zeichnet sich durch sehr reichhaltige Angaben technischer 


Hilfsmittel hei pathologisch - histologischen Untersuchungen 
aus und giebt auch die neuesten Methoden soweit sie sieh 
bewährt haben. 

Die Einteilung zunächst nach den allgemeinen Methoden 
der Untersuchung, dann nach den einzelnen pathologischen 
Bestandteilen nnd endlich nach den Geweben resp. Organen 
ergiebt eine grosse Uebersicbtliehkeit, zum Nacbschlagen be¬ 
sonders geeignet. Aach die Bakterien werden ausführlicher 
behandelt. 

Autoren- und Sachregister beschliessen das Ganze. 

Ucke. 


Vermischtes. 


— Prof. Dr. Ernst v. Bergmann in Berlin ist zum 
wirklichen Geheimrftth mit dem Prädikat 
Excellenz ernannt worden. Aus diesem Anlass hat- 
die Berliner mediciuische Gesellschaft, deren stellvertretender 
Vorsitzender (neben Prof. R. V i r c h o w) Prof. v. Berg¬ 
mann seit einer Reihe von Jahren ist, beschlossen, dem 
verdienstvollen Chirurgen eine Adresse zu überreichen, in 
welcher die Genugthnung für die ihm zu Theii gewordene 
Auszeichnung, die mittelbar auch eine Ehrung der Gesell¬ 
schaft Bei, ausgedrückt werden soll- Eine Sympathiekund¬ 
gebung ist Prof. v. Bergmann auch seitens der Studen¬ 
ten der chirurgischen Klinik zu Thejl geworder, wo er von 
dem dicht gefüllten Auditorium mit minutenlangem «Tram¬ 
peln», der üblichen Studentenovatioo, empfangen wurde, als 
er den Hörsaal betrat. 

— Der Militär-Medlcinallnspector des St, Petersburger Mi¬ 
litärbezirks, Geheiuirath Dr. Sclienck ist zum beständi¬ 
gen Mitglied des Militär-Medici ni sehen Ge¬ 
lehrten ComitCs ernannt worden, unter Entlas¬ 
sung vom gegenwärtigen Amt. Zu seinem Nach¬ 
folger als Militär -Medicinalinspector des 
St. Petersburger Militärbezirks ist der bisherige 
Oberarzt des Klinischen Militärbezirks, wirkl. Staatsrath Dr. 
Makawejew ernannt worden. 

— Am 20. Jaunar beging der Stadtarzt von Jnrjew (Dor¬ 
pat) I>r. Christian Ströhmberg sein 25 j ä h r i g e s 
Doctorj ub iläu in, bei welcher Gelegenheit ihm zahl¬ 
reiche Beweise ehrender Anerkennung und warmer Zunei¬ 
gung zu Theii wurden. 

— Der ausserordentliche Professor der pathologischen Ana¬ 
tomie an der Universität Tomsk Dr. Th. Romanow ist 
zum ordentlichen Professor ernannt worden. 

— Zum ausserordentlichen Professor der 
atliologischen Anatomie an der Charkower 
niversität ist der Privatdocent der Moskauer Univer¬ 
sität Dr. Melnikow-Raswedeukow, welcher vor 
Kurzem die Sagorski - Prämie erhielt, ernannt worden. 

— Der Privatdocent der Charkower Universität Dr. K n s - 
nezow ist zom ansserordentlichen Professor 
der chirurgischen Facitltätsklinik in War¬ 
schau ernannt worden. 

— Der jüngere Ordinator des Tiflis’schen Militärhospiials 
Dr. Shegalow ist zum Arzt am Hofe des Grossfürsten 
Alexander Mich ailowitsch ernannt worden, unter 
Entlassung vom gegenwärtigen Amt und Belassung im Mili- 
tär-Medicinal-Ressort. 

— Der bekannte Psychiater Prof. v. Krafft-Ebing 
giebt in näcb ster Zeitseine L eh r t hä t i g k e i t 
au der Wiener Universitätauf. ln Folge dessen 
tritt, wie wir der «Allg. med. C.-Ztg.» entnehmen, ein Wech¬ 
sel in der Leitung der sämmtlicben österreichischen Univer¬ 
sitätskliniken ein. An Stelle Prof, v- Kr a f f t - E bi n g ’ s 
wird Prof. Wagner v. Jauregg Director der ersten 
psychiatrischen Klinik in Wien- An seine Stelle in der Di- 
rection der Klinik in der niederösterreichi sehen Landesanstalt 
tritt Prof. Anton, der jetzige Director der Universitäts- 
Irrenanstalt iu Graz. Ihn ersetzt wieder Prof. Carl 
Mayer, der jetzt die Irrenklinik in Innsbruck leitet, wäh¬ 
rend die Leitung der Innsbrucker Irrenklinik dem bisherigen 
ersteu Assistenten K raf f t • Ebi n g’s Dr. v. Söl der in 
Wien übertragen wird. 

— Verstorben: 1) In St. Petersburg am 15. Januar 
der frühere Professor der Geburtshilfe am HebammeniDstitut 
der Grossfürstin Helene Pawlowna, wirkl. Staatsrath 
Dr. Rudolph Radecki im 63. Lebensjahre. Der Hinge¬ 
schiedene stammte ans Riga und hatte seine medicinische 
Ausbildung an der Dorpater Universität erhalten, an weicher 
er von 1859—64 studirte und 1866 auch die Doctorwürde er¬ 
langte. Nachdem er zur weiteren Vervollkommnung seine 
Studien in Leipzig und Prag fortgesetzt hatte, Hess er sich 
1868 als Arzt in St. Petersburg nieder, wo er anfangs als 
Ordinator, dann von 1874—82 als Professor an dem obenge¬ 
nannten Hebammeninstitut fungirte. Seit 1882 wirkte er 


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35 


hier als vielbeschäftigter freipr&kticirender Geburtshelfer und 
Frauenarzt. — 2) Am 15. Januar zu Mitau der Oberarzt am 
Krankenbause des Collegiums der allgemeinen Fürsorge, 
Staarsratb Dr. Theodor Böttcher im 60. Lebensjahre. 
Im lettischen Pastorat zu Banske geboren, erhielt er seine 
Schulbildung in Birkenruhe und bezog 1864 die Universität 
Dorpat, wo .er'hie 1872 Medjcin studirte und der Corporation 
«Curonla» als beliebtes Mitglied angehörte. Nach Absolvirung 
seiner Studien mit dem Doctorgrade begann er seine prakti¬ 
sche Thätigkeit als Landschaftsarzt im Gouvernement Ssara- 
tow, war dann während des russisch-türkischen Krieges 
1877—78 Oberarzt des Dorpater Lazareths des Rathen Kreu¬ 
zes in Simniiza und Sistowo an der Donau, und Hess sich 
1879 dauernd als praktischer Arzt in Mitau nieder, wo er von 
1887 auch den Posten eines jüngeren Ordinators und von 1890 
den des Oberarztes am Krankenhause des Collegiums der ali-' 
gemeinen Fürsorge bekleidete. Wie ein Amtsgenosse In einem 
warmen Nachrnf in der «Mit. Ztg.» ihm nachrühmt, war Dr. 
Böttcher eine Persönlichkeit, die keinen gleichgiltig lassen 
konnte. Allen zwang seine markige, männliche Erscheinung, 
sein lauterer, edler Charakter, seine feste Gesinnung zcm 
mindesten Achtung ab. Aber die ihn näher kannten, die 
mussten ihn lieben, diesen Mann mir dem treuen Herzen, bei 
dem Treue der Grundzug seines Wesens war: Treue gegen 
sich selbst, Treue gegen die Seinen nnd Treue in seinem 
schweren anfreibeuderi Beruf. — 3) Am 20. Januar n. St. der 
berühmte Münchener Kliniker Prof. Dr. Hugo v. Ziems- 
sen im Alter von 72 Jahren. Seine medicinischen Studien 
hatte der Verstorbene in seiner Vaterstadt Greifswald, in 
Würzburg und Berlin gemacht. Nachdem er in Greifswald 
als Assistent von Haeaer, Niemever und R ü b 1 e fnn- 
girc, habilitirte er sich 1856 als Privataocent daselbst, wurde 
aber 1863 als ordentlicher Professor nach Erlangen nnd von 
dort 1874 nach München berufen, wo er neben der klinischen 
Professur noch die Leitung des grossen allgemeinen Kran- 
keohaases übernahm und eine ungewöhnlich reichhaltige lite¬ 
rarische Thätigkeit entfaltete. Seine grdsse Arbeitskraft und 
seltene Vielseitigkeit illustriren am besten seine zahlreichen 
Werke: Das mit Zenker gemeinschaftlich gegründete 
«Deutsche Archiv für klinische Medicin», das «Handbuch der 
Pathologie und Therapie innerer Krankheiten», das mit 
Pettenkofer gemeinschaftlich bearbeitet« «Handbuch der 
Hygiene» u. a. m. In Ziemssen verliert die Münchener 
Universität einen hochbegabten und anregenden Lehrer, 
Deutschland einen seiner angesehensten und weit Über die 
Grenzen des Landes bekannten Aerzte und die medicinische 
Wissenschaft einen geistreichen und unermüdlichen Forscher. 

— Die Gesellschaft der Angen&rzte in Mos- 
kan, welche am 19. Januar ihre Jahressitznng abgebalteu 
hat, zählte im verflossenen Jahre 36 Mitglieder und 1 Ehren¬ 
mitglied. Zum Präsidenten der Gesellschaft für das 
Jahr 1902 wnrde der Privatdocent Dr. 8. G o 1 o w i n , zum 
Vicepräaidenten Prof. Dr. K r j u k o w nnd zum C a s - 
sirer Dr. Strachow gewählt. 

— Der Consultant und Honorarprofessor des klinischen 
Instituts der Grossfürstin Helene Pawlowna, Staats¬ 
rath Dr. Semazki, ist zuin Consultanten des 
Krankenhauses der Gemeinschaft barmher¬ 
ziger Schwestern «Mariae Schutz nnd Für¬ 
bit t e», ernannt worden, unter Belassnng in seinen bishe¬ 
rigen Stellungen.' 

— Zum stellvertretenden ausserordentlichen 
Professor auf dem Lehrstuhl derPharmacie 
und P b a i m a k o g u o s i& in Odessa ist der Privat¬ 
docent der Jurjewer Universität Mag. pharm. Blauberg 
ernannt worden. 

— Die Gesellschaft der Nenropathologen und 
Psychiater in Moskau beschloss in einer dem An¬ 
denken ihres vor Kurzem verstorbenen Präsidenten und 
Ehrenmitgliedes Prof. Kosliewnikow gewidmeten Sitzung, 
zur Veiewigung des Andenkens des Verstorbenen ein beson¬ 
deres Gebäude für das neuropathologische Museum zu er¬ 
richten, io welchem, ausser den Collectioneu Koshewni- 
k o w’s, Auditorien, Laboratorien, eine Bibliothek und ein 
Lesecabinet untergebracht weiden können. Zu den Sttmineu, 
welche bereits für diesen Zweck gespendet sind, steuerte Prof. 
Roth noch 2000 Rbl. bei. (Her.). 

— Nach dem Jahresbericht der Moskauer Uni¬ 
versität, welche am 12. Januar ihren 148. Stiftnngstag 
beging, betrug die Oesammtzahl der Studirenden 
an diesem Tage 4344, von denen 1100 der medicinischen Fa- 
cultät angehörien. Dazu kamen noch 171 freie Zuhörer und 
176 Pharmaceuten. Den Cursus absolvirten im Berichtsjahre 
691 Studenten. Verliehen wnrde von der med. Facultät: 
die Würde eines Kreisarztes — 233 Personen, eiues Zahn¬ 
arztes — 50, eines Provisors — 79, eines Apothekergehülfen 
— 66, eines Dentisten — 20 und einer Hebamme — 31 Per¬ 
sonen. Der Unterhalt der Universität (zusammen 
mit den Snbsidien für Bauten) kostete 1,661,762 Rbl. 


— Der Medicinalrath hat die Einführ des vomPa- 
steur-In stitut in.Paris hergestellten Auti- 
stre ptococcen-Ser ums nach Russland für alle 
Heilanstalten, ärztliche Gesellschaften und Apotheken unter 
der Bedingung gestattet, dass dieses Präparat nur auf Ver¬ 
ordnung von Aerzten und in der Originalverpackung mit An¬ 
gabe der Zeit seiner Herstellung verabfolgt wird. 

— Die Zahl fler Priv atdocenten an der mili- 
t ä r-me dicinischen Academie belief sich zum l. Ja¬ 
nuar 1902 auf nicht weniger als 92 Personen. 

— Die Stadt Odessa hat zum Unterhalt ihres 
Stadt li 08 pitals pro 1902 nacli dem Voranschläge 525,000 
Rbl. ausgesetzt, was 8V-i pCt. des Gesammtbudgets der Stadt 
ausraaohr. (R. V\r.). 

— In der letzten Zeit sind hier wieder zwei Todesfälle 
an M a 11 e u s vorgekommen , es sind der Fuhrwerkbesitzer 
D a n i 1 o w an der Leuchtenberger Strasse und der Portier 
Ssemenow im Hanse Nr. 5 an der Kasanskaja ein Opfer 
dieser-Krankheit geworden Zur Verhütung einer Weiter- 
verbreitüng. derselben sind die nöthigen Massregeln ergriffen 
worden. 

— Wie die Allerhöchst eingesetzte ComraiBsiou znr Ver¬ 

hütung der Pest mittheil!, wnrde laut telegraphischer Mel¬ 
dung des Mllitärgouvei*neur8 von Kutais ein pestver¬ 
dächtiger Erkranknngsfallain 8. Januar in 
Bat um constatiri. Am 9.' Januar starb der Kranke. Sein 
Wohnhaus ist abgesperrt und alle Personen, welche mit dem’ 
Kranken in Berührnug gekommen waren, werden ärztlich 
beobachtet. Es ist zugleich die Verfügung getroffen worden, 
dass alle aus Batuin abgehenden Schiffe vor der Abfahrt und 
bei ihren) Eintreffen in den Häfen des Schwarzen Meeres l 
ärztlich untersucht werden. Auch die aus -Batnm mit der 
Eisenbahn abreisenden Passagiere werden in Bezug auf ihren! 
Gesundheitszustand einer ärztlichen Coutrole unterworfen. 
Seit dem 8. Januar ist bis hente dort keine ähnliche Erkran-: 
knng weiter vorgekommen. Bf. 

— Die GeBamiutzahl der Kran keu in den civil-- 
knspjtälern St. Petersburgs betrug am 12. Jan.» 
d. J 8809 i 225 mehr als in d. Vorw.). darunter 598 Typhus —, 
(18 mehr), 733 Syphilis —(59 mehr), 306 Scharlach — (6 wen.). 
130 Diphtherie — (10 wen.), 45 Maseru — (4 mehr) und 17 
Pockenkranke — (0 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 6. bis zum 12. Januar 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 



2) nach den Todesursachen: 

Typh. exanth. 3, Typli. abd. 15. Febris recurrens 0, Typhus 
ohneBestimmungder Form 0. Pocken 2, Maseru 8, Scharlach 11. 
Diphtherie 35, Croup 5, Kenchhusten 3, Croupöse Lungen¬ 
entzündung 41. Erysipelas 5, Grippe 10, Cholera asiatica 
0. Ruhr 1, Epidemische Meningitis 1, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0. Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0. Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 3, Pyämie und Septicaemie 14, 
Tuberculose der Langen 89, Tuberculose anderer Organe 19, 
Alkoholisinns und Delirium tremens 8. Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 50, Marasmus senilis 42, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 55. Todtgeborene 38. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 5. Februar 1902. 

Tagesordnung: 1) Hecker: Ueber die Functionen des 
kindlichen Magens bei Verdauungs¬ 
krankheiten. 

2)Bary: Altes und Neues über die 
vormals Frey'sehe Anstalt. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. Februar 1902. 


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chemische Fabrik — Darmstadt. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit die-nst 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 


jl 08 B- neHB. Cn6., 25 flHBapH 1902 r. Heransgeber Dr. Rudolf Wanach. Bnchdruckerei v. A. Wienecke.Katharinenhofer Pr. H 15. 


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XXVII- JAHRGANG. ST. PETERSBURGER Neue Folge XIX. Jahrg. 

MEEICINISCHE W0CE1IS0IRIFI 


anter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Johannes Krannhals. 

Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg- 


Di* «St. Petersburger Medicinisehe Wochenschrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnementsprois ist in Basslanl8 Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellnng; in den anleren 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit istlöKop. oder 35 Pfenn.—Den 
Antoren werden 25 SeparatabziigeihrerOriginalartikel zugesandt.— 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


IC Abonnements-Aufträge sowie alle Znaerate "W 
bittet man ausschliesslich au die Buchhandlung von K. L. Bioker in 
St.Petersburg.Newsky-ProspeetM 14, zu richten.—Ma nm oripte 
sowie alle anl'die Redaetion bezüglichen Mittheilungen bittet man an 
den geschäftsführenden Redacteur Dr.Bndolf Wanaob in St.Pe- 
tersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zn richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr. 


N 5 


St. Petersburg, 2. (15.) Februar 


1902 


Inhalt: Dr. med. Felix Pilzer: Ein Fall von Tetanus. — Referate: D. L6vai: Die Mikromastie und ihre Behand¬ 
lung-. — Bücheranzeigen und Besprechungen: Lelirbnch der Arzeneimittellehre und Arzenelverordnuugslehre unter 
besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe von Dr. H. von Tappeiner. — Protokolle 
des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Mittheilungen aus der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. 
— Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Aus der chirurgischen Abtheilung des James Armit- 
steadschen Kinderhospitals zu Riga. 

Dirigireoder Arzt Dr. med. P. K lern in. 

Ein Fall von Tetanus. 

Vortrag mit Demonstration, gehalten in der Gesellschaft 
praktischer Aerzte zn Riga am 19. December 1901. 

Von 

Dr. med. Felix Pilzer, 

Assistent. 

Wohl keine Krankheit ist dazu angethau, einen so 
tiefen Eindruck auf den Beobachter zu machen, wie der 
Tetanus. Keine Krankheit hat wie diese die Eigen¬ 
tümlichkeit an sich, gleich einem bösen Fatum, unge¬ 
ahnt und unverschuldet, sich auf ihre Opfer zu stürzen, 
diese in voller Lebenskraft, in blühender Jugend zu 
überraschen und bei völligem bis zum Schluss erhalte¬ 
nem Bewusstsein unter grossen Qualen zum Tode zu füh¬ 
ren. Kaum eine Krankheit endlich hat, wie diese, die 
Eigenschaft unter so rätselhaften schwer verständlichen 
Vorgängen zu verlaufen, sich jeder therapeutischen 
Massnahme gegenüber so unzugänglich zu verhalten und 
ohne eine directe Schädigung lebenswichtiger Organe 
erkennen zu lassen, dem Leben ein Ende zu machen. 

Dieses düstere Geheimniss, das den Tetanus umgiebt, 
seine so einzigartige Erscheinungsweise, in der er sich 
mit keiner anderen Krankheit vergleichen lässt, sind 
die Veranlassung gewesen, dass er seit den ältesten Zei¬ 
ten in hohem Grade die Aufmerksamkeit der Aerzte er¬ 
regt hat und Gegenstand eingehender Studien gewesen ist. 

Daher haben wir schon von Hippokrates und 
Aretäus stammende Beschreibungen dieser Krankheit, 
die an Lebendigkeit und Naturtreue mustergiltig sind, 
zugleich auch zeugen, dass der Tetanus sich im Laufe 
der Jahrhunderte in nichts geändert bat, sondern in 
derselben Weise wie im Alterthum das Verhängniss 
seiner Opfer wird. 

Uns, denen die Bakteriologie, als die Erkenntnissquelle 
der Ursache vieler Krankheiten geläufig ist, ist auch 


bekannt, dass diese merkwürdige Krankheit einzig und 
allein einem nunmehr gut bekannten Bacillus ihre Ent¬ 
stehung verdankt, doch muss es geradezu unser Mitge¬ 
fühl erwecken, wenn wir lesen, wie viel Mühe und wie 
viel Fleiss unsere Vorfahren daran gewandt haben, die 
Ursache einer Krankheit zu ergründen, deren Deutung 
in der vorbakteriologischen Zeit völlig ins Gebiet der 
unbeweisbaren Hypothese fallen musste. 

Wir sind Uber diese Zeit hinaus seit dem Jahre 1884, 
in welchem Nikolai er entdeckte, dass Einimpfung 
einer bestimmten Gartenerde bei Versuchstieren typi¬ 
schen Tetanus machte, und der in dieser Erde, sowie 
auch bei den Thieren an der Impfstelle einen Bacillus 
von specifischer Gestalt fand, mit dem er jedesmal einen 
Tetanus erzeugen konnte. 

Ein Jahr später fand Rosen hach denselben Bacil¬ 
lus in der Wunde eines an Tetanus erkrankten Men¬ 
schen, und bald darauf gelang es Kitasato den Ba¬ 
cillus in Reincultur zu züchten und ihn mit aller Sicher¬ 
heit als den Erreger des Wundstarrkrampfes nachzu¬ 
weisen. 

Hiermit war denn die Jahrhunderte lang offene Frage 
nach der Entstehuugsursache des Tetanus in kurzer Zeit 
beantwortet, — die Frage nach dem Wesen der Krank¬ 
heit indessen noch längst nicht erschöpft. 

Es stehen immer noch offen die Frage nach der Art 
der Giftwirkung, der Verbreitungsweise des Giftes und 
schliesslich die Frage der Therapie, welch letztere 
durch die Serumbehandlung in ganz neue Bahnen ge¬ 
lenkt ist. 

Es ist erwiesen, dass der Tetanusbacillus sich nur 
an der Stelle, an welcher er in den Körper gelangt 
ist, vermehrt, nicht weiter in die Gewebe resp. Organe 
eindringt und an der Impfstelle ein Gift producirt, wel¬ 
ches sehr kurze, aber auch sehr lange Zeit nach der 
Infection zur Wirkung gelangt und in unendlich kleinen 
Dosen verderblich werden kann. 

Nachdem das Gift auf dem Blutwege in den Körper 
gelangt ist, entfaltet es, nach der Ansicht der meisten 


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Autoren, seine Wirksamkeit auf die motorischen Cen- 
tren des Rückenmarks und der Medulla oblongata, 
welche es in einen Zustand erhöhter Erregbarkeit ver¬ 
setzt, auf alle von der Peripherie her einwirkenden sen¬ 
siblen Reize. ' Diese erhöhte Erregbarkeit findet dann 
ihren Ausdruck in einem tonischen Krampf der Musku¬ 
latur. 

Diese Erklärung passt gut für das Gros aller Teta¬ 
nusfälle, in denen die Krankheit mit Trismus beginnend 
sich auf die Rurapfmuskulatur verbreitet, wobei die Ur¬ 
sache des Trismus, als ersten Symptoraes, nach Pflü¬ 
ger, darin zu suchen ist, dass die Medulla oblongata 
als feinstes Reagens auf das Starrkrampfgift zuerst 
reagirt. 

Nicht aber passt diese Erklärung auf jene weit sel¬ 
teneren, aber durchaus unzweifelhaften Fälle, in denen 
der Tetanus an der Impfstelle beginnend, dort zunächst 
eine locale Contractur erzeugt, auf welche erst später 
der allgemeine Tetanus mit Trismus etc. folgt, oder der 
auch local auf das zuerst befallene Muskelgebiet be¬ 
schränkt bleiben kann. 

Zwei Fälle ersterer Art sind von Klemm 1 ) im Ri¬ 
gaer Stadtkrankenhause in der Abtheilung des Dr. 
v. Bergmann und in der Praxis beobachtet und be¬ 
schrieben worden. Fälle der zweiten Art erwähnt 
Billroth in seinem Lehrbuche. 

Dieser Abweichung der Erkrankung von der Norm 
entspricht auch diejenige Art, wie der experimentelle 
Impftetanus beim Thiere sich äussert. Hier kommt es 
ausnahmslos zu einer Contractur unmittelbar derjenigen 
Muskelgruppen, welche der Impfstelle am nächsten lie¬ 
gen und von dort aus zu einer weiteren Verbreitung. 

Zur Erklärung dieser höchst auffälligen Erscheinung 
entschied sich Brunner 2 ) für die Annahme einer 
Doppelwirkung des Tetanusgiftes, peripher und central, 
wobei das Gift in den der Eingangspforte zunächst ge¬ 
legenen Muskeln und Nerven Veränderungen erzeugen 
sollte, welche diese Bezirke auf das später vom Centrum 
her wirkende Gift besonders leicht reagiren lassen 
sollte. 

Dieser Erklärung steht eine andere von Klemm 3 ) 
gegenüber, in welcher dieser durchaus an einer peri¬ 
pheren Wirkung des Tetanusgiftes festzuhalten räth, in¬ 
dem er meint, dass der Grund der Verschiedenartigkeit 
im Verlaufe des acuten, klassischen Tetanus und des¬ 
jenigen, wie e r ihn beobachtet, resp. wie er sich beim 
Versuchsthier präsentirt, in den biologischen Eigenschaften 
der eingedrungenenTetanusbacillen und der Resistenzfähig¬ 
keit des betreffenden Organismus zu suchen ist. «Sind die 
Bacillen in ihrer Virulenz herabgesetzt, so lässt sich 
verstehen, dass die Production der giftigen Umsatzstoffe 
träge und sowohl in quantitativ wie auch in qualitativ 
herabgesetzter Weise erfolgt, so dass die Aufnahme in 
die Blutbahn langsamer zu Stande kommt. Eis wird 
hier aber leichter eine Schädigung der peripheren Ner¬ 
vengebiete, in deren Bezirk die Giftproduction statt¬ 
findet, auftreten, vornehmlich jener Zweige, die mit dem 
Toxin in directer Berührung stehen. Es werden im 
Nerv offenbar ähnliche molekulare Veränderungen zu 
Stande kommen wie im Rückenmark, so dass ev. die 
Widerstände innerhalb der Leitungsbahn herabgesetzt 
werden, wodurch die im Centralorgano vorhandenen 
Erregungen schnell zur Peripherie fortgeleitet werden, 
wo sie als Krampf imponiren». 

Die bisher leider so wenig erfolgreichen Versuche 
auf dem Gebiete der Therapie befolgen seit Einführung 
des Heilserums die beiden Gesichtspunkte, direct gegen 
die Krankheit durch Neutralisirung des Giftes zu wirken; 

*) D. Zeitschr. f. Chirurgie Bd. XLII. 

*) Beiträge zur kliu. Chirurgie. Bd. IX. 
s ) D. Zeitschr. f. Chirurgie Bd. XLII. 


zweitens symptomatisch durch Darreichung grosser Gaben 
von Narkotica die Erregungszustände zu mildern. 

Die Erfolge der letzteren Massnahme stehen seit lan¬ 
gem uiibezweifelt da. Die Resultate der Heilserum- 
therapie finden noch eine sehr widerspruchsvolle Beur- 
theilung. Doch ist wohl die Hoffnung berechtigt, dass 
es gelingen wird, auf diesem Wege wirksamere Waffen 
als bisher gegen die Krankheit zu finden. 

Ich möchte mir nun erlauben Ihnen über einen Fall 
von Tetanus Mittheilung zu machen, der in der chirur¬ 
gischen Abtheilung des Kinderhospitals zur Behandlung 
kam, trotz seiner Schwere zur Genesung gelangte und 
der in Anamnese, Verlauf, klinischem und bakteriologi¬ 
schem Befund ein so vollständiges, klassisches Bild des 
Tetanus bot, wie es wohl nicht häufig angetroffen wird. 
Für die freundliche Ueberlassung des Materials bin ich 
meinem Chef, Herrn Dr. P. Klemm zu Dauk ver¬ 
pflichtet. 

Der Patient E. K., II 3 /« Jahre alt, aus dem hiesigen Strand¬ 
ort. Dubbeln, wurde am 1. August v. J. um 6 Uhr Nach¬ 
mittags ins Hospital gebracht. Die Anamnese ergab, dass 
er vor 4 Tagen, am Sonnabend den 28. Juli beim Baden in 
der Aa sich den linken Fuss an einem Baumstumpf verletzt 
und am Tage darauf, Sonntag deu 29. Juli, Fieber und 
Steifigkeit in den Gliedern verspürt hatte. Seit Montag den 
30 Juli konnte Patient nicht mehr ordentlich den Mund 
öffnen und befand sich der Rumpf in krampfhafter Strecklage. 
Seitdem auch häufige stossartige Streckkrärapfo des Körpers, 
die sehr schmerzhaft waren. Patient konnte bis zum Tage 
der Aufnahme, wenn auch erschwert, essen und sprechen. 

Der Status praesens ergab: Massig kräftigen Ernährungs¬ 
zustand, reine Haut, bohnengrosse Ingninaldrnsen beiderseits. 

Hals, Rumpf uud Brust finden sich im Zustand tetanischer 
Starre. Die mimischen Gesichtsmuskeln sind contrahirt: die 
Stirn gerunzelt, die Lidspalten verengt, beide Massetereu 
fühlt man als harte Wülste; die Mundwinkel sind leicht an¬ 
gezogen. Im Ganzen bietet das Gesicht mit seinem leicht 
lächelnden und dabei angstvoll verzerrten Ausdruck das Bild 
der Facies tetanica mit dem Risus sardonicns. 

Der Mund lässt sich activ ca. 1 Ctm. weit öffnen. 

Der Kopf ist in den Nacken gezogen, beschreibt mit dem 
Rnmpf einen nach hinten concaven Bogen- Die Muskulatur 
fühlt sich überall bretthart an. 

Die Bewegungen der Arme sind frei. Die Beine vermag 
Patient mit Mühe in den Gelenken zu flectiren. Sonst 
liegen sie in Streckstellung mit gleichfalls gespannter Mus¬ 
kulatur da. Die Füsse sind plantar flectirt An der linken 
Fasssoble, unter dem 3. Metatarsusköpfchen, befindet sich 
eine ca. linsengrosse Wunde, die auf Druck etwas Eiter ab¬ 
sondert. Die Epidermis ist ringsherum ca. 10 Kopekenstück 
gross, untermiuirt und etwas abgehoben. 

An der rechten Fusssohle in der Mitte findet sich eine 
längsverlaufende V« Ctm. lange Schnittwunde, dieselbe ist 
ganz oberflächlich und fast verheilt. 

Herz- uud Lungenbefimd sind normal- 

Urin 1002, klar, sauer, kein Albumin, deutlich Indican. 

Bei jeder Bewegung des Patienten oder bei plötzlicher Er¬ 
regung seiner Aufmerksamkeit (Thüröffneu, Anrufen) stellt 
sich sofort stossartig ein Znstand noch erhöhter Contractur 
aller Muskelgruppen ein, der bald nachlässt. 

Patient wird sofort nach seinem Eintreffen in der Abtei¬ 
lung chloroformirt, zwecks genauer Untersuchung seiner 
Wanden. Dabei erweist sich, dass die Schuittwunde des 
rechten Kusses nur die Epidermis betrifft, nicht bis in das 
Unterbantzellgewebe reicht. 

Die Wunde an der linken Fusssohle wird mit dem Messer 
erweitert. Dabei findet sich, im Unterhautzellgewebe steckend, 
ein ca. V* Ctm. langer, schmaler Holzsplitter. Das umge¬ 
bende Gewebe ist leicht eitrig eingeschmolzen. 

Der Holzsplitter wird entfernt, die Wunde in sehr ausgie¬ 
biger Weise mit dem Paquelin verachorft, mit Jodoform be¬ 
streut und verbunden. 

Auch die Wunde des rechten Fasses wird ausgebrannt, 
desinficirt, verbunden. 

Die sofort angestellte mikroskopische Untersuchung des 
dem Holzsplitter anhaftenden Eiters ergab alsbald Kokken, 
kurze, dicke Stäbchen und längere, sc blanke Stäb¬ 
chen, von sehrgleichmässigerForin mit einem 
endständigen, knopfförmigen, vielfach aber 
auch ringförmigen Sporn, also typische Te¬ 
tanus bacillen. 

Der Patient erhält noch am selben Abend eine ganze Dosis 
B e h ri n g ’ sehen Tetanns-Antitoxins. Am nächsteu Tage 
erhält Patient kein Antitoxin mehr, sondern grosse Dosen 


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ChJoralhydrat, im Ganzen 6,0, ausserdem Abends 1 Mal 0,01 
Morphium. 

Der weitere Krankheitsverlauf ist folgender : 

Am 3. und 4. August keine Aenderung. Die Starre ist 
nicht stärker geworden, hat eher etwas nachgelassen. Die 
Musknlatur der Extremitäten ist ziemlich frei. Von der 
Starre befallen sind hauptsächlich Gesicht und Rumpf. Pa¬ 
tient kann den Mund ca. 1 Ctm. weit öffnen. Schlingfähig¬ 
keit erhalten. Patient hat am 3. August 6,0; am 4. August 
8,0 Chloral bekommen. 

8. August: Seither geringe Besserung aller tetanischeu 
Erscheinungen. Patient schläft gut. Im Schlaf ist die Ge- 
sichtsmuskulatur vollkommen frei vou krampfhafter Zusam¬ 
menziehung. 

11. August: Die krampfhaften Stösse treten nur noch sel¬ 
ten auf. Patient giebt an, sich wohler zu fühlen, kann den 
Mund 2 Ctm. weit öffnen. Die Rumpfmuskulatur ist noch 
bretthart. Extremitäten ziemlich frei. Appetit gut, Stuhl 
angehalten, erfolgt auf Ricinusgabe. Die Nahrung nimmt 
Patient selbst zu sich, indem er sich an den Rand des Bettes 
wälzt und auf dem Bauche liegend die auf dem Stuhle ste¬ 
hende Speise zum Munde führt. Patieut bevorzugt über¬ 
haupt die Lage auf der Seite oder auf dem Bauche, wegen 
der Beschwerden, welche ihm die concave Opisthotonusstel¬ 
lung bei Rückenlage macht. 

Am 9., 11. und 14. August hat Pat. je 1 Liter Kochsalz¬ 
lösung aubcuian infundirt bekommen ; ausserdem täglieh 6,0 
bis 8.0 Chloraihydrat. 

Vom 14. August ab wird statt Chloral Kal. broraatum mit 
Tinct. Valeriana gegeben. 

Vom 17. August ab wird auch dieses fortgelassen und nur 
noch täglich ein protrahirtes Bad gegeben. 

20. August: Pat. ist lebhafter geworden, sitzt iin Bett 
aufrecht. Kann selbst aus dein Bett steigen, aber nicht gehen 
noch stehen, wegen Steifigkeit und Unsicherheit iu den Bei¬ 
nen. Beim Liegen fühlen sich die Bauchmuskeln bretthart 
an, die anderen Muskeln sind schlaff. 

22. August; Sehr gutes Allgemeinbefinden. Es besteht 
noch straffe Spannung der Banchmuskulatur. Pat. ist viel 
beweglicher. Stimmung munterer. Pat. verlässt das Bett. 

29. August: Seither sehr gutes Allgemeinbefinden. Pat- 
geht mit etwas schwankendem, unsicherem Gang, ähnlich 
dem ataktischen Gang eines Tabikers. Nur noch geringe 
Spannung der Bauchmuskeln. 

9. September; Das Allgemeinbefinden ist völlig normal- 
Unsicherheit beiin Gehen kaum noch zu bemerken. Pat. wird 
geheilt entlassen. 

Wenn ich nnn an die Betrachtung dieses Falles gehe, 
so lehrt er Folgendes: 

Die Schnelligkeit, mit der es nach der Verletzung 
zum vollen Ausbruch der Allgemeinerscheinungen kam 
(die, wie die Anamnese ergiebt, schon am nächsten 
Tage auftraten), sowie die hochgradige allgemeine Starre, 
mit den hänfigen Stüssen, lassen schliessen, dass es sich 
um eine recht schwere Affection handelte, dass die Te¬ 
tanusbacillen, die sich an dem Fremdkörper befanden, 
entweder besonders zahlreich oder besonders virulent 
waren. 

Beweisend für letztere Annahme ist der Umstand, 
dass es mir gelungen ist mit demselben Holzstückchen 
bei 6 Meerschweinchen nach einander durch Implantation 
unter die Haut in 3, spätestens 5 Tagen typischen Te¬ 
tanus zu erzeugen. 

Ich glaube darum auch, dass der Patient seine Gene¬ 
sung in erster Linie dem Umstande -zu verdanken hat, dass 
ich den Holzsplitter sofort entfernen konnte und die in 
der Wunde befindlichen Tetanusbacillen durch ausgie¬ 
bige Verschorfung vernichtete. 

Nach der Erwägung von Klemm, ob die Wirkung 
des Tetanusgiftes wirklich als eine rein centrale aufzu¬ 
fassen sei oder ob nicht den Allgemeinerscheinungen im¬ 
mer ein peripheres locales Stadium vorausgehe, das 
nur wegen seiner Kürze von den Patienten Ubersehen 
werde, lässt sich auch hier der Fall construiren, 
dass vielleicht einige Stunden eine Steifigkeit im be¬ 
treffenden Bein bestanden habe, aber vom Patienten nicht 
weiter beobachtet worden sei, und dass er den Beginn 
seiner Erkrankung erst von dein Einsetzen des Trismus 
resp. der Starre der Rurapfrauskulatur datirte. 


Die Züchtung der Bacillen in Reincultur hat mir 
viel Mühe gemacht und recht lange gedauert, und scheint 
es mir, als ob das endgiltige Gelingen der Reinzüchtung 
doch schliesslich immer dem glücklichen Zufall mit zu 
verdanken ist. 

Meine mit 2 Culturen angestellten Versuche, nach 
Kitasato dieselben einige Male bis l 1 / 2 Stundenlang 
einer Hitze von 80 °C. auszusetzen, um auf diese Weise 
die Tetanusbacillen von den weniger hitzebestämligen 
Bakterien zu befreien, schlugen gänzlich fehl, trotzdem 
ich die Erhitzung nur */* Stunden lang und einmalig 
voruahm, denn in deu weiterhin angelegten Culturen 
erwies sich der Tetanusbacillus gleichfalls als abge¬ 
storben. 

Die Reinzüchtung des streng anaerob gedeihenden 
Bacillus gelang mir schliesslich dadurch, dass ich auf 
dem schrägen Agarröhrchen immer wieder von neuem 
und immer spärlichere Ausstriche des Tetanusbacillen¬ 
haltigen Materials machte, wobei es mir denn schliess¬ 
lich glückte eine Tetanusbacilleneolonie gesondert und 
absolut rein za erhalten. 


Referate. 

D. L6vai. Die Mikromastie und ihre Behandlung. 

Klin- ther. Wochenschr. 1901. Nr. 47. 

Unter «Mikromastie* versteht Levai lediglich eine rein 
hyslologlsche Kleinheit der Brüste, welche man namentlich 
ei vielen chlorotischen, nnterernährten weiblichen Individuen 
antrifft. Die zunächst gelegene Ursache der Mikromastie sei 
in einer mangelhaften Entwicklung des M. pectoralis raajor, 
bezw. des Bindegewebes der Milchdrüse oder deren Fettab¬ 
lagerung zu suchen. Dieser anomale Zustand giebt nun 
vielen Frauen Anlass zu Klagen vom kosmetischen Standpunkt 
aus, and es ist dann Aufgabe des Arztes diese Klage mit ge¬ 
nügendem Ernste aufzufassen. 

Die Therapie hat nnn hier eine hygienisch-diätetische Rich¬ 
tung einzuschlagen und muss die obengenannten Ursachen 
der Mikromastie bekämpfen. Durch die Verordnung von gut 
re8orbirbareu Eiweisspräparaten, so namentlich der Somatose 
mit ihrem 90proc. Eiweissgehalt, localer Massage der Brüste, 
sowie Turnübungen, die geeignet sind dem M. pectoralis major 
zur Hypertrophie zu verhelfen, hatVerf. in 16 Versuchsfällen, 
von denen er zwei in der Abhandlung an führt, in kurzer Zeit 
äusserst günstige Resultate gesehen. 

Hecker. 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Lehrbuch der Arzeneimittellehre und Arzeneiverord- 
nungslehre unter besonderer Berücksichtigung der 
deutschen und österreichischen Pharmakopoe von Dr. 
II. von Tappeiner. Vierte neubearbeitete Auflage. 
Leipzig. Verlag von F. 0. Vogel. 1901. 

Dass schon nach 2 Jahren eine neue Auflage deB 
Lehrbuches nöthig gewesen ist, beweist am deutlichsten, 
dass dasselbe, trotz der Menge der vorhandenen Werke auf 
diesem Gebiet, doch durchaus deu an ein Lehrbuch gestellten 
Ansprüchen gerecht geworden ist. Entsprechend den Fort¬ 
schritten der experimentellen Pathologie ist auch der Um¬ 
fang des Buches wieder gewachsen. Der Anfang, enthaltend 
die neueren Arzeneimittel, ist vervollständigt worden, so 
dass man sich leicht and bequem über dieselben orientiren 
kann. 

Fr. Mühlen. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 


692. Sitzung den 24. April 1901. 
Vorsitzender: T i 1 i n g. Secretär: A 1 b a n u s. 

1. A 1 b a n u 8 referirt über folgende Krankengeschichte: 
Am 4. Dec. 1900 wurde die 22-jährige Bäuerin 
weibl. Obnchow-Hospital aufgenommen. Sie gab 


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krank zu sein, mit Fieber, Uebelkeit und Erbrechen. Die 
Kranke war bei vollem Bewusstsein, klagte über Kopf¬ 
schmerzen. Milz percutorisch vergrössert. sonst innere Or¬ 
gane gesund. Am 8. Krankheitstage kritischer. Temperatur- 
abtall auf 36,0°, von da an bis zu dein am 15. Krankheitstage 
erfolgten Tode der Pat. normale Temperatur. Nach dem 
Temperaturabfall allmählich zunehmende Somnolenz, häufiges 
Erbrechen. Keine Nackenstarre. Urin enthält Spuren von Ei- 
weiss, kein Zucker. Stuhl angehalten. Am 13. Krankheitstage 
rechtsseitige Hemiparese. K e r n i g'sches Symptom anf der 
linken unteren Extremität deutlich, fehlt rechts. 

Exitus 15. Deo. Die Section ergiebt typhöse Geschwüre im 
Ileum und besonders reichlich in der Gegend der Valvula 
Banhini. Schwellung der Mesenterialdrüsen. Acuter Milz¬ 
tumor. Im Gehirn multiple punctförmige Blutaustritte. Lepto- 
meningitis. — Interessant ist der Fall durch seinen fieber¬ 
losen Verlauf. 

(Autoreferat). 

D i 8 c u s s i o n : 

Ucke: Hat eine bacteriologische Untersuchung der Pia 
und dps Exsudates unterhalb der Pia stattgefunden? Es wäre 
doch interessant zu erfahren, ob die Infection der Meningen 
durch Typhusbacillen veranlasst worden ist. 

Al bann 8: Die Antwort auf diese Frage wird binnen 
kurzer Zeit gegeben werden können, da die betreffende Unter¬ 
suchung schon im Gange ist. 

Wan ach: Vor Kurzem hatte ich Gelegenheit eine Ampu¬ 
tation der unteren Extremität wegen Gangrän nach Typhus 
ausführen zu müssen. Es war als Ursache weder eine Throm¬ 
bose noch eine Embolie nachzuweisen. Wie verhalten sich 
die Gefässe beim Typhus, kann es in ihnen zu endarteriiti- 
schen Processen kommen. 

Alban ns: Eine Ursache für die Gangrän der Extremi¬ 
täten bei Typhus kann die höchst wahrscheinlich specifische 
Endarteriitis bilden. 

Moritz: Sowohl Embolien, als auch Endarteriitiden sind 
nicht selten die Ursache. Es giebt aber noch andere ätiologi¬ 
sche Momente. Früher waren die Fälle so gehäuft, dass viel 
über diese Frage discntirt worden ist. Hermann hat da¬ 
mals die Beobachtung gemacht, dass Patienten aus solchen 
Provinzen, wo das Korn durch Secale verunreinigt war, be¬ 
sonders häufig erkrankten, und brachte die Gangrän mit Er- 
gotismus in Zusammenhang. Diese Ansicht ist bisher nicht 
widerlegt worden- Bei schwerer Erkrankung solcher Men¬ 
schen, käme der bis dahin latente Ergotismus zum Ausbruch. 

H e 11 a t: Ist es nicht sehr ungewöhnlich, dass beim Ty¬ 
phus von Anfang an solche Hirnsymptome bestanden wie in 
dem referirten Fall? Es wäre doch denkbar dass es sich noch 
um eine andere vielleicht chronische Hirnerkrankung ge¬ 
handelt hat. 

Alban ns: Allerdings ist es ungewöhnlich, dass beim Ty¬ 
phus fortgesetzt Erbrechen neben Somnolenz etc. besteht. 
Jedoch finden diese Symptome durch die bei der Section ge¬ 
fundenen Veränderungen, die sich sämmtlich auf den Typhus 
zuriickführen lassen, eine ausreichende Erklärung. 

2. Dobbert spricht über Therapie in frühen Entwick¬ 
lungsstadien unterbrochener Tubenschwangerschaften. (Der 
Vortrag ist als Tbell einer längeren Abhandlung zum Druck 
bestimmt). 

3. Fuhrmann: Ein Fall von Bradycardie- (Zum Druck 
bestimmt). 

D i s c u s s i o n : «. 

Moritz: Die Bezeichnung Bradycardie bedeutet in Ihrem 
Falle nur ein Symptom. Was Stokes, als Bradycardie be¬ 
schreibt ist ein Symptomencomplex, wo der langsame Puls 
eines derselben bildet. Bedeutende Pulsverlangsamung kommt 
z. B- auch bei Opiumvergiftung vor. In Ihrem Fall war die 
Bradycardie hochgradig, betrug 18—24 Pulse in der Minute. 
Ich erinnere mich in einem Fall 23 Pulse in der Minute ge¬ 
zählt zu haben. Solche Fälle, wo die Pulsverlangsamung das 
hauptsächliche Moment bildet, wäre es wünschenswert!) als 
Bradycardie zu benenuen, Fälle bei denen Herzdehnung und 
Herzschwäche mit langsamem Puls verbunden sind. Wo der 
ganze S t o k e s’sche Symptomencomplex vorhanden ist, ist die 
Bradycardie lange dauernd, nicht so schnell vorübergehend. 
Bei diesen handelt es sich vermutlich um fettige Degenera¬ 
tion des Herzmuskels. Coronarsclerose giebt nicht nur 
Verlangsamung des Pulses sondern macht noch andere 
Symptome. 

Westphalen: Wenn wir mit dem Ausdruck Brady¬ 
cardie nur eiu Symptom bezeichnen wollen, dessen Ursache 
entweder im Herzen selbst (Lipomaiose. Sclerose der Coronar- 
arterien) liegt oder durch eine Cerebralstörung, oder auch 
durch Urämie hervorgerufen wird, so müssen wir die Adam- 
S t o k e s’sche Symptomentrias, die als Bradycardie bezeichnet 
wird, hiervon trennen: langsamer Puls, Cerebralerscheiuungen, 
Doppelschlägigkeit des Venenpulses (anf einen Arterienpuls 


— zwei Venenpulse). Einen Fall von äusserst langsamem 
Pulse (18—24 in der Minute) habe ich bei einem Mitralfehler 
gesehen. Digitalis brachte Besserung der Coinpensation, aber 
keine Beschleunigung des Pulses. 

Fuhrmann: Incongrnenz des Arterien- und Venenpulses 
habe ich in meinem Fall gesucht aber nicht gefunden. Weil 
der langsame Puts das hervorstechendste Symptom war. habe 
ich den Fall als Bradycardie bezeichnet, analog der Benen¬ 
nung «Tachycardie». In der letzten Zeit ist den Veränderun¬ 
gen am Septum Aufmerksamkeit zugewandt worden ond 
zwar 8ind es luetische Processe an demselben, die Brady¬ 
cardie und Incongrnenz der Pulse hervorrufen sollen. 

Moritz: Vor 4 Jahren habe ich über einen Fall von 
Bradycardie referirt, bei dem anf einen Arterienpuls — 3 
Venenpnlse kamen. Der Fall wurde auch als Lnes cordis 
gedeutet. 

693. Sitzung den 8. Mai 1901. 

Vorsitzender: Th. v. Schröder. Secretär: Albanns. 

1. Ebermann: Ueber die Conservirung von Leichen nnd 
verschiedenen Präparaten nach der Methode von E. Marin i. 

2. Fick: Ueber Galleuriicktinss nach Gastroenterostomie. 

3. Hundegger (als Gast): Ein Fall von Priapismus. 

694. Sitzung den 18. September 1901. 

Vorsitzende)“ T i 1 i n g. Secretär: Albanns. 

1. Petersen demonstrirt 2 Fälle von Lupus, einen Fall 
von beginnender Lepra, und einen Fall von ulcus rodens der 
Stirn bei einem 36 jährigen Manne, das einmal operirt worden 
ist, jedoch ohne Erfolg, und jetzt einer Lichtbehandlung 
unterworfen weiden soll. 

2. K r e p 8 : Urologische Beobachtungen. 

Discussion: 

Beckmann: Das Cystosknpiren ist im Allgemeinen hei 
der Frau leichter als beim Mann, schon deshalb weil man 
die Blase der Frau bei direktem Licht cystoskopiren kann, 
nach der Methode von Kelly. 

Das bullöse Oedem der Blase wird speciell bei Uternscar- 
cinom, das auf die Blase übergeht, angetroffen, und es giebt 
Fälle, wo ein Uteruscarcinura auf cystoskopischem Wege zu- 
erst diagnosticirt worden ist. Das Cystoskop hat ausserdem 
Aufschluss gegeben über so manches, vorher als «nervös* 
bezeichnete Leiden. 

Besonders praktisches Interesse für den Gynäkologen hat 
das Katbeterisiren der Ureteren bei Operationen, um ein* 1 
Verletzung der Ureteren zu verhüten, wo eine solche durch 
die Schwierigkeit der Operation möglich wird, so beim Ent¬ 
fernen retroperitoneal gelegener Drüsen bei Carcinom, oder 
bei Fibromyoinen die in das Parametrium bineingewachsen 
und dadurch eine Orieutirung schwer machen. 

Kreps: Das Cystoskopiren ist im Gegenthell bei dem 
Manne leichter ansznfuhren als bei der Frau, weil die Blase 
des Mannes sich leichter zur Kugel ansdehnen lässt. Die 
Blase der Frau ist häufig fixirt, die Schleimhaut stellenweise 
durch Tumoren, die in der Nachbarschaft liegen eingedrückt, 
und die Deutung des cystoskopisclien Bildes in einer solchen 
Blase wird äusserst schwierig, ja man wird dazwischen nicht 
entscheiden können ob man mit dem Katheter in den linken 
oder rechten Ureter gelangt ist. Weil man eben mit der 
scheinbar so einfachen Methode von Kelly nicht auskommt, 
hat man zu complicirten Instrumenten greifen müssen, udö 
die erstere Methode verlassen. 

Dobbert: Die Methode von Kelly kann man nicht als 
überwunden bezeichnen, da sie, freilich in modifici) ter Form 
wieder zu Ansehen kommt (Krönig). Was das Katheteri- 
siren der Ureteren während der gynäkologischen Operation 
betrifft, so hat W e r t h e i ra, der früher selbst die Ureteren 
katheteri8irte, in seinen letzten Arbeiten davon abgerathen, da 
postoperative Nekrosen anftreten. Was nun das Cystoskopiren 
selbst betrifft, so muss man doch zugehen, dass es beqnemer 
ist direkt zu beobachtet! al9 reflektirte Bilder zu sehen- 
Ersteres ist leichter. Letzteres erfordert Uebung. 

Beckmann: Dem vom Collegen Dobbert über das Katbe- 
terisiren der Ureteren während der Operation Gesagten 
schlösse ich mich an. Ich wollte nur hervorheben, dass anch 
dieser Punkt des Vortrages von Dr. Kreps Beachtung ver¬ 
dient. Im Uebrigen will ich betonen, dass man doch nicht die 
anatomischen Vortheile aus der Hand geben darf, die man 
bei der Cystoskopie der Frau hat. Warum soll man lange, 
complicirte Instrumente gebrauchen, wo mau direkt sehen 
kann ? 

Kreps: Mit direktem Licht kann man nie die ganze Blase 
übersehen. Mit dem Cystoskop wohl. Ob das Untersuchen 
nach der Keil y’schen Methode leichter ist, ist sehr fraglich. 


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Mittheilungen 

aus der Gesellschaft praktischer Aerzte 
zu Riga. 

Sitzung vom 21. November 1901. 

1. Dr. Kiknth hält seinen angekündigten Vortrag: Oe* 
sichtspuncte für die Auswahl des Klimas und 
Curortes für unsere Lungenkranken. 

Es existirt eine ungeheure Zahl von Curorten und Heil¬ 
anstalten für Lungenkranke, doch sind sie alle in ihrem 
Werthe ausserordentlich verschieden. Wenn es auch kein 
specifisch wirkendes Klima giebt, so verdienen gewisse Kli¬ 
mata vor anderen den Vorzug, indem sie sich für die hygie¬ 
nisch-diätetische Behandlungsweise besonders eignen. Mit der 
Versetzung des Kranken in ein besseres Klima ist jedoch 
für seine Heilung nicht viel gethan; es ist unbedingt die 
dauernde Aufsicht eines in der Phthisiotberapie specialistisch 
ausgebildeten Arztes erforderlich. Die Auswahl des passen¬ 
den Klimas für den einzelnen Fall ist oft ausserordentlich 
schwer; schwer, weil die Tuberkulose in so vielfachen For¬ 
men auftritt; sie hat sich wesentlich nach der Individualität, 
den Complieationen von Seiten der anderen Organe, dem Um¬ 
fang und dem bisherigen Verlauf der Krankheit zu richten. 
Unbedingt zu berücksichtigen ist auch die Constitution des 
Kranken, sowohl in leichten wie in schweren Fällen. 

Das Hochgebirge stellt durch die stark reizenden und er¬ 
regenden klimatischen Factoren Anforderungen an den Orga¬ 
nismus. welche nicht zu unterschätzen sind, während die 
Thälercur, die Cur in den massigen Höhen und im Winter 
der Süden die Möglichkeit einer reizarmen schonenden Be¬ 
handlung darbieten. Eine rationelle Therapie wird daher 
8 tets individualisireud Vorgehen, von Fall zn Fall entschei¬ 
den, ob die schonende oder die anstrengende Methode den 
Vorzug verdient» Erstere wird in Frage kommen bei schwäch¬ 
licheren Individnen oder in den Fällen, wo der Krankheits- 
vrocess vorgeschritten ist. Ferner bei Individuen mit athero- 
matösen Gelassen oder solchen mit mangelnder Wärmeent¬ 
wickelung und grosser Empfindlichkeit gegen niedrige Tem¬ 
peraturen, für Personen mit erethischer Constitution: ferner 
für die Patienten, deren Erkrankung der Lungen mit hoch¬ 
gradigem Emphysem und häufigem Catarrh oder mit einer 
stärkeren Betheiligung des Laryux complicirt ist. Auch wer¬ 
den hiether die Fälle zn zählen sein, die mit einer Amyloid¬ 
degeneration oder einer subacut oder chronisch verlaufenden 
Nephritis, mit einem nicht compensirten Herzfehler, mit einem 
hochgradigen wenn auch compensirten Herzfehler, mit Herz¬ 
degeneration und Fettherz verbunden sind. 

Die anstrengende Methode wird man dagegen wählen bei 
Patienten von kräftigerConstitution, deren Erkrankung nur 
leicht und initial ist; ferner bei den zur Tnberculose Prae- 
disponirten. Doch auch milteischwere Fälle gehören ins 
Hochgebirge. Für die Beurtheilung dieser allgemeine Sätze 
aufzustellen ist. schwierig. Als Hauptregel mag gelten, dass 
nicht nur die Ausdehnung des Processes berücksichtigt werde, 
sondern auch das Allgemeinbefinden, die Constitution, die 
hereditären Verhältnisse, der bisherige Verlauf, die eventuell 
vorhandenen Complieationen von Seiten anderer Organe 
(Egger). Fieber und Nachtschweisse bilden keine Contra- 
indication für das Hochgebirge, ebenso nicht Haemoptoe. 

Für die letztere Categorie der Patienten empfehlen sich 
Höhenklimata wie Davos, Arosa und andere. 

Für die Patienten, bei denen die schonende Methode der 
Behandlung in Anwendung kommen soll, empfehlen sich die 
Curorte der subalpinen Kegion, der windgeschützten Thäler 
nnd im Winter, falls nicht gerade ein Sanatorium in Betracht 
kommt, die des Südens oder Aegyptens. 

Auch Seereisen werden häufig gegen die Tuberkulose em¬ 
pfohlen. Es können diese augewandt werden bei Leuten von 
kräftiger Constitution mit Liebe für Seefahrten. Eine 
Schwäche der Constitution, Neigung zur Seekrankheit und 
unüberwindlicher Widerwille gegen monotone Nahrnng bilden 
Vontraindieationeu. 

Aegypten wäre vorzüglich geeignet bei Phthisikern mit 
Uomplicationen von Albuminurie, mit Emphysem nnd häufigen 
Anfällen von Bronchitis. 

(Autoreferat). 

2. Prof. Dr. K. Dehio (Jurjew) spricht über Ziele und Auf¬ 
gaben der «Gesellschaft zur Bekämpfung der 
Tuberkulose iu den drei Ostseeprovinzen». 

Bei den grossen Erfolgen der modernen Phthiseotherapie 
muss sich jedem Arzt der Wunsch aufdrängen, die bewährten 
diätetisch-physikalischen Heilmethoden, die sich oft nur in 
einer Anstalt in zweckentsprechender Weise durchführen 
lassen, auch denjenigen Patienten zugänglich zu machen, 
welche aus finanziellen Gründen nicht im Stande sind, die 
Curorte des Südens und des Hochgebirges aufzusuchen. Die 
Erfolge, welche Dr. Treu in der von ihm vor einer Eeibe 
von Jahren in Lindheim gegründeten Anstalt aufzuweisen 


hal. sind für Kedner ein Beweis, dass auch in unserem Klima 
sich in dieser Hinsicht Erspriessliches leisten lässt. Vor 1'/» 
Jahren nun regte Dr. Treu auf dem livl. Aerztetag die 
Frage an, auf welche Weise bei uns mehr als bisher zur Be¬ 
kämpfung der Tuberkulose geschehen könne. Es wurde eine 
Commission gewählt, welche aus dem Redner und den DDr. 
Job. Meyer (Dorpat), Bosse (Riga), K n 8 i k (Reval) und 
Treu (Lindheim) bestand. Nachdem sich diese über den ein¬ 
zuschlagenden Weg klar geworden, forderte sie 7 andere, 
den verschiedensten Berntskreisen angehörende Persönlich¬ 
keiten zu einer vor etwa einem Jahre iu Dorpat abgehaltenen 
Versammlung auf, auf welcher einstimmig beschlossen wurde, 
eine Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose zu begrün¬ 
den. Ein Statutenentwuri wurde dem Ministerium des Inneren 
vorgelegt nnd mit einigen Abänderungen bestätigt. 

Nunmehr sei es Zeit sich an das grosse Publikum zn wen¬ 
den, welchen Zweck ein vom Redner verlesener, demnächst 
zu erlassender Aufruf dient, in welchem auf die Noth- 
wendigkeit der Begründung einer Gesellschaft zur Bekämpfung 
der Tuberkulose hingewiesen und das Publikum zur Unter¬ 
stützung derselben aufgefordert wird. Bevor dieses geschehe, 
habe Redner sich die Zustimmung der Collegen sichern wol¬ 
len, wodurch auch sein heutiges Erscheinen an dieser Stelle 
motivirt sei. 

Es frage sich nun. auf welche Weise der der Gesellschaft 
vorschwebende Zweck am besten realisirt werden könne- 
Hierüber liege ein Beschluss des Verwaltungrathes, als wel¬ 
cher sich vorläufig die 12 Gründer constituirt hätten, vom 4. 
November d. J. vor, welcher bestimme, dass ein Tbeil der 
gesammelten Geldmittel vorläufig dazu verwandt werden solle, 
um Tuberkulösen deu Aufenthalt in der schon bestehenden 
Anstalt Lindheim zu ermöglichen, dass aber die Gesellschaft 
darnach strebe, sobald als möglich eine eigene Anstalt za be¬ 
gründen. Nur wenn sie eine eigene Anstalt besitze, könne 
sie die Garantie für eine zweckmässige Behandlung der Kran¬ 
ken übernehmen. Es sei ferner in Aussicht genommen, nur 
solche Kranke aufzunehmen, welche zu ihren Verpflegung» 
kosten selbst einen Beitrag zu leisten im Stande seien, nur 
in Ausnabraefällen solle die Aufnahme ganz frei sein. Solche 
Anstalten, welche alle Kranken ganz ohne Zahlung anfneh- 
men. bedürfen grösserer Mittel als man durch private Wohl* 
thäligkeit aufzubringen im Stande sei- In Deutschland wer¬ 
den solche Sanatorien von den Krankenkassen errichtet nnd 
unterhalten, es sei aber zweifelhaft, ob die Krankenkassen 
auf diese Weise die von ihnen vorausgesetzte Ersparung spä¬ 
terer Curkosten erzielen werden, daher ebbe im Augenblick 
diese Bewegung. 

Der Präses (Dr. Bernsdorff) dankt Herrn Professor 
Dehio für seine Mittheilungen und spricht die Ueberzeugung 
aus, dass die von den Gründern der Gesellschaft zur Be¬ 
kämpfung der Tuberkulose gegebenen Anregungen ✓ in Riga 
auf einen fruchtbaren Boden fallen werden, da diese Frage 
bei uns schon oft ventilirt worden ist und es bisher nur am 
rechten Mann gefehlt hat, um die Initiative zu ergreifen. 

Dr. Schmidt schliesst sich dem Präses vollkommen an. 
Als Aufgabe der Gesellschaft könne man nach Redners An¬ 
sicht ganz allgemein die Unterstützung derjenigen Tuberku¬ 
lösen bezeichnen, welche wirthschaftlich zu schwach sind, um 
sich durch eigene Kraft eine zweckmässige Behandlung zn 
schaffen. Welchen Klassen der Bevölkerung diese Hilfe vor¬ 
wiegend zu Gute kommen werde, das lasse sich vorläufig 
noch nicht sagen; man werde erst Jahre lang sammeln müs¬ 
sen, bevor man an die Erbauung einer eigenen Anstalt werde 
denken können, unterdessen könne man die Details über¬ 
legen. i 

Dr. Hampeln hält eine Zustimmung zu Prof. Dell io’s 
Ausführungen zwar für selbstverständlich, will aber doch 
nicht unterlassen diese Zustimmung noch ausdrücklich zu er- 
erklären. Redner hat deu Eindruck empfangen, als ob die 
Zahl der Tuberkulösen bei uns in der letzten Zeit sehr ge¬ 
stiegen sei. Ob man im Stande sein werde die Tuberkulöse 
als Volksseuclie wirksam zu bekämpfen, scheine ihm sehr 
zweifelhaft, man müsse seine Hauptaufgabe darin erblicken, 
den einzelnen Tuberkulösen zu heilen oder ihn wenigstens 
wieder arbeitsfähig zu machen. Es sei also hier gerade die 
entgegengesetzte Aufgabe zu erfüllen wie bei der Lepra. 

Mit der Ausführung des Planes solle man nicht lange zö¬ 
gern, wenn wir heute nicht über die nöthigeu Mittel verfügen, 
werden wir auch nach 10 Jahren keine haben, die Stimmung 
sei am Anfang am stärksten, durch richtige Benutzung der¬ 
selben müsse sich an einem Tage die nötbige Summe zum 
Bau eines Sanatoriums beschaffen lassen, in höchstens 3 Jah¬ 
ren könne dasselbe fertig daBtehen; auch die Couimunen 
müsse mau zur Unterstützung unserer Bestrebungen heran- 
ziehen. 

Dr. Job. Meyer (Jurjew) äussert seine Genugthuung 
über die Zustimmungserklärungeu des Vorredners. Was den 
Bau der projectirten Anstalt betreffe, so würde derselbe nach 
einem ganz ungefähren Voranschlag, wenn man zunächst 26 


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Betten in Aussicht nehme, auf 40—50,000 Ebl. zu stehen 
kommen, vorausgesetzt, da98 man den Baugrund von der Rit¬ 
terschaft oder Stadt zu einem wohlfeilen Preise erhalte. Die 
Beschaffung der Mittel solle durch Anwerbung von Mitglie¬ 
dern geschehen, deren jedes sich zu einer Zahlung von jähr¬ 
lich mindestens 3 Rbl. verpflichte. Ferner durch Ausgabe 
von Antheilscheinen ä 100 Rbl., welche unkündbar und zu¬ 
nächst uuveizinsbar sein sollen. eventuell solle später nach 
MasBgabe der Einnahmen eine Verrentung bi9 zu 4 pCt. er¬ 
folgen. Vom Jahre 1905 an solle die Amortisation erfolgen. 
Man hoffe, dass sich Gönner fiuden würden, welche unter die¬ 
sen Bedingungen Geldmittel hergeben würden. — Von den 
Kranken solle eine Zahlung von wenigstens einem Rbl. täg¬ 
lich erhoben werden. 

Zur Ausarbeitung eines detailirten Planes und zur Aus¬ 
wahl der Baustelle müsse nach Redners Meinung eine spe- 
cielle Commission, bestehend aus Technikern und aus Colle- 
gen, welche sich specialistisch mit den hier in Betracht kom¬ 
menden Zweigen der Medicin beschäftigten, ernannt werden. 
Bei der Ausarbeitung des Planes sei auf eine künftige Er¬ 
weiterung von vornherein Bedacht zu nehmen. 

Dr. Kran n hals äussert sich ebenfalls sympathisch zur 
Idee eines allgemeinen Kampfes gegen die Tuberkulose. Das 
Wichtigste sei offenbar zunächst die Beschaffung der Geld¬ 
mittel ; sollte es sich nicht empfehleu in allen Städten Co- 
mitös zu gründen, deren Aufgabe es sein müsste, nach Kräf¬ 
ten neue Mitglieder zu werben und auf andere Weise der 
Gesellschaft neue Einnahmequellen zu erschtiessen. 

Dr. V. v. Holst hält es zwar für selbstverständlich, dass 
man dem neuen Unternehmen seine Sympathien entgegen¬ 
bringe, weist aber andererseits auf die Schwierigkeiten hin, 
welche sich demselben bei uns entgegenstellen werden. 
Schwierigkeiten, welche bei den uns als Master vorschwe¬ 
benden Anstalten Deutschlands nicht in dem Masse ezistiren 
und welche ihren Grund haben in dem geringen Bildungs¬ 
grad unserer unteren Volksschichten, in ihrer Abneigung 
gegen Hospitäler, in den traurigen sanitären Verhältnissen, 
unter denen unser Landvolk lebt, welche voraussichtlich be¬ 
wirken werden, dass die in der Anstalt etwa erzielten gün¬ 
stigen Erfolge nach der Rückkehr der Patienten in ihre ge¬ 
wohnte Lebensweise wieder verloren gehen werden. Schliess¬ 
lich müsse man - auch bedenken, dass die Beschaffung der 
Geldmittel bei uns auf sehr viel grössere Hindernisse stossen 
werde als in Deutschland, weil dort die Krankenkassen und 
Lebensversicherungs-Gesellschaften sich der Sache in ihrem 
eigenen Interesse angenommen haben. Den Kostenanschlag 
von 40 -50,000 Rbl. hält Redner für viel zu niedrig, anderer¬ 
seits den Verpflegungssatz von mindestens 1 Rbl. zu hoch, 
weil für unser Landvolk meist unerschwinglich. Redner hält 
es ferner nicht für praktisch ein so kleines Sanatorium mit 
nur 26 Betten zu bauen, weil der Betrieb in einem solchen 
verhältnissinä8sig theuerer sich stellen würde; man solle 
lieber so lange warten, bis die Gelomittel für eine grössere 
Anstalt aufgebracht sein würden. 

Dr. Wolferz 1. wendet sich gegen das Princip, nur zah¬ 
lende Patienten aufzunehmen, für solche sei ja Lindheim da. 
Hauptzweck einer durch freiwillige Beiträge zu gründenden 
Anstalt müsse sein, wirthschaftlich Schwache aufzuuehmen, 
nur unter dieser Voraussetzung könne man auf thätige Hilfe 
grösserer Kreise rechnen. Nebenbei könnte man ja, um die 
Kosten zu verringern, auch zahlende Kranke aufnehmen. Die 
Gründung eines besonderen Coraltös zur Veranstaltung von 
Sammlungen hält Redner nicht für nötbig, wir Alle müssen 
uns ansehen als Glieder eines grossen Comitäs, da9 durch 
Anwerbung neuer Mitglieder und sonst auf jede mögliche 
Weise die Bestrebungen der Gesellschaft unterstützt, 

Für 50,000 Rbl. werde man nach Redners Meiuung auch 
bei Vermeidung von jeglichem Luxu3 kein Sanatorium er¬ 
bauen können. — Auf das Landvolk sei bei Begründung einer 
Anstalt in keiner Weise zu rechnen; weder werde man bei 
ihm Verständniss dafür finden, noch liege auch dort ein be¬ 
sonderes Bedürfniss vor, da die Landbewohner, so lange sie 
eben auf dem Lande bleiben, selten an Tuberkulose er¬ 
kranken. 

Dr. Hampeln findet 50,000 Rbl. nicht zu wenig, die 
Hauptsache sei rasches Vorgehen. Eine Anstalt, welche 
allen Anforderungen genüge, werde man nicht sofort bauen 
können, es werde aber dadurch die Anregung zu weiterem 
Vorgehen gegeben. — Das nöthige Geld müsse sich in ganz 
kurzer Zeit schaffen lassen. Habe man vor einigen Jahren 
zum Bau einer Orgel, also für einen quasi Luxusgegenstand, 
an einem Tage in Riga 60,000 Rbl. gesammelt, so müsse 
man für eine Lungenheilstätte in derselben Zeit 40—50,000 
Rbl. zu8aramenbringen können. 

Dr. Bosse führt aus, dass der von Dr. Kranuhals 
ausgesprochene Wunsch schon verwirklicht sei, indem die 
Generalversammlung sich an die Pastoren und Aerzte der 
kleinen Städte gewandt und um ihre Unterstützung gebeten 
habe. 


Dr. M. Schönfeldt schlägt vor, die Gesellschaft prak¬ 
tischer Aerzte möge in Erwägung ziehen, ob es nicht ratli- 
sam sei, sich an die Rigasche Stadtverwaltung resp. an die 
Stenerverwaltung zu wenden mit der Bitte, die Bestrebungen 
der Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose zu unter¬ 
stützen. Im Hinblick auf die Menge des in Riga zusammen- 
gedrängten Proletariats habe gerade diese Staat ein hervor¬ 
ragendes Interesse an der Errichtung einer Lungenheilstätte. 

Dr. 9 taven liagen warnt vor eiuar zn sanguinischen 
Auffassung der Dinge. Die Zahlungsfähigkeit unserer deut¬ 
schen Gesellschaft, auf deren Opferwilligkeit mau bei einem 
solchen Unternehmen in erster Reihe angewiesen sei, sei 
nicht mehr dieselbe wie vor 5 Jahren, zudem sei sie durch 
die Zahlungen für Lepröse, Geisteskranke etc. schon stark in 
Anspruch genommen. Man werde also wohl noch nicht so 
bald dazu gelangen, selbst eine Anstalt begründen zu können, 
um so mehr als die in Aussicht genommenen 26—30 Betten 
gegenüber der grossen Zahl Tuberkulöser nur ein Tropfen 
im Meer seien und es Redner viel praktischer erscheine, so 
lange zu warten, bis man die Mittel zur Erbauung einer 
grösseren Anstalt habe. 

Es sei Redner ferner nicht klar geworden, für wen speciell 
die Anstalt begründet werden solle; wenn vou «wirtbschaft- 
lich Schwachen» die Rede gewesen sei, so seien die Verpfle¬ 
gungssätze von 1—2 Rbl. nicht zu verstehen. 

Prof. Dr. D e h i o äussert seine Freude über die allseitig 
gefundene Sympathie. Wir wollen aber nicht Dinge anfan¬ 
gen. die wir nicht vollenden könuen. Man müsse sich vor¬ 
läufig damit begnügen, ein Sanatorium für zahlende Kranke 
einzurichten, — für diesen Zweck seien 30 Betten vollkom¬ 
men genügend. Man rechne darauf, dass die Städte für ihre 
unbemittelten Kranken, die Fabriken für ihre Arbeiter die 
erforderliche Zahlung leisten würden. — Suche ein Tuber¬ 
kulöser eines der Sanatorien Deutschlands auf, so koste ihm 
das 100—150 Rbl. monatlich, in der hier zu gründenden An¬ 
stalt werde man für 60 —75 Rbl., wie die Erfahrungen in 
Lindheim zeigen, einen Kranken behandeln können. Zum 
Einsammeln von Mitgliedsbeiträgen und zur Unterbringung 
von Antheilscheinen werde man in allen kleinen Städten der 
Oätseeprovinzen Vertrauensmänner ernennen, znm Theil seien 
solche schon ernannt worden. In Riga and Reval würde es 
sich vielleicht empfehlen, Zweigcomit^s ins Leben zu rufen. 

Dr. J o h. Meyer: Die von ihm genannte Summe von 
50,000 Rbl. sei, wie schon erwähnt, nur eine ganz ungefähre 
Schätzung. Wenn von mehreren Seiten die iu Aussicht ge¬ 
nommene Zahl der Betten für viel zu niedrig gehalten werde, 
so müsse er demgegenüber anführen, dass ruhig denkende 
Leute entsetzt geweseu seien über die Höhe dieser Zahl. 

Man habe auf die Lungenheilstätte tn Pitkäjerwi (Finlandj 
hingewiesen, woselbst es an Patienten mangele. Es sei sehr 
gefährlich, einen Palast aufzubauen, den man vielleicht nicht 
werde füllen können, die Gesellschaft sei dann nicht unr 
financiell, sondern anch moralisch erschüttert. 

Volksheilstätten können wir nicht in Aussicht nehmen, 
dazu steht unser Unternehmen auf einer zn unsicheren ma¬ 
teriellen Grundlage, was wir wollen, das ist ein «wohlfeiles» 
Sanatorium. 1 Rbl. sei ein so niedriger Tarif, wie man in 
Deutschland ihn nur in Volkssanatorien finde, lin Volkssaoa 
torium zu Alland z. B. werde auch 1 Gulden tgl. erhoben. 

Dr. K ü g 1 e r (Nenenburg). Die Zahl der Tuberculösen sei 
so gross, dass man auch in einem Sanatorium für 100,000 
Rbl. nur den Bruchtheil eines Procentes aller Tuberculösen 
werde aufnehmen können. Trotzdem spricht sich Redner für 
die Aufnahme auch ganz Armer aus. Dadurch werde die 
Sache populär werden; sobald das Landvolk selbst Heilungen 
sehe, werden auch von dieser Seite der Gesellschaft Mittel 
zufliessen. 

Ara praktischesten erscheine es dem Redner, viele kleine 
Sanatorien (für Livland etwa 50) unter Aufsicht des örtlichen 
Arztes in Aussicht zu nehmen. 

Dr. v- Engelhardt: Wenn man eine hohe Anspannung 
der Opferwilligkeit erzielen wolle, so müsse ein Moment vor¬ 
handen sein, das zu grossen Opfern anreize. Als solches 
werde die in Aussicht gestellte Aufnahme ganz Unbemittel¬ 
ter wirken. Ferner sei es wichtig, um die jetzt iu Fluss 
befindliche Bewegung nicht erlahmen zu lassen, möglichst 
schnell mit der Verwirklichung der Ziele der Gesellschaft zu 
beginnen und da die Fertigstellung einer eigenen Anstalt 
nicht so schnell zu erreichen sei, zunächst Anschluss an 
Lindheim zu suchen. 

Prof. Dr. D e h i o: Es sei in der That beabsichtigt, die 
Kranken zunächst iu Lindheim unterzabringen, man werde 
aber vielleicht einen Platz ausfindig machen können, der 
seiner Lage nach geeigneter zur Errichtung eines Sanatori¬ 
ums sei. — Für Riga habe der Verwaltungsrath noch keine 
Vertrauensmänner ernannt, vorläufig sei Dr. Bosse, als 
Mitglied des Verwaltungsrathes, erbötig Zahlungen für die 




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Gesellschaft zu empfangen. — Gegenüber den Ausführungen 
Dr. K ü g 1 e r s und Dr. v. Engelhardts müsse Redner da¬ 
ran festhalten, dass es geboten erscheine vorläufig ein Sana¬ 
torium für zahlende Kranke zu gründen; gehe es damit, dann 
könne man später daran denken, auch nicht zahlende Kranke 
autzunehmeu. 

Dr. Hach betont demgegenüber die NothWendigkeit, von 
vornherein eine wenn auch kleine Anzahl von Freibetten zu 
haben: es werde einen grossen Unterschied im Ertrag der 
Sammlungen ausmachen, ob solche vorhanden seien oder 
nicht. In Deutschland sei man so weit, dass auch ganz Un¬ 
bemittelte aufgenommen werden. 

Präses: Wenn neben Sympathiekundgebungen heute auch 
Stimmen laut geworden seien, welche die Aussichten des 
neuen Unternehmens' nicht sehr optimistisch beurtheilen, so 
habeCdas ja bis zu einem gewissen Grade seine Berechtigung; 
wir wollen uns indess dadurch nicht behindern lassen, das 
Unsrige zum Gelingen des guten Werkes beizutragen. 

d. Z. Secretär: Dr. Bertels. 


Vermischtes. 

— Das Befinden Prof. Rudolph Virchow’s ist nach 
'neueren Nachrichten in der letzten Zeit gleichroässig besser 
gewesen. Er hat bereits mehrere Stunden ausserhalb des 
Bettes zubringen können. 

— In Perm beging vor Kurzem der in dieser Stadt sehr 
populäre und beliebte Arzt Dr. Paul Serebrennikow 
, das 25 jährige Jubiläum seiner ärztlichen und 
communalen Thätigkeit- 

— Dem Prof. ord. der Militär-Medicinischen Akademie, 
Staatsrath Dr. Sergius Botkin ist das Comthur- 
kreuz2. Classe des hessischen Philipps-Or¬ 
den 8 m i t d e r K r o n e und dem ehemaligen Assistenten, 
der Klinik Wylie, gegenwärtigen jüngeren Arzt des Ku- 
ban’schen Infanterieregiments, Collegienrath Dr. G. Gl ad in 
— das Ritterkreuz 1. Classe des hessischen 
Philipps-Ordens mit der Krone verliehen worden. 

— Für die neu er öffneten Lehrstühle an der 
medicini8chenF acultät inOdessa sind als ausser¬ 
ordentliche Professoren bestimmt: für den Lehrstuhl der 
operativen Chirurgie — der bisherige Privatdocent. der 
Moskauer Universität Dr. Lyssenkow; für den Lehr¬ 
stuhl der Diagnostik — der Privatdocent der Militär- 
Medicinischen Akademie Dr. M. Michail ow; für den 
Lehrstuhl derpathologischen Anatomie — der 
Privatdocent der Moskauer Universität Dr. D. K i sehen- 
s k i. Ausserdem haben sich, wie wir bereits meldeten, Dr. 
Sawjalow, früherer Privatdocent in Jurjew, sowie Dr. 
Kostin, ehemaliger Privatdocent der Charkower Univer¬ 
sität, als Privatdocenten an der Odessaer Uni¬ 
versität habilitirt, ersterer für medicinische Chemie, 
letzterer für Physiologie. 

— Der ältere Ordinator des Kiewer Militärhospitals und 
Privatdocent der dortigen Universität Dr. M. T scher nja- 
c h o w 8 k i ist zum Docenten für theoretische 
Chirurgie an der Warschauer Universität 
ernannt worden. 

— An der Moskauer Universität hat sich Dr. 
Maljut.in als Privatdocent für Ohren-, Nasen- 
und Kehlkopfkrankheiten habilitirt. 

— An der medicinischen Facuität der Mos¬ 
kauer Universität sind gegenwärtig sechs Lehr-, 
Stühle unbesetzt. Für vier derselben sind bereits Con- 
curse zur Besetzung derselben ausgeschrieben, 
und zwar für 1) den Lehrstuhl der therapeuti¬ 
schen Klinik (erledigt in Folge von Pensionirung des 
Prof. Ostroumow nach Ausdienung von 25 Jahren). Als 
Candidaten für diesen Lehrstuhl haben sich, wie wir dem 
«R. Wratsch» entnehmen, die Professoren 8. Wassiljew 
(aus Jurjew’), N. Golubow (aus Moskau) und W. Tschir- 
kow(aus Kiew), sowie die Privatdocenten N. Kirikow 
(St. Petersburg), A. Langowoi (Moskau) und Swjetu- 
ch i n (aus Charkow) gemeldet; 2) den Lehrstuhl der 
Pharmakologie und Toxikologie (vacant in Folge 
Ausdienung der 30jährigen Dienstfrist von Prof. Bogo- 
s s 1 o w 8 k i). Als Candidaten werden vom «R. Wratsch» 
Prof. Tschirwinski (aus Jurjew) und die Privatdocenten 
Swirski (aus Jurjew) und G. Durdnfi (aus Moskau) 
genannt; 3) den L e h r s t u h 1 der allgemeinen Pa¬ 


thologie (erledigt durch Pensionirung von Prof. V o g t 
nach 30jährigem Dienst). Als Candidaten haben sich Prof. 
N. Uschin ski (aus Warschau) und die Privatdocenten A. 
Studeuski (aus St. Petersburg) und A. Taljanzew 
(aus Moskau) gemeldet; 4) den Lehrstuhl der ope¬ 
rativen Chirurgie und Desmurgie (welchen bisher 
Prof. D j a k o n o w inne hatte, der auf den Lehrstuhl der chi¬ 
rurgischen Hospitalklinik übergefülirt ist). Als Candidaten 
weiden Prof. A. Wedenski (aus Tomsk) und Prosector 
F. A. Rein (aus Moskau) genannt. — Zu diesen 4 kommen 
noch der Lehrstuhl der Psychiatrie und der Lehrstuhl der 
Kinderkrankheiten, welche beide neuerdings durch den Tod 
der Professoren Koshewnikow und Filatow vacant 
geworden sind. 

— Wie die «Rev- Ztg.» erfährt, haben der Generaldirector 
der Medicinalverwnltung von Finland Dr. F. Saltzmann, 
sowie die Mitglieder dieser Verwaltung, Medicinalräthb Dr. 
A. Flor in und K. A. Bergstedt ihre Abschiedsgesuche 
eingereicht. 

— Verstorben: 1) Am 26. Januar in Moskau der be¬ 
kannte Pädiater, ordentliche Professor der Kinderheilkunde 
an der dortigen Universitär, wirkl. Slaatsrath Dr. Ni Ins 
Filatow an Apoplexie im 60. Lebensjahre. Nach Beendi¬ 
gung seiner Studien an der Moskauer Üuiversität. im Jahre 
1869 begann er seine ärztliche Praxis als Landschaftsarzt im 
Kreise Ssaransk (Gouv. Pensa), doch befriedigte ihn nicht 
diese Stellung, da sie ihm keine freie Zeit zur wissenschaft¬ 
lichen Arbeit übrig Hess und siedelte er daher nach einigeu 
Jahren nach Moskau über, um sich wissenschaftlich zu be¬ 
schäftigen. Nach Erlangung der Doctorwürde begab er sich 
zur weiteren Vervollkommnung in der von ihm erwählten 
Specialität, der Kinderheilkunde, ins Ausland, wo er die Kli¬ 
niken in Wien, Berlin und Paris besuchte. In die Heimath 
zurückgekehrt, wurde er irn Jahre 1874 Ordinator am Mos¬ 
kauer Kinderhospital und etablirte sich bald darauf als Pri¬ 
vatdocent an der Universität Moskau, an welcher er 1891 zum 
Professor der Kinderheilkunde und zugleich zum Director 
des C b 1 u d o w 'sehen Kinderhospitals ernannt wurde. Von 
seinen zahlreichen Arbeiten wollen wir hier nur seine «Se¬ 
miotik und Diagnostik der Kinderkrankheiten», sowie sein 
«Kurzes Handbuch der Kinderkrankheiten» anführen, welche 
beide mehrere Auflagen erlebt haben und in viele ausländi¬ 
sche Sprachen übersetzt worden sind. Der Hingeschiedene, 
welcher auch Präsident der Gesellschaft der Kinderärzte von 
ihrer Gründung an war, erfreute sich grosser Beliebtheit und 
Popularität sowohl unter seinen zahlreichen Patienten als 
auch unter seinen Schülern und Collegen. — 2) In Warschau 
der Senior der dortigen Aerzte, wirkl. Staatsrath Dr. V a 1 e - 
rian Welitschko im Alter von 78 Jahren. Seine ärzt¬ 
liche Thätigkeit hat er vor 54 Jahren begonnen. — 3) In 
Heidelberg der ausserordentliche Professor der Hygiene Dr. 
Ed. Cr am er im 39. Lebensjahre. Der Verstorbene, ein 
Schüler R. Koch’s und Rnbner's, war seit 10 Jahren 
Docent in Heidelberg und ist auch mehrfach in seinem Spe¬ 
cialfache literarisch nervorgetreten. 

— Vor Kurzem beging der Senior der Prager medicini- 
schen Facuität, der Professor der medicinischen Chemie Dr. 
Hugo Huppert seinen 70. Geburtstag. 

— Zum ausserordentlichen Professor und 
Director der Universitäts-Ohrenklinik in 
Strassburg ist der Piivatdocent Dr. Paul Manasse, 
welcher seit dem Tode Prof. Kuhn ’s diese Klinik stellver¬ 
tretend leitete, ernannt worden. 

— Der Professor ord. der Chirurgie an der Universität 
Breslau Dr. v. Mikulicz-Radecki ist zum General¬ 
oberarzt äla suite des preussischen Sani¬ 
tätscorps ernannt worden. 

— An Stelle des verstorbenen Piofessors Dr. Joseph 
Fodor wurde der Director der chemischen Untersuchungs- 
anstalt Prof. Dr- L e o Liebermann zum Professor 
der Hygiene und Director des hygienischen 
Instituts der Budapeater Universität ernannt. 

(Allg. med. C.-Ztg.) 

— In Tambow hat sich neben der bereits seit 1870 be¬ 
stehenden «medicinischen Gesellschaft» eine neue unter dem 
Namen «Tambowsclie physiko-medicinische Ge¬ 
sell s c h a f t» gebildet, welche in ihrer Eröffnungssitzung 
am 17. Januar den früheren Professor der Pharmakologie an 
der militär medicinischen Academie Dr. Peter Suscht- 
s c h i n s k i zum Präsidenten gewählt hat. 

— Beim hiesigen Börsenhospital ist eine neue 
Baracke, welche auf Kosten der Erben des Barons E 
Günzburg für ca. 40,000 Rbl. erbaut worden ist, am 27. 
Januar eröffnet worden 

— Nach dem Bericht des unter der Protection J. Maj. der 
Kaiserin Maria Feodorowna stehenden Blinden* 


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46 


curatoriums für das verflossene Jalir wurden von dem¬ 
selben im J. 1901 in die verschiedensten Gebiete des Reiches 
32 fliegende Ocnlistenabth eil u n gen abcommandirt 
welche 57,195 Augenkranken äiztliclie Hülfe geleistet und 
20,469 Operationen ansgefiihrt haben. Im Laufe von acht 
Jahren wurden vom Blindencuratorium 206 solcher fliegenden 
Oculistencolonnen ausgerüstet, von denen 332,830 Augen¬ 
kranke empfangen nnd 102,604 Operationen ausgefiihrt 
wurden. 

— In der Jahresversammlung der Mitglieder 
des russischen Rothen Kveazes (am 26. Jan.) 
wurde die Mittheilnng gemacht, dass mit Allerhöchster Ge¬ 
nehmigung den barmherzigen Schwestern nnd den 
Feldscherinnen des Rothen Kreuzes das Recht 
auf eine Pension ans der Reichsrentei zugesprochen ist 
und dass am 16. Mai in St. Petersburg eine Conferenz 
aller internationalen Gesellschaften des Ro¬ 
then Kreuzes stattfinden wird, wofür 50,000 Rbl. ange¬ 
wiesen sind. Aus dem verlesenen Rechenschaftsbericht, pro 
1900 geht hervor, dass die Zahl der Mitglieder sich 
auf 20,774 Personen belief nnd die Gesa mmteinnah men 
4.032,893 Rbl., die Ausgaben 3,443,631 Rbl. (davon 1.393,126 
Rbl. für Hülfeleistungen im fernen Osten) betrugen. Das Ge- 
samratkapital stieg auf 12,498,255 Rbl. Zn Verwaltungsmit- 
gliedern wurden unter Andoren der Medicinalinspector der 
Anstalten der Kaiserin Maria, Prof. Dr. E. Pawlow und 
der Inspector des Hot-Medicinalwesens, Leibchirurg Prof. Dr. 
\V e 1 j a m i n o w gewählt. 

— Der estländische Landtag hat dem Dr v. K r Il¬ 
se n stier n für die von ihm geleitete Privatklinik in Hap- 
sal eine jährliche Subvention von 1000 Rbl. be¬ 
willigt. 

— Der Privatdocent der Kasanschen'Universität Mag. pharm. 
E. Schazki hat die Coucession zur Herausgabe einer alle 
14 Tage erscheinenden Zeitschrift unter dem Titel 
•*:Recept» (in russischer Sprache) erhalten. 

— Die mehrere Tausend Bände umfassende Bibliothek des 
verstorbenen Moskauer Professors der Psychiatrie A. I.Ko- 
shewnikow ist laut Bestimmung des’ Verstorbenen der 
Moskauer Universität zugefallen. Ausserdem hat die Familie 
desselben sich bereit erklärt, den Bau des neuropathologischen 
Museums durch eine Geldspende zu unterstützen. (Her). 

— An der Warschauer Universität studiren ge¬ 
genwärtig 1312 Personen, von denen 382 der medicini- 
schen Facnltät angehören. 

Bf. 

Der Lehrkörper der medicinischen Facultät der Universität 
Greifswald wird auch in diesem Jahre und zwar im Ok¬ 
tober wieder Fortbildungskurse für praktische 
Aerzte veranstalten. Mit Rücksicht auf die Neubesetzung 
der Stelle des inneren Klinikers ist der Termin noch nicht 
genauer festgelegt, doch wird dies im Beginn des Sommer¬ 
semesters geschehen. 


1 — Die Gesammtzahl der Kranken iu den civil- 

hospitälern St. Petersburgs betrng am 19. Jan. 
d. J. 8996 (187 mehr als in d. Vorw.), darunter 567 Typbna — 

I (21 wen.), 808 Syphilis —(75 mehr), 314 Scharlach — (8 mehr). 

I 134 Diphtherie — (4 mehr), 51 Masern — (6 mehr) nnd 19 
1 Pockenkranke — (2 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 13. bis zum 19. Januar 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht and Alter: 


| Im Ganzen: 

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10 

28 

65 

79 

86 

48 

53 

41 

13 

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2) nach den Todesursachen: 

Typh. exanth. 2, Typh. abd. 22, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 4, Masern 8, Scharlach 19. 
Diphtherie 23, Cronp 0, Keuchhusten 7, CronpSse Lungen¬ 
entzündung 50, Erysipelas 5, Grippe 13, Cholera aaiatica 
0, Rnhr 2, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 2, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 4, Pyämfe nnd Septicaeraie 12. 
Tubercnlose der Lungen 121, Tuberculose anderer Organe 21 r 
Alkoholismns and Delirium tremens 2. Lebensschwäche nnd 
Atrophia infantum 61, Marasmus senilis 28, Krankheiten der 
Verdanungsorgane 65, Todtgeborene 47. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 5. Februar 1902. 

Tagesordnung: 1) Hecker: Ueber die Functionen de» 
kindlichen Magens bei Verdauungs¬ 
krankheiten. 

2) Bary: Altes und Neues über die 
vormals Frey’sche Anstalt. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. Februar 1902. 


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St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in- nnd ansländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 





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dargestellt v. Dr. W. Brügehnaun. 
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bades) 218 S.4 M.» Haben schon die 
früheren Auflagen der Asthmalehre 
des bekannten Antors berechtigtes 
Aufsehen gemacht, so muss die neue 
Auflage als das Beste bezeichnet 
werden, was über Asthma geschrie¬ 
ben ist. (30) 1—1. 


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stallise, etc. (Comptex rendus de V Acaddmie 
des Sciences, leraoüt 1892 et 3 juilles 1899). 
Son action therapeutique a 6te scientifiqne- 
ment etablie (M. LafTont, Bulletin de l'Äca- 
dthtde de Medecine, 14 juin 1892) et clinique- 
ment (Societe deTherapentique: Constnntin 
Paul; Dujardiii-ßeauuict/, Mrdieations non- 
relles, 2e Serie; BibliothequeCliarcot-Debove, 
Pnrgatifg , p. 104: professeur Leinoine, de 
Lille, ThSrapeutiijueclini/fue, p. 305; Tison, 
höpital Saint-Joseph etCongrfes ponrl’avan- 
«ement des Sciences, Bordeaux, 1895, Ire 
Partie, p. 963; professeur Charles, dejLiege, 
Cours a accouchements etc., etc.) 


Son action est reguliere facile k regier, sans acconturaance, en alternant le mode d’emploi, rem uquabie dans la 
ccmst ipation habituelle et contre les affections du foie, Lithiase biliaire etc., l’obdsitö- Le seul laxalif indique dans la gros- 
ses.se et dans Tallaitement. et contre les proliferations microbiennes du rhnmatisire(Dr. Roux), dans ladothienenterie etc. 
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1 KUX IR: 1 ou 2 cuilleies cafe ou A soupe. suivant l’äge. (Diminue 

A 


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les Docteurs de bien vouloir formuler „Cascarine Leprince.“ 

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Pararret6 en dato du 20 aviil 1900, le Conseil Medical de 1’Einpire et le Miuistre de l’Jnterieur out! autorise 
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S5 Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, dass die körperliche Bewegung CKS 
K für die Erhaltung, Stärkung und Kräftigung de? menschlichen Körpers 
3» unentbehrlich und von höchster Bedeutung ist. Jedermann, der durch erg 
® geistige Beschäftigung an den Schreibtisch gefesselt, täglich krumm sitzt gg 
jg und überhaupt ein Jeder, welcher infolge seines Berufs ans Zimmer ge- gg 
eug bannt und nicht in der Lage ist, seinem Körper die nothwendigen Bewe- 
iS? gungen zu verschaffen, ist es sich deshalb nicht nur unbedingt selbst gö 
gjß schuldig, sondern es ist geradezu seine heilige Pflicht, nach gethaner gg 

II Arbeit auch an seinen Körper zu denkeu und Dasjenige zu thun, was zur g| 

v Erhaltung seiner Gesundheit unumgänglich erforderlich ist. ” 

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freie Pfleger und Pflegerinaeu für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
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Ä 08 B. U6H8. Cn6., 4 (fefipu^fl 1902r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke.Katharinenhofer Pr JC 15. 


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XXVll- UMGANG. ST PtT t R SBll Hfl K It Neue Folge XIX ‘ ' Tahrg ' 

IEDIOIIISÖIE WDCEEIS0ER1FT 


unter der Redaction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. 

Jurjew (Dorpat). 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Dr. Johannes Krannhals 

Rjjfa. 


Die «St. Petersburger Medieiaisehe Wochenschrift» erscheint jeden 
S jansbend. — Der Abonnementepreii ist in Bauland 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postzustellnng; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertlonsprols 
ftlr die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25 Separatabiügeihrer Originalartikel zugesandt.— 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


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bittet man ansseiiliesslieh au die Buchhandlung von K. L. Biokerin 
St.Petersburg, Newsky-ProspectXälä, zu richten.—Ka nni oripte 
sowie alle auf dieRedactioo bezüglichen Mittheilnngen bittet mau an 
den geschftftsführenden Redactenr Dr.Budolf Wanaoh in S (.Pe¬ 
tersburg, Petersburger Seite, Peter-Panlhospital zn richten Sprech- 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr. 


N 6 


St. Petersburg, 9. (22.) Febrnar 


1902 


Inhalt: Prof. Ö. v. Petersen: Ein Fall von Orientbeule (Aschabadka) mit Finsen’scher Phototherapie behandelt. — 
Bücheranzeigen und Besprechungen: 0. Beier: Die Untersuchung unserer wichtigsten Nahrungs- nnd Genussmittel. 
— Wilh. Deutsch: Der Morphinismus. — Atlas und Grundriss der Krankheiten der Mundhöhle, des Hachens und der Nase 
von Dr. L. Grünwald. — Prof. Dr. Philipp Schech: Die Krankheiten der Mundhöhle, des Rachens und der Nase. — Das 
Buch der Berufe, ein Führer und Berat her der Berufswahl. Von Dr. med. Georg Korn. — Lehrbuch der Geburtshülfe von 
Prof. Max Runge. — 0. Hess: Der Formaldehyd. Seine Darstellung. Eigenschaften und seine Verwendung alatousei virungs-, 
Therapeutisches- und Disinfectionsmittel mit besonderer Berücksichtigung der VVolinungsdesinfection. -- baumgarteu und 
Tan gl: Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den pathogenen Mikroorganismen umfassend Bakterien, Pilze 
und Protozoen. — Jobs Schmidt und Fr. Weis: Bacterien. — Die griechischen Götter und die menschlichen Missgeburten. 
Vortrag, gehalten im Docenfenverein der Universität Rostock am 3. Mai 1901 von Prof. Dr. Schatz. — E. J. Buning: Die 
Dipbtheriekrankheit, das Wesen, die Ursache und die Behandlung mit Heilseium. — Protokolle des Vereins St. Pe- 
terBburger Aerzte. — Vermischte s — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburg s . — An zeigen._ 

Dieser liegt «N§ 2 der Revue der Russischen Medicinischen Zeitschriften' bei. 


Ein Fall von Orientbeule (Aschabadka) mit Finsen’- 
scher Phototherapie behandelt. 

Von 

Prof. 0. v. Petersen. 

(Vortrag, gehalten im Deutschen ärztl. Verein zu St. Pelersb.). 

M. H. Erlauben Sie mir htnte Ihnen Einiges über 
eine Hautkrankheit mitzutheilen, die lür Petersburg 
nur in soweit von Interesse ist, als mit dem, sich stetig 
steigernden. Verkehr mit unseren centralasiatischen Pro¬ 
vinzen die Zahl der von dort importirlen Fälle allmäh¬ 
lich zunimmt, sodass alljährlich derartige Erkrankungen 
hier zur Beobachtung gelangen und daher Jeder von 
uns in die Lage kommen kann, sie kennen zu lernen. 
Ich meine das sogenannte Pendeh-Geschwür oder 
die Orientbeule. 

Es handelt sich dabei um eine locale Haut-lnfections- 
krankheit, hervorgerufen durch Uebertragung von Micro- 
organismen, die sich in den Hautfollikeln l'estsetzeu, 
Entzündung und Gewebszerfall hervorrufen mit dem Aus¬ 
gang in Narbenbildung. 

Es ist dieses eine specifische Erkrankung, die in den 
verschiedensten Gegenden des Orients znr Beobachtung 
kommt, wie aus den verschiedensten ihr je nach dem 
Beobachtungsort beigelegten Namen leicht ersichtlich. 
Ich erlaube mir daher eine Reihe der Synonyme anzu¬ 
führen. 

ln Klein-Asien hat sie die Namen: Aleppobeule, 
Damascns-, Antiochiabeule, in Indien — Bombay-, 
Delhi-, Lahore-, Agra-, Mutabeule, iu Afrika — 
Hassa-, Biskra-, Sahara-, Cairo-, Egyptische-, Nil-, 
Turkutbeule. In Turkestan nennt man sie Taschkent- 
geschwür, Kokanka, Aschabadka, Pendeh-Geschwür (neH- 
AMHCKaa asßa). Die Franzosen nennen sie vielfach auch 
bouton oder ciou des payschauds. 

Am praktischsten ist es vielleicht, den vielfach auch 
schon anzutreffenden Namen Orientbeule zu accep- 


i tiren oder wie Heydenreich proponirt, Ulcus tro¬ 
pica m, meinerseits würde ich den Namen Folli¬ 
culitis ulcerosa tropica vorschlagen. 

Unter dem Namen Aleppobeule ist diese Krankheit 
bereits 1745 von Peacocke beschrieben worden. In 
Russland ei schienen die ersten Mitlheilungen, soweit 
mir bekannt, erst in den 60-iger Jahren, als die russi¬ 
schen Truppen Chiwa erobert hatten. Ausführlichere Ar¬ 
beiten haben Heydenreich und bald darauf Rap- 
tschevski veröffentlicht, die vom Kriegs-Ministerium 
nach Turkestan gesandt wurden, als dort unter den 
Truppen Massenerkrankuogen aul'traten, namentlich wäh¬ 
rend der Feldzüge zur afghanischen Grenze hin. 

Die Krankheit beginnt gewöhnlich an einer nicht von 
den Kleidern bedeckten Hautstelle (Gesicht, Extremitäten) 
in Form eines leicht erhobenen, unebenen rothen Fle¬ 
ckes (Infiltrat), dann treten auf demselben kleine Pu¬ 
steln auf, die zerfallen und eiu Geschwür, oder richtiger 
ein Conglomerat kleiner Geschwüre mit untenninirteu 
Rändern bilden, die oft mit einander communiciren. Wer¬ 
den diese Geschwüre gereizt durch Reiben oder Unrein¬ 
lichkeit, so nehmen sie an Umfang- und Tiefe zu. Cba- 
racteristisch ist der Mangel an Tendenz zum Heilen, 
sodass es oft Monate lang, ja bis zu 10—12 Munate und 
mehr dauert, biß sie vernarben. Die Zahl der Ge¬ 
schwüre bei einem Patienten schwankt zwischen 1—17u. 

Ueber die Localisation giebt Heydenreich 
folgende Tabelle über 12Ö5 Patienten, die im Gan¬ 
zen 16036 Geschwüre auf wiesen: 


An 

den 

Unterschenkeln. 

. 4255 

Geschwüre 

» 

» 

Vorderarmen . 

. 3745 

» 

» 

» 

Lumbalgegend . 

1577 

» 

» 


Füssen . . . 

1150 

» 

» 

> 

Händen . 

946 

» 

» 

» 

Gesicht . 

1029 

i 

» 

» 

Halse.... 

Ö59 

» 

» 

» 

Unterleib . . 

, 795 

» 


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60 


Meist findet man gleichzeitig Geschwüre am Gesiebt 
und den Extremitäten, wohl durch Autoinoculation ent¬ 
standen. ln Turkestan ist das Geschwür sehr verbreitet, 
vorherrschend unter der armen Bevölkerung, jedoch auch 
in den besseren Ständen und bei den Europäern. Im 
Ganzen habe ich in Petersburg 12 Fälle, die alle aus 
Turkestan importirt, beobachtet, namentlich Ol'ficiere, 
Soldaten, Eisenbahnbeamte, jedoch auch junge und ältere 
Damen, die ihre Angehörigen nach Turkestan begleitet. 

Vor V /2 Jahren kam ein junges Mädchen zu mir, 
welches ein Geschwür am linken Oberarm, das andere am 
linken Oberlide hatte. Heute werde ich mir erlauben 
eine Dame (Schauspielerin) vorzustellen, welche das Lei¬ 
den an der Nase aufweist. Im Beginn macht die Krank¬ 
heit wenig Beschwerden, nur leichtes Brennen und 
Jucken, meist leiden die Patienten erst wenn Comp- 
licationen hinzutreten. Von grosser praktischer Be¬ 
deutung ist aber die Erkrankung bei den Soldaten, 
wenn sie durch Affection der Füsse und Unterschenkel 
marschunfähig werden, wie dieses während der Feldzüge 
vorkommt. Heydenreich fand bis 66—76 pCt. 
Corapiicationen in Form von Lymphangoitis, jedoch 
lässt sich dieses leicht erklären und darf man darin 
nichts Characteristisches für die Krankheit suchen. 

Die Diagnose bietet keinerlei Schwierigkeiten, wenn 
man die Krankheit im Orient antrifft, wohl aber kom¬ 
men Missverständnisse vor, wenn man die Patienten in 
Gegenden antrifft, wo das Leiden sonst nicht vorkoramt. 
So z. B. ging es mit dem oben erwähnten jungen Mäd¬ 
chen. Es hatte sich hier an einen Special-Collegen ge¬ 
wandt, der nicht beachtet hatte, dass sie mitgetheilt, 
sie käme aus Taschkent, und die Diagnose wurde auf 
gummöse Geschwüre gestellt. Sie können sich vorstel¬ 
len, welche Aufregung dieser Ausspruch bei der Patien¬ 
tin und ihrer Familie verursachte. Als sie zu mir in 
die Klinik kam, konnte ich sofort die Diagnose «Pen- 
deh-Geschwür» unschwer stellen uud bestätigte die Cul- 
tur des Geschwürsecreies diese Ansicht in wenigen 
Tagen. Am ehesten könnte man das Geschwür noch 
mit den sogen, scrophulösen Geschwüren (Scropbuloderma) 
verwechseln. Doch auch dagegen spricht deutlich der 
facetirte Rand, welcher auf den Zerfall zahlreicher 
kleiner Folliculitiden hinweist. Gegen gummöse Ge¬ 
schwüre spricht die Oberflächlichkeit der Ulcerationen 
und der Mangel derber Infiltration des Uuterhautzell- 
gewebes uud Fehlen jeglicher anderer Symptome. Der 
Allgemeinzustand leidet nicht und in allen meinen Fäl¬ 
len war der Ernährungszustand ein durchaus guter, es 
handelt sich stets nur um eine Localerkrankung der 
Haut. 

Was nun die A e t i o 1 o g i e betrifft, so hat schon 
Duclaux bei der Biskrabeule einen Mikroorganismus 
gefunden, den auch Heydenreich im Pendeh-Ge- 
schwUr wiederfand, es ist ein Diplococcus, der an Go- 
nococcus erinnert. Dagegen fand Raptschewski 
einen Streptococcus, den er als den specifischen 
Erreger der Krankheit ansieht, da er ihn im Saft fri¬ 
scher Knötchen ganz allein gefunden und cultivirt hat. 
Näheres über diese Frage wird Dr. Wladimirow 
uns heute gütigst mittheilen, da er so liebenswürdig war, 
den heute vorzustellenden Fall bacteriologisch zu unter¬ 
suchen. 

Die Therapie hat bisher noch wenig geleistet. Es 
wird im Allgemeinen ein antiseptisches Verfahren vor¬ 
geschlagen, Jodoform, Xeroform etc.; doch verheilen die 
Ulcerationen stets nur sehr langsam, namentlich wenn, 
wie bei der Aschabadka, die uns heute vorliegt, das 
Leiden vorherrschend den Folliculitis-Charakter zeigt, 
ln einzelnen Fällen habe ich durch Excochleation mit nach¬ 
folgendem Jodoformsalben-Verband recht gute Erfolge ge¬ 
habt, desgleichen durch Bepinseln mit Jodtinctur, die 


aber leicht Reizzustände hervorrnft. Wo man aber, wie Im 
Gesicht, darauf bedacht sein muss entstellende Narben 
zu vermeiden, lässt sich die Ecochleation nicht gut &n- 
wenden. So habe ich bei dem jungen Mädchen die Ge¬ 
schwüre ohne Excochleation uod mit sehr geringen Nar¬ 
ben durch alternirende Anwendung von Jodtinctur und 
Xeroforrapasta zur Heilung gebracht, aber die Cur nahm 4 
Mbnate in Anspruch. 

Als sich Frau A. aus Turkestan im Mai des vergan¬ 
genen Jahres mir mit Geschwüren und Folliculitiden, 
welche die Nase einnahraen und eine Tendenz zur Aus¬ 
breitung zum rechten inneren Augenwinkel hatten, vor- 
styllte, diagnosticirte ich die Orientbeule und zwar die 
als «Aschabadka» bekannte Abart des Pendeh-Gescbwü- 
res, welches mehr den Folliculitis-Charakter trägt. 

Von einer Ausräumung mit dem scharfen Löffel 
konnte nicht gut die Rede sein, da Patientin Schauspie¬ 
lerin und sehr darauf bedacht sein muss ihr Aeusseres 
zu schonen. Da es sich nun aber um ein parasitäres 
Hautleiden handelte, so schien es mir, dass wir eine 
Indication für die Behandlung mit chemischen Licht¬ 
strahlen nach der Methode F i n s e n ’ s haben. Obgleich 
bisher keine Versuche in dieser Richtung gemacht wor¬ 
den, so proponirte ich der Patientin, sich der Photo¬ 
therapie zu unterziehen, zumal Finsen, mit dem ich 
darüber correspondirte, mir völlig darin beistimmte, 
dass man Erfolge erwarten könnte. 

Nun, wir haben diese Behandlung recht lange fort¬ 
gesetzt, mit verschiedenen Unterbrechungen, theils wegen 
der sehr bedeutenden Nervosität der Patientin, theils 
wegen der dazwischen recht acuten Reaction nach der 
Beleuchtung. Es gebt freilich sehr langsam, aber das 
Resultat ist ein derartig erfreuliches, dass ich Patien¬ 
tin schon heute vorstellen kann, obgleich die Behand¬ 
lung noch nicht beendet. 

Obgleich es der erste Fall von Orientbeule ist, wel¬ 
cher nach dem Finsen’schen Verfahren behandelt, 
können wir doch schon sagen, dass diese Methode ent¬ 
schieden dazu geeignet ist und zwar bei denjenigen 
Fällen, wo das Gesicht inficirt worden; denn es ist uns 
gelungen die Narbenbildung auf ein Minimum zu be¬ 
schränken, wie Sie sich leicht an dem unteren Nasen¬ 
rand davon überzeugen können. Die chemischen Licht¬ 
strahlen scheinen das Epithel nicht zu zerstören (wie 
es die verschiedenen Caustica thun) und ist daher die 
Möglichkeit geboten Narbenbildung möglichst zu ver¬ 
meiden, wie wir das auch bei unseren Lupuskranken 
sehen. 

Nach unserem Erfolge können wir die Hoffnung aus¬ 
sprechen, dass wir in der Lichtbehandlung nach Fin¬ 
sen ein gutes Mittel gegen die Orientbeule erhalten 
werden, wenn man im Orient die Sonnenlicht-Apparate 
verwendet, die viel billiger als diejenigen, welche sehr 
starke Lichtquellen erfordern. 


BQcheranzeigen und Besprechungen. 

C. Beier. Die Untersuchung unserer wichtigsten Nah¬ 
rungs- und Genussraittel. Medicinische Bibliothek 
für praktische Aerzte. Leipzig, Druck und Verlag v. 
C. G Naumann. (Preis 1 Hk. 50). 

Das kleine Buch giebt in gedrängter Form dem praktischen 
Arzt eine Anleitung auch weit von grösseren Centren, in 
denen Untersuchungsstationen und Laboratorien existiren, 
gelegentlich sich über die Güte der NahrungB- und Genuss- 
inittel zu informiren und ev. die einfachsten Prüfungen vor¬ 
zunehmen. Täglich treten an den Arzt Fragen aus diesem 
Gebiet heran, doch sind ihm die grossen Bandbücher meist 
nicht zur Hand, wohl auch nicht zugänglich. Da dürfte 
dies Büchelchen von Nutzen sein. 

U c k e. 


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51 


Wilh. Deutsch: Der Morphinismus. Eine Studie. 

(Stuttgart, Verlag vön F. Enke. 1901. 143 Seiten). 

Eine interessant geschriebene Abhandlung über den gegen¬ 
wärtigen Stand der Frage des Morphinismus uud der Doppel- 
intoxicationen. Die Ursache des Morphinismus sieht Verf. 
beim grösseren Theil der Patienten in einer schon früher 
bestandenen, eventuell fortbestehenden, oft auch erworbenen 
Neurasthenie. Besonderes Gewicht ist auf die therapeutischen 
Maassnahmen gelegt. Die Durchführung der Entziehung, die 
Bekämpfung der Abstinenzerscheinnngeu werden anfs Detal- 
lirteste geschildert. Dringend gewarnt wird mit Recht vor 
der Anwendung anderer toxischen Substanzen (Alcobol, Co¬ 
cain, Codein, Dionin etc.) zor Erleichterung der schweren 
Abstinenzsymptome. Die Hypnose leistet grosse Dienste wäh¬ 
rend der Entziehung und nachher im Verein mit rationeller 
Beschäftigung zum Gelingen der Cur und zur Verhütung von 
Hecidiven. Ais Ersatz für die subcutane und interne Appli¬ 
cation des Morphins hat dem Verf. die rectale Injectiou sich 
bewährt. In drei Fällen ist es ihm gelungen, die Entziehungs 
cur zu Hause anstandslos dnrchzuführen; für den weitaus 
überwiegenden Theil der Kranken kommt jedoch nur die 
langdauernde Behandlung in der Anstalt in Betracht. 

Dem praktischen Arzte kann daB Buch in allen Fragen des 
Morphinismus gute Dienste leisten. 

M i c h e 1 s o n. 

Atlas und Grundriss der Krankheiten der Mundhöhle, 
des Rachens und der Nase von Dr. L. Grün- 
wald. Zweite vollständig umgearbeitete und er¬ 
weiterte Auflage. 42 farbige Tafeln und 39 Text¬ 
abbildungen. Lehmann’s Medicinische Handat¬ 
lanten. Bd. IV. (München 1902). 

Die vorliegende 2. Auflage bildet ein vollkommen neues 
Werk, in dem der kleine «Atlas» der ersten Auflage kaum 
mehr zu erkennen ist. Vollständig neu ist in demselben der 
212 Seiten fassende, mit 39 Abbildungen versehene, sehr gut 
bearbeitete Grundriss, der trotz seiner Kürze eine ziemlich 
vollständige Darstellung der Anatomie, Physiologie, Patholo¬ 
gie und Therapie der Krankheiten der Mundhöhle, des Ra- 
cbeuB und der Nase enthält. Wesentlich verbessert ist auch 
der Atlas selbst, die Zahl der Tafeln erheblich vermehrt. Die 
Abbildungen sind vorzüglich ausgeführt und gehen eine na¬ 
turgetreue Darstellung der Krankheiten der betreffenden 
Organe. Einen wichtigen Vortheil der neuen Auflage bilden 
auch die angefügten histologischen Tafeln. Den praktischen 
Aerzten nnd Siudirenden können wir das Werk nur bestens 
empfehlen. 

A. Sacher. 

Prof. Dr. Philipp S c h e c h: Die Krankheiten der 
Mundhöhle, des Rachens und der Nase. Mit 45 
Abbildungen. Sechste vollständig neu bearbeitete 
Auflage. (Frauz Deuticke. Leipzig nnd Wien 1902). 

Bei der grossen Verbreitung und allgemeinen Anerkennung 
des vorliegenden Werkes ist es kaum nöthig auf die Vorzüge 
desselben näher einzngehen. In weniger als 20 Jahren hat es 
ti Auflagen durchgemacht, deren jede dem zeitgemässen Zu¬ 
stande der Rhino-Pharyngologie vollkommen entsprach. Auch 
die vorliegende A uflage kann als vollständig neu bearbeitete 
und bedeutend vermehrte bezeichnet werden und wird hoffent¬ 
lich einen noch grösseren Leserkreis Anden, als die vorigen. 
Die Ausstattung des Werkes ist eiue sehr gute. 

A. Sacher. 

Das Buch der Berufe, ein Führer und Berather der Be¬ 
rufswahl. VI. Band: Der Arzt. Von Dr. med. Ge¬ 
org Korn. Mit SO Abbildungen im Text und 
einem Titelbild. (Hannover. Gebrüder Jäuecke 1901). 

Das Buch der Berufe «will allen den jnngen Leuten, die 
vor dem Abgang von der Schule und vor dem Eintritt in 
das Leben stehen, ein treuer Mentor sein und dieselben dnreh 
guten Rath vor Umwegen und dem Schicksal bewahren, den 
Bernf zn verfehlen». In dem uns vorliegenden VI. Bande 
giebt Dr. Korn eine anziehend geschriebene Darstellung des 
ärztlichen Berufes, seiner Licht- und Schattenseiten, der ge¬ 
genwärtigen ökonomischen Lage des ärztlichen Standes, der 
materiellen nnd idealen Aussichten des diesem Berufe sich 
widmenden jungen Mannes. In den weiteren Oapiteln be¬ 
schreibt er die geschichtliche Entwickelung und heutigen 
Stand der wissenschaftlichen Heilkunde, die wissenschaftliche 
Ausbildung des Mediciners, die ärztliche Berufstätigkeit im 
Reichs-, Staats- und Militärdienste etc. Zahlreiche photogra¬ 
phische Abbildungen der hervorragenden Männer auf dem 
Gebiete der medicinischen Wissenschaft erhöhen das Interesse 
des Buches. Die Ausstattung desselben ist eine sehr gute. 

A. Sacher. 


Lehrbuch der Geburtshülfe von Prof. Max Runge. Mit 
zahlreichen Abbildungen im Text. Sechste Auflage. 
Berlin. Verlag von Julius Springer. 1901. 

Wenige von den geburtshülflichen Lehrbüchern erfreuen 
sieb so allgemeiner Beliebtheit, wie das vorliegende, das in 
neuer Auflage erschienen ist nnd in 10 Jahren 6 Auflagen 
erlebt hat. Auch diese Auflage ist unter Berücksichtigung 
der neuesten Literatnr vervollständigt worden, so dass die¬ 
selbe nicht nur Studirenden, sondern auch Aerzten zum Stu¬ 
dium der Geburtshülfe durchaus empfohlen werden kann. 
Die Abbildungen sind gut ausgeführt und anschaulich. 

Fr. Mühlen. 

0. Hess. Der Formaldehyd. Seine Darstellung, Eigen¬ 
schaften und seine Verwendung als Conservirungs-, 
Therapeutisches- und üesinfectionsraittel mit beson¬ 
derer Berücksichtigung der Wohnungsdesinfection. 
Zweite Auflage. Marburg. N. G. ElwertVhe Ver¬ 
lagsbuchhandlung. 1901. (Mk. 2). 

Täglich tritt an den vielbeschäftigten Arzt die Frage 
heran: wie erzielt man die wirksamste Wohnungsdesinfection? 
Seit das Formalin alle anderen Mittel in den Hintergrund 
gedrängt hat, sind eine ganze Reihe von Methoden aufge¬ 
taucht, über deren Werth sich der Arzt nur mit ungeheurer 
Mühe aus der Literatur orientiren kann. In dem kleinen 
Buch von H. finden wir nun alle uns interessirenden Daten 
znsammengetragon und beleuchtet, so dass eine Orientirnng 
leicht wird. Die Methoden sind beschrieben, die Apparate 
in Zeichnungen wiedergegeben, die Preisverhältnisse notirt, 
die Resultate der Prüfungen erwähnt. Man gewinnt ein Ur- 
theil über die Processe die vor sich gehen nnd kann den 
zumeist betheiligten Personen die gewünschte Auskunft uud 
gewisse Handhaben geben. 

Ucke. 

Baumgarton und Tangl. Jahresbericht über die 
Fortschritte in der Lehre von den pathogenen Mi¬ 
kroorganismen umfassend Bakterien, Pilze und Pro¬ 
tozoen. Fünfzehnter Jahrgang. Leipzig 1901. Verl, 
v. S. Hirzel. 

Das Erscheinen von «Baamgarten’s Jahresbericht» wird 
immer mit Ungeduld erwartet, uud es bedarf für die Fach¬ 
genossen eigentlich nur der Anzeige, dass wieder ein neuer 
Band des Werkes zur Ausgabe gelangt ist. Wenn man be¬ 
rücksichtigt. mit welcher Vollkommenheit das ins Unge¬ 
heuerliche anwachsende Material von den Herausgebern uud 
ihren Mitarbeitern referirl wird, so kann mau nicht hoch 
genug anerkennen, dass es ihnen jetzt gelingt, die Literatnr 
eines Berichtsjahres bereits nach 1 ‘/j Jahren gesammelt und 
bearbeitet aus der Presse hervorgehen zu lassen. Im Inter¬ 
esse der russischen Literatur müssen wir mit Genugthnung 
hervorbeben, dass Prof. Lewin wieder in die Reihe der 
Mitarbeiter an dem Werke eingetreten ist. 

A. W. 

Johs Schmidt und Fr. Weis. Bakterien. Natur¬ 
historische Grundlage für das bakteriologische Stu¬ 
dium. Mit einem Vorwort von Prof. E. Chr. Han¬ 
sen. Aus dem Däuischen übersetzt von Morton 
P 0 r s i 1 d. 416 Seiten, 8°. Verlag von Gustav Fischer 
Jena, 1902. Preis 7 Mk. 

Das vorliegende Werk ist kein bakteriologisches Lehrbuch 
im gewöhulichen Sinne, wie es deren gegenwärtig so viele 
giebt, dass Einem bei Empfehlungen schon die Wahl schwer 
fällt, sondern es stellt thatsäclilich seinem Titel entsprechend 
eine naturwissenschaftliche Propädeutik der Bakteriologie 
dar. Alles Technische den speciellen Lehrbüchern überlassend 
behandoln die Verfasser ihren Stoff nur vom Standpunkte des 
Botanikers und des Physiologen. Der erste Abschnitt, bear¬ 
beitet von Johs Schmidt, giebt die Morphologie und Ent¬ 
wickelungsgeschichte der Bakterien ; der zweite, ans der Feder 
Fr. Weis, die Physiologie derselben. Beide Abschnitte 
sind aus einem Guss: knapp in der Form, klar in der Dar¬ 
legung nnd streng wissenschaftlich gehalten, ln dieser Weise 
eröffnet ihre Lectüre dem Anfänger, ohne zu ermüden, die 
Möglichkeit, «las ganze Gebiet wie aus der Vogelschau zu 
überblicken, wäiirend der Fachmann beim Lesen des Werkes 
ausser dem rein ästetiseben Genuss einer schmucken Bear¬ 
beitung des Gebietes auch mannigfache Anregung in Special- 
fragen finden kann. Der Schlussabschnitt des Werkes «Be¬ 
schreibung der wichtigsten Bakterienarten» soll nur als Illu¬ 
stration zu den beiden vorhergehenden dienen, denn, um auf 
selbstständige Bedeutung Anspruch zn machen, ist er doch 
etwas zu kurz gehalten. Die zahlreichen Abbildungen des 
Buches sind insgesammt mit grosser Sorgfalt aus guten Ori¬ 
ginal werken von Fischer, Migula, Le ii mann und 
Neumann, E. Chr- Hansen, Winogradsky u. A. 


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52 


ausgewählt und tadellos reproducirt. wie überhaupt die 
Ausstattung des Werkes io jedem Stück den bekannten ver¬ 
feinerten Geschmack des Verlegers verräth. Zweifellos wird 
die deutsche Ausgabe sich eben so schnell einen grossen 
Kreis von Freunden erwerben, wie es die dänische bereits ge- 
than'hat. A. W. 

Die griechischen Götter und die menschlichen Missge¬ 
burten. Vortrag, gehalten im Docentenverein der 
Universität Rostock am 3. Mai 1901 von Prof. Dr. 
Schatz. Mit 62 Abbildungen im Text. Wiesbaden. 
Verlag von S. T. Bergmann. 1901. 

In geistvoller Weise sucht Schatz nachzuweisen, dass 
den Griechen zur Schaffung ihrer Götter nnd zwar vorzugs¬ 
weise der Halbgötter, verschiedene menschliche Missbildungen 
den Anlass gegeben haben. Die Möglichkeit ist ja nicht 
ganz von der Hand zu weisen, besonders wenu man daran 
festhält, dass zu der Zeit als die Sagen entstanden, die Prie¬ 
ster noch zugleich als Aerzte thätig waren und daher die 
ihnen zu Gesichte kommenden menschlichen Missgebnrten in 
das Sagenhafte vergrösserten nnd sie als Halbgötter und 
mächtige Wesen in ihrer Religion verwerteten. In vielen 
Fällen scheint die Annahme wahrscheinlich, so z. B. dass die 
Cyklopen aus menschlichen einäugigen Missgebnrten ent¬ 
standen 8ind,denn nach Schatz’s Meinnng, müsste die tie¬ 
rische einäugige Urform bei der anerkannten Hässlichkeit 
der Cyklopen doch etwas tierisches beibehalten haben. Auch 
gerechtfertigt scheinen die Hypothesen, dass die Sirenen oder 
Najadenbildung, der Januskopf mit seinen beiden Gesichtern 
und die Harpien ans menschlichen Missbildungen hergeleitet 
sind, da aus den entsprechenden tierischen Missbildungen 
sich wohl andere Gestalten entwickelt hätten. Ausführlicher 
auf diesen interessanten Vortrag einzugehen, würde wohl zn 
weit führen, es sei nur die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt, 
da in demselben viel Anregendes zu finden ist. 

Fr. Mühlen. 

E. J. Buning. Die Diphtheriekrankheit, das Wesen, 
die Ursache und die Behandlung mit Heilserum. 
1901. 80 Seiten. 8°. Verl. v. De Erven F. Bohn, in 
Haarlem und Franz Deuticke, Leipzig und Wien. 

Der holländische College nennt sein Büchlein «eine Kritik». 
Diese Bezeichnung ist allenfalls durch die Form der Darle¬ 
gung gerechtfertigt, nicht aber durch den Inhalt. Die grosse 
Bewegurg in der Lehre von den Infectionskrankheiten. welche 
das letzte Jahrzehnt gebracht hat, scheint an dem Verfasser 
vorübergegangen zn sein Auf einem engen und veralteten 
Standpunkte fassend setzt er seine Kritik an und kommt zu 
dem Schluss, dass «die Diphtherie eine Infectionskrankheit 
ist, von welcher man die Ursache nnd die Veranlassung noch 
nicht kennt». Daraufhin könnte er logischer Weise ein Heil¬ 
mittel der Diphtherie, welches mit Hilfe der vermeintlichen 
specifischen Erreger der Krankheit dargestellt wird, einfach 
von der Hand weisen. Er thut dieses aber nicht, sondern 
widmet den grösseren Theil seiner Brochüre der Frage, ob 
das Diphtherieserum als Heilmittel betrachtet werden kann 
oder nicht. Hierbei stützt er sich ausschliesslich auf sta¬ 
tistische Angaben, die er von hier nnd da aus der Literatur 
zusammengetragen hat, ohne auch nur den geringsten An¬ 
spruch auf Vollständigkeit machen zu können. Das Ender¬ 
gebnis der Kritik ist «dass die Resultate, welche wir von 
der Serum-Therapie gesehen haben, nur scheinbare sind». 

Ohne Zweifel harren in der Diphtherie-Frage noch manche 
Probleme ihrer Lösung, und. so lange eine Controverse nicht 
endgiltig abgeschlossen ist, hat Alles, was darüber pro oder 
contra geäussert wird. Anspruch auf Interesse, somit auch 
vorliegendes Büchlein. Es ist nur zu bedauern, dass die Lec- 
türe desselben durch sein stellenweise recht «gebrochenes» 
Deutsch nicht unerheblich erschwert wird. A. VV. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

695. Sitzung den 2. Oktober 1901. 

Vorsitzender: T i 1 i n g. Secretär: A 1 b a n u s. 

1) Petersen demonstrirt einen Fall von Lupus. Vor l'/s 
Jahren wurde dieselbe Patientin im Verein gezeigt. Der 
Lupus hatte 12 Jahre bestanden. Die Nase nnd beide Wan¬ 
gen waren ergriffen. Pat. ist einer Lichtbehandlnng unter¬ 
zogen worden, in 302 Sitzungen. Seit 4 Monaten ist die Be¬ 
handlung sisiirt. Jetzt sind keine Knötchen zu sehen. Die 
Hauptbehandlung (Fin6eu) ist zu Ende nnd von 540 Fäl¬ 
len von Flnsen ist nur in 32 nach dieser Hauptbehandlung 
noch eine Nachbehandlung wegen Recidivs nöthig gewesen. 
Man wird wohl 2 Formen von Lupus annehmen müssen, eine 


mit schnellerem, eine mit langsamerem Zerfall. Dieser Fall 
dürfte der Forrii mit langsamem Verlauf zuznschreiben sein. 

I) i s c u s 8 i o n. 

Tiling: Der Erfolg Ist hervorragend gnt und kann 
wohl dnren keine der chirurgischen Behandlungsmethoden in 
so vollkommener Weise erzielt werden. Ist aber diese Be¬ 
handlungsmethode auch einer weiteren Volksclasse zugäng¬ 
lich und wie viel Patienten können täglich der Behandlung 
unterzogen werden ? 

Petersen: 16 Patienten täglich. Die Kosten belaufen 
sich auf 70 Kop. Für die Sitzung. Die Behandlung ist theuer 
und langwierig — das sind eben die Nachtheile der Methode. 
Aber das Leiden ist auch höchst langwierig. Die Apparate 
werden jetzt auch schon vereinfacht nnd billiger hergestelll- 
Um die Behandlung aber einer weiteren Bevölkerungeschicht 
zugänglich zn machen,muss ein Institut für Lichtbehandlung 
eingerichtet werden. Der Name «Lichtbehandlung» wird 
übrigens vielfach gemissbrauchr, nnd so z. B. von M i n i n 
für die Behandlung mit blauem Licht gebraucht, wobei dank 
dem Reflector. der sich an der Lampe befindet, mehr Wärme - 
strahlen als Lichtstrahlen wirksam sind. 

Schröder: Die Behandlung mit blanem Licht wird auch 
in der Augenheilkunde empfohlen. Die Resorption von Blut¬ 
austritten soll beschleunigt werden. Nach Tichomirow 
soll bei dieser Behandlung eine Retinitis hämorrhagica schnel¬ 
ler ansgeheilt sein. In der St. Petersburger Angenheil An¬ 
stalt hat man bei Sugillationen dieses Verfahren nachprobirt 
und dasselbe hat negative Resultate gegeben. 

Wanach: Bei eluer Oontusion des Fusses mit Blutextra¬ 
vasat schwand letzteres wohl im Laufe eiuer Woche, aber es 
entstand ein Ulcus in Folge Verbrennung des Fusses. 

Petersen: Ein Fall von Lupus des Unterschenkels, 
der bei dieser Therapie in überraschend schneller Zeit heilte, 
erwies sich als luetisches Geschwür, das natürlich einer The¬ 
rapie, die im Grande nur Wärmetherapie ist, leicht zugäng¬ 
lich war. 

Kreps: Eine subjective Besserung brachte die Mi n i n - 
sehe Therapie bei einem Kratzeczem des Kopfes bei einem 
alten verabschiedeten General, der eine Wunde am Kopfe 
gehabt hatte. Objectiv freilich war Alles beim Alten. 

Fischer: Die Suggestion spielt hier unbedingt eine Rolle. 
Min in führt mit der einen Hand leichte Massage aus, wäh¬ 
rend die andere Hand die Lampe hält. 


Vermischtes. 


— Der Ehrenleibmedicus und Director des französischen 
Hospitals Dr. L. Bertheuson ist zum Commanleur des 
Ordens der Ehrenlegion ernannt worden. (Figaio). 

— Am 30. Januar beging der Gehilfe des Chefs der Ober- 
Militär-Medicinal Verwaltung, wir kl. Staatsrath Dr. Peter 
Heinz das 25jährige Jubiläum seiner ärzt¬ 
lichen and dienstlichen Th&tigkeit, Der Jubi¬ 
lar ist ein Schüler der Kiewer Universität. 

— Zum stellv. Gouvernements -Medicinalin- 
spector von Siedlce ist der bisherige Jelisatwetpolscbe 
Gouvernementsarzt, Collegienrath Dr. Brandt ernannt 
worden. 

— Zum Vorsitzenden der Wenden sehen Stad t- 
Verwaltung für die in Punkt 120 der Städteordnnng vor¬ 
gesehenen Verhandlungen hat der livländische Gonvernenr 
den Wendenschen Kreisarzt Dr. Peter Gaehtgens be¬ 
stätigt. 

— Am 30. Januar beging der Professor der Augenheil¬ 
kunde an der Kiewer Universität, Dr. Andreas Chodiu, 
das 30 j ährige Jubiläum seiner ärztlichen und 
wissenschaftlichen T litt tigk eit. Der Jubilar ist 
bekannt als Verfasser ophthalmologischer Handbücher, sowie 
als Herausgeber und Redactear des «Westnik Ophthalmo- 
logii». 

— Auf den Lehrstuhl der chirurgischen Pa¬ 

thologie und Therapie an d e r 0 d e s s ae r Uni¬ 
versität ist der Privatdocent der Kiewer Universität Dr. 
K. M. Sapjeschko berufen worden. (R. Wr.) 

-- Der Ordinator der psychiatrischen Klinik der Moskaner 
Universität Dr. Alexander Bernstein hat sich da¬ 
selbst als Privatdocent für Nerven - und Geiste 8- 
krank beiten habilitirt. 

— Der bekannte Professor für Nervenkrankheiten an dem 
Institut der Grossfürstin Helene Pawlowna, Dr. M o - 
tschutko wski, liegt schwer krank darnieder an den 
Folgen einer Gehirnapoplexie. Es ist bereits der fünfte 
Schlaganfall bei ihm im Lanfe von 8 Jahren. 


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53 


— Der Arzt mit Staatsdienstrecliten auf den Gütern Po¬ 
pen, Anzen, Passen und Pusseneeken, Collegienrath Dr. 
Hermann Meyer, ist auf sein Gesuch verabschiedet 
worden. 

— Zum Oberarzt des klinischen Militär- 
hospitals hierselbst ist der bisherige Arzt ander 
Militär-Medicinischen Akademie Staatsrath Dr. T s c b e m e • 
s o w ei nannt worden. 

— Der Ober Militär-Medicinalinspector wirkl Geheimrath 
Dr. Rem m eil ist nacl» St. Petersburg; zurückgekehrt. 

— Der Divisionsarzt der 1. Donischen Kosaken-Division 
Stnatsratli Dr. Smiruow ist mit Uniform verabschie¬ 
det worden. 

— Die medicinischc Fakultät der Kiewer Universität hat 

beschlossen, den früheren Ordinator der Jurjewschen geburts¬ 
hilflichen Klinik Dr. P. Bondarew und den früheren 
Landschaftsarzt Dr. .1. A. Trzeceski als Privaidocenten 
zur Abhaltung von Vorlesungen zuzulassen, und zwar erste- 
ren über Geburtshilfe und Gynäkologie, letzteren über spe- 
cielle Pathologie und Therapie. , (R. Wr.) 

— Prof. Dr. A. Pospjelow ist zum Präses des bei 
der Moskauer Universität bestehenden Be- 
r a tli n n g s c o in i t e s gewählt und als solcher vom Cura- 
tor des Lehrbezirks bestätigt worden. 

— Dein zum Ministerium der Wegecommnnicationen zuge¬ 
zählten Eisenbahnarzt in Tschita (Transbaikal-Gebiet) Colle- 
gienrath Dr. Felix Jassenski ist der S t. \V 1 a d i m i r- 
0 r d e n 4. Classe mit Schwertern verliehen worden. 

— Verstorben: 1) lm Eisenbahnwagen anf der Reise 
aus dem Auslände in die Heimath der Gouvernements-Medi- 
cinaliuspector von Astrachan Dr. M. I. A r u s tarn o w an 
Apoplexie. Der Hingeschiedene, welcher seit 1878 als Arzt 
thätig gewesen ist, hat sich als Medicinalinspector grosse 
Verdienste erworben durch strenge sanitäre Beaufsichtigung 
der Herstellung der Fischwaaren, welche aus Astrachan in 
die verschiedensten Gegenden Russlands in grosser Menge 
versandt werden. Seiner Energie ist auch die Unterdrückung 
der Choleraepidemie im Gouvernement Astrachan und der 
Epidemien in Kolobow and Djambai zu verdanken. Seit ca. 
12 Jahren hat er sich mit der Erforschung der Natur des 
Fischgiftes beschäftigt und soll, wie verlautet, in der letzten 
Zeit die Bacterien desselben entdeckt haben. Unter seinen 
Gediegen genoss der Verstorbene viel Liebe und Achtung, 
was sich auch in seiner Wahl zum Präses des Vereins 
Astrachanseher Aerzte und der örtlichen Abtheilung der St. 
Petersburger ärztlichen Gesellschaft zu gegenseitiger Hilfe¬ 
leistung ausspracli. — 2) Am 29. Januar im Odessaer Stadt¬ 
hospital der frühere jüngere Arzt des Wolhynisclien Gaide- 
regimeuts Dr. S. Chudsliinski. Die ärztliche Praxis hat 
C h. seit 1885 bis vor 2 Jahren ausgeübt, wo er bei einem 
Besuche seiner Verwandten in Odessa an schwerer Melan¬ 
cholie erkrankte, welcher er jetzt erlegen ist. -- 3) Im Gouv. 
Wjatka der Arzt bei dem Cbolniz’sclien Bergwerke Niko¬ 
lai S c h k 1 j a j e w im 55. Lebensjahre. Obgleich er fast 28 
Jahre hindurch eiue ausgebreitete Praxis gehabt hat, so hat 
er doch seine zahlreiche Familie unversorgt zurückgelassen. 
— 4) In Oranienbaum der ältere Arzt des dort postirten 
Marine-Lehrcommandos Staatsrath Dr. W. F. Tscho- 
lowski, welcher seit Absolvirung des Cursus im Jahre 
1878 als Marinearzt thätig gewesen ist. — 5) Am 30. Januar 
in Mainz der Arzt am dortigen St. Vincenz-Hospital Dr. 
Alexander Barth, aus Reval gebürtig, im 27. Lebens¬ 
jahre. — 6) In Konstantinopel der frühere Professor an der 
dortigen, medicinischen Schule und Leibarzt des Sultans, Dr. 
Mawroy6ni Pascha. 

— Die Gesellschaft praktischer Aerzte zu 
Reval hatte, wie die Revaler Blätter ineldeu, um einem 
vielfach empfundenen Bedürfnis entgegenzukommen. die in 
den kleinen Städten nnd auf dem flachen Lande Estlands 
prakticirenden Aerzte behufs gemeinsamer Betätigung wis¬ 
senschaftlicher, praktisch-hygienischer nnd collegialer In¬ 
teressen zn einer Zusammenkunft in Reval am 
26. und 27. Januar d. .1. eingeladen. Es war die Mehr¬ 
zahl der ländischen Aerzte erschienen und verliefen die in 
den Räumen des Revaler Clubs abgehalteuen .Sitzungen unter 
regstem Interesse der Theilnebmer. Die trotz grösstmög- 
lichster Ausnutzung dennoch knappe Zeit von 2 Tagen ge¬ 
nügte kaum, die zahlreichen Vorträge, Discussionen und De¬ 
monstrationen zu fassen. Es kamen folgende Themata zum 
Vortrage: Dr. K n p f fer (Wruda):«Zur Leprafrago in Est¬ 
land»; Dr. Kntipffer: «Zur Hebammenfrage in Estland»: 
Dr. Bätge: «Soll Fiebernden Antipyrin gegeben werden 
oder nicht»; Dr. Weiss: «Die therapeutische Verwendung 
der Schilddrüsenpräparate»; Dr. Still mark (Pernau): 
«Ueber künstliche Kohlensäure-Bäder»; Dr. Labbe: «Hypo- 
dermoklyse und Euteroklyse bei Gastroenteritis»; Dr. Sohn: 
«Zur Prophylaxe des septischen Scharlachs»; Dr. Greif- 
fenhagen: «Ueber Complicationen der Otitis media»: Dr. 


v. W i s t i n g 1> a u s e n : «Zur Casuistik der retrograden 
Incarcerationen»; Dr. v. Renne nkampff: «Cystiti s des 
ersten Kindesalters»; • Dr. Baron Keyserlingk: «Kol- 
penryse nnd Metreuryse»; Dr. Kniipffer: «Ueber Myome»; 
Dr. v. Middendorff: «Die Conjunctivitis follicularis mit 
besonderer Berücksichtigung der Differentialdiagnose»; Dr. 
Gr eif fen h agen : «Ueber Gallensteine». Ausser diesen 
Vorträgen fand noch eine Reihe von Demonstrationen von 
Patienten, sowie Präparaten, Röntgenbildern etc. statt und 
wurden die Krankenanstalten von den angereisten Aerzten 
in Augenschein genommen. Ein gemeinsames Abendessen 
bildete den Schluss der Zusammenkunft. — Von der Gesell¬ 
schaft praktischer Aerzte zu Reval ist für das nächste Jahr 
eine Wiederholung einer derartigen Sitzung im Verein mit 
den auf dem Lande prakticirenden Aerzten in Aussicht ge¬ 
nommen. 

— Auf Initiative des Dr. Ferd. Gräbner hat sich in 
Odessa bei der dortigen Abtheilung der russischen Gesell¬ 
schaft zur Wahrung der Volksgesundheit ein Coinilä ge¬ 
bildet zur Organisation von physischen Uebuu- 
gen und Spielen für Personen beiderlei Geschlechts und 
jeden Alters. Derartige Uelutngen und Spiele sollen iin 
Freien, in den städtischen Gärten, auf Plätzen und in den 
Parkanlagen stattflnden. 

— Bisher wurden von der Militär-Medicinischen Akademie 
goldene und silberne Medaillen f ii r S t u d eil¬ 
te n arbeiten nur dann anerkannt, wenn sie Bearbeitun¬ 
gen der von der Conferenz der Akademie bestimmten The¬ 
mata waren. Von jetzt au soll ein jeder Professor das Recht 
erhalten. Studentenarbeiten, die unter seiner Leitung ausge 
führt sind, zur Belohnung vor/.ustellen. 

Bf. 

— Die G e s a m m t z a h L d e r Kranken i u d e u civil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 26. Jan. 
d. J 8957 (39 wen. als in d. VorwJ. darunter 519 Typhus — 
(48 wen.). 816 Syphilis —(8 mehr). 292 Scharlach — (22 wen.). 
112 Diphtherie — (22 wen ). 53 Masern — (2 mehl) und 24 
Pockenkranke — (5 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 20. bis zum 26. Januar 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nacli Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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142 

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97 

22 

10 

28 

69 

49 

50 

73 

43 

55 

16 0 


2) nach den Todesursachen: 

rypli. exanth. 0. Typli. abd. 25. Febria recurrens 0. Typhus 
ohne Bestimmung der ForniO, Pocken 1, Masern 7. Scharlach 18, 
Diphtherie 34, Croup 2, Keuchhusten 2. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 37. Erysipelas 3, Grippe 19, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis U, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0. Rotzkrankheit 0. Anthrax 0, 
Hydrophobie 0. Puerperalfieber 0. Pyämie und Septicaemie 5, 
Tuberculose der Lungen 103. Tuberculose anderer Organe 23, 
Alkoholismus und Delirium tremens 6. 1.ebensschwäche nnd 
Atrophia infantum 53, Marasmus senilis 36, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 63, Todtgeborene 36. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 19. Februar 1902. 

Tagesordnung: 1) E. Koch: Das Verhalten des Ma¬ 
gensaftes bei chronischer Obstipation. 

2) Feldt: Zur histologischen Diagnose 
maligner Brust höhlengeschwülste in- 
tra vitam. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. Februar 1902. 


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54 


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Antigonorrhoikum, von uns geliefert in Originalfläsch¬ 
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roloinm insolubile in Tabletten ä 0,1 grm., geruch- 
lcntliyol - Laicium und geschmacklos, kurzweg „Ichthyol“ 

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Ichthyol-Darreichung, in Originalschachteln 
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171,4-1»,»|A oder n Ichthyol“-Elseninsolubile, enth. &!* 0 ,o organ. 
Jj ©i FlCIIliIIUl gebund. Eisen, in Tabletten ä 0,1 gr., geruch- und ge¬ 
schmacklos, indicirt bei Chlorose uud Anaemie, in Ori¬ 
ginalschachteln zu 50 Tabletten. 

Hf x oder Meta-Knsol-Anytol solubile ; enth. 40°/o Meta Kresol, 

IH©lid)S01 Desinfectionsmittel in der Chirurgie, in Originalabpackungen 
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HiUCdioill zahnärztliche Verwendung, bei Stomatitis etc., in Originalab¬ 
packungen zu 50 grm. 

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Bl. (1900); Wiener Aerztl. Centralztg. 
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für die Erhaltung, Stärkung und Kräftigung des menschlich«n Körpers 
Unentbehrlich und von höchster Bedeutung ist. Jedermann, der duich 
geistige Beschäftigung an den Schreibtisch gefesselt, täglich krumm sitzt 
und überhaupt ein Jeder, welcher infolge seines Berufs ans Zimmer ge¬ 
bannt und nicht in der Lage ist, seinem Körper die nothwendigen Bewe¬ 
gungen zu veischaffen, ist es sich deshalb nicht nur unbedingt selbst 
schuldig, sondern es ist geradezu seine heilige Pflicht, nach gethaner 
Arbeit auch an seinen Körper zu deukeu und Dasjenige zu thun, was zur 
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freie Pfleger und Pflegerinnen für *• 
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von 50 Cop.). 


JJobb. nenn. Cn6., 14 «Eenpujifl 1902r. Herausgeber l)r. Rudolf Wanacli. Backdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr ^ 


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b. 

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XXVIi- JAHRGANG. ST. PETERSBDRGER Neue Folge XIX. Jahrg. 

IEDIGIIISCHI WOOlElSCIfilFT 

anter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jorjew (Dorpat). Riga. 

Dr, Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Di« fSt. Petersburger Medieiuiaclie Wochenschrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnementapreis ist in Buislani8 Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr iucl. Postxustellung; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Zniertionepreli 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25SeparatabxügeihrerOrigiualartikel xugesendt.— 
Referate werden nach dem Satxe vou 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


IC Abonnementi-Anfträge sowie alle Inserate 
bittet mau ansschliesslieh au die Buchhandlung von K. L. Bloker in 
St.Petersburg,Newsky-Prospect>114, zu richten.—Kanuioripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilungen bittet mau an 
den gesehäftsführeuden Redacteur Dr.Bndolf Wanaoh ln St.Pe¬ 
tersbarg, Petersburger Seit«, Peter-Paulhospital su richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag vou 2—3 Uhr. 


n 7 


St. Petersburg, 16. (29.) Februar 


1902 


Inhalt: Dr. L. Stembo: Ein Fall von unterer Paraplegie infolge von artbritischer Muskelatrophie, behandelt durch 
Elektricitttt, Gymnastik und hydroelektrische Bäder und endlich geheilt durch Suggestion im Wachzustände. — Referate: 
A. Jobs; Erysipelas gangränosum und Streptococcenserumtherapie. — S. Krnpski: Beitrag zur Streptococcenserumtherapie. 

— Bücheranzeigen und Besprechnngen: Verhandlungen der deutschen otologischen Gesellschaft anf der zehnten Ver¬ 
sammlung ln Breslau am 24. und 25. Mai 1901, Herauegegeben von Dr. Arthur Hartmann. — Dr. Otto Hauser: Grund¬ 
riss der Kinderheilkunde mit besonderer Berücksichtigung der Diätetik. — L. Scholz: Irrenftirsorge und Irrenhilfsvereine. 

- Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Kleinere Mittheilungen und therapeutische No¬ 
tizen. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin St» Petersburgs. — Anzeigen. 


Ein Fall von unterer Paraplegie infolge von arthri- 
tischer Muskelatrophie, behandelt durch Elektricität, 
Gymnastik und hydroelektrische Bäder und endlich 
geheilt durch Suggestion im Wachzustände. 

Von 

Dr. L. Stembo, 

Wilna. 


«Suggestibility is present in wbat we 
call the normal state, and in order to 
reveal it, we must only know to tap 
it». 

Boris Sidis: The Psycholo¬ 
gie of Suggestion, 1898, p. 16. 

Mono- und Paraplegien in Folge von arthritischer 
Amyotrophie sind bekanntlich keine Seltenheit. Wenn 
ich mir doch erlaube, den Fall mitzutbeileu, so geschieht 
es wegen einiger Sonderheiten desselben, die, wie mir 
scheint, -nicht ohne Interesse sind. 

Ende Februar 1897 wurde ich zn einem 13jährigen 
seit Uber 2 Jahren kranken Mädchen E. 0. gerufen. 
Ans der Anamnese erfuhr ich Folgendes: Ein älterer 
Bruder wie eine jüngere Schwester der Kranken sind 
vollkommen gesund. Ihre Motter ist ebenfalls vollstän¬ 
dig gesnnd, Aborte hat sie niemals gehabt. Ihr Vater 
befindet sich in der ataktischen Periode einer Tabes; 
Lues negirt er vollkommen. 

Die Kranke blieb bis zu ihrem 11. Lebensjahre voll¬ 
ständig, sogar von den gewöhnlichen Kinderkrankheiten 
verschont. 

Im Janaar 1895 erkrankte sie an einer schweren 
Angina, zn der sich nach 2 Tagen Schmerzen im linken 
Fass and in der rechten Hand gesellten. Die erkrank¬ 
ten Theile konnte sie nicht mehr bewegen. 

Mitte Februar erkrankte sie an Masern; obwohl die¬ 
selben sehr leicht verliefen, konnte die Kranke jedoch 
erst im April vom Bette aufstehen und mit fremder 
Hilfe sich fortbewegeo. Zu schreiben vermochte sie 
noch nicht. 


Mitte Mai wurden die Hände und Beine kräftiger 
die Kranke konnte Treppen auf- und absteigen, konnte 
Croquet spielen, jedoch musste sie dabei eine geringe 
Hilfe seitens Anderer haben. Den Sommer Uber bekam 
sie warme Bäder und 8 Strychniniujectionen. Im De- 
cember konnte sie sich schon selbstständig bewegen und 
vom Januar 1896 ab fühlte sich die kleine Patientin 
vollkommen gesund, so dass sie sich mit Musik und 
Wissenschaften befassen konnte. 

Gegen Mittag des 6. Februar fing die Kranke wieder 
über Schmerzen in den Beinen zu klagen an, und am 
8. Februar stieg die Temperatur bei ihr auf 38,0° C. 
Der Patientin wurde salicylsaures Natron verordnet, 
das die Kranke nicht vertragen konnte; sie bekam hef¬ 
tige Anfälle vou Athemnoth, die nach dem Anssetzen 
des Präparates schwanden. Es gesellten sieb dazu noch 
Schmerzen in der rechten Hand. 

Am 9. Februar worden mehrere Gelenke schmerzhaft 
und in der Nacht war wieder ein Anfall von Athem¬ 
noth, der l '/2 Stunden währte. Der Kranken wurde 
Jodkali und zur Linderung der Schmerzen Morphium 
subcutan verordnet. Während dieser Zeit soll die 
Kranke mehrere Stunden stöhnend ohne Bewusstsein zu¬ 
gebracht haben. Ende Mai besserte sich der Zustand 
der Kranken dermassen, dass sie nach Druskeniki zum 
Gebrauch von warmen Salzbäderu übergeführt werden 
konnte. Vor der Reise erkrankte sie an Chorea minor, 
wobei die Gelenke wieder anschwollen und schmerzhaft 
wurden. 

Professor S. S. K o rsa ko w , den die Angehörigen 
auf der Durchreise durch Moskau consultirten, hiess 
die Reise nach Druskeniki gut. Dort wurde mit Wan¬ 
nen, Massage und Elektricität behandelt, ln der That 
besserte sich der Zustand der Kranken dort sichtlich. 
Die Gelenke schwollen ab, die Schmerzen schwanden 
und die choreatischen Bewegungen wurden viel ruhiger. 
Ende August 1896 siedelte die Familie 0. nach Wilna 
über. Im October dieses Jahres erkrankte das Mädchen wie¬ 
der mit sehr heftigen Schmerzen, die in denselben Körper- 


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theilen wie früher localisirt waren. Auf eiuer Consul- 
tation von mehreren Aerzten wurde beschlossen, die 
kleine Patientin einer elektrischen Cur zu unterwerfen. 
Die Ausführung dieser Behandlung wurde Herrn Dr. 
S — ki übertragen. Er behandelte sie bis Ende Fe¬ 
bruar 1897. Ausser Elektricität wurden in dieser Zeit 
noch Jodkali und Quecksilbereinreibungen gemacht. 
Einmal hat die Kranke auch 20 Feuerpunkte mit dem 
Paquelin an der unteren. Partie des Rückens bekommen. 

Ungeachtet all dieser Massnahmen trat nach und 
nach vollkommene Lähmung mit sichtlicher Atrophie 
sämmtlicher Muskeln beider unteren Extremitäten und 
Pes equino-varus paralyticus ein. Zu dieser Zeit wur¬ 
den die Schmerzen so heftig, dass die Kranke den ganzen 
Tag laut stöhnte und jammerte. 

Als ich sie den 28. Februar 1897 zum ersten Male 
sah, war der Zustand der Kranken folgender: 

E. 0. ist für ihr Alter gross gewachsen, mit einem 
merkwürdig gut gebauten Knochensystem. Allgemeine 
Decken und Schleimhäute nicht besonders blass. Fett¬ 
polster ziemlich gut entwickelt. 

Hautsensibilität vollkommen normal. Haut- und Seh- 
»enreftexe stark herabgesetzt. Die Patellarreflexe fehlen 
ganz. Der Palmarreflex ist nicht vorhanden. 

Die Muskeln am Schultergürtel, an der linken oberen 
Extremität wie am rechten Oberarm scheinen intact zu 
sein. Die Muskeln des rechten Vorderarms, der rechten 
Hand und der beiden unteren Extremitäten sind stark 
atropbirt. Mit der rechten Hand werden noch mini¬ 
male Bewegungen ausgeführt, dagegen kann die Patien¬ 
tin die Beine gamicht bewegen. 

Säramtliche Sinne sind vollkommen in Ordnung, keine 
Angenmuskellähmung, keine Einengung des Gesichts¬ 
feldes, keiue Dyschromatopsie. 

Ausser einem leichten systolischen Blasen an der 
Herzspitze ist nichts Pathologisches an den Brustorganen 
zu constatiren. Auch die Unterleibsorgane bieten nichts 
Abnormes. Der Urin ist frei vou Eiweiss und Zucker. 
Die Knie- und Fussgelenke sind geschwollen und sehr 
schmerzhaft. 

Muskeln und Nerven auch der unteren Extremitäten 
sind auf Druck nicht empfindlich. Die mechanische Er¬ 
regbarkeit der besonders an der Streckseite beider Beine 
stark atrophischen Muskeln ist nicht erhöht. Die elek¬ 
trische Erregbarkeit der Muskeln und Nerven ist sehr 
stark herabgesetzt, aber nirgends sind Spuren von Ent- 
artungsreaction zu bemerken. (K. S. Z. wurde erst bei 

10 M. A. des constanten Stromes erhalten, und der fa- 
radische Strom reagirte erst bei einem Rollenabstande 
von 45 Mm. Die hervorgerufenen Zuckungen sind nicht 
träge und langsam, sondern blitzartig.) 

Von Seiten der Micticn und Defäcation nichts Ab¬ 
normes. 

Diese erste flüchtige Untersuchung 'zeigte mir auf 
das Deutlichste, dass es sich in diesem Falle um eine 
Lähmung beider unteren Extremitäten in Folge reflecto- 
rischer Muskelatrophie, entstanden durch Entzündung 
der Gelenke handelt; mit einem Worte, wir hatten 
einen Fall von reflectorischer arthritischer Muskelatro¬ 
phie vor uns, ein Fall, wie solche viele 'hauptsächlich 
von englischen, französischen, amerikanischen und deut¬ 
schen Autoren beschrieben werden sind. 

Ich will hier nicht auf die Literatur und die Theo¬ 
rien dieser Krankheit cingehen, da Jeder, der sich für 
diesen Gegenstand ioteressirt, sie von Prof. Albert 

11 o f f a ‘) zusammengestellt findet. 

Bei näherer Betrachtung der Kranken musste ich mir 
jedoch sagen, dass die Lähmung der Extremitäten die 

’) Sammlung klin. Vorträge, begründet von Richard von 
Volk mann. Neue Folge. Nr. 50. Zur Pathogenese der 
nrtbritischen Muskelatrophien. 


Atrophie der Muskeln übertraf. Mit anderen Worten, 
die Schwellung der Gelenke und die vorhandene Mus¬ 
kelatrophie konnteu nicht die einzige Ursache der voll¬ 
ständigen Lähmung beider Beine sein. Zu den vorhan¬ 
denen anatomischen Ursachen musste noch ein psychi¬ 
sches Plus hinzugekommen sein, das alle Bewegungen 
aufgehoben hatte. Mir kam auch der Einfluss des tau¬ 
schen Vaters auf die Psyche der Kranken in den Sinn. 

An eine psychische Beeinflussung konnte ich, so lange 
die Gelenke geschwollen und schmerzhaft, die Muskeln 
der unteren Extremitäten atrophisch waren, gamicht 
denken. 

Ich verordnete der Kranken Salol, feuchte Einwiclce- 
lungen der afficirten Gelenke und hydroelektrische Bä¬ 
der. In den Bädern wurden active und passive Bewe¬ 
gungen der afficirten Theile unternommen und so die 
Gelenke beweglicher gemacht. Zur selben Zeit wurden 
die einzelnen Muskeln mit galvano-faradischeu Strömen 
behandelt. Da eine zweimonatliche Behandlung die 
Schwellung und die Schmerzhaftigkeit der Gelenke nicht 
ganz beseitigte, schickte ich' die kleine Patientin nach 
Kemmern, wo sie unter der geschätzten Leitung von 
Herrn Collegen Rudakow warme Salzbäder genom¬ 
men hat. 

Nach ihrer Rückkehr wurde die früher einge¬ 
leitete Behandlung wieder aofgenommen. Mitte De- 
ceinbör 1897 waren sämintliche Gelenke schmerzfrei, die 
Muskeln soweit hergestellt, dass sämmtliche Bewegungen 
im Bette prompt ausgeführt werden konnten. Auch die 
oberen Extremitäten waren vollkommen functionsfähig: 
sie konnte schreiben, Klavier spielen und nähen. Aber 
stehen und sich aufrecht halten ohne fremde Hilfe 
konnte sie nicht. Nach der bei unserer Kranken ge¬ 
wesenen Lähmung blieb also eine Astasie-Abasie zurück. 

Zwei, drei Versuche sie in hypnotischen Zustand 
zu versetzen, blieben erfolglos, und darum habe ich 
meine Zuflucht zu einer Suggestion im Wachzustände 
genommen, die auch ausgezeichnet gelang. Inh sagte 
der Kranken, dass sie jetzt vollständig gesund sei und 
sehr gut im Stande sein werde zu gehen, nur soll 
sie bis übermorgen 2 Uhr warten, und im selben Augen¬ 
blicke, in dem sie meinen Wagen an ihrem Hause an- 
halten sieht, schnell, ohne sich zu besinnen, aufstehen, 
bis zum Vorzimmer gehen, wo sie an der Thür stehend, 
mich erwarten wird. 

Dies Alles wurde pünktlich und präcis ausgeführt. 

Seitdem ist sie gesund und ungeachtet der zwei, drei 
rheumatischen Attaquen, die sie überstanden hat, stell¬ 
ten sich Gehstörungen nicht wieder ein. 

Seitdem sind 4 Jahre verflossen und die Astasie-Aba¬ 
sie trat nie wieder auf. 


Referate. 

A. Joss: Erysipelas gangränosum und Streptococcen - 
serumtherapie. (Corr.-Bl. f. Schw. Aerz. 1901 Nr. 19). 

S. K r u pski: Beitrag zur Streptococcenserumtherapie. 
(Ebendaselbst 1901 Nr. 24). 

Ref. berichtete in der vorigjährigen Nr. 50 dieser Woclien- 
schr. (nach dem Corr.-Bl. f. Schw. Aerz. 1901 Nr. 8) über da» 
von Prof. Tavel und Dr. Krtitnbein dargestellte Berner 
Antistreptococcenscrnm und dessen vortreffliche Wirkung in 
13 Fällen von meist mit Erysipel einhergehenden Strepto- 
coccenmycosen. Da das Denys’sche <polyvalente» Serum 
allerdings nicht den Fehler des Marmorek’schen, aus einer 
einzigen Streptococcenart bereiteten. Serums besass. aber 
durch Thierpassage thierpathogen wurde und auch ohne prak¬ 
tische Bedeutung blieb, haben T. und K., wie I. c. angeführt-, 
ein Serum aus vielen Varietäten nur von Menschen stammen¬ 
der und auf passenden Nährböden cultivirter Streptococcen 


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bereitet, das jetzt auch von J o s s und K r u p s k i mit posi¬ 
tivem Erfolg augewandt worden ist. 

Bei J. handelte es sich um ein bösartiges Erysipel des 
Gesichtes und der Labien, brandige Zerstörung des rechten 
Auges und schnell fortschreitende mycotische Allgemeiner- 
krankung, deren günstiger Ausgang quoud vitant vom Verf. 
nur dem Antistreptococcensernm zngeschrieben wird. Krnp- 
s k i hatte es zunächst mit einer unter bedrohlichen Erschei¬ 
nungen abnorm verlanfeuden Pneumonie zu thun, die durch 
Injectior.en von «Tavel'schem» Serum so auffallend gut be- 
eiuflusst wurde, dass er nicht ansteht, dieselben in Zukunft 
bei allen, nicht nach dem Buche verlaufenden, vermnthlich 
mycotiscben Lungenentzündungen in Anwendung za bringen. 
Ferner ist er überzeugt, in einem Falle schlimmster puerpe¬ 
raler Metritis nur durch Einspritzung des Serums Genesung 
* rzielt zu haben und fordert, gleich Joss, zu weiterer Prü¬ 
fung des Mittels auf. Es wurden bei allen drei Kranken am 
1 Tage eine bis zwei Injectioneu ä 10 Ccm. gemacht und dann 
nach jq einem oder zwei Ruhetagen dieselben noch 2 oder 3 
Mal wiederholt. 

Fremnie r t. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

Verhandlungen der deutschen otologischen Gesellschaft 
auf der zehnten Versammlung in Breslau am 24. 
und 25. Mai 1901. Herausgegebeu von Dr. Ar¬ 
thur Hartmann. Mit 10 Abbildungen im Text 
und 2 Tafeln. (Jena, Verlag von Gustav Fischer. 1901). 

Die diesjährige Versammlung der deutschen otologischen 
Gesellschaft in Breslau war für die Ohrenheilkunde besonders 
förderlich gewesen und zeichnete sich durch eine lange Reihe 
hochinteressanter wissenschaftlicher Vorträge ans. Die Herren 
Jansen und Brieger haben zwei ausgezeichnete, auf 
grossen eigenen Erfahrungen beruhende, Referate über den 
gegenwärtigen Stand der Lehre von der otogenen Pyämie 
geliefert, die znr Klärung der betreffenden Frage sehr viel 
beitragen. Zahlreiche andere Vorträge, Demonstrationen und 
Krankenvorstellungen betrafen viele neuere Fragen aus dem 
Gebiete der Otologie und zum Theil auch der Rhino-Pharyn- 
gologie. Wir haben die Verhandlungen mit hohem Interesse 
gelesen and können dieselben allen Special-Collegen nur be¬ 
stens empfehlen. 

A. Sacher. 

Dr. Otto Hauser: Grundriss der Kiuderheilkunde mit 
besonderer Berücksichtigung der Diätetik. Zweite, 
gänzlich umgearbeitete Auflage. (Verlag von J. F. 
Bergmann. 1901). 

Die Paediatrie besitzt eine ganze Reihe werthvoller Lehr¬ 
bücher und jeder, der sich über irgend eine ihn inieressirende 
Erkrankungsform des Kindesalters wird genauer inforiuireii 
wollen, wird zu einem solchen greifen müssen Der vorliegende 
Grundriss, welcher in recht knapper Form eine Besprechung 
der wichtigeren Krankheiten des kindlichen Alters bringt, 
kann seinen Zweck Studirenden und den in die Praxis Ein¬ 
tretenden als Compendium zu dienen, ganz gut erfüllen. Die 
selteneren Krankheiten sind vielleicht zu kurz besprochen 
worden; dagegen hat Verf. recht grosse Sorgfalt auf die Zu¬ 
sammenstellung des Capitels über die Diätetik des Kiudes- 
alters verwandt, in welchem die Pflege des Kindes im erstell 
Lebensjahr, seine natürliche Ernährung und diejenige mit 
künstlichen Piäpaiaten eine recht, breite Besprechung erhal¬ 
ten. Hier in diesem Capitel wird nicht nur der Anfänger, 
sondern auch der in seiner Praxis stehende Arzt manchen 
guten, beherzigeuswerthen Rath schöpfen können. 

Nur damit .kann sich Ref. nicht einverstanden erklären, 
wenn es Verf. auf Seite 30 unter anderem erwähnt, dass 
Jodkali, Bromkali etc. nicht in die Milch der Mutter über¬ 
gehen. Für Jodkali ist die Ausscheidung durch die Mutter¬ 
milch schon vor 25 Jahren durch Welauder bewiesen 
worden (vgl. Schmidts Jahrb. Bl. 167. 1875) und könnte 
cs auch in Betreff des ßromkali stimmen. Deshalb müsste für 
die nächste Anflage des Grundrisses eine diesbezügliche Cor- 
rectur vom Verf. ins Auge gefasst werden. 

Bei der Besprechung des Spasmus nutans ist vom Verf. 
mit Recht als ätiologisches Moment an erster Stelle der 
Durchbruch der Zähne gestellt worden. Gerade dieser ruft 
häufig reflectorisch eine Reizuug des N. accessorius Willisii 
und die durch dieselbe bewirkten clonischen Krämpfe in den 


von ihm beherrschten Muskelgebieten hervor, ohne irgend 
welche vorhandene Symptome von Rachitis bei dem betreffenden 
Kinde, obgleich manche Autoren in jedem Falle eine Rachitis im 
Entstehen des Spasmus nutans beschuldigen möchten. 

Hecker. 

L. Scholz: Irrenfürsorge und lrreuhilfsvereine. Für 
Aerzte und Laien. (Halle, Verlag von 0. Marhold. 19Ö2. 
78 Seiten). 

Die populäre Schrift will die Ziele der lrreuhilfsvereine, 
der «Psychiatrie ausserhalb der Anstalt» darlegen. Publicum 
und Behörden sollen zu grösserem Interesse für dieses Gebiet 
der Fürsorge angeregt werden. 

Eine genaue Zahlenangabe der ausserhalb der Irrenanstal¬ 
ten lebenden Kranken scheitert an dem Mangel einer festen 
Begriffsbestimmung der Geisteskrankheit. Aus diesem Grunde 
ist die Zahl der auf dem Grenzgebiete zwischen Krankheit 
und Gesundheit stehenden Halb verrückten, der verschrobenen 
und excentrischen Köpfe, der problematischen Naturen, der 
Trinker, der seelisch defecten Epileptischen und Hysteri¬ 
schen, weit grösser, als gemeiniglicli angenommen wird, und 
Übei wiegt bei weitem die Zahl der «notorischen» nicht inter- 
nirten Geisteskranken. Nur wenige dieser nicht notorischen 
Kranken können ihren Lebensunterhalt selbstständig erwerben 
und alle bedürfen sie der Aufsicht und des Schutzes. Ihre 
Behandlung in den Anstalten, welche niemals dazu ausreicheu 
können, ist tiir sie nicht nöthig und in vielen Fällen direct 
schadenbringend. Die Aufgaben der Irrenfürsorge theilt Verf. 
iu engere und weitere. Die ersteren beziehen sich auf die 
finanzielle Unterstützung der Hiilfshediirftigen, auf den Schutz 
und die Ueberwachung der Kranken. Die weiteren Aufgaben 
scbliessen in sich alle Bestrebungen zur Hebung des gesummten 
Irrenweseus, Erweckung grösseren Interesses ira Publicum 
für die Geisteskranken und ihre Pflege, Ueberwindung der 
zahlreichen Vorurtheile durch Belehrung und Aufklärnng, 
Beseitigung beengender und schädlicher gesetzlicher uni 
administrativer Schranken, endlich die Sorge für Verhütung 
des Inewerdeus. Bei der Lösung:aller dieser Aufgaben haben 
öffentliche und private Fürsorge Hand in Hand zu gehen. In 
welcher Weise Staat, Gemeinde und private Liebesthätigkeit 
in richtiger Organisation, deren oberste Leitung naturgemäss 
dein Psychiater übertragen wird, heranzuziehen sind, legt 
Verf. ausführlich dar. Anhangsweise ist als Probe für die 
Organisation eines Irrenhilfsvereins das Statut des Hilfsyer- 
eins für Geisteskranke in der Rheinpi ovinz beigefügt. * 

Dem ungemein anregend geschriebenen Büchlein ist die 
weiteste Verbreitung besonders im Laienpublicum zu wün¬ 
schen. 

M i c h e 1 s o n. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 


696. Sitzung deu 16. Oct ober 1901. 

Vorsitzender: T i 1 i n g. Secret&r: Albauus. 

1. Petersen demonstrirt: 1) eine 50jährige Frau, die auf 
dem Gesicht und auf den Armen einzelne grössere rotbe 
Flecken anfznweisen hat. Auf dem linken Bein findet sieb 
ebenfalls ein grosser Flecken. Dieselben sind nacli einem 
schweren Gelenkrheumatismus im April d. J. aufgetreten, und 
es handelt sich im vorliegenden Fall um Lupus erythemato¬ 
des. Die Flecken sind von einer atrophische^ Störung der 
Haut begleitet; die Sensibilität der Haut ist an den afficirten 
Stellen herabgesetzt, wie es der Atrophie entspricht. Eine 
so deutliche Anästhesie wie bei Lepra maculosa ist uicbt vor¬ 
handen. Obgleich die gewöhnliche Form der Ausbreitung 
des Lupus erythematodes die Schmetterlingsform ist, so ist 
sein Vorkommen auf den Extremitäten nteilt so selten, wie 
häufig angenommen wird. Hier sind das Gesicht, die be¬ 
haarte Kopfhaut und die Extremitäten ergriffen. Die Patien¬ 
tin ist mir vom Lande als lepraverdäohtig znr Diagnose zu¬ 
geschickt worden und reist in diesen Tagen wieder zurück. 
Der Fall ist praktisch wichtig, da von der Diagnose das fer¬ 
nere Schicksal der Patientin abhing. 

2) Einen Fall von Psoriasis, wo auch auf dem Gesicht ein¬ 
zelne Fleckeu zu sehen sind. Differentialdiagnostisch ist ger 
genüber der syphilitischen Papel hervorzuheben, dass letztere 
immer aus einer Roseoie heranwächst, entsprechend dem hy- 
perämischen Fleck. Die Psoriasis wächst aus eiuem kleinen 
punetförmigen Anfang heraus; solcher Puncte sind mehrere 
auf der Brust der Patientin zu sehen. 


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Hel lat bestätigt, dass Im ersten Fall nicht Lepra vor¬ 
liegt- Bei der Lepra ist der Gesichtsausdrnck der Kranken 
ein anderer als in diesem Fall. Die Muskulatur des Gesichts 
ist bei den Leprösen schlaft’. 

2. 'Westphalen: «Einiges über die Unter¬ 
suchung der Faeces zu diagnostischen 
Zwec ken». 

Kleine, harte, kugelige Faeces und grössere Stücke, 
die sich aus solchen zusammensetzen und meist mit einem 
schleierartigen Schleimüberzuge versehen sind, kommen bei 
der atonischen Obstipation vor. Handelt es sich um Faeca- 
lien von normaler aber auffallend zäher Consistenz, welche 
länglich und sehr schmal, oft bandförmig und abgeplattet 
aassehen und zuweilen eine Rinne als Ausdruck der Im¬ 
pression der Taenie des Colons zeigen, so ist auf das Be¬ 
stehen einer spastischen Obstipation zu schliessen. Gewisse 
weiche, meist breiige Excremente, die von Gasblasen durch¬ 
setzt sind und dadurch porös aussehen, zeigen meist saure 
Reaction und kennzeichnen sich durch einen eigenthümlichen 
sauren Geruch. Sie finden sich bei der von Schmidt be¬ 
schriebenen intestinalen Dyspepsie mit Insufficienz der 
Stärkeverdauung im Darme. Ref. kann es bestätigen, dass 
solche Zustande eigentümlicherweise häutig bei Neurasthe¬ 
nikern Vorkommen — weswegen, dürfte zur Zeit noch nicht 
zu entscheiden sein. Unter den reiu diarrboischen Faeces 
muss besonders anf eine Art Stublentleerungen hingewiesen 
werden. Diese werden sehr dunkel entleert und zeichnen 
sich durch einen charakteristischen aashaften Verwesungsge¬ 
ruch aus. Im Harne der von dieser Art acuter Enteritis 
befallenen Patienten findet sich stets Albumin und ein enorm 
gesteigerter Indicangcbalt, stets auch R o s e n b a c li’sche 
Reaction. Augenscheinlich handelt es sich hierbei noch um 
eine wenig bekannte Form einer acuten Enteritis mit hoch¬ 
gradiger Eiweissfäulniss im Darm. Die Krankheit verläuft 
unter dem Bilde einer schweren Intoxication. Von den 4 Fäl¬ 
len des Referenten ist noch keiner genesen; gewöhnlich er¬ 
folgt der Exitus unter schweren cerebralen Symptomen vor 
Ablauf einer Woche. Unter den pathologischen Beimengun¬ 
gen zu den Fäces ist zu achten: auf Eiter— bei ulcera- 
tiven Vorgängen im Darm; auf Blut — aus welchem Ab¬ 
schnitte des Digestionstractus dasselbe stammt; auf 
Schleim: In grösseren Mengen kommt dieser vor bei Neu¬ 
rosen, bei der sog. Colica mucosa und der Enteritis rnembra- 
nacea. Ein principieller Unterschied zwischen beiden besteht 
nicht. In allen solchen Fällen handelt es sich nm eine Se- 
cretionsneurose. Besteht diese für sich allein, so finden sich 
in den Stühlen grosse Mengen amorphen Schleimes: bandelt 
es sich gleichzeitig um eine Motilitätsstörung des 
Darmes, um eiue spastische Obstipation, so nimmt der Schleim 
die Gestalt von Membranen und Strängen an. Findet die 
Entleerung der Massen unter heftigen Schmerzen statt, so 
ist an das Hinzutreten einer Sensibilitätsneurose zu denken. 
Weiter ist darauf zu prüfen, ob der Schleim äusserlich den 
Fäces anliegt, oder innerhalb derselben entstanden ist, was 
am besten durch Zerdrücken der Fäces zwischen 2 Glasplat¬ 
ten zu erkennen ist. Schleim i n den Fäces spricht für die 
Provenienz aus höheren Abschnitten des Darmes, meist aus 
dem Colon ascendens, namentlich wenn derselbe gallig ge¬ 
färbt ist; im gleichen Sinne ist auch die Anwesenheit von 
nicht mehr zu Urobilin reducirter Galle (Snblimatprobe) im 
Darminhalt für eine vermehrte Peristaltik höherer Darmab¬ 
schnitte zu verwerthen. Sogenannte hyaline gelbe Körner 
sollen nach Nothnagel aus Schleim bestehen und ihr 
Nachweis in den Fäces auf eine Affection des Dünndarms 
hinweisen. Jedoch hat Schmidt nachgewiesen, dass die¬ 
selben aus einer chemischen Verbindung des Schleimes mit 
Fett bestehen. Sogenannter Froschlaich, helle glasige 
Klümpchen sind gequollene Araylumkörner und haben nichts, 
wie man ursprünglich glaubte, mit einem follikulären Catarrh 
des Darmes zu tbun. Makroskopisch erkennbare Fleischtheile 
(mikroskopisch finden sich Muskelfasern stets in den Fäces) 
weisen nach Schmidt darauf hin. dass das Fleisch im Ma¬ 
gen ungenügend verarbeitet ist und lassen an eine Diges¬ 
tionsstörung im Magen denken. Reichlichere Fottmengen 
in den Fäces kotnmen namentlich vor bei Abwesenheit von 
Galle im Darm, besonders aber beim Abschlüsse der Pancreas- 
secretion. In letzterem Falle zeigt übrigens auch die quan¬ 
titative Bestimmung des Fettes in den Fäces ein Ueberwie- 
gen des Neutralfettes in denselben gegeuüber den gespaltenen 
Fetten, den Fettsäuren und Seifen, ln den letzten Jahren 
ist mehrfach auf das Vorkommen von Darmgries in den Fä¬ 
ces hin gewiesen worden. Diesen Darmsand bilden gröbere 
Körner, die regelmässig aus phosphorsaurem und kohlen¬ 
saurem Kalk und Ammoniak-Magnesia bestehen. Referent 
hat bisher das Vorkommen von Darmgries nur in einigen 
wenigen Fällen beobachtet, welche nervöse Individuen betra¬ 
fen. Von französischer Seite wird auf die Beziehungen der 
Lithiasis intestinalis zur Gicht hingewiesen. 

(Autoreferat). 


D i s c u s s i on. 

E. Moritz: Dazwischen finden sich auch Pflanzenfasern 
in solcher Menge, dass Haufen, die wie Heede aussehen, sich 
bilden. Es entstehen Klumpen von Hühnereigrösse, die ein 
Hinderniss bei der Defäcation abgeben. 

Uc ke : ln einem Falle, wo ich Sand in den Fäces fand, 
bestand derselbe aus pbosphorsaurer Ammoniak-Magnesia- 
Schleim sieht man in der That am besten zwischen 2 Object¬ 
trägern gegen eine dunkle Platte; doch ist manchmal das- 
was als Schleim imponirt, Ueberbleibsel von Kartoffeln und 
dergl. And. 

v H e u k i n g : Sind in den perniciösen Formen von Darrn- 
catarrh mikroskopische oder bacteriologische Untersuchungen 
gemacht worden r In der Kinderpraxis wird eine schwere 
Form der Enteritis als Streptococcenenteritis aufgefasst nach 
E s c h e r i c h. 

Westphalen: Eingehende Untersuchungen sind nicht 
gemacht worden, die Krankheit ist noch wenig bekannt and 
jedenfalls sehr selten. — Pflanzenfasern finden sich ijn Stnhl 
in grösserer Menge besonders nach Genuss von Spargeln. 

697. Sitzung den 30. Oktober 1901. 

Vorsitzender: T i 1 i n g: Seeretär: Albanns. 

1, Weber: Ueber acute Osteomyelitis der Wirbelsäule. 

Discussion: 

H e y k i n g: Vor einigen Jahren hatte ich Gelegenheit ei¬ 
nen Fall zu sehen, der als acute Osteomyelitis des Kreuz¬ 
beins gedeutet werden muss. Es handelte sich am einen 14 
jähr. Knaben, der nach einem Sturz starke Schmerzen in der 
Kreuzgegend bekam. Nach 4 oder 5 Tagen wurden die Schmer 
zen sehr heftig, es stellte sich hohes Fieber ein. Der Pat. 
war zuerst anf Typhus behandelt worden, dann wurde ich consul- 
tirt. Ich fand einen septisch aussehenden Kranken, mit 
hohem Fieber, Stnhlverhaltung, Urinverhaltung, Tenesmen. 
Starke Schmerzhaftigkeit bei Berührung unten am Rücken. 
Per rectnm fühlte ich eine Geschwulst auf dem Kreuzbein, 
etwas nach rechts von der Mittellinie. Die Geschwulst witrde 
für einen Abscess gehalten. Pat. ins Hospital gebracht und 
durch das Foramen ischiadicum majns anf den Abscess einge¬ 
gangen. Es entleerte sich auch in der Tbat viel Eiter und 
am Kreuz konnte deutlich eine Rauhigkeit gefühlt werden. 
Pat. genas. Nach Ablauf von 2 Monaten traten heftige 
Schmerzen im Arm mit hohem Fieber auf. Es handelte sich 
um eine Osteomyelitis des Humerus, Pat. wurde wieder ope- 
rirt. Jetzt ist der Knabe erwachsen, ist gesund, hat keine 
Tuberculose. Dieser Fall könnte also der Casuistik der Osteo¬ 
myelitis der Wirbelsäule zngezählt werden. 

T i 1 i n g schliesst sich letzterem an und betont die schlechte 
Prognose der Osteomyelitis des Kreuzbeins. 

Schmitz hat über einen Fall von typhöser Osteomyelitis 
der Lendenwirbelsäule referirt, bei dem sich nachträglich eine 
Kyphose entwickelt hat. 

Weber bestätigt die schlechte Prognose bei Osteomyelitis 
des Kreuzbeins. 5 in der Literatur bekannte Fälle endeten 
sämmtlich letal. 

698. Sitzung den 13. November 1901. 

Vorsitzender: T i 1 in g: Seeretär: A 1 b a n u 8: 

1. Westphalen: Ueber Ulcus ventriculi. 

Discussion: 

Fick: Bedingt das Ulcus eine erhöhte Reizbarkeit der 
Magenschleimhaut, und bewirkt es auf diese Weise das beim 
Ulcus so gewöhnliche Erbrechen oder kommt letzteres infolge 
einer Stagnation zu stände, die ja auch ohne Stenose des 
Pylorus bestehen kann? 

Westphalen: Das Erbrechen beim Ulcus ist reflekto¬ 
risch, möglicherweise spielt Spasmus hierbei eine Rolle, ira 
Sinne einer passagereu Motilitätsstörung des Magens, die eine 
vorübergebende Stagnation bervorruft. 

Fick: Wenn bei einer Operation wegen Ulcus nur die 
Stagnation beseitigt wird, das Ulcus selbst aber bleibt, so 
wird letzteres symptomlos. Es sind also nur die Complicationen 
des Ulcus, die Symptome machen, wenn dasselbe tiefere 
Schichten ergreift oder auf andere Organe übergeht. 

Wan ach: Man kann es nicht als allgemeinen Satz hin¬ 
stellen, dass das Verschwinden eines fühlbar gewesenen 
Tumors für Pylorospasmus spricht. Es kaun ein wirklicher 
Tumor der Palpation unzugänglich werden, eine entzündliche 
Perigastritis kann einen Tumor geben, der wieder verschwin¬ 
det, die Gallenblase und Kothstücke bei Coprostose können 
einen Tumor vortänschen. 

Zweitens wollte ich fragen, wie stark die Secretion des 
Magens bei Ernährung vom Rectum ans ist. ganz aufhöreu 
wird sie wohl nicht, da die Secretion-ja nicht nur durch 
directeu Reiz vom Magen aus ausgelöst wird. 


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61 


Westphalen: Was ersteres anbetriffr, 60 habe ich das 
nicht als einen so allgemeinen Satz hinstellen wollen. Was 
den zweiten Pankt anbetrifft, so müssen wir nach Pawloff 
zwischen einer psychischen und einer reflektorischen Secretion 
des Magens unterscheiden. A priori ist anzunehmen, dass beide 
bei ausschliesslicher Rectalernäbrung Wegfällen. Dafür spricht 
auch der ümBtaud dasBbei einer Hyperchlorhydrie alle Symp¬ 
tome schwinden, falls keine Nahrung in den Magen ge¬ 
bracht wird. 

Heuking: Treten die Schmerzen V* —5 Stunden nach 
dem Essen auf, oder dauern sie so lauge? Wie verhält es 
sich mit den nächtlichen Schmerzen? 

Westphalen: Letztere finden sich bei Hyperchlor- 
bydrie. Gemeint ist das Auftreten der Schmerzen '/«—5 
Stunden nach dem Essen beim Ulcus ventriculi. 

Nissen: Dringen sehr heisse Kataplasmen bei Ulcus 
nicht Gefahr? Und weswegen wendet man sie an, wegen der 
Schmerzen? 

Westphalen: Wenn Neigung zu Mutung besteht, so 
wartet mau ab, 14 Tage nach starker. Blutung angewandt, 
haben die Kataplasmen jedenfalls nie solche hervorgerufen. 
Feuchte Wärme soll die Haut durchdringen, und die Heilung 
begünstigen. Theoretisch lässt sich das nicht beweisen, je¬ 
doch wirken Thermophore weniger gut als Kataplasmen. 


Kleinere Mittheilungen und therapeutische Notizen. 

Ueber den Werth zweier Pyrogallolderivate, Lenigallol und 
Eugallol, berichtet Dr. Franz von P o o r-Budapest, 

Verfasser hat am dermatologischen Institut der kgl. Uni¬ 
versität 25 Fälle von Ekzemen und 14 Fälle von artificiellen 
Dermatitiden mit Lenigallol behandelt. Bei nässendem, 
acutem Ekzem erwies sich die 5—15 pCt. Lenigallolzinkpaste 
(nach Kromayer'8 Vorschrift) infolge ihrer grossen aus¬ 
trocknenden Fähigkeit als ein vorzügliches Mittel; bei einem 
schweren Fall von stark juckeuden Eczema vesico-pustulorum 
wurde mit einer 15 pCt. Lenigalllolzinkpaste in 15 Tagen 
vollkommen Heilung erzielt. Nicht ganz so gut waren die 
Besultate bei «Eczema en plaquards* und trockenen, stark 
desquamirenden Eczemen; doch wirkt auch hier das Leni- 
allol insofern vorzüglich, als es die Wirkung des Theers und 
er Kalilauge unterstützt. Ganz hervorragend waren die Er¬ 
folge bei Eczema keratodes manunm; bei dieser Läsion konnte 
von P o o r eine von andern Beobachtern nicht erwähnte 
keratolytische Eigenschaft das Lenigallols feststellen. Bei 
Pityriasis rosea (20—30 pCt. Lenigallolsalbe) trat in 10 Ta¬ 
gen Heilung ein. Verfasser resumirt: Lenigallol vermindert 
bei acutem Ekzem die Hyperaemie, die Exsudation und den 
Juckreiz. Bei nässenden Ekzemen wirkt die Lenigallolzink¬ 
paste eminent austrocknend. In starker Concentration, 30— 
oO pCt., ist Lenigallol kräftig keratolytisch. Lenigallol wirkt 
nur auf die erkrankten Hautpartieen und bewirkt nie¬ 
mals Albuminurie oder sonstige Vergiftungserscheinungen. 

Das Eugallol hat v. P o o r in 23 Fällen von Psoriasis 
in der Klinik erprobt. Bei der atypischen Psoriasis haben in 
5 Fällen Eugallol-Einpinselungen in 2 Wochen zu vollkom¬ 
mener Heilung geführt. Auch in 6 Fällen von Psoriasis num¬ 
mularis, 6 Fällen von Psoriasis punctata, sowie 7 Fällen von 
inveterirter Psoriasis hatten Eugallol-Einpinselungen vor¬ 
züglichen Erfolg. Verfasser macht darauf aufmerksam, dass 
das Eugallol viel weniger reizt als eine 10 pCt. Pyrogallol- 
salbe. 2 Fälle von Lupus erythematosus discoides heilten in 
24 bezw. 31 Tagen, v. Poor hält das Eugallol für «ein sehr 
utes, hervorragendes und vielverheissendes Antipsoriaticum 
er Zukunft Vovtheil vor Chrysarobin: dass es weniger irri- 
tirt; vor dem Pyrogallol: dass es keine Intoxication verur¬ 
sacht». (Orvosi Hetilap 1901, S. 43). 


Veunischtes. 


— Der Medicinalinspector für die Institutionen der Kaiserin 
Maria, dem Kaiserlichen Hauptquartier attachirte Leib¬ 
chirurg (Geheimrath Dr. Pawlow ist zum Präsiden¬ 
ten des Fürsorge-Comitös des Klinischen 
Elisabeth - Kinderbospitals ernannt worden, unter 
Belassung in seinen bisherigen Stellungen und Würden. 

—Zum Oberarzt aes Krankenhauses des 
Collegiums der allgemeinen Fürsorge in Mi¬ 
ta u ist an Stelle des vor Kurzem verstorbenen Dr. Th. 
Böttcher der bisherige Landarzt in Alt-Auz (Kurland) 
Dr. W. Stein f e 1 s ernannt worden. Dr. S t., ein ehema¬ 
liger Schüler der Dorpater Universität, ist seit 1884 als Arzt 
Ihätig. 


— In dem bekannten Badeorte Hapsal (Estland) sind in 
der letzten Stadtverordneten-Versammlnng drei dortige 
Aerztezu den wichtigsten Communalämtern 
gewählt worden: Dr. G. v. Krusenstern — zum 
Stad thaupt, Dr. M. v, Hoerschelmann — zum 
Stellv. S t a d t h a n p t und Dr. (1. Hoffmann - zum 
Präsidirenden in deu im § 120 der Städteordnung vor¬ 
gesehenen Fällen. 

— Der Corpsarzt des ersten sibirischen Ar¬ 
meecorps, wirkl. Staatsrath Dr. Jewdokiraow ist 
mit Uniform verabschiedet worden. Zu seinem Nach¬ 
folger iBt der Divisionsarzt der 34. Infanterie-Division 
Staatsrath Dr. Nikolski ernannt worden. 

— Der Militärarzt Dr. S. P. Werekundow hat sich 
mit Genehmigung der Conferenz der Militär-Medicinischen 
Akademie als Privatdocent für Encyclopädie 
und Geschichte der Med icin an der Akademie 
h a b i 1 i t i r t. Zu seiner zweiten Probelection behufs Er¬ 
langung der Docentenwürde wurde ihm von der Conferenz 
der Akademie das Thema «Ueber das ärztliche Berufsgeheim- 
niss» gegeben. 

— In Coffeyville (im Staate Kansas) beging am 4. Januar 
Dr. John P. Wood seinen 100. Geburtstag. Er ist 
schon seit 78 Jahren und noch bis heute als praktischer 
Arzt thätlg. (Jonrn. of the Amer. Med. Ass. — R. Wr.) 

— Der im vorigen Semester aus Moskau nach Jnrjew (Dor¬ 
pat) als Director der gynäkologischen Klinik versetzte Pro¬ 
fessor der Geburtshilfe und Gynäkologie Dr. Alexander 
S s o 1 o w j e w ist in der vorigen Woche vom Friedensrichter 
des 1. Jurjewschfn Districts für Verleumdung der au der 
Klinik als Hebamme angesteliten Frau Ssawjalow zu 
15 Tagen Arrest, ohne Ersatz durch Geld¬ 
strafe, verurtheilt worden. Wie die «Pet. Wed.» über die 
betreff. Gerichtsverhandlung berichten, bat Prof. S solo w- 
jew gleich nach der Uebernahme der Direction begonnen in 
der ihm unterstellten Klinik die früheren Angestellten durch 
andere, die er aus Moskau heranzog, zu ersetzen und aus 
diesem Grunde auch Frau Ssawjalow plötzlich entlassen. 
Zugleich hatte er persönlich bei der Polizei die Verhaftung 
der Frau S. verlangt, da er Verdacht habe, dass sie Wäsche 
der Klinik im Werthe von 6 -700 Rbl. veruntreut hätte und 
daher aus Jurjew sich flüchten könnte. Bei einer uochmali- 

8 en Revision der Wäsche jedoch erwies sich dieselbe in voller 
rdnunp;. Auf Grund dieses Thatbestandes hatte Frau 
Ssawjalow die Klage auf Verleumdung gegen den Pro¬ 
fessor Ssolowjew erhoben. 

— Der Prosectorgehilfe am pathologischen Institut der 
Universität Jurjew, Dr. Nikolai Panow, ist zum Pro- 
«ector am J a r o s 1 a w’s c b e n Gouvernements- 
Landschafts-Hospital ernannt -worden. 

— Die Einwohner der Stadt Glasow (Gouv. Wjatka) haben 
dem dortigen Stadt- und Landschaftsarzte 
P. M. Tic ho w, welcher während seinör 18jährigen Praxis 
die allgemeine Liebe der Gesellschaft durch sein humanes 
und herzliches Verhalten zu den Kranken und oft unentgelt¬ 
liche Behandlung erworben hat, eine Dan kadresse über¬ 
reicht und ihm zugleich eine in der Gesellschaft durch Sub¬ 
scription gesammelte Summe im Betrage von 850 Rbl 
in Obligationen der 4proc. Staatsrente dargebracht. 

(Uralskaja Shisn. — R. Wr ) 

— Zum ärztlichen Director des Inselbades 
bei Paderborn, Sanatorium für Asthma und verwandte Lei¬ 
den, ist Dr. Max Heim aus Bonn ernannt worden. 

— Prof. Dr. Max Grube (Wien) hat auf Einladung des 
Royal Institute of Public Health in London am 13., 14. und 
15. Januar die Harben-Vorträge über das Thema 
«Bacteriolyse und Hämolyse» gehalten. 

— Die reclamehafte Art des Dr. Doyen bei der 
Operation des zusammengewachsenen indischen Zwillings¬ 
paares Dudica und Ra di ca hat in Frankreich in weiten 
Kreisen peinliches Aufsehen gemacht. Es wurde eifrig die 
Frage erörtert, ob ein Chirurg das Recht h$t, die Einzelhei¬ 
ten einer von ihm vorgenommenen Operation zu veröffent¬ 
lichen und dabei ein unheilbares Gebrechen des Operirten an¬ 
zuzeigen. Nach einer principiellen Entscheidung des obersten 
Gerichtshofes vom 18. December 1895 sei das durchaus un¬ 
statthaft. Es wird auch eiu Urtheil des Zuchtpolizeigerichts 
angeführt, durch welches ein Arzt, der in einer der Gerichts¬ 
behörde unterbreiteten Honorarforderung Einzelheiten über 
die Krankheit seiner Patientin veröffentlichte, wegen Verlet¬ 
zung des Berufsgeheimnisses bestraft wurde. 

— Verstorben: 1) Am 30. Januar zu Wenden der 
dortige freiprakticirende Arzt Carl Meyer im 73. Lebens¬ 
jahre. Der Hingeschiedene war in Fellin geboren und hatte 
seine medicinische Ausbildung in Dorpat erhalten, wo er von 
1852— 57 studirte. Nach ErlauguDg des Arztgrades im Jahre ' 
1859 war M. successive praktischer Arzt in Solzy, 1863—73 
Stadtarzt in Cliolm (Gouv. Pleskau), 1873—83 Landarzt in 
Hallist (Livland) nnd 1883—85 in Kurland, um sich dann 1885 


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62 


als praktischer Arzt in Wenden dauernd niederzulassen. — 
2) Am 8. Februar in Riga der dortige Aagenarzt Dr. Engen 
H e y m a n n im 37. Lebensjahre an einem Heiztibel. Aus 
Kurland gebürtig, erhielt er seine Schulbildung in Riga und 
bezog dann 1885 die Derpater Universität, an welcher er bis 
1890 Medicin studirte und 1892 zum Dr. medicinae promuvirt 
wurde. Nachdem er sich auf dein Gebiet der Augenheilkunde 
in Berlin vervollkommnet hatte, kehrte er nach Riga zurück, 
wo er bald eine ausgebreitete Praxis in seinem Specialgebiete 
sich erwarb. Im vorigen Jahre erschien von ihm eine «Oph- 
tbalmologische Operationslehre», speciell für praktische Aerzte 
und Landärzte berechnet. Auch auf dem Gebiet der Bülmen- 
literatnr ist er thätig gewesen; sein Lustspiel «Moderner 
Tric» ist an mehreren Bühnen des Auslandes mit Erfolg über 
die Bretter gegangen. — 3) In Mentone am 27. Januar der 
frühere Ordinator an der psychiatrischen Abtheiluug des 
Odessaer Stadthospitals Dr. Michail Ssakowitschim 
Alter von 36 Jahren an Lungentuberkulose. Der Verstor¬ 
bene hatte 1893 den Arztgrad in Kiew und 1895 die Doctor- 
würde an der Militär-Medicinischen Akademie erlangt, worauf 
er mehrere Jahre als Arzt in Odessa wirkte, bis das zunehmende 
Lungenleideu ihn im vorigen Frühjahr zwang Heilung im Aus¬ 
lande zu suchen, wo er dieser Krankheit jetzt erlegen ist. — 
4) ln Plotzk am 1. Februar der dortige Stadtarzt Dr. S. 
Perkal im Alter von 55 Jahren an einem Herzleiden. Der 
Hingeschiedene, welcher neben dem Stadtarztposten auch 
viele Jahre Ordinator am örtlichen jüdischen Krankenhanse 
und als Arzt am männlichen und weiblichen Gymnasium fun- 
girte, erfreute sich allgemeiner Liebe und Achtung bei seinen 
Patienten und den Collegen. — 5) In Moskau am 31. Ja¬ 
nuar der Ordinator am dortigen Olga-Rinderhospital Georg 
Gorjatschkin. 

— Die medicinische Facultät der Moskauer Universität hat 
die auf den Namen I. I. Skwprzow's gestifteten drei 
Stipendien für das Jahr 1902 im Betrage von 
604 Rbl. zaerkanut: dem ausseretatsmässigen Ordinator 
der therapeutischen Hospitalklinik Arzt A. Nikolski, so¬ 
wie dem ausseretatsmässigen Assistenten der psychiatrischen 
Klinik Dr. F. By bakow und des klinischen Alexejew’schen 
Ambulatoriums Arzt Demetrius Pletnew. 

— Der Arzt der Eparcbialschule in Nishni-Nowgorod Dr. 
Janischewski, welcher angeklagt war, von einer Schar¬ 
lach-Epidemie nicht rechtzeitig Anzeige gemacht zu haben, 
ist von dem Moskauer Gerichtshof (als Appellationsinstanz) 
zur Streichung von 6 Monaten seiner Dienst¬ 
zeit verurtheilt worden. Das Bezirksgericht in Nishni- 
Nowgorod (als erste Instanz) hatte ihu freigesprochen. 

-- Der verstorbene Moskauer Frauenarzt Dr. Theodor 
Ger old st ein hat der Gesellschaft zur Unter¬ 
stützung unbemittelter Studenten der Mos¬ 
kauer Universität ein Capital von 5000 Rbl. 
testamentarisch vermacht. 

— Mit Allerhöchster Genehmigung ist der Militärarzt 
B r o n i s 1 a w Woitkewicz als etatmässiger Ordi¬ 
nator an der therapeutischen Hospitalklinik 
der Warschauer Universität auf 3 Jahre an¬ 
gestellt worden. 

— InSslawjanosserbsk (Gonv. Jekaterfhbnrg) ist 
eine Gesellschaft der Aerzte des Sslawjanos* 
serbskischen Bergwerkbezirks in’s Leben ge¬ 
treten. 

— Der 31. Congress der deutschen Gesell¬ 
schaft für Chirurgie wird vom 2.-5. April n. St- in 
diesem Jahre in Berlin im Langenbeckhause stattfinden. An¬ 
kündigungen von Vorträgen und Demonstrationen sind zeitig 
an Prof. Dr. Kocher in Bern zu senden, da nach dem 10. 
März n. St. einlaufende Anmeldungen nicht mit Sicherheit 
auf Berücksichtigung rechnen können. Anmeldungen neuer 
Mitglieder sind mit der persönlichen Unterschrift dreier Mit¬ 
glieder der Gesellschaft an den ersten Schriftführer Prof. Dr. 
K ö,r t e (Berlin W., Potsdammerstrasse 39) zu richten. Es 
sind bereits zahlreiche Vorträge zur Wundbehandlung, zur 
Krebsfrage, zur Behandlung der Perityphlitis und Peritonitis, 
zur Unterleibschirurgie etc. angemeldet. Ausserdem ist eine 
Ausstellung von Röntgen-Photographien, chirurgischen In¬ 
strumenten und Apparaten in Aussicht genommen. 

— Vom 15—18. April wird zu Wiesbaden unter dem 
Vorsitze des Herrn Geh. Mel. Rath Prof. Dr. Naunyn- 
Strassburg der 20. Congress für innere Medicin 
tagen. Die Sitzungen finden im weissen Saale des Cur- 
liauses statt. Das Bureau befindet sich neben dem Eingänge 
des Curhauses. Als schon länger vorbereitete Verhandlungs¬ 
gegenstände, für welche Autoritäten ersten Ran¬ 
ges die Referate übernommen haben und wel¬ 
che bedeutendes actueiles Interesse haben, 
stellen auf dem Programme: Diagnose und Therapie 
des Magengeschwüres (Referenten die Herren Ewald 
(Beilfcn) nnd F1 e i n e r (Heidelberg und: Die Lichtthe- 
rapie (Referent Herr Bie (Kopenhagen) 


Ausserdem haben folgende Herren Einzelvorträge aage¬ 
meldet: Herr Kamin er (Berlin): Ueber die Beziehungen 
zwischen Iofection und der Jodreaclion in den Leucocyten; 
Herr Ziemnen (Wiesbaden): Zwei Aortenaneurysmen; Herr 
Rumpf (Bonn): Zur Entstehung des Coma diabeticum; Herr 
Pani Lazarus (Berlin;: Die Bahnuogstherapie der Hemi¬ 
plegie: Herr M a n n s s e (Karlsruhe): Ferratose nnd Jodferra- 
tose; Herr K Ö p p e n (Norden): Die tuberkulöse Peritonitis 
und der operative Eingriff; Herr Poe hl (Petersburg): 
Der Ersatz aer intravenösen Kochsalzinfnsionen durch Klys¬ 
men aus künstlicher physiologischer Salzlösung; Herr A d. 
Schmidt (Bonn): Zur Pathologie des Magengeschwüres; 
Herr Friedei Pick (Prag): Ueber den fiinflass mechani¬ 
scher und thermischer Einwirkungen auf Blutstrom und 
Gefässtonus. 

— Den Eisenbahnärzten soll, wie die Nowosti er¬ 
fahren, alle Prärogative des Staatsdienstes ver¬ 
liehen werden. 

— Seitens der Hauptverwaltung der Gesellschaft des ross 
Rothen Kreuzes ist neuerdings in das von Misswachs heiui- 
gesuchte Orenburgsche Gouvernement eine Sanitätsab¬ 
theilung, bestehend aus einem Arzt, 3 barmherzigen 
Schwestern nod einem Sanitär, gesandt worden. 

— Das Royal College of Physicians in Londo n 
hat gemeinsam mit dem Royal College of Sargeons 
den Plan eines Feldzuges gegen die Krebskrank¬ 
heit aasgearbeitet, zu dessen Ausführung nach unserem 
Gelde gegen eine Million Rubel nöthig sein werden. Diese 
hohen Kosten hofft man durch Unterstützung seitens des 
Königs nnd des Prinzen von Waleb bestreiten zu könneu. 

Bf. 

— Die Gesamraizahl der Kranken in denCivil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 2. Feb. 
d. J. 8775 (182 wen. als io d. Vorw.). darunter 505 Typhus — 
(14 wen.),801 Syphilis — (15 wen.), 290 Scharlach — (2 wen.). 
126 Diphtherie — (14 wen ), 54 Masern — (1 mehr) nnd 30 
Pockenkranke — (6 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 27. Januar zum 2. Febrnar 1902. 
Zahl tar Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht and Alter: 


im Ganzen: 

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703 

161 51 

100 16 

8 

25 

64 

63 

51 

66 

52 

40 

11 

0 


2) nach den Todesursachen: 

Tyuh. exanth. 2, Typh. abd. 12, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 2, Masern 13, Scharlach 14 r 
Diphtherie 25, Cronp 5, Keuchhusten 0. Croupöie Lungen¬ 
entzündung 37. Erysipelas 9, Grippe 10, Cholera asiat-ica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkr&nkheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pyftmie nnd Septicaemie H- 
Tnberculose der Lungen 105, Tnbercnlose anderer Organe 17, 
Alkoholismns nnd Delirium tremens 2. Lebensschwäche nnd 
Atrophia infantnm 59, Marasmus senilis 27, Krankheiten d-r 
Verdauungsorgane 66, Todtgeborene 32. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 19. Februar 1902. 

Tagesordnung: 1) E. Koch: Das Verhalten des Ma¬ 
gensaftes bei chronischer Obstipation 
2) Fel dt: Zur histologischen Diagnose 
maligner Brusthöhlengeschwülste in- 
tra vitam. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen. 
Vereins: Montag den 11. März 1902. 



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63 


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de TAcodnnie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 189!*). .Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. La front, Bulletin de l'Acadnnie de Mi- 
decine, 14. Juni 1892) nnd klinisch er¬ 
probt (Societe de Therapentique: Constan¬ 
tia Paul; Bujardin-Beauiiiet/., Mddieation* 
nouvelles, 2. serie; Bibliotheqne Cliarcot- 
Debove, Purgalifs, p. 104; Prof. Lemoiue, 
Lille, Therapentique clinique, p. 305; Tison, 
höpital 8t. Joseph et Congres pour l’avan- 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil I p. 903; Prof. Charles, de Liege, 
Conrs daccouchemevts etc., etc ) 


Seine Wirkung ist constaiu. leicht zu regnliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist Gewöhnung an 
das Mittel zu vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stuhl Verstopfung. Leberleiden, Gallensteinen eie-, 
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wnchernng bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist. 

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^•»^vMlllOUITCO „Casearine- auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 


WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermelden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Casearine Leprince“ zu verschreiben. 

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Depots: in allen grösseren Apotheken und Dmguenhandlungen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprinee». 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (29) 52— 2. 


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Stört den Appetit nicht, beeintrichtigt in keiner leise die Verötotnig. 

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(4) 26—26. 

mX4X4X4X4X4X4X4X4XmX4X4 


Dionin 


Ersatz für Codein and Morphin, 
besonders bei Erkrankangen der 
Eespirationsorgane. 


L argin 


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Ver bin düng, ansgezeichnel für 
die Gonorrhoe-, Wnnd- and 
Aagentherapie. 

Jo dipin 

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Specificum bei tertiärer Lues; be¬ 
währt bei Asthma, Emphysem n. 
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Pereulok JÄ 16, Qo. 6. 

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Frau Marie Kubern, Gr. SUllhofsir 
Haus d. Finnischen Kirche 6—8, Q. 19 

Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen flbr die 
private Krankenpflege (gegen Zahl nur 
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Jo8B. neus. Cn6.,20 ‘DeBpajw 1902 r. Herausgeber Dr. Endolf Wanach. Buchdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. Jt lc 


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XXVII. JAHRGANG. ST. PETfiRSBDKGER Neue Folge XIX. Jahrg. 

HEDICiniSCIE WOOIEIiCHBIH 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Di« «St. Petersburger Medieinische Wochenschrift» erscheint jedeu Abonnementi-Aufträge spwie alle Zneerate "W 
Sonnabend. — Der Abonnementspreis ist in Busslanä 8 Rbl. für das bittet mau anssehliesslieh an die Bnehhandlung von K. L. Bioker in 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Poetznstellnng; in den anderen St.Petersburg,Newsky-Prospett M14, zu richten.— IKanUSOrlpte 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreie sowie alle anl'dieRedaetion bezüglichen Mittheilnngeb bittet man an 
fhrdie3malgespalteneZeileinPetitistl6Kop. oder 35 Pfenn.—Den'den geschäftsführenden Redacteur Dr. Budolf Wanaoh m St.Pe- 
Antoren werden 25SeparatabzügeihrerOriginalartikelzugesandt.'-:tersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital zu richten Sprech- 
Reierate werden nach dem Satze von lfi Rbl. pro Bogen honorirt.l stnudeu Montag, Mittwoch und Freitag von 2 1 — 3 Uhr. 

Jß 8 8t Petersburg, (8. März) 23. Februar 1902 


Inhalt: Dr. F. Grebner: Die compensutoriscbe Uebungstherapie bei initialer Tabes. — Referate: Kocher, Albert: 
Ueber Morbus Basedowii. — Vermischtes — Mortalitäts.-Balletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Die compensatorische Uebungstherapie bei initialer 

Tabes.') 

Von 

Dr. P. Grebner, 

Odessa. 

Vor 11 Jahren erschien der erste Aufsatz von Dr. 
Frenke 1 (Heiden) über die Behandlung der tabetischen 
Ataxie, in welcher der Autor auf das bis dahin unbe¬ 
kannte Factum der Besserung der Ataxie durch syste¬ 
matische Uebung der coordinatorischen Centren hin¬ 
wies. 

Vor Frenkel hatten Prof. Leyden und die An¬ 
hänger der Ling’schen Heilgymnastik Bewegungen bei 
Ataxie empfohlen, aber sie waren dabei von der An¬ 
schauung ausgegangen, dass die Muskeln zu kräftigen 
seien und durch diese Kräftigung der Muskeln die sich 
entwickelnde Ataxie zu bekämpfen sei. Frenkel da¬ 
gegen betonte stets, dass das Wesen der Behandlung 
nicht in der Uebung und Stärke der Muskeln, son¬ 
dern in der Uebung der Innervation liege, in dem 
Ersatz der Defecte peripherischer Sensibilität der Ge¬ 
lenke and Muskeln durch Uebung der unverletzt ge¬ 
bliebenen sensiblen Bahnen dieser Gelenke ond Muskeln, 
durch intensivere Mithilfe des Sehorgans bei der zur 
Körperbewegung nöthigen Orientirung im Raume. 

Die Ataxie lässt sich dahin definiren, dass die Körper¬ 
bewegungen (speciell die Locomotion) nicht zweckent¬ 
sprechend ausgeftlbrt werden, dass sie im Tempo, in 
der Richtung und im Umfange nicht normal sind. Be¬ 
treffs dieser Definition sind alle einig, denn sie wird 
durch die tägliche Beobachtung bestätigt. Dagegen ge¬ 
hen die Meinungen über die Erklärung der Ursache der 
Ataxie weit auseinander. 

Pie meisten Anhänger dürfte die von Leyden nnd 
Goldscheider vertretene Anschauung haben, die die 
Ataxie in directe Abhängigkeit der Sensibilitätsdefecte 

’) Nach einem im Odessaer med. Verein gehaltenen Vor¬ 
träge (mit Krankendemonstration). 


(der Haut, Muskeln und Gelenke) bringen. Frenkel 
schüesst sich dieser sensoriellen Theorie der Ataxie 
voll an, er betont nicht mit Unrecht, dass die Heiler¬ 
folge bei Au Wendung seiner Methode der beste prakti¬ 
sche Beweis für die Richtigkeit dieser Theorie sei. Die 
Erfahrung lehrte ihm, dass es keine Ataxie ohne Herab¬ 
setzung der Sensibilität gebe und dass der Grad der 
Ataxie annähernd proportional dem Grade der Hypäs- 
thesie der Gelenke und Muskeln sei, wobei etwaige Her¬ 
absetzung der Hautsensibilität eiu’e untergeordnete 
Rolle spiele. 

Im Hinblick darauf, dass die Sensibilitätstheorie der 
Ataxie noch lange nicht allgemein acceptirt ist und die 
Erfolge der compensatorischen Uebongstherapie von Vie¬ 
len geleugnet werden, möchte ich mir erlauben, meine 
bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiete in einige 
Bemerkungen zusaratnenzufassen. Ich verfüge gegen¬ 
wärtig Uber ein Material von 162 sorgfältig und wieder¬ 
holt untersuchten Fallen von Tabes dors., von denen 73 
längere Zeit täglich beobachtet und nach Frenkel’s 
Methode von mir behandelt wurden. 

Jeder dieser Fälle, jede Untersuchung der Initialta^ 
betiker hat mir eine Bestätigung der von Frenkel 
vertretenen Anschauung gebracht. 

In weit entwickelten Krankheitsforraen giebt die 
Hypästhesie zahlreicher Gelenke der unteren Extremitä¬ 
ten zusammen mit der herabgesetzten Schnelligkeit der 
Perception peripherer Reize, mit der herabgesetzten 
Hautsensibilität, mit dem verminderten Tonus der Mus¬ 
keln und den hänftg dazu kommenden Paresen einzelner 
Muskelgruppen nnd der trophischen Degeneration der knö¬ 
chernen nnd ligamentösen Gelenktheile ein mehr oder 
weniger complicirtes klinisches Bild der Ataxie, jedoch 
in den initialen Formen hängt die Ataxie fast aus¬ 
schliesslich von der Sensibilitätsherabset^ung der dista¬ 
len Gelenke ab. 

Wenn man es sich zur Regel macht io solchen ini¬ 
tialen Formen die Hau tsensib ili tät des ganzen 
Körpers genau zu untersuchen, so wird man nicht allzu 


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selten finden, dass dieselbe an den unteren Extremitäten 
völlig intact erscheint, ja in einzelnen Fällen wird man 
auch die viel constantere und früher auftretende Gür- 
telhypftsthesie der Haut vermissen. Aber stets wird 
sich eine Herabsetzung der Gelenksensibilität 
und zwar zuerst immer der distalen Gelenke der 
unteren Extremitäten constatiren lassen. 

Die Muskel- und Gelenksensibilität wird vielfach der¬ 
art geprüft, dass man den Patienten bei geschlossenen 
Augen complicirte Bewegungen ausführeu lässt (z. B. 
mit der grossen Zehe einen Kreis, einen Buchstaben in 
der Luft zeichnen etc.). Dies Verfahren ist nicht ra¬ 
tionell, denn einmal ist die Fähigkeit zu derartigen 
Präcisionsübungen, wie man sich leicht durch den Ver¬ 
such überzeugen kann, auch bei Gesunden sehr ver¬ 
schieden, andererseits sind dabei mehrere Gelenke gleich¬ 
zeitig in Anspruch genommen. 

Wir halten die Prüfung jedes Gelenkes für wichtiger 
und führten dieselbe in der Weise aus, dass bei ge¬ 
schlossenen Augen und vollkommen entspannter Musku¬ 
latur passive Bewegungen von dem Beobachter an der 
zu untersuchenden Extremität ausgeführt werden und 
zwar aus der Mittelstellung mit möglichster Vermeidung 
ungleichen Druckes auf die Haut, mit zuerst langsamem 
dann brüskem Tempo. Wenn hierbei zarte Bewegungen 
von 10—15° schon gefühlt, aber die Richtung (ob Ex¬ 
tension oder Flexion) vom Krankeu nicht angegeben 
werden kann, so bezeichnen wir das als eine Hypäs- 
thesie ersten Grades; wenn zarte Bewegungen überhaupt 
nicht gefühlt werden, als Hypästhesie zweiten Grades; 
als dritten und recht seltenen vierten Grad der Herab¬ 
setzung der Sensibilität bezeichnen wir den Befund, 
wenn brüske Bewegungen gefühlt aber deren Richtung 
nicht angegeben werden kann, resp. wenn auch brüske 
Bewegungen nicht gefühlt werden und der Kranke nur 
den Druck der bewegenden Hände spürt. 

Diese Bestimmung der Hypästhesie lässt gewiss an 
absoluter Präcision zu wünschen übrig, hat sich mir je¬ 
doch als ausreichend erwiesen und ist dem Gold- 
sche ider’schen Instrument vorznziehen, weil sie leicht 
überall am Krankenbett ausführbar ist. 

Es ist eine allgemeine Regel, dass die Hypästhesie 
in den distalen Gelenken beginnt und bei fortschreiten¬ 
der Krankheit erst später an den proximalen auftritt 

Bei den initialen Formen der Ataxie, zu denen 
wir diejenigen Kranken rechnen wollen, die mit Hilfe 
eines Stocks ohne Unterstützung einer zweiten Person 
gehen können, finden wir häufig nur eine Hypästhesie 
ersten Grades der metatarso-phalangealen Gelenke, in 
anderen Fällen ist auch das Sprunggelenk in gleichem 
Grade ergriffen; die Kniegelenke sind fast immer, die 
Hüftgelenke stets normal. Gewöhnlich sind die Gelenke 
einer Seite stärker afflcirt. 

Die intacte Sensibilität der Gelenke (d. h. aller das 
Gelenk zusammensetzenden Bestandtheile) ist bekanntlich 
ein nothwendiger Factor zu richtiger Vorstellung über 
die Lage unseres Körpers im Raume und der Körper¬ 
teile zu einander, und diese Vorstellung ist ihrerseits 
eine Vorbedingung zur normalen Locomotion des Kör¬ 
pers. In den initialen Formen der Ataxie ist die Summe 
der peripherischen Sinneseindrücke über die Position 
der metatarso-phalangealen und Sprunggelenke ver¬ 
mindert und diese Eindrücke werden langsamer als in 
der Norm übermittelt (M o tschu tko wski). Die daraus 
sich ergebende Abnormität des Ganges ist nichts ande¬ 
res als die unbewusste Adaptation des Kranken an den 
Defect der Innervation. 

In ganz analoger Weise, wie wir das bei Contractu- 
Ten und Ankylosen des Bewegungsapparates auf chirur¬ 
gischem Gebiete sehen, werden auch hier die afficirten 
Gelenke möglichst entlastet und die von ihnen zu ver¬ 


richtende Arbeit in anderer Weise geleistet: Der 
Kranke vermeidet es möglichst auf den Fussspitzen zu 
balanciren, er sucht eine breitere Basis durch weiter 
auseinander gestellte Füsse zu gewinnen, er tritt zuerst 
mit den liacken auf und setzt den einen Fuss vor den 
anderen, während die Körperlast auf dem ganzen Fuss 
des Stützbeins lastet, etc. 

Bei dem Gange, bei den Wendungen, beim Auf- und 
Absteigen einer Treppe, beim Niederhocken u. s. w., 
stets lässt sich die di recte Abhängigkeit der Eigenart 
der Ataxie von der Affection der distalen Gelenke nach- 
weisen. 

Nehmen wir z. B. den Gang bei der initialen 
Ataxie: 

Unter einem Schritt, verstehen wir nach dem Vor¬ 
gänge von Marey den Complex von Bewegungen beim 
Gange, welche von dem Körper in dem zeitlichen Inter¬ 
vall zwischen zwei gleichen Beinstellungen ausgeführt 
werden, so dass ein Schritt nach Marey zwei Schrit¬ 
ten nach der gewöhnlichen Auffassung entspricht. Es 
giebt nun einen Moment in dem Ablauf dieser Bewegun¬ 
gen, in welchem die beiden Beine folgende Stellung ein¬ 
nehmen: Beide berühren den Boden, das eine mit der 
Spitze des Fusses, indem es als Schwungbein sich an¬ 
schickt nach vorn zu pendeln, das andere mit den Hacken, 
indem es die Rolle als Standbein übernimmt. Dieser 
Moment, in welchem beide Füsse gleichzeitig den Boden 
berühren, wird von Richer als die Situation der 
doppelseitigen Stutze bezeichnet. Normalerweise . 
ist sie zeitlich unendlich kürzer als die Situation } 
der einseitigen Stutze, bei welchem das Schwung¬ 
bein am Standbein vorbei nach vorn pendelt. 

Bei dem Tabetiker ist dies Verhältnis verschoben 
und bei stärker entwickelter Ataxie geradezu umge¬ 
kehrt. In dem instinctiven Bedürfnis, das Balance¬ 
ment der Körperlast auf den Fussspitzen bei herabge¬ 
setzter Sensibilität der entsprechenden Gelenke abzu- * 
kürzen, resp. zu umgehen, verlängert der Tabetiker 
das Moment der doppelseitigen Stutze, die ihm eine 
breite Basis giebt und lässt das Schwungbein erst dann 
seine Bewegung nach vorn beginnen und den Boden 
verlassen, wenn das Standbein schon mit ganzer Sohle 
auf dem Boden ruht. Je stärker die Ataxie entwickelt 
ist, um so länger werden die Zeiträume der doppelsei¬ 
tigen Stütze, um so kürzer diejenigen der einseitigen 
Stütze; schliesslich macht der Tabetiker zwischen jedem 
seiner kurzen, schnellen Schritte (im gewissen Sinne) 
eine Pause, in welcher er die Körperlast auf beiden 
Fussen ruhen lässt. Diese Thatsachen ergeben sich bei 
der einfachen Beobachtung der lnitialtabetischen, sie 
werden sehr schön illustrirt durch einen Vergleich einer 
kinematographischen Reihe von Momentaufnahmen des 
Ganges Gesunder (nach Richer) mit analogen Auf¬ 
nahraeserien Tabetischer, wie sie Marinescu kürz¬ 
lich, allerdings zwecks anderweitiger Demonstrationen 
publicirte. 

Die Linien, welche die Hüftgelenke einerseits und die 
Schultergelenke andererseits verbinden, liegen parallel 
und bilden während des Ganges im Moment der doppel¬ 
seitigen Stütze einen spitzen Winkel (Richer). Bei 
dem Tabetiker bekommt der Gang durch die zeitliche 
Verlängerung dieses Moments und die damit verbun- I 
dene stärkere Verschiebung der Linien zu einander 
einen unbehilflichen wackeligen Charakter. 

Eine weitere Eigenthümlichkeit des tabetischen Gan¬ 
ges, die schon von Gilles de la Tourette erwähnt 
und von Marinescu an seinen kinematographischen 
Aufnahmen nachgewiesen ist, besteht darin, dass das 
nach vorn schwingende Bein in dem Bogen, den es in 
der Luft beschreibt, in scheinbar unzweckmässiger Weise 
erst weit nach vom geführt wird, um dann schliesslich 




G7 


nach rückwärts und unten den Boden zu berühren. 
Diese dem Hahnentritt ähnliche Bewegung hängt gleich¬ 
falls damit zusammen, dass die Körperlast des Rumpfes 
später als beim normalen Gang nach vorn übeigeführt 
wird, d. b. erst nachdem das Schwungbein nicht nnr 
mit der Fussspitze sondern mit dem ganzen Fuss als 
Standbein Platz genommen hat. Aus den Momentauf¬ 
nahmen von Marinescu ist ersichtlich, dass dieses 
Ausschreiten nicht vorkommt bei Patienten, die mit 
ihrem Stock das nach vorn schwingende Bein unter¬ 
stützen und daher eine genügend feste Basis zur recht¬ 
zeitigen Vorbeugung des Rumpfes haben. 

Bei scharfen Wendungen und plötzlichen Aen- 
dernngen des Ganges ist selbstredend iin Moment dieser 
Aenderung eine besonders genau dosirte coordinatorische 
Thätigkeit der Muskeln der Fussspitze und des Fusses 
überhaupt und der Sensibilität der Gelenke erforder¬ 
lich; es ist darum begreiflich, dass die ersten Anfänge 
der Ataxie häufig erst bei derartigen Evolutionen zuerst 
hervortreten, während derartige Kranke beim gewöhn¬ 
lichen Gang bisher selbst nichts Abnormes bemerkten. 

Das Treppensteigen. 

Bekanntlich gehören die Beschwerden beim Treppen¬ 
steigen, speciell beim llerabsteigen, zu den frühzeitig¬ 
sten Symptomen der beginnenden Ataxie (signe de 
l’escalier - Fournier). Der Kranke ist genöthigt, 
sich am Geländer festzuhalten, er betritt Stofe für 
Stufe zuerst mit dem kränkeren Bein. Ein Blick auf 
die äusserst instructiven Serien von Momentaufnahmen 
(nach Richer) eines die Treppe herabsteigenden Man¬ 
nes giebt uns die Erklärung: Beim llerabsteigen sind 
die Zeiträume der einseitigen Stütze relativ sehr lang, 
dabei wird normalerweise der Schwerpunkt des Kör¬ 
pers nach vorn verlegt, während das Standbein auf der 
oberen Stufe im Knie geknickt auf der Fussspitze ba- 
lancirt: die Körperlast wird dann von dem nach vorn 
und unten geschwungenen anderen Bein aufgefangen, 
wobei auch dieses Bein im ersten .Moment auf der Spitze 
balancirt. Der Tabetiker hilft sich damit, dass er auch 
hier erst dann die obere Stufe verlässt, nachdem das 
vordere Bein mit voller Sohle aufruht; hierbei ist die 
Haltung eine steife, aufrechte und die aufgewandte 
Muskelarbeit beträchtlich grösser. 

Beim Hinaufsteigen der Treppe stützt beim gesunden 
Menschen der auf die obere Stufe gebrachte Fuss sich 
sofort mit voller Sohle auf, der Tabetiker macht es 
ebenso und die Schwierigkeiten der Balance auf den 
Fussspitzen fallen weg, daher das Aufsteigen keine Be¬ 
schwerde macht. 

Beim Niederhocken biegt der normale Mann 
hauptsächlich die Knie und balancirt ohne Mühe die 
ganze Körperlast auf den Fussspitzen. Der Tabetiker 
biegt die Sprung- und Hüftgelenke ad inaximum, um 
auf der ganzen Fusssohle sich aufstutzen zu können; 
wenn man ihn auf den Fussspitzen zu balauciren ver¬ 
anlasst, fällt er um. Frenkel bringt in seiner letzten 
Monographie Abbildungen dieser Situation beim Gesun¬ 
den und beim Tabetiker und erklärt den Umstand damit, 
dass der Tabetiker angeblich eine Vorliebe für maxi¬ 
male Bewegungen der Gelenke habe, die keine so ge¬ 
naue coordinatorische Arbeit erfordern. Uns scheint, 
dass die Erklärung viel einfacher durch die stets und 
überall hervortretende Tendenz, die afficirten Gelenke 
zu entlasten, gegeben ist. 

Aus demselben Grunde machen die Tabetiker kleine 
Schritte, denn nur mit solchen kann man die Füsse mit 
ganzer Sohle aufsetzeu, während bei langen Schritten 
die Sohle sich vorn Boden abwickelt, spreizen etwas die 
Beine und treten mit den Hacken auf. Gilles de la 
To u rette hat letzteres besonders nachgewiesen, indem 
er die Abdrücke der Füsse Gesunder und Tabetischer 


beim Gang auf plastischer Masse verglich; er fand, 
dass die Hacken der Tabetiker tiefere Eindrücke hin- 
terliessen. 

Bei der Betrachtung der Momentaufnahmen des Gan¬ 
ges Tabetischer findet man, dass das Schwungbein .beim 
Beginn der Schwingung nach vorn, so lange es noch 
hinter dem Standbein sich befindet, indem es nach vorn 
schwingt, die Fussspitze hebt und die Hacke abnorm 
senkt, 60 dass letztere beim Niedersetzen des Fusses 
zuerst den Boden berührt. Marinescu erklärt das, 
vielleicht nicht mit Unrecht, als Ausdruck der Hypoto¬ 
nie der Flexoren des Unterschenkels und Fusses. 

Schliesslich wäre noch eine Eigentümlichkeit des 
Ganges zu erwähnen, die häufig bei initialer Tabes be¬ 
obachtet wird. Es sind die unwillkürlichen Muskel¬ 
zuckungen der dorsalen Flexoren des Fusses, namentlich 
desjenigen, bei welchem die Hypästhesie der distalen 
Gelenke stärker ausgeprägt ist, während der Fuss auf 
dem Boden ruht. Diese Zuckungen sind häufig so stark, 
dass mau an den beschuhten Füssen sofort die stärker 
afficirte Seite an den stärkeren Zuckungen erkennen 
kanu. • Sie sind auch au einigen Momentaufnahmen von 
Marinescu deutlich ausgeprägt. . Aehnliche Zuckun¬ 
gen beobachtet mau auch bei dem Examen auf. Sensibi¬ 
lität der Gelenke. Sie scheinen mir durch das unwill¬ 
kürliche Bestreben der Kranken, sich durch solche Not¬ 
behelfe über die Situation der Gelenke zu. orientired, 
erklärlich. Jedenfalls habe ich sie nie bei -schweren 
Fällen, in denen die Muskelsensibilität erloschen ist, 
constatiren können, und andererseits verschwinden sie 
oder treten jedenfalls seltener und schwächer nach mehr¬ 
monatlichen erfolgreichen Uebungen auf. 

Marinescu hat die Ataxie der Tabetiker mit dem her¬ 
abgesetzten Tonus der Extremitäteumuskeln erklären wol¬ 
len; er behauptet, dass speciell die Flexoren stets mehr 
oder weniger scharf ausgeprägte Hypotonie zeigen, . 

- Frenkel hält die Hypotonie gleichfalls für eines 
der frühzeitigsten und constantesten Symptome der 
Tabes und meint, dass der Widerspruch, den die Sensi- 
bilitätstheorie der Ataxie noch findet, darauf zurückzu- 
führen sei, dass in manchen P’ällen die Ataxie nicht 
allein durch den Grad und die Localisation der Gelenk- 
hypästhesie, sondern auch durch Hypotonie gewisser 
Muskelgruppen bedingt sei. 

Auch nach unseren Erfahrungen ist die Hypotonie 
geringen Grades eine ziemlich constante Begleiterschei¬ 
nung der initialen Ataxie. Wir konnten uns jedoch 
nicht von einem directen Zusammenhang im Einzelfalle 
zwischen der Hypotonie bestimmter .Muskelgruppen und 
dem Charakter der Ataxie überzeugen, während in den 
späteren Stadien der Ataxie die abnormen Knie- und 
Fussstellungen (z. B. Genu recurvatum, Pes equinus, 
equinovarus u. s. w.) die gewöhnlichsten und auffällig¬ 
sten Merkmale bilden. 

Welche Aufgabe hat nun die coinpeusatorische Uebungs- 
therapie zu erfüllen? Die Antwort ergiebt sich für uns 
aus obigen Ausführungen. Da die Sensibilität in den 
Gelenken nie erloschen sondern nur herabgesetzt ist, sp 
ist die Leistungsfähigkeit der erhaltenen Nervenbahnen 
durch Uebung zu erhöhen; da jedoch letzteres uach un¬ 
seren Erfahrungen selbst bei lange fortgesetzten Hebun¬ 
gen nur in beschränktem Masse gelingt, ist das Seh¬ 
organ gleichfalls durch Uebung zu erhöhter Hilfstliätig- 
keit heranzuziehen bis der Endzweck erreicht und Patient 
wieder annähernd normal sich bewegt, d. h. die affi- 
cirten Gelenke nicht auszuschalten sucht, in Tempo, 
Richtung und Umfang zweckmässige, gleichmässige Be¬ 
wegungen macht, seine Unsicherheit bei den Verrich¬ 
tungen des täglichen Lebens verliert und seine Ermüd¬ 
barkeit sich verringert. 


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68 


Dr. Frenke 1 hat stets, besonders in seiner letzt- 
erschienenen Monographie betont, dass nur solche Exer- 
citien zweckentsprechend seien, die den Patienten leistungs¬ 
fähiger gegenüber den praktischen Anforderangen, die 
das Leben an ihn stellt, machen. Er verwirft daher 
die Apparate von Leyden, Jacob and Goldschei¬ 
der, weil sie unnöthige coordinatorische Kunststücke 
und Muskelöbnngen erfordern; er warnt nicht ohne 
Grand vor der Schablonenmässigen Anwendung der von 
Goldscheider gegebenen Vorschriften betreffs der 
Uebungen. Die von Goldscheider für schwer atak¬ 
tische Tabetiker angegebenen Stützvorrichtnugen haben 
sich ans praktisch bewährt (Gehstuhl, Gehkarren). Bei 
der initialen Ataxie brauchen wir jedoch diese Stütz- 
Vorrichtungen nicht und auch betreffs der sonstigen 
Apparate sind wir bald abgegangen von den Apparaten 
und zu den einfachen Uebungen nach F r e n k e 1 ’schem 
Princip zurttckgekehrt, von denen weiteV unten die 
Rede sein wird. 

Die von Dr. G räu pner in Nauheim in Vorschlag 
gebrachte akustische Signal Vorrichtung ist von dem Autor 
selbst, wenn wir nicht irren, als unpraktisch verlassen 
worden und die von Dr. Vorstädter erfundenen 
cvmplicirten Apparate dürften wohl Anhänger schon 
deshalb nicht finden, weil sie viel zu hohe, der 
Praxis nicht entsprechende Anforderungen an die Coor- 
dination der unteren Extremitäten stellen. 

Dr. Frenkel selbst begnügt sich nach wie vor mit 
einigen einfachen Vorrichtungen und Bodenzeichnungen 
(Streifen verschiedener Breite, durch Querlinien in gleiche 
Abschnitte getheilt, entsprechend 1 — */« — V* Schritt¬ 
länge u. s. w.). Das Geheimniss der Erfolge, die er im 
Gegensatz zu manchen seiner Nachahmer zu verzeich¬ 
nen hat, steckt in der auf gründlicher Untersuchung 
basirten Individualisirung jeden Falles und der Discipli- 
nirung seiner Kranken, die nur in der Anstaltsbehand¬ 
lung durchführbar ist. 

Manche Aerzte meinen die durch die compensatorische 
Uebungstherapie erzielten Erfolge auf Suggestion zurück¬ 
führen zu müssen. Es lässt sich nicht bestreiten, dass 
bei einigen Kranken eine psychische Einwirkung der 
Heilungsmethode durch ihre Neuheit stattfinden kann, 
aber solche Effecte könnten doch nur im Beginne der 
Behandlung zu erwarten sein und wären unschwer von 
einer langsam eintretenden dauernden Besserung der 
Ataxie zu unterscheiden, die oft erst dann sich consta- 
tiren lässt, wenn sich der Patient durchaus pessimis¬ 
tisch zu der Sache verhält Es giebt anderer¬ 
seits nicht wenig Fälle, in denen die erst bei den 
Uebungen scharf zu Tage tretende Ataxie den Patien¬ 
ten sehr entmuthigt und trotzdem tritt die Besserung 
ein, wenn es nur gelingt den Patienten zur unentwegten 
Fortsetzung der Uebungen zu bewegen. 

Eine der wichtigsten Fragen betreffs der Technik ist 
die, wie lange die Uebungen vorzunehmen sind. Wir 
haben mehrfach Gelegenheit gehabt, Collegen bei der 
Leitung der Uebungen zu sehen und beobachtet, dass 
sie die Uebungen, wie uns schieu, zu schnell und zu 
lange machen Hessen und wir glauben, dass ein grosser 
Theil der Misserfolge auf Uebermüdung zurückzuführen 
ist. Wir bilden aus den Patienten unserer Anstalt 
Gruppen zu 3 Personen, womöglich gleichen Grades der 
Ataxie. Während der Seance jeder Gruppe, die im Gan¬ 
zen ca. 36—45 Minuten dauert, übt jeder der. 3 Patien¬ 
ten einzeln meist 3 selten 4 Mal, jedes Mal nicht mehr 
als 2—3, Maximum 4 Minuten und ruht darauf aus, 
während der Reihe nach die beiden anderen Patienten 
üben, so dass seine Ruhepausen mindestens doppelt so 
lange dauern als die paar Minuten, in welchen er in 
Bewegung ist. Wenn man dabei die Cardinalregel be¬ 
obachtet, dass der Patient langsam üben muss und 


bei etwaigen Schmerzen und sonstigem Unwohlsein die 
Sitzung unbedingt aussetzt, dann wird man selten ver¬ 
anlasst sein, ängstlich auf die objectiven Symptome 
der Uebermüdung achten zu müssen (beschleunigter Pnls, 
Zittern der Extremitäten etc.), weil es zur Uebermü¬ 
dung nicht kommt. Ich habe nicht die Erfahrung ge¬ 
macht, dass die Herabsetzung des subjectiven Gefühls 
der Ermüdung bei Tabetischen eine häufige Erschei¬ 
nung ist, im Gegentheil, die grosse Mehrzahl leidet un¬ 
ter erhöhter Ermüdbarkeit, die allerdings unter dem 
Einfluss der Cur meist abnimmt. 

Gewöhnlich beginnen wir die Cur, gleich Frenkel, 
mit Uebungen im Aufstehen und sich setzen, falls der 
Kranke diese Bewegungen incorrect ausfuhrt, und folgen 
dabei den F r enkel’schen Vorschriften. 

Gleichzeitig lassen wir den Patienten, wenn möglich 
ohne Stock, im Stehen Schrittübnngen machen: aus der 
Initialposition zar Seite, dann nach vorn, schliesslich 
nach hinten, und zwar zuerst ohne die Forderung, den 
Schritt von bestimmter auf dem Boden des Uebungs- 
saales vorgezeichneter Länge zu machen. Frenkel 
hat durch Momentaufnahmen den Mechanismus dieser 
einfachen Elemente des Ganges erläutert und naohge- 
wiesen, dass der Schritt zur Seite leichter wie derjenige 
nach vorn und letzterer leichter wie der nach hinten 
sei. Es ist nicht schwer auch hier das von uns be¬ 
tonte Grundprincip nachzuweisen, dass der Schritt zur 
Seite deshalb leichter ist, weil er die Metatarso-ph&lan- 
geal-Gelenke nicht wesentlich in Actioo setzt, während 
der Schritt nach hinten ohne deren tastende Thätigkeit 
kaum ausführbar ist. 

Ausser diesen Exercitien kann man den Initialtabeti- 
ker in der Regel gleich zu den Gangübungen übergehen 
lassen. Io der ersten Zeit verlangen wir nicht eine 
Verlängerung des abnorm kurzen Schrittes und nicht 
eine Verkürzung des Momentes der doppelseitigen Stütze 
(s. oben); wir suchen den Patienten nur dazu zu brin¬ 
gen, dass er gleichmässig kurze Schritte von vorge¬ 
schriebener Länge macht und die Füsse nicht spreizt, 
wobei er zuerst das Schwungbein neben das Standbein 
setzen darf. Dann gehen wir zur Uebung immer län¬ 
gerer Schritte über bei zeitlich kürzerer doppelseitiger 
Stütze, so dass schliesslich eine Gangart geübt wird, 
die dem militärischen Parademarsch ähnelt, bei dem das 
Moment der einseitigen Stütze sehr lang ist. Wenn eine 
Extremität ataktischer als die andere ist (wobei fast 
stets die Gelenksensibilität der betreffenden Seite stärker 
afficirt ist), lässt man dieselbe vorherrschend die Rolle 
des Standbeins spielen und den Schritt mit dem gesun¬ 
deren Bein machen. 

Stets muss man den Patienten ermahnen, langsame 
Bewegungen zu machen, weil die coordinotorischen Auf¬ 
gaben allerdings schwieriger bei langsamem Tempo, 
aber nur bei diesem Tempo correct und fruchtbringend 
auszuführen sind. 

Erst nachdem die Uebungen bei langsamem Tempo 
zufriedenstellend ausgeführt werden, geht man zu schnel¬ 
lerem Tempo über; ausserdem lässt man zuerst ohne 
Commando, dann auf Commando die Haltung der Arme 
ändern (auf dem Rücken, nach oben etc.) und die Gang¬ 
richtung ändern (Halt! Rückwärts! Seitwärts! Rechts 
um kehrt! u. s. w.). 

Um den Patienten zu längerem Balanciren auf einem 
Bein, zum Beugen im Knie, zur Ueberwindung kleiner 
Hindernisse zu gewöhnen, werden auf der Schrittbahn 
Holzklötze verschiedener Form und Höhe in den Weg 
gelegt. Auch hierbei wird vorherrschend das gesundere 
Bein über die Hindernisse geführt, wobei auf dem atak¬ 
tischen balancirt werden muss. 

Eine weitere Serie von Uebungen verfolgen den prak¬ 
tischen Zweck, den Patienten daran zu gewöhnen, seine 


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69 


Aufmerksamkeit zwischen dem Gehact und anderen 
Vorgängen zu theilen. Man veranlasst den Patienten 
im Gehen den Rock aus- und anzuziehen, ein Glas Was¬ 
ser zum Munde zu führen, mit dem Hut zu grossen 
etc. Man kann die Uebungen ad inflnitum variiren und 
wird stets dabei dem Patienten eine den Vorkomm- 
■issen des praktischen Lebens entnommene Aufgabe 
geben. 

Diese Uebungen führen uns zn einem wichtigen Ca- 
pitel der compensatorischen Uebnngstherapie, dem Er¬ 
satz der Muskel-Gelenksensibilität durch das Sehorgan. 

Die Beobachtung einer grösseren Reihe von Fällen 
lehrt, dass manchmal die Ataxie wesentlich gebessert 
wird, während die Thätigkeit bei geschlossenen Augen 
zn stehen und zn gehen nicht entsprechend gebessert 
ist nnd ein erneutes Examen der Gelenk-Muskelsensibi- 
lität keine nennenswerthe Aenderung ergiebt. Diese Be¬ 
funde gestatten den Schluss, dass in manchen Fällen 
der Defect der Sensibilität vofherrschend durch 
erhöhte Leistung des Sehorgans, in anderen 
mehr durch die intact erhaltenen Reste der Muskel- 
Gelenksensibilität ersetzt wird. Wir haben den Ein¬ 
druck erhalten, dass das Erstere häufiger geschieht und 
legen daher besonderen Werth anf diejenigen Uebnngen 
die den Patienten daran gewöhnen sollen, mit einem 
geringen Tbeil seines peripheren Gesichtsfeldes die nö- 
thige Orientirung im Raume zu erhalten. 

Wir lassen den Tabetiker nur im Beginn der Cnr die 
bewegenden Füsse fixiren, nnd veranlassen ihn später 
den Blick anf einen in der Gangrichtung allmählich 
immer höher zn wählenden fixen Punkt zn richten, dann 
verdecken wir das untere, resp. seitliche Gesichtsfeld 
mit einer vom Patienten vorgehaltenen Serviette, 
schliesslich lassen wir nur den einen kleinen Ausblick 
auf die Zimmerdecke. 

Ausserdem veranlassen wir den Patienten während des 
Ganges mit den Augen den Griff eines vor, hinter, neben 
dem Patienten bewegten Stockes zu fixiren oder wir 
lassen ihn einen aufgeklappten Schirm vor sich her halten 
and in die Mitte des Innern sehauen. 

Manche Patienten haben schon im ersten Initial- 
Stadium der Ataxie eine Scheu vor dem Pasairen be¬ 
lebter Strassen und Plätze. Um solchen Patienten 
wieder die nöthige Sicherheit zn geben, improvisiren 
wir im weiteren Verlaufe der Cur in der Anstalt 
eine Promenade mit Hindernissen verschiedener Art, 
mit Hinzuziehung des Wartepersonals. 

Andere Patienten haben eine unfiberwindliche Angst 
vor einem Fall nnd weigern sich hartnäckig allein zu 
gehen, obgleich sie es sehr gnt thnn könnten. In solchen 
Fällen ist eine langsame Abgewöhnung von fremder 
Hülfe nnr sehr allmählich durch die Autorität des Arz¬ 
tes durchzusetzen. 

Abends machen unsere Patienten eine Serie von 
Uebungen in horizontaler Lage, im Bett, wie sie von 
Frenkel mehrfach genau beschrieben sind. Von Zeit zu 
Zeit überzeugen wir uns persönlich, dass diese Uebungen 
correct ansgeführt werden. 

Wir empfehlen unseren Initialtabetikern Vermeidung 
aller Strapazen körperlicher nnd geistiger Art, dooh 
lässt sich das bei einer monatelangen Cur nur in sehr 
beschränktem Maasse durchführen. Fast alle unsere 
Patienten erfüllen während der Cnr ihre Berufsarbeit 
(meist Comptoirarbeit). 

Die besten Resultate sind mit der compensatorischen 
Uebungstherapie in denjenigen Fällen zu erreichen, in 
denen keine Schmerzattaken den regelmässigen Fortgang 
der Uebungen stören, in denen der allgemeine Ernäh¬ 
rungszustand nicht zn sehr darniederliegt nnd in denen 
vor allen Dingen die Kranken energisch und intelligent 


genug sind, die Uebungen nicht vorzeitig abznbrechen* 
Leider scheitern die meisten Curen.an dem Mangel der 
Ausdauer Seitens des Patienten — und des Arztes. In 
der Salpetriere und in vielen anderen Kliniken hat man 
die Behandlung mit Uebungen wieder verlassen, weil die 
Aerzte nicht die nöthige Zeit zn den Uebungen verwen¬ 
den wollen oder können. Die Franzosen nennen sehr 
treffend die compensatorische Uebungstherapie (la rbe- 
ducation des rauscles) — un traitement de luxe, — 
eine Luxusbehandlung. 

Wer Zeit und Mühe nicht scheut wird häufig durch 
gnten Erfolg belohnt, er wird nicht nur die Ataxie ge¬ 
bessert sondern auch den Allgemeinzustand gehoben, die 
Leistungsfähigkeit erhöht sehn. 

Diese Besserungsfähigkeit hat jedoch ihre Grenzen. 
Wir haben noch nie eine völlige functioneile restituo 
ad integrum der Coordination gesehen und uns in den 
besten Fällen mit einer Wiederherstellung der Leistungs¬ 
fähigkeit in den Berufsgeschäften, bei der Locomotion 
im Hause, in Gesellschaft und auf der Strasse begnügt, 
das ist allerdings sehr viel für den Patienten und un¬ 
endlich viel mehr als man durch irgend eine andere 
Behandlung der Tabes zu erreichen vermag. 

Wir combiniren in den meisten Fällen die compensa¬ 
torische Uebungstherapie mit täglicher Massage des 
Rückens und der unteren Extremitäten nnd mit 1—2 
täglichen Haibbädern von 26—25° mit etwas kühleren 
Begiessnngen, ausserdem wenden wir in vielen Fällen 
(bes. bei gleichzeitigen Blasenstörungen) die Snspension 
nach Motsohutkovskyan und benutzen bai etwaigen 
Schmerzattaken Pyramidon, das wir den Patienten in 
Pulverform stets bei sich tragen lassen, um die Schmer¬ 
zen sofort beim ersten Auzeicheu der Attake durch eine 
Dosis von 0,3 zu coupiren. Wenn die Schmerzanfälle 
sich häufen, täglich eintreten, ist es besser die Uebungs- 
cur zn unterlassen. Einen Einfluss der Uebnngscur auf 
die Schmerzaufälle im günstigen oder ungünstigen Sinn 
haben wir im Gegensatz zn anderen Beobachtern nicht 
sicher feststellen können. Die Anwendung von Sper- 
minum Poe hl i und der Emulsion von Brown- 
Sequard haben wir nach mehrfachen längeren Ver¬ 
suchen als unnütz anfgegeben, weil wir nur eine vor¬ 
übergehende excitirende Wirkung constatiren konnten, 
und auch diese nur in einigen Fällen. Der gleichzeitige 
Gebrauch kohlensäurehaltiger Mineralbäder mit der Be- 
wegungscur ist von uns während einer Saison in Sama- 
Ion les Bains, wo bekanntlich alljährlich hunderte von 
Tabetikern zusammenströmen, mehrfach versucht und 
schliesslich als undurchführbar aulgegeben worden, weil 
diese Bäder zn anstrengend und ermüdend sind, ln 
Nauheim ist die Dauer des Bades kürzer, die Tempera¬ 
tur niedriger und der COt-Gehalt im Allgemeinen höher, 
die Bäder wirken daher lange nicht so ermüdend und 
die Bewegungskor wird von verschiedenen Aerzten dort 
mit Erfolg angewandt, von anderen jedoch erst nach 
der Badecnr empfohlen. Wir schlossen uns der letzteren 
Anschaunng an. 

Von Frenkel ist die Bewegungscur ancb als pro- 
phylactische Massregel im sogenannten stad, praeatacti- 
cum der Tabes empfohlen worden. Uns sind bisher nnr 
zwei Fälle von Tabes begegnet in denen selbst das 
sorgfältigste Examen keine Spur einer Herabsetzung der 
Gelenk-Muskelsensibilität nnd gleichzeitig keine Spur 
einer Ataxie der unteren Extremitäten nachweisen Hess. 
In beiden Fällen war die Arbeitsfähigkeit im Beruf und 
Locomotionsfähigkeit voll erhalten, und ein Vorschlag 
langweilige und zeitraubende Uebnngen vorzunehmen 
wäre von den Patienten sicher zorückgewiesen worden. 

Von den Quecksilbercuren und von der Application 
der Schlammbäder des Li man, der leider in Odessa 


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unmer noch trotz zahlreicher warnenden Stimmeu bei 
Tabes angewandt wird, habeQ wir in vielen Fällen 
eine Verschlechterung des Allgemeiuzustandes und der 
Ataxie, nie eiuen Erfolg gesehen. , . . . 


Referate. . 


K ocher, Albert: Ueber Morbus Basedowii. (Mittei¬ 
lungen aus den Greuzgebieten etc. IX B., H. I u. 2). 

Die Beobachtungen Prof. Kocher's erstrecken Bich auf 
74 Kranke, von denen 59 operativ behandelt wurden; alle 
Krankengeschichten liegen in exienso vor und' geben ein 
vollständiges und klares Material zur Beurtheiluug der er¬ 
zielten Resultate. Ueber die A e t i o 1 o g i e der B'srhen 
Krankheit besteht nach K. Ungewissheit, doch scheinen ner¬ 
vöse Belastung und hereditäre Gefässaffectionen zu prädis- 
pOniren. Das Verhältnis» der erkrankten Frauen zu den Män¬ 
nern war 5:1. Die Mehrzahl der Erkrankungen begann 
zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr (Die Daten stimmen 
mit den von Moebius angegebenen fast genau überein 
Ref.). Ans dem Abschnitt über die Symptomatologie 
verdient zunächst hervorgehoben zu werden, dass K. einen M. 
Basedowii ohne Schilddrüsenvergrösserung nicht kennt. Die 
Basedowstruma soll stets abnorme Blutgefässentwicklung 
resp. Blutgehalt aufweisen. Grösse, Form, Consistenz zeigeu 
bedeutenden Wechsel. Charaeteristisch ist die sog. Expan¬ 
sivpulsation der Gefässe, an denen sehr häufig Geräu¬ 
sche wahrgenommeu werden, von denen die arteriellen sy¬ 
stolisch, conti nuirlielf oder mit systolischer Verstärkung sind. 
Wichtig ist dann das Schwirren der Gefässe, ihre Vergrösse- 
rung und Zerreisslichkeit, letztere ist für Operationen 
iiu Auge zu haben. Die vasculären Symptome zeigen meist 
am Morgen und in der heissen Jahreszeit Verschlimmerungen. 
Herz vergrösser ungen waren in 25 F. wahrnehmbar, 
Tachycardie stets, Arythmien dagegen selten vorhanden. Herz¬ 
klopfen fehlte nur 3 mal. Meist aiud die Herztöne sehr lant, 
Geräusche am Herzen wurden 48 mal gefunden, keinmal 
Klappenfehler. Pulsus celer in 22, parvus in 49 F.; einigemal 
Doppel ton, desgl- Capillarpuls,’ 7 Kranke hatten an Nasen¬ 
bluten'gelindi. Oedeme fanden sich 23 mal. 

Exophtalmus bestand in 63 F., 6 mal verschieden 
stark auf beiden Augen, nie dauernd einseitig. Bei 22 Kran¬ 
ken fanden sich die nach Graefe, Stellwag und Moe¬ 
bius benannten Symptome gleichzeitig vor, diese Erschei¬ 
nungen schwanken sehr. Pupillen sind meist normal. Der 
sog. unstete, ängstliche Blick soll häufig Vorkommen und 
nicht vom Exophtalmus bedingt sein. Dilatation und Ueber- 
füllnng der Orbitalgefässe soll Exophtalmus erzeugen. Unter 
den seltener beschriebenen M ag endarm Symptomen 
möchte Ref. auf das Erbrechen hinweisen, das vom Verf. iu 
30 (!) Fällen gefunden wurde; es tritt ohne äusseren Grund 
und meist nicht im Beginn der Erkrankung auf. In nur 9 
Fällen wurde Fleischnahrung nicht vertragen und es bestand 
Widerwille dagegen. Iu 20 Fällen trat hochgradige Er¬ 
legung im Laufe der Erkrankung auf, äusserte sich in 
Schlaflosigkeit und Unruhe; 4 Kranke zeigten die Erscheinun¬ 
gen einer circulären Psychose. Von ungewöhnlichen motorL 
sehen Erscheinungen wurden (in 1. Falle) Tetauiekrämpfe 
beobachtet. Erkrankungen der weiblichen Geni¬ 
talien, die von manchen Autoren als wichtig hervorgehoben 
werden, fanden sich keinmal, dahingegen betont K. die Un¬ 
regelmässigkeiten d e r M e n s 1 1 u a ti o n-, die in 43 
von 5S F. vorkamen, 42 mal hatten die Menses cessieri oder 
stark abgenommen; diese Erscheinungen müssen demnach als 
wichtiges Krankheitszeichen betrachtet werden. Wenig bekannt 
ist die Schwellung der Halslymphdrüsen, die nach K. recht oft 
Vorkommen soll. . 

Es folgt nun eine Besprechung der operativen The¬ 
rapie (der aber stets eine beruhigende, roborirende All- 
gemeinbehandluug voräusgehn soll); der chirurgische Eingriff 
bestand: 1) 14 mal in halbseitiger Excisiou 2) 16 mal jn Ar¬ 
terienligatur 3) 19 mal in einer Conibination der unter 1) und 
2) erwähnten Methoden 4) Halbseitige Excisiou und partielle 
Reseetion — 1 mal 5) Ligatur der Arterien nnd partielle 
Resection — 1 mal 6) Halbseitige Excision -f- Reseetion -f- 
Arterienligatur 3 mal und 7) Ligatur der Arterien und Re¬ 
section des Sympathicus in 3 Fällen. In 39 von 59 operirten 
Fällen traten unangenehme postoperative Erscheinungen auf 
(vorübergehende Psychosen, Erregung. Oopression, Herzbe¬ 
schwerden, Erbrechen und in allen 39 Fällen Fieber), 4 
Kranke s.tarben innerhalb der ersten 10 Tage post operatio- 


nem, nur 16: mal verlief die ^ieiluug glatt- Da« Fieber will K- 
nicht mit der Resorption von Drüsensaft :in. Verbindung brin¬ 
gen, Bondern macht, es Von den ‘ schwer' zu vermeidenden 
Complicattonen (Nachblutungen, 'Haenmteih«) abhängig. Von 
allen angewandten Methoden: gab die halbseitige ßacUIoü 4- 
Arterienligatur zweifellos d^e .begt^n. Resultate' : . 

Je bedrohlicher die Erscheinungen vor djsr' Operation ktad 
und je umfangreicher und eingreifender sieb diese gestaltet, 
umso gefährlicher ist sie für den Patienten. Für leichte Fälle 
ist die Operation nahezu gefahrlos und kann jedem 
Kranken angerathen werden, wenn man die ff. Resultate, be¬ 
trachtet: Heilungen 76 pCt-, bedeutende Besserungen 14 pCL. r 
leichte Besserrungen 3,3 pCt., gestorben 6,7 pCt. Ein. Vergleich 
mit der internen Therapie fällt nach R. sehr zu Ungnnsten 
der letzteren ans; als Beispiele werden 15 Fälle citirU(in 
denen nur innere Mittel angewandt wurden. V,on aHen ge¬ 
brauchten Arzneien werden Brom, A r s e n und P h p.s - 
p h o r am höchsten gestellt; Ref. interessfrte die Hervor¬ 
hebung der PhospborwiTfe n ngv Fleischdiät, wird nickt 
betont. Was die Jodbehandlung betrifft,' so möchte'Ref. f. 
Satz wörtlich citiren, da er'den Ge- (oder häutig Miss¬ 
brauch dieses Mittels so wie seiner, Verwandten (Jodothyrinf 
Thyrojodin etc) bei M. Basedowii richtig beleuchtet: «Es ist, 
zweifelsohne, dass durch idie Jodthdräpkt eine ganze Abzahl 
beginnender B.-erkraukongen b e f ö r de r t würden stad;. 
Es wird auf die Analogie des Jedismus .und des Thyreoidis- 
raus (i. e. M. Basedowii!) hiögewlesen. 'Die .Entstehung der 
Krankheit erklärt K. durch eine Veränderung der chemischen 
Drüsenfunfctkm im Elnklaug mit der M o e b i n s’scben Auffas¬ 
sung. Zum Schluss folgt eine Literaturzusammenstellung von 
1423 Nummern, noch ein Beweis für die Sorgfalt und den 
Fleiss der dem soeben' referirten Werke zu Grunde gelegt 
wurde. 

• Vb s a. 


Vermischtes. V 1 

Am 17. d. M. fand im Beisein einer .Corona von Aerzteu 
und eines zahlreich erschienenen Publicums die B’eier des 35 
jährigen Bestehens, sowie die Einweihung eines Neübatis der 
hiesigen Dr. Bary'schen, ehemals Dr. F re/y’schpn Privat¬ 
heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke statt. — Die 
s. Z'von l)r.- A. Schulz begründete, zuerst .nur für 12 
Irre berechnete Anstalt ging im Jahre 1871 an Di* Frey 
über, welcher sie bedeutend erweiterte und verbesserte. Seit 
bald zwei Jahren steht sie im Besitz nnd unter Leitung von 
Dr. Adolf Bary, dem die bisherigen drei erfahrenen Or- 
dinatore behülflich sind. Die bei der Begründung nur geringe 
Bettenzahl ist im Laufe der 35 Jahre auf weit über 100 an¬ 
gewachsen. Zu dieseu soll nunmehr durch Erbauung des 
neuen Pavillons eine nicht unbeträchtliche Reihe neuer 
Betten hinzutreten, speciell sollen die Räume dazu dienen, 
die unruhigen Kranken aufznuehmen und in dieser Weise in 
den alten Abtheilungen Platz zu schaffen. 

Nach vollzogenem feierlichen Weihact und festlicher Be- 
wirthung der Gäste wurde das neue Gebäude in Augenschein 
genommen. Es ist ein dreistöckiger Steinbau, der sich mit 
den bisherigen Baulichkeiten direct verbindet. Im Erdgeschoss 
befindet sich eine modern eingerichtete Wasserheilanstalt* • im 
nächsten Stock eine Reihe von Einzelzellen, Gesellsqhafw- 
räume, Badezimmer etc., und im obersten Stockwerk ein vor¬ 
läufig für Theatervorstellungen bestimmter und als solcher 
eingerichteter Saal, der bei einer mit der Zeit eventuell 
wachsenden Krankenzahl ebenfalls zu anderen ^Zwecke# be¬ 
nutzt werden wird. ... 

Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass die Zellen jn 
propliylactischer, hygienischer und practischer Beziehung auf 
der Höhe der heutigen Anforderungen stehen; auch ge¬ 
schmacklich ist gethan, was in solchen Fällen möglich ist.— 
Eine nähere Beschreibung der Einrichtungen und Schutzvor¬ 
richtungen. finden Interessenten in der vom Difector zum 
Tage herausgegebenen und bei der Einweihung vertheiltefi 
hübschen Festschrift. Sie enthält ausserdem noch die Bild- 
urnse der früheren Besitzer. Ansichten der alten und des 
neuen Anstaltsgebäudes und interessante localhistorische und 
statistische Angaben. Aus letzteren ersieht man ein stetiges 
Anwachsen der Zahlen und somit der Thätjgkeit der An¬ 
stalt. Wir wünschen der Anstalt ihren bisherigen guten Huf 
zu bewahren und einem ferneren blühenden Gedeihen eot- 
gegenzugehen, ihrem jungen Director aber Kraft am solches 
zu erreichen. K—r. 

— Am 16. Februar n. St. beging der bekaunte Chirurg 
Prof. Dr. Franz König, Director der chirurgischen Kli¬ 
nik am Charite-Krankenhause in Berlin seinen 70. Gehn i is- 


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71 


4 ag. Ihm zu Ehren veranstaltete die Gesellschaft der Aerzte 
des genannten Krankenhauses eine Festsitzung. 

— Am 30. Januar beging der Oberarzt des St. Petersbur¬ 
ger Nikol ai-Militärhospitals wirkl. Staatsrath Dr. Alexis 
JDuschinkin das 35 jährige Jubiläum seiner 
ärztlichen Thfttigkeit. 

— Am 15.Februar vollendeten sich 25 Jahre der ärzt* 
liehen Thätigkeit des Oberarztes des Leib• Garderegl- 
tnents zn Pferde, Dr. Anatol Uinin. Der Jubilar war 
früher mehrere Jahre Assistent des verstorbenen Professor 
Carl Beyher und ist vielfach auch literarisch hervorge¬ 
treten. 

— Der ausserordentliche Professor der Cbarkower Univer¬ 
sität Dr- Nikolai Ssokolowistzum ordentlichen 
Professor auf denLehrstuhl der chirurgi¬ 
schen Pathologie ernannt worden. 

— Zum Arzt am Mitauer Diakonissenhause 
ist an Stelle des verstorbenen Dr. Böttcher der Assistenz¬ 
arzt des Rigaschen Stadtkrankenhauses Dr. Arnold Hil¬ 
debrand gewählt worden. 

— Wie verlautet, ist mit der temporären Lei¬ 
tung der pädiatrischen Klinik und mit der 
Abhaltung der Vorlesungen über Kinder¬ 
krankheiten an der Moskauer Universität 
(in Folge Ablebens des Prof. Fi latow) der ausserordent¬ 
liche Professor Dr. N. Korssakow betraut worden. 

— Zum Ehrendirector der chirurgischen 
Klinik der Iberischen Gemeinschaft barm¬ 
herziger Schwestern des Bothen Kreuzes in Moskau 
ist ProfT emer. L. L e w s c h i n ernannt worden. Die facti- 
sehe Leitung dieser Klinik ist dem Privatdocenten Dr. S. E. 
Beresowski übertragen worden. 

(Bussk. Sslowo. — ß. Wr.) 

— Der Cbarkower Privatdocent Dr. M. Kusnezow, 
welcher, wie wir bereits meldeten, als Prof, extraord. auf 
dem Lehrstuhl der chirurgischen Klinik der Warschauer 
Universität vor Kurzem bestätigt wurde, ist auch von der 
medicinischen Facultätder Tomsker Universität zum Professor 
für den entsprechenden Lehrstehl gewählt worden. 

— Der Assistent beim Lehrstuhl der Pharmakologie an 
der Tomsker Universität. Dr. K. Archangelsk! hat sich 
als Privatdocent daselbst habilitirt. 

— ln diesem Jahre begeht der Professor der Anatomie an 
der Kiewer Universität. Dr. Michael Tichomirow, 
sein 30j äh riges Jubiläum. 

— Am 13. Februar u. St- erreichte der Professor der allge¬ 
meinen Pathologie nnd pathologischen Anatomie Dr. W- 
Müller in Jena sein 70. L e b e n s j a h r. 

— Der in Basel wohnhafte Dr. v. Ritter hat für ein 

dem berühmten Naturforscher Prof. Erns t Hä ekel in 
Jena vor dem dortigen zoologischen Institut zu errichtendes 
Denkmal die Summe von 60,000 Mark gestiftet. Das 
Denkmal soll aber erst nach dem Tode Häckel’s enthüllt 
werden. (AUg. med. C.-Ztg,) 

— Verstorben: 1) Am 10. Februar in Wenden der 
Kirchspielsarzt von Ronneburg, Dr. Theodor Meyer, 
im Alter von nahezu 67 Jahren. Der Hingeschiedene, ein 
Bruder des nur 10 Tage früher verstorbenen Dr. Carl 
Meyer (cf. Nekrolog in Nr. 7) war in Fellin geboren und 
hatte seine medicinische Ausbildung in Dorpat erhalten, wo 
er von 1857 an mit Unterbrechung studirte. Nach Erlangung 
des Arztgrades im Jahre 1874, war M. mehrere Jahre Stadt¬ 
arzt zu Katharinenstadt (Gouv. Ssamara), dann kurze Zeit 
zn Balaschow (Gouv. Ssaratow), um dann 1879 nach Livland 
überzusiedeln, wo er als Kirchspielsarzt ln Ronneburg bis 
zu seinem Lebensende fungirte. — 2) In Moskau am 14. Fe¬ 
bruar der Arzt des Lefort’scben städtischen Ambulatoriums 
Dr. E. W oinow im 41. Lebensjahre am Flecktyphus, den 
er sich bei Ausübung seines Berufes zugezogen hatte. Der 
Verstorbene, welcher seit Absolvirung seiner Studien an der 
Moskauer Universität im Jahre 1889 Arzt in städtischem 
Dienst nnd zugleich auch an mehreren Asylen war, hat 
seine Frau mit zwei unerzogenen Töchtern ganz mittellos 
hinterlassen. — 3) In Kostroma der Senior der dortigen 
Aerzte Dr. Wilhelm Drümpelmann im Alter von 74 
Jahren. Die ärztliche Praxis hat der Verstorbene seit 1854 
ausgeübt. — 4) ln Marburg der ausserordentliche Professor 
der Gynäkologie Dr. Heinrich Labs,64 Jahre alt Vor 
einigen Jahren veröffentlichte er eine Schrift, in welcher er 
für die Verstaatlichung des Medicinalwesens eintrat. — 5) In 
Prag der Oberstabsarzt Dr. Irnaz Rex, welcher viele 
Jahre hindurrh Präsident des Prager medicinischen Doctor- 
colleginms und Vorsitzender des «Vereins deutscher Aerzte 
in Prag» war, im 79. Lebensjahre. — 6) In Wien der be¬ 
rühmte Afrikaforscher Dr. E m i 1 H o 1 u b im Alter von 56 
Jahren an den Folgen der Malaria, die er sich in Südafrika 
zugezogen hatte. Von Hause aus Arzt, erwarb er sich die 


Mittel zu seinen Forschungen in den Zwischenzeiten der ein¬ 
zelnen Expeditionen durch ärztliche Praxis in Südafrika. 

— Z n m Director des Münchener städtischen 
Krankenhauses ist an Stelle des verstorbenen Professor 
v. Ziem säe n der Vorstand der propädeutisch-medicinischen 
Klinik in diesem Krankenhause Prof ord. Dr. J. Bauer 
gewählt worden. 

— Die bei der hiesigen (russ.) medicinischen Gesellschaft 
anf den Namen Prof. Sklifassowski’s gestiftete Prä¬ 
mie, welche alljährlich für den besten in den Sitzungen der 
Gesellschaft gehaltenen Vortrag über ein chirurgisches Thema 
verlieben wird, ist diesmal zwischen den Doctoren J. J. 
Grekow und N. N. Gurewitsch getheilt worden. 

(Knrjer. — R. Wr.) 

— Sämmtliche Landschaftsärzte des Kreises Nowedjewizk 
im Gouvernement Woronesh haben in Folge eines ohne Hin¬ 
zuziehung der Aerzte gefassten Beschlusses der örtlichen 
Landschaftsversaramlnng, einen homöopathischen Arzt im 
Landschaftsdienst anzustelleu, Ihren Dienst gekün¬ 
digt, da es ihrer ärztlichen Würde nnd den wissenschaft- 
lieben Principien widersprechen würde, mit einem Homöopa¬ 
then in einer nnd derselben communalen Institution zusammen 
zu dienen. Eine Resolution des Landscbaftsamtes auf diese 
Eingabe der Aerzte, ist — soviel ans bekannt — bis jetzt 
noch nicht erfolgt. 

— Der Lodzer Grossindustrielle Emil Geyer hat dem 
dortigen Arzt Dr- Jonscher 10,000 Rbl. eingehändigt mit 
der Bestimmnng diese Summe zom Bau eines Kinder¬ 
hospitals in Lodz zu verwenden. Dr- Jonscher hat 
seinerzeit 500 Rbl. ebenfalls zn diesem Zweck gespendet 

— Der verstorbene Moskauer Crösus K. T. Soldaten- 
kow hat der Moskauer Universität 65,000 Rbl. testa¬ 
mentarisch vermacht, deren Zinsen zu 2 Stipen¬ 
dien injeder Facultät verwandt werden sollen. 

— Die Leipziger Universität hat Bich neuerdings 
den Massnahmen der prenssiseben Hochschulen gegenüber den 
auf rassischen Schulen vorbereiteten Stu¬ 
dentinnen angeschlossen. Gemäss einem Beschluss des 
Leipziger medicinischen Senats sollen auch dort vom nächsten 
Semester an alle Damen, die nur auf russischen 
Schalen vorbereitet sind, nicht zom Stadium 
zugel assen werden, da Reifezeugnisse von 
rossischenSch ulen als nicht genügend be¬ 
fanden worden sind. — Dass Deutschland zu solchen 
Massnahmen vollständig berechtigt ist, wird von verständi¬ 
gen rassischen Blättern zugegeben, da ja anch in Russ¬ 
land das Reifezengniss einer deutschen Mit¬ 
telschale gar keine Giltigkeit hat und Auslän¬ 
der nur dann in russische Hochschulen eintreteu können, 
wenn sie das Maturitätsexamen nach russischem Programm 
abgelegt haben. 

— Für die Sitzungen des vom 6.-9. März d. J. hier tagen¬ 

den pharmaceutischen Congresses zum An¬ 
denken an das 200jäbrige Bestehen der rusii- 
schenApotheke and Pharma eje, welche im grossen 
Auditorium der Kais. Russischen technischen Gesellschaft Im 
Salzdepot stattfinden werden, ist, wie wir aus dem Verzeich¬ 
niss derselben ira «Pharm. Journal» ersehen, eine stattliche 
Zahl von Vorträgen (darunter aach von MedJcinern) an ge¬ 
meldet worden. Die Aufnahme in die Zahl der Congressmlt- 
glieder nnd die Entgegennahme weiterer Anmeldungen von 
Vorträgen wird bis zum Beginn des Congresses noch fort¬ 
gesetzt Bf. 

— Die Gesammtzahl der Kranken in denCivil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 9. Feb. 
d. J. 8006 (31 mehr als in d. Vorw.), darunter 497 Typhös — 
(8 wen.), 823 Syphilis — (22 mehr), 289 Scharlach — (1 wen.l 
134 Diphtherie — (8 wen.). 54 Masern — (10 mehr) nnd 38 
Pockenkranke — (2 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 3. bis zum 9. Februar 1902. 
Zahl der Sterbefftlie: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 

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60 

64 

55 

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St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


2) nach den Todesursachen: Nächste Sitzung des Vereins St. Peters* 

Typh. exanth. 2, Typh. abd. 15, Febris recurrens 0, Typhus burger Aerste: Dienstag den 10. Februar 1902. 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 1, Masern 10, Scharlach 13. 

Diphtherie 17, Croup 1, Keuchhusten 9, Croupöse Lungen- Tagesordnung: 1) Fick: Ueber Peritonitis adhäsiva. 
entzfindung 33, EryBipelas 2, Grippe 13, Cholera asiatica B1 e 8 8 i g: Ueber Enncleation und 

0, Ruhr 2, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu- v scera ton es ugea. 

1 Parotitis epidemica 0 , Rotakrankheit 0, Anthrax 0, ^ Nächste Sitzun« des Deutschen ärztlichen 

Hydrophobie 1, Puerperalfieber 3, Pyämie und Septicaemle 7, 

Tuberculose der Lungen 103, Tnberculose anderer Organe 20, Vereins: Montag den 11. März 1902. 

Alkoholisrnns und Delirium tremens 4, Lebensschwache und 

Atrophia infantum 48, Marasmns senilis 28, Krankheiten der — 

Terdannngsorgane 57, Todtgeborene 38. 



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(98); Nr. .56 d. A. M C. Z. (99); Nr. * 
d. A. B. C. (99); Nr. 17 der Wiener Med. 
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decive , 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
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tiii Paul; Diijardiii-Beaiimetz, Medicatiou* 
uoureden, 2. sei ie; Bibliotlieque Oharcot- 
Dcbove, Piirf/niifs , p. 104: Prof. Leiuoine. 
IJlle, Tlteritpeuliqite eliint/ue, p. 305: Tison, 
höpital St. Joseph et Congres ponr l’avan- 
cement des Sciences, Bordeaux, 1895, 
Theil I p. 903: Prof. Charles, de Liege, 
Cottrs d'neeourhemetd* etc., etc.) 


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Durch Erlass vom 20. Apiil 1900 haben der Mrdicinalrath und der Minister des Tnnern das «.Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebrauch zugelassen. (29) 52— 3. 


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Adressen von Krai kenpfiegerinnen: 

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Ho«b. ueHB. Cnß.. 25 «PeBpaafl IWi# r. Herausgeber I)r. Rudolf Wanach- Buchdruckerei v. A. Wieuecke. Katharineuhofor Pr. >4 15. 


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XXVII. JAffltflAM. ST PßTfiRSBDRGEH * ene Folge XIX. Jahrg. 

MED1GIIISGIE WOGEENSGIRIFT 

unter der Red&ction von 


Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg:. 


Die «8t. Petersburger Medieioiache Wochenschrift* erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonneaentspreif ist in Russland 8 Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr inel. Postsnstellnng; in den anderen 
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für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 25 Separatabs&geihrer Originalartikel sngesAndt— 
Referate werden nach dem Satse von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


W Abonnements-Aufträge sowie alle Inserats 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von R. L. Bioker in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectM14, su richten.—Xanusoripte 
sowie alle anf die Redaction besäglichen Mittheilungen bittet man an 
den gesehäftsf&hrendenRedacteur Dr.RudslfWanaobinSt.Pe- 
tersbnrg, Petersburger Seite, Peter-Panihospital sn richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 3—3 Uhr. 


J« 9 


St. Petersburg, 2. ( 1 Ö.) März 


1902 


Inhalt: Dr. med. L. Israelson: Ueber Operationen unter regionärer Cocain-Anästhesie. — Böcheranzeigen und 
Besprechungen: Der Hypnotismus, von Dr. L. Löwen leid. — Beiträge zur Kenntniss der Oiftspinnen von Prof. Dr. R. 
Kobert. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Bericht über die wissenschaftliche Thätig- 
keit des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Protokolle des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. — 
Protokolle des XIII. Aerztetages der Gesellschaft Livländischer Aerzte in Riga. — Vermischtes — Morta¬ 
litäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber Operationen unter regionärer Cocain- 
Anästhesie. 

(Vortrag, gehalten auf dem XIII. Livl. Aerztetage zu Riga.) 

Von 

Dr. med. L. Israel so n. 

Meine Herren I 

1887 gelang es Corning durch Injection einer Co¬ 
cainlösung in die Umgebung eines sensiblen Nerven die 
ganze Anfpinselnngsregion desselben' anästhetisch zo 
machen. 

Von diesem Versuch ausgehend empfahl Oberst 
(Halle) mehrere Jahre vor Veröffentlichung der 
Schleich 1 sehen Infiltrationsanästhesie seine Methode 
der regionären Cocain-Anästhesie, welche zwar nur in 
bescheidenen Grenzen anwendbar, jedoch innerhalb der¬ 
selben von sicherem Erfolge begleitet ist. 

Obwohl die Oberst’sche Methode 1890 von Per- 
nice’) empfohlen wurde und auch sonst noch hin und 
wieder kleine Notizen in medicinischen Zeitschriften 
sich anerkennend über dieselbe aussprachen, wurde sie 
doch verhältuissmässig selten angeWendet. 

Erst nachdem die Schle i ch’sehe Methode Allge¬ 
meingut des praktischen Arztes zu werden begann und 
es sich bei Anwendung derselben herausstellte, dass die 
Infiltrationsanästhesie gerade bei den vom praktischen 
Arzte am häufigsten ausznführenden chirurgischen Ein¬ 
griffen, den Operationen bei phlegmonösen Entzündungen 
an Fingern und Zehen, resp. Hand und Fuss, technisch 
äusser&t schwierig zu erreichen, ja häufig unausführbar 
ist, griff man auf die ältere Schwester der Schleich- 
sehen Methode zurück. 

Im Jahre 1897 und 1898 erschienen die Arbeiten von 
Braun 1 ), Honigmann"), M a n z *), B r i e g l e b 5 ), 
Güster®), welche sämmtlich die Oberst’sche regio¬ 
näre Cocain-Anästhesie in anerkennendster, ja enthusias¬ 
tischer Weise empfahlen. Besonders viel zur Verbrei¬ 
tung dieser Methode hat wohl die zweite Arbeit 
Braun’s über diesen Gegenstand beigetragen, die un¬ 


ter dem Titel: «Ueber Infiltrations-Anästhesie und re¬ 
gionäre Anästhesie» in der V o 1 k m a n n ’schen Samm¬ 
lung klin. Vorträge 1898 erschienen ist. 

In seinem Vortrage anf dem vorigen Aerztetag streifte 
College Kupffer die Oberst’sche Methode, ohne sie 
jedoch zu empfehlen, resp. eigene Erfahrungen anzu¬ 
führen. In der Discussiou wurde die Oberst’sche 
Methode überhaupt nicht erwähnt. 

Gestatten Sie mir nun io Kürze das Wesen, die Tech¬ 
nik, die Indicatiouen dieser Methode sowie meine eige¬ 
nen Erfahrungen mit derselben zu berühren. 

Das Wesen der regionären Anästhesie besieht darin, 
dass centralwärts vom Operationsterrain der dasselbe 
versorgende sensible Nerv durch Cocaininjection anästhe¬ 
tisch gemacht wird, nachdem durch vorhergehende Ab¬ 
schnürung centralwärts von der Einstichstelle die Re¬ 
sorption der Injection8fltlssigkeit verhindert worden ist. 
«Der pathologische Herd wird also vom Gehirn ge- 
wissermassen isolirt». (Custer.) 

Diese Anästhesie betrifft sämmtliche Qualitäten der 
! Empfindung (Schmerzgefühl, Tast- und Temperatursinn) 
nnd bezieht sich auf alle Tlieile des betreffenden Gliedes, 
Haut, Fascie, Periost, Gelenke, Knochen. Sie schwin¬ 
det erst einige Minuten nach Unterbrechung der Um¬ 
schnürung. Braun sagt: «Die Methode ist ideal, weil 
durch Einverleibung einer minimalen nnd ungefährlichen 
Menge eines Anästheticums fern vom Operationsterrain 
ein ausgedehnter Bezirk des Körpers in allen seinen 
Theilen unempfindlich gemacht werden kann, und sie 
■ist von grosser praktischer Bedeutung, weil sie, tech¬ 
nisch sehr einfach, gerade für Körpertheile sich eignet, 
die der Infiltrationsanästhesie viel schwerer zugänglich 
sind und weil die meisten Operationen, die an einem 
Tage in der Welt gemacht werden, vermutlich die 
Finger betreffen». 

Was die Technik der regionären Anästhesie betrifft, 
so kann sie am besten durch die Schilderung der Ope¬ 
ration eines Panaritiums des Fingerendgliedes erläutert 
werden. Die hier geschilderte Technik entspricht nitht 


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76 


ganz der ursprünglichen Oberst’schen Vorschrift, son¬ 
dern ist sehr zweckmässig durcli Braun modificirt 
worden. Es kommen auch einige Aenderungen hinzu, 
wie sie sich mir im Laufe der Zeit als praktisch erwie¬ 
sen haben. 

Nachdem die Basis des Fingers aseptisch gemacht 
worden, wird ein dünner Gumraischlauch oder ein steri¬ 
ler, Gazestreifen um die Fingerbasis geschlungen und am 
Handgelenk geknüpft. Abklemmen mit einem Kö- 
berl6 statt des Kntlpfens empfiehlt Honigmanu. 
Die Abschnürung muss stark genug sein, um die Blut¬ 
zufuhr zu hemmen, was bei Fingern und Zehen leicht 
erreicht wird und keinen übermässigen Zug, der unnütz 
zu Nervenquetschungen führen könnte, erfordert. Die 
Injection wird mit einer Pravatzspritze, am besten mit 
einer ganz aus Metall gefertigten mit sehr feinen und 
scharfen Canülen ausgeführt und zwar gebrauche ich 
ausschliesslich sterilisirte */ 2 P roc - Cocainlösung mit phy¬ 
siologischem NaCl-Zusatz. Braun fordert frisch be¬ 
reitete nicht abgekochte Lösung. Ich habe aber zuwei¬ 
len monatealte und stets im Wasserbade sterilisirte 
Lösungen mit bestem Erfolge gebraucht. Oberst 
empfahl 1 proc. Cocainlösung, Braun '/* proc. Tropa- 
cocainlösuDg oder 1 proc. Eucain-B-Lösung, die aus¬ 
kochbar und haltbarer sein sollen. Die Injection er¬ 
folgt peripherwärts von der Einschnürung, möglichst in 
der Nähe der Nervenstämme an der Basis des Fingers, 
etwa in der Milte des ersten Fingergliedes. Es kommen 
hier 3 paarige Nervenstämme in Betracht. 

«Das stärkste Paar liegt», nach Braun’s Schilde¬ 
rung, «volarwärts neben den ßeugesehnen; von ihm 
zweigt sich sehr hoch nach oben ein zweites Paar ab, 
das sich allmählich auf die Dorsalseite begiebt und die 
Streckseite des 2. und 3. Fingergliedes innervirt. End¬ 
lich liegen unter der Haut der Streckseite 2 feine Ner¬ 
venäste, die gewöhnlich nicht über das erste Glied hin¬ 
aus zu verfolgen sind. 

Man kann also durch Injection allein auf der Beuge¬ 
seite des Fingers auch die Streckseite des 2. und 3. 
Gliedes des Fingers insensibel machen, thut aber gut, 
stets auch die Anastomosen der Nerven auf der Streck¬ 
seite auszuschalten. 

Man darf nicht in die Volarseite der Finger ein¬ 
stechen, wählt hierzu vielmehr die viel weniger empfind¬ 
lichen seitlichen Partien der Streckseite*. 

Hier sticht man, mit oder ohne den Chloräthylspray 
anzuwenden (ich halte denselben für überflüssig), die 
Canüle spitzwinklig zur. Längsachse des Fingers rasch 
ein, .schiebt sie, neben dem Knochen vorbei, gegen die 
Mitte der. Volarseite des Fingers vor; wenn ihre Spitze 
dort unter der Haut fühlbar wird, zieht man sie zu¬ 
rück r und während des Vorschiebens und Zurückziehens 
entleert man einige Tropfen der Lösung. Ebenso ver¬ 
fährt rpan auf der anderen Fingerseite, schliesslich 
schiebt man die Canüle quer unter die Haut der Streck¬ 
seite des Fingers lind entleert auch, hier einige Tropfen. 
1 Gramm der Lösung,,(also 0,005 Coc.) genügt für alle 
3 Einstiche, Es findet nun ein peripherwärts fortschrei¬ 
tendes Schwinden der Sensibilität statt. Nach längstens 
5 Minuten ist die Anästhesie des gesammteu Finger- 
querschnittes eine totale, was durch Nadelstiche nach¬ 
geprüft werden kann. 

Jetzt lässt sich die sonst so schmerzhafte Reinigung 
des .Operationsfeldes vornehmen, das Panaritium spalten, 
auslöffelu, ein etwaiger Sequester extrahiren event. das 
Fingerglied amputiren, austupfen, tamponiren oder nähen, 
ohne dass der Patient auch nur die Spur von Schmer¬ 
zen empfindet. Man löst nun die Umschnürung, stillt 
die Blutung und hat noch reichlich Zeit den Verband 
anzulegeu, da sich die Sensibilität erst mehrere Minu¬ 
ten nach Lösung der Umschnürung wiederhersteljt. 


Die regionäre Anästhesie ist aber nicht auf Finger 
und Zehen beschränkt, sie lässt sich auch- auf Hand und 
Fuss in loto ausdehnen. Erfolgreiche Versuche sind 
iu der Kraske’schen Klinik von Otto Manz ge¬ 
macht worden. Die Brauchbarkeit der Methode, die 
noch weiter auszubilden ist, kann ich voll bestätigen. 
Iu der Gegend des Handgelenkes treten alle sensiblen 
resp. gemischten Nervenstämme ziemlich an die Ober¬ 
fläche. Sie lassen sich von der Injectionsflüssigkeit er¬ 
reichen. Wir können die ganze Hand insensibel machen, 
wenn wir folgende 4 Nervenstämme aoästhesiren: 1) 

den Medianusstamra. Wir treffen ihn dort, wo er zwi¬ 
schen Muse, radial, int. und Muse. flex. digitor subl. 
unter das Lig. carpi trausversum tritt; 2) den Hohl¬ 
handast des Ulnar, dort, wo er radialwärts vom Os 
pisif. vom Muse. palm. brevis bedeckt über das Lig. 
carpi trausversum hin in die Hohlhaud verläuft. Hier¬ 
mit ist die gesammte Hohlhand, der radiale wie auch 
der ulnare Theil anästhesirt. 3) Um den Handrücken 
zu auästhesiren, muss man den Rückeuast des N. nl- 
naris dort treffen, wo er zwischen der Sehne des Muse, 
ulnar, intern, und dem unteren Ende der Ulna die 
Fascie durchbohrt; hierdurch wird der uluare Theil 
des Handrückens insensibel. Um schliesslich 4) dies für 
die radiale Seite des Handrückens za erzielen, trifft 
man ebenso leicht wie den Ulnarast den Handrückenast 
des N. radialis und zwar den oberflächlichen ; der tiefe 
ist rein motorisch. 

Auf diese Weise kann man durch einzelne oder durch 
alle 4 der geschilderten Einstiche Theile der Hand oder 
dieselbe in toto anästhesiren und sämmtlicbe in Betracht 
kommenden Operationen an denselben ausführen. 

Hierbei,nimmt man aber praktischer ,1 proc. Cocain¬ 
lösung und muss selbstverständlich läuger warteu bis 
mau die Operation beginnt. Es erhellt nämlich aus den 
hübschen Custer’schen Versuchen, dass je grösser die 
Entfernung der Injectionsstelle vom Operationsterrain 
ist, desto mehr Zeit vergeht bis die Fernwirkung ein¬ 
getreten und dass auf der grossen Strecke die Cocain¬ 
lösung eine Verdünnung durch die Gewebssäfte erleidet. 
Man hat im Allgemeinen 10—20 Minuten zu warten. 
Den Zeitpunkt der eingetreteuen Anästhesie ergiebt die 
Prüfung mit leisen Nadelstichen. 

Ebenso wie die Haod lässt sich auch mutatis mu- 
tandis der Fuss anästhesiren. 

Bei einer Durchschneidung der Sehne des Exsteüs. 
pollic. long. im Gebiete des Metacarp. deckte Manz 
durch Längsschnitte die Sehnenstümpfe auf, mobilisirte 
und vereinigte dieselben und schloss die Haut durch 
Naht, ohne dass der Verletzte Schmerz empfand. 

Am Fusse operirte er 2 Fälle von metatarsaler Ca- 
ries, entfernte die grosse Zehe mit ihrem Aietatarsai- 
knocheu und löste die Keilbeine aus. Die Unterbindung 
der Arter. tibial. ant., Auslöffelung verschiedener Herde, 
Vernähung des grossen inneren Hautlappens kamen 
hinzu. Während der Stunde, die vom ersten Haut; 
schnitt bis zur letzten Naht verstrich, lag der Kranke 
regungslos, wie ein Chloroforrairter. 

Auf eine während der Operation an ihn gerichtete 
Frage gab er klare Antwort und als ihm schliesslich 
die Decke von den Augen genommen wurde, bestätigte 
er von allem, was mit seinem Fusse geschehen, keine 
Ahnuug zu haben — so schildert Manz den Verlauf 
dieser Operation. Der einzige Vorwurf, den man dieser 
Methode macht, betrifft den Druckschmerz, den ,die 
elastische Ligatur bewirkt. Doch lässt sich dieser 
Schmerz ganz oder fast ganz verhüten, wenn man nicht 
unnötigerweise zu fest comprimirt, Zerruugea der 
Haut durch Faltung derselben, wie sie bei nicht sorg¬ 
fältiger Tourenführung Vorkommen können, vermeidet 
und Knochenvorsprünge berücksichtigt. 


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Was die Indication für die regionäre Anästhesirung 
betrifft, so ist sie bei denjenigen Hand* und Fussopera- 
tionen angezeigt, bei denen sich die S c h I e i c h’sche 
Infiltration verbietet oder zu schwierig gestaltet. 

Es sind das in erster Linie der entzündliche Process 
resp. Phlegmone an Hand und Fuss, an Fingern und 
Zehen, bei deren Infiltration man, wie Braun ganz 
richtig bemerkt, «fortwährend in Gefahr kommt, in die 
eitrig inficirten Gewebe hineinzustechen und vorher ge¬ 
sundes Gewebe zq inficiren. Zudem ist das Infiltriren 
eines geschwollenen und an und für sich schon ödema- 
tösen Handtellers technisch so schwierig, dass man gern 
davon zu Gunsten der regionären Anästhesie absteht». 
Honigmann hält mit Recht den Bauchschnitt unter 
Infiltrationsanästhesie für einfacher ausführbar als die 
Operation eines Panaritium oder eingewachsenen Na¬ 
gels. Ferner ist die regiöuäre Anästhesie angezeigt bei 
verschiedenen Verletzungen der Hand und des Kusses, 
wie Quetschungen, Gefässzerreissungen, Knochensplitte¬ 
rungen, schliesslich unter Umständen bei Extraction von 
Fremdkörpern. 

Was endlich meine eigenen Erfahrungen mit der re¬ 
gionären Anästhesie betrifft, so habe ich seit 2 Jahren 
alle Panaritien mit ihren Folgezuständen mit vorzüg¬ 
lichem Erfolge nach dieser Methode operirt. Der ein¬ 
gewachsene Nagel lässt sich geradezu ideal entfernen, 
das ganze Nagelbett schmerzlos abtragen. 

Regionäre Anästhesie vom Hand- resp. Fussgelenk 
aus übte ich mit bestem Erfolge bei 2 Panaritien an 
der Zeigefingerbasis und einem in der Uohlhand mit 
consecutiver Sehnenscheidenentzündung. Das Panaritium 
wurde durch Kreuzschnitt geöffnet, die Sehnenscheiden 
•weithin in die Vola manus gespalten. — Am Fusse 
habe ich eine grosse Zehe im Tarso-metatarsalgelenk 
exarticulirt, ferner bei einem Beilhiebe mit vielfacher 
Knochensplitterung die Splitter entfernt, spritzende Ge- 
fässe unterbunden, die Sehnennaht gemacht und die 
Haut vernäht, schliesslich einen grossen, tief zwischen 
Metatarsns 1 und 2 eingedrnngenen Splitter extrahirt. 

Wenn obige Ausführungen die Herren Collegen be¬ 
sonders in den kleinen Städten und auf dem Lande 
dazu anregen, die Oberst’sche Methode im gekenn¬ 
zeichneten Rahmen anzuwenden, so ist der Zweck dieses 
Referates erreicht. Sie werden bald treue Anhänger 
dieser bisher noch wenig geübten Methode werden. 

Literatur 

1) Pernice: Deut. med. Wochenschr. 1890, Nr. 14. 

2) Braun: «Ueber Infiltrationsanästhesie und regio¬ 
näre Anästhesie». Sammlung klin. Vorträge Nr. 228 
(Heft 18, Serie 8). 

3) Honigmann: «Zur Localanästhesie». Central¬ 
blatt für Chirurgie 1897, Nr. 51. 

4) Manz: «Ueber regionäre Cocainauästhesie». Cen¬ 
tralblatt für Chirurgie 1898, Nr. 7. 

6) Briegleb: «Schleich oder Oberst?» Zeit¬ 
schrift für praktische Aerzte 1898, Nr. 7. 

6)Custer: «Cocain oder Infiltrationsanästhesie». 
Bosch, Schwabe 1898. 


BUcheranzeigen und Besprechungen. 

Der Hypnotismus, von Dr. L. Löwenfeld. (Wiesbaden 
1901. Bergmann). 

Der Verfasser dieses Werkes ist schon geraume Zeit auf 
dem Gebiete der Psychotherapie thätig; in geschickter Weise 
hat er es verstanden, in seinem neuen Werke die reiche ei¬ 
gene Erfahrung zu verwerthen, ohne fremde Verdienste zu 
schmälern. Im Gegentheil, Ref. bat selten eine so vorurteils¬ 
lose Wiedergabe mit gleich sorgfältiger kritischer Sichtung 
der, überreichen Literatur auf dem Gebiet des Hypnotismus 
und seiner Nachbardisciplinen vereint gefunden. Wer nicht ' 


einseitig somatische Medicin treiben will — zum Schaden 
seiner Mitmenschen, der sollte sich durch einen Blick in die 
reiche Welt der Psychotherapie an der Hand des vorliegenden 
Buches Ver8tändni88 aneigneu für die complicirten Abhängig¬ 
keitsverhältnisse der Psyche und des Soma. 

Voss. 

Beiträge zur Kenntniss der Giftspinnen von Prof. Dr. R. 
Kobert. Mit 14 Tafeln im Text. (Stuttgart, Verlag 
von Ferdinand Enke. 1901). 

Die bereits in Dorpat begonnenen Versuche über 
russische Giftspinnen hat Prof. Kobert jetzt mit anderen 
Versuchen über verschiedene giftige Spinneuarten veröffent¬ 
licht. Es ist eine grosse Arbeit, welcher sich der Verfasser 
unterzogen hat, besonders wenn man sich vergegeuwärtigt, 
welche Mühe es ihm gekostet hat, sich das nöthige Material 
zn verschaffen, es ist daher verständlich, dass die bereits vor 
13 Jahreu begonnenen Untersuchungen jetzt erst zum Ab¬ 
schluss gebracht werden konnten. Was den historischen Theil 
anbetrifft, so ist derselbe mit der dem Verfasser eigenen Gründ¬ 
lichkeit und Genauigkeit bearbeitet worden, und wir erfah¬ 
ren, dass bereits Socrates und sein Zeitalter die Gefährlich¬ 
keit des Spinnenbisses sehr wohl kannte. Aristoteles unter¬ 
schied schon verschiedene Spinnenarten, und die Apotheker 
wandten als Heilmittel gegen den Biss «Spinnen an. Die Ge¬ 
schichte, die bis zur Jetztzeit fortgeführt ist, enthält vieles 
Interessante, besonders für den Medicohistoriker. Die Versuche 
mit Auszügen ergeben, dass die Spinne ein Gift enthält, «welches 
das Herz und das Centralnervensystem mit oder ohne vorherge¬ 
hende Erregung der motorischen Centra lähmt. Ist die Menge 
des Giftes, welche in direkte Berührung mit dem Blute kommt, 
gross, so kann es auch zur Hämolyse und Gefässthvombose kom¬ 
men. Das Gift ist ein Gifteiweiss oderein giftiges Ekzym». Was 
die Therapie der Lathrodectesbisse aubetrifff so sind'Schwitz¬ 
kuren und Narcotica anzuwenden; local Incisionen, Aetz- 
mittel, Einstreuen von Kaliumpermanganatpnlver. Den Schluss 
der Arbeit bilden Untersuchungen über einige in Deutschland 
vorkommende Spinnen, Chiracanthium nutrix, über Epeiren, 
besonders über Epeiradiadema und einige andere Gattungen. 
Das Werk, welches dazu bestimmt ist, bei dem immer lebhafter 
werdenden Verkehr Deutschlands mit Eidgegenden, wo ge¬ 
fährliche Giftspinnen häufig sind, die Frage der Spinnen- 
vergiltung in den Deutschen Colonien in Fluss zu bringen, 
wird nicht verfehlen sich in Fachkreisen die vollste und 
ungetheilteste Anerkennung zu erwerben. 

Fr. Mühlen. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

61*9. Sitzung den 27. November 1901. 

Vorsitzender: T i 1 i n g. Secretär : Albanua. 

1. Horn: Demonstrationen von: a) Dupuytren’scher 
Contractur. b) 2 Fälle von Poliomyelitis ant. 

2. Fick: «Ueber die chirurgische Therapie bei Ulcus 
ventriculi». 

.3- K all me y er: «Bericht über das erste Jahr der 
Thätigkeit der Heilanstalt». 

700. Sitzung den 11. December 1901. 
Vorsitzender: Tiling. «Secretär: Albanus. 

1. H e n k i n g: «Thrombose des Sinus cavernosus». 


Bericht Ober die wissenschaftliche Thätigkeit des Vereins 
St. Petersburger Aerzte für das Jahr 1901. 

Im Laufe des Jahres 1901 hielt der Verein 16 wissenschaft¬ 
liche Sitzungen ab, in welchen von 18 Mitgliedern und 1 Gast 
29 wissenschaftliche Mittheilungen gemacht, 14 Patienten vor¬ 
gestellt und zahlreiche Präparate und Abbildungen demonstrirt 
wurden. 

Die Vorträge vertheilen sich folgendermassen auf die ein¬ 
zelnen Disciplinen: 

Innere Medicin. 

Albanus: «Ueber einen eigenartigen Fall von Abdorai- 
naltyphus». 

Fuhrmanu: «Ein Fall von Bradycardie». 

E. Moritz: «Ueber Lebensprognosen». 

0. Moritz: «Die körnige Degeneration der rothen Blut¬ 
körperchen». 

Westphalen: «Ueber Ulcus ventriculi». 

» «Ueber die Untersuchung der Faeces». 


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Nervenheilkunde. 

Horn: «2 Fälle von Poliomyelitis anterior». 

Ho ndoegger: «Ein Fall von Priapismns». 

C h i r n r g i e. 

Fick: «Ueber das Auftreten von peptischen Geschwüren 
im Anfangstheil des Jejnnum und an der Anastomose nach 
Gastroenterostomie wegen Ulcus ventriculi». 

Fick: «Ueber Galleurückfluss nach Gastroenterostomie». 

Fick: «Ueber die chirurgische Therapie bei Ulcus ven- 
tricull». 

Hagentorn: «Pes varus dynamicus acutus». 

Hagentorn: «2 Fälle von Magensarkom und ein Fall 
von Ulcus ventriculi perforativum bei Gastritis chronica sy¬ 
philitica». 

H e n k i n g : «Ueber Thrombose des Sinus cavernosus». 

Horn: «Ein Fall von Dupuytren’scher Contractur». 

K r e p s: «Urologische Beobachtungen». 

Weber: «Ueber Peritonitis pseudomyxomatoBa». 

Weber: «Ueber acute Osteomyelitis der W irbelsftule». 

Gynäkologie und Geburtshilfe. 

Beckmann: «Einige klinische Beobachtungen über Ute- 
roskrebs». 

Dobbert: «Ueber die Therapie in frühen Entwickelungs¬ 
stadien unterbrochener Tubenschwangerschaften». 

Ohren-. Nasen - und Rachenkrankheiten. 

L u n i n: «Ueber Blutungen nach Operationen der ade¬ 
noiden Vegetationen». 

Hautkrankheiten und Syphilis. 

Petersen: «Demonstrationen von einer Reihe von Lu¬ 
puskranken, je einen Fall von Lupus erythematodes, Lepra, 
Ulcus rodens, Psoriasis, Favus. 

Diversa. 

Eb'erraanln: «Ueber Conservirung der Leichen und ver¬ 
schiedener Präparate nach E. Marini». 

K a 11 m e y e r: «Erster Jahresbericht Uber die Thätigkeit 
meiner Heilanstalt». 


Protokolle 

des deutschen ärztl. Vereins zu St. Petersburg. 

1804. Sitzung am 22. October 1901. 

B1 e s s i g stellt einen Knaben vor mit typischer Tuber- 
kulose der'Conjunctiva: am linken Auge ist die 
ganze Conjunctiva beider Lider, einschliesslich beider Ueber- 
gangsfalten und eines Theiles der Conjunct. bulbi, von aus¬ 
gedehnten speckigen Ulcerationen und welken Granulationen 
eingenommen. Die Conjunctiva secernirt reichlich, die Lider 
sind ödematös geschwollen; dabei besteht auch Secretion aus 
dem Thränensack und der linken Nasenseite. Es ist nicht 
unwahrscheinlich, dass die Conjunctiva hier erst secundär 
von der Nase, resp. von den Thräneowegen aus inftcirt ist; 
eine rhinologische Untersuchung Bteht noch aus. Auf der 
Hornhaut Anden sich oberflächliche Substanzverluste und am 
Hornbantrande oberflächliche Gefässentwickelung (beginnender 
Pannus), sowie eine ganze Reihe kleinster miliarer 
grauer Knötchen, die wohl als Tuberkelknötchen an- 
gesprocben werden dürfen. Von den Lymphdrüsen der ent¬ 
sprechenden Seite sind einige am Nasenwinkel geschwollen, 
die praeaoriculare Drüse aber auffallender Weise nicht er¬ 
heblich vergrÖSBert; ausserdem findet sich eine erweiterte 
Lymphdrüse an der rechten Halsseite. Der Allgeineinzustand 
ist ein reducirter; in den Lungenspitzen feinblasiges Ras¬ 
seln ; Temperatursteigerungen Abends bis 38 °. Das Bild 
der Augenaffection ist so charakteristisch, dass die Diagnose 
auf Tuberkulose gestellt werden darf, trotzdem dass die 
(einmalige) bakteriologische Untersuchung von den Ulcera¬ 
tionen abgeschabter Gewebstbeile einstweilen ein negatives 
Resultat ergeben hat: der Nachweis der Tuberkelbacillen 
soll übrigens bei der Tuberkulose der Conjunctiva besonders 
schwierig sein und auch in unzweifelhaften Fällen nicht 
immer gelingen (Tschemulossow 1 ). Die Therapie ist 
für den vorliegenden Fall noch nicht bestimmt (eventuell 
Tuberkulin?). Der Knabe soll nach einiger Zeit wieder vor¬ 
gestellt werden. 

(Antoreferat). 

Discussion: 

Petersen: Im Allgemeinen wird in den Lehrbüchern 
eine Tuberkulose noch nicht von einem Lupus der Schleim¬ 
häute unterschieden. Die Frage bedarf entschieden der wei¬ 
teren Ausarbeitung, denn Lupus-Affectionen der Schleimhaut 
kommen nicht so selten vor, wie meist angenommen wird. 
Lupus der Gingiva kommt z. B. in c. 10 pCt. der Fälle 


*) lexoiocoBt. Cxyqat TyÖepayxesa coexiHiTexbHofi o6o- 
XOtKM (BfccTH. 0$T*XbXOX. 1900). 


vor; an der Conjunctiva allerdings nicht so häufig. Da¬ 
gegen ist der Lupus der Thränendrüse und des Thränen- 
sackes nicht selten. P. hat im vorigen Jahre 5—6 derartige 
Lupusaffectionen zu beobachten Gelegenheit gehabt ln einem 
Falle von Lupns der rechten Wange, in welchem auch Ver¬ 
dacht auf eine lupöse Erkrankung des Bulbus und der Con¬ 
junctiva vorlag, schwanden jedoch nach geeigneter Behand¬ 
lung des Auges die Röthnng und Schwellung — eine Affec- 
tion des Bulbus liess sich nicht nachweisen. Vor einigen Ta¬ 
gen gab nun Pat. an, dass ihr aus dem Auge etwas heraas- 
gefallen sei. Bei näherer Betrachtung erwies sich der beraas- 
gefalleue Körper als die Linse. (Demonstration). 

Blessig: In dem von Petersen soeben erwähnten 
Falle waren die Augenlider durch Narbenbildung sehr ver¬ 
ändert: an dem einen eingerollt, an dem andern ektropionirt- 
In der Tiefe liess sich an einem Auge ein frisches Staphylom 
constatiren. Es ist wahrscheinlich, dass es an diesem Ange 
nachträglich zur Perforation der Iris und Vorfall der Lina« 
gekommen ist 

Petersen: In Bezug auf die Therapie ist noch zu er¬ 
wähnen, dass Auskratzungen besser unterlassen werden; man 
wendet lieber Milchsäure, Resorzin 30 pCt. u. s. w. an. Die 
beste Behandlung des Lupus ist allerdings die F i n s e n - 
sehe, doch ist dieselbe auf Schleimhäute fürs Erste noch 
schwer anwendbar. 

B1 e 8 8 i g: Primäre Conjunctivaltuberkulose ist recht sel¬ 
ten, ein Ergriffenwerden der Schleimhaut, in Folge von Ver¬ 
breitung eines Lupus der Haut auf die Conjunctiva dagegen 
nicht selten, ln den Handbüchern der Ophthalmologie werden die 
selbstständig auf der Conjunctiva auftretenden tuberkulösen 
ProceBse noch als Tuberkulose der Conjunctiva bezeichnet. 
In der Therapie wird der Anwendung des Jodoform, der 
Auskratzung u. s. w. Erwähnung gethan. Gebrauch von Tu¬ 
berkulin ist bei Affectionen der Lunge, wie auch Kernig 
soeben bestätigt, nicht ohne Gefahr. 

Petersen: Im Blessig’schen Falle sind die sobfe- 
brllen Temperaturen höchst wahrscheinlich auf Lungenaffectio- 
nen zu beziehen. Lupusfälle fiebern aber überhaupt häufig 
und zwar dann, wenn Zerfall eingetreten ist Ist der lupöse 
Process von der Haut anf die Conjunctiva übergegangen, so 
ist es eigentlich ein secundärer Lupus der Conjunctiva; es 
gelangen jedoch auch primäre Lupusaffectionen der Con¬ 
junctiva zur Beobachtung. 

Blessig: Schliesslich ist es ja doch nur eine Frage der 
Terminologie ob diese Fälle als Tuberkulose oder Lupus der 
Coqjunctiva bezeichnet werden. 

Petersen: Unter Lupus verstehen wir bekanntlich einen 
ganz speciellen, in Kuötchenform auftretenden tuberkulösen 
Process. 

L u n i n: Betreffs der Tuberkulinanwendung möchte ich eines 
Falles erwähnen, welcher verdächtiger Lungen wegen im 
Sanatorium Pitkäjärvi behandelt worden war und sich dort 
auch erholt hatte. Als sich Kehlkopfbeschwerden einstellten, 
trat die Pat. ins evangelische Hospital ein, doch erwies es sich, 
dass nicht nur der Kehlkopf, sondern auch der Pharynx 
afficirt waren. Nach Gebrauch von Tuberkulin schwanden die 
Infiltrationen im Pharynx, so das Pat. ganz gut laryngosko- 
pirt werden konnte. Am rechten unteren Angenlide trat aber 
ein geschwüriger lupöser Process auf. 

Franken häu ser: Unter Einfluss des Tuberkulin ver¬ 
breitete sich anfangs der Process am Augenlide, heilte aber 
später. Pat. ist in diesem Herbst wieder eingetreten mit Nar¬ 
ben im Rachen, Temperatnren von 37,4—37,5 und einem Re- 
cidiv des Lupus am Augenlide. In den Lungen ist Nichts 
nachzuweisen. Es soll jetzt Tuberkulinseife angewandt werden, 
welche eine örtliche Reaction nicht starken Grades hervorru- 
fen soll und aus dem neaen Tuberkulin R hergestellt wird. 

2. Petersen spricht über den gegenwärtigen 
Stand der Lichttherapie nach Finsen. (Erscheint 
im Druck). 

Discussion: 

Dombrowski vermisst im Referate P.’s eine Erwähnung 
der Resultate über Behandlung des Lupus mit Sonnenlicht. 
F i n 8 e n arbeitet im Sommer fast ausschlisslich mit Sonnen¬ 
strahlen. Billiger ist diese Behandlungsmethode allerdings 
auch nicht. Sitzungen werden 2 mal täglich zu je */* Stunden 
gehalten. 

Petersen: Hier in Petersburg haben wir leider nur 
wenig Sonne und hauptsächlich keinen wolkenlosen Himmel. 
Die Apparate zur Sonnenbelichtung sind billiger, es ist aber 
ein grosses Personal nothwendig. Die erzielten Resultate sind 
ebenso gute. Die Sonne enthält noch mehr chemische wirk¬ 
same Strahlen als die elektrischen Lichtquellen. 

U c k e: Derartige Stationen müssten im Osten Russlands 
eingerichtet werden, in Gegenden, wo wochenlang kein Wölk¬ 
chen sich am Himmel zeigt. 

Moritz: Um den Kostenpunkt zu verringern, könnten 
vielleicht automatisch wirkende Kompressore zur Anwendung 
gelangen. 


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Peterien: Die comprimirende Hand durch selbstthätige 
Apparate zu ersetzeu ist versucht worden, hat eich aber nicht 
bewährt. 

Dombrowski ist et erinnerlich, von dem Leiter der 
Finte n’tcben A netalt gehört zu haben, datt Finten 
Epitheliome der Haut jetzt nicht mehr der Lichtbehandlung 
unterwirft. 

Petereen: Finten wendet bei nicht zh auagebreiteten 
Hantepitheliomen auch jetzt noch die Lichtbehandlung mit 
gutem Erfolge an, wie aut den vor einiger Zeit veröffent¬ 
lichten Berichten zu erteben ist 

Director: W. Kernig. 

Secretär: D • b b e r t. 


Protokolle des XIII. Aerztetages 
der Gesellschaft Ltvlftpdlscher Aerzte in 
Riga vom 19.—$2. Juni 1901. 

Im Saale der St. Johannisgilde. 

Erste'' Sitzung. 

Dienstag, 19. Jnni 1901, 9 Uhr Morgens. 

Der Bigatche Kreitarzt Dr. Witenberg eröffnet 
im Aufträge der MedicinalVerwaltung den Aerztetag: 

«Im Aufträge der Medicinalabtheilnng der Livl&ndiacheo 
Gouvernements-Regierung erkläre ich den XIII. Livländischen 
Aerztetag für eröffnet. — Die Medicinal-Abtheilung lässt 
durch mich der Gesellschaft Livländischer Aerzte ihren 
Glückwunsch abstatten zu den Erfolgen, die dieselbe im Laufe 
ihres 13jährigen Bestehens erzielt hat. Ist es doch der Ge¬ 
sellschaft dank der unermüdlichen, aufopfernden Schaffens¬ 
freude ihrer Mitglieder gelungen hochwichtige sociale Fragen, 
wie die Fürsorge für die Leprösen und Geisteskranken, einem 
günstigen Abschluss nahe zn bringen und das Interesse der 
weitesten Kreise für den Kampf mit der Tuberkulose und dem 
Alcoholismus, für das Hebaromeuwesen auf dem Lande, zn 
erwecken. Das hohe Verdienst der Gesellschaft ist es, neben 
rein wissenschaftlicher Arbeit, sich die Lösung gewichtiger 
Fragen, das Allgemeinwohl wie auch das Wohl und die Ver¬ 
hältnisse des ärztlichen Standes betreffend, zur Aufgabe ge¬ 
stellt zu haben. Dieser unentwegten Verfolgung ihrer Ziele 
hat die Gesellschaft es zu danken, dass sie, aus kleinen An¬ 
fängen entstanden, heate als starke, festgeschlossene, ehr- 
furcbtgebietende Körperschaft dasteht. Möge sie auch wei¬ 
terhin, wie bisher, blühen und gedeihen und mit ihren Zielen 
wachsen». 

Dr. Tr e y in a u n spricht Namens der Versammlung den 
tiefgefühlten Dank aus für den durch Dr. Wisenberg über¬ 
mittelten Glückwnnsch der Medicinalverwaltnng und hofft 
zuversichtlich, dass die Gesellschaft Livländischer.Aerzte sich 
stets würdig erweisen werde des Wohlwollens und <J©r ehren¬ 
den Anerkennung, die ihr eben zu Tbeii geworden sei. 

Dr. H. Krannhals — Riga, der derzeitige Präses der 
«Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga» 
bewillkommnet im Namen der letzteren die Versammelten und 
spricht den Wunsch aus, dass die gemeinsame Arbeit nicht 
nur in wissenschaftlicher, in hygienischer nnd volkswirt¬ 
schaftlicher Beziehung reiche Früchte tragen möge, sondern 
namentlich auch wiederum aufs Neue das Bewusstsein der 
Zusammengehörigkeit der Aerzte unter einander, das Gefühl 
für wahre Collegiaiität und Kameradschaft rege machen 
möge. Nur viribns unitis lassen sich im Laufe der Zeit die 
mannigfachen und hohen Ziele erreichen, welche sich der 
Liviändiscbe Aerztetag in seinem idealen Streben gesteckt 
habe. 

1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes. 

a) Dr. T r e y ra a n n , Präses. 

Rechenschaftsbericht 

des Präses der Gesellschaft Livländischer Aerzte für das Jahr 
1900-1901. 

Zum XIII. Aerztetag in Riga, 19., 90., 21., 22. Juni 1901. 

Hochgeehrte Versammlung! 

Im Namen der «Gesellschaft Livländischer Aerzte», die 
heute ihre XIII. Jahresversammlung veranstaltet, nachdem 
sie 12 mal in den kleinen Städten Livlands getagt hat, habe 
ich die Ehre, die zur Eröffnung erschienenen Collegen in 
Riga zu begrüssen und dem Präses der «Gesellschaft prac- 
tischer Aerzte zu Riga» für den freundlichen Willkommgruss 
welchen er uns persönlich dargebracht hat, unseren Dank 
za sagen. 

Die Säcularfeier der alten Hansastadt hat uns hier zusam¬ 
mengeführt Damit ist ein lange gehegter, oft aasgesproche¬ 
ner Wunsch der in unserer Heimath zerstreut lebenden Col¬ 


legen in Erfüllung gegangen- Die Gesellschaft Livländischer 
Aerzte, die ihre Entstehung im Jahre 1888 der Anregung 
einer kleinen Gruppe in Fellin practisirender Collegen ver¬ 
dankt, hat sich unter der Aegide des unvergesslichen Prof, 
v. Wahl und unter der eben so umsichtigen wie thatkräf- 
tigen Leitung des langjährigen Präses Dr. Herman Tru • 
hart zu einer grossen Gemeinschaft entwickelt, die ihre 
Arbeitskraft in den Dienst der sauitären Interessen der Be¬ 
völkerung and der zielbewussten idealen Bestrebnngen des 
ärztlichen Standes gestellt hat Sie hat es für ihre Pflicht 
gehalten, ihre mühsamen und schwierigen Aufgaben bis hiezu 
in den kleinen stillen Centren unseror Heimath zu erledigen, 
wo die Zerstreuungen der grossen Stadt fehlen. Was sie 
bisher in den 12 Jahren ihres Bestehens geleistet bat, ist in 
den jährlichen Rechenschaftsberichten niedergelegt, wie weit 
sie dem erstrebten Ziel nabegekommen, ist ans dein heute 
vorzulegenden Rechenschaftsbericht und aus den Commissions- 
berichten zu ersehen. Wem die Erfolge gering erscheinen, 
der mag bedenken, wie gross die Hindernisse sind, die der 
Pionierarbeit des ärztlichen Standes jederzeit und überall, 
nicht nur bei uns zu Lande, entgegenstehen. Trotz Allem 
hoflfe ich, dass Sie viele unlengbare Erfolge der gemeinsamen 
Thätigkeit unserer zahlreichen opferfreudigen Mitarbeiter, 
die mit Lust and Liebe den Verein gefördert haben, finden 
werden. 

In der Zuversicht, das Vertrauen der Collegen gewonnen 
zu haben, hat die Gesellschaft Livländischer Aerzte be¬ 
schlossen, ihre diesjährige Arbeit an die Stätte der Fest¬ 
freude zu verlegen, der sich der Vorort unserer Heimath, in 
dem berechtigten Bewusstsein einer bedeutsamen historischen 
Entwickelung, bingiebt. Die Freude wird uns den Muth zur 
Arbeit nicht rauben, sie wird ihn erhöhen. Denn wir Aerzte 
sind daran gewöhnt, arbeitend zu geniessen. Nie frei zu 
sein von der Verpflichtung, nnsern Mitmenschen zu helfen, 
ist das schönste Vorrecht unseres Berufs. 

Was man anch sagen mag: es ist gewiss, dass der Bestand 
und Fortschritt der Menschenwelt nur gesichert ist durch die 
gegenseitige Unterstützung, welche die Men¬ 
schen einander gewähren. Unser Blut, vom «Willen zum 
Leben» in Wallung versetzt, macht oft den gegenseiti¬ 
gen Kampf unvermeidlich, nnser Geist stellt die Gewis- 
sensforderung des Mitgefühls, des friedlichen Wettbewerbs, 
der werkthätigen Liebe. Wenn es anch keinem Zweifel zu 
unterliegen scheint, dass die allmächtige Natur im Kampf 
nms Dasein durch «Hunger und Tod» die Schwachen ver¬ 
nichtet und die Starken Überleben lässt, so wird doch die da¬ 
durch erzielte Höberentwickelung der Menschheit nnr von 
der Allwissenheit und Allmacht der Natur zuwegegebracht. 
Nur sie, die Unfehlbare, weiss, wer in Wirklichkeit der 
Schwache oder Starke ist, nicht der unvollkommene Mensch. 
Ihm, dem unzulänglichen, ewig irrenden Menschenkinde gab 
die Matter Natur eine Richtschnur auf den Lebensweg. Sie 
umgab den egoistischen Selbsterhaltungstrieb mit einer stetig 
wachsenden Schranke —der Liebe zn Seinesgleichen. 

Dieser Regulator, dies Correctiv des Egoismus erscheint 
schon in der Thierwelt als «moralischer Instinct» und bildet, 
in langsamer Entwickelung bis zur Höhe der Menschen,velt 
emporwachsend, die Grundlage aller Ethik. 

Wir kennen Alle die Vielgestaltigkeit der menschlichen 
Ethik, die Wandlungen der Motterliebe, der Geschwisterliche’ 
der Nächstenliebe in dem Gemeinschaftsleben der Wilden, de r 
Barbaren and der verschieden gearteten Culturvöiker. Wi r 
erleben täglich in der europäischen Cnlturwelt die ungeheu¬ 
ren, verwirrenden Schwankungen zwischen dem Egoismus 
und Altruismus — aber das eigentliche Wesen, das höchste 
Princip der Ethik steht trotzdem klar und unerschütterlich 
vor Aller Angen. 

Es entfaltet sieb, abzeseben von allen grauen Theorien, 
am grünen Baum des Lebens: Im ärztlichen Beruf 
hat die selbstverleugnende Menschenliebe den umfassendsten, 
alle Zeiten und Völker amspannenden Ausdruck gewonnen. 

Aber diese Gedanken bedurften ja kaum der Worte. Ich 
bin überzeugt, dass sie in Ihnen Allen lebendig sind. Wie 
auch von den Laien iu der Naturwissenschaft, unter ihnen 
sogar von Philosophen, die Selectionstheorie des grossen 
Darwin missverstanden werden mag — in unserem Kreise 
ist dies Missverständnis des «Kampfes um’s Dasein» un¬ 
möglich. Mögen auch Tausende glauben, dass der Altruis¬ 
mus eine Thorheit sei — wir Aerzte wissen es ja seit mehr 
als 2000 Jahren, dass unser Beruf unter der Zustimmung der 
ganzen Menschheit diese sogenannte «Utopie» immer und 
überall verwirklicht. 

Wir werden nicht müde, den Schwächsten nnter den 
Schwachen: den Kranken zn pflegen, zu behandeln, mit 
Aufopferung unserer Gesundheit ia unseres Lebens ihm Hilfe 
zn leisten, anch wenn wir alle Hoffnung schon anfgegeben 
haben. Denn wir erfahren es oft genug, dass unsere Pro- 

f nose uns täuscht, dass der scheinbar- Sterbende auflebt und 
Le Gesunden und Starken überlebt. 


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80 


Durch die Selbstbescheidnng and Aufopferung Bind wir 
Aerzte das, was wir sind, besitzen wir die Zuneigung nnd 
Liebe Aller, ob sie einen Palast oder eine Hütte bewohnen, sind 
wir stark anch wenn wir schwach sind — wenn unsere Dia¬ 
gnosen, Prognosen und Heilmittel versagen. 

Die werktkfitige Menschenliebe ist der feste Boden, aof dem 
wir Aerzte stehen. Sie ist der Krystallisationspnnkt, der uns 
Alle zusammenhält, der ideale Rem nnd das pulsirende Herz 
nnseres Berufslebens, der unverrückbare magnetische Pol, 
dem nicht nnr wir, die heute hier versammelt sind, znstreben, 
sondern um den sich alle echten Berufsgenossen der ganzen 
Welt zusammenBchaaren. 

ln hoc signo vincirous ! 

In diesem Zeichen begrüsse ich Sie, verehrte Collegen, in 
diesem Zeichen danke ich dem gastfreundlichen Entgegen¬ 
kommen der alten Hansestadt, die mir als meiner Vorfahren 
qnd meine eigene Vaterstadt nahe steht, in diesem Zeichen 
wünsche ich gedeihliche wissenschaftliche Arbeit und volle, 
warme Thellnahrae an der Festfreude der Säcularfeier-j 
i ünd wo wir auch Zusammentreffen mögen in diesen Fest¬ 
tagen and in der Zukunft — dessen bin ich gewiss, dass wir 
Alle unsre Fahne hoch halten werden, die Fahne, auf welche 
alle Leidenden, Schwachen und Armen ihre Augen hilfesnchend 
heften — ansere Siegesfahne, die mit dem warmen 
Herzblut der Besten unserer Bernfsgenossen getränkt ist nnd 

immerdar aufrecht stehen wird — trotz Allem! —- 

(Schluss folgt). 


Vermischtes. 


— Am 25- Februar vollendeten sich 80 Jahre seit der 
Professor der Histologie an der Kasanschen Universität, 
wirkt. Staatsrath Dr. Carl Arnstein diesen Lehrstuhl 
bekleidet. — Der Jubilar, welcher im Alter von nahezu 62 
Jahren steht, ist ein Schüler der Dorpater Universität, an 
welcher er von 1858—64 Medicin studirte, worauf er bis 1867 
seine Studien in München; Berlin und Würzburg fortsetzte. 
Nach Erlangung der Doetorwörde in Dorpat im Jahre 1867 
wurde A. 1869 als Prosector der pathologischen Anatomie an 
die Kasansche Universität bernfen, an welcher er 1872 zum 
Professor der Histologie ernannt wnrde. welchen Lehrstuhl 
er .bis zum heutigen Tage inne hat. Die officielle Feier des 
Jubiläums ist wegen Abwesenheit des Jubilars auf einen 
späteren Termin verschoben worden. 

— In Giessen feierte am 1. März n. St. der Senior der 
deutschen Physiologen, Prof. Dr. Conrad Eckhard, 
seinen 80. Geburtstag. Er wnrde bereits im Jahre 1850 
zum Döcfor phil. et med. promovirt, hat aber bis zum heuti¬ 
gen Taee seine Lehrtätigkeit an der Universität Giessen 
beibehalten. 

— Wie der «Nordliv. Ztg.» geschrieben wird, ist der ehe¬ 
malige Dorpater Professor der Histologie, Embryologie und 
vergleichenden Anatomie Dr. Dietrich Barfnrth, zur 
Zeit Professor der Anatomie in Rostock, zum Rector der 
dortigen Universität für das mit dem 1. Juli be¬ 
ginnende RectoratSjahr vom Conseil der Universität gewählt 
worden. 

— In der vorigen Woche wnrde hierselbst das 25jäh- 
rige Jubiläum der ärztlichen Thätigkeitdes 
Directors des hiesigen Alexandra-Stifts für Frauen Dr. Carl 
Wiedemann (nachträglich) gefeiert, bei welcher Gelegen¬ 
heit dem Jubilar von dem Curatorinm des Alexandra-Stifts 
eine Adresse überreicht und zahlreiche Glückwünsche von 
den Collegen. den Angestellten des Alexandra-Stifts und den 
Patienten dargebracht wurden. 

— Der Director der von Kaiser Alexander III. gegründe¬ 
ten Irrenverpflegnngs-Anstalt in Udeln^ja (bei St. Peters¬ 
burg), Staatsrath Dr. Alexander Timofejew, ist zum 
Ehrenleibmedicus des Allerhöchsten Hofes 
ernannt worden, mit Belassung im bisherigen Amte. 

— Tn der zweiten Februarwoche begingen die Professoren 
Dr. Peter Albizki (Patholog an der Militär Medicinischen 
Akademie) und Dr. Michael Afanassjew (Therapeut 
am Klinischen Institut der Grossfürstin ft eie ne Paw- 
1 o w n a) das 25 j äh r i ge Jubiläum ihrer wissen¬ 
schaftlichen und ärztlichen Thätigkeit. 

— Die Berliner Medicinische Gesellschaft 
hat neuerdings die Professoren: Leibarzt v. Leuthold, 
K u s s m a u 1 und v. Recklinghausen zu Ehrenmit¬ 
gliedern gewählt. 

— Die St. Petersburger Medico-Chirurgische Gesellschaft 
begeht am 14. März das 25jährige Jubiläum der 
wissenschaftlichen Thätigkeit ihres Präsi¬ 
denten Prof. N. Weljaminow mit einem Festste t 
und bittet Anmeldungen von Vereinen und Personen zur 


Theilnahme an demselben bis xum 10- März an die Verwal¬ 
tung der.Gesellschaft, Maxlmilianowski-Pereolok Nr- 2, za 
senden. 

— Zum Professor der specielleu Pathologie 
und Therapie in Odessa wird der Professor der Char- 
kower Universität Dr. A. W. Bogdanow nnd zum Pro¬ 
fessor d er Geb urtshil fe u n d G y n ä k o 1 o g i e in 
Odessa der Privatdocent der Militär-Mediciuischen Akade¬ 
mie Dr. Wilhelm Massen ernannt werden. 

— Am 15. Februar vollendeten sich 25 Jahre der ärzt¬ 
lichen Thätigkeit des älteren Arztes am hiesigen Ge-; 
fängniss Dr. N. M i t r o p o I s k i. 

— Wie der «R. Wr.» erfährt haben sich ausser den von 
ans in Nr. 3 der Wochenschrift namhaft gemachten 6 Can- 
didaten für den erledigten T<ehrstuhl der pathologischen Ana¬ 
tomie an der Militär-Medicinischen Akademie noch der frühere 
Kasansche Professor A. Chorwat, sowie der Privatdocent 
der Moskauer Universität W. W o r o n i n und der Prosector 
der allgemeinen- Pathologie : Dr. G. D u r d u f i als, Bewerber 
gemeldet. 

— Verstorben: 1) Am 17. Februar in der Mandshnrei 
der dortige Arzt Friedrich Wolff im 38. Lebensjahre 
an einer Lungenentzündung. Der Hingeschiedene stammte 
ans Livland und hatte seine Ausbildung an der Dorpater 
Universität erhalten, welche er im Jahre 1889 zum Stadium 
der Medicin bezog. Nach Erlangung des Arztgrades im 
Jahre 1897 war er mehrere Jahre Assistent am Deutschen 
Alexander-Hospital in St. Petersburg, bis er vor ca. 2 Jah¬ 
ren eine Arztstelle im fernen Osten annahm. — 2) Ara 24. 
Februar in St. Petersburg nach langer schwerer Krankheit 
der Director des Alexander-Kinderasyls, wirkl. Staatsrath 
Dr. Heinrich St ranch. Die-ärztliche Praxis hatte der 
Verstorbene seit 1858 ausgeübt. — 8) ln St Petersburg am 
26. Februar der ehemalige Professor der Geburtshilfe und 
Gynäkologie an der Charkower Universität Geheimfatb Dr. 
Johann Lasarewitsch an Apoplexie im Alter von 
nahezu 73 Jahren. Der Heimgegangene hatte seiue Studien 
an der Kiewer Universität, gemacht, an welcher er 1853 den 
Curaus mit dem Arztgrade sbsolvirte. Nach Erlangung der 
medicinischen Doctorwfirde im Jahre 1857 habilitirte er sich 
als Docent für Gebnrtshilfe in Kiew, von wo er 1862 nach 
Charkow auf den Lehrstuhl der Gebnrtshilfe. Gynäkologie 
nnd Pädiatrie berufen wurde, den er gegen 25 Jahre inne 
hatte. Nach seiner Uebersiedeluug nach St. Petersburg be¬ 
kleidete er die Stellungen eines beständigen Mitgliedes des 
Medicinalrathes und eines Conseilmitgliedes beim Ministerium 
der Volksaufklärung. L. gehörte zu deu hervorragendsten 
russischen Gynäkologen nnd ist auch vielfach literarisch 
hervorgetreten. Ans seiner Feder stammen unter Anderem 
ein zweibändiger «Cnrsus der Gebnrtshilfe» nnd ein «Atlas 
gynäkologischer nnd geburtshilflicher Instrumente, die vo® 
dem Autor verbessert nnd erfunden srad». — 4) In Aachen 
der frühere Badeinspector Dr, Bernhard Lerschim 85. 
Lebensjahre. Seit 1840 als Arzt thätig. ist er durch eine 
grössere Anzahl von Werken aus dem Gebiete der Balneolo¬ 
gie zn einer Antorität auf demselben geworden. — 5) In 
Berlin der bekannte Professor der Chirurgie und Director 
der Poliklinik für orthopädische Chirurgie Dr. J n 1 i u s 
Wolff an Gehirnapoplexie im Alter von 66 Jahren nach 
mehr als 33jähriger Lehrtätigkeit an der Berliner Univer¬ 
sität. Sein berühmtes Werk «Das Gesetz der Transformation 
der Knochen» wurde von der Berliner Akademie der Wissen¬ 
schaften prämiirt. 

— Anf den dnreh das Ableben Prof. v. Widerhof er’s 
erledigten Lehrstnhl der Kinderheilkunde an 
der Wiener Universität ist der Prof, ord für dieses 
Fach in Graz Dr. Th. Escherich berufen worden, welcher 
seine Lehrtätigkeit in Wien mit dem nächsten Sommer¬ 
semester beginnen wird- 

—Die deutsche Gesellschaft für orthopä¬ 
dische Chirurgie, welche sich auf der letzten Natur¬ 
forscher-Versammlung zu Hamburg constitu irte, wird am 
1. April, also einen Tag vor der Eröffnung des Chirnreen-Con- 
gresses, in Berlin in der chirurgischen Universitätsklinik 
(ZiegelstraBSft) eine Sitzung abhalten, in welcher zunächst die 
Statuten beraten nnd der Vorstand gewählt werden soll. 
Meldungen von wissenschaftlichen Vorträgen sind an Dr. 
Hoeftmann in Königsberg zn richten. 

— Zur Gründung eines medicinischen.Insti¬ 
tut 8 für Franen in Moskau, wovon in den Tages¬ 
blättern so häufig geredet wird, ist bis jetzt noch sehr wenig 
beigetragen worden, wie das aus dem Rechenschaftsbericht 
für die bevorstehende Jahresversammlnng der Gesellschaft 
zur Gründung des besagten medicinischen Instituts für 
Franen deutlich hervorgeht. Sämmtliche Capitalien der Ge¬ 
sellschaft beziffern sich auf nur 2408 Rbl.; die Zahl der Mit¬ 
glieder beträgt gegen 200. welche ihre Beiträge sehr lässig 
einzahlen. Zur Verwirklichung des geplanten Unternehmens 
sind jedoch mindestens 1 Million Rbl. erforderlich. 


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81 : 


— Zum m e d i ci n i s c ii e n Frauenslndium iu 
Amerika. Aus den bereinigten Staaten wird gemeldet, 
dass die Nord-YVestern-Fraaen-Universität 
int Chicago aufgelöst nnd ihr Eigenthum verkauft werdeu 
soll. Einer der Curatoren, Mr. Raymond, erklärte zu 
dieser Angelegenheit: «Wir haben bei der Womens Medical 
School einen jährlichen Verlust von 100,000 Mark gehabt. 
Die Frauen können nicht chemische Laboratoriums-Arbeit 
oder die Schwierigkeiten der Chirurgie begreifen. Vor 15 
Jahren Unterzeichneten Männer und Frauen ejne Denkschrift, 
in der sie sagten, dass der gemeinsame Unterricht den 
Misserfolg veranlasse; dann richteten wir die Universität 
ausschliesslich für Frauen ein, — und es war schlimmer als 
ein Misserfolg».- Jedenfalls hatrdas Medicinstndinra der Frauen 
damit einen von dem ganzen Lande eingestandenen grossen 
Misserfolg za verzeichnen. 

(Wtirtt. ärztl. Corresp.-Blatt. — Allg. med. C.-Ztg.) 

— Die St. Petersburger städtische Sanitätscommission bat 

in ihrer letzten Sitzung unter dem Vorsitz von Dr. Oppe n- 
heim die Errichtung von 6 städtischen Ambu 
latorien iu Aussicht genommen 
ben in denjenigen Stadttbeilen (im 
Wassili-Ostrowschen, Liteiuy- und 
net werden, welche entfernter von 
lern liegen. Mit der Austiudigmachang von passenden Lo¬ 
calen, welche fürs Erste auf 3 Jahre (vom 1. Juli d. J. an 
gerechnet) gemiethet werden solleu, sind die Sanitätscnratb- 
ren und örtlichen städtischen Aerzte der obengeuaunten 
Stadttheile beauftragt woiden. Bf. 

— Die Gesamiutzahl der Kranken in deuCivil* 

hospitälern St. Petersburgs betrug am 16.Tt’eb. 
d. J. 8840 (34 mehr als io d. Vorw.), darunter 486 Typhus — 
(11 wen.), 805 Syphilis — (18 wen.), 2Ö2 Scharlach — (3 mehr). 
119 Diphtherie — (15 wen), 78 Masern — (14 mehr) nnd 31 
Pockenkranke — (1 wen. als in der Vorw.). f 


und zwar sollen diesel- 
Moskauer, Petersburger, 
Spasski-Stadttheile) eröffn 
den städtischen Hospitä- 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 10J bis zum 16. Febroar 1902. 

Zahl der Sterbefälle: 

' 1) nach Geschlecht nnd Alter: 


(m Ganzen: 


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M. W. Sa. 


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j, j im.mti 

386 282 668 135 55 109 17 22 16 55 61 68 52 40 29 9 0 
2) nach den Todesursachen: 

Typh. exanth. 1, Typh. abd. 16, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 3, Masern 12, Scharlach 9, 
Diphtherie 17, Croup 0, Keuchhusten 7. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 25. Erysipelas 4, Grippe 12, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 1, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie ls Puerperalfieber 5, Pyämie nnd Septicaemie 4, 
Tuberculose der Lungen 118, Tubercnlose anderer Organe 18, 
Alkoholismus und Delirium treraenp 5. Lebensschwäche und 
Atrophia infantum 43, Marasmus senilis 25, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 66, Todtgeborene 27. 


Nächste Sitzung des Vereins St Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 5. März 1902. 

Tagesordnung.: 1) V o s s : Zur Genese der Tetanie. 

2)Blessig: Ueber Enncleation und 
, Evisceralion des Auges. 

0 • 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. März 1902. 


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D 5 B 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 
Ox&ra CBtMoaa, Cepri jbck. *. 17, «n.19, 
Sliae Blau. JIiroBcxan 58, kb.15. 


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E. MERCK 5 Präparate 

sind durch die Grossdroguenhäuser Russlands in Originalpackung 
zu beziehen oder direct aus der Fabrik. 

Lager u. Kontor der Fabrik in Moskau: Milju- 
tinsky Pereulok, Haus Ekisler. 

Vertreter für St. Petersburg: Herren Gallas und 
Mahr, Grafsky Pereulok 7. 

Vertreter für Kiew, Podolien, Tschernigow; Herr 
A. Trepte, Kiew. 

Vertreter für Warschau: Herr Nachtlicht A Kamien- 
ski, Yormals Michal Lande, Warschau. 

Ausserdem hftlt Lager meiner Prftparate Herr I. Qrün- 
feld in Kischinew. (9)ia _ 7 


Organisches Eisen- 

Mangan-Albmninat Hertel 

(HAEMATOGEN). 

Ein eisenreiches Blutpräparat, wel¬ 
ches das Eisen in organischer Ver¬ 
bindung enthält, bestes Kräftigungs 
mittel tür Kinder und Erwachsene, 
erregt leicht den Appetit und be¬ 
fördert die Verdauung. Haemato - 
gen Hertel ist verkäuflich in der 
Apotheke in flüssiger und trocke¬ 
ner Form, jedoch ist das flüssige 
Präparat, weil leichter vom Orga¬ 
nismus aufgenommen, dem trocke¬ 
nen vorzuziehen. 

\or Nachahmung wird gewarnt. 

(41) 10-1. 


Adressen von Krankenpflegerinnen; 

Alexandra Xasarlnow, HnoxaeBcaaa 
jx. x. 61 , bb. 32 . 

Frau Oath&rine Miohelson, rarapia- 
cx&fl yxma x- 30 , kb. 17 . 

Schwester Oonst. Schmidt, ÜerepO. er 
UftTBieBCK&fl jx. x- 9 , kb. 20 . 

Fran Gftlaen, W. 0., 17 Linie, Hans JS16, 
Qu. 10. 

Fxaa Haaenfuss Hm. noxatxees. x. 14, 
KB, 16. 



A§CARI NEJ 

mtfA ÜEPRINCE 


OtlMt 


Habituelle Obstipation etc. 


{PILLEN 
0,10 der wirk¬ 
samen Substanz, 


^lELIXIR 
0,01 in einem 
Esslötfel. 


Aosb. RCHB. Cn6., 1 MapTa 1902 r.Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Bucbdruekerei v. A. Wienecke.Katbarineobofer Pr .H 15. 


Digitized by ^oooie 















































XXVII. JAHRGANG. ST. PBTBKSBUKGER Neue Folge XIX. Jahrg. 

IBDIGIIISGEE WOGEBISGIRIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Dr. Johannes Krannhals. 

Jurjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St Petersbarjc- 


Oie «Sk. Petersburger Medieiaisehe Wochenschrift» erscheint jeden 
Sonnabend. — Der Abonnementepreis ist in Auslands Rbl.für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postxustellnng; in den anderen 
Lindern 20 Hark jährlich, 10 Mark halbjahrlieh. Der Iuertloupreil 
für die 3 mal gespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Antoren werden 35SeparatabsügeihrerOriginalartikelsngesandt.— 
Referate werden nach dem Satse von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


MT Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 

bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von X. L. Bloker in 
St.Petersbnrg,Newsky-ProspectMl4, in richten.—Kanusorlpte 
sowie alle anfdie Redaction bezüglichen Mittheilnngen bittet man an 
den gesehäftsführenden Redactenr Dr. Budolf Wanaoh in «St.Pe¬ 
tersburg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital in richten Sprech¬ 
stunden tfontag, Mittwoch und Freitag von 3—3 Uhr. 


N 10 


St. Petersburg, 9. (22.) März 


1902 


Inhalt: Dr. P. Bergengruen: Ueber Prognose und Therapie der Kehlkopfschwindsucht. — Bticheranzeigen 
und Besprechungen: Experimentelle und kritische Beiträge zur Händedesinfectionsfrage. Von Dr. Richard Schaeffer. 
— Protokolle des XIII. Aerztetages der Gesellschaft Livländischer Aerzte in Riga. — Vermischtes — 
Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber Prognose und Therapie der Kehlkopf¬ 
schwindsucht. 

(Vortrag, gehalten aaf dem XIII. Livl. Aerztetage zu Riga). 

Von 

Dr. P. Bergengru en. 

Meine Herren! 

In die Reihe der Errungenschaften, welche das Ende 
des vorigen Jahrhunderts auf dem Gebiete der Heilbe¬ 
strebungen aufzuweisen hatte, gehört auch die Erkennt¬ 
nis, dass die Kehlkopfschwindsucht aus der Zahl der 
unheilbaren Krankheiten zu streichen sei: sicher ver¬ 
bürgte Heilungen von Larynxtuberculose aus den letzten 
Jahrzehnten sind in solcher Fülle veröffentlicht worden, 
dass es genügt, an dieser Stelle einfach auf diese That- 
sache hinzuweisen. — Ich selber hatte 1894 die Freude 
über 7 Fälle von günstig verlaufener Larynxtuberku- 
lose berichten zu können (Frftnkel’s Archiv für La- 
ryngologie Bd. 2, S. 163). ln wieweit die Heilung 
dieser Fälle sich im Laufe der seither verflossenen 7 
Jahre als dauerhaft erwiesen hat, wollen Ihnen (an 
Stelle von Krankengeschichten) die Blätter zeigen, 
welche ich herumreiche. Sie finden anf denselben die 
Kehlkopfbilder in Aquarellskizzen, die Longen- 
befände in graphischer Darstellung, versehen mit 
kurzen klinischen Bemerkungeu, mit besonderer Berück¬ 
sichtigung der Therapie. 

Weitere 3 Blätter veranschaulichen Ihnen 3 Fälle, 
die ich während des letzten Jahres beobachtete und die 
ebenfalls vor der Hand als geheilt zu betrachten sind; 
die nebenstehende Tabelle enthält eine zusammenfassende 
Uebersicht über alle 10 Fälle. 

Diese 10 Krankengeschichten zeigen uns erstens, 
dass die Larynxtuberkulose in allen 10 Fällen als ge¬ 
heilt zu betrachten ist; zweitens ersehen wir aus 
denselben, dass die Prognose der Phthisis laryngis 
nicht unbedingt vom Zustaude der Lungeu abhängig ist, 
und drittens leroeu wir aus ihnen, dass für eine Aus¬ 


heilung der Kehlkopfschwindsucht die Al 1 gern ei n- 
behandlung die hauptsächlichste, ja eine unerläss¬ 
liche Bedingung darstellt. 



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64 


Denn wir sehen, dass gerade die Entfernung der Pa¬ 
tienten aus der Stadt, aus dem Berufs- und Gesell¬ 
schaftsleben es war, die Versetzung der Kranken aus 
ungünstigen in günstige Lebensbedingungen, sei es in 
den Süden, sei es in unserer Heimath in reine Luft, 
auf das freie Land, in den Wald hinaus, die bei 
jedem dieser 10 Patienten über kurz oder lang eine 
Besserung und schliesslich Heilung des Kehlkopfleidens 
zu Wege gebracht hat. Unterstützt wurde die Wirkung 
der so veränderten Lebensweise durch Verordnungen 
diätetisch-hygienischer Art, wie sie uns von der moder¬ 
nen Phthiseolherapie an die Hand gegeben sind und 
von denen ich hier einige hervorheben will: 

1. Ueberernährung (wobei Fleisch und Eier 
mehr zurücktreten zu Gunsten von Grütze, Mehlspeisen, 
Gemüse und Früchten, besonders aber von Milch in je¬ 
der denkbaren Form) — unterstützt durch Arsenik; 
vom Kreosot (und seinen Ersatzmitteln) habe ich, wie 
viele Andere auch, besonders in letzter Zeit ganz ab¬ 
gesehen, da es nicht immer gut vertragen wurde. 

2. Freiluftliegecur, oder auch Bewegung 
im Freien, aber nur massige, nie bis zur Ermüdung; 
Nachts bei offenem Fenster schlafen, auch im Winter, 
bei Schutz Yor directer Zugluft und genügender Vor¬ 
wärmung des Zimmers und Bettes. 

3. Vermeidung von Staub, z. B. auf der 
Landstrasse, in Scheunen; — Verbot im Zim¬ 
mer Staub trocken zu fegen oder wischen, er soll 
dagegen immer feucht aufgenommen werden 

4. Hautpflege: Abends Abreibung mit Saizwasser 
oder Spiritus, wöchentlich ein warmes Bad. 

5. Dringendstes Gebot, die Stimme zu 
schonen; d. h möglichst Schweigen zu beobach¬ 
ten, oder, wenn schon, nur mit Flüsterstimme zu 
reden. 

Diese Verordnung, welche meines Wissens zuerst von 
Moritz Schmidt schon vor mehr als 20 Jahren be 
tont wurde, ist eine der hauptsächlichsten Bedingungen 
für die erfolgreiche Bekämpfung der Larynxtuberku- 
lose, da sie dem sonst fast beständig bewegten Organe 
diejenige Ruhe schafft, ohne welche keine Entzün¬ 
dung zurückgehen, keine Geschwürsfläche 
sich mit dauerhaftem Narbengewebe bekleiden kann. — 
Demselben Zwecke dienen die Husten stillenden 
Mittel, das Morphium, oder jetzt besser Codein, 
Heroin und Andere. 

6. Bekämpfung etwaigen Schluckweh’s 
durch Eis, durch Cocainpinselungen oder durch Ein¬ 
stäubungen von Antifebrin, Antipyrin, besonders 
aber Orthoform in den Larynx. — Vom Menthol 
habe ich einen wirklichen Nutzen in dieser Hinsicht 
nicht gesehen. 

7. Inhalationen von Pe r u balsam oder Men¬ 
tholöl (lü—30 pCt., 5—20 gtt. 4 mal täglich). 

8. Selbstinsu fflation von Desinficien- 
tien: Jodol, Jodoform, wenn der Kranke es 
lernt, was nicht so selten ist, den Pulverbläser richtig 
zu handhaben. 

Dass vor der Entlassung der Patienten auf völlig 
freie Nasenathmung geachtet und diese nöthigenfalls 
herbeigeführt wurde, dass etwaige Rachencatarrhe mög¬ 
lichst beseitigt wurden, will ich nur kurz erwähnen. 

So bestehen denn diese Verordnungen grossen Theils 
in nichts Anderem als in den Forderungen einer modern- 
rationellen Phthiseolherapie ; aus den Krankenbögen aber 
ersehen Sie, wie die verschiedenen Erlebnisse der Pa¬ 
tienten, d. h. Besserungen oder Verschlimmerungen, wie 
in ihrem allgemeinen so auch in ihrem Kehlkopf¬ 
befinden immer abhängig waren von einer grösseren oder 
geringeren Sorgsamkeit in der Befolgung eben dieser 
Regeln. Wie mit einem Schlage sehen wir den Ver¬ 


lauf der Krankheit, die jeder Localtherapie trotzte, der 
Besserung und Heilung entgegongehen, sobald die Pa¬ 
tienten die enge Stadt mit ihren schlechten sanitären 
Verhältnissen und auch die Specialbehandlung verliessen 
und bei Befolgung der angedeuteten Verordnungen unter 
den Einfluss günstiger Allgemeinbedingungen traten, 
meist ohne specialistische, in einzelnen Fällen auch ohne 
jede ärztliche Controlle. 

Natürlich soll das nicht heissen, dass man bei der 
Behandlung der Kehlkopftuberkulose nun der Laryngo- 
logie völlig entrathen könne! 

Letztere bleibt nnentbehrlich: 1) Zur Sicherstellung 

einer möglichst frühzeitigen Diagnose. 2) Zur 
endolaryngeal -chirurgischen und zur m e - 
dicamentösen Loca 1 therapie, welche den Hei¬ 
lungsvorgang an bahnt, wesentlich beschleunigt und 
und erleichtert, 3) Zur Linderung der quälen¬ 
den, heftigen Schmerzen in den letzten Stadien 
der Krankheit 

Es haben sich die Milchsäure, das Jodoform 
und seine Substitute, das Menthol, das Zincura 
sozojodolicum und ähnliche einerseits, und die 
Analgetica — Cocain, Antifebrin, Anti¬ 
pyrin, besondere auch das Orthoform andererseits, 
ihren hochwerthigeu Platz für alle Zeiten gesichert. — 
Auch die T racheotomie in relativ frühen Stadien 
der Phthisis laryngis wird sich als hervorragender Heil- 
factor mit der Zeit immer mehr einbtlrgern. 

Aber alle Localtherapie wird und kann nur vorüber¬ 
gehenden oder gar keinen Erfolg haben, wenn der Or¬ 
ganismus des Kranken nicht auf diätetischem und hy¬ 
gienischem Wege die Widerstandskraft gewinnt, sich der 
Materia peccans dauernd zu entledigen. 

Deshalb glaube ich, kann die Localtherapie, sobald 
nur der örtliche Process eine deutliche Tendenz zur 
Besserung zeigt, ruhig aufgegeben werden, wenn sie nur 
auf Kosten allgemein günstiger Lebensverhältnisse fort¬ 
geführt werden kann, wie das in der Stadt ja fast im¬ 
mer der Fall ist. Sie muss aber, diese letzte Bedin¬ 
gung vorausgesetzt, aufgegeben worden, wenn sie, län¬ 
gere Zeit gewissenhaft fortgesetzt, von keiner Besserung 
otjer gar von Verschlechterung gefolgt war. Hier heisst es 
«Zeit ist Leben!» — und weiteres Hin- und Hertasten 
und Ausprobiren verschiedener Mittel wäre sicher ver¬ 
hängnisvoll, — während ein energisches Heilverfahren 
allgemeiner Art noch glücklichen Wandel zu schaf¬ 
fen vermag, auch im Zustande des örtlichen Leidens. 
Dass solches der Fall sein kann, bezeugen die Kranken¬ 
geschichten in deutlichster Weise. 

Vier von den 10 Patienten sind gestorben: einer 
von ihnen an einem Recidiv der Lungen- und 
Kehlkopftuberkulose, welches aber mit mehr als 
grosser Wahrscheinlichkeit auf eine erneute baciiläre 
lnfection durch unsaubere Kehlspiegel in einem Sana¬ 
torium zu beziehen ist; zudem war dieser Patient auch 
derjenige, der am gröbsten und fast beständig gegen 
die Allgemeinverordnungen gesündigt hat! Eine Kranke 
erlag einer tuberkulösen Meningitis, zwei wei¬ 
tere Patientinnen vermuthlich der Lungen¬ 
schwindsucht (sie sind, nachdem ich sie lange nicht 
mehr gesehen, ausserhalb Riga’s gestorben). 

Diese letzten 3 haben, nach bestimmten Angaben der 
Verwandten, bis zum letzten Augenblick eine klare 
Stimme und kein Schluck weh gehabt. Auch das 
ist, meine ich, ein erfreulicher Erfolg, weil diejenigen 
Erscheinungen fehlen, welche das Ende der Larynx- 
phthisiker sonst immer zu einem so grausigen gestalten. 
Auch die Euthanasie, meine Herren, ist eines der idea¬ 
len Ziele ärztlicher Hilfsbestrebung — und wahrlich 
kein unwerthiges! 


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85 


Ich brauche wohl kaum näher auszuführen, dass die 
Prognose der Larynxphthise, ausser vom Kräftezu¬ 
stand des Patienten, wesentlich vom Grade der Er¬ 
krankung abhängt, in welchem der Kehlkopf zur Beob¬ 
achtung gelangt: die Vorhersage ist um so besser, je 
weniger der Kehlkopf angegriffen ist, im Stadium inci- 
piens tuberculosis. — Hier ist die laryngoskopische 
Diagnose von grösstem Werthe! Verdächtig auf 
beginnende Schwindsucht ist jeder Larynx, auch bei 
völliger Euphorie des Patienten, umsomehr bei chroni¬ 
scher Anäraip, auch ohne nachweisbare Lungenerkran¬ 
kung, wenn eine circumscripte Entzündung durch längere 
Zeit nicht weichen will; besonders zu beachten ist da¬ 
bei einseitige Röthung mit oder ohne Schwellung 
eines Bandes, eines Aryknorpels, zumal wenn sie mit 
einer tuberkulösen Lunge gleichseitig ge¬ 
legenist. Nicht schlecht ist die Prognose ferner, 
wenn ein tuberkulöses Ulcus oder Infiltrat circumsoript 
im sonst gesunden Organ sitzt. — Dass aber auch 
multiple und ausgebreitete Geschwüre und In¬ 
filtrate ausheilen können, zeigen uns mehrere unserer 
Fälle (2, 3, 7 und 10). 

Aus dem die U eher sicht enthaltenden Blatte er” 
sehen Sie, dass die Lungen in den meisten Fällen 
zum mindesten noch nicht geheilt sind, dass die Ver¬ 
schlimmerung ihres Zustandes zum Theil den Tod her¬ 
beigeführt hatte, während der Larynx geheilt 
geblieben war. — Ich meine nun, auch dieses Ver¬ 
halten kann nur der Allgemeinbehandlung zu 
Gute geschrieben werden: letztere bewirkte eine kräf¬ 
tige Widerstandsvermehrung des Organismus, und dieser 
konnte die Ausstossung der Schädlichkeit aus dem ein¬ 
facher, flächenhafter construirten und mehr nach aussen 
gelegenen Kehlkopf leichter bewirken als aus den so 
verzweigt gebauten Lungen. 

Wenn also die Prognose auch nicht immer von 
dem Zustande der Lungen abhängig ist, so bleibt das 
doch die Regel und darum können wir auch sagen, dass 
die Heilungsmöglichkeit für Larynxphthisiker um so 
grösser ist, je gewissenhafter die Letzteren die Vor¬ 
schriften der allgemeinen Tuberkulosentherapie erfüllen. 
Auf diese näher einzugehen, ist hier nicht meine Auf¬ 
gabe; nur auf einen Punkt möchte ich hinweisen! 

Ich meine: die Schonung der Stimme sollte 
unter den Vorschriften für alle Schwindsüchtigen im¬ 
mer ganz besonders betont werden, auch wenn der 
Larynx noch gesund ist; denn erstens muss 
vieles und lautes Reden durch den dabei unausbleiblich 
vermehrten und beständigen Blutandrang zu den Lun¬ 
gen die Ausheilung von Entzundungsvorgängen in ihnen 
verhindern, abgesehen von der durch das laute Sprechen 
gesetzten Ermüdung, sowie Anreizung zum Husten; — 
zweitens aber rückt die Gefahr, dass auch der Larynx 
tuberkulös werde, welche ja jedem Phthisiker droht, 
um so näher, je mehr in dem Organ durch Anstren¬ 
gung oder gar Ueberanstrengung die Neigung zu Ca- 
tarrh gefördert wird; — wenn letzterer schon besteht, 
d. h wenn die Kehlschleirahaut durch passive Hyper¬ 
ämie, Schwellung und Auflockerung des Epithels einen 
günstigen Boden für die Aufnahme der Schädlichkeit 
darstellt, so ist eine unvorsichtige Anstrengung der 
Stimme natürlich direct gefährlich und zudem wird durch 
das Sprechen eine ungleich grössere Anzahl von Bacil¬ 
lenschwärmen den Larynx passlren und Gelegenheit ha¬ 
ben sich in seiner Schleimhaut anzusiedeln, als bei ru¬ 
higer Athmung. — Ich glaube, eine auf Verhütung der 
Larynxtuberkulose zielende Prophylaxe, zn welcher in 
erster Reihe natürlich die Behandlung der Lungentuber¬ 
kulose gehört, könnte manche Erkrankung verhüten, 
wenn dies Gebot von den Patienten nur befolgt würde 
und leichter befolgt werden könnte! Fast unmög¬ 


lich erscheint das, wenn der Kranke an die Stadt ge¬ 
bunden, wenn er nicht in der Lage ist, Familie, Beruf 
und Gesellschaft zeitweilig zu verlassen. 

Meine Herren! Ich eile zum Schluss! Wenn ich 
einleitend sagte, dass jetzt die Zahl verbürgter Heilun¬ 
gen von Kehlkopfsobwindsucht eine grosse sei, so ist 
das richtig nur im Hinblick auf eine vergangene Zeit, 
da jeder dieser Fälle, von vorne herein verloren gege¬ 
ben, auch verloren ging! Schauen wir aber auf die Le¬ 
gion jeoer Aermsten, die noch jetzt alljährlich nach 
unsagbarem Leiden daran sterben müssen, so ist die 
Heilungsziffer eine verzweifelt kleine! — Die Thatsache 
aber, dass Heilnng nicht unmöglich ist. und die Vor¬ 
stellung der namenlosen Pein, welche der Auflösung oft 
nur zu lange vorangeht, drängt uns mit Gewalt zu der 
Frage: «Woran liegt es denn, dass so viele Menschen 
an Larynxphthise leiden, und dass die weitaus Meisten 
unter ihnen derselben zum Opfer fallen?» 

Es ist das ja die Frage nach der Verbreitung der 
Tuberkulose überhaupt, und die Ergebnisse der moder¬ 
nen Forschung antworten: «An der Unbildung des Vol¬ 
kes, an der Indolenz gegenüber der Prophylaxe und den 
ersten Anzeichen tuberkulöser Erkrankung, die so oft 
erst dann zu ärztlicher Behandlung kommt, wenn es 
fast oder ganz und gar zu spät geworden!» Anderer¬ 
seits aber scheitern die Bestrebungen der Aerzte an der 
socialen Seite der Behandlungsfrage, an dem Geldauf¬ 
wands, ohne welchen die Bedingungen unerfüllbar sind, 
welche einen glücklichen Ausgang gewährleisten. 

Diese Bedingungen aber werden erfüllt nur in ge¬ 
schlossenen Anstalten, welche in sich die Vor¬ 
züge des freien Landes mit allen von der Wissenschaft 
geforderten Hilfsmitteln der Krankenpflege vereinigen, 
die sonst nur in den Städten zu haben sind, — in 
Lungenheilstätten, wie solche jetzt in ganz Eu¬ 
ropa in immer wachsender Zahl, in immer weiterer 
systematischer Durchbildung erstehen. Wie sehr auch 
unsere baltische Ileimath solcher auch dem Minderbe¬ 
güterten und Armen zugänglicher Stätten bedarf, wissen 
Sie ja, meine Herren, Alle. Ein Lungensanatorium 
haben wir ja glücklicher Weise, — dieses aber ist nur 
Wohlhabenden zugänglich und für die meisten Be¬ 
wohner der baltischen Lande so schwer erreichbar, dass 
es für eine grosse Zahl unserer Kranken ein verschlos¬ 
senes Paradies bleibt! Wir brauchen noch ein 
Tuberkulosen haus für’sVolk, in der Nähe 
einer grösseren Stadt. 

Der schreiende Nothstand in dieser Hinsicht hat un¬ 
ter uns den Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose 
ins Leben gerufen, und freudiger Dank gebührt denen, 
welche die erste Anregung zu geschlossenem Vorgehen 
gegen diesen furchtbaren Feind in unserer Heimath ge¬ 
geben habenl Dank, nicht nur von ihren Zeitgenos¬ 
sen, Aerzten and Laien, er ist ihnen sicher auch für 
alle Zukunft von noch ungeborenen Geschlechtern, 
welche um so gesunder, kräftiger uni widerstandsfähiger 
sein werden, je energischer, je siegreicher der Kampf 
gegen die Tuberkulose geführt werden kann. 

An uns aber wird es sein, den Dink durch die 
T h a t zu bewoisen und m i t zuarbeiten an diesem gross¬ 
herzigen Werke rettender Nächstenliebe. 

Und so sch Hesse ich denn mit der Bitte: «Helfen 
Sie Alle, meine hochgeehrten Herren Collegen, diesem 
Vereine zu rascher Verbreitung Uber das ganze Land, 
dass jenes Haus bald erstehen möge! — und sollten 
meine Worte in Ihren Augen den Werth eines, wenn 
auch noch so kleinen Steines znm Aufbau desselben ge¬ 
wonnen haben, so wäre mir das eine hohe Freude. 


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8 « 


Den Inhalt des Gesagten fasse ich in folgende Sätze 
zusammen: 

1. Heilerfolge bei Kehlkopfschwindsucht sind in 
erster Reihe von der allgemeinen, in zweiter 
Reihe von der speciellen Behandlung abhängig. 

2. Die Prognose der Kehlkopfschwindsucht ist nicht 
schlechter als die der Lungentuberkulose, in Ausnahme¬ 
fallen besser als diese; sie ist meist, aber nicht immer 
abhängig vom Zustande der Lungen, und ist um so 
besser, je früher die Larynxtuberkulose in Behandlung 
kommt. 

3. Die tuberkulöse Erkrankung des Kehlkopfes 
könnte in vielen Fällen verhütet werden. 

4. Eine Tuberkulosen-Heilstätte, auch für Unbemit¬ 
telte, in der Nähe einer grösseren Stadt ist ein unab- 
weisliches Bedürfniss für unsere Heimath. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 


Experimentelle und kritische Beiträge zur Händedesin- 
fectionsfrage. Von Dr. Richard Schaeffer. 
Mit 12 Tabellen und 4 Abbildungen auf 2 Tafeln. 

Berlin 1902. Verlag von S. Karger. 

Die sehr interessanten Versuche die Verfasser mit einer 
grossen Gewissenhaftigkeit angestellt hat, zeigen auf das 
evidenteste, dass die mechanische Reinigung der Hände mit 
Bürste und Seife ungenügend ist, indem stets eine grosse 
Menge von Keimen zurückbleibt. Weder hat dabei die Tem¬ 
perator des Wassers noch die Dauer der Waschzeit einen 
Einfluss. Znr Nachprüfung der Schleichschen Marmor¬ 
seife inflcirte Verf. sich künstlich die Hände das eine mal 
mit dem Prodigiosnspilz, das aridere Mal mit dem gelben 
Luftpilz. Beim Waschen wurden die Schleichschen 
Anordnungen eingehalten und jedes Mal 7* Kilo Seife ver¬ 
braucht. Die aus den Versuchen zusammengestellte Tabelle 
ergiebt aber, dass die Resultate ebenso ungünstige sind, als 
die bei der einfachen Heisswasser-Seifen-Bürstung. Auch 
bei Anwendung von Antisepticis und zwar Sublimat, Queck¬ 
silberäthylendiamin, Lysol, Lysoform und Chinosol gelang es 
nicht nach vorhergegangenem Heisswasser-Seifen-Bürsten die 
Hände keimarm zu macheu. Der Grund hierfür ist in der 
Fett- oder Eiweiss-Umhüllung der Bacterien zu suchen, welche 
die Einwirkung der antiseptischen Stoffe abschwächt oder 
ganz auf hebt. — Die Wirkung des Alcohols ist keine Keim- 
tödtende, sondern derselbe ist von Bedeutung als vorzügliches 
mechanisches Reinigungsmittel. Nach Heisswasser-Alcohol- 
Waschung gelang es Verf. die künstlich mit dem gelben 
Lnftpilz inflcirte Hand fast ganz keimfrei zn machen, denn 
von den massenhaft imprägnirten Keimen gelang trotz 
kräftigem Abschabens der Haut nur 4 wiederzugewin¬ 
nen. Um die aus dem inficirten Alcohol verschleppten 
Keime abzuspülen räth Verfasser die Hände in einer zu¬ 
verlässig sterilen Flüssigkeit zu baden und empfiehlt dafür 
die 1 proc. Sublimatlösung, wobei derselben keine keim- 
tödtende, sondern nnr eine keimabspülende Rolle zöge- 
muthet wird. 

Was die Frage von der Zweckmässigkeit der Operations- 
handschuhe anbetrifft, so äussert sich der Verf. dahin, dass 
in Anbetracht des Umstandes, dass es uns möglich ist in Be¬ 
treff der Keimfreiheit dem Ideal ausserordentlich nahe zu 
kommen, dieselben durch ihre Behinderung bei complicirten 
Operationen als eine directe Schädigung angesprocheu wer¬ 
den müssen. Da wir ausserdem die Infection durch Luft¬ 
keime nicht ausschliessen noch berechnen können, so ist 
das schnelle nnd geschickte Operiren von der grössten Wich¬ 
tigkeit. 

Das Buch sei Jedem, der sich für die Händedesinfections- 
frage interessirt, auf aas Wärmste empfohlen. 

Fr. M ü h 1 e n. 


Berichtigung. 


In dem Protokoll des Deutschen ärztlichen Vereins vom 
22. October 1901 (Diese Wochenschrift 1902 Nr. 9, pag. 78. 
Spalte 1, Zeile 24 von nnten) muss es statt Nasen winkel 
heissen: Kieferwinkel. 


Protokolle des XIII. Aerztetages 
der Gesellschaft Livl&ndischer Aerzte in 
Riga vom 19.—22. Juni 1901. 

Im Saale der St. Johannisgilde. 


Erste Sitzung. 

Dienstag, 19. Jani 1901, 9 Uhr Morgens. 

(Fortsetzung). 

Sie gestatten mir deu Rechenschaftsbericht zu verlesen : 

Nachdem der 12. Aerztetag sich für die obligatorische 
Einführung des «Normalstatnts für Kirchspiels¬ 
ärzte» einstimmig ausgesprochen hatte, in der Hoffnung 
apf diesem Wege den Landärzten und -Hebammen, den Land¬ 
hospitälern und -Sanatorien eine feste Grandlage zn schaffen, 
wurde der Vorstand autorisirt, diese Stellungnahme des 
Aerztetages der Livländischen Ritterschaft nnd der Medici- 
nalverwaltung znr Kenntnis« zn bringen. Um alle genaueren 
Bestimmungen über die Art und Weise der projectirten sani- 
tätsärztlichen Thätigkeit der Normalstatatsärzte in Livland 
aqszna)beiten nnd die bestehenden Missstände klarzostellen, 
wurde eine Commission gewählt: Dr. Tr it hart, Knpffer. 
Hugo Meyer. Die sorgfältigen nnd ausführlichen Elaborate 
bildeten die Grundlage der Anträge des Vorstandes an die 
Livländische Ritterschaft und an die Medicinalverwaltang 
sowie der Veröffentlichungen in der Presse znr Orientirang 
grösserer Kreise. Ans den hier vorliegenden von Dr. Knpffer 
übersichtlich hergestellten Karten Livlands mit Bezeichnung 
der Kirchspielsgrenzen und Eintheilnng der laudftrztlicbea 
Bezirke, sowie aus der Verlesung unsres Antrages und der 
darauf erfolgten Antwort wird die gegenwärtige Lage der 
wichtigen Angelegenheit, wie ich hoffe, Allen klar sein : 

1. Antrag der Gesellschaft Livländischer Aerzte aof obli¬ 
gatorische Einführung des Normalstatnts für Kirch- 
spielsärzte. 

An Ein Hochwohlgeborenes Livländisckes 
Landraths-Colleginm. 

Der Unterzeichnete Vorstand der Gesellschaft livläudischer 
Aerzte beehrt sich hiermit Einem Hoch wohlgeborenen Liv¬ 
ländischen Landratli8-Collegium mitzutheilen. dass die Ge¬ 
sellschaft livländischer Aerzte auf dem XII. Aerztetag: ein¬ 
stimmig den dringenden Wunsch nach Einführung des Nor¬ 
malstatuts für Kirchspielsärzte in Livland verlautbart nnd 
sein Präsidium zu dieser Mittheilung ermächtigt hat. 

Wie nothwendig eine durchgreifende Reform des S&nitäts- 
wesens in Livland ist, hat das letzte Jahrzehnt erwiesen 
Der Kampf gegen die Lepra und Lues, die unausgesetzten 
Bemühungen um eine Umgestaltung des Hebammenwesens 
und der IrrenfürBorge deuten den grossen Umfang der un¬ 
aufschiebbaren und höchst schwierigen Arbeit an, die für die 
Wohlfahrt Livlands zn leisten ist. Dafür mit aller Hinge¬ 
bung zn wirken, ist die unabweisbare Pflicht der Aerzte, 
deren Wirksamkeit durch die Sicherheit ihrer socialen Stel¬ 
lung nnd ihres moralischen Einflusses bedingt ist. Die Ge¬ 
sellschaft livländischer Aerzte schätzt sich glücklich, für ihre 
Reformschläge stets das vertrauensvolle Entgegenkommen 
und die Unterstützung der Livländischen Ritter- and Land¬ 
schaft erfahren zu haben, die in voller Würdigung der zu 
Tage tretenden Nothstände schon lange anf die Reorganisa¬ 
tion des livländischen Sanitätswesens bedacht war. 

Nach ernsten Erwägangen and langen Vorarbeiten ist die 
Gesellschaft livländischer Aerzte zu der Ueberzeugung ge¬ 
langt, dass das erwähnte Ziel nur durch eine einheitliche Or¬ 
ganisation des Sanitätswesens zu erreichen ist. Dazu gehört 
in erster Linie die wirtschaftliche Sicherstellung der Aerzte 
auf dem Lande, die in nicht genügender Anzahl nnd ungleich- 
raässig über das Land vertheilt, mit Arbeit überlastet and 
mittellos, ohne geregelte Hospital-Einrichtungen sich not¬ 
dürftig behelfen müssen. Unter derselben Ungunst der Ver¬ 
hältnisse leidet der Beruf der Hebammen. Es unterliegt 
keinem Zweifel, dass diesen Uebelständen in höchst wirksamer 
Weise nnd so zu sagen mit einem Schlage abgeholfen werden 
könnte durch die obligatorische Einführung des sog. Normal- 
staiuts für Kirchspielsärzte in Livlaud, wie es vom verstor- 


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benen Gouverneur Sinowjew projectirt und vom Landtage im 
Jahre 1893 acceptirt worden ist Damit würde ein höchst 
wichtiger und bedeutungsvoller Fortschritt im heimatlichen 
Sanitätswesen erreicht sein. Der nach dem Normalstatnt an- 
geslellte Kircbspielsarzt würde in erster Linie Sanitätsarzt 
(Hospital-, Schul-, Armenarzt etc.) sein und zugleich, je nach 
den Bedürfnissen der Bevölkerung, die Privatpraxis ausüben 
können. Er würde — wie solches im Statut vorgesehen — 
ein Hospital zu seiner Verfügung haben, wodurch den grossen 
Fortschritten anf allen Einzelgebieten der Medicin in wissen¬ 
schaftlicher und praktisch wohlthätiger Richtung Rechnung 
getragen wäre. Die ärztliche Aufsicht über die Thätigkeit 
der nach demselben Princip anzustellenden Hebammen würde 
sich von selbst ergeben und der Gesammtbevölkernng eine 
sachgemässe und sichere Leitung der Geburten und Wochen¬ 
bette garantiren, d. h. ein durchaus rückständiges Gebiet 
humaner Thätigkeit auf die unbedingt nothwendige Cnltur- 
höbe gehoben werden. Wie nützlich sich die Thätigkeit eines 
solchen Kirchspielsarztes auf allen anderen Gebieten: der 
Irrenfürsorge, des Impfwesens, der sicheren Statistik (En¬ 
queten) u. A. gestalten würde, braucht nur angedeutet zu 
werden. Bemerkenswerth ist, dass von den 103 Landkircl» 
spielen in Livland zur Zeit 35 keine Aerzte in ihren'Grenzen 
beherbergen, während manche allerdings 2 nnd mehr besitzen 
(cf. pag. 8 des beiliegenden Berichts der in Sachen des Nor¬ 
malstatuts erwählten Commission). 

Wenn nnn trotz der augenscheinlich grossen Vorzüge einer 
obligatorischen Einführung des Normal Statuts für Kirch¬ 
spielsärzte dasselbe erst in 5 Kirchspielen Livlands — und 
zwar zur Zufriedenheit aller Betheiligten — ins Leben ge¬ 
treten ist, so beruht das auf nicht zu verkennenden Schwie¬ 
rigkeiten, die aber bei eingehender Erwägung nicht als abso¬ 
lutes Hindernis anzusehen sind und unschwer beseitigt wer¬ 
den können. Als solche Schwierigkeiten sind zu bezeichnen : 

1) die geringe Aussicht zur Heranziehung der Kronsgüter¬ 
höfe zu den im Statut vorgesehenen Leistungen und 
Abgaben, da in Gemässbeit des Allerhöchst bestä¬ 
tigten Ostseeeomitä-Beschlnsses vom 16. März 1858 die 
Kronsgiiterhöfe von allen Leistungen zum Unterhalt 
von Kirchspielsärzten befreit sind ; 

2) die Unkündbarkeit der Stellung des Kirchspielsarztes • 

3) die von mehreren Kirchspielen bemängelte Höhe des Ho¬ 
norars, das der Arzt laut § 2 des Statuts zu bean¬ 
spruchen bat. 

Ehe sich der livlftndische Aerztetag entschloss zu der durch 
die Einführung des Normalstatuts zu erhoffenden Reform un¬ 
seres Sanitätswesens Stellung zu nehmen, erwählte er eine 
Commission aus mehreren Aerzten, unter ihnen einen nach 
dem Normalstatut angestellten erfahrenen Kirchspielsarzt. 
Das dem XII. Aerztetag vorgelegte, sorgfältig ansgearbeitete 
Gutachten der Commission mit der dazu gehörigen Karte 
beehrt sich der Unterzeichnete Vorstand Einem Hochwohlge¬ 
borenen Livländischen Landraths-Collegium zu geneigter 
Durchsicht zu unterbreiten, hebt jedoch auch an dieser Stelle 
hervor, dass die oben nnter 2 nnd 3 erwähnten Hindernisse 
nunmehr fortfallen dürften, da in einem sub Nr. 1270 gerich 
teten Schreiben die Medicinalabtheilnng der livländischen 
Gouvernementsregierung auf eine diesbezügliche Anfrage der 
vom Aerztetag erwählten Commission den 8 6 des Statuts 
dahin erläutert, dass die Stellung des nach dem Statut ange¬ 
stellten Kirchspielsarztes als kündbar sowohl von Seiten des 
Kirchspielsconvents als auch des Arztes anzusehen und bei 
der Anstellung^ des letzteren in dem dabei abzuschliessenden 
Contract dev Kündigungsmodus von den Contrahenten zu ver¬ 
einbaren ist. 

Hinsichtlich der oben unter 3 erwähnten Schwierigkeit ist 
zu bemerken, dass laut Interpretation der Gonvernementsre- 
gierung vom Jahre 1899 die im § 3 des Statuts angegebenen 
Honorarsätze als Maximalsätze anzusehen sind und eine Ho- 
norirnng unter diesem Maximalsatz zulässig ist. 

Nach Hinwegräumung der erwähnten Hindernisse bleibt 
ein wichtiger Punkt übrig — die Frage, wie die Kronsgüter¬ 
höfe zu den Leistungen heranzuziehen wären. Wenn dies 
auf legislativem Wege zu erreichen sich als unmöglich er¬ 
weisen sollte — auf die Nothwendigkeit der Heranziehung 
der Kronsgiiterhöfe ist seitens des Aerztetages auch die Auf¬ 
merksamkeit der Medicinalabtheilung der Gouvernements» e 
gierung gelenkt worden - so könnten dennoch, nach An¬ 
sicht des Aerztetages, bis zur legislativen Entscheidung dieser 
Frage dem Normalstatut die Wege sofort geebnet werden, 
sobald vorläufig die Privatgüterhöfe in Kirchspielen mit 
Kronsgütern die Garantie für die Zahluug seitens der Krous- 
höfe übernehmen. Aus dem beiliegenden Commissionsbericht, 
pag. 6, ist zu ersehen, dass es sich dabei um geringfügige 
bummen handelt. 

Wir erlauben uns daiauf hinzuweisen, dass bei der Einfüh¬ 
rung des Statuts sehr viel von der Thätigkeit der Herren 
Kirchspielsvorsteher abhängt. Ihnen ist es ja möglich, Con¬ 


vente abzuhalten, die Einführung des Normalstatuts zu ver¬ 
suchen, wobei die Bekanntschaft mit dem officiellen Reparti- 
tionsmodus nnd dem Modus der Einführung des Normalstatuts 
in Kirchspielen mit Kronsgütern, sowie der Gebührenordnung 
nothwendig ist. Zu betonen ist hierbei, dass den Vertietern 
der Höfe und Gemeinden überlassen worden ist, für die be¬ 
treffende Gegend eine Lokaltaxe zusammenznstellen, die die 
Normalstatutstaxe nicht übe» schreiten darf. 

Indem sich der livländische Aerztetag vertrauensvoll an 
Ein Hochwohlgeborenes Livländisches Landraths-Collegium 
wendet, giebt er sich der Hoffnung hin, dass unsere Landes¬ 
vertretung Mittel und Wege finden wird, um die Hindernisse 
zu beseitigen, die der Einführung des Statuts entgegenstehen. 
Die Gesellschaft livländischer Aerzte ist nach reiflicher Er¬ 
wägung aller einschlägigen Verhältnisse, nach eingehender 
Durchmusterung der unbefriedigenden sanitären Verhältnisse 
Livlands im Hinblick auf die prekäre Lage der Landärzte, 
deren Arbeitskraft unter gewöhnlich schwierigen Bedingun¬ 
gen unermüdlich dem Dienste der Heiraath gewidmet war, 
und ist, zu der festen Ueberzeugung gelangt, dass die vor¬ 
geschlagene Reform des Sanitätswesens nicht nur den Aerzten 
und Hebammen, sondern dem ganzen Lande zu gute kommen 
und schon für die nächste Zukunft reichliche Frucht tragen 
werde- 

Beigefügt sind der Bericht der vom Aerztetag erwählten 
Commission und die dazugehörige Karte nebst dem Verzeich¬ 
niss der Kirchspiele. 

Präses : Dr. M. Trey tu a n n. 

Secretäre: O r . W. Vieri» uf f f- 

Dr. G. Weidenbau »n. 

Riga, den 5. November 1900. 

II. Die Antwort des Livländischen Landraths-Collegiiuns 
sub Nr. 380 von» 19. Januar 1901. 

«Das Livländische Landraths Collegium hat mit Bezug¬ 
nahme auf den an den Landtag gerichteten Antrag der Ge¬ 
sellschaft Livländischer Aerzte anf obligatorische Einführung 
des Norn»aistatut8 für Kirchspielsärzte vom 6. November 1900 
die Ehre, Ew. Wohlgeboren als derz. Präses der gen. Ge¬ 
sellschaft zu ersuchen, davon Kenntniss nehmen zu wollen, 
dass der Landtag am 11. December 1900 hiezu deu nachfol¬ 
genden Beschluss gefasst hat: 

«Unter voller Aneikennung derjenigen Motive, welche die 
Gesellschaft Livländischer Aerzte zu dem Anträge auf obli¬ 
gatorische Einführung des Normalstatuts für Kirchspiels- 
ärzte veranlasst haben, ist auf dem gegenwärtig versam¬ 
melten Landtage eine aus 4 Gliedern bestehende Commission 
mit Kooptationsrecht zu erwählen und dieselbe zu beauftragen, 
sowohl aen vorliegenden Antrag, als auch nachstehende Fra¬ 
gen einer Bearbeitung zu unterziehen und ihr Elaborat dem 
nächsten ordinären Landtage vorzulegen: 

1. Die Bildung von Verbänden mit dem Zweck der gemein¬ 
samen Anstellung von Landärzten, unabhängig von den durch 
die Kirchspiele gegebenen Gienzen, und 

2) Die Zuweisung öffentlicher, die allgemeine Gesundheits¬ 
pflege betreffender Pflichten an solche Landärzte, welche auf 
Grund privater Anstellung bereits auf dem Lande practiciren. 

3) Die Gewährung von Subsidien aus der Landeskasse in 
den sab 1 und 2 erwähnten Fällen. 

Die Commission ist zu ersuchen, eine Enqete über die auf 
dem flachen Lande vorhandenen, anf eine Reorganisation des 
Sanitätswesens gerichteten Bedürfnisse, sowie über die zur 
Befriedigung dieser letzteren bereits geschaffenen Organisa¬ 
tionen anzustellen und, soweit erforderlich, ihrem Elaborate 
zu Grande zu legen». 

Im Namen der Livländischen Ritterschaft: 

Residirender Landrath : Baron M a y d e 11. 

Ritterschafts Secretär: von Rieh t*e r. 

III. Der Präses legt der Versammlung die von Herrn Dr. 
Kupffer gezeichnete Karte vor. (Das Original befindet 
sich in 2 Exemplaren im Archiv der Gesellschaft). Eine Co- 
pie, anf Pausleinwand in Farben ausgeführt, wurde dem «An¬ 
trag der Ges Liv. Aerzte auf obligatorische Einführung etc.» 
an die Livl. Ritterschaft beigefügt. Dieselbe Karte wurde 
auch, in ve»‘kleinertem Massstabe abgedruckt in der «Düna- 
Zeitung Nr. 263 und 264 v. Jahre 1900, mit dem Aufsatz: 
«Zur Reform des Sanitätswesens in Livland» von Dr. A. 
Kupffer. 

IV. Ferner sind über diese Angelegenheit zu vergleichen : 

1) Das Normalstatnt zur Anstellung von Kirchspielsärzten 
in Livland von Dr. A. Kupffer (Separatabdrnck der Pe¬ 
tersburger Medic. Wochenschrift Nr. 15, 1899) nnd 

2) «Berickt der in Sachen des Normalstatuts erwählten 
Commission. Erstattet auf dem XII. Aerztetag», von Dr. A. 
Kupffer (Separatabdruck der Pet. Med. Woch. Nr. 43, 1900). 

Sie sehen, verehrte College», dass wir uns mit der Ableh¬ 
nung der obligatorischen Einführung des Kirchspiels- 
Aerzte-Statut8, das auch von anderer Seite, sogar von vielen 
Collegen, beanstandet wird, vertraut machen müssen. Wir 


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88 


dürfen aber auch überzeugt sein, dass unsere Arbeit nicht 
vergeblich war. dass unsere Intentionen, die auf das Wohl 
des Landes und des Aerztestandes gerichtet sind, wenn nicht 
auf diesem von uns vorgeschlagenen Wege, in einer anderen 
Richtung entgegenkommende Förderung erfahren werden. 
Dasselbe gilt von der Lösung der Hebammenfrage, 
die in Livland auf unerwartete Hindernisse gestoben ist. 
Immerhin ist zu hoffen, dass die Gründung eines Hebam¬ 
me n -1 n s t i t u t s für S tt d 1 i v 1 a n d und eine befriedi¬ 
gende Erledigung bezüglich der Versorgung Nord-Liv¬ 
lands mit tüchtigen Hebammen erreicht werden 
wird. 

Von dem Herrn Kreisdepntirten H. v. K a h 1 c n - Geistershof 
als Mitglied des Landtages, bin ich ersucht worden: 

1) Dem Herrn Dr. K u r» f f e r-Kuda seinen aufrichtigen 
Dank abzustatten für die Zustellung der eingehenden, orien- 
tirenden Arbeiten über die Kirchspielsarzt - Verhältnisse in 
Livland; 

2) an den versammelten Aerztetag die Ritte zu richten, 
eine abschriftliche Mittheilung der weiteren Verhandlungen 
des XIII. Aerztetages über das «N o r m a 1 s t a t n t für 
K i r c h 8 p i e 1 s ä r z t e» an ihn gelangen zu lassen. Morgen, 
Inder ITI. Sitzung wird Dr. A. Kupffer durch seinen 
Bericht das hier mitgetheilte ergänzen, wobei wir über die 
dem Herrn Kreisdepntirten von Kahlen zu erlheilende 
Antwort beraMien und schlüssig werden müssen. 

Bezüglich der Gebührenordnung, welche von der auf 
dem X. Aerztetag erwählten Commission ansgearbeitet wor¬ 
den, wurde auf dem letzten Aerztetag« der Vorstand beauf¬ 
tragt, die für die auf dem Lande und den kleinen Städten 
Livlands practisirenden Aetzte entworfene Gebührenordnung 
der Medicinalverwaltung mit dem Gesuch 
vorz »legen, sie wolle dieselbe dem Medicj- 
naldepartement unterbreiten und seine Be- 
stätiirii ng befürworten. Bei der erneuten Prüfung 
verschiedener Paragraphen im Verein mit competenten Col- 
legen ergab sich nicht nur die Nothwendigkeit von Aende- 
rnngen und Streichungen, sondern es erhob sich auch das 
schwere Bedenken, dass bei der etwa erfolgenden obrigkeit¬ 
lichen Bestätigung einer Gebührenordnung für ganz Livland, 
sowohl die Universitätsstadt wie die grosse Stadt Riga aus¬ 
geschlossen bliebe. 

. Eine Besprechung mit den Collegen in der «Medicini- 
sehen Gesellschaft» Jurjews am 21 Februar c. ergab: 
1. dass die Aerzte Estlands sowohl fiir die Städte wie das 
flache Land eine einheitliche Gebührenordnung ausgearbeitet 
hatten und im Begriff standen, um die obrigkeitliche Bestä¬ 
tigung nachznsuchen : 2. dass der livländische Recbts.schutz- 
verein denselben Plan für ganz Livland und Kurland ver¬ 
folgte. Tn Folge dessen entschloss ich mich in der an dem¬ 
selben Tage 8tattfindenden Sitzung des Vorstandes des Inlän¬ 
dischen Rechtsschntzvereins den Antrag zu stellen, er wolle 
behufs einheitlichen Vorgehens aller Aerzte Liv-, Cur- und 
Estlands in dieser wichtigen Angelegenheit den mir er- 
theilten Auftrag seitens des XII. Aerztetages als einen nun 
mehr isolirten Tlieil des Ganzen übernehmen und der Gebüh¬ 
renordnung fiir das flache Land und die kleinen Städte Liv¬ 
lands eine Gebührenordnung für ganz Kurland und für Riga 
anfiigen. Mein Antrag wurde angenommen und der Rechts¬ 
schutzverein. welcher morgen nach unsrer Naclnnittagssitzung 
um 5 Uhr seine Sitzung anberaumt hat., wird Ihnen über das 
Resultat Belicht erstatten könneu. ich bin mir wohl be¬ 
wusst, eine Competenz-Ueberschreitung begangen zu haben 
und ersuche die Versammlung der Collegen um Indemnität. 
Ich glaube in der schwierigen Lage, in der ich mich befand, 
den Weg gewählt zu haben, der — ohne irgend Jemandes 
Rechte oder Interessen zu schädigen, zum VVohle des grossen 
Ganzen zu führen der geeignete war und unterwerfe mich 
Ihrem Urtheil. — Ueher die Entwickelung des Irren We¬ 
sens habe ich mitzutheilen, dass die Gesellschaft zur Für¬ 
sorge fiir Geisteskranke im laufenden Jahre drei Sitzungen, 
am 4. Dec. 1900 und am 28. April und 28. Mai a. c. uud an 
diesem Tage auch ihre Generalversammlung abgehalten hat- 
Es galt, schlüssig zu werden über die Wahl des Ortes zur 
Errichtung einer Landes-Irrenan statt in Livland. 
Die Entscheidung der Gesellschaft ist schliesslich fiir einen 
Ort gefallen, der 'h Stunde entfernt von der Station Stackein 
liegt. Die Baupläne sind fertig gestellt. Die Kosten belaufen 
sich auf etwa 247,000 Rbl. Die Anstalt soll 152 Kranken 
Raum bieten. Es ist beschlossen worden, die Angelegenheit 
zur endgültigen Entscheidung dem Inländischen Adelsconvent 
vorzulegen. Wie weit die Bestrebungen bezüglich der 
Asylbe Handlung der Geisteskranken gediehen 
sind, werden Sie morgen aus dem Bericht der betreffenden 
Commission ersehen, in welche auf dem letzten Aerztetage 
Dr. S o k o 1 o w s k i hineingewählt wurde, um eine engere 
Verbindung der Commission des Aerztetages mit der die 
gleichen Ziele verfolgenden «Gesellschaft zur Fürsorge fiir 
Geisteskranke- herzusteilen. 


Schliesslich verweise ich auf die ergänzenden Berichte der 
zur Bekämpfung der Tuberculose und zur Be¬ 
kämpfung der Trunksucht auf dem XII. Aerztetag: 
erwählten (’omraissionen. — Die an die letzterwähnte Frage 
sich 8clilie8senden Discnssionen sollen am 22. Jnni, Freitag, 
in einer ergänzenden Sitzung, an welcher sich auch Nicht¬ 
ärzte zu betheiligen wünschen, eine Fortsetzung erfahren, 
falls die kurzbemessene Zeit in der Mittwoch-Sitzung für die 
erschöpfende Behandlung der weite Kreise interessirenden 
Alcoholfrage nicht ausreicht. Die Bestimmung der Stnnde 
fiir die Eröffnung der Sitzung am Freitag bleibt den ver¬ 
ehrten Anwesenden überlassen. Es thut mir leid, dass die 
zu diesen Dis n ussinnen von mir eiugeladenen Autoritäten: 
Prof. Forel und Prof. Kraepelin, desgleichen Dr. 
Colla, nicht erscheinen können. Die freundlichen Ant¬ 
wortschreiben. die ich erhalten, beweisen, dass die liebens¬ 
würdigen Collegen gern in unserer Mitte wären, wenn nicht 
unüberwindliche Hindernisse sie abhielten. 

Schliesslich habe ich mitzntheilen, dass die Bibliothek 
der «Gesellschaft, practischer Aerzte zn 
Riga» auf Wunsch Jedem der Anwesenden täglich eine 
Stunde lang offen stehen wird. Nähere Auskunft zu ertheilen 
erbietet sich Dr. 0. Klemm. 

Das Kinderhospital in Thorensberg, die Klinik des Herrn 
Dr. Wolfram in der Gertrudstrasse, können nach Verein¬ 
barung mit Herrn Dr. Schwarz resp. Dr. Wolfram be¬ 
sichtigt weiden. Die Cur - und Wasserheilanstalt 
des Herrn Dr. Kieseritzky in Sassenhof kann im Laufe 
der Nachmittage vom 19.-22. Juui besichtigt werden. 

Herr Dr. Stroh mb erg hat sich bereit erklärt, neue An¬ 
meldungen und Mitgliedskarten für deu Uvl. Rechtsschntz- 
und flilf*8verein hier entgegenzunehroen resp. zu vertüeilen. 

Dr. M. Trey m ann, 
d. Z. Präses d. Ges. Llvl. Aerzte. 

b) Dr. Vi erb uff, Secretär, stattet seinen Bericht ab 
über die eiugelanfenen Schiifteu und Sitzungsberichte ge¬ 
lehrter Gesellschaften, mit denen der Aerztetag in Correspon- 
denz steht. 

An Schriften liefen ein: 

a) IIpoTOKoau Ozcjcaro MeanunHCK. OßmecTBa. 1899—1900 r. 

BunycKi, III <M 6-10) 1900-1901 buu. I (JA 1). 1900- 
1901 Bun. II (JA 2 6). 

b) J^HeRHHKTj Oömec.TBa Bpauefi npa ÜMnepaTopcK. Kasancs. 

yHnBepoHT. 1900 r. BunycKi IT, ILL 

c) Casopis lekaru ceskych. 1900. 1, 4. 

d) Slowanska bibiiogratie lekarska, I, 1. 

e) Maiepiaau no Bonpocy o BJiiaBiH Kacipagis u HtKOTopuxi 

ApyrHxi onepagifl Ha HopMa.ibHyio npejtcTaTejihHyio ace- 
jieay Hkobu JleBHHcoHa. 

f) y ctebi BcnoMoraTejLHoä aaccu a.ib bjobi h capora »uie- 

HOBt OöutecTBa Bpaqefl T.ubceHcKaro yfe8Aa h ero oapecT- 
HOCTefi. 

g) II poTOKo.m Pyccaaro XapyprauecK. OßutecTBa ÜHporoßa. 

1897— 18!K 1898-1899. 

h) H e h a ji o b h « i. Dr. JI-feueHie aaßojrfeBaHiß seHCKoit no- 

jioBoft oÖJiacr« bi OpaHgencoa^t. 

i) TpyAbi OOutecTBa Bpaueö r.r. PocTOBa Ha .Hony H Haxene- 

rubb. Ha 1898 h 1899 roia. 

k) Othbti o fltflTejibRocTH etc. AiTCKoft ÖojibHBitu ch. Oaira 

hi MocKirh. 1899. 

l) lCaBKaßKie KypopTH. 1901. IIyTeBOAHTe;ib. 

c) Der Cassirer Dr. G. Engelmaun verliest den Cassen- 


bericht: 

Cassenbericht vom 31. August 1900 bis 18. Juui 11*01. 
Einnahmen. 

Saldo vom XII. Aerztetage.71 Rbl. 05 Kop. 

Gelder der Commission für Irreufürsorge . 396 » 84 » 

84 Mitgliedsbeiträge ä 5 Rbl. 420 v — » 

Zahlung der liviändischen Ritterschaft . • 400 » — » 

Zahlung der kurländischen Ritterschaft . 200 » — » 

(beides für die Commission für Irrenfür¬ 
sorge.) 

Zinsen...8_ »_4 8 » _ 

Summa . . 1496 Rbl. 37 Kop. 

Ausgaben. 

Ausgaben des Vorstandes für das Arrange¬ 
ment des XII. Aerztetages, für Druck¬ 
kosten, Porto, Inserate etc...135 Rbl. 91 Kop. 

Druck der Gebiihren-Ordnung.24 » — » 

Der «St. Petersb. Medicin. Woclienschr.» für 

Druck der Protokolle.135 » — v 

Fahrten des Präses in Sachen der Gebüh- 
ren-Ordnung und des Normal-Statuts . . 28 » 50 » 

Zahlung an die Commission für Irrenfür¬ 
sorge .152 »_ —-_» 

Summa . . 475 Rbl. 41 Kop. 


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Mithin waren in der Lasse am 18. Mai 1901: 1U2U Rbl. 9<> Kop. 
Davon der Commission für Irrenfürsorge 

gehörig :._. . 849 * H » 

Es bleiben somit als Saldo für den Xlll. 

Aerztetag am 19. Juni 1901.171 Rbl. 85 Kop. 

Riga, den 19. Juni 1901. 

Dr. med- G. Engelmann. 

Der Cassenbericht wird von der Gesellschaft acceptirt. 

2. Bestimmung des Ortes und der Zeit für den näch¬ 
sten Aerztetag. 

Dr. Schwär tz- Fellin ladet im Namen der Felliner Col- 
legen die Gesellschaft ein, den Aerztetag in Fellin abzu¬ 
halten. 

Die Gesellschaft nimmt diesen Vorschlag einstimmig an. 

Als Termin für deu nächsten XIV. Aerztetag wird der 
Anfang des September-Monats 1902 in Aussicht genommen. 

3. Wahlen, laut. § 8 der Statuten. 

Es werden gewählt: 

zum Präses: i)r. M. T r e y m a n - Riga; 
zum Vicepräses: Prof. Dr. D e h i o - J urjew; 
zum C a s s l r e r: Dr. Schwartz - Fellin ; 
zu Secretären: Dr. G. W e i d e n b a u m - Riga, 

und Dr. G. Engelmann* Riga. 

Der Piäses dankt für die Wiederwahl. 

Dem gewesenen Secretär, Dr. V i e r h u f f, drückt der 
Präses den Dank der Gesellschaft ans für die langjährige 
eifrige Arbeit im Interesse der uesellschaft. 

Der Präses, Dr. Treymann, bittet Prof. D e h i o , als 
Vertreter der Universität, das Präsidium während der Sitzun¬ 
gen des Xlll. Aerztetages übernehmen zu wollen. 

Prof. Dehio übernimmt die Leitung der Sitzungen. 

4. Der von Prof. O. Petersen*Petersburg angekün¬ 
digte Vortrag «Ueber dun 1. internationalen Cou- 
gross für ärztliche Standes fragen in Paris 
1900» kommt nicht zu Stande wegen Abwesenheit des Autors. 

5. Dr. B e r g e n g r U n • Riga hält Beinen Vortrag „lieber 
Prognose und Therapie der -Kehlkopfsehwindsucht“. (Er¬ 
scheint in ezteuso in der «St. Petersburger Medicinlschen 
Wocben8chr.»). 

D i s c u s 8 i o n. 

Dr. ß i m 8 c h a • Riga : lm Wesentlicheu stimme ich mit 
dem Vortragenden überein- Ich glaube auch, dass wir in der 
Localthei apie zu weit gegangen sind und muss ebenfalls die 
Wichtigkeit der Allgeineinbehaudlung betonen. Ein Patient, 
hochgradiger Phthisiker, ist mit den verschiedensten Mitteln 
locai behandelt worden, grosse Beschwerden. Epigloitis, Ary- 
knoipel, die richtigen und fälschen Stimmbänder sind staik 
ulcenrt, über der ganzen Lunge Rasseln und bronchiales 
Athmen, sehr schlechtes Allgemeinbefinden. Ich halte jede 
specielle Therapie für nutzlos, gegen Erstickunpsauiälle or- 
dinire ich heisse Schwämme auf deu Keblhopf, gegen Husten- 
aufälle Morphium. Nach 1 Jahre sehe ich den Patienten wie¬ 
der. Die ausgebreiieten Ulcerationen sind geheilt (vielleicht 
scheinbar), jedenfalls sieht man keine Ulcerationen. — Also 
sogar so ausgebreitete Ulceiationen, wie in dem angeiührieu 
Fall, sind im Stande ohne besondere Localbehaudlung auch 
bei vorgeschrittener Phthise nur unter entsprechender Rübe 
und Ailgemeinbehaudluug zu heilen. Die Begünstigung der 
Heilung durch Einblasung von Jodol etc. ist zu emptebien, 
das \Vesentliche aber ist die Allgemeinbehäudlung. 

6. Dr. K i w n 11 - Wenden hält seinen Vortrag „Znr Dia¬ 
gnose der Darraocclnsioii“. 

Bei Darm Verschluss durch Axendrehung, Verschlingung und 
Strangulation (Strangulaiious-lleus) macht sich 
die vom Hiudermss bttrortene Schlinge iu Folge von Uircula* 
tiousbehindernng und fauliger Zersetzung ihres Inhalts durch 
localen Meteorismus kenntlich. 

Dieser locale Meteorismus lässt sich durch Adspection und 
Palpation des Abdomens uachweisen (v. W a ii t, Zoege 
v. Manteuff'el, Kader u. A.;. 

Neben diesem Symptom, welches bei Volvulus der Flexur 
im Beginn der Erkrankung besouders deutlich zu consiatiren 
ist, sind die übrigen allgemeinen und localen Symptome bei 
ötrangulationsiieus durch Volvulus der Flexur nur wenig 
charakteristisch. Redner referirt kurz über die- allgemeinen 
Symptome, wie plötzlichen Beginn, besondere Bäutigkeit der 
Erkrankung bei Mänuero; über das initiale Erbrechen, dem 
daun gewolinlich eine Pause folgt, über die absolute Koth- 
GasBperre, Lollaps, Localisation des Schmerzes, Eigentüm¬ 
lichkeiten des Pulses und der Temperatur, iudicauaussciiei* 
dang im Barn etc. 

Die Adspection und Palpation liefert, wie oben erwähnt, 
zuverlässigere Symptome. 

Die Per cusion allein und die Auscnltation all ei n 
bieten für die Diagnose wenig verwertbare Zeichen. 

Redner macht auf die pathologisch-anatomischen Verände¬ 
rungen aufmerksam, die man bei Volvulus der Flexur iro Ab¬ 


domen hat. An Stelle der coutinuiilicb in einander über¬ 
gehenden Darinschlingen ist liier, durch Drehung der Flexur 
um ihre Datmaxe, eine Darnischlinge colossai ausgedehnt. 
Wir haben also einen grossen von gleichmässigen glatten 
Wandungen abgeschlossenen Hohlraum, der ausserdem unter 
einem gewissen Gasdruck sieht. Dieser Holilraum lässt sich 
durcli Percussion bei gleichzeitiger Auscul- 
tatiou durch Nachweis von Metallklang kenntlich 
machen und ganz besouders deutlich durch Stabchen-Piessi- 
meter-Perciission bei gleichzeitiger Auscultation. Mau kann 
diese Verhältnisse bei der Percussion an der eigenen Mund¬ 
höhle sehr genau studiren- 

Während bei schlaffen Wangen und geschlossenen Lippen 
die Percussion einen tympanitischen Klang giebt, hören wir 
bei stark aufgeblasenen Wangen einen dem liehen metallischen 
Klang. Es ist derselbe Gehörseindruck, den wir beim Percut- 
tiren eines grossen Kautschukballous haben, wenn wir den¬ 
selben an unser Ohr drücken, 

Redner hat dieses Symptom an einer grossen Reihe von 
Volvuli der Flexur consiatiren können und hat dies «Bal¬ 
lon s y m p t o m » ihm wesentlich die Diagnose stutzen helfen 

Reduer referirt zum Schluss über 8 von ihm operirte Falle 
von Volvulus der Flexur, von denen nur einer mit Tode ab¬ 
gegangen ist. 

(Antoreferat.) 

Die Ai beit erscheint im IX. Bande der «Mittheilun¬ 
gen aus den Grenzgebieten der Medicin und 
Chirurgie». 

1) i s c u s s i o n. 

Prof. Dr. Zoege v. M a n t e u f f e 1 - Jurjew : Solchen 
diagnostischen Fuuden gegenüber, wie ihn Dr. Kiwuli ge- 
tlian hat. sagt man sich nicht selten: ja das hast du ja 
auch schon gesehen und gehört — und ich habe immer per- 
cutirt und habe ott den metallischen Klang gehört — aber 
nicht geuiigeud gewürdigt. Es iat aber gerade ein Zeichen 
vom Werth solcher Funde, wenu Alle sagen — das haben 
wir schon gesehen und gehört. Ich glaube, das von Dr. K i- 
w u 11 gefundene Symptom ist sehr wichtig, und wenn es 
sich als regelmässig bestätigt, werden wir in der schwierigen 
Frage der Diagnose des Ileus wieder einen Schritt weiter 
kommen. Ich glaube, dass das Symptom sich auch als werth- 
voll erweisen dürfte bei Peritonitis, wo es fehlt. Totale Dünn- 
darmdrehuug bildet meist 3 quere Wülste, die Flexura sig- 
moidts eine massige Schliuge. Bezüglich des Unterschiedes 
von Dünndarm- und Dickdarm-Ileus lasst sich über die Ver 
werthbarkeit des Kiwuli'sehen Symptomes noch wenig- 
sageu. 

Dr. P. Klemm- Riga: Wir können Dr. Kiwuli zur 
Entdeckung dieses Symptomes nur lebhaft beglückwünschen. 
Es haudeit sich um die Wichtigkeit des Nachweises, dass 
ein Schlmgenpackei incaicerirt und gebläht ist. Strangula¬ 
tionen und Obturationen von diffuser Peritonitis zu unter¬ 
scheiden, ist das wesentliche und schwierige. Ausge- 
bildete Formen von peritonealer Sepsis erfordern andere Mass¬ 
nahmen als abgegienzte Arteetlonen bestimmter Darmab¬ 
schnitte 

Dr. A. v. B er g m a n n - Riga: Das Symptom ist sehr 
werthvoll, indessen t-s muss sich in der Praxis erst bewähren. 
Es gehören grosse Reihen dazu, um die Frage zu entscheiden, 
ob es typisch ist uud allein genügt für die Diagnose Volvu¬ 
lus der Flexur. Charakteristisch für den Volvulus der Flexur 
ist Schwellung der ßectalschleimhaut, die bei höher gelege¬ 
nem Verschluss fehlt, Entleerung der gedrehten Schlinge 
nach Retorsion durch Einführung eines Darmrohres genügt 
nicht immer, es giebt geblähte, paralytische Därme, welche 
durch directe lncision resp. nachtolgeude Anastomosenbilduug 
eutleert werden müssen. 

Dr. B o r n h a u p t - Riga: berichtet über 2 Fälle aus dem 
Krankenhause, wo 1 Mal Flexurvolvulus vorlag und das von 
Dr. Kiwuli beschriebene Symptom zu constatiren war. Die 
Serosa der Flexur war unverändert. In dem 2. Fall Coecum- 
volvulus. ad maximum geblähte Schlinge in Nekrose begriffen. 
Bei der Untersuchung tief dumpf tympanitischer Schall ohne 
einen metallischen Beiklang. 

Dr. Schiemann: Das von Dr. Kiwuli angeführte 
Phänomen kann meiner Meinung nach nicht zur Differential- 
diaguose zwischen Obturation und Strangulationsileus ver¬ 
wertet weiden, sondern es muss sich bei jeder geblähten 
Schlinge beobachten lassen. Wenn Dr. Bornhauptbei 
eiuer Loecumdrebuug dieses nicht beobachtet hat, so ist das 
Coecura offenbar nicht gebläht gewesen, sondern entweder 
schon gangränös — pertorirt — oder nur eiu schlaffer Sack, 
der durch Gas eben nicht gespannt ist, d. h. seine Gefässe 
8 iud nicht strangulirt gewesen. 

Prof. Dehio: Auch bei künstlicher Aufblähung des Ma¬ 
gens ist der Metallklang leicht zu erzeugen. Bei richtiger 
Beobachtungs-Anordnung ist die Auscultations-Percussion zur 
topographischen Diagnose der geblähten, abgrsperrten Darin- 


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90 


Rehlinge wohl zu verwertheu. Die schwingende Luftmasse 
muss nur unter Spannuag stehen, ebenso die Wand, welche 
glatt sein muss, danu wird man das Symptom bekommen. 
Am künstlich aufgeblähten Magen ist es gleichfalls za finden 
und zwar nur im Gebiet der geblähten Magenwaud tritt das 
Symptom auf, nicht in der Nachbarschaft. 

Dr. K i w u 11: Ich habe ganz ausdrücklich gesagt, mit 
Percussion allein und mit Auscultation a 11 e i n lässt sich 
wenig constatiren. Das Ballonsyroptom ist nur deutlich bei 
Auscultation bei gleichzeitiger Stäbchen- 
PleBsimeter-Percussion. Darmincisionen habe ich 
nie bei der Operation des Volvulus znr Entleerung der Schlinge 
nöthig gehübt, da es mir immer gelang durch ein einge¬ 
führtes Darmrohr Gase und Inhalt leicht zu eutleeren, 

Dr. v. Bergmann: Die Erfahrung lehrt es, dass es 
Fälle giebt, in denen man mit der Entleerung des Darmes 
durch das Darmrohr nicht auskommt. 

Dr. v. B r a c k e 1 bestätigt das von Dr. v. Bergmann 
raitgetheilte: es gelingt nicht immer den schlaffen Sack der 
geblähten Darmschlinge durch das eingeffihrte Bohr zu ent¬ 
leeren. Zudem kommt noch ein Umstand, dass man nämlich 
bei der manuellen Expression leicht die schon an und für 
sich gedehnte Wand der Schlinge perforireu kann. 

Dr. Sch ieman n: Es kommt weniger darauf an, dass 
durch ein eingeschobenes Darrarohr sämmtlicher Koth ent¬ 
leert wird, als dass, wenn die Schlinge zuitickgedreht ist, 
sie ihre Farbe verändert, heller wird und dass die Darm- 
gefässe pnUiren. Tritt das ein, so kann man ruhig reponi- 
ren und Koth wie Gas in ihr lassen, denn eine Enteroanasto- 
mose, wie einePunction der Flexur ist immer ein die Operation 
wesentlicii complicirender Eiugriff. — ln Bezng auf die von Dr. 
v. Brackei angeführte Gefahr der Perforation bei Expres- 
sionsversnchen will icli erwidern, dass wenn eine Schlinge, 
aus der ich das Gas ausdiibken will, perforirt, so ist sie 
eben nicht mehr repositionsfähig, sie muss resecirt werden, 
und eine solche Schlinge will ich zu pressen oder zu repoui- 
ren nicht mehr versuchen. 

(Schluss folgt.) 


wurde. Nachdem W. im Jahre 1893 zam Doctor raeJiciilÄfl 
promovirt worden, habilltirte er sich als Privataocent fflr 
Geburtshilfe und Gynäkologie an der Kiewer Universität und 
eröffnete bald darauf oine private Heilanstalt für Frauen¬ 
krankheiten, welche er bis zn seinem Lebensende leitete — 
2) ln Kronstadt der Gehilfe des Leiters der psychiatrischen 
Abtheilung des dortigen Marinehospitals, Dr. W. M. N e a - 
ronow. Der Verstorbene ist seit 1879 als Arzt Lhfitig ge¬ 
wesen. — 3) In Italien der Odessaer Arzt Dr. Matthias 
Rechtsamer an Lungentuberkulose im Alter von 41 Jah¬ 
ren. Nach Absolvirung seiner naturwissenschaftlichen Sta¬ 
dien an der Odessaer Universität beschäftigte sich R. mit 
physiologischen Arbeiten unter der Leitung des berühmten 
Physiologen Prof. Ludwig in Leipzig und gtudirte darauf 
Medium in Berlin. Nach Russland za rückgekehrt, bestand er 
1887 das Arztexamen in Dorpat und Hess sich dann in Tiflis 
nieder, wo er anfangs als Prosector am Stadthospital and 
dann als städtischer Sanitätsarzt fnngirte. Obschon er hier 
eiue ausgebreitete Praxis erworben hatte, trieb ihn doch, 
wie sein Brnder im «R. Wr.» mittbeilt, der Drang nach wis¬ 
senschaftlicher Beschäftigung in einer Universitätsstadt da¬ 
zu nach Odessa Uberzusiedeln, wo er ein chemisch bacteriolo- 
gisches Laboratorium eröffnet«. In diesem Laboratorium soll 
er sich durch zufällige Uebertragung von Tuberkelgift auf 
die Schleimhaut der Unterlippe mit Tuberkulose inficirt ha¬ 
ben, welche veihältnissiuässig schnell seinem Leben ein Ziel 
setzte. Der Heimgegangene ist auch vielfach literarisch her¬ 
vorgetreten mit Arbeiten, die sich hauptsächlich auf Tuber¬ 
kulose, Cholera, Typhus und bacteriologische Untersuchungen 
beziehen. — 4) ln Akinolinsk der dortige Kreisarzt J oseph 
Kasch lei ko im 39. Lebensjahre am Abdomiualtyphas. 
Obschon er über 15 Jahre prakticirt hat, so hat er doch seine 
Frau mit 2 Kindern ohne jegliche Existenzmittel hinterlasaen. 
— 5) ln Wieu am 6- März n. St. der berühmte Dermatologe 
Prof. Dr. Moritz Kaposi (Kobn) im 65. Lebensjahre. In 
ihm verliert die Wieuer dermatologische Schale, von der die 
Reform der Therapie der Hautkrankheiten aasgegangen ist, 
einen glänzenden Vertreter. Kaposi hat das Verdienst, 
die Reform der Dermatologie, für welche sein Lehrer H e b r a 
die Grundlage gelegt hatte, weiter darchgetührt zu haben, 
iudem er die Dermatologie auf den anatomisch-histologischen 
Boden stellte Der Verstorbene hat mehr als 55 Jahre als 
akademischer Lehrer an der Wieuer Universität gewirkt, an* 
längs als Privatdocent, dann als Professor und nach H e - 
b r a’s Tode (1881) zngieich Vorstand der dermatologischen Klinik. 
Von seinen mehr als 150 Arbeiten wollen wir hier oar sein 
mit H e b r a gemeinschaftlich geschriebenes «Handbuch der 
Hautkrankheiten», das fast in alle lebende Sprachen über¬ 
setzt ist, und seine «Pathologie und Therapie der Hautkrank¬ 
heiten» erwähneu. 

— Prof. Dr. J. Bauer ist nicht nur in der Leitung des 
Münchener städtischen Krankenhauses, sondern auch auf dem 
Lehrstuhl der speciellen Pathologie und 
Therapie der Nachfolger seines verst. Schwiegervaters 
Prof. v. Zi emssen geworden. Für die dadurch vacant 
gewordene Professur der medicinisch-klinischen Propädeutik 
in München sind, wie verlautet, die Professoren Müller 
(Basel), Krehl (Tübingen) und Stinzing (Jena) in Vor¬ 
schlag gebracht worden. 

— Der Director dermed. Klinik in Graz Prof. Friedrich 
Kran 8 hat, wie die «Ailg. m. C.-Ztg.» erfährt, die an ihn 
ergangene Berufung an die Universität Greifswald a b ge¬ 
lehnt. 

— Der Congre88 derDelegirten der medici- 
ni sehen Presse wird am 7. April in Monte-Carlo unter 
dem Vorsitz vou Prof. U o r n i 1 (Paris) stattfinden. Anf dem¬ 
selben wird der Secretär des Orgauisationscomitäs Prof. 
B1 o n d e 1 (Paris) den Entwurf der Statuten für einen 
internationalen Verband der medicinlschen 
P r e s 8 e (Association internationale de la Presse medicale) 
znr Berathang vorlegen. Bis jetzt sind Delegirte za diesem 
Congress aas Frankreich, Deutschland, England, Italien and 
Spanien angemeldet, ans Russland, wie verlautet, noch keine. 

— Im französischen Parlament sitzen gegen¬ 
wärtig, wie eine italienische med. Zeitung zn berichten weiss. 
95 Aerzte als Mitglieder, davon 42 als Senatoren. 

(R. Wr.) 

— Die militär-medicinische Academie beab¬ 
sichtigt, wie die Tagesblätter erfahren, in Erwartung eines 
starken Zuflusses von Realschulabiturienten zum Studium der 
Medicin, die Zahl der neuaufzu nehmenden Rea¬ 
listen durch einen bestimmten Procentsatz 
zu begrenzen. 

— Der nächste internationale dermatolo¬ 
gische Congress, welcher ursprünglich für das Jahr 

1903 in Aussicht genommen war, ist mit Rücksicht darauf, 
dass der internationale allgemeine medicinische Congress 
ebenfalls im Jahre 1903 in Madrid tagen wird, auf das Jahr 

1904 verlegt worden, und zwar wird derselbe im September 


Vermischtes. 


— Am 2. März vollendeten sich 25 Jahre, seit unser 
geehrter Mitredacteur und langjähriger Mitarbeiter Professor 
Dr. Carl D e h i o an der Universität Dorpat zum Doctor 
medicinae promovirt wurde. Obschon der Jubilar 
von jeder Feier Abstaud genommen und sich jede Berück¬ 
sichtigung dieses Gedenktages verbeten hatte, so waren doch, 
wie die «Nordl. Ztg.» erfährt, nicht nur viele Beweise der 
Theilnahme Einzelner, sondern auch ehrende Kundgebungen 
verschiedener Körperschaften, insbesondere seiner Vaterstadt 
Reval — u. A. Glückwunsch-Telegramme von der estläudi- 
schen Ritterschaft, vou dem Verein praktischer Aerzte iu 
Reval und von den Philistern der Corporation «Estonia» in 
Reval und Estland — eingelaufen. — Unsererseits schliessen 
wir uns den zahlreichen Gratulanten mit dem lebhaften 
Wunsche an, dass es dem geehrten Jubilar noch lange ver- 

E ünnt sein möge, als hochgeschätzter Arzt, akademischer 
elirer nni wissenschaftlicher Forscher in ungeschwächter 
Kraft fortzuwirken. 

— Der Professor der Augenheilkunde an der Kiewer Uni¬ 
versität Dr. A. C h o d i n ist anlässlich seines 30jährigen 
Jubiläums (cf. Nr. 6, 8. 52 d. VV.) von der Moskauer Gesell¬ 
schaft dpr Augenärzte zum Ehrenmitglied« gewählt 
worden. Ausserdem wurde beschlossen, dem Jubilar im Na¬ 
men der Gesellschaft eine Adresse zu überreichen. 

— Ara 22. Februar beging der Nestor der deutschen Klini¬ 
ker, Prof. emer. der Strassburger Universität Dr. Adolph 
K n 8 s in a u 1 seinen 80. Geburtstag. 

— Dem Privatdocenten für Hals-, Nasen- und Ohreukrauk- 
lieiten an der Militär-Medicinischen Akademie Dr. Peter 
Borisso w ist von der Conferenz der Akademie gestattet 
worden Vorlesungen über Pharmakologie zu 
halten. 

— Vor Kurzem hat der bekannte Kliniker Prof. Dr. S. 
R o s e n s te i n in Leiden sein 70. Lebeusjahr erreicht, 
bei welcher Gelegenheit er vom Verein für innere Medlciu 
in Berlin zum Ehrenmitglied gewählt worden ist. 

--Verstorben: 1) Am 25. Februar in Kiew der Privat¬ 
docent der Gebnrtshilfe und Gynäkologie an der dortigen 
Universität Dr. Michael Wosskressenski im 44. Le¬ 
bensjahre an aenter Enteritis, complicirt mit Nephritis und 
Pericarditis. Der Hingeschiedene hatte seine medicinische 
Ausbildung in Kiew erhalten, wo er 1883 den Arztgrad er¬ 
langte, worauf er zur weiteren Vervollkommnnng als Ordi- 
nator bei der geburtshilflichen Universitätsklinik belassen 


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91 


1904 in Berlin nntev dem Präsidium des Prof. E. Leiser 
statifinden. Generalsecrelär des Congresses ist Dr. 
Oscar ßos enth.'il in Berlin. 

— Coalition der Moskauer tnedicinlschen 
Vereine. Eine Commission von Delegirteti aller ärztlichen 
Vereine Moskaus hat den Entwurf eines Statuts ftir 
die Vereinig« n g aller medizinischen Gesell¬ 
schaften in Moskau ausgen»beitet. Nach diesem Entwurf 
wird der Verband der mcd. Gesellschaften bei der Moskauer 
Univeisität bestehen und dem Ressort des Ministeriums der 
Volksaufklärung unterstellt sein. Die Geschäftsführung der 
Coalition wird einem besonderen Conseil, dem je zwei Ver¬ 
treter von jeder Gesellschaft angehören werden, übertragen. 
Diese Vertreter werden auf drei Jahre von den betreffenden 
Gesellschaften gewählt. 

— Dem hiesigen weiblichen medicinischen 
Institut ist vom Stadtamt gestattet worden, ein steinernes 
dreistöckiges G e b ä u d e f ii r Kliniken auf dem 
Grundstück des Peter-Paul-Hospitals zu errichten. 

— In Essentnki wird ein S a n a t o r i u m f Ii r 70 
Kranke von dem Verein, der sich im Jahre 1900 unter 
dem Präsidium des Moskauer Arztes Dr. M. S. Sernow zu 
diesem Zweck gebildet hat, errichtet. Der Pensionspreis in 
diesem Sanatorium, das im Juni d. J. eröffnet werden Eoll, 
ist sehr billig gestellt — auf nur 40 Rbl. monatlich. Da die 
Errichtung des Sanatoriums 67,000 Rbl. beansprucht, die Ge¬ 
sellschaft bis jetzt aber nur über 40,000 Rbl. und eine voll¬ 
ständige Einrichtung für 18 Zimmer verfugt, so ist sie be¬ 
züglich der Beschaffung der noch fehlenden 27,000 Rbl. auf 
die Spenden von Menschenfreunden angewiesen. 

— Die Gesellschaft zur Fürsorge für ver¬ 
waiste Kinder von AerUcn hat ihr er s te 8 Asyl, 
und zwar für verwaiste Mädchen hierselbst 
in 0 sei* kl (beim Bahnhof der Strandbahn) eröffnet. Dieses 
Asyl trägt den Namen des verst. hiesigen Arztes K. J. 
Schilling. Aufnahmegesuche von solchen Pfleglingen ins 
Asyl sind unter Angabe des Alters des Kindes und seiner 
Familienverhältnisse, sowie der genauen Adresse des Bitt¬ 
stellers an den Piäsidenten der Gesellschaft Dr. A. L. Eber¬ 
mann (II,apcKoe Cejio, coöctb. aom>) zu richten. 

Pestnachrichten.' In Indien herrscht die Pest 
noch immer in nngeschwächtem Masse. — ln Egypten 
hält sich die Seuche in bescheidenen Grenzen: während der 
lOmonatigen Dauer derselben sind dort 304 Personen erkrankt 
und davon 184 gestorben. — Hedslias ^Arabien) ist seit 
dem 20. Februar wieder für cholerainficirt erklärt worden.— 
Im Hafen von Shanghai ist am 21. Febrnarein englischer 
Passagieidarepfer, der mit 5 pestkranken Portugiesen, von 
denen 2 bereits gestorben sind, aus Bombay angekommen war, 
in Quarantäne gestellt worden. Bf. 


— Die Gesammtzahl der Kranken in denOivil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 23. Feb. 
d. J. 8585 i255 wen- als in d. Vorw.). darunter 487 Typbus — 
(1 mehr), 751 Syphilis — (54 wen.). 299 Scharlach — (7 mebr\ 
123 Diphtherie — (4 mehr) 77 Masern — (1 wen ) und 29 
Pockenkranke — (2 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 17. bis zum 23. Februar 1902. 
Zahl der Sterbefälle: 


1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 

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62 

69 

63 

53 

37 

40 

15 

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2} nach den Todesursachen: 

Typh. ezanth. 0, Typh. abd. 17, Febria recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 2. Masern 14, Scharlach 12, 
Diphtherie 19, Croup 2, Keuchhusten 8, Croupöse Lungen- 
entzüudung 27. Erysipelas 1, Grippe 7, Cholera asiatica 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0. Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, 
Hydrophobie 1, Puerperalfieber 1. Pyämie und Septicaemie 12, 
Tnberculose der Lungen 125. Tubercnlose anderer Organe 28, 
Alkoholismus und Delirium tremens 2. Lebensschwäche ttid 
Atrophia infantum 35, Marasmus senilis 26, Krankheiten der 
Verdauungsorgane 58. Todtgeborene 45. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 19. März 1902. 

Tagesordnung: 1) E. Koch: Ueber Infusorien-Diarrhoe. 

2) Weber: Operative Behandlung ver¬ 
alteter Ellenbogenluxationen, 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 11. März 1902. 


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Mit Vorwort von Geb.-Rath Prof. König. 
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t>amen Substanz. Esslöffel 


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Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendu* 
de l' Academie des Sciences, 1. AugU9t 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich fest gestellt 
(M. Laffout, Bulletin de VAcadtmic de Me- 
decine, 14 Juni 1892) nud klinisch er¬ 
probt (Societe de Therapentique: Constan¬ 
tia Paul; Dujardiu-Beaumetz, Medications 
nOHvelles, 2. serie; BibliothAqoe Charcot- 
Debove, Purgatifs , p. 104; Prof. Lemoine. 
Lille, Therapentique clinique, p. 305: Tlson, 
höpital St. Joseph et CongrAs ponr l’avan- 
oement des Sciences, Bordeanx, 1895, 
Theil I p. 903: Prof. Charles, de Liege, 
Covrs d'accouchemenis etc., etc ) 


_Wii kung ist constant, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwendungsweise ist Gewöhnung au 

das Wittel zu vermeiden; bemeikenswerthe Wirkung bei habitueller Stnhlrerstopfung, Leberleiden, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben¬ 
wucherung bei Rheumatismus (Dr Roux) etc indicirt ist. 

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(98); Nr. 56 d. A. M. C. Z. (99); Nr. 29 
d. A. B. C. (99); Nr. 17 der Wiener Med. 
Bl. (1900); Wiener Aerztl. Centraiztg. 
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(vorm, langjähr. Director des Insel¬ 
bades) 218 S.4 M » Haben schon die 
früheren Auflagen der Asthmalehre , 
des bekannten Autors berechtigtes 
Aufsehen gemacht, so muss die neue 
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werden, was über Asthma geschrie¬ 
ben ist. (30) 1—1. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wird 
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91 


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Schwächeznstäuden irgend welcher Art unerreicht, 
besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. *+- 

Haematogen Hommel enthält anssei’ dem völlig reinen Haemoglobin noch eämmtliclie Salze des frischen Blotes, 
insbesondere auch die wichtigen Phosphorsalze (Natrium und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstofte 
des Serums in concentrii ter o. geretniter nuzersetzter Form (al8o nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie non durch 
Säure-Pepsin oder Hitzegrade erzeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen und peptonisirte 
Präparate werden, wie V o i t München, tfe a m ei 8 t e r-Jena und C a li n -Strassburg nachgewiesen iiaben, überhaupt 
nicht direkt resorbirt; ihre Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt. Durch die künstliche 
Verdauung weiden zweifellos Stoffe zersetzt, welche für die Neubildung von Zellen im Organismus von höchster Wich¬ 
tigkeit sind. Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fällen von 
fihachitis, Scrophulose, Päd atro phie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte. Präparate sowie I.eberthran, 
Jodeisen n. s. w. angewandt wurden. 

Haematogen Hom mel kann als diätetisches, die tägliche Nahrung ergänzen d es Mittel jahraus, jahrein ohne Un- 
terbrechung geuommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, lusbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenpräraraten unvermeidliche Organismus. 


W^rnnno* vnr TPäla^hrmo-f Wir wa ruen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, fns- 
If ulUUllg VU1 J: tUHbllUllg. besondere vor solchen mit Aether-Znsatz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. In solchen ist das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretionsstoffea (Hip- 
pnrsäure, flüchtige Fettsänren, Gase etc. etc ) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

VVir bitten daher, stets das Original-Präparat H&ei11<ltOQ6n HOIWDßl zu ordinireu. 


Nachstehend einige nenere ärztliche Gutachten. 


«Dr. Hommel’s Haematogen ordinirte ich in fol¬ 
genden Fällen: 

Fall I. Anaeinie ex Tbc. pnlm. ine. post inorbillos et per- 
tussim. Eklatanter Erfolg, schnelle Gewichtszunahme,fri¬ 
sches Aussehen, guter Appetit, psychische Umstimmung. 
Fall H. Anaemie ex Scrophulosi; Operation adenoider Vege¬ 
tationen, Appetit in Kurzem vorzügl., Gewlclitszimahme. 
Fall III. Schwere Anaemie post abortum; rasche Kräfti- 
gnug, abgekürztes Wochenbett. 

Ihr mir dnrcli langjährige .Erfahrung liebgewordeues 
Präparat flndet täglich in d. Sprechstunde seine Ordiuation». 

(Dr.-med. W. Schmidt, pract. Arzt u. Kinderarzt i. Dresden ) 
«Dr. Hummers Haematogen hat mir ganz vorzüg¬ 
liche Dienste geleistet. Ich war bei meinem Alter von 65 
Jahren durch die Anstrengungen des Dienstes sehr her¬ 
untergekommen und hatte den Appetit vollständig verloren. 
Ihr Haeiuategeu hat mich aber (ohne nebenher etwa An¬ 
deres zu gebrauchen) wieder völlig auf d. Beine gebracht». 

(■Sanitätsrath Dr. A. Nicolai, Greussen i. Thüringen ) 
Haematogen Hommel, aber auch nur dieses wirkt 
bei Appetitlosigkeit wahre Wunder. Andere Präparate mit 
ähnlich klingenden Namen wurden wegen ihres schlechten 
Aethergeschmacks gar nicht genommen. Ich kann Ihnen 
nur wiederholen, dass ich mit Haematogen Hommel, das 
ich sehr oft verordnet habe, bei Blutarmut und deren 
Folgezusländen sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen 
stets ansgezeichneten Erfolg hatte». 

(Dr. med. P. WIeczorek, Krenzeuort, Schlesien). 
«Dr. Hommel’s Haematogen hat sich in meiner Pra¬ 
xis insbesondere bei anämischen Wöchnerinnen und Tnber-’ 
kn lose ii, sowie bei Neurasthenikern anPs Beste bewährt. 
In einem Falle von Neurasthenie war es mir möglich, 
selbstverständlich bei geeigneten sonstigen diätetischen 
Vorschriften, das Körpergewicht binnen 2 Monaten um 
ca. 13 Pfand za heben. Ich werde nicht verfehlen, das 
Präparat auch weiterhin bei Ernährungsstörungen jeglicher 
Art anznwenden». 

(Dr. med. Meyer, München.) 


«Dr. I'ommel’s Haematogen habe ich in 2 Fällen mit 
glücklichem Erfolge angewendet. In einem Falle bei vor¬ 
geschrittener Phthise har der Patient dieses Mittel sehr 
gut vertragen, Körperkraft und Appetit warben gesteigert, 
der Patient nimmt seitdem dieses Mittel ununterbrochen, 
ohne die kleinste Unannehmlichkeit seitens der Verdan- 
ungsorgane zu verspüren. 

In einem Fall — Hysteria —, wo seit meiner Be¬ 
handlung — 8 Monate — wenigstens 10 Eisen- nnd Blnt- 
präparate angeweudet wurden, hat sich Haematogen Honi* 
mel sehr gut bewährt; die Patientin nimmt es sehr gerne 
und wie sie selbst schon einigemal betonte: sie lebt anf 
nach einem Schluck von diesem Präparate. Ich werde Ihr 
Haematogen so wie auch bisher in vielen geeigneten Fällen 
verordnen». 

(Dr. med. Läszlö Frlgyes, Budapest.) 

«Durch die bisher mehr als 3 Jahre in meiner Pra¬ 
xis dauernde Verwendung Ihres Präparates habe ich mich 
von der ganz eclatanten Wirksamkeit desselben als blut¬ 
bildendes u. appetitanregendes Mittel überzeugt, so dass ich 
in meiner fast ausschliesslichen Kinderpraxis Ihr Haema¬ 
togen Hommel einzig nnd allein bei erwünschter Zufuhr 
von Eisen verwende». 

(Dr. med. G. Sonnenschein, Kinderarzt, Olmütz.) 

«Haematogen Hommel verordne bereits seit 6 Jah¬ 
ren, immer mit bestem Erfolge, so dass ich in geeigneten 
Fällen stets mit grösstem Vertrauen zu demselben greife. 
— Ich erachte es als ein «Speciflcum» bei allen Schwäclic- 
znständen im Kindesalter, gleichgültig ob primärer oder 
seenndärer Natur, immer konnte ich schon nach einer Woche 
eine ganz enorme Steigerung des Appetits eonstatire», 
dann Weichen der blassen Gesichtsfarbe, Kräftigung der 
Mnscnlatur mit entsprechender Gewichtszunahme. — Ich 
bin froh, ein Mittel zu besitzen, welches, ich kann sagen, 
niemals im Stiche lässt nnd werde ich auch stets in mei¬ 
ner Kinderpraxis dieses Mittel anderen Eisenpräparaten 
vorziehen». 

(Dr. med. L. Bluhm, Krasna (Mähren).) 


Versuchs^uanta stellen wir den Herren Aerzten, die sich durch Eigenproben ein Unheil bilden wollen, gerne gratis 
und franko zur Verfüg»ug und bitten wir Solche von unserem Versandt-Depot: Apotheke anf Gross- 
Ochta in St. Petersburg zn verlangen. 

Tages-Doseu: Säuglinge 1—2 Theelöflel mit der Milch gemischt (Trinkteroperatur!), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rtinü), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem EsBen, wegen seiner eigenthümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Apotheken in Original-Flaschen. (8 » Unz.) zn 1 Rub. 60 Kop. 

NICOLAY ii Co. Zürich. (45) 26— l. 


Jlo8B.iieH8.Cn6., 9 MapTa 1902 r. Herausgeber Dr. Rndolf Wanach. Bncbdrnckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. J6 15- 


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XXVII. JAHBGANG. St. PETIfiSBIJfifiER Nene Folge XIX. Jahrg. 

IBDICIIISOEE WOCHENSCHRIFT 


unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). BJfpa. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medieiaiache Wochenschrift» erscheint jeden 
Sjnnsbend. — Der Abonnementsprei« ist in Bauland 8 Rbl. für des 
Jehr, 4 Rbl. für des halbe Jahr incl. Postanstellnng; in den anderen 
Lindem 20 Hark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Znsertlonipreis 
fürdie3malgespalteneZeile inPetit ist 16Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
A.ntoren werden 25 SeparatabsügeihrerOriginalartikelsngesandt.— 
Rsferate werden nach dem Satse von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 
bittet man ausschliesslich an die Buchhandlnng von K. L. Bioktr in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectJ* 14, tu riehten. —Xanusorlpte 
sowie alle auf die Redaction betügliehen Mittheilnngen bittet man an 
den geschäftsfahrenden Redacteur Dr.Budolf Wanaoh in St.Pe- 
tersbnrg, Petersburger Seite, Peter-Panlhospital in richten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch nnd Freitag von 2—3 Uhr. 


N 11 


St. Petersburg, 16. (29.) März 


1602 


Inhalt: Dr. Max Johnson: lieber die Diazo-Reaction: — Dr. L. Stembo: Ueber die physiologische Wirkung und 
therapeutische Anwendung hochgespannter Ströme von starker Wechselzahl (Arsonvalströme). — Bücheranzeigen und Be¬ 
sprechungen: Geburtshilfliche Diätetik und Therapie für Aerzte und Studirende von I)r. Ludwig Knapp.— Max Nonne: 
Syphilis und Nervensystem. — Protokolle des XIII. Aerzteiages der Gesellschaft Livlftndischer Aerzte in 
Riga. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Ueber die Diazo-Reaction. 

(Voitrag, gehalten auf dem XIII. Livl. Aerztetage zu Riga.) 

Von 

Dr. Max Johnson. 

Meine Herren 1 

Die Ehrlich’sche Diazo-Reaction, welche ich Ihnen 
hier demonstriren will, beruht darauf, dass die Diazo¬ 
verbindungen, welche durch Einwirkung der salpetrigen 
Säuren auf die primären Amine der aromatischen Reihe 
entstehen, befähigt siud mit einer ganzen Reihe von 
Körpern der aromatischen Reihe charakteristische Far- 
benreactionen zu geben. Als Reagenz empfahl Ehr¬ 
lich eine Mischung von Acid. sulfanil., Acid. mur., 
Nat. nitros. und Aq. dest., welche in bestimmten Pro¬ 
portionen gemischt, mit der gleichen Menge Harn ver¬ 
setzt und durchgeschüttelt werden, zu diesem Gemisch 
wird dann Ammoniak hinzugethan, wobei dann die cha¬ 
rakteristische Rothfärbung auftritt, welche allein als 
positiver Ausfall der Diazo-Reaction zu betrachten ist, 
— alle anderen Farbennuancen, von gelb, orange etc., 
kommen hier nicht in Betracht. — Der Körper, welcher 
diese Reaction bedingt, ist noch nicht bekannt. 

Was nun die diagnostische Bedeutung der Diazo- 
Reaction anbelangt, so giebt Ehrlich an. dass sie 
eines der constantesten Merkmale des Typhus abdom. 
sei, dass sie sich jedoch auch bei Miliartuberkulose und 
Typhus exanth. finde, und daher zur DifFerentialdiagnose 
zwischen diesen 3 Krankheiten nicht verwandt werden 
könne. — Seitdem haben sich in der Literatur viele 
Stimmen für und namentlich gegen die diagnostische 
Bedeutung der Diazo-Reaction erhoben. So meint 
Eich borst, dass der Diazo-Reaction ein besonderer 
Werth nicht zukomme, da sie bei den verschiedensten 
Zuständen (Pneum. fibrin., Tub. miliar., Aktinomykos. 
pulm., Morbilli, Typh. exanth., Erysipel, Diphtherie, 
Meningitis, Carcinoma, Leucämia, Malaria etc.) auftre- 
ten könne. 


Jak sch geht noch weiter, indem er der Diazo- 
Reaction jede klinische Bedeutung abspricht und geradezu 
davor warnt, aus ihrem Auftreten irgendwelche klini¬ 
schen Schlüsse zu ziehen. 

Meine Herren 1 Ich will Ihnen ganz kurz unsere Er¬ 
fahrungen über die Diazo-Reaction raittheilen. Ich habe 
im Ganzen 1221 Fälle zusammengestellt, bei denen die 
Diazo-Reaction angestellt worden ist. Auf die einzelnen 
Krankheiten vertheilen sich die Fälle folgendermassen: 


Krankheiten. 

. 

Gesammt- 

zahl. 

Positive 

Reaction. 

Negative 

Reaction. 

' 

Typhös abdom.. . 

728 

586 

(80.5 h) 

142 (19.5 h) 

Tub. pulm. 

309 

142 (46 h) 

167 (54 h) 

Pneumon. libr. . . 

90 

17 

(18.9h) 

73 (81.1h) 

Malaria. 

42 

11 

(26.2 h) 

31 (73.8 h) 

Erysipel. 

46 

11 

(23.9 h) 

35 (76.1h) 

Meningitis .... 

4 


0 (OH) 

4 (106 H) 

Recnrrens . 

2 

2 

(100h) 

0 (Oh) 

Summa . . 

t i22 r 

— 




Meine Herren! Aus diesen Zahlen ist leicht ersicht¬ 
lich, dass die Diazo-Reaction am constantesten bei dem 
Typhus abdom. auftritt, zumal ich hier noch hinzufügen 
muss, dass die Beobachtung bei einer ganzen Reihe von 
Fällen eine unvollkommene war, insofern als die Pa¬ 
tienten erst am Ende der 2. resp. in der 3. Woche 
oder noch später in die Abtheilung kamen und eine 
negative Reaction ergaben, was jedoch durchaus nicht 
ausschliesst, dass beim Beginn der Erkrankung, oder 
jedenfalls in der Zeit bis zum Zeitpunkt der Aufnahme 
ins Krankenhaus vorübergehend eine positive, selbst 
starke Reaction bestanden haben kann, namentlich bei 
den leichter verlaufenden Fällen. Zweitens ist dann 


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96 


bei einer Anzahl der Fälle nur 1 Mal die Diazo-Reac- 
(ion angestellt worden nnd im späteren Verlauf unter¬ 
lassen worden. Ich glaube daher, dass mau somit wohl 
berechtigt ist, den Procentsatz der positiven Reactionen 
bei Typhus abdom. noch höher als 80,5 pCt. (den von 
mir berechneten Procentsatz) anzunehmen und der 
Diazo-Reaction einen Platz unter den Merkmalen des 
Typhus abdom. einzuräumen und sie bei der Diagnose 
zu verwerthen, wenngleich wir auch gesehen haben, 
dass die Diazo-Reaction auch bei anderen fieberhaften 
Erkrankungen gelegentlich auftreten kann. 


lieber die physiologische Wirkung und therapeu¬ 
tische Anwendung hochgespannter Ströme von 
starker Wechseizahl (Arsonvalströme). 

Nach einem Vortrag mit Demonstrationen, gehalten den 12. 
October 1901 in der Medicinischen Gesellschaft zn Wilna. 

Von 

, Dr. L. Stembo. 


«L’efticacitö th6rapeutiqne d’nne m6- 
thode peut etie tont ä fait indö- 
pendante de sa valenr physiolo- 
gique». 

Q n e r to n. 

Bis zum letzten Decennium des vorigen Jahrhunderts 
wurden nur drei elektrische Stromesarten zn therapeu¬ 
tischen Zwecken verwendet, nämlich die Franklinsche, 
die Galvanische und die Faradische. Ausser diesen 
werden in den letzten Jahren, wenn wir von dem Sinus- 
vidalstrom, dem nndnlatorischen und dem dreiphasigen 
Wechselstrom absehen, noch drei Arten von Strömen 
gebraucht: 

1. Hochgespannte Ströme von starker Wechselzahl 
(Arsonval), 

2. Monodische Voltaströme (Jodko-Narkiewicz) 
und 

3. Permea-elektrische Ströme (K o n r a d Müller). 

Hier an dieser Stelle werde ich nur von den hoch¬ 
gespannten Strömen von starker Wechselzahl sprechen. 

Diese Ströme werden hauptsächlich in Frankreich in 
Anwendung gebracht, sie werden aber auch in Italien, 
Deutschland und, wenn auch wenig, bei uns in Russ¬ 
land zu therapeutischen Zwecken benutzt. 


Wenn auch der durch diese Ströme zu erwartende 
therapeutische Erfolg nicht ganz den Angaben der Fran¬ 
zosen entspricht, so zeigten sie sich doch in einer gan- 
zeu Reihe von Leiden nützlich, so dass die Kenntniss 
dieser Ströme, wie mir scheint, für jeden Arzt von In¬ 
teresse sein wird. 


Da ich diese Ströme seit anderthalb Jahren bei einer 
grossen Zahl von Kranken versucht habe, so werden 
Sie mir gestatten, meine Erfahrungen Ihnen kurz mit- 
zutheilen. 

Doch muss ich Einiges vorausschicken. Als eigent¬ 
licher Begründer der Lehre von diesen Strömen muss 
Hertz 1 ) angesehen werden, der auf den Untersuchun¬ 
gen von Feddersen und Helmholtz fussend, seinen 
bekannten Oscillator construirt hat. Derselbe besteht 
aus zwei Conductoren, die mit den Polen eines Induc- 
tors vereinigt sind. Wenn man beim Functioniren des 
Inductors die Conductoren einander nähert, bis ein 
Funken sich zeigt, so ist derselbe nicht einfach, son¬ 
dern aus einer grossen Zahl von solche zusammenge¬ 
setzt. 


Dass bei Reizung der Muskeln mit diesem Funken 
keine Zuckung erscheint, zeigte Joubert 2 ) im Jahre 
1889; übrigens war das aber auch schon Hertz be¬ 
kannt. 

Mit der Erforschung der Wirkung der hochgespann¬ 
ten Ströme von hoher Wechseizahl beschäftigten sich 
gleichzeitig d’Arsonval in Paris und Tesla in 
New-York. Der Erste verfolgte physiologische und 
therapeutische, der Zweite — technische Zwecke. 

Der Apparat zur Erhaltung dieser Ströme besteht 
aus einem guten Ruhmkorff, einem Condensator (zwei 
Leydener Flaschen bei Arsonval, oder zwei Frank - 
linische Tafeln bei Tesla) und einem Teslatrans¬ 
formator. 

Ein oft unterbrochener constanter Strom wird durch 
die primäre Spirale eines Indnctors geleitet, dessen se- 
cundäre Spirale mit den inneren Belegungen zweier 
Leydener Flaschen in Verbindung stehen. Ausserdem 
siud diese Belegungen durch zwei Drähte mit einander 
verbunden, zwischen denen eine durch Mikrometer- 
schraube in gewissen Grenzen veränderbare Strecke, 
Fnnkenstrecke genannt, sich befindet. 

Von dieser Funkenstrecke hängt theilweise die Span¬ 
nung und die Wechselzahl der Ströme ab. 

Die äusseren Belegungen der Leydener Flaschen füh¬ 
ren zu den Enden einer kurzen dickdrahtigen Spirale, 
nm welche herum eine secundäre Spule mit sehr vielen 
(400) Windungen eines dünnen, gut ispJirten Drahtes 
liegt. 

Die beiden letztgenannten Spulen bilden den soge¬ 
nannten Tesla’schen Transformator. Die von der secun- 
dären Spule dieses Transformators gelieferten Ströme 
siud eben Ströme von hoher Spannung und grosser 
Wechseizahl. 

Die Frage wie diese Ströme zu benennen sind. 
Arsonval- oder Teslaströme, muss, denke ich, zn 
Gunsten des Ersteren ausfalleu, da seine Arbei¬ 
ten über diese Frage, die für uns Aerzte von Bedeu¬ 
tung sind, vor denen Tesla’s veröffentlicht worden 
sind. 

Die physiologische Wirkung dieser Ströme ist ver¬ 
schieden, je nachdem sie lokal oder allgemein angewen¬ 
det weiden. Durch seine Untersuchungen, die d’Ar- 
sonval in den Jahren 1890—1891 mit diesen Strömen 
gemacht hat, fand er, dass ihre Wirkung auf das Ner¬ 
vensystem bei einer Wechseizahl von 2500—öOuO nicht 
nur nicht zu-, sondern abuimmt und bei einer Wechsel¬ 
zahl von 10,o00 fast ganz aulhört. 

Anfangs wollte man es so erklären, dass diese Ströme 
nicht in die Tiefe gehen und nur an der Uberfläche 
bleiben und deswegen die in der Tiefe liegenden Mus¬ 
keln und Nerven nicht reizen. 

Später gab d’Arsonval folgende Erklärung. Er 
sagt, dass unsere sensiblen und motorischen Nerven nur 
auf gewisse Schwingungszahlen elektrischer Erregungen 
reagiren, ganz wie unsere Gesichts- und Gehörnerven, 
die nur auf Licht- und Schallwellen von gewisser Länge 
und Schwingungszahl es thun. Schreitet aber die Fre¬ 
quenz der Schwankungen der elektrischen Energie über 
diese Grenze hinaus, so wird der elektrische Reiz viel 
schwächer oder garnicht empfunden. 

Bei der Schwäche der Wirkung dieser Ströme auf 
motorische und sensible Nerven ist nach d’Arsonval 
der bedeutende Einfluss derselben auf die vasomotorischen 
Nerven bemerkenswert!], besonders bei der allgemeinen 
Einwirkung derselben durch das grosse Solenoid. (Vergl. 
unten.) 


') Real-Encyclop. der gesainmt. Hellk. B. 35, S. 25. 


*) Bante Frequence, A. üaiffe Paris, 1900, p. 11. 


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97 


Der Blutdruck steigt nach einem kurzen Sinken in die 
Höhe und bleibt auf derselben auch einige Zeit nach dem 
Aussetzen der Ströme. Die Athmung wird bei der allge¬ 
meinen Arsonvalisation beschleunigt und etwas vertieft, 
die Oxydation ist verstärkt, es wird mehr Sauerstoff 
verbraucht und mehr Kohlensäure, Harn und Harnstoff 
ausgeschieden; die Bildung und Abgabe der Wärme ist 
vermehrt. 

Bei der örtlichen Anwendung der Arsonvalströme bei 
Thieren bemerkt man Erweiterung der Gefässe, auf die 
eine merkliche Verengerung derselben folgt. 

Der Mensch empfindet bei localer Reizung mit diesen 
Strömen ein Wärmegefühl, darauf ist die Empfindlich¬ 
keit für Schmers und Berührung, wie auch für Kälte 
herabgesetzt, dagegen für Wärme stark erhöht. Es 
findet also durch Reizung mit diesen Strömen eine Dis- 
sociation des Temperatursinnes statt. 

Durch diese Ströme soll nach Arsonval die Gif¬ 
tigkeit pathogener Bacterien und ihrer Toxine bedeu¬ 
tend vermindert, ja sogar bei längerer Einwirkung ganz 
vernichtet werden. 

Die Meinung d’Arsonval’s über die physiologische 
Wirkung dieser Ströme auf den menschlichen Organis¬ 
mus wurde von vielen seiner Landsleute (Apostoli, 
Oudin, C har rin, Fo ve au de Cou r m el les und 
Anderen) bestätigt. 

Es giebt aber eine ganze Reihe von ausgezeichneten 
Forschern, die den Arsouvalströmen weder physiologi¬ 
sche, noch therapeutische Einwirkungen zuschreiben, 
sondern nur suggestiven oder fast nur solchen Ein¬ 
fluss. 

Jendrassik 8 ) behauptet, dass diese Ströme auf 
der Peripherie des Körpers bleiben und gar keinen Ein¬ 
fluss auf denselben haben. 

TobyCohn und A. L ö w y *) haben nach zahlreichen 
Versuchen weder den physiologischen noch den thera¬ 
peutischen Effect dieser Ströme bestätigen können. 

Prof. A. Eulenburg 3 4 5 ) kennte nur in mancher 
Hinsicht die A rso n val'sehen Resultate bejahen, 

Dr. Spasski 6 ) in Tomsk leugnet ebenfalls jede 
physiologische Wirkung der hochfrequentirten Wechsel¬ 
ströme auf den menschlichen Organismus. 

Querton') konnte bei seinen Versuchen mit diesen 
Strömen an Meerschweinchen keinen Einfluss derselben 
auf ihren Stoffwechsel bemerken. 

Kind ler 8 ), der in der allerletzten Zeit mit diesen 
Strömen sich befasst hat, schreibt ihnen nur eine sug¬ 
gestive Wirkung zu. 

Allein, ungeachtet der negativen Meinungen der eben 
genannten und noch anderer Forscher über die Wirkung 
dieser Ströme, werden sie vou den Franzosen mit Er¬ 
folg bei Podagra, Rheumatismus, Diabetes, allgemeiner 
Adiposität, bei verschiedenen Neuralgieformen angewen¬ 
det, und sie schreiben ihnen eine specifische Wirkung 
bei vielen Hautkrankheiten, die von Jucken begleitet 
sind, zu: so bei Pruritus, Herpes, Eczema, Erythema 
multiforme etc. 

Do um er 9 ) und Oudin gebrauchen die Arsonvali- 
sation bei Behandlung der Anfangsstadien der Schwind¬ 
sucht. 

Rivibre 10 ) bestätigt die gute Wirkung der hoch¬ 
gespannten Ströme bei der Lungentuberkulose. Da er 

3 ) Revue neurologique 1898, Nr. 15. pag. 519. 

4 ) Berliner Klin. Wochenschrift 1900, Nr. 34, p. 753. 

5 ) Therapie der Gegenwart 1900, Nr. 12, pag. 530. 

6 ) Dissertation 1900, Tomsk. 

T ) Annales d’electrobiologie etc. 1900, Nr. 1, pag. 14. 

*) Fortschritte der Medicin 1901, Nr. 13. 

s ) Annales d’electrobiologie etc. 1900, sept. et oct. p. 523. 

,n ) Action of currents of high frequency npon tubercolosis. 
The journal of physical therapeutics 1901. Bd. II- Nr. 3. 


aber ausserdem die klassische Behandlung der Phthisiker, 
Ozoninhalationen und Röntgenbestrahlungen anwandte, 
so ist es schwer zu sagen, was seinen Kranken gehol¬ 
fen hat. 

Doumer“) empfiehlt die Arsonvalisation als ausge¬ 
zeichnetes Mittel bei Analfissuren und Hämorrhoideu. 

Auch sollen'nach Doumer 12 ) diese Ströme bei der 
Gonorrhoe gute Dienste leisten. 

Unter den russischen Collegen ist es Dr. S h d a n o f f 13 ), 
der bei einem schweren Falle von Hämorrhoiden und 
bei Fissuren des Anus mit Erfolg arsonvalisirte. 

Alle französischen Autoren mit Apostoli 14 ) an der 
Spitze behaupten, dass diese Ströme bei der Hysterie 
und der Neurasthenie ganz wirkungslos sind, während 
deutsche Autoren (Toby Cohn, Eulenburg) das 
Gegentheil behaupten. 

Dr. Tito Caffere na 1S ) findet auf Grund seiner Ver¬ 
suche, die er in der Klinik von Prof. Maragliano in 
Genua angestellt hat, die Arsonvalisation sehr nützlich 
bei Atonie des Magens. (La clinica medica italiana, 
Juli 1901.) 

Leopold Freund 16 ) wandte mit Nutzen die Ar¬ 
sonvalisation bei Wunden und Lupus an, leugnete aber 
die allgemeine Wirkung derselben durch das Solenoid. 

Pielicke 1 ') versuchte ohne Erfolg die Arsonval¬ 
ströme in der Lassar’schen Klinik in Berlin bei Ec¬ 
zema, Prurigo, Psoriasis, Lichen ruber, Acne, Lupus 
vulgaris, Lupus erythem. und Alopecia areata. 

Bevor ich die Resultate, die ich mit diesen Strömen 
erhalten habe, mittheile, möchte ich mit einigen Worten 
auf die Technik ihrer Anwendung eingehen. 

Bei der therapeutischen Verwendung der hochfrequen¬ 
tirten Ströme werden hauptsächlich folgende Methoden 
gebraucht. 

1. Ein Pol der secundären Spirale des Testaschen 
Transformators wird entweder zur Erde abgeleitet oder 
mit einer isolirten Fusselektrode, auf der der Patient 
sich befindet, leitend verbunden, der andere Pol durch 
gewöhnliche Electroden, wie wir sie bei der Franklini- 
sation gebrauchen, auf den Kranken übertragen. Diese 
Art der Behandlung heisst directe monopolare (bei Ab¬ 
leitung zur Erde), oder bipolare Arsonvalisation (bei 
Verbindung des Patienten mit der Fusselectrode). 

2. Wenn man statt der gewöhnlichen Elektroden 
Condensatorelektroden gebraucht, so nennt man sie eine 
indirecle Arsonvalisation. 

Eine Condensatorelektrode besitzt eine äussere Glas¬ 
fläche von verschiedener Form, während die innere 
Fläche einen metallischen Ueberzug, der mit dem Strom 
leitend verbunden ist, hat. Bei Anwendung dieser 
Elektroden bildet der Körper des Kranken den äusseren 
Belag der Leydener Flasche. Diese Elektroden werden 
auch Oudin ’sche genannt, nach dem Namen des fran¬ 
zösischen Arztes, der dieselben in die Arsonvalpraxis 
eingeführt hat. 

3. Die vom Ruhmkorff kommenden Inductionsströme 
passiren den Condensator, aber werden nicht zum Tesla- 
sehen Transformator geleitet, sondern zu einem kleinen 
Solenoid, von dem sie durch besondere Schnüre auf den 
Körper übertragen werden. 

Diese drei Methoden dienen zur localen Anwendung 
dieser Ströme. 

u ) Coraptes rendus des söances du l er congres international, 
d tMectrologie et de radiologie. Lille 1901, pag. 85. 

**) 1. c. pag. 264. 

,3 ) Militär-Medic. Journal 1900, Juli, S. 2180 (russisch). 

u ) Comptes rendus du XII. congres intern, de m6dicine, 
volnme III, p. 373. 

15 ) Nach einem Referat des Wratsch 1901, Nr. 39, S. 1198. 

16 ) Monatshefte f. praktische Dermatologie 1901, Nr. 2, p. 65. 

17 ) Referate des deutschen Dermatologencongresses zn Bres¬ 
lau, 15—17 Mai 1901; Wratsch 1901, Nr. 34, pag. 1050. • 


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98 


Will mau eine allgemeine Einwirkung auf den Orga¬ 
nismus erzielen, so wendet man das grosse Solenoid an, 
dessen Einführung in die Therapie d’Arsonval an¬ 
gehört. Er machte nämlich folgende Beobachtung, dass 
wenn er die Ströme, die vom Condeusator kommen, 
durch zwei Kabel mit beiden Enden eines grossen So¬ 
lenoids (24—28 Windungen), in dem sich ein Mensch 
befand, vereinigte, so zeigten sich an demselben sämrnt- 
liche oben beschriebene physiologische Erscheinungen 
der allgemeinen Arsonvalisation und machten eine di- 
recte Verbindung der Elektroden mit dem Organismus 
überflüssig. Bei dieser Art der Arsonvalisation bildet 
das Solenoid zusammen mit dem Kranken einen Tesla- 
schen Transformator. D’Arsonval nannte diesen 
Einfluss des Solenoids auf den Organismus Autoconduc- 
tion oder richtiger Autoinduction. 

Dass das Solenoid einen gewissen Einfluss auf den 
Körper ausüben kann, wird durch Folgendes bewiesen. 
Sie sehen, ich verbinde diese kleine Glühlampe mit einer 
aus bloss drei Windungen bestehenden Spirale, die ich 
im Solenoid so befestige, dass sie ganz isolirt von dem- 
delben bleibt; jetzt lasse ich einen Strom durch das 
grosse Solenoid passiren, und wie Sie sehen, leuchtet 
die Lampe auf. 

Jetzt gebe ich meinem im Solenoid sich befindenden 
Diener eine Vacuuralampe in die Hagd, lasse wieder 
einen Arsonvalstrom passiren, und wie Sie sehen, leuch¬ 
tet die Lampe bei jeder Berührung auf. 

Eine Arsonvalsitzung dauert gewöhnlich drei bis zehn 
Minuten. 

Ich will noch hinzufügen, dass die Arsonvalströme 
für die motorischen und sensiblen Nerven lange nicht 
so indifferent sind, wie es nach den Angaben der Fran¬ 
zosen scheinen könnte. Ich habe mehrfach an mir 
selbst und an meinen Patienten beobachtet, dass bei 
Reizung der Haut mit starken Arsonvalströmen ein sehr 
empfindliches Brennen derselben empfunden wird. Bei 
Einwirkung mit diesen Strömen anf motorische Punkte 
bekommen wir auch Zuckungen in den entsprechenden 
Muskeln.- 

Sie sehen, ich reize mit dieser zugespitzten Electrode 
die hintere Portion des n. accessorius Willisii, und 
jedesmal erhalte ich eine Zuckung des cucullaris. Bei 
Reizung mit einer Oudin’schen Electrode sind diese Er¬ 
scheinungen viel schwächer. Dieselbe Beobachtung 
machte schon vor mir Prof. Eulenburg 19 ). 

Im Verlaufe von anderthalb Jahren habe ich diese 
Ströme in folgenden Fällen versucht: 


Erkrankung der Lungenspitzen . . 32 

Haemorrhoiden.17 

Neuralgie.5 

Neurasthenie.7 

Fettsucht.4 

Diabetes.3 

Tabes.2 

Agrypnia. 11 

Hysterie (allgemeine Erscheinungen). 8 

Dysphagie spastica.2 

Spasmus pylori. 1 

Singultus.7 

Aphonia spastica.I 

» paralytica.5 

Pararayoclonus.1 

Chorea.3 

Arthritis deformans.1 

Sclerodermia.1 


'*) Real-Eocyclopaedie der gesammten Heilkunde 1900, Bd 
XXXI. S. 32. 


Pruritus universalis essentialis. . 1 

tyeralgia.4 

Ueber den Einfluss der Arsonvalisation bei Lungen- 
spitzenaffectionen hoffe ich in kürzester Zeit besonders 
zu veröffentlichen. 

Ueber den Erfolg, den man mit hochgespannten Strö¬ 
men bei Haemorrhoiden erreicht, habe ich in einem 
kurzen Artikel, der bald in der «Deutschen medicini- 
schon Wochenschrift* erscheinen wird, mitgetheilt. 

Unter fünf Fällen von Neuralgie wurden drei geheilt, 
einer gebessert, und einer blieb unbeeinflusst. 

Neurasthenische Erscheinungen wichen meist der all¬ 
gemeinen Arsonvalisation schon nach ganz kurzer Zeit. 

Die Fettsucht blieb unbeeinflusst, ebenfalls der Diabe¬ 
tes. Ein Diabetiker, der zugleich an heftigen rheumatoi¬ 
den Schmerzen im rechten Schultergelenk litt, behaup¬ 
tete durch die Arsonvalisation von denselben befreit 
worden zu sein. 

Beide Tabiker gaben an, besser gehen zu können, 
und ihre lancinirenden Schmerzen weniger zu empfinden. 

In den elf Fällen von Insomnie aus verschiedenen 
Ursachen, wurde bei sieben schon nach wenigen Sitzun¬ 
gen im Solenoid, oder durch Streichungen der Stirn mit 
der Oudin’schen Electrode, ein guter erquickender 
Schlaf erreicht. Besonders war es neurasthenische 
Schlaflosigkeit, die schnell durch diese Methode beein¬ 
flusst wurde. 

Die allgemeinen Symptome der Hysterie besserten 
sich leicht unter der Einwirkung der Hochfrequenz¬ 
ströme. 

Die beiden Fälle von spastischer Dysphagie genasen 
erst nach zweimonatlicher Behandlung, der je eine Fall 
von Pyloruskrampf und spastischer Aphonie, sehr schnell. 

Auf den Fall der spastischen Aphonie will ich noch mit 
einigen Worten eingehen. Die Kranke, 22 Jahre alt, 
Näherin von über mittlerer Grösse und kräftigem Kör¬ 
perbau, kam zu mir mit sehr heftigen stenotischen Er¬ 
scheinungen von Seite des Kohlkopfes uni einer kaum 
vernehmbaren Stimme. Ihr sehr frequentes Athmen (80 
in der Minute) war schon von dem zweiten Zimmer 
hörbar. Von Zeit zu Zeit Erbrechen. Jede Aufregung 
erhöhte sichtlich die Dyspnoe. Im Schlaf war der 
Athem vollkommen normal. 

Eine gründliche Untersuchung der Kranken zeigte, 
dass weder in den Lungen, noch im Kehlkopfe, noch 
im Gefäss- und Nervensystem irgend welche anatomi¬ 
sche Veränderungen vorhanden sind, die den Zustand 
der Kranken erklären könnten. 

Bei der laryngoscopischen Exploration war deutlich 
zu sehen, wie bei jeder Inspiration die Stimmbänder 
sich so fest an einander pressten, dass nur zwischen 
den hinteren Theilen derselben (pars respiratoria) eine 
kleine dreieckige Spalte übrig blieb. Die Kranke schien 
fast zu ersticken, und dabei arbeitete das Zwerchfell 
sehr stark. 

Die Aphonie und das Fehlen sämmtlicher Zeichen, die 
auf eine organische Erkrankung des Nervensystems 
(Syringomyelie, Tabes etc.) hin weisen könnten, gaben 
mir die Möglichkeit eine Lähmung der Kehlkopfabduc- 
toren (ra. crico-arytaenoid.-post) auszuschliessen und den 
Fall als einen Spasmus der Adductoren des Kehlkopfs, 
besonders des m. crico arytaenoid lat. zu betrachten. 

Da ich aus den wenigen Fällen dieser motorischen 
Neurose, die ich zu beobachten Gelegenheit hatte, 
wusste, wie schwer sie sich der Therapie fügt, so hatte 
ich wenig Hoffnung auf baldige Beseitigung dieser 
Krampfform. 

Dessenungeachtet brachte ich die Kranke in das 
grosse Solenoid und setzte den Arsonvalapparat in 
Funktion. Nach ein paar Minuten l'rug ich die Kranke, 


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99 


wie sie sich fühlt, und ich bekam za meiner Befriedi¬ 
gung mit lauter Stimme zur Antwort: «Sehr gut». 

Noch nach zwei Sitzungen war die Kranke vollkora- i 
men geheilt. 

Der bei dieser Kranken durch die allgemeine Arson- j 
valisation erhaltene Erfolg war für mich desto interes- I 
santer, da ein ähnlicher Krankheitsfall, den ich zusam- : 
men mit Collegen Kohan im jüdischen Krankenhause 
behandelte, gegen unsere therapeutischen Massnahmen 
sich lange Zeit ganz rofractär verhielt. 

Von den sieben Fällen von Singultus wurden vier 
vollkommen und schnell geheilt und die drei — ge¬ 
bessert. 

Der Paramyoclonus (hystericus) wurde in zwei Wochen 
geheilt. 

Bei der Chorea, Sclerodermia und Arthritis deformans 
war keine Spuy von Beeinflussung durch die’ Arsonvali- 
satiou zu bemerken. | 

Das Jucken beim Pruritus hörte schon nach einigen 
Sitzungen vollkommen auf. 

Die Erscheinung der Parästhesie bei Meralgie ver¬ 
schwand ziemlich schnell bei der Behandlung mit den 
hochgespannten Wechselströmen. i 




S. Secundäre Spirale des Tesla’schen Transformators. 
C. Leitung zum Condensator. 


Grosses Solenoid. 

Das Kleine Solenoid ist nicht abgebildet. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 

Geburtshilfliche Diätetik und Therapie für Aerzte und 
Studirende von Dr. Ludwig Knapp. Mit 147 in 
den Text gedruckten Abbildungen, zum grössten 
Theile nach Entwürfen von Dr. Rudolf Böhm. 
(Prag. F. Tempsky. Wien. F. Tempsky. Leipzig G. Frey¬ 
tag. 1902. Preis: gebunden 10 K. = 8 M. 40 Pf.) 

Verfasser weicht in der Eintbeilung des Stoffes von den 
gebräuchlichen Lehrbüchern insofern ab, als er in je einem 
Abschnitte die Physiologie, Pathologie und Therapie der 
Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes behan¬ 
delt- Dadurch gewinnt entschieden die Uebersicht über die 


einzelnen Phasen, das ganze Bild prägt sich viel besser ein 
und zum Nachschlagen und schnellen Orientiren ist das Buch 
in Folge dessen besonders geeignet. Einer ausführlicheren 
Besprechung werden die Indicationsstellnng und die geburts- 
hülttichen Operationen unterzogen, das letztere Oapitel ist 
I naturgemäss das längste und nimmt fast die Hälfte des 
, ganzen Buches ein. Den Schluss bildet die erste Pflege und 
! Behandlung der Neugeborenen. Die exact ausgefiihrten Ab- 
i bildungen tragen wesentlich zum leichteren Verständniss 
des Textes bei. Besonders anschaulich in Wort und Bild ist 
die Extraction der Frucht mit der Zange, ein Capitel, welches 
gerade dem Anfänger oft grosse Schwierigkeiten bereitet. — 
Das durchaus gediegene Werk kann der allgemeinen Aner- 
' kennnng gewiss sein. 

Fr. Mühlen 


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100 


I 


\ 


Max Nonne. Syphilis und Nervensystem. XVII. 

Vorles. Berlin, Karger. 1902. Mit 42 Abbildungen im 

Text. 

Das Buch von Nonne stellt eine Reihe von Vorlesungen 
dar, die in den Jahren 1899, 1900 und 1901 einem Auditorium 
practischer Aerzte vorgetragen wurden. Es hat vor allen 
Dingen das Interesse des practiscben Arztes im Auge, räumt 
jedoch überall auch der pathologischen Anatomie den ihr ge¬ 
bührenden Platz ein. 

Das Buch ist breit angelegt, wovon schon unter Anderem 
sein Titel: «Syphilis und Nervensystem» statt des üb¬ 
lichen «Syphilis des Nervensystems» spricht. Neun Vorle¬ 
sungen sind vom Verfasser der flirnsyphilis gewidmet, von 
denselben behandelt die kleinste die Dementia paraliiica. Vier 
Vorlesungen gelten dem Rückenmark, die vierte derselben — 
der Tabes. Die vierzehnte Vorlesung handelt von der cere¬ 
brospinalen Syphilis, die fünfzehnte von der Syphilis der pe¬ 
ripheren Nerven, die sechszehnte von der Herödo-Syphilis und 
ihrer Beziehung zum Nervensystem und die siebzehnte, letzte, 
bespricht die Therapie. 

Ohne anf den Inhalt dieses Werkes einzngehen, welches 
sich nicht nur durch erschöpfende Kenntniss der Literatur 
und des Stoffes, sondern auch überall durch grosse persön¬ 
liche Erfahrung und selbständige Beobachtung auszeichnet, 
wollen wir uns nur Beispielshalber auf einige Bemerkungen 
beschränken. So weist Verf. mit Recht in dem Capitel über 
Diagnose auf die enorme Häufigkeit der Syphilis in der 
Anamnese von Nervenkrankheiten hin, warnt jedoch gleich¬ 
zeitig den Arzt vor Deutung eines jeden gegebenen Fal¬ 
les mit Syphilis in der Anamnese als Syphilis des Nerven¬ 
systems. 

In dem Abschnitt über pathologische Anatomie werden be¬ 
handelt die syphilitische Neubildung, chronisch-hyperplastische 
Entzüudung und Blutgefässerkrankung und die sich ihnen 
anschliessenden metasyphiiitischen Erkrankungen, dabei wird 
u. A. auch die grosse Rolle der Phlebosclerosis her- 
vorgeboben. Ferner wird auf die Häufigkeit frühzeitiger 
Arteriosclerose und Atheromatose bei Syphilitikern hinge¬ 
wiesen, obwohl es hier keine specifischen Kennzeichen giebt, 
dass auf die mitunter schwierige Diflferentialdiagnose in Fällen 
von Sarkomatose oder Tubercnlose des Nervensystems. Von 
klinischen Hirnsymptomeu wird gebührender Platz den tran¬ 
sitorischen Lähmungen, Affectionen, des Pons, der Triplegie. 
Apoplexie bei jugendlichen Individuen etc. eingeräumt. Um¬ 
sichtsvoll wird dabei auf mögliche Fehlgriffe hingewiesen, 
wo die bei Syphilitikern häufige hysterische Hemiplegie als 
syphilitische gedeutet werden kann. Interessant sind Fälle 
von Combination specifischer Meningitis convexitatis mit De¬ 
mentia paralytica, Hinweise auf Bedeutung und Rolle der 
Pupillensymptome, auf Sehnervenatrophie bei Syphilis des 
Nervensystems etc. Was die partiellen Lähmungen im Gebiet 
des Oculomotorius anbetrifft, so neigt Verfasser zu der nicht 
ausschliesslich nuclearen, sondern auch peripheren Herkunft 
derselben hin, dabei natürlich mit günstigerer Prognose. 

ln der Krage über die Heilbarkeit der Hirnsyphilis unter¬ 
scheidet Verfasser sehr richtig klinische Heilung von der 
anatomischen, wie man überhaupt nicht umhin kann sich dem 
von ihm in Bezog auf die allgemeine Prognose der Syphilis 
getheilten alten Satz anznschliessen, der da lautet: «die 
Syphilis stirbt nicht, sie schläft nur». 

In dem Capitel über Psychosen und Neurosen spricht 
Nonne ganz entschieden die Existenz einer für Syphilis spe¬ 
cifischen Psychose ab. In der Entwicklung der Hysterie be¬ 
trachtet Verfasser die Lues hauptsächlich als «Agent provo¬ 
cateur» und nicht als ausschliessliche Ursache, wie es ja un¬ 
bedingt für viele Fälle von Epilepsie angenommen wird. 

In Bezog auf die Dementia paralytica spricht sich Verf. 
gegen den ausschliesslichen Zusammenhang dieser Krankheit 
mit Syphilis aus und eröitert dann die Differentialdiagnose 
dieser Kraukheit von verwandten Erkrankungen (Hirnsy¬ 
philis, Arteriosklerose u. s. w.). 

Von den Rückenmarkserscheinungen hält sich Verfasser 
besonders bei der Erb’schen Spinalparalyse auf, wobei er auf 
Grund eigener und fremder Untersuchungen die anatomische 
Einheit dieses klinischen Bildes verwirft und ein dreifaches ana¬ 
tomisches Substract zulässt: «Myelitis chronica transversa 
mit secundären Degenerationen: Myelitis chronica transversa, 
combinirt mit einer primären Pyramidenstrangbahndegenera¬ 
tion und schliesslich eine solche allein, die entweder ohne 
oder mit einer Erkrankung der Riickenmarkgefässe ver¬ 
läuft». 

Aeusserst ausführlich und instructiv wird die ganze Ge¬ 
schichte der ewig neuen Syphilis-Tabesfrage erörtert, wobei 


Verfasser zu folgenden Schlüssen gelangt: 1) Die Syphilis ist 
keine ausschliessliche conditio sine qua non der Tabes, doch 
ist sie die wichtigste und häufigste Ursache, neben welcher 
alle übrigen ätiologischen Momente durchaus in den Hinter¬ 
grund treten. 2) Die Art und Weise des Zusammenhanges 
der Tabes mit der vorausgegangenen Syphilis ist vorläufig 
noch unbekannt. Einstweilen nimmt der Verf die Ström- 
p e 1 l'sche Theorie von den Toxinen der Syphilis, die eine 
meta8yphilitische Degeneration hervorrnfon sollen, als die der 
Wahrheit am nächsten stehende an 

Die höchst interessante Frage, ob es eine syphilitische ein¬ 
fache degenerative Polyneuritis giebt, beantwortet Verf. der- 
weise, dass anatomische Erfahrungen dafür nicht vorliegen 
und dass vielmehr in den nicht seltenen Fällen, welche kli¬ 
nisch als reine Polyneuritis imponiren doch syphilitische infil¬ 
trative Processe in den Nervenstämmen ira Spiele sind. 

In dem sehr interessanten Capitel über Syphilis hereditaiia 
werden die metasyphilitischen Erkrankungen bei jugendlichen 
Individuen, speciell die Tabes dorsualis. die Dementia paraly¬ 
tica, H o m £ n’s familiäre Krankheit (Idiotie mit spastischen 
Lähmungen),.spastische Spioalparalyse (Friedmann), fami¬ 
liäre Amaurose (Sachs), multiple sklerotische Herde (Ja- 
cobsohn) besprochen. 

Das ausführliche und lehrreiche Capitel über Prophylaie 
und Therapie, beschliesst das ausgezeichnete Werk, welches 
sachkundig und talentvoll in sehr zugänglicher Form den 
für die gesaramte Medicin so wichtigen Stoff behandelt, und 
es ist zu erwarten und zu wünschen, dass es in der Biblio¬ 
thek eines jeden gebildeten praktischen Arztes seinen Platz 
finden wird. 

Den rnssischen Leser, speciell wird es schliesslich sehr an¬ 
genehm berühren, dass Verf. überall geziemenden Platz den 
Arbeiten auch russischer Forscher ein geräumt hat. 

Das Buch ist mit der die bekannte Verlagsfirma von S 
Karger- Berlin auszeichnenden Eleganz ausgestattet, die 
Abbildungen deutlich und glücklich gewählt. 

L. Minor, (Moskau). 


Protokolle des XIII. Aerztetages 

der Gesellschaft Llvlftndlscher Aerzte in 
Riga vom 19.-22. Juni 1901. 

Ira Saale der St. Johannisgilde. 

Erste Sitzung. 

Dienstag, 19. Juni 1901, 9 Uhr Morgens. 

(Schluss.) 

Dr. A. v z. M ü h 1 e n - Riga hält seinen Vortrag: -Eini¬ 
ges znr Indirationsstellnng und znr Nachbehandlung der Ra* 
diealoperation des Ohres*». (Mit Krankenvorstellung.) 

Der Vortrag ist erschienen in der «Zeitschrift für Ohren¬ 
heilkunde» xxxix, 4. 

Vortragender referirt über die von ihm seit 4-5 Jahren 
modificirte Nachbehandlung der Radicaloperationen am Mit¬ 
telobre. Etwa vom 6. Tage an wird im Gegensätze zu 
der bis jetzt üblichen festen Tamponade letztere voll¬ 
kommen fortgelassen. Obgleich die Grannlationsbildnn? 
stärker ist, als man sie bei der Tamponade gewohnt ist 
zu sehen, erreicht, sie doch nie einen bedrohlichen Charakter 
wo dieses jedoch stattfindet, ist der Grund dafür in nachge 
bliebenen kranken, sequestrirenden Knochenpartien zu suchen 
nnd schwindet mit Elimirnng derselben. Daher ist auch eine 
genügende Entfernung alles Krankhaften das unbedingte hr 
forderniss eines guten Resultates. Die Epidermisirung geh 1 
gut von Statten, die Wundhöhle wird durch vorsichtiges Ans 
spritzen mit warmem Wasser rein erhalten. Die retroauri- 
culäre Wunde wird primär vernäht. Nicht nur bei chronisch- 
cariösen Processen sondern auch bei Cholesteatombilaung 
lässt sich diese Methode mit Erfolg anwenden. Die Vortneiie 
derselben sind folgende : 

1) Die Nachbehandlung ist nicht nur bedeutend einfacher, 
sondern vor allen Dingen vollkommen schmerzlos; sie kann 

2) auch bei entfernter wohnenden Patienten bequem ambu¬ 
latorisch vorgenommen werden, indem dieselben das An 
spritzen oder Irrigiren vorsichtig selbst zu Hause besorg 




101 


and sicli nur 1 Mal wöchentlich oder auch noch seltener vor¬ 
stellen. 

3) Die ganze Wnndhöhle ist nach der Epidermisirung klei¬ 
ner und bequemer übersichtlich als wir sie nach fortgesetzter 
Tamponade zu sehen gewohnt sind. In besonders günstigen 
Fullen nähert sie sich den normalen Verhältnissen so weit, 
dass wenig mehr von der Operation bemerkt werden kann, 
namentlich wenn sich ein membranöser Verschluss der Pau¬ 
kenhöhle ausgebildet hat. 

4) Die functionellen Resultate, das Gehör betreffend, schei¬ 
nen besser zu sein als man bei der fortgesetzten Tamponade 
erzielte. (Krankendemonstration.) 

(Autoreferat). 

Discussion: 

Dr. K n o c h e n s t i e r n : Es ist zu empfehlen, auch von 
dem gesunden Knochen soviel fortzunehmen, dass man eine 
einheitliche, glattwandige Döhle hat. In Bezug auf die Tam¬ 
ponade möchte ich hinzufügen, dass ich dieselbe namentlich 
beim Gehörgang nicht vermissen will, weil er sich sonst so 
stark zusammeuzieht, dass man die Uebersicht über alle 
Tbeile der Höhle verliert. Auch scheint mir die Tamponade, 
wenn sie vorsichtig gemacht wird, nicht besonders schmerz 
halt zu sein und stärkere Granulationsbildung zurückzuhal- 
ten. Besonders in der Gegend der Tube, wo der Uebergang 
der Schleimhaut in die Epidermis sich befindet, treten häufig 
recidivirende Granulationsbildungeu auf. Zum scharfen Löffel 
und zum Galvanocauter habe ich nur in wenigen Fällen grei¬ 
fen müssen. Inh glaube daher doch, dass die Tamponade ein 
gutes Mittel ist, um stärkere Granulationsbildung zu ver¬ 
hindern. 

Dr. v. Zur-M üblen: Gewiss muss auch vom gesunden 
Knochengewebe, wenn es nöthig ist, so viel weggenommen 
werden, dass man einen klaren Ueberblick hat, doch muss 
darin eine gewisse Grenze innegehalten werden und nicht 
unnütz Gewebe zum Wegfall kommen, das dem Patienten 
sehr gut erhalten werden kann. 

Dr. Gau derer: Die vom Collegen v. Zu r-M ü h 1 e n 
angegebene Nachbehaudlungsmethode, den Gehörgang nicht 
zu tauiponiren, begrüsse ich mit Freuden, besonders da es 
beim besten Willen bei Kindern oft nicht möglich ist, die 
Tamponade regelrecht .durchzuführen, und werde sie einer 
Nachprüfung unterziehen. Ich habe selbBt ebenfalls die 
lamponade oft fortgelassen und die Granulationsbildung 
durch Alkoholeingiessungen ins Ohr aufzuhalten versucht, 
was auch meist ganz gut gelingt, aber recht schmerz¬ 
haft ist. 

Dr. A. v. B r a c k e 1-Libau hält seinen Vortrag: -l’eber 
Veuectasie und Varixbildung an den unteren Extremitäten“, 
nebst Demonstration einer durch operativen Eingriff entfern¬ 
ten varicös entarteten Vena saphena, in deren Verlauf über 
dem Coudylus int. femoris sich ein über kindskopfgrosser 
Varixknoten entwickelt hatte. 

(Autoreferat). 

Nach kurzer Wiedergabe der sehr verschiedenen Ansichten 
der Aetiologie der Veuectasie- und Varixbildnngen der un¬ 
teren Extremitäten und Schilderung des anatomischen Baues 
einer normalen Vena saphena major, referirt Vortr. die Kran¬ 
kengeschichte einer 30-jahrigen Frau, die angab bereits lü 
Jahre an einer Yeneiierweiterung des linken Unterschenkels 
zu leiden. Im Anfang soll nur die Vene an der Innenseite des 
Unterschenkels eciatisch gewesen sein, in den letzten Jahren 
jedoch, besonders aber nach einer soust normal verlaufenen 
Schwangerschaft und Geburt vor 27a Jahren, soll die Schlän¬ 
gelung der Vene am Unterschenkel zttgenommen und auch 
weiter hinauf auf den Oberscheukel sich erstreckt haben. Vor 
circa 4 Jahren giebt Patientin au eine ganz acut entsetzende 
Thtombose undPhebitis der geschlängelten Unterschenkelvenc 
durchgemacht zu haben. Etwa 14 Tage vor Aufnahme der 
Patientin in die Behandlung des Vortragenden, giebt sie au, 
an der Innenseite des Knies, direkt auf der bereits vorhan¬ 
denen, erweiterten und geschlängelten Vene eine sehr empfind¬ 
lich schmerzhafte Anschwellung von Faustgrösse bemerkt zu 
haben, die sich sehr rasch im Laufe eines Tages entwickelt 
haben soll. Obwohl Patient sofort die Bettruhe aufgesucht 
und das Bein hochgelagert hat, ist die Anschwellung trotzdem 
grösser geworden und hat sich nach oben auf den Uberschen¬ 
kel hin ausgebreitet. In den letzten Tagen hat die spontane 
Schmerzhaftigkeit bedeutend zugenommeu, die Haut über der 
Anschwellung soll sich geröthet haben und die auf der In¬ 
nenseite des Oberschenkels sich nach oben hinauf ziehende 
schmerzhafte Verdickung soll auch stärker hervorgetreien 
sein. — Irgend eines Traumas oder einer Anstrengung des 
betreffenden Heines ist sich Patientin nicht bewusst. Patientiu 
ist verbeirathet, lebt in guten Verhältnissen, hat einmal vor 
2V» Jahren geboren. Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett 
sind normal verlauten. Menses regelmässig, nicht schmerzhaft 


von 3-wüchentlichem Typus, 4—5-tägiger Dauer. Als Kind 
hat Patientin Masern und Scharlach, vor 10 Jahren die na¬ 
türlichen Pocken und vor einem Jahr eine Lungenentzündung 
dnrchgemacht. Sonst ist Patientin immer gesnud gewesen. 

S t a t. praes.: 

Patientin von hohem Wuchs, kräftigem Knochenbau, gut 
entwickelter Muskulatur und normalem Panicnl. adip. Haut 
und sichtbare Schleimhäute rein, geringen Grades anämisch. 
Zunge feucht nicht belegt, Temperatur 37,1 Radialpuls voll, 
kräftig, regelmässig, 60 pr. Miaute. Herz, Lungen und Ab¬ 
dominalorgane bieten einen durchaus normalen Befund. Harn 
klar, enthält weder Albumin noch Zucker. 

Am Unterschenkel des linken Beines, an der Innenseite 
tritt die stark geschlängelte, etwa Kleinlingerdicke. sich von 
der Umgebung deutlich abhebende, varicös entartete Vena 
saphena maj. deutlich hervor (Demonstration der Photo¬ 
graphie). 

Die Schlängelung beginnt gleich oberhalb des Mal. intern, 
und reicht bis zum Knie hinauf, woselbst in der Höhe des 
Condylus internus femoris sich ein kleinkindskopfgrosser 
runder Tumor abhebt, in den hinein die erweiterte und ge¬ 
schlängelte Vene sich verliert. Gleich oberhalb des Tumor’s 
zieht ein durch eine Anschwellung sich deutlich markirender 
Strang weiter auf den Oberschenkel hinauf nnd verschwindet 
etwa in der Mitte desselben im subcutanen Fett. Die Haut 
am Unterschenkel, wo sich ein grösseres Convolut erweiterter 
Venen vorfindet, braun pigmentirt, hart, pergamentartig, über 
dem grossen Tumor lebhaft geröthet, glänzend, gespannt. Die 
geschlängelte Vene tühlt sich am Unterschenkel hart und 
sclcrotisch an, ist beinahe kleinfingerdick, mit der Haut, be¬ 
sonders an der braunpigmentirten Stelle verbacken. Die Vene 
lässt sich jedoch auf ihrer Unterlage als derber Strang ver¬ 
schieben, giebt dem Fingerdruck nicht nach, kann nicht com- 
primirt werden. 

Diese ansgesprochene Härte des verdickten Venenstrauges 
lässt sich bis zur tumorartigen Anschwellung am Knie biu 
verfolgen. Der Tumor über dem Condyl. intern, ist von halb¬ 
kugelförmiger Gestalt, glatter Oberfläche, auf der Unterlage 
verschieblich, fühlt sich prall elastisch an, ist bei geringem 
Druck schon recht empfindlich. Sein Umfang an der Basis 
beträgt 29 ctm. Nach oben hinauf bis auf den halben Ober¬ 
schenkel ist entsprechend der sichtbaren Anschwellung ein 
harter Straug zu verfolgen, der annähernd cyliudrische Form 
hat, an einzelnen Stellen Einschnürungen anfweist und 
gleichfalls auf Druck sehr empfindlich ist. 

Die Diagnose wuvde auf Phlebitis varicosa ernris chronica 
et Tromboendophlebitis acuta femoris venae saphenae magnae 
cum dilatatione et Tumore varicoso maximo gestellt. 

Patientin ging auf den Vorschlag einer operativen Entfer¬ 
nung der gesammten entarteten Vene ein und am i4. Octob. 
1900 wurde die Opeiation in Aethernarkose in Ausführung ge¬ 
bracht. Nach voraufgegangener gründlicher Desinfektion aes 
Operationsgebietes mit heissem Wasser und grüner Seife, 
Alcoliol und Sublimat, wurde zunächst ein Längsschnitt an 
der Innenseite der Mitte des Oberschenkels gemacht und hier 
die Vena saphena oberhalb der Trombose und Dilatation frei- 
gelegt. In ihrem normalen Theil winde sie doppelt unterbun¬ 
den und zwischen den Ligaturen durchechnitten. Nun wurde die 
Haut weiter nach unten bis zum grossen Varixknoten ge¬ 
spalten und die entartete Vene ohne Schwierigkeit von oben 
beginnend excidirt, indem auf sorgfältige Blutstillung der 
•Seitengefässe, die alle noch offen waren, geachtet wurde. 
Nachdem die Vene bis zum grossen Varixknoten excidirt war, 
wurde die bis hiezu gesetzte Hautwunde am Oberschenkel 
lege artis mit Silkworm geschlossen. Sodanu wurde die Haut 
beiderseitig halbbogenförmig an der Basis des Venentumors 
durchschnitten und letzterer stumpf von der Fascie losge¬ 
löst und in Zusammenhang mit dem bereits excidirten Theil 
der Vena saphena exstirpirt. Sodann wurde dieser Theil der 
gesetzten W und« wieder mit Silk vernäht und der Hautschnitt 
weiter nach unten auf den Unterscheukel fortgeführt, um 
auch hier bis zum Mall, intern, die varicös entartete Vene in 
toto zu excidiren. Auch hier wurde aufs sorgfältigste die 
Blutstillung vorgenommen, da auch hier sämmtliche Seiten- 

f efässe orten waren. Gleich oberhalb des Mall, intern, wo sich 
er grössere Veneustamm aus der Confluenz mehrerer kleine¬ 
rer Venen bildet, wurden diese, da sie offen waren, zuerst 
unterbunden und sodann die in toto excidirte- Vene oberhalb 
der Ligatnren abgetragen. Die Haut wurde hier am Untei- 
schenkel ebenfalls mit Silk vernäht, ein Trocken verband an¬ 
gelegt und das Hein in eine Volkmann’sche Blechschiene fixiit 
und hochgelagert. Operationsdauer 44 Min. Aetherverbraoch 
130 gram. 

Der Krankheitsverlanf gestaltete sich völlig zufriedenstel¬ 
lend, Puls nnd Temperatur blieben in durchaus normalen 
Grenzen, die höchste Temperatur am Abend des 3. Tages 
betrug 37,2. Am 8. Tage wurde der erste Verband gewech- 


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102 


seit. Das Bein nicht geschwollen, die überall gut liegenden 
Wundränder waren nirgends geröthct, trocken. Entfernung 
eines Theiles der Suturen, erneuter Trockenverband ohne 
Schienenlagerung. Am 12. Tage zweiter Verbandwechsel, 
Entfernung der letzten Suturen, die Wunde in ganzer Aus¬ 
dehnung per priniam verheilt. Patientin bekam eine leichte 
Flanellbinde, durfte am 14. Tage anfstehen und wurde am 
17. Tage aus der Klinik entlassen. Zehntägige Massage des 
Beines um Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit des Beines 
wieder völlig zu erzielen. In kurzer Zeit war die Frau 
wieder ganz mobil und konnte ohne jedwede Beschwerden 
wieder ihren Pflichten als Hausfrau nachkomroen. 

Nach 3 Monaten stellte sich die Patientin wieder vor. Sie 
war völlig normal in allen ihren Bewegungen, hatte keinerlei 
Beschwerden, keine weitere Dilatationen oder Venenerweite- 
rungen am Bein zu constatiren. 

Demonstration des in Formalin conservirten Präparates : 
Schon makroskopisch vereinigt das Präparat in sich zwei 
ganz gesonderte Stadien der Venenerkrankung. 

Die dem Unterschenkel angehörende Partie des Gefässes 
documentirt sich als eine bereits längere Zeit bestehende, 
in chronischem Veränderungszustand befindliche varicöse 
Phlebitis. Das Gefässrohr ist geschlängelt, voluminöser als 
unter normalen Verhältnissen, die Wand desselben ist hart, 
selerotisch und bereits makroskopisch hochgradig verdickt, 
das Gefässlumen ist stark eingeengt. 

Die in der Kniegegend und dem Oberschenkel excidirten Theile 
der entarteten Vene weisen dagegen mehr ein acutes Er¬ 
krankungsstadium auf: das Gefässrohr ist hier stark dilatirr, 
weist Ausbuchtungen der Wand und spindelförmige An¬ 
schwellungen auf, an einer Stelle einen grossen, tumorartigen 
Varixkuoten. Die Wand des Gefässes ist gespannt, stark 
ausgedehnt, verdünnt und das Gefässlumen von einem fri¬ 
schen rothen Thrombus ausgefnllt, der nach oben spindelförmig 
sich verjüngt und iu ein makroskopisch anscheinend normales 
Gefässlumen hineinragt. 

Noch bedeutender wird der Unterschied dieser Theile bei 
mikroskopischer Betrachtung: (Demonstration der raikroskoD. 
Präparate). 

Bei der chronischen varicösen Phlebitis der abhängigen, dem 
Unterschenkel angehörigen Theile des Präparates befinden 
sich Bämmtliche Schichten und Elemente der Gefässwand in 
ausgesprochener Hypertrophie. 

Eine Wucherung des Bindegewebes, aber auch der glatten 
Muskelfasern, besonders aber eine Endophlebitis fibrosa, die 
in Form dicker, massiger Wülste in das Geiässlnmen hinein¬ 
ragt, lässt sich nachweisen, so dass das Lumen ; ht mehr 
rund oder oval ist, sondern mehr eine sternförmige Gestalt 
bekommen hat. Dabei ist es vollständig durchgängig. Das 
Endothel der Intima ist zum Theil vorhanden, zum Theil 
aber auch bindegewebig entartet, so dass keine Kerne mehr 
nachweisbar sind. Das gesammte Innenlumen macht den 
Eindruck als ob es angenagt, zerfressen ist und die Wan¬ 
dung lässt nur Beste von den einzelnen Bestandtheilen 
einer normalen Vene erkennen. Auch die Vasa vasotumsind 
in einem Zustande bindegewebiger Hypertrophie. 

Das Bild erinnert vielfach an die Veränderungen, die mau 
mikroskopisch bei der Arteriosclerosis zu sehen gewohnt ist. 
Grundverschieden von den eben geschilderten Veränderungen 
ist das mikroskopische Bild des Theiles der Gefässwand, der 
sich im Zustande acuter Dilatatiou und Tromboendophlebitis 
befindet. Hier sind die einzelnen Häute der Venenwand aus¬ 
einander gezogen, die Wand selbst ist dünn; die Intima be¬ 
sitzt kein eigentliches Endothel, sie befindet sich im Zustande 
bindegewebiger Wucherung,die sich gegen den das Binnenlumen 
des Gefässes verschliessendeu Trombus vorschiebt. Von den 
elastischen Elementen der Gefässwand ist garnichts mehr 
nachzuweisen, die Media ist dabei noch am wenigstens tan- 
girt, wenngleich auch sie ausgezogen ist und vielfach klein¬ 
zellige Infiltrationen aufweist, die die eiuzelnen Muskelfasern 
auseinander zu drängen bestrebt sind. Es ist wohl anzuneh¬ 
men, dass diese kleinzellige Infiltration der erste Keim des 
jungen Bindegewebes sein mag, der zu späterem Ausgleich 
der durch die Dilatation bedingten Missverhältnisse dienen 
soll. Die Advemitia ist fast vollständig aufgezehrt und uur 
in dünnen langgezogenen Besten vorhanden. Der das Innen- 
lumen total ausfüllende Trombus ist geschichtet. 

Aus dem Mitgetheilten geht hervor, dass die varicöse Er¬ 
krankung der Vene wohl verschiedene Stadien durchzumachen 
hat und dass je uach dem Zustande, in welchem sich die er¬ 
krankte Vene befindet, sich auch sehr wechselvolle patholo- 
isch-aDatomische Veränderungen der Veueuwand werden er- 
ennen lassen. 

Die Untersuchungen von Soborow, die er an «ectatischen 
Venen mit dicken Wandungen und an ectatischen Venen mit 
dünnen Wandungen» gemacht hat. sind also wohl nicht ver¬ 
schiedene Krankheitstormen, sondern vielmehr bloss nur ver¬ 
schiedene Phasen ein und derselben Erkraukung resp. Ver¬ 
änderung des Gefässes. 


Die ausschlaggebende Grundursache für die anatomischen 
Veränderungen der Venenwand, wird vermuthlich wohl nor 
in dem erhöhten, oft remittirenden Binnendruck des Gefisi 
rohres, wie er durch Stauung der Blutsäule hervorgerufen 
wird, zu suchen sein. Mag nun die Stauung ihrerseits durch 
ein mechanisches Hinderuiss, mag sie durch insufficient ge 
wordene oder durch mangelhafte Anlage der Venenklapp^ 
ausgelöst werden, immer wird und muss sie denselben Effect 
d. h. Dehnung der Gefässwand znr Folge haben. 

Gerade die Dehnung der Gefässwand ist nach Ausichtdes 
Vortragenden die erste Ursache iu der langen Beilte derEot 
Wickelung der venösen Dilatation und Tromboendophlebitis 
varicosa. Ist erst einmal die Gefässwand durch Dehnung ge¬ 
schädigt, dann entwickelt sich auch eine manifeste anatomisch 
Erkrankung der einzelnen Elemente der Wandung. Wohl 
ohne Zweifel muss diese Gefässw&nderkrankung anfangs eine 
Schwächung der Wand zur Folge haben, denn durch die 
Dehnung werden die Verbiudangen der einzelnen Theile der 
Venenwand gelockert und besonders, was sich auch in den 
beschriebenen Präparaten erkennen lässt, die elastischen Eie 
mente derart überdehnt, dass sie anatomisch auch mit den 
subtilsten Färbemitteln nicht mehr kenntlich gemacht werden 
können. Gleichfalls sind die muskulösen Elemente der Wand 
in Toto überdehnt, functionsuntüchtig, eventuell zum Theii 
zu Grunde gegaugeu und nuu tritt, um Compensation zu 
schaffen, eine bindegewebige Wucherung aller Theile der 
Gefässwand ein, die dann ihrerseits in späteren Stadien chro¬ 
nischer Formen das ganze anatomische Bild beherrscht. 

Das erste ausschlaggebende Moment der Entwickelung der 
varicösen Veuenerkrankung bleibt demnach wohl nur in der 
Dehnung der Gefässwand zu suchen, in deren Folge sich all 
die veseniedeneu successiv nach einander kundgebeuden ana¬ 
tomischen Veränderungen der Venenwand entwickeln. 

Dr. L. Ga u derer- Kiga hält seinen Vortrag: -Ope¬ 
rative Heilung einer Atresie des Gehörganges“. Demonstra¬ 
tion. Ist in extenso erschienen in der «St. Pet. Med. W.s. 

Dr. J. Brennsohn-Mitau hält seinen Vortrag: 
„Leber die Frllksyraptome and die heutige Behandlung der 
tnbercnlöseu Wirbelentzüudung-. Mit Demonstiatioueu. Der 
Vortrag ist in exteuso in der «St. Pet. Med. W.» abgedruckt. 

Dis cnsBion: 

D r. Wolfram. Herr Dr. Brennsoh n hat ein meiner 
Meinung nach sehr wichtiges und charakteristisches Symptom 
uicht erwähnt: nämlich jene Erscheinung, dass die krauken 
Kinder schon im Beginn der Erkrankung, wenn die Wirbel¬ 
säule ihre Dienste als Siützmittel des Körpers zu versaget) 
beginnt, nach einem neuen Siützmittel suchen, und z. 13. 
beim Slchaufrichten die Arme zu Hülfe zu nehmen, die sie 
dabei auf die Oberschenkel aufstützen, ebenso beim Bücken 
Dieses Symptom hat auch Bedeutung für die Beurteilung 
ob das C'orset, weiches eiu aus der Behänd] ung temporär ent¬ 
lassenes Kind trägt, noch taugt, oder ob ein neues nö* 
thig ist. 

Dr. ßrenusohn. In der kurzen Zeit habe ich dies« 
Symptom sowie auch noch manches andere übergehen müssen 
D r. W o 1 f r a m - Bi g a reterirt an Stelle des abwesenden 
Dr. Orl ow über eiuige chirurgische halle mit Demonstra¬ 
tion von Präparaten (Uastreciomia, Besectio duodeni, ein Fall 
von Oesophagotomie). 

Weiterer Bericht Uber die vor einem Jahre demonstrirte 
Frau ohne Magen. 

Patientin hat sich bis ztun 25. April a. c. vollkommen wohl 
gefühlt und ihre meist schwer veidauliche Kost gut ver 
tragen. (Im Ganzeu sind es jetzt 14 Monate nach fintier 
nung des Magens). Am 25. April glaubt sie sich beim Was¬ 
sertragen erkäiiet zu haben und suchte meine Anstalt ant 
Die Untersuchung ergab eine diffuse Bronchitis und bedeu¬ 
tende Coprostase, was ich anfaugs als durch Oarcinomrecidiv 
bedingt auft'asste. Temp. 38—39 J . Patientin wurde auf Fie¬ 
berdiät gesetzt und alle Erscheinungen verschwanden, doch 
musste Patientin schon am 3. Mai aus der Austalt entfernt 
weiden, da sie sich der L'iät nicht lügen wollte und habe ich 
seibige aus der Beobachtung verloren. 

Ein Fall von Oesophagotomie. 

Patient 2'/s Jahre alt hatte schon vor 5 Tagen ein 3-Ko- 
pekeustück verschluckt, verschiedene anderweitig mit dem 
Alunzeutäuger vorgeuommene Versuche hatteu ein negatives 
Besultat ergeben. Auch die Böuigenuniersuchung fiel an¬ 
fangs negativ aus, da wir die Müuze im Abdomen yeimii- 
theten, erst die Photographie des Haises ergab eine am 
oberen Bande des Sternums befindliche Münze. 

Um zur Münze zu gelangen wurde in der Fossa jugulaim 
incidirt, meist präparando vorgegaugen, die Tracuea z ur 
Seite gezogen, der Oesophagus treigelegi uud incidirt. Die 
Operatiou gelang verhältuissmässig leicht und ohne nenneus- 
wertheu Blutverlust. 

Geschlossen wurde der Oesophagus mit Formalincatgut 
und die übrige Wunde mit Jodoformgaze tampouiit- Am 







\ 

IG* 


4. Tage post Operationen! etablirte sich eine Oesophagnsfistel, 
welche allmählich schein ausheilte. Gleich vom ersten Tage 
an erhielt Patient flüssiee Nahrung. 

Ueber den Fall von Reseotio doodeni ist ein ausführliches 
Referat in der «St Pet. M. W.» erschienen. 

l)i8cn8sion: 

Di. T r u h a r t. Gegen die Angabe des Vorredners, laut 
welcher in der Literatur im letzten Jahrzehnt über Gastrec- 
toraieeu und Duodenotoinieeu nichts zu finden sei, muss 
ich Einspruch erheben. Die rechte Oberbauchgegend darf 
als Praedilectionsraum für Neubildungen und zwar meist 
maligner Art ungesprochen werden: Pylorus, Gallenblase, 
Duodenum und insbesondere die Bauchspeicheldrüse sind 
iiberan8 häufig Sitz von Tumoren. Ganz abgesehen von den 
von Herrn Wolfram erwähnten Pancreascysten, von denen 
243 bisher beobachtet und ca. 180, unter dieseu 23 mittelst 
Totalexstirpation behandelt wurden, liegen literarische Mit¬ 
tbeilungen über solide Pancreastumoren allein in der 
Zahl von 898 Fällen und zwar von 864 Carcinomen, 
37 Sarkomen , 5 Adenomen, etc. vor. Nnr in 233 

Fällen handelte es sich, soweit ich solches habe fest¬ 
stellen können, um primären Krebs der Drüse, in allen 
übrigen Fällen trat er secundär vom Magen, von der Gallen¬ 
blase, vom Duodenum u. s. w. aus seine Ueberwanderung an 
und keineswegs sehr selten hat er zu operativem Einschreiten 
Anlass geboten. Schon Billrot h batte wiederholt Gastro- 
und Duodenotoroieen und in weitem Umfange Resectionen von 
Magen und Zwölffingerdarm vollzogen. Selbst die Total¬ 
exstirpation des Magens darf keineswegs mehr als ein «Uni¬ 
com» bezeichnet werden. Palliativoperationen, wie Chojecysto- 
tomieen und Cholecystenterostomieen sind mir in 78 Fällen 
bekannt. Gastroenterostomiesn 3 Mal, von Stansfield, 
Trendelenborg und G a 11 a n d e t, ausserdem ist sogar 3 
mal die Pancreatico-Duodenotomie von Biondi, von Ter¬ 
rier und Weir aasgeführt worden, weil der Dnctns pan¬ 
creaticus durch die Duodenaltumoren verschlossen war; aller¬ 
dings trat in den beiden letztgenannten Fällen, wo es sich 
um Carcinom handelte, alsbaldiger Tod ein, Biondi er¬ 
zielte aber bei Adenom des Pancreaskopfes dauernde Heilung. 

Bei diesen Tumorenoperationen geht es sehr hänfig nicht 
ohne Resectionen, ohne partielle Exstirpationen der einzelnen 
Nachbarorgane abv 11 Mal ist allein bei Krebs des Pan- 
creas die Exstirpation and zwar 6 Mal, allerdings nnr mit 
temporärer Heilung, aber doch bis zu 7 und 9'Monaten, 8 
Mal bei Sarcom,hier 1 mal mit Dauerheilung von Briggs 
und desgleichen eine solche von Biondi in jenem Fall von 
Pancreasadenom erzielt worden- Rnggi iu Bologna war 
1889 der Erste, welcher bei Pancreaskrebs durch Totalexstir¬ 
pation dauernden Heilerfolg erreicht hat. Richardson 
hat noch im vorigen Jahre beim Pyloruscarcinom einen be¬ 
trächtlichen Theil.des Magens mit dnrehans günstigem Effect 
entfernt. Gastrektomieen, Duodenotomieen, sowohl Resectionen 
wie Exstirpationen sind daher heutzutage nicht als solche 
Raritäten in der Chirurgie anznsehen. 

Dr. Vierbuff - Dwinsk (Dünabnrg). In dem von Dr. 
W olfram referirten Falle kann eigentlich nicht von Re- 
sectio duodeni sondern vou Laesio oder höchstens partieller 
Uesectio duodeni die Rede sein 

.Schluss der I. Sitzung. 

Dr. med. G. \Y e i d e n b a n tu. 


Vermischtes. 


— Das Befinden Prof. Rudolph Virchow's ist, 
den leizten Nachrichten aus Berlin zufolge, ein recht befrie¬ 
digendes. Der Patient kann schon ohne jede Hilfe im Zim¬ 
mer sich bewegen nnd hat bei befriedigender Nachtruhe und 
Schlaf leidlich guten Appetit. Am vorigen Sonntag hat er 
bereits seine erste Ausfahrt nach dem Unfall gemacht. Er 
besuchte das pathologische Museum, wo ihn seine Assisten¬ 
ten nnd einige Studenten erwarteten und ihm einen Rosen- 
strauss überreichten. 

— Prof. Richard Freiherr v. Krafft-Ebing, 
der berühmte Psychiater der Wiener Universität, ist auf sein 
Ansuchen nach 30jähriger Lehrtbätigkeit in den Ruhe¬ 
stand versetzt worden. Gesundheitsrücksichten sollen 
den Gelehrten, der noch nicht 62 Jahre alt ist, veranlasst 
haben, vorzeitig sein Lehramt niederzulegen nnd sich von der 
klinischen Thätigkeit zurückznziehen. An der Wiener medi- 
cinUchen Fakultät ist seit H y r t l's vorzeitigem Rücktritt 
kein solcher Fall vorgekommen. 

— Nach Ausdienuug der Dienstfrißt sind die ordentlichen 
Professoren der Charkower Universität Dr. I. N;Obolen- 
ski (Therapeut) und Dr. N. F- T o 1 o t s c h 1 n o w (Gynä¬ 
kologe) v e r a bschiedet nnd ist in Folge dessen ein C o n- 


enrs zur Besetzung der vacanten Lehrstühle 
der therapeutischen Fakultätsklinik und der Geburtshilfe 
nnd Gynäkologie an der Charkower Univeisität ausgeschrie¬ 
ben worden. Bewerber um diese vacanten Lehrstühle haben 
sich bis zum 27. Mai 1902 zu melden. 

— Wie aus Charkow gemeldet wird, tritt in diesem Se¬ 
mester auch der langjährige Professor der Augenheilkunde 
au der dortigen Universität, Dr. Leo Hirsch mann in 
den Ruhestand. 

— Zum Nachfolger des verstorbenen Prof. Podres auf 

dem Lehrstuhl der chirurgischen Hospital- 
klinik an der Charkower Universität ist von der 
medicinischen Fakultät Prof. N. A. Ssokolow gewählt 
worden, welcher bisher den Lehrstuhl der chirurgischen Pa¬ 
thologie inne hatte. Mit Prof. Ssokolow concarrirten 
Prof. W e d e n s k i aus Tomsk, Prof. Kusnezow aus \\ at- 
schan, Privatdocent Filippow aus Charkow und Dr. 
Klemm ans Jurjew (?). (R. Wr.) 

— Zur Feier von Prof. E. v. L ey d e n ’s 70. G e b n r t g - 

tag, gleichzeitig auch zur Erinnerung an das 25j ährigo 
J u b i 1 ä n m se i n e r Le h r t h ä t ig k ei t in Berlin, wird 
am 7. (20.) April Vormittags ein Festact in der Berliner 
Philharmonie stattfinden, bei welchem die verschiedenen De¬ 
putationen ihre Glückwünsche darbringen werden. Der Ver¬ 
ein für innere Medicin veranstaltet ein eigenes 
Festmahl am 11. (24•) April. Auch der Congress für 
innere Medicin wird am 3. (16.) April in der Vormit 
tagssitznng in Wiesbaden eine Leyden-Feier veran¬ 
stalten. (Allg. med. C.-Ztg.) 

— Zam ausserordentlichen Professor auf 
dem Lehrstnhl der Diagnostik an der Odes¬ 
sa er U tiiversität ist der Privatdocent der Militär-Me- 
dicinischen Akademie Dr. M. P. Michailow ernannt 
worden. 

— Der Director der Michail-Schule der Kais, patriotischen 
Gesellschaft, Mitglied des Allerhöchst eingesetzten Cotnit£& 
zur Verpflegung der Armee, Arzt wirkl. Siaatsrath L a g o d a 
ist auf eigenes Ersuchen von seiner erstgenannten 
Stellung enthoben worden. 

— Wie die Zeitung «Permski Krai» berichtet, sind 
sämmt liehe Landschaftsärzte des Tscher- 
dyn’scheu Kreises, in Folge von Zwistigkeiten mit 
dem Landschaftsamt, in einer Collectiverklärnng 
nmi : hren Abschied ein gekommen. (R. Wr.) 

— Befördert zum Staatsrath: der Divisionsarzt 
der 17. Infanterie-Division Dr. G r o s s m a n n. 

— Verstorben: 1) Am 21. December 1901 auf der In• 
sei Kotelny der neusibirischeu Inselgruppe Dr. Hermann 
W alter, Arzt und Mitglied der Polarexpedition des Baron 
Toll, plötzlich im 38. Lebensjahre. Geboren zu Ermes 
(Livland), erhielt der Hingeschiedene seine Schulbildung im 
Dorpater Gymnasium and bezog darauf die Dorpater Univer¬ 
sität, an welcher er von 1884 - 91 Medicin studirte nnd 1892 
die medicinische Doctorwürde erlangte. Seine praktische Thä¬ 
tigkeit begann er als Assistenzarzt an der städtischen Clio- 
lerabaracke in Riga und nach Erlöschen' der Cholera 
am Rigaschen Stadtkrankenhause. Nachdem er sodann ein 
Semester in Berlin und Wien Studien halber zugebracht, 
Hess er sich 1896 als praktischer Arzt in Jurjew (Dorpat) 
nieder. Anfgefordert, an der rassischen Polarexpedition 
theilzunehmen, machte er im Sommer 1899 als Voiberejtong 
die Expedition des Akademikers Knipowitsch an die 
Murmankü8te mit, wo er sich eifrig mit zoologischen Unter¬ 
suchungen beschäftigte, am dann mit Baron Toll auf der 
«Sarja» nach Bennet-Laud sich zu begeben. Während des 
Ueberwinterns in der Taimyr-Bucht erkrankte Walter im 
April 1901 schwer »in Gelenkrheumatismus, dessen Folgen 
wohl auch den plötzlichen Tod veranlasst haben. Wie in 
einem warmen Nachruf in der «Nordl. Ztg.» dem Hingeschie¬ 
denen nachgesagt wird, war er körperlich stark, voll Aus¬ 
dauer, von Jugend aaf geschult im Beobachten der Natur, 
die er in allen ihreu Erscheinungen liebte, ein aasgezeich¬ 
neter Jäger, voll Hnmor, ein guter Kamerad und liebevoller 
Arzt, so dass Baron Toll kein geeigneteres Mitgliei für 
seine Expedition hätte wählen können. — 2) Ara 11. März 
hierselbst der ehemalige Professor der Psychiatrie an der 
Medico-Cbirurgischen Akademie, beratendes Mitglied des 
Medicinalratli8 nnd des Militär-Medicinischen Gelehrten Co- 
init6s, wirkl Geheimrath Dr. J. M. Bali n sk i im Alter von 
75 Jahren. Er war ein Zögling der Medico-Chirurgischen 
Akademie, an welcher er 1850 den Arztgrad erlangte und 
später als Professor wirkte. Er ist auch Gründer der psy¬ 
chiatrischen Gesellschaft in St. Petersburg (1861). — 3) Am 
7. März hierselbst in der Klinik für Geistes- and Nerven¬ 
kranke der Militftr-Medicinalinspector des Omskischen Militär¬ 
bezirks wirkl. Staatsrath Dr. W. W. Lakoms kf. Der 
Verstorbene ist seit 1861 als Arzt thätig gewesen. — 4) In 
Kroki (Gonv. Kowno) der freiprakticirende Arzt Felix Ja- 
kubowski im 46. Lebensjahre am Flecktyphus. Obschon 


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er sich einer aus gebreiteten Praxis in alten Schichten der 
Bevölkerung erfrente, so hat er doch seine' Frau mit einem 
kleinen Kinde ganz mir teil os hinterlassen. —5) In New-York 
der bekannte Gynäkologe Dr. Paul Mund 6, ein Schüler 
Skanzoni’sin Würzburg, im 66.- Lebensjahre an einem 
Herzfehler. Der Verstorbene, welcher aus Dresden stammte, 
war einige Zeit Präsident der New-Yorker geburtshilflichen 
und der Amerikanischen gynäkologischen Gesellschaft nnd 
redigirte viele Jahre das «American Journal of obstetrics». 

— Zum Nachfolger des verstorbenen Professor Julius 

W o 1 f f ist der ausserordentliche Professor Dr. Albert 
H offa (in Würzburg) auf den Lehrstuhl der orthopädischen 
Chirurgie in Berlin berufen worden. .H. hat sich durch seine 
Leistungen auf dem Gebiet der Orthopädie, namentlich durch 
die Behandlung der angeborenen Hüftgelenkerkrankung, 
einen Namen gemacht. . 1 _ . • 

— Auf den neue r.eir ten< Le.hr Stuhl der Syphi- 
lidologie und Dermatol'ogiein Rostock ist der 
Privatdocent Pi 7 >f. W a I fce j* in Bonn als ausserordent¬ 
licher Professor- berufen worden. 

— Die Leitung der durch den Tod von Prof. 
Kaposi yecii.nl gewordenen Klinik für Haut,- 
krank heften in Wieu ist dein Privatdocenton Dr. 
K r e i bi q h in be r i m i s t i sc h übertragen worden. 

— Prof. Dr- Behring (Marburg) hat die ihm zuerkannte 
Nobel- Prämie im Beträge von 168,000 Mark zur 
Errichtung eines Instituts für Experimental- 
Therapie i n -M a i b n r g gespendet. 

— Nach dem Jahresbericht (1901) der Moskauer Ah* 
th ei 1 u n g der t. Petersburger ärz tli c h e u G e- 
8ellschaft zur gegenseitigen H ii 1 f e 1 e i s t u u g, 
aus welchem der Sewetär W. D u b r o w i u im «R. Wr.» 
Mittheilunge» macht, zählte die genannte Abtheilung zum 
1. Januar 1902 — 234 M i tg 1 i ed e r (gegen 206 im Vor¬ 
jahre), Der CaOenbestand beljef sich auf 2670 Rbl. 
7 Kop. Darlehen wurden lm vorigen, Jahre von sechs 
Personen im Gesaramtbetrgge von 750 Rj>l; genommen. Zn 
E h re n r i c li tei n wurden fiL’ das laufende Jahr Dr. K, F. 
Klein. Dr. N. S. S p a s s o k o k u z k i und Dr. P. A. 
Schirjajew und zuui Qandiduteu Dr. L. VV.. Warnek 
gewählt. 

—- Das internationale Centralbureau zur 
Bekämpfung der Tuberculose, welches sich mit 
dem Sitz in Berlin gebildet hat, wird eine Monats¬ 
schrift unter dem Titel «Tuberculosis» heraus- 
gebe», welche unter der Reaäction des aus den Herren Alt- 
h uff, Frankel, Gerhardt, Leyden und Panu- 
w i t z bestehenden Organisationsaasschusses erscheinen wird. 

— Die werthvolle gegen 25|000 Nummern enthaltende med- 
Bibliothek des verst. Münchener Klinikers 
P r o f. v. Z i e m 8 8 e n Ist ln den Besitz der Buchhandlung 
Gustav Fock ln Leipzig über gegangen. (Prag. m. W.) 

'Der Geschäftsausscliüps der Berliner ärzt¬ 
lichen; Stand es verei ue hat folgeudep bemerkens- 
wer.then Beschluss gefasst: Die ärztliche Behand¬ 
lungin den Polikliniken darf nicht zur Er¬ 
werbsquelle werden. Deshalb Ist es unstatthaft, von 
Patienten, welche die Poliklinik dej* poliklinischen Behand¬ 
lung wegen aufsnehen, für die ärztliche Hnlfeleisiun|; Hono¬ 
rar zu nehmen. Berechtigt zur Inanspruchnahme poliklini¬ 
scher Behandlung sind nur Unbemittelte. 

— Die Straßburger Universität hat -vor Kurzem 
eine allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende neuer¬ 


baute medicinische K I i n i k erhalten. Di rector der¬ 
selben ist bekanntlich der frühere Dorpater Profesor Dr. 
Nauny n. 

Epidemiologisches. ln London herrscht eine 
heftige Pockenepidemie, die dem (Jinstanie znzu- 
schreiben ist, dass der Impfzwang nicht, wie erforderlich, 
dnrehgefülirt wurde. Znr Zeit sind etwa 2000 Pockenkranke 
in Behandlung und die Zahl der täglichen Neuerkran- 
knngen beträgt 40—60. Cholera. Die Städte Hong¬ 
kong und G.anton in China sind für von der Cholera in- 
ficirt erklärt worden. Die Stadt Bagdad tet seit dem 
6. März für p e s t f r e i erklär t. Bf. 

— Ule Oesaniuuakl der Kranken in denCivi 1- 
hospitälern St. Petersbnrgi betrug am 2. März 
d. .1. 8827 ( 342 mehr ala io d. Vorw.). darunter 481 Typhus - 
(6 wen.), 792 Syphilis — (31 mehr), 288 Scharlach — (11 wen.). 
118 Diphtherie — (5 wen.). 86 Masern — (9 mehr) und 24 
Pockenkranke — (5 wen. als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vorn 24. bis Februar 2. März 1902. 

Zahl der SterbefftUe: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: | | ^ ^ -g i-g ^ -g -g' | 

^ I7 ? m m ? 11 

O CD CD M »H ^-4 fH r-4 p-« f jH 

408 336 743 164 52 97 19 12 34 62 81 61 56 51 37 16 1 
2) nach den Todesursachen: 

Cyph. exapth. 0, Typh. abtL 21, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, Pocken 1„ Masern 14, Scharlach. 22. 
Diphtherie 28, Cronp 0, Kenchlmsten 5. Croupöse Lungen¬ 
entzündung 31. Erysipelas, 2, Grippe 10, Cholera. .aaiatica 
0, Ruhr 1, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 0, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankneit 0, Anthrax 0. 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 1, Pytymie und Septicaemie 5, 
Tübörcnlose dej* Lungen 109, Taberculpge anderer Organe 29, 
Alkpholistnus and Delirium tremens 11. Lebensschwäche und 
Atfyhhia infantum 55^ Marasmus senilis 26. Krankheiten der 
Verdanungeo*gane 64, Todtgeboreije 35. 


h ». >. 

-a ja xt ja 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 19. März 1902. 

Tagesordnung: D E. Koch: Ueber Infusoiien-D/arrhoe. 

2) Weber: Operative Behandlung ver¬ 
alteter Ellenbogenluxatibnen. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 8. April 1902. 



Insel Oesel (Livland). 

„Neue Heil- und Schlammbadeanstalt *. 

Saison 20. Mai bis 20. August. 

Nähere Auskünfte enheileu beieitwilligst die Aerzte der Anstalt: Dr. Victor 
Schultz, St, Petersburg. Moika 93, W. 10, Montags, Mittwochs und Sonn¬ 
abends \on 2 4., vom 20. Mai ab in Areusburg, Schloss-Strasse 11, Haus 
Baron Nolckeu: Di*. G. Carstens, Arensbnrg, Grosse Hafenstr., eigenes Haus; 
Dr. A. Baron Bass, Arensburg, Gouvernements Strasse 9. im eigenen Hause 
Neue illustrirte Broschüre: «Arensburg und seine Kurmittol» N. Kymmels 
Verlag, Riga 1902. (54)3—1. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Alexandra Kasarinow, HaKoxaeBcaa« Frau Oatharine Michelson. TarapBH- 
ya, a. 61, kb. 32: cnaa yaHga n. 30, kb. 17. 


Beste lijgroseopisehe 

Watte, 

von der Moskauer Mediziual-Ver- 
waltung zum Verkauf genehmigt, 
ist in allen Apotheken und Apothe¬ 
ke) magazineu zu liabeu. — Allein¬ 
vertreter der Ersten Deutschen Ra 
mie-Gesellschaft in Emmendingen 

Pychhu & Brandt 

Handelshaus 


Moskau, lljinka. 


(64) 5-1 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von K. L. RICKER in 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-und ausländ. Annoncen-Comptoiren angenommen. 


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Habituelle Obstipation etc. 


PILLEN 
0,10 der wirk¬ 
samen Substanz, 


ELIXIR 
0,01 in einem 
Esslöffel. 


SVlCIFIQUt 

£££g£lion[l 




t'ASCARINF ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendus 
de VAcadSmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 


<M. La fToiit,,J?uWe<*« de rAcade'mie de Mr- 
decine, 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Societe de Th^iapentiqtie: Constan- 
t|n Paul; Düjardiii-ßeauinet/., Medieation* 
nonvelles, 2. Serie; Biblioth^qne Charcot- 
Debove, l*urgati/s , p. 104: Prof. Lemoine, 
Lille, Therapentiqueclinigue, p. 305; Tison, 
höpital St. Joseph et Congres ponr l’avan- 
cement des Sciences, Bordeaux. 1895, 
r J'heil I p. 963; Prof. Charles, de Liege. 


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Ho8B.itenB.Cn6., 16 HapTa 1902r. Herausgeber Dr. Rudolf Wanach. Bucbdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. .V 15 


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WAr 1 uv. ' 

XXVII. JAHRGANG. ST. PETEKSBDKGiER tfeue Folge XIX. Jahrg. 

UEDICINISCEE W0CHESBGIE1F1 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. « Dr. Johannes Krannhals. 

Jnrjew (Dorpat). Riga. 

Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Oie «8t. Petersburger Medieiuisclie Wochenschrift» erscheint j eden 
Sjnnebeud. — Oer Abonnementspreii ist ia Euulftnd 8 Rbl. für das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr iucl. Postznstellnng; ia dea anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Iniertloneprel* 
färdie3malgespalteneZeile in Petit istl6Kop. oder 3& Pfenn.—Den 
Autoren werden 25 SeparatabiiigeihrerOriginalartikel zngesandt.— 
Referate werden nach dem Satze von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


■V Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate "W 

bittet man ausschliesslich au die Buchhandlung von X. L. Eioker in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectXI 14, zu richten.—Manusoripte 
sowie alle auf die Redaction bezüglichen Mittheilnngen bittet man an 
den geschäftsführenden Redactenr Dr.Eudolf Wanaoh in St.Pe- 
tersbnrg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital sn riehten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr. 


Jti 12 


St. Petersburg, (6. April) 23. März 


1902 


Inhalt: Dr. J. Finck: Die tuberculöse Spondylitis und die Ausgleichung des Pott’schen Buckels. — Dr. F. Frobeen: 
Ein Fall von Einrenkung der vorderen Schulterverrenkuug nach Riedel. — Bücheranzeigen und Besprechungen: Pri- 
vatdocent Dr. P. H. Gerber: Atlas der Krankheiten der Nase, ihrer Nebenhöhlen und des Nasenrachenraumes. — Proto¬ 
kolle des XIII. Aerztetages der Gesellschaft Livländischer Aerzte in Riga. — Vermischtes — Morta- 
liiäts-Bnlletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Dieser J>g liegt «N° 3 der Revue der Russischen Medicinischen Zeitschriften» bei. 


Die tuberkulöse Spondylitis und die Ausgleichung 
des Pottschen Buckels. 

Von 

Dr. J. Finck, 

Charkow. 

(Nach einem am 30. December 1901 auf dem 2. russischen 
Chirurgencongress in Moskau gehaltenen Vortrage.) 


Man nimmt für gewöhnlich an, dass die mechanischen 
Kräfte, welche zur Bildung des spondylitischen Buckels 
führen, folgende sind: 

1) das Trauma, 

2) die reflectorischen Muskelspannungen, 

3) die Schwere des oberhalb der afficirten Stelle 
sich befindenden Rumpfabschnittes. 

ad 1) Das Trauma hat seine Bedeutung insofern, 
als durch Stoss, Fall oder irgend eine Erschütterung 
die noch erhaltenen Spongiosabälkchen durchbrechen 
und nun erst die Wirbelsäule einknickt. Dagegen sind 
ad 2) Die reflectorischen Muskelspannungen als me¬ 
chanische Kraft von gar keiner Bedeutung. Als Beweis 
dient, wenn wir allein nur die Brustwirbelsäule be¬ 

trachten, der völlige Mangel au Muskulatur an der vor¬ 
deren Fläche derselben und der Umstand, dass die 

Bauchmuskeln, welche als Antagonisten der Rücken¬ 
strecker gelten, niemals bei Spondylitikern gespannt 
erscheinen und eine vorsichtige Palpation durch die¬ 
selben hindurch zu jeder Zeit möglich ist. Und doch 
beobachten wir gerade an der Brustwirbelsäule die 

grössten Buckel. Aber auch hinsichtlich der Lenden¬ 
wirbelsäule lässt sich der Beweis liefern. Der einzige 
Rumpfbeuger ist (bei fixirter unterer Extremität) der 

M. psoas (die Bauchmuskeln bleiben beim gewöhnlichen 
Beugen schlaff und treten nur in Action bei Einschal¬ 
tung bedeutender Widerstände, es sind daher nur 
Hilfsmuskeln). Dieser ist aber auch der Heber der un¬ 
teren Extremität (bei fixirtem Rumpfe). 

Eine Contractur des Psoas würde also einen auf¬ 
rechten Gang des Kranken ausscbliessen, was de facto 


nur dann der Fall ist, wenn es sich um eine wirkliche 
Psoascontractur infolge eines Abscesses handelt. Bei 
Spondylitis lässt sich aus einer noch so geringen Psoas- 
contractur auf Vorhandensein eines Abscesses schiiessen, 
auch wenn er noch nicht palpabel ist. 

Die reflectorischen Muskelspanüungen sind bei der 
Spondylitis der Brust- und Lendenwirbelsäule also nur 
einseitige, die Rückenstrecker betreffende und diese 
müssten der BuckelbiJdung geradezu entgegen arbeiten 
and zwar deshalb, weil die Extensoren des Rückens 
nicht direct am Wirbelkörper, an welchem sich ja haupt¬ 
sächlich der tuberkulöse Process localisirt, anfassen, 
sondern sich auf diesen über einen festen Punkt (Hypo- 
mochlion), als welcher die Wirbelgelenke anzusehen 
sind, übertragen. In Folge dieses Umstandes werden 
die Körper der Wirbel bei der Action der Strecker 
einander nicht genähert, sondern im Gegentheil von ein¬ 
ander entfernt. Es bleibt also noch 

ad 3) die Schwere des Rumpfes nach. Diese nicht 
geringe Last müssen wir als die einzige Ursache des 
langsam entstehenden Buckels ansehen. Sie ist die 
treibende Kraft, gegen welche sich der Krauke verge¬ 
bens durch Anspannung seiner Rückenmuskulatur .wehrt. 

Wir haben daher bei der Behandlung der Spondylitis 
hauptsächlich nur auf den zermalmenden Druck von 
oben Rücksicht zu nehmen und unsere ganze Aufmerk¬ 
samkeit auf seine völlige Beseitigung zu richten. Da 
aber bis heute noch kein Verband, kein Corset mit 
oder ohne Kopfhalter eine Buckelbildung verhindert ha¬ 
ben, so bleibt einzig und allein die horizontale Lagerung 
übrig, welche die ideale Art der Entlastung darstellt. 
Gegen ihre Anwendung sprach die Ansicht, dass trotz 
alledem die Buckelbildung fortschreiten müsse, weil 
doch durch sie die reflectorischen Muskelspannungen 
nicht beseitigt werden. Abgesehen nun davon, dass mit 
oben dargelegtem der theoretische Beweis dafür er¬ 
bracht ist, dass von reflectorischen Muskelcontracturen 
der Rumplbeugeiuuskeln gar keine Rede sein kann, so 
führt dazu auch die Beobachtung, dass bei zweckmässi- 


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ger, streDg durchgeführter horizontaler, Lagerung nicht 
nur nicht eine Zunahme des Buckels beobachtet wird, 
sondern im Gegentheil eine Abflachung, welche im Laufe 
der Zeit immer mehr zunimmt und schliesslich zu einer 
vollkommenen Streckung führt. Man hat nur dabei 
folgendes zu beachten: Das Gypsbett, in welchem die 
Kranken gelagert werden, muss immer bei reclinirter 
Lage des Patienten angefertigt werden. Die Reclina- 
tion muss immer mehr und ganz allmählich 'gesteigert 
werden und erreicht man das durch Unterlegen von 
Wattekreuzen unter den Buckel. Solcher Kreuze wer¬ 
den nach und nach 10—15 Lagen über einander ge¬ 
schichtet. Oder auch, man spannt einen breiten Gum¬ 
miriemen quer unter den Buckel und zieht diesen all¬ 
mählich immer stärker an. Es gelingt so und zwar 
ganz ohne jede Ausnahme Buckel, welche kürzere Zeit 
bestehen und nicht zu gross sind im Verlaufe von V* 
bis l'/i Jahren vollkommen auszugleichen. Zu beach¬ 
ten ist als strenge Regel, dass in dieser Zeit die Kran¬ 
ken sich nicht auf einen Augenblick aus ihrer horizon¬ 
talen Lage erheben oder in die aufrechte gehoben wer¬ 
den dürfen. Erlaubt kann nur werden die Kranken 
täglich eine Stunde auf den Bauch zu lagern. Allo zur 
Pflege nothwendigen Manipulationen müssen bei der ho¬ 
rizontalen Lage desselben abgemacht werden und muss 
selbstverständlich die allgemeine Pflege, welche nach 
meiner Ansicht in jedem Klima stattflnden kann, 
mit äusserster Sorgfalt geführt werden, sonst ist 
nicht viel zu erwarten. 

Aeltere und grosse Buckel sind auch heilbar, man 
muss nur vorher die Verwachsungen und Verklebungen 
lösen (bei knöcherner Consolidation ist nichts mehr zu 
machen) und den Buckel zu verkleinern suchen, bis eine 
horizontale Lagerung möglich erscheint. Das Verfahren 
C al o t ’ s ist dazu zu roh, es empfiehlt sich die Streckung 
allmählich und schonend vorzunehmen. Ich finde es 
am zweckmässigsten den Kranken auf ein breites Gum¬ 
miband, das in der Längsrichtung eines Rahmens aus¬ 
gespannt ist, zu lagern, wobei der Kopf mit einer Sei¬ 
denbinde am vorderen Querbalken des Rahmens befes¬ 
tigt wird. Die Füsse ergreift ein Assistent uud voll¬ 
führt eine massige Extension (keine Narkose). Die 
nöthige Reclination wird durch einen quer über den 
Buckel gespannten Flanellstreifen erreicht. Daraui 
folgt der Gypsverband bis unter den Kopf. Sobald der 
Verband trocken ist, stehen die Kranken auf. Dieser 
Verband wird monatlich einmal unter erneuter Exten¬ 
sion wiederholt, bis die nothwendige Verkleinerung de3 
Buckels erreicht ist. Darauf folgt die horizontale La¬ 
gerung (wie oben) bis zum völligen Ausgleich des 
Buckels. Erst dann tritt die Corsetbehandlnng ein. 
Das Modell zum Corset muss vom Arzte in Reclinations- 
lage angelegt werden, bei Erkrankung höher als der 
8. Dorsalwirbel muss unbedingt der Kopf vom Corset 
getragen werden. 

Buckel, welche ihrer Lage nach dem 1.—5. Dorsal¬ 
wirbel entsprechen, sind dieser Behandlung schwerer 
zugänglich. Man kann gute Besserungen, aber keine 
Heilung erzielen. 

Die Buckel der Halswirbel sind am besten mit dem 
grossen Gypsverbande zu behandeln, der unter mässiger 
Extension angelegt wird. Die Resultate sind meistens 
gute. 

Abscesse behandle ich nur mit Punction und nach- 
heriger Einspritzung von 1 proc. Formalinglycerin-Lö¬ 
sung; Lähmungen mit Extension und grossenr Gyps¬ 
verbande in oben beschriebener Art. 6 Fälle com- 
pleter Lähmung, unter diesen eine 4 Jahre bestehende 
Paraplegie, heilten anstandslos in kurzer Zeit. 

Durchgeführt habe ich die Behandlung des Poit’schen 
Buckels seit 1897 an 7 Patienten, abgesehen von den 


noch in Behandlung befindlichen. Bei allen ist das Re¬ 
sultat ein ganz vollkommenes. Es handelte sich bei 
einem Kinde um einen cervicalen, bei den übrigen um 
einen lumbalen und dorso-lumbalen Backei. .3 von 
ihnen sind auch bereits sicher von der Spondylitis ge¬ 
heilt, sie gehen seit 1 ‘/i—:2 Jahren ohne jedes Corset 
uni haben kein Recidiv erlitten. 2 von den letzteren 
wurden dem Congresse vorgestellt, ausserdem 2 noch 
nicht aus der Behandlung entlassene. Bei Allen han¬ 
delte^ sich ohne jeden Zweifel um tuberkulöse Spon¬ 
dylitis, alle hatten einen Abscess, 2 waren gelähmt. 
Die den Vortrag iilustrirenden Röntgenaufnahmen zei¬ 
gen, dass bei allen Kranken die Bögen der erkrankten 
Wirbel zusaramengepresst und einige völlig abgeflacht 
sind, so bei einem 7jährigen Knaben 4 Bögen. Bei 
einem 11jährigen Mädchen erkennt man im Röntgen¬ 
bilde gewissermassen nur 4 Lendenwirbel, die beiden 
untersten Wirbel sind in eins verschmolzen. Auf dieser 
Zusammenpressung der Bögen (cfr. Virchow’s Prä¬ 
parat) beruht auch nach des Vortragenden Meinung die 
Möglichkeit der Heilung. Die Reste der zerstörten 
Wirbelkörper werden durch diesen Vorgang einander 
genähert uud dadurch wird der durch die Zerstörung 
entstandene Defect gedeckt. 


Ein Fall von Einrenkung der vorderen Schulter¬ 
verrenkung nach Riedel. 

Von 

Dr. F. F r o b e e n , 

Krim. 


Angeregt durch die Mittheilungen von Sanitätsratb Dr. 
Graef (Deutsche Medic. Wochenschr. Nr. 38, 1900), Bös- 
tin g (Deutsche Medic. Wochenschr. Nr. 50, 1900) und Link 
(Deutsche Medic. Wochenschr. Nr. 5, 1901) über die über¬ 
raschend leichte Einrenkung der vorderen Schalterverrenknng 
nach Riedel (Arbeit citirt von Graef 1. c.) versnobte ich 
in einem betreffenden Falle diese Methode der Einrenkung 
and war Überrascht über die Leichtigkeit, mit der es mir ge- 4 
lang während der Narkose den Uumernskopf an seine Stelle 
zn bringen. 

Die R i e d e 1 'sehe Methode hat nach Graef die Narkose 
zur unumgänglichen Voraussetzung and besteht im Zage 
(mit kurzem Ruck) des extrem adducirten Armes in der Rieh- 
tnng nach der gesanden Beckenseite hin. 

Am 7. Mai kam der Landarbeiter Ph. B., 24 Jahre alt, zu j 

mir mit einer Luxatio huraeri subcoracoidea sinistra, die er * 
sich durch einen Fall auf die linke Schalter zugezogen j 
hatte. Der Unfall uassirte ihm 5—6 Stunden vordem er bei 
mir anlangte. Da Patient ein stark gebauter kräftiger Mann 
war und diese Luxation ihm schon zum vierten Male an dem¬ 
selben Arme passirte, so wollte ich erst die Ried e 1 ’sebe 
Methode versuchen und. falls ich mit derselben nicht zom 
Ziele kommen sollte, mir Assistenz herbeiholen, besonders 
da ich aus der G r a e f’schen Veröffentlichung wnsste, dass 
bei sogenannten habituellen Luxationen auch die alten Me¬ 
thoden nicht leicht znm Ziele führten. 

Kaum war die Narkose soweit vorgeschritten, dass Muskel¬ 
erschlaffung eintrat, so erfasste ich den stark adducirten 
Arm und zog ihn mit kurzem Ruck znm rechten (gesunden) 
Becken hin. Ein hörbares Knacken zeugte davon, dass der | 
Hnmeruskopf an seine richtige Stelle gekommen war. — J c , b 
muss sagen, dass ich überrascht war über die Schnelligkeit 
and über die Einfachheit, mit der man nach der Riedel- i 
sehen Methode zum Ziele kommt. 

Es sollte mich freuen, wenn diese Methode sich weiter ver 
breiten sollte und wenn die Veröffentlichung dieses Falle« 
mit dazu beitragen würde. 


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109 


BDoheranzeigen und Besprechungen. 

Privatdocent Dr. P. H. Gerber: Atlas der Krank¬ 
heiten der Nase, ihrer Nebenhöhlen und des Na¬ 
senrachenraumes. Berlin 1901. Verlag von S. Karger. 

Wir haben bereits beim Erscheinen der ersten 3 Liefe¬ 
rungen des prachtvollen Gerber’schen Werkes unsere Leser 
auf die Vorzüge desselben aufmerksam gemacht. Jetzt liegt 
nun das ganze Werk vollständig vor. Anstatt der zuerst 
geplanten 6 Lieferungen haben sich zur Vollendung desselben 
noch 2 als nöthig erwiesen. Den Inhalt der ersten 3 Liefe¬ 
rungen haben wir bereits wiedergegeben. In den folgenden 
Lieferungen finden wir zahlreiche Abbildungen der gut- und 
bösartigen /Tumoren der Nase und Nasenrachenraumes, der 
Krankheiten der Nebenhöhlen, Lupus, Tnberculose, Sy¬ 
philis, Lepra, Milzbrand und Sclerom der Nasenschleimhaut. 
Einige Tafeln demonstriren weiterhin auch die Affectionen 
der äusseren Nase und die congenitalen Anomalien derselben. 
Alles in Allem ist der Atlas als ein ganz vortreffliches Werk 
zu bezeichnen, welches wohl auf dem Tische keines Pha- 
ryngo-Rhlnologen fehlen wird. Manchem, der auf dem be¬ 
treffenden Gebiete auch viel gesehen hat, wird der Atlas 
die Erkennung vieler seltener Krankheitsbilder erleichtern. 
Desto mehr wird darin der Anfänger und weniger Erfahrene 
finden. Wir können das Werk deshalb nur bestens em¬ 
pfehlen. Sacher. 


Protokolle des XIII. Aerztetages 
der Gesellschaft Ltvländlscher Aerzte in 
Riffa vom 19.-22. Juni 1901. 

Zweite Sitzung. 

Dienstag, 19. Juni 1901, 3 Uhr Nachmittags 
im Stadtkrankenhause. 

1. Director Dr. Heerwagen begrüsst die Versammlung 
im Stadtkrankenhause. 

2. Dr. Krannhals stellt 3 Fälle von familiärem chro¬ 
nischem Milztumor mit Urobilinicterns vor. Es handelt sich 
um 2 Brüder im Alter von 19 und 25 Jahren und um die 
Schwester der Mutter dieser beiden Brüder. Der harte Milz* 
tnmor reicht bis zur Nabelhöhe herab. Es besteht gleich in 
die Augen fallende icterische Hautverfärbung nnd ein leicht 
nachweisbarer Urobilingehalt des Urins der drei Personen, 
während Gallenfarbstoff sieh in demselben nicht nachweisen 
Hess. Die drei Personen hatten nur geringe gastrische Be¬ 
schwerden, die Frau litt an gichtischen Erscheinungen. Nä¬ 
heres bleibt einer speciellen Mittheilung Vorbehalten. 

3. Dr. D e u b n e r demonstrirt: a) einen Fall von Hä¬ 
mophilie. Keine hereditäre Belastung, die subcutanen Blu¬ 
tungen in Form von Sugillationen begannen im Rachen, dann 
aussen am Halse, besonders linkerseits, gingen allmählich 
anf Brust, Bauch, besonders intensiv auf Scrotum nnd Penis 
über sowie auf die Innenfläche beider Oberschenkel. Dabei 
bestand nnd besteht gntes Allgemeinbefinden nnd sonst ge¬ 
sundes Aussehen, b) Dem gegenüber einen an Scorbut lei¬ 
denden Patienten, welcher ein äusserst kachektisches Aus¬ 
sehen darbietet. Zahlreiche kleine Hauthfimorrhagien und 
Sugillationen an den unteren Extremitäten nebst charakte¬ 
ristischem Zahnfleischbetnnd. 

4. Dr. Berkholz demonstrirt 4 Patienten, die an Va¬ 
riola vera gelitten haben. Alle sind nngeimpft, 3 haben an 
Variola confloens gelitten. 2 Patientinnen, die rechtzeitig 
(am 4.-5. Tage) der F i n s e n'sehen Rothlichtbehandlung 
unterworfen werden konnten, zeigen gar keine Narbeubildung, 
nur noch eine geringe Pigmentirung. während die anderen, 
die zn spät, (am 10. Tage) in die Behandlung kamen, ausge¬ 
sprochene Narbeubildung aufweisen. Aach das Suppurations¬ 
fieber verläuft bei Rothlichtbehandlung milder und in kür¬ 
zerer Zeit. 

5. Dr. J o h n s o h n spricht über die Diazoreaction. (Er¬ 
schienen in Nr. 11 dieser Zeitschrift.) 

6. Dr. J o h n 8 o h n demonstrirt 2 Patienten mit Leii- 
k a e m i e. 

7. Dr. J. Ti einer berichtet über «Darraresectio- 
nen und Gastroenteroanastomosen». die in der 
chirurgischen Abtheilung ausgeführl worden sind. 

Vortragender berichtet zuerst über 65 Fälle von ße- 
8 e c t i o intestini aus dem Lustrum 1896—1900 und 
scbliesst darau eine Betrachtung der im laufenden Jahre 1901 
bisher operirten 18 Fälle. Nach Erwähnung der verschiede¬ 
nen Erkrankungen des Darmtractus, welche die Gründe für die 
Resectionen abgaben, wird eine statistische Uebersicht der Fälle, 
geordnet nach der Länge des resecirieu Darinstückes — von 10 


Ctm. bis 350 Ctm. — geboten; sodann werden die Complica- 
tionen wie Pneumonie etc. erwähnt, die dazwischen die 
besten Resultate illusorisch machen. 

In zweiter Linie berichtet Vortragender über 18 Fälle von 
Oastroenteroanastoraose ebenfalls aus (lern letzten Lustrnm. 
Nach Aufzählung der verschiedenen Methoden, nach denen 
operirt worden, werden bei Betrachtung der Resultate die 
Operationen bei benignen Erkrankungen denen bei maligner 
Erkrankung gegenüber gestellt. Die Betrachtung führt zu 
der schon früher vou Rosen heim ausgesprochenen An- 
schaunng, «dass die Natur des ursprünglichen 
Kran klieitsprocesses von ausschlaggebender Bedeu¬ 
tung für das Heilungsresultat bei Gastroenteroanastomose ist». 

Vorführung mehrerer Patienten, die durch Darmresection 
resp. Gastroenteroanastomose geheilt worden sind. 

8. Dr. A. v. Bergmann demonstrirt: 

a) 2 Fälle von Exstirpation des Ganglion Gas- 
seri. Complete Anästhesie auf der operirten Seite. Bei 
einem Patienten ist leichte Trübung der Cornea eingetreten, 
beim zweiten ist die Cornea rechts zu Grunde gegangen 
(hier bestand vorher Keratitis in Folge von Trachom). 

Beide Patienten, vor der Operation von unerträglichen 
Schmerzen geplagt, sind beschwerdefrei. 

b) 1 Fall von Meningocele spuria nach Bruch des 
Os parietale sin-, geheilt durch die Naht- Keine Epilepsie, 
keine Diastase der ßruchenden. 

c) 1 Fall von Spina bifida und Meningocele 
durch die Operation geheilt. 

d) 1 Fall von Larynxexstirpation. Entfernt wurden 
wegen Carcinom: Schildknorpel, Epiglottis, die linke Hälfte 
der Schilddrüse nnd ein Trachealring. Der Patient vermag 
mittelst zweier Pharynxfalten so laut zu sprechen, dass man 
ihn über das Zimmer hinüber hören und verstehen kann. 

e) Eine Patientin, bei der eine Magenresection 
(ohne Tamponade) ausgeführt worden ist- (Gastroeutero- 
anastomose.) 

f) Einen 80jährigen Mann, der in seinem 77. Jahre operirt 
worden war wegen eines bereits 130 Stunden beste¬ 
henden V o 1 v u 1 u s der Flexnr. 

Vereinigung des Coecum mit dem Rectalschenkel der 
Flexur mittelst Mnrphyknopf. (Darmausschaltung.) 

g) Einen Patienten, dem nacli Entfernung eines giossen 
NeuroÜbrom des Gesichtes zur Deckung des Defectes eine 
plastische Operation vermittelst Lappenbildung nach Israel 
(aus der Haut der Brust) mit gutem kosmetischem Resultat 
gemacht worden war. 

h) Eine Patientin, der ein hochsitzendes Rectumcarciuom 
durch Laparotomie entfernt worden war. Folgeerscheinungen 
nur hartnäckige Obstipation, sonst Wohlbefinden. 

9. Dr. Bor n hau p t: Vorstellung von 5 Patienten, die 
sich einer Nierenexstirpati on unterworfen hatten: 

a) 20jährige Frau, der im Jahre 1897 eine tuberkulöse, ver¬ 
eiterte Niere entfernt worden ist. Seit einem Jahre vorbei- 
rathet. Die Frau hat vor einigen Monaten geboren. Das 
Kind nnd die Frau sind gesund. 

b) Ein 36jähriger Mann, dem im Jahre 1898 eine grosse 
Hydronephrose entfernt wurde. Vollkommen gesund- 

’c) Eine 63jährige Frau, der im Jahre 1898, und 

d) Ein 65jähriger Mann, dem im Jahre 1900 eine Niere 
wegen eines Carcinoms exstirpirt worden ist. Beide gesund. 

e) Eine 52jährige Frau, der im Jahre 1901 im März eine 

vereiterte Niere entfernt wnrde. Die Frau hat sich gut er¬ 
holt. v 

Im Ganzen sind 20 Nierenexstirpationen in der chirurgi¬ 
schen Abtheilung gemacht worden. Die näheren Mittheilun¬ 
gen über dieselben sind der Redaclion der «Wiener Klini¬ 
schen Rundschau» zugeschickt worden. 

10. Dr. A. Schabert demonstrirt au ausgestellten Rein- 
culturen und Ausstrichpräparaten das 1897 von M. N e i sser i 
herausgegebene Verfahren der culturellen und tinctorellen 
Schnelldiagnose des Diphtheritisbacteriums 

Das Wesentliche des Verfahrens besteht darin, dass die 
auf Löfflerserum bei 34—35° C. gewachsenen Cornybacte- 
rien der Racheudiphtheritis noch vor Ablauf von 24 Stunden 
Körnchen aufweiseu, welche bei einer Doppeltärbung mit 
essigsaurem Methylenblau und Bismarkbraun dem entfärben¬ 
den Einfluss des letzteren Stand halten, im Präparat also 
blau erscheinen, während der übrige Bacterieuleib braun 
gefärbt wird. Nach N ei sser's Darstellung sind diese unter 
den genannten Bedingungen darzustellenden metachroma¬ 
tischen Körnchen charakteristisch für den Diphtheritiserreger. 

Ueber die Sicherheit des Verfahrens sind heute die Akten 
noch nicht geschlossen; den zustimraendeu Mittheilungen von 
Kurth und F r ä n k e 1 Bind andere gefolgt, welche ihr den 
absoluten Werth abBprechen (Quekenthaler, Gro- 
m a k o w s k i). 

Des Vortragenden eigene Erfahrungen erstrecken sich bis¬ 
her auf 23 Fälle- Davon wären 15 klinisch (Dr. A. Berk¬ 
holz) als sichere Diphtheriefälle diagnostiert worden. 


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Diese Gruppe gab in allen Fällen positiven Ausfall der 
N e i 8 s e r 'sehen Reaction. In 7 weiteren Fällen, welche 
theils zweifelhaft waren, theils schon klinisch als follicu- 
läre Angina imponirten, fand sich nur ein Mal positive 
Reaction. 

Vortragender hat weiter feststellen können, dass die un¬ 
bedingte Einhaltung der Nei sser'sehen Vorschriften nicht 
nothwendig ist. So ergaben erstens überimpfte Cultnren 
auf Glycerinagar, zweitens das längere Verweilen in den 
Farblösungen und drittens der Ersatz der Bismarkbraun- 
lösung da ich schwache wässrige Eosinlösting dieselben Re- 
snltate- (Anmerkung bei der Correctur: Inzwischen ist 
Piorkowski -Berlin zu ähnlichen fiesaltaten gelangt.) 

Sei das Neisser'sche Verfahren nach dem heutigen 
Stande der Erfahrungen aus allen Ländern auch keineswegs 
eine einwandsfreie, wissenschaftliche Diagnose, so bildet es 
doch einen werthvolleu Fortschritt und ist das einzige, wel¬ 
ches den Bedürfnissen der Praxis Rechnung trägt. 

Zweitens demonstrirt Vortragender das Kaiserling- 
Melnik o w 'sehe Verfahren der Oonservirung ana¬ 
tomischer Präparate, das den Zweck bat Form und 
Farbe (Zeichnung) der Objecte zu erhalten. Die Oonservirung 
in Müller’gcher Flüssigkeit und Spiritus habe nach Inau- 
gurirung dieser Methode nur noch beschränkten Werth. 

Vortragender hat die einfache Modification von Jo res 
(Formalin-Carlsbadersalzlösung erster Act; Spiritas 50-95° 
zweiter Act; Glycerin + Aq. äa dritter Act) sehr brauchbar 
gefunden. Seine Präparate, unter denen er den Fall einer 
acuten miliaren Magentuberkulose bei einem wenige Wochen 
alten Findling der besonderen Beachtung empfiehlt, sind zum 
Theil V* Jahr alt und erscheinen doch in Farbe und Zeich¬ 
nung wie eben der Leiche entnommene Präparate. — Wie 
die meisten übrigen Autoren sei auch ihm die Darstellung 
galleführender Organe (Leber, Icterus) missglückt. Hier 
liege eine Lücke vor. Für Museums- und Demonstrations¬ 
zwecke, sowie für Wandervorträge, auch populärer Natur, 
z. B. zur Aufklärung in Sachen der Tuberkulose, sei die Me¬ 
thode in Zukunft entschieden von unschätzbarem didakti¬ 
schem Werth. 

11. Dr. Bornhaupt: Vorstellung von Patienten, die 
wegen Osteomyelitis eine Darmbein exstirpation 
überstanden haben. 

Das Darmbein kann mit dem ganzen Hüftgelenk entfernt 
werden; die Beckenschanfel kann allein aus dem Hüftgelenk 
exstirpirt werden, wobei der Femurkopf intact ist, und end¬ 
lich kann das Hüftgelenk intact bleiben und die Becken¬ 
schaufel kann über dem Hüftgelenk abgemeisselt und exstir- 
irt werden. Im letzten Fall erhält man die beste Function, 
n den Fällen, wo eine Erkrankung des Os ileura vorliegt 
und der Process kein abgeschlossener ist, bezweckt die Ent¬ 
fernung des Knochens die rascheste Heilung, wogegen die 
partielle Resection und das weniger radicale Vorgehen nicht 
nur das Krankenlager verlängert, sondern auch oft zu einem 
traurigen Ende führt. 

Es werden vorgestellt: 

a) ein Mädchen von 14 Jahren, im Jahre 1894, und 

b) von 20 Jahren, im Jahre .1899 operirt. 

Bei Beiden ist das Hüftgelenk intact geblieben. Das Darm¬ 
bein hat sich regenerirt. Das betreffende Bein ist etwas 
kürzer: die Function im Hüftgelenk ist aber fast normal. 

c) 3 Patienten, bei denen das Darmbein mit einem Theil 
und mit dem ganzen Hüftgelenk entfernt worden ist: 

Eine Frau von 28 Jahren, im Jahre 1896 operirt. 

Ein Jüngling von 18 Jahren, im Jahre 1899 operirt. 

Eine Frau von 41 Jahren, im Jahre 1900 operirt. 

Die Function im Hüftgelenk bei diesen 3 Patienten ist nur 
zur Hälfte normal. Die Patienten gehen nicht so gut wie 
die ersteren. 

d) Endlich eine Patientin von ca. 20 Jahren, die über 2 
Jahre in der Abtheilung liegt, mehrfach operirt worden ist 
und nur dadurch schliesslich vom Tode gerettet worden ist. 
dass ihr das ganze Bein mit der Beckenschaufel entfernt 
wurde. Seit dieser Operation hat die Patientin sich verhält- 
nissmä8sig rasch erholt und hat zugenommen. Die Becken¬ 
schaufel hat sich gut regenerirt, so dass die Prothese einen 
guten Stützpunkt hat.. 

Ausserdem demonstrirt Vortragender: 

e) Einen Patienten, der an multiloculärem Echinococcus ge¬ 
litten hatte. Eine Blase sass in der Muskulatur des Ober¬ 
schenkels, eine zweite zwischen den Lamellen des Darmbeins, 
welches aufgemeisselt wurde. 

12. Dr. C. Brutzer: a)Resectionen amünter- 
sehen kel. 

Es werden eine Anzahl von Patienten vorgestellt, die sei¬ 
nerzeit schwere complicirte Fractnren am Unter¬ 
schenkel erlitten. Es handelte sich stets um ausgedehnte 
Zersplittern n g des Knochens mit verbreiteter Verwun¬ 
dung und Quetschung der Weichtheile. Meist waren beide 
Unterschenkelknochen im unteren oder mittleren Drittel der 


Diaphyse gebrochen; der Bruch reichte in einigen Fällen bis 
ins Sprunggelenk. 

Um den Gefahren der Wundinfection zu begegnen nn<i die 
Heilung günstig zu gestalten, sind primär oder secundär in 
jedem Fall Resectionen an den zersplitterten Knochen vorgre- 
nommen worden. Dennoch ist die Behandlungsmethode con- 
servativ zu nennen. Die Extremität wnrde erhalten, obgleich 
der Gedanke an eine Amputation reiflich erwogen werden 
mnsste, da die gesetzten Knochendefecte 6 — 15 Ctm. be¬ 
trugen. 

Es war im günstigsten Falle zu erwarten, dass der Knochen 
sich wieder regeneriren würde und nach Heilung der Fractur 
resp. der Resectionswunde ein leistungsfähiges Glied mit 
einer eventuellen Verkürzung resultirte. 

In den letzten 6 Jahren waren 22 derartige Resectionen 
an der chirurgischen Abtheilung des Stadtkrankenhanses 
vorgenommen worden. 

Die Resultate sind nicht immer so günstig wie oben vor¬ 
ausgesetzt warde, dennoch können einige in dem Sinne ideal 
geheilte Fracturen vorgestellt werden. In anderen Fällen 
ist keine knöcherne Vereinigung zwischen den resecirren 
Fractnrenden zu Stande gekommen und die Patienten gehen 
mit Hilfe von verschieden construirten Stützapparaten. 

b) Exarticulationen des Oberschenke 1 8. 

Die Exarticulatio femoris praeparaudo operata ist ein Ver¬ 
fahren, das sich dnreh eine radicale Entfernung der Weich¬ 
theile vor anderen Exarticalationen des Femur auszeiebnet. 
Namentlich in der Schenkelbeuge, dem Sitz der Drüsen, die 
bei der Verbreitung von verschiedenen Erkrankungen eine 
wesentliche Rolle spielen, ist dieses der Fall. 

Der Hautschnitt wird vorn auf dem Ponpart’schen Bande 
oder etwas unter ihm geführt. Die Drüsen werden entfernt, 
die Schenkelgefässe ligirt. Dann wird die Muskulatur, be¬ 
ginnend mit den Adductoren und dem Gracilis an der vorde¬ 
ren Fläche des Schambeins und Sitzbeins, an ihrer Insertion 
abgelöst, vom Darmbein die Insertion des Sartorius nnd des 
langen Kopfes des Quadriceps. Von einem äusseren senk¬ 
rechten Schnitt wird das Gelenk vorn eröffnet, der Kopf aus 
der Pfanne luxirt und nach Abtrennung der am Trochanter 
ansetzenden Muskulatur wird die Extremität entfernt, iudern 
ein grosser hinterer Lappen gebildet wird, der iin Wesent¬ 
lichen aus den Glutäen und der bedeckenden Haut besteht. 
Dieser grosse Lappen wird nach vorn geschlagen und fixirt. 

Bei den 10 Fällen, die nach dieser Methode in den letzten 
Jahren von Herrn Dr. v. Bergmann operirt wurden, lag 

3 Mal Sarcom vor, 

1 /> Carcinom, 

2 » Tuberkulose. 

4 » chronische Osteomyelitis. 

Von diesen 10 Patienten worden 8 mit gutem Stumpf ge¬ 
heilt entlassen. 2 Mal trat der Exitus ein an den Folgen 
fortdauernder Tuberkulose und Osteomyelitis unabhängig von 
der Operation, nachdem längere Zeit verstrichen war. 

13. Dr. E d. S c h w a r z demonstrirt einen Patienten mit 
Myasthenia gravis pseudoparalytica.Cf. Vor¬ 
trag am Donnerstag den 21. Juli, VI. Sitzung. 

14. Dr. Ruth demonstrirt 2 Mädchen im Alter von 27 
und 30 Jahren, denen solide Ovarialtumoren ent¬ 
fernt worden waren: die mikroskopische Untersuchung des 
einen hat zweifellos Carcinom ergeben; die Untersuchung 
des anderen, der gleichfalls als solider Tumor imponirt hatte, 
steht noch ans. Es sind diese Fälle eine Mahnung, jeden 
diagnosticirten Ovarialtumor unbedingt operativ zu entfernen, 
da die Häufigkeit maligner Degeneration, wie diese Fälle 
zeigen, auch trotz Jugend der Patientinnen gefürchtet wer¬ 
den muss. 

15. Dr. K e i 1 m a n n stellt eine Frau vor, die vor 4—5 
Jahren wegen eines Tumors mit Ascites von einem 
auswärtigen Collegen laparotomirt worden war; der betref¬ 
fende Arzt hielt den Tumor für ein Carcinom, wegen Bethei¬ 
ligung der Nachbarschaft erklärte er den Tumor für inope¬ 
rabel und schloss die Bauchhöhle. Seit jener Zeit ist die 
Patientin 89 Mal punctirt worden, das letzte Mal nach ihrer 
Aufnahme ins Krankenhaus, wobei ca. 8 Liter Flüssigkeit 
von geringem spec. Gewicht (1014) abflossen. Da nach die¬ 
ser Vorgeschichte die Annahme eines Carciimms nicht be¬ 
rechtigt sein konnte, wird der das kleine Becken ausfallende 
Tumor operativ in Angriff genommen nnd es gelang, ihu voll¬ 
ständig zu entfernen, worauf keine Wasseranfiillung mehr 
auftrat und die Patientin sich langsam, doch stetig erholte : 
die Patientin kam im elendesten Zustande ein, bpfindet sich 
jetzt ca. 2 Monate nach der Operation wohl. Der Tumor, 
der auch demonstiirt wird, erwies sich als doppelseitiges Pa¬ 
pillom. 

Ferner stellt Dr. K e i 1 m a'n n eine Frau vor. die septisch 
lind anämisch mit einem aus der Vulva heraushängenden 
jauchenden Uterusmyom in die Anstalt gekommen war. 
Die Entfernung des im Ganzen 1710 Gramm schweren Tu¬ 
mors konnte wegen des desolaten Zustandes der Patientin 


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nicht in einer Sitzung vollendet werden, sondern es worden 
zunächst 510 Gramm Myommasse abgetragen und dann nach 
täglichen Spülungen und Darreichung von Cornutin nach 12 
Tagen der Rest von 1200 Gramm emirleirt. Die Temperatur 
sank, nachdem die eisten jauchigen Tumormassen abgetragen 
waren und der liest des Tumors wurde durch die Contraction 
des Uterus in der genannten Zeit wiederum bis zur Vulva 
vorgetrieben. Diese alte, im Jahre 18SO (D. med. Wochen¬ 
schrift Nr. 1) von Kästner wieder empfohlene Methode hat 
sich iu diesem Falle gut bewährt. Die Frau ist jetzt ge¬ 
sund und hat einen normal geformten Uterus. 

Die Lage des Tumors wird durch eine vergrösserte sche¬ 
matische Zeichnung illnstrirt. 

Ein weiteies von Dr. K e i 1 m a n n deinonstrirtes Bild 
zeigteeinen myoma tosen Polypen, der secnndär mit 
der Scheidenwand verwachsen war und bei der ersten Unter¬ 
suchung als Scheidentumor imponiren konnte: sein wirk¬ 
licher Stiel jedoch entsprang aus der hinteren Corpuswand. 
Solche Fälle sind von Kästner und Czanowski be¬ 
schrieben worden in der «Zeitschrift für Geburtshilfe und 
Gynäkologie» Bd. 33 und 35. 

Feiner wurden von Dr. Keil mann demonstrirt: 

1. 2 gravide rayomatöse Uteri, deren operative Entfernung 
durch rapides Wachsthum und secundäre Behinderung der 
Athmnng nothwendig geworden war. 

2 Eine Nähnadel, die gelegentlich einer Myomotomie im 
grossen Netz gefunden worden ; sie war vor 30 Jahren mit 
21 weiteren Nadeln von der Patientin verschluckt worden. 

3. Eine grosse Plaidnadel nebst Röntgenbild, die er durch 
Kolpokystotomie aus der Blase eines Mädchens entfeint 
hatte. 

4. Den Operationstisch von Otto Wille (beschrieben im 
Centralblatt für Gynäkologie» 1809, Nr. 19), der bei einem 

Kostenpreise von 5 Rbl. sich bei gynäkologischen Operatio¬ 
nen gut bewährt uud insbesondere eine vollkommene Becken- 
hochlagerung ermöglicht, die jederzeit auch gegen Horizon¬ 
tallage vertauscht werden kann. 

5. Ein Myom mit «centraler Nekrose». (Schauta und 
F re und: «Centralblatt für Gynäkologie» 1900.) 

Nachdem Dr. Tr n hart dem Director des Krankeuhauses 
den Dank der Versammlung ausgesprochen, wild die Sitzung 
geschlossen. 

Schluss der II. Sitzung. 

Secretär: Dr. G. E n g e 1 m a n n. 


Vermischtes. 


— Am 14. März vollendeten sich 25 Jahre der ä r z t 
liehen und wissenschaftlichen Thätigkeit 
des Professors der Chirurgie an der Militär-Medicinischen 
Akademie Dr. Nikolai Weljaminow. Der Jubilar, 
welcher gegenwärtig iui 47. Lebensjahre steht, erhielt seinen 
ersten Unterricht iu Deutschland, dann in Warschau, worauf 
er an der Moskauer Universität kurze Zeit Mathematik, dann 
Medicin studirte. Seine chirurgische Thätigkeit begann er 
1877 auf dem kaukasischen Kriegsschauplätze unter der Lei¬ 
tung des verstorbenen Prof. 0. Key her. an dessen Klinik 
er sich auch nach der Rückkehr nach St. Petersburg beschäf¬ 
tigte. 1893 wurde \V. zum Director der Maximilian-Heilan¬ 
stalt und 2 Jahre später zum Professor der Chirurgie an der 
Akademie ernannt, welche Stellungen er noch heute iunehat. 
Seit der Gründung der St. Petersburger Modico-Chirurgisclieu 
Gesellschaft (1894) ist Prof. Weljaminow Präsident der¬ 
selben und am I. Januar 1807 wurde er zum Leibehirurgen 
des Allerhöchsten Hofes ernannt/ Zugleich bekleidet er seit 
1898 den Posten des Inspectors des Hofmedicinalwesens. Der 
Jubilar ist trotz seiner zahlreichen Acniter vielfach litera¬ 
risch thätig gewesen, wovon 83 von ihm veröffentlichte wissen¬ 
schaftliche Abhandlungen Zeugniss ablegen. Ansserdem grün¬ 
dete er vor 17 Jahren den «Chirurgitscheski XVestnik», redi- 
girte dann gemeinschaftlich mit Prof. Sklifassowski 
die «Letopiss Ritsskoi Chirurgii» (Annalen der russischen 
Chiiurgie) und giebt seit dem Beginn dieses Jahres das «Rus¬ 
sische Chirurgische Archiv» heraus. 

— Vor Kurzem beging der Leibarzt des Herzogs von j 
Sachsen-Meiningen, Prof. Dr. Ottomar Dom rieh, das , 
seltene Fest seines 60jährigen IJoc t o rj n b i 1 ä u in s. 
Der J ubilar ist 1819 geboren, gehörte 1845 —56 dein Lehr¬ 
körper der Universität Jena an und war dann bis 1896 Chef 
des Meiningen'schen Medieinalwesens. 

' — Am 6. März fand in der Augenklinik der Kiewer Uni¬ 
versität die F e i e r des 30 j ä h r i g e n Jubiläums des 
Director» dieser Klinik, Prof. Dr. A. C h o d i n ’ s statt, an 
welcher sich die Collegen, das Stadthaupt und zahlreiche 
Schüler desselben betheiligten. Von der Kiewer Universität 
wurde ihm bei dieser Gelegenheit das Ehreumitgliedsdiplora 


durch den Rector überreicht; ausserdem waren zahlreiche 
Adressen und Glückwunschtelegramme eingelaufen. Die Pro¬ 
fessoren der Universität und die ehemaligen Schüler Prof. 
C h o d i n ’s haben ein Capital von 2200 Rbl. zur Stiftung 
eines Bettes in der Augenklinik auf seinen 
Namen gespendet. 

— Am 15. Februar hat die Gesellschaft russi¬ 
scher Aerzte in Moskau den 100 j ä li r i g e n Ge¬ 
burtstag; ihres Gründers, des 1869 verstorbenen 
Professors Fedor Inosemzew mit einem F e s t a c t be¬ 
gangen, auf welchem der Präsident Dr. N. N. Jablokow 
die Gedachtni&srede auf den verstorbenen Gründer hielt. (Rr. 
Wr.) — Prof. Inosemzew hatte als Arzt behufs weiterer 
Ausbildung von 1828—33 Medicin an der Dorpater Universität 
studirt und dort auch die medicinische Doctorwürde erlangt, 
worauf er als Professor der Chirurgie an der Moskauer Uni¬ 
versität bis zu seinem Tode fungirte. 

— In Pyrmont beging der Kreisphysikus uud Badearzt» 
Geh. Hofrath Dr. Seebohra sein 50 j äh r i ge s Uoctor- 


j n b i 1 ä u in. 

— Dem Oeneraldirector 


der tinländi8chen Medicin&lvei wal- 


tu ng, wirk I. Staatsrath Dr. F. Salt z man u , ist, wie die 
«Rev- Ztg.» erfährt, der nach gesuchte Abschied ge- 
w ä li r t worden. 

— Als Bewerber um den durch Rücktritt des 
Prof. Ratimo w vacant gewordenen Lehrstuhl 
der chirurgischen Hospitalklinik an der Mi¬ 
litär- Medici ii i s c he n Akademie haben sich, wie die 
Tagesblätter erfahren, zum Concurstermin (1. März) acht 
Chirurgen gemeldet, und zwar : die Professoren J. P r a k s i n 
aus Charkow. L. Orlow aus Charkow und J. Semazki 
vom Klinischen lnstitnt der Grossfürstin Helene Paw- 
lowna; die Privatdocenten R. Wreden, A. Kudrja- 
scliew.G. Zeidler von der Militär-Medicinischen Aka¬ 
demie und S. P. Fedurow von der Moskauer Universität, 
ferner der Gehilfe des Oberarztes des Obuchowbospitals Dr. 
A. Trojan ow. — Zur Prüfung der wissenschaftlichen Ar¬ 
beiten der Bewerber ist eine Commission, bestellend aus den 
Professoren der Akademie Rein (Präses), Winograd ow, 
Subbotin. Kruglewski, Weljaminow, Turner 
und S. B o t k i n eingesetzt worden. 

— Der Prosector der Militär-Medicinischen Akademie Dr 
Paul Awrorow hat sich mit Genehmigung der Conferenz 
als Privatdocent für allgemeine und experi¬ 


mentelle Pathologie an der Akademie habi- 


1 i t i r t. 

— Von unserem Landsmann, dem bekannten 


Marinearzt 


Dr. Alexander v. Bunge, ist im soeben erschienenen 
Aprilheft von Velhagen & Klasing’s Monatsheften 
ein interessanter Artikel über «Die Polartorschung» 
enthalten, in welchem der Verfasser eine von trefflichen Ab¬ 
bildungen nach Origiualaufnahmen begleitete sehr instrnc- 
tive Schildernng der letzten schwedisch-russischen Grad- 
inessu ngs-Expeditiou nach Spitzbergen giebt. 

— Zur Einrichtung einer Privatklinik für 
Haut- und Geschlechtskrankheiten in Riga 
ist vom Medicinaldepartement dem Arzt Hermann Levy 
die Concession ertheilt worden. 

— Verstorben: 1) In St- Petersburg Dr. WL Dmi- 

trijew. Arzt der hiesigen elektro technischen Militär¬ 
schule. Die praktische ärztliche Thätigkeit hat der Verstor¬ 
bene hier seit 1876 ausgeübt. - 2) In Kolo (Gouv. Kalisch) 

Dr. Mauritius Keller, welcher an diesem Orte fast 60 
Jahre als Arzt erewirkt hat. — 3) In Nowogeorgijewsk (Gouv. 
Warschau) der Oberarzt des dortigen Militärhospitals, Staats¬ 
rath Dr. Eugen L j a c h n i z k i im 56. Lebensjahre nach 
fast 30jäbriger ärztlicher Thätigkeit. — 4) Am 5. März in 
ChersBon Dr. M ich ue 1 T r o p i n im Alter von 40 Jahren 
an Lungentuberkulose. Nach Absolvirung des Cursus an der 
Kiewer Universität im Jahre 1877 liess er sich als Arzt in 
Chersson nieder, wo er als Mitglied des Landsehaftsamtes 
und Leiter des Medieinalwesens sich grosse Verdienste er¬ 
worben hat. — 5) In Graz der bekannte Dermatologe Prof. 
Dr. AdolphJari s c h, Director der Klinik für Hautkrankheiten 
an der dortigen Universität, im Alter von 52 Jahren am Ty¬ 
phus. Er hat sich einen Namen in der medicinischen Litera¬ 
tur gemacht durch sein treffliches Lehrbuch der Hautkrank¬ 
heiten (2 Bände), das als Theil des grossen Nothnagel- 
schen Sammelwerkes erschienen ist. 


— In Tübingen ist Prof. Dr. v. Jürgensou, Director 
der Universitäts-Poliklinik, in Folge eines Schlaganfalles 
schwer erkrankt. 

— Zum Nachfolger Prof. Löh lein’s auf dem Lehrstuhl 
der Gynäkologie in Giessen ist, nachdem Prof. v. Her ff 
(Basel) den Ruf abgelehnt hat, der Docent Prof. Pfannen¬ 
stiel in Breslau ernannt worden. 

— Wie der Kriegsminister sich geäussert hat, ist die Er¬ 
höhung der Gagen der Militärärzte vom 1. Juli 
d. J. an definitiv beschlossen. 



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112 


— ZumBaa eines Pavillons beim Asyl für 
altersschwache und unheilbar kranke Aerz- 
tinnen.Feldscherinnen und das übrige weibliche 
medioiniscbe Personal in Uoskan sind auf Aller höch¬ 
sten Befehl 6000 Kb 1. ans der Reichsrentei angewie¬ 
sen worden. 

—- Am 6. März gelangte im Moskauer Gerichtshof die 
Appe Uationsklage des Chirurgen Dr. Mod- 
linski, der bekanntlich vom Bezirksgericht für die Vor¬ 
nahme einer Operation ohne Einwilligung des Patienten zu 
einem siebentägigen Arrest im Gefängniss verurtheilt worden 
war, zur Verhandlung. Der Gerichtshof erkanute Dr. M o d - 
linski der offenbaren Unvorsichtigkeit für schuldig und 
verurtheilte ihn zu strengem Verweis und 
Kirchenbusse. 

— Dem deutschen «Reichsanzeiger» zufolge, hat die Z a h ^ 
d e r i m J all re 1900/1901 im deutschen Reich ap- 
pr.obirten Aerzte gegen die vorhergehenden Jahre ab- 
genommen; sie betrug 1344 gegen 1384 im Jahre 1899/1900 
und 1363 im Jahre 1898/1899. Die höchste Zahl wurde im 
Jahre 189091 mit 1570 Approbationen erreicht. Eine wesent¬ 
liche Abnahme hat im letzten Prüfungsjahre namentlich in 
Preussen und Bayern stattgefunden- 

— Für den 1. egyptischen medicinischen 
Oongresa in Kairo, welcher vom 6. (19.) bis 10. (23.) 
December 1902 stattfinden wird, hat sich in Deutschland ein 
nrovisorisches Comite unter dem stellvertretenden Vorsitz des 
Prof. v. Bergmann (Berlin) zur Vermittelung der Congress- 
betheiligung in deutschen Aerztekreisen gebildet. Wie ver¬ 
lautet, wird auch von der russischen Regiernng ein Delegir- 
ter, welcher der französischen und englischen Sprache mäch¬ 
tig ist, zu diesem Congress entsandt werden. Als offizielle 
Sprachen des Congresses gelten die englische, französische 
und deutsche Sprache. 

— Gemäss einem Beschlüsse des Medicinalrathes vom 3- 
December 1901 ist es für nothwendig erkannt worden, ange¬ 
sichts der eifrigen Verbreitung von Reclamen Über das Mittel 
«Odol», die seinen Eigenschaften nicht entsprechen, den 
Drnck der erwähnten Reclamen za verbieten 
und Inserate über das «Odol» nur in folgender Fassung zu¬ 
zulassen : «Kosmetisches Mittel «Odol» zum Spülen des 
Mundes. Ort des Verkaufs und Preis.» 

— Von dem «Lehrbuch der Nervenkrankheiten» von H. 
Oppenheim, dessen 3. Anflage vor Kurzem erschienen ist. 
befinden sich Uebersetzungen ins Italienische, Russische und 
Spanische in Vorbereitung. 

— Tn Deutschland geht man in letzter Zeit strenger gegen 
die Kurpfuscher vor. So vernrtheilte das Landgericht 
in Brannschweig den Homöopathen Kogge wegen 
schwerer, in Ausübung des Heilverfahrens begangener Kör¬ 
perverletzung zu einem Jalir Gefftng niss. — In 
Chemnitz wurde der Kurpfuscher Wolf wegen Be¬ 
truges bei Ausübung der Kurpfuscherei zu l 1 /* Jahr Z uch t- 
h a n s verurtheilt. — In Darmstadt verurtheilte die Straf¬ 
kammer eine Gesundbeterin wegen Betruges zu drei 
Jahren Gefängniss und drei Jahren Ehrver¬ 
lust. 

. — Epidemologis nh es. In der letzten Woche siud 
J n M ed i n a 11, in Mekka 523 und in D j ed(d a h 17 T o- 
desfälle an Cholera vorgekommen. Seit Beginn der 
Epidemie ereigneten sich 1129 Todesfälle. In Anbetracht der 


Choleraerkraukungen in Hedschas (Arabien) ttud in den 
Städten Hongkong und C a n t o n in China ist verfügt 
worden, alle Schiffe, die aus choleraverseuchten Orten kommea 
und für unsere Schwarzmeerhäfen bestimmt sind, sowie auch 
aus Hedschas zurückkehrende Mnhamedanern ansachlieaa- 
lich in die Qnarantäue in Feodossia zu dirigiren. Bf. 

— Die Gesammtzahi der Kranken in denCfvil- 
hospitälern St. Petersburgs betrug am 9. März 
d. J. 8794 (33 wen. als in d. Vorw.). darunter 457 Typhn* — 
(24 wen.), 786 Syphilis — (6 wen.), 254 Scharlach — (34 wenA 
115 Diphtherie — (3 wen.). 83 Masern — (3 mehr) und 27 
Pockenkranke — (3 mehr als in der Vorw.). 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. 

Für die Woche vom 3. bis zum 9. März 1902. 


Zahl der Sterbefftlle: _ 
1) nach Geschlecht nnd Alter: 


Im Ganzen: 

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767 

187 70 117 16 

10 

26 

63 

56 55 

57 53 

37 


2) nach den Todesursachen: 

Typh. ezanth. 1. Typh. abd. 18, Febria recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 0, PockenO, Masern 13, Scharlach 14, 
Diphtherie 26, Croup 4, Keuchhusten 7. Cronpöse Lungen¬ 
entzündung 34. Erysipelas 3, Grippe 13, Cholera aaiatiea 
0, Ruhr 0, Epidemische Meningitis 0, Acuter Gelenkrheu¬ 
matismus 1, Parotitis epidemica 0, Rotzkrankheit 0, Anthrax 0, I 
Hydrophobie 0, Puerperalfieber 0. Pyämie und Septicaemie 7, 
Tnbercnlose der Lungen 105, Tuberculose anderer Organe 34, 
Alkoholismns und Delirium tremens 3. Lebensschwache and 
Atropbia infantum 36. Marasmus senilis 29, Krankheiten der 
Verdannngsorgane 85, Todtgeborene 30. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Peters¬ 
burger Aerzte: Dienstag den 2. April 1902. 

Tagesordnung: 1) Discussion über das Project einer Ge¬ 
schäftsordnung. 

2) Dobbert: Ein Fall von Lithopädion 
nach Uterusrnptur. 

3) He llat: Demonstration eines Falles 
von Posticuslähmnng. 

NB. Die Mitglieder werden gebeten, zahlreich und recht¬ 
zeitig zur geschäftlichen Sitznng zu erscheinen. 

Nächste Sitzung des Deutschen ärztlichen 
Vereins: Montag den 8. April 1902. 


ANNONCEN JEDER ART werden in der Buchhandlung von E. L. RICKER in 

St. Petersburg, Nevsky-Pr. 14, sowie in allen in-nnd ausländ. Annoncen-Coraptoiren angenommen. 


mxsBime. 


Insel Oesel (Livland). 




Neue Heil- und Schlammbadeanstalt 


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Saison 20. Mai bis 20. August. 

Nähere Auskünfte ertheilen bereitwilligst die Aerzte der Anstalt: Dr. Victor 
Schultz, St. Petersburg, Moika 93, W. 10, Montags, Mittwochs und Sonn¬ 
abends von 2—4-, vom 20. Mai ab in Arensburg, Schloss-Strasse 11, Haus 
Baron Nolcken: Dr. G, Carstens, Arensburg, Grosse Hafenstr., eigenes Haus; 
Dr. A. Baron 8ass, Arensburg, Gouvernements Strasse 9. ira eigenen Hause. 
Neue illustrirte Broschüre: «Arcusbnrg und seine Kurmittel» N. Kymmels 
Verlag, Riga 1902. (54) 3—2. 


Adressen von Krankenpflegerinnen: 

Alexandra Xasarinow, HüKOJiaeBCKau Frau Catharine Michelson, Tarapin- 
yx. ä. 61, kb. 32. citaa yanga *. 30, kb. 17. 


Ramie 

Beste hygroscopische 

Watte, 

von der Moskauer Medizinal-Ver- 
waltung zum Verkauf genehmigt, 
ist in allen Apotheken und Apotbe- 
kermagazinen zu haben. — Allein¬ 
vertreter der Ersten Deutschen Ra 
mie-Gesellschaft in Einmendingen 

Pychlau & Brandt 

Handelshaus 


Moskau, lljinka. 


(64) 5-2. 


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CASCARINE LEPRINCE 

PILLEN ELIXIR 

I'plSB der wirk- 0,01 in einem 

* «amen Substanz. Esslötfel. 




CASCARINE ist ein genau bestimmter 
Körper, krystallisirt etc. (Comptes rendus 
de l Acaddmie des Sciences, 1. August 1892 
und 3. Juli 1899). Seine therapeutische 
Wirkung ist wissenschaftlich festgestellt 
(M. LafTont, Bulletin de VAcadtmie de Me- 
decine, 14. Juni 1892) und klinisch er¬ 
probt (Societe de ThArapentiqne: C'onstan- 
tin Paul; I)ujardin- Boaumotz, Mtfdications 


[ tSfiln dl ,lö P ita I St.. Joseph et CongrAs pour l’avan- 
% 1 eement des Sciences, Bordeaux, 1895, 


tt«? dahc voutes u* maami 
C< yt It i» v* »tl* « 


* jl Theil 1 p. 963; Prof. Charles, de LiAge. 
4 II Cours d'accovchcments etc., etc.) 



Seine Wirkung ist constanr, leicht zu reguliren, durch Wechsel in der Anwcuduugs*veiso ist Gewöhnung an 
das "Mittel zu vermeiden; bemerkenswerthe Wirkung bei habitueller Stuhlverstopfung, Leberleideu, Gallensteinen etc., 
Fettleibigkeit. Das einzige Abführmittel, das bei Schwangerschaft und während der Lactation, ferner gegen Mikroben- 
wncherung bei Rheumatismus (Dr. Roux) etc. indicirt ist.. 

«iPwiih.iiiVh» rinui« f PELZEN: 2 Pillen, eine nach jeder Mahlzeit, oder Abends beim Schlafengehn. 

onu,,cne uos,s \ ELIXIR: 1 od. 2 Kaffee- od. Suppenlöffel, je nach d. Alter (zu verringern od. tu steigern je nach d. WwTtmg). 

PACPAPIPflNEQ Unt€r diesem Namen fabrlciren wir kleine SEPPOS1TOR1EN, welche die Wirkung des 
LO „Cascarine“ auf eine bestimmte Stunde zu beschränken gestatten etc. 

WICHTIGE BEMERKUNG. Um schlechte Nachahmungen zu vermelden, die unter ähnlichen Namen verkauft werden, bitten wir die Herren 
Aerzte „Cascarine Leprince“ zu verschreiben. 

HAUPTLAGER: 62, Rue de la Tour, Paris (16) — Muster stehen den Herren Aereten zur Verfügung. 

Depots; in allen grösseren Apotheken und Droguenhandlungen Russlands. 

Durch Erlass vom 20. April 1900 haben der Medicinalrath und der Minister des Innern das «Cascarine Leprince» 
in Russland zum Gebranch zugelassen. (29) 52— 6. 


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ges. geReh. Einfuhr von der rnss. Behörde gestattet. 

Unschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen: 

Keuchhusten, Kehlkopf- und Bronehialkatarrh. 

Literatur in hervoirag. Blättern Deutschlands u. Oesteirtich-Ungarns. 

Aerztliche Gutachten: 

Prof. l>r. Ernst Fischer (Strassburg): 

Die Wirkung des „Pertnssin- war eine überraschende; wenngleich icli 
nicht gerade sagen kann, dass der Keuchhusten sich in einigen Tagen in einen 
einfachen Katarrh verwandelte, so wurden die Anfälle so milde, der Schleim so 
locker, dass das Erschreckende des Keuchhustens, das Blauwerden und die dro¬ 
hende Erstickung, vollständig wegfielen. 

Dr. Model, kgl. Bezirksarzt a. D. (Wemeuburg): 

Nach dem Gebrauch des Pertnssin war es mir beim Erwachen plötzlich, 
als athraete ich die freie herrliche Luft aut einem Alpen-Giptel. Diese Leiclit- 
athmigkeit fiel mir besonders auf, der ich infolge langjähriger Bronchialkatarrhe 
an merklichem Emphysem leide. 

Dr. Alfred Müller (Xeuhajiseit): 

Mein Urtheil geht dahin, da98 das Pertnssin ein Mittel ist, das in kür¬ 
zester Zeit den mit Hecht so gefürchteten Keuchhusten in einen ungefährlichen 
und fast unmerkbaren Bronehialkatarrh überzuführen vermag. Ich kenne zur 
Zeit kein anderes Mittel, welches sich des gleichen Vorzuges rühmen dürfte. 

Dr. Erich R. von Matzner (BirkfcUJ, Sieierm.): 

Die drei mit Pertussiu behandelten Bronchitiden, davon zwei bei Kindern, 
zählten zu den schwersten Formen und jedesmal erwies sich Ihr Präparat als von 
ausgezeichneter Wirkung; der starke.Hastenreiz nahm in wenigen Stunden bereits 
ab und die Secretion begann sich bald zu verringern, die Teinperatur fiel ab. 

Verkauf nur durch die Apotheken, sowie durch folgende Engros-Depöts: 

H. Bierstümpfel, Apotheker, Warschau, Marszalkowska 136. Ad. M&rcin- 
cgib, Apotheker, Kiew. Paul Seebode, Apotheker, Riga, Kalkstr. 26. 

Hergestellt in der Kommandanten-Apotheke E. Taeschner, Berlin C. 1», 
Seydelsrrasse 16. (27) 26— 4. 


mildester alpiner 


n ■ /V TVT WASSERHEILANSTALT 

M a e n d 1 li o f (Oberinais) 

o •• ^ crvpn * und Chronisch kranke. 

Sudtirol-Oesterreich phys.-diät. Behandl., Mastkuren. 

WTNT’RP-TTUP.OP.T TüBERCULOSE ausgeschlossen. 
W UN 1 J-JAv IkUXwvXvi lllustr. Prosp. durch Dr. Ballmann. 

_(132) 20-20. 


„ICHTHYOL“ und 

„lctithyol“-)lerbindungen. 

„Ichthyol“ ■ Ammonium 

ginalblechen zu 5 Ko., 1 Ko., «/* Ko., 
V 4 Ko., */m Ko, und in Originalfla¬ 
schen zu 60 grm., 45 grm. und 30 grm 
ToliIliAfni*TVi^ oder Thiohydrooarbürutn sulfonicum - formaldehy- 
datum („Ichthyol“Formaldehyd), vorzügliches Darm- 
Antiseptikum, von uns geliefert in Originalabpackungen 
zu 25 grm. und 50 grm. 

oder Argentum tbiohydrocarbüro - sulfonicum solu- 
jpALIlUlciil. bile („Ichthyol“-Silber), löslich in kaltem sowie war¬ 

mem Wasser ; 30 °/o Silber enthaltend, hervorragendstes 
Antigonorrhoikum, von uns gelietert in Originalfläsch¬ 
chen zu 10 grm. 

- r*alpillTYl insolubJ1 e in Tabletten ä 0,1 grm., geruch- 
„lcninyoi -LdlLlUIIi und geschmacklos, kurzweg „Ichthyol*- 

Tabletten genannt, neue Form für interne 
Ichthyol-Darreichung, in Originalschachteln 
zu 50 Tabletten. 

oder » Ichtb y ol “- Eis enin8olubile, enth. 3 1 /* 0 « organ. 
1 IL-IItllUl gebund. Eisen, in Tabletten ä 0,1 gr., geruch- und ge¬ 
schmacklos, indicirt bei Chlorose uüd Anaemie, in Ori¬ 
ginalschachteln zu 50 Tabletten. 

Hfivfaänl** oder M eta-Kresol-Anytol solubile., enth. 40% Meta-Kresol, 
Desinfectionsmittel in der Chirurgie, in Originalabpackungen 
zu 50 grm 

oder Eucalyptol-Anytol solubile, enth. 40° o Eucalyptol, für 
j)l2UC/f!SUl zahnärztliche Verwendung, bei Stomatitis etc., in Originalab¬ 
packungen zu 50 grm. 

TaiI AtIV+aI“ solubile - enth - 10% Jod, Ersatzmittel des Jodoforms, in 
U UU"; J LUA Originalabpackungen zu 50 grm. von uns geliefert. 

Wissenschaftliche Abhandlungen über vorstehende Präparate, welche aus¬ 
schliesslich von uns allein hergestellt werden und deren Zeichen uns gesetzlich 
geschützt sind, versenden gratis und lranko. 

Ichthyol-Gesellschaft ^hambuTg 4 Co 


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St. Raphael-Wein 

r;i wird empfohlen als tonisch¬ 
stärkend und die Verdauung 
beföidernd. 

Der beste Frennd des 
Jija Magens. 

Eine Brochiire über den 
Raphael-W T ein als näh¬ 
rendes und heilendes Mittel, 

Dr. de Barre 

I r v(\ ■ wirdau fVerlangen zugesand. 
■ ifolu Der Wein ist von vorzüg¬ 
lichem Geschmack. 

Compagnie du vin St 
Raphael. Valence, Drome, 
France. (22) 10—7. 


In dem Verlage von J. F. Berg¬ 
mann, Wiesbaden, ist in IV. Anf¬ 
lage ei schienen und durch alle 
Buchhandlungen zu beziehen: 

„Das Astma 

handlung, nach 22jähr. Forschungen 
darges teilt v. Dr. W. Brügelmann, 
Anstaltsarzt in Südende - Berlin 
(vorm, langjähr. Director des Insel¬ 
bades) 218 S.4 M.» Haben schon die 
früheren Auflagen der Asthmalehre 
des bekannten Autors berechtigtes 
Aufsehen gemacht, so muss die neue 
Auflage als das Beste bezeichnet 
werden, was über Asthma geschrie¬ 
ben ist. (30) 1—1. 


Im Deutschen Alexander-Hospital wild 
Nachweis ertheilt über zur Zeit dienst¬ 
freie Pfleger und Pflegerinnen für die 
private Krankenpflege (gegen Zahlung 
von 50 Cop.). 














115 


Klimatischer Wald-Curort, Kumys- und Wasserheilanstalt 

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Besitztlmw des Grafen Plator-Sylierg, 7 Werst von Dwin«k. anf dem Lohen Ufer 
der Düna, in malerisch schöner, gesunder Gegeud. inmitten eines alten, ausge¬ 
dehnten Fichtenbestandes gelegen. Mit der Stadt Dwinsk Darapferverbindnng. 

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Saison vom 1. Mai bis zum 1. September. 

Echter Kumys aus Stutenmilch. Wasserheilanstalt mit allen erforderlichen 
Vorrichtungen, so z. B.: Wannenbäder aller Art, Douchen verschiedener Systeme, 
römische Bäder n. s- w. Moorbäder, Massage und Gymnastik. — 2 grosse Pensionate, 
Heilanstalten mit möblirten Zimmern. Pensionspreis 1 Rbl. 50 K. bis 3 Rbl. pro Person n. 
pro Tag. Neu aufgebaotes grosses 2-stöckiges Wintergebäude aus 38 Zimmern am hohen 
Ufer der Düna fiir gesunde Anreisende. Apotheke, Restaurant, Musik und Theater. 

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isolirt gelegene, vollständig möblirte Datschen mit Geschirr, liegen verstreut und 
eignen sich vorzugsweise für Familien. Genaue Auskunft ertheilen: upesi rop. 
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St. Petersburg Dr. med. Arronet (HaaexAHHCKaH 44, kb. 5. von 7—8 Uhr Abends 
ausser Sonnabend und Sonntag) nnd Dr. med. Shebrowski, Bbifi. ct. KasHiKa 
Bnjiabe. TepaneBTB^ecKoe OTjrfcaeeie. Nach dem 1. Mai: II out. Teaerp. otä JIiRcna. 
Bht6öcr. ryö. IIoryMHKa, JleueÖHoe saBeaeHie. (55) 3—2._ 


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Stört Appetit nnd Verdauung in keiner Weise. 

Nach Prof. Dr. Kleraperer ein ausgezeichnetes Heilmittel aller 
anämischen Zustände, erhöht den Hämoglobingeball bei schweren 
Chlorosen bis auf 90°/o. 

•« Literatur und Muster Diensten. *• 


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gratis und franco. Für H. 11. Aerzte besondere 
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Beginn der Saison 20. Mai, Schluss derselben 20. August. In der Anstalt weiden 
verabfolgt: Schlamm-, Moor-, Salz-, electrische-, Sand-, römisch-irische, Nauliei- 
mer kohlensaure- nach dem System von Fried. Keller nnd andere Heilbäder. Die¬ 
selben sind wirksam gegen Rheumatismus, Nervenschwäche, Neuralgie, Lähmun¬ 
gen, Bleichsucht. Skrofulöse, Rhachitis Frauenleiden und andere Krankheiten mehr. 
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Auskünfte und Quartiervermittelung gratis durch die Handlung J. B Specht, Pernan- 
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Qu. 10. 

Frau HaaenlusB Max. nox'ba'ieo. «. 14, 

bb. 16, 


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Dr. Hommel’s Haematogen 

Oereinigtoi ooncentrirtes Haemoglobin (D. R. Pat. J* 81,391) 70.0, ohemisoh reines Glycerin 20,0, Aromatische n. Gesebmacksznsitie 10,0 (Alcohol 2°/o). 

Als blutbildendes, organeisenhaltiges, diätetisches Nähr- und Kräftigungsmittel für Kinder nnd Erwachsene bei 

Schwebezuständen irgend welcher Art unerreicht, 

-+# besonders unentbehrlich in der Kinderpraxis. *♦- 

Haematogen'Hommel enthält ausser dem völlig reinen Haemoglobfei noch sämmtliche Salze des frischen Blutes, 
insbesondere ancli die wichtigen Phosphorsalze (Natrium und Kalium), sowie die nicht minder wichtigen Eiweissstofte 
des Serums in concentrii ter u. gereiniter unzersetzter Form (also nicht verdaut!). Die künstliche Verdauung, sei sie nun durch 
Säure-Pepsin oder Hitzegrade erzeugt, ist von der natürlichen weitaus verschieden. Peptone, Albumosen und peptonisirte 
Präparate werden, wie V o i t-München, N e a m e i s t e r-Jena und C a b n -Strassbarg nachgewiesen haben, überhaupt 
nicht direkt resorbirt; ihre Diarrhoe erzeugende Wirkung ist von zahlreichen Autoren festgestellt- Durch die künstliche 
Verdauung weiden zweife-los Stoße zersetzt, welche für die Nenbildung von Zellen im Organismus von höchster Wich¬ 
tigkeit sind. Schlagend wird dies durch die grossen Erfolge mit Haematogen Hommel gerade in solchen Fällen von 
Rhaehitis, Scrophnlose, Pädatrophie etc. etc. bewiesen, bei welchen vorher nutzlos peptonisirte, Präparate sowie Leberthran, 
Jodeisen n. s. w. angewandt wurden. 

♦- Haem atogen H ommel kanu als diätetisches, die tägliche Nahrung ergänzendes Mittel jahrans, Jahrein ohne Un¬ 
terbrechung geuommen werden. Da es ein natürliches organisches Product ist, treten niemals irgend welche Störungen 
ein, insbesondere nicht der bei längerem Gebrauche von künstlichen Eisenpräraraten unvermeidliche Orgasmus. 


Warnung irni» PSlanhnngf Wir warnen vor den zahlreichen Nachahmungen unseres Präparates, ins- 
Tv Oil 11 llilg »Uf I alsbllullg« besondere vor solchen mit Aether-Zusntz. Sie repräsentiren nur gewöhn¬ 
liche Mischungen. Jn solchen isü das Haemoglobin nicht in gereinigter, sondern in der mit den Excretionsstoffen (Hip¬ 
pursäure, flüchtige Fettsäuren, Gase etc. etc ) belasteten, also ungereinigten Form enthalten. 

Wir bitten daher, stets das Original-Präparat H&6ITlBtOQ6n HonHBfll zu ordiniren. 


Nachstehend einige nenere ärztliohe Gutachten. 


«Dr. Hommei’s Haematogen ordinirte ich in fol- 
genden Fällen: 

Fall I. Anaemie ex Tbc. pulm. inc. post morbillos et per- 
tusBiin. Eklatanter Erfolg, schnelle Gewichtszunahme,fri¬ 
sches Aussehen, guter Appetit, psychische Umstimmung. 

Fall II. Aoaemie ex Scropliulosi; Operation adenoider Vege¬ 
tationen, Appetit in Kurzem vorzügi., Gewichtszunahme. 
Fall III. Schwere Anaemie post abortum; rasche Kräfti¬ 
gung, abgekürztes Wochenbett. 

Ihr mir durch langjährige Erfahrung liebgewordeues 
Präparat findet täglich in d. Sprechstunde seine Ordination». 

(Dr. med. W. Schmidt, pract. Arzt n. Kinderarzt i Di««dßii.) . 

«Dr. Hommel’a Haematogen hat mir ganz vorzüg¬ 
liche Dienste geleistet. Ich war bei meinem Alter von 65 
Jahren durch die Anstrengungen des Dienstes sehr her- , 
untergekommeu und hatte den Appetit vollständig verloren. 
Ihr Haematogen hat mich aher (ohne nebenher etwa An¬ 
deres zn gebrauchen) wieder völlig auf d. Beine gebracht». 

(Sanitätsrath Dr. A. Nicolai, Greussen i. Thüringen.) | 

«Haematogen Hommel, aher ancb nur dieses wirkt 
hei Appetitlosigkeit wahre Wunder. Andere Präparate mit < 
ähnlich klingenden Namen wurden wegen ihres schlechten 1 
Aethergeschmacks gar nicht genommen. Ich kann Ihnen 
nur wiederholen, dass ich mit Haematogen Hommel, das 
ich sehr oft verordnet habe, bei Blutarmut und deren 
Folgezuständen sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen 
stets ausgezeichneten Erfolg hatte». 

(Dr. med. P. Wieczorek, Kreuzenort, Schlesien). 1 

«Dr. Hommel’8 Haematogen hat sich in meiner Pra¬ 
xis insbesondere bei anämischen Wöchnerinnen und Tuber¬ 
kulosen, sowie bei Neurasthenikern anPs Beste bewährt. 
In einem Falle von Neurasthenie war es mir möglich, 
selbstverständlich bei geeigneten sonstigen diätetischen 
Vorschriften, das Körpergewicht binnen 2 Monaten um 
ca. 13 Pfund zu heben. Ich werde nicht verfehlen, das i 
Präparat auch weiterhin bei Ernährungsstörungen jeglicher j 
Art anzuwenden». 

(Dr. med. Meyer, Müncheu.) | 


«Dr. Hommel’s Haematogen habeich in 2 Fällen mit 
glücklichem Erfolge angewendet. In einem Falle bei vor¬ 
geschrittener Phthise hat der Patient dieses Mittel sehr 
gnt vertragen, Körperkraft nnd Appetit wurden gesteigert, 
der Patient nimmt seitdem dieses Mittel ununterbrochen, 
ohne die kleinste Unannehmlichkeit seitens der Verdaa- 
ungsorgane zu verspüren. 

In einem Fall — Hysteria —, wo seit meiner Be¬ 
handlung — 8 Monate — wenigstens 10 Eisen- nnd Blnt- 
präparate angewendet worden, hat sich Haematogen Honi- 
inel sehr gut bewährt; die Patientin nimmt es sehr gerne 

nnd u-io ei» oolbot oohoa «Inisownl betontet sie lebt auf 

nach einem Schlnck von diesem Präparate. Ich werde Ihr 
Haematogen so wie auch bisher in vielen geeigneten rällen 
verordnen». 

(Dr. med. Läszlö Frigyes, Budapest.) 

«Durch die bisher mehr als 3 Jahre in meiner Pra¬ 
xis dauernde Verwendung Ihres Präparates habe ich mich 
von der ganz eclatanten Wirksamkeit desselben als blut¬ 
bildendes a. appetitanregendes Mittel überzeugt, so dass ich 
in meiner fast ausschliesslichen Kinderpraxis Ihr Haema¬ 
togen Hommel einzig und allein bei erwünschter Zufuhr 
von Eisen verwende». 

(Dr. med. G. Sonnenschein, Kinderarzt, OlmUtz.) 

«Haematogen Hommel verordne bereits seit 6 Jah¬ 
ren, immer mit bestem Erfolge, so dass icli in geeigneten 
Fällen stets mit grösstem Vertrauen zn demselben greife. 
— Ich erachte es als ein «Specificnm» bei allen Schwäche- 
zuständen im Kindesalter, gleichgültig ob primärer oder 
secundärer Natur, immer konnte ich schon nach einer Woche 
eine ganz enorme Steigerung des Appetits constatiren, 
dann Weichen der blassen Gesichtsfarbe, Kräftigung der 
Mnscnlatnr mit entsprechender Gewichtszunahme. — Ich 
bin froh, ein Mittel zu besitzen, welches, ich kann sagen, 
niemals im Stiche lässt und werde ich auch stets in mei¬ 
ner Kinderpraxis dieses Mittel anderen Eisenpräparaten 
vorziehen». 

(Dr. med. L. Bluhm, Krasoa (Mähren).) 


Versnchsquanta stellen wir den Herren Aerzten, die sich durch Eigenproben ein Urtheil bilden wollen, gerne gratis 
und franko zur Verfügung und bitten wir Solche vou unserem Versandt-Döpot: Apotheke auf Gross- 
Ochta in St. Petersburg zu verlangen. 

Tages-Dosen: Säuglinge 1—2 Theelöffel mit der Milch gemischt (Trinktemperatnrl), grössere Kinder 1—2 Kinderlöffel 
(rein!!), Erwachsene 1—2 Esslöffel täglich vor dem Essen, wegen seiner eigentümlich stark appetit¬ 
anregenden Wirkung. 

Verkauf in den Apotheken in Original-Flaschen. (8'/i Unz.) zu 1 Rub. 60 Kop. 

NICOLAY dt Co. Zürich. (46) 96— 2. 


JIo3B.neB8.Cn6., 23 MapTa 1902 r. Herausgeber Dr. Rndolf Wanack. Buchdruckerei v. A. Wienecke. Katharinenhofer Pr. 15. 


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UNiV. , ;i ;,-. v 

MAY 10 190: 


XXVII. JAHRGANG. ST. PETERSBURGER Neue Folge XIX. Jahrg. 

MEDICINISCHE WOCHENSCHEIFT 

unter der Redaction von 

Prof. Dr. Karl Dehio. Or. Johannes Krannhals. 

Jarjew (Dorpat). Riga. 


Dr. Rudolf Wanach. 

St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medieiaische Wochenschrift» erscheint jede a 
Sonnabend. — Der Abonnementspreis ist in Bnsslanä8 Rbl.fiir das 
Jahr, 4 Rbl. für das halbe Jahr incl. Postaustellnng; in den anderen 
Lindern 20 Mark jährlich, 10 Mark halbjährlich. Der Insertionspreis 
für die 3 malgespaltene Zeile in Petit ist 16 Kop. oder 35 Pfenn.—Den 
Autoren werden 2&Separatabsiigeihrer Originalertikelsngesandt.— 
Referate werden naeh dem Satse von 16 Rbl. pro Bogen honorirt. 


■V Abonnements-Aufträge sowie alle Inserate 
bittet man ausschliesslich an die Buchhandlung von X. L. Bioker in 
St.Petersburg,Newsky-ProspectJä 14, zu richten.— Xanusoripte 
sowie alle anf die Redaction bezüglichen Mittheilnngen bittet man an 
den gesch&ftsführenden Redactenr Dr. Budolf Wanaoh in St.Pe- 
tersbnrg, Petersburger Seite, Peter-Paulhospital an riehten Sprech¬ 
stunden Montag, Mittwoch nnd Freitag von 2—3 Uhr. 


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St. Petersburg, (12. April) 30. März 


1902 


Inhalt: Dr. med. A. Prtissian: Die neueren Methoden der physikalischen Chemie und ihre Bedeutung für die Bal¬ 
neologie. -- Bücheranzeigen und Besprechungen: 0. Schaeffer: Atlas und Grundriss der gynaecologischen Opera- 
tioDslehre. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. — Auszug aus den Protokollen der Gesell¬ 
schaft pract. Aerzte za Libau. — Vermischtes — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen. 


Oie neueren Methoden der physikalischen Chemie 
und ihre Bedeutung für die Balneologie. 

(Vortrag, gehalten am 4. Januar 1902 (22. December 1901) in 
der Section für wissenschaftliche Medicin des XI. Congresses 
russischer Naturforscher und Aerzte in St. Petersburg.) 
Von 

Dr. med. A. Prüssian 
aus Wiesbaden. 


Meine .Herren! Bevor ich mir erlaube, Ihnen als 
deutscher Gast Ihres Congresses eine Mittheilung zu 
machen über ein hauptsächlich in Deutschland in den 
letzten Jahren bearbeitetes Thema muss ich in mancher 
Beziehung um Ihre Nachsicht bitten. Erstens beherr¬ 
sche ich Ihre Sprache nicht in der wünschenswerten 
Vollkommenheit, sodann muss ich Sie bitten, mein Re¬ 
ferat lediglich ais fragmentarische Uebersicht auzusehen, 
welche in elementarer Darstellung einen Einblick in die 
Bedeutung der neuen Theorien gewähren soll. 

Für die mir zu Theil gewordene Gastfreundlichkeit 
sage ich Ihnen im voraus meinen herzlichsten Dank. 

Meine Herren! Im Jahre 1887 erschienen zwei Ar¬ 
beiten aus dem Gebiete der physikalischen Chemie, 
weiche auch für die Medicin eine grosse Bedeutung be¬ 
sitzen. Es sind das die Veröffentlichung von Van’t 
Hoff Uber die Natur der Lösungen und von 
Arrhenius über die elektrolytische Disso- 
ciation der in Wasser gelösten Stoffe. Für 
das Gebiet der Balneologie, auf welches ich hier 
Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte, besitzen diese neuen 
von Van’t Hoff und Arrhenius begründeten Theo¬ 
rien deshalb eine grosse Bedeutung, weil sie eine Er¬ 
klärung der chemisch-physikalischen Natur der Lösun¬ 
gen im Allgemeinen geben und weil die Mineralwässer 
nichts anderes sind als wässrige Lösungen an¬ 
organischer Salze. Als solche sind sie den von 
din beiden genannten Forschern aufgefundeneu Gesetzen 
unterworfen. Da die Methoden dieser Untersuchungen 
nicht nur für die Balneologie, sondern auch für die kli¬ 


nische Medicin von immer wachsender Bedeutung sind 
— ich nenne hier nur die Methode der Bestimmung der 
Gefrierpunktserniedrigung — so werden Sie 
mir gestatten, ihnen in Kürze den Weg zu skizziren, 
welchen die Eiectrochemie der letzten Jahrzehnte zu¬ 
rückgelegt hat, um zu der neuen Anschauung von der 
Natur der Lösungen, zu der sogenannten Jonen- 
Th eor ie, zu gelangen. 

Ueber die Natur der Lösungen hatte man lange Zeit 
keine klaren Vorstellungen. Den alten Satz: «Cor¬ 
pora non agunt nisi solnta» nahm man zwar 
als richtig an, konnte aber für das chemische Verhalten 
verschiedener in Lösung befindlicher Substanzen keine 
ausreichende Erklärung geben. So wusste man z. B. 
nicht, warum concentrirte Schwefelsäure chemisch 
weniger activ ist als v e r d ü n n t e. A priori sollte 
man doch annehmen, dass je mehr MolrkUie eines dif¬ 
ferenten Stoffes in der Volumeneinheit des Wassers vor¬ 
handen sind, dass desto stärker die chemische Activität 
der betreffenden Lösung sein müsse. In Wirklichkeit 
finden wir aber, wie für die Schwefelsäure, so auch für 
Lösungen anderer starker Säuren, Basen und Salze das 
umgekehrte Verhältnis, d. h. stärkere Verdünnung 
bedingt stärkere chemische Activität. Dieses auffallende 
Verhalten verschiedener Lösungen hat erst in letzter 
Zeit eine ausreichende Erklärung gefunden nnd zwar 
ist man durch drei, unabhängig von einander 
durchgeführte Untersuchnngsmethoden zu 
derselben Auffassung von der Natur der Lösungen 
gelangt. 

Die erste dieser Methoden war die Bestimmung des 
osmotischen Druckes der Lösungen. Man kann 
diesen Druck direct messen, indem man z. B. eine 
Zuckerlösung in ein Cylindergefäss giesst und sie durch 
eiue seraipermeable (halbdurchlässige) Membran von 
dem darüber befindlichen Wasser trennt. Diese halb¬ 
durchlässige Membran, welche Wasser, aber keine Zucker¬ 
moleküle durchlässt, denke man sich als Stempel 
frei im Cylindergefäss beweglich. Die gemäss dem 


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Gesetze der Osmose gegen die Wand drücken den 
Zuckcrmoleküle haben das Bestreben den Stempel 
in die Höhe zu treiben und eine Vermischung des Was¬ 
sers mit der Lösung bis zum Ausgleich ihrer Concen- 
trationen herbeizuführen; an der Zahl der Gewichte, 
mit denen man den Stempel belasten muss, damit er 
von seiner Stelle nicht verschoben wird, hat man ein 
directes Mass für die Grösse des osmotischen Druckes 
der betreffenden Zuckerlösung. Auf diese Weise fand 
man, dass der osmotische Druck einer Lösung direct 
proportional ist ihrer Temperatur und ihrer Con- 
centration, d. h. der Zahl der io Lösung befind¬ 
lichen Moleküle, woraus folgt: aequimoleculäre 
Lösungen haben denselben osmotischen 
Druck, sie sind isoton. Nicht die Art also, son¬ 
dern lediglich die Zahl der gelösten Moleküle bestimmt 
die Grösse des osmotischen Druckes einer Lösung. 
Van’t Hoff war es nun, welcher auf die Analogie 
dieses Gesetzes mit dem allbekannten Gasgesetze 
von Boyle-Mariotti aufmerksam machte. Auch 
der Gas-Druck ist abhängig von der Temperatur und 
dem Volumen des betreffenden Gases, d. h. von der 
Zahl und nicht von der Art der Gasmoleküle. Osmo¬ 
tischer Druck und Gasdruck sind somit identische Be¬ 
griffe und wir können den Satz aufstellen: Gelöste 
Substanzen üben in den Lösungen denselben Druck 
als osmotischen aus, den sie in gleichem Vo¬ 
lumen bei gleicher Temperatur in Gas-Gestalt zeigen 
würden. 

Diese Uebereinstiramung wie das ihr zu Grunde lie¬ 
gende Gesetz gelten aber, wie sich bald zeigte, nicht 
für alle gelösten Substanzen. Säuren, Basen und 
Salze aus chemisch stark ausgeprägten Elementen, also 
anorganische Verbindungen, wie z. B. HCl, NaOH, 
NaCI u. s. w., zeigen in verdünnten Lösungen einen 
grösseren osmotischen Druck als ihrer Concentration 
entsprechen würde. HCl z. B. zeigt bei einem gewissen 
Grade der Verdünnung fast den doppelten osmotischen 
Druck als die Concentration erwarten lässt. Das kann 
man nur dadurch erklären, dass die Zahl der deu osmoti¬ 
schen Druck bestimmenden Theilchen sich fast ver¬ 
doppelt haben muss, d. h. dass ungefähr alle in Lö¬ 
sung gegebenen HCl-Moleküle sich gespalten und die 
Dissociationsproducte H und CI gebildet haben. 
Auch hier besteht die von Van’t Hoff nachgewiesene 
Analogie mit den Gasgesetzen, da wir nach Avogadro 
auch für verschiedene Gase einen ähnlichen Dissocia- 
tionsvorgang aunehmen müssen. 

Die zweite Untersuchungsmethode, welche unabhän¬ 
gig von der ersten zu derselben Anschauung über die 
Natur der Lösungen geführt hat, ist die Bestiramung 
der Gefrierpunktserniedrigung einer Flüssig• 
keit. Diese geschieht meistens vermittelst des Beck- 
mann’schen Gefrierapparates, dessen Princip darin 
besteht, dass man mit ihm die Differenz bestimmte, 
welche zwischen dem Gefrierpunkte des destillirten Was¬ 
sers und demjenigen der zu untersuchenden Lösung be¬ 
steht. Fand man z. B. auf der Scala des in besonderer 
Weise graduirten B e k m a n n ’sehen Thermometers den 
Gefrierpunkt des destillirten Wassers bei a und den 
einer bestimmten Lösung bei b, so ist b—a die Ge- 
frierpuuktserniedrigung der betreffenden Lösung. 

Mit dieser Methode fand man das Gesetz, dass der 
Gefrierpunkt einer Lösung abhängig ist von der Con¬ 
centration derselben, d. h. er sinkt bei zuneh¬ 
mender Contraction. Aber man fand auch bald, dass 
dieses Verhalten sensu strictiori nur gilt von orga¬ 
nischen Substanzen. Bei Lösungen anorgani¬ 
scher Bestandtheile, speciell bei den von uns erwähn¬ 
ten Salzen, Säuren und Basen, war der Gefrierpunkt 
stets ein niedrigerer als der Concentration entsprach. 


Es blieb nur die eine E'klärung für die constante Ab¬ 
weichung übrig, dass nämlich solche Lösungen anorga¬ 
nischer Bestandtheile eine grössere Concentration 
erlangen als der Anzahl der in ihnen befindlichen Mole¬ 
küle entspricht, d. h. ein Theil der vorhandenen Mole¬ 
küle hat sich gespalten, es ist in der Lösung eine 
Dissociatiun eingetreten. 

Aber auch eine dritte, unabhängig von den beiden 
ersten durchgeführte Untersuchungsmethode führt zu 
der gleichen Annahme von Zerfallsproducten der Mole¬ 
küle in verdünnten wässrigen Lösungen anorganischer > 
Substanzen. Das ist die Messung der elektri¬ 
schen Leitfähigkeit der Lösungen. Die von 
uns charakterisirten anorganischen Säuren, Salze und 
Basen sind ja die Transporteure des elektrischen Stro¬ 
mes in wässriger Lösung. Sie führen den Namen der 
Elektrolyte, weil durch sie die Elektrolyse des ; 

Wassers erfolgt. Man sollte also anaelunon, dass eiue 
mit Elektrolyten stärker gesättigte, d. h. couce » trir- 1 
tere Lösung den elektrischen Strom besser leite als i 
eine verdünnte. In Wirklichkeit ist aber auch hier 
das Umgekehrte der Fall, die elektrische Leitfähigkeit 
solcher Lösungen wächst im Gegentheil bis zu einem 
sehr hohen Grade der Verdünnung. Das ist ebenfalls 
nur, wie Arrhenius naebgewiesen hat, durch die 
elektrolytische Dissociation in verdünnten Lösungen, d h. 
durch den Zerfall der Moleküle zu erklären. 

Meine Herren! Diese fragmentarische Uebersicht 
wird vielleicht doch im Stande sein Ihuen zu zeigen, ( 
dass die neue Theorie der Lösungen keine unsichere 
Hypothese, sondern eine naturwissenschaftlich durchaus I 
gestützte Anschauung darstellt, da man auf drei von 
einauder unabhängigen Wegen zu ein und demselben 
Resultate gelangt ist, nämlich zi der Thatsache, dass ii 
verdünnte Lösungen anorganischer oder mineralischer 
Bestandtheile, sogenannter Elektrolyte, einer mei: 
oder minder grossen Dissociation ihrer Moleküle unter- I 

liegen. Die auf diese Weise entstandenen Zerrallspro- \ 

ducte hat man Jonen genannt, d. h. Wanderer. >' 
Der Name kommt daher, weil bei Durchleitung eines } 
elektrischen Stromes durch eine solche dissociirte Lö- | 
sung der eine Bestandteil des gespaltenen Moleküls 
regelmässig nach der in die Lösung gebrachten Anode, 1 
der andere nach der Kathode wandert. Der Was¬ 
serstuff und die Metalle, welche sich in der Elektrolyse 
stets nach dem negativen Pol, der Kathode, begeben, 
heissen deshalb auch Kationen und müssen selbst po- \ 
sitiv elektrisch geladen sein; umgekehrt wandern die j 
elektro nega ti v en Säurereste und Hydroxyle, die 
Anionen, nach dem positiveu Pol, der Anode, ge¬ 
mäss dem Gesetze, dass entgegengesetzte Elektricitäten 
sich anziehen. 

Sie weiden nun fragen: welche Bedeutung haben diese 
neuen Theorien speciell für die Balneologie? — 

Die Antwort auf diese Frage ist im Allgemeinen schon 
gegeben worden, indem darauf hingewiesen wurde, dass 
die Mineralwässer nichts Anderes sind als Lösungen 
anorganischer Salze. Wenn wir sie jetzt nach den 
eben kurz skizzirten Theorien betrachten, so sehen wir 
zunächst, dass die bisher übliche Analyse der Mine¬ 
ralwässer eine ungenügende und ungenaue ist. Wir 
folgen hierbei den Ausführungen von Koeppe in ' 
Giessen (cf. Literatur). Ungenügend ist nach ihm 
die bisher allein übliche Analyse der Heilwässer des¬ 
halb, weil sie die Bestandtheile des Mineralwassers nur 
in Form von Salzen angiebt, während wir jetzt wis¬ 
sen, dass ein grosser Theil derselben dissociirt und in 
Form freier Jonen vorhanden ist; die bisherige 
Schreibweise der Analyse ist aber auch ungenau, 
weil man iu Wirklichkeit ja gar nicht die Chlor-, Jod¬ 
oder Schwefelsäuren Salze, von denen man liest, analy- 




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tisch bestimmt, sondern sie nur aus den thatsächlich 
bestimmten Bestandteilen der Salze, also aus den 
Jonen nach einem gewissen, nicht einmal einheitlichen 
Schema berechnet hatte. Vom «ionistischen» 
Standpunkte ist also die bisherige chemische Analyse 
insofern unanfechtbar, als sie in Wirklichkeit den Gehalt 
an Jonen eines Mineralwassers bestimmt, nor ist die 
Schreibweise in Form von Salzen allein eine irre¬ 
führende, denn in Wirklichkeit befinden sich in jedem 
Mineralwasser drei Arten von Molekülen; 

1. Elektropositive Kationen. 

2. Elektronegalive An io neu. 

3. Nicht dissociirte Salzmoleküle. 

Der Grad der Dissociation ist je nach der Natur 
des betreffenden Salzes und je nach der Concentra- 
tion des Mineralwassers ein sehr verschiedener, im 
Allgemeinen aber ein beträchtlicher, weil es sich um 
starke Verdünnungen handelt. Wie viel nun in 
Wirklichkeit an unzersetzten Molekülen, wie viel an freien 
Jonen ein Mineralwasser enthält, darüber kann uns nur die 
physikalisch-chemische Analyse einen Aufschluss 
geben, wie das der erwähnte deutsche Forscher durch 
seine grundlegenden theoretischen Ausführungen und prak¬ 
tischen Untersuchungen nachgewiesen hat. (Cf. Litera¬ 
turverzeichnisse Aus der Bestimmung der Gefrier¬ 
punktserniedrigung des betreffenden Wassers 
erhalten wir Aufschluss über den osmotischen Druck 
desselben und somit über die Zahl sämmtlicher, os¬ 
motischen Druck ausübender Theilehen, d. h. nicht nur 
der Jonen, sondern auch der unzersetzten Mole¬ 
küle. Andrerseits belehrt uns die Messung der elek¬ 
trischen Leitfähigkeit einer Quelle darüber, ob 
in ihr der eine oder der andere Bestandteil mehr in 
Form von Jonen oder in Form neutraler Moleküle 
vorhanden ist, da nur die Jonen elektrische Ladung be¬ 
sitzen und den Strom leiten, während die unzersetzten 
Moleküle, welche eben deshalb neutrale heissen, auf 
die elektrische Leitfähigkeit keinen Einfluss haben. 
Die chemlshe Analyse ist dadurch nicht etwa ent¬ 
behrlich geworden, sie wird aus praktischen Gründen 
stets notwendig sein ; aber erst in Verbindung und in 
Vergleichung mit der physikalisch - chemischen Unter¬ 
suchung eines Mineralwassers kann sie uns eine wirk¬ 
liche Vorstellung von der Natur einer Quelle geben. 
Die erste in dieser Hinsicht klassische Analyse eines 
Mineralwassers erfolgte für das Liebensteiner 
Eisenwasser durch Koeppe: er fand, indem er die bei 
einwandsfreier Untersuchung von Mineralwässern aller¬ 
dings recht complicirten Methoden der Gefrierpunkts- 
Erniedrigung und der Messung der elektrischen Leit 
fähigkeit anwandte, dass in dem Liebensteiner 
Wasser unzweifelhaft Mdeküle vorhanden sind, welche 
auf chemischem Wege bisher nicht zu eruiren waren. 
Schon aus diesem einen praktischen Resultate ist die 
Wichtigkeit dieser neueren Methoden für die Analyse 
von Heil wässern klar ersichtlich. 

Welche physiologischen Wirkungen müssen wir 
nun solchen, theils in Form unzersetzter Moleküle, 
theils in Form von Jonen in den Organismus einge- 
führten natürlichen Salzlösungen zuschreiben? Zunächst 
dürfen wir nicht, wie bisher, annehmen, dass alle Mole¬ 
küle der betreffenden Salze selbst im Magen resorbirt 
werden und so ins Bint übergehen. Wir müssen jetzt 
auch mit den freien Jonen rechnen, welche mit dem 
Mineralwasser in den Organismus gelangen. So hat z. B. 
von Mering nachgewiesen, dass das Anion-Chlor 
die Magen wand, welche wir als eine Art halbdurchläs¬ 
siger Membran betrachten können, nicht passiren kann. 
Führen wir nun mit einem Mineralwasser z. B. Na Cl- 
Moleküle ein, so kann auch das Kation Na zunächst 
nicht resorbirt werden, weil es vermöge der entgegen¬ 
gesetzten elektrischen Ladung an das Anion CI gebunden 


ist. Wohl aber wird das möglich, wenn in entgegen¬ 
gesetzter Richtung irgend ein elektro posi ti ves 
Jon aus dem Blute, welches ja ebenfalls anorganische 
Salze enthält, die Magenwand passirt und sich gegen 
das Na-Jon austauscht. 'Solche Detailuntersuchungen 
sind natürlich sehr complicirter Art, sie werden aber 
sicher die Zukunft physiologisch-balQeologiscber Unter¬ 
suchungen bilden müssen. 

Eins aber ist schon jetzt mehrfach untersucht und 
sicher gestellt: das ist der hohe osmotische Druck, 
welcher vielen Mineralwässern infolge der Dissociation 
in Jonen zukommt. Betrachten wir uns daraufhin einige 
russische Heilwässer. Prof. v. Poehl fand z. B. 
für 1 L. des Wassers von Borshom den hohen osmo¬ 
tischen Druck von 4,17 Atmosph. und für die Quelle 
Nr. 17 von Essentucky sogar 8,67 atmosphärischen 
Druck. Aus Deutschlaud führe ibh als Beispiel den in¬ 
differenten Homburger Ludwigsbrunnen au, der bei 
der geringen Concentration von etwas über 0,6 pCt. den 
hohen osmotischen Druck von 8,36 Atm. zeigt, ferner 
den Wiesbadener Hochbrunnen mit einer Con¬ 
centration von 0,803 pCt. fester Bestandtheiele (ohne 
Ca) und mit dem osmotischen Druck von 5,86 Atmo¬ 
sphären. Wir sehen also: selbst mit sogenannten in¬ 
differenten Mineralwässern wird häufig eine sehr hohe 
osmotische Bewegungsenergie in den Orga¬ 
nismus eingeführt. Dass diese Energie sich in physiolo¬ 
gischen wie pathologischen Zuständen sehr nachdrücklich 
geltend machen muss, das ist ohne weiteres verständ¬ 
lich, wenn man bedenkt, dass das Wasser über 50 pCt. 
der Körperbestandtheile aasmacht und dass unser Or¬ 
ganismus von unzähligen, verschieden concentrirten 
Strömen durchflossen ist, welche die Tendenz des os¬ 
motischen Ausgleiches haben. Ich möchte hierbei nur 
an den Ausspruch von Hoppe-Seyler erinnern: 
,,Alle 0 rganism e n leben im Wasser, und 
zwar im fliessenden Wasser“. Für unsere 
neuen Anschauungen hat aber das Wasser einen beson¬ 
deren, specifischen Werth im Haushalt des Orga¬ 
nismus noch dadurch gewonnen, dass es in höherem 
Grade als alle anderen Lösungsmittel die elektrolytische 
Dissociation, d. h. den Zerfall der anorganischen Salze 
in Jonen herbeiführt. Abgesehen von solchen allge¬ 
meinen Erwägungen ist gerade in neuster Zeit durch 
I)r. Dünschinann in Wiesbaden in sehr exakter 
Weise der einwandsfreie experimentelle Beweis geliefert 
worden, dass aus einem schwachen Mineralwasser stark 
dissociirte Salze ins Blut übergehen und den osmoti¬ 
schen Druck desselben um ca. 30 pCt. steigern können, 
(cf. Literatur). Eine sulche Steigerung des Blutdruckes 
muss natürlich auf die Resorption der Nahrungs¬ 
stoffe im Organismus einen grossen Einfluss haben. Dass 
dies in der That der Fall ist, das weiss man schon 
lange aus Experimenten mit Thieren, welchen man bei 
ausreichender organischer Nahrung die anorganischen 
Salze gänzlich entzog: sie gingen alle sehr schnell zu 
Grunde, weil die Nahrung nicht resorbirt wurde. Der 
thierische Organismus bedarf eben der mineralischen 
Salze zu seiner ausreichenden Ernährung. Köppe hat 
diese, vor ihm wohl gekannte, aber nicht genug betonte 
Erkenntniss in einer seiner Schriften (cf. Literatur) im 
folgenden Gedankengang präcisirt: Während die Energie, 
die dem Organismus mit den organischen Nähr¬ 
stoffen zugeführt wird, sich in Wärme umsetzt und in 
Kalorien sich berechnen lässt, äussert sich die Energie 
der eingeführten Salzlösungen im osmotischen 
Druck und wird gemessen nach Atmosphären. 
Gerade die natürlichen Mineralwässer sind es aber, 
welche, wie wir an dem Beispiele der angeführten 
schwachen Kochsalzwässer gesehen haben, infolge ihrer 
complicirten Zusammensetzung und ihrer sehr weit ge¬ 
henden elektrolytischen Dissociation einen unverhältniss- 


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massig grossen osmotischen Druck besitzen. Sie lassen 
sich in dieser Beziehung am besten vergleichen mit der 
Bouillon (Fleischbrühe). Die Werthschätzung der¬ 
selben in der Krankenpflege ist zu allen Zeiten eine 
gleich hohe geblieben, obwohl ihr von berühmten Phy 
siologen jeder Nährwerth abgesprochen wurde. Der er¬ 
fahrene französische Arzt Baudens sagte nach seinen 
Erfahrungen im Krimkriege: „c’est la soupe, qui fait le 
soldat“. Der Grund dafür ist, nach den Ausführungen 
Ko epp es, uns erst heutigen Tages verständlich ge¬ 
worden, da wir aus der Bestimmung der Gefrierpunkts¬ 
erniedrigung wissen, dass 1 L. Bouillon im allgemeinen 
einen osmotischen Druck von 7 l /z—9 Atm. austtbt, wäh¬ 
rend dem Blute bei gleicher Temperatur ein Druck von 
nur etwa 6 Atm. zukoramt. Genau das Gleiche gilt für 
viele Mineralwässer: auch sie sind, wie die Bouillon, 
auf künstlichem Wege nicht herzustellen, weil, wie wir 
jetzt wissen, die Salze und deren Bestandtheile in sehr 
complicirter und verschiedener Vertheilung und theil- 
weise in chemisch unbekannter Form sich in ihnen 
finden. 

Der mir zugemessene Zeitraum nölhigt mich, meine 
fragmentarischen Mittheilungen hier zu schliessen. Nur 
auf das Eine möchte ich noch hinweisen: die Bedeu¬ 
tung der Jonen der Heilwässer als Träger osmoti¬ 
scher Bewegungsenergie, mit deren physiologischer Wir¬ 
kung wir uns eben beschäftigen, ist nicht etwa die 
einzige Folgerung, die wir aus den neuen Auffas¬ 
sungen für die Balneologie ziehen können. Von viel¬ 
leicht noch grösserer Bedeutung ist die Erkenntniss, 
dass wir in den Jonen Elemente mit elektri¬ 
scher Ladung vor uns haben, deren specifische 
Energie bei der Berührung mit dem menschlichen Ge¬ 
webe und dessen Flüssigkeitsströmen sich geltend machen 
muss. In dieser Hinsicht möchte ich hier wenigstens 
hinweisen auf die Studien und Untersuchungen Fran - 
kenhäusers in Berlin. (Cf. Literatur). Wenn es 
mir also auch nicht möglich ist, die interessanten und 
wichtigen Folgerungen der letztgenannten Untersuchun¬ 
gen an dieser Stelle zu besprechen, so glaube ich selbst 
durch meine unvollständigen Mittheilungen doch einiger- 
massen überzeugend darauf hingewiesen zu haben, dass 
wir gegenüber der jahrhundertelangen mangelhaften 
Kenntniss der Wirkungsweise der Mineralwässer jetzt 
wenigstens den einen Fortschritt zu verzeichnen haben, 
dass wir unsere neueren Forschungen auf diesem Ge¬ 
biete auf einer naturwissenschaftlich begründeten An¬ 
schauung von der Art solcher natürlicher Salzlösungen 
aufbauen können. 

Literatur. 

1. Van’t Hoff, Zeitschr. f. physik. Chemie. 1887, 
pag. 481. 

2. Arrhenius, ibid. pag. 631. 

3. Ostwald, Electrochemie. — Leipzig 1896. 

4. Idem, Grundriss d. allgem. Chemie. — III. Aufl. 
Leipzig, 1899. 

5. v. Poe hl, „Wratsch“ 1899, Nr. 5. 

6. Idem, Zeitschr. f. diätet. u. physik. Therapie, 
Bd. IV, Heft 1. 

7. Koeppe, Physikal. Chemie i. d. Medic. Wien, 
1900. (Vollkommenes Literaturverzeichniss). 

8. Idem, Die physik.-chemische Analyse des Lieben¬ 
steiner Stahlwassers. Halle a/S., 1900. 

9. Id e m, Die Bedeutung der Salze als Nahrungs¬ 
mittel. — Giessen, 1896. 

10. v. Mering, Verhandlungen des XII. Congresses 
Mf. inn. edic., 1893. 


11. Dünschmann, Einfluss des Salzgehaltes der 
Trinkquellen auf die Blutbeschaftenheit. — Berlin, Aug. 
Hirschwaldt, 1901. (Preisgekrönte Schrift). 

12. Frankenhäuser, Die Leitg. d. Elektric. im 
lebenden Gewebe. — Berlin, Hirschwald, 1898. 


Bücheranzeigen und Besprechungen. 


0. Schaeffer. Atlas und Grundriss der gynaecolo- 
gischen Operationslehre. München. Lehmanns Ver¬ 
lag. 1902. 

Der vorliegende Handatlas illnstrirt mit 42 farbigen Tafeln 
und 21znm Theil farbigen Textabbildungen die verschiedenen 
Stadien der gebräuchlichsten gy ideologischen Operationen 
Die einzelnen Situationen sind iustructiv und naturgetreu 
wiedergegeben, die colorirten Tafeln künstlerisch ansgeföhrL 
Zar Erklärung dient ein knapp gefasster Text. Die Abbil¬ 
dungen beziehen sich auf die verschiedenen vaginalen Ope¬ 
rationen (Dammplastiken, Colporrhaphieen, Fisteloperationen. 
Totalexstirpation des Uterns etc.) und einige abdominale Ein- 
griffe. Der Atlas ist zu Unterrichtszwecken sehr zn em¬ 
pfehlen und schliesst sich an die von demselben Verfasser 
in der Reihe von Lehma n n s medic. Handatlanten erschie¬ 
nenen Bände I—III (Geburtsact und operative Geburtshilfe, 
geburtshilfliche Diagnostik und Therapie, Gynaecologie) an. 

L i n g e n. 


Protokolle des Vereins St. Petersburger A erste. 


701. Sitzung am 8. Januar 1902. 

Jahressitznng. 

T i 1 i n g : «Zur Appendicitisfrage». 

702. Sitzung den 22. Januar 1902. 

Vorsitzender: Th. v. Schröder. Secretär: Ucke. 

1. Heuking stellt ein 12jähriges Mädchen mit pro¬ 
gressiver Atrophie der linksseitigen Schul¬ 
ter- und Armmnsknlatur vor. — Das Mädchen 
ist noch bis vor 4 Monaten im Vollbesitz der Leistungsfähig¬ 
keit ihres linken Armes gewesen. Ende September trat unter 
heftigen, mehrere Tage währenden Schmerzen im linken Schul¬ 
tergelenk eine Schwerheweglichkeit des linken Armes ein. 
Am 8. December konnte H. eine sehr auffallende Atrophie 
und Functionsdefect folgender Muskeln constatiren: Muscul- 
ectoralis major, supra-et infraspinatus, serratns antic., rhom. 
oidei, mittlerer und unterer Abschnitt des Cucullaris. Der 
linke Arm konnte mit Miihe bis znr Horizontal ¬ 
eben e, darüber hinaus gar nicht gehoben werden; linker¬ 
seits bestand das Phänomqn der «losen Schulter». — 
Am 19. December wiederholten sich Schinerzattaqnen in der 
linken Schalter; bei der am 28. December erfolgten zweiten 
Vorstel